350 Euro für einen Sprung in der Schüssel

19 01 2011

Ungeschickt. Man sollte einfach keine nicht ganz leichten metallenen Gegenstände fallen lassen, wenn das fast neue Smartphone in der Nähe liegt. Nun hat mein Dell Streak eine kaputte Frontscheibe, da hilft auch kein bruchfestes Gorilla-Glas. Aber immerhin kein Schaden an Display oder Touchfunktion. Gerärgert habe ich mich also vorerst nur kurz, denn vom Dell-Service hielt ich bisher sehr viel. Was kann der Austausch einer 83cm² kleinen rechteckigen Glasscheibe schon kosten? Ein Anruf bei der Frankfurter Festnetznummer, ein paar Wochen Verzicht auf das Gerät und vielleicht 100, wenn es hoch kommt 200 Euro, das wäre dann aber schon recht happig.

350€! Dreihundertfünfzig Euro! So viel soll der Austausch der Scheibe kosten. Zum Vergleich: Für 430€ inkl. Versand bekomme ich im Handel ein Neugerät. Hat Dell ein Rad ab? Jetzt ärgere ich mich wirklich.

Was also tun? Der erste Impuls ging in Richtung Neugerät, nur aus Prinzip. Aber nach einem Tag schlechter Laune dreht sich meine Einstellung. Das Dell Streak ist etwa so groß wie meine Hand und liegt immer in meiner direkten Nähe, gibt also eine wirklich gute Trefferzone für alles mögliche ab, vom verschütteten Tee bis zu herabfallenden nicht ganz leichten metallenen Gegenständen. Es ist also nicht auszuschließen, dass die Scheibe irgendwann noch mal beschädigt wird. Bei 350€ für einen Scheibentausch ist mir das Risiko eklatanter Folgekosten einfach zu hoch. Vor allem aber bin ich entsetzt von und verärgert über Dell. Das können die doch nicht ernst meinen?

Momentan denke ich also über einen Markenwechsel in Sachen Smartphone nach. Das Dell Streak gefiel mir wirklich ausgesprochen gut. Die einzige wirklich bittere Pille war für mich bisher der unverschämte Preis von fast 35€ für ein zweites Ladekabel. Aber dass Dell seine Kunden im Servicefall derart nackig macht, geht gar nicht. Meine – wegen meiner bisher eigentlich hervorragenden Serviceerfahrungen – sehr Dell-affinen Notebookempfehlungen muss ich dann auch noch mal überdenken. Alles Mist.

Also werde ich wohl vorerst mal mit dem Sprung leben und die Smartphone-Neuerscheinungen der kommenden Wochen abwarten. Schade, denn das Streak habe ich in den paar Wochen wirklich lieb gewonnen.


Rauchen in Restaurants

22 09 2010

Kürzlich war ich in der Trattoria/Pizzeria gegenüber, um bestellte Speisen abzuholen. Irgendwas stimmte hier nicht und war doch so vertraut. Zuerst trat nur der Stapel Aschenbecher in mein Unterbewusstsein, der sich auf dem Anrichttisch neben den Servietten und dem Besteck befand. Da ich im Gespräch war, fiel mir erst nach einer Weile auf, dass auch auf den Tischen Aschenbecher standen und überall rauchende Gäste im schummerigen Licht saßen. Moment mal, der ganze Raum war total verqualmt; In einem Restaurant. In dem gegessen wird! Schlimmer noch, in einem Restaurant mit offenem Küchenbereich. Gibt es nicht seit ein paar Jahren so ein Nichtraucherschutzgesetz [PDF], das sich so schön NiSchG NRW abkürzt? Sind da nicht klare Regeln zum Thema Gastronomie und Rauchen kodifiziert? Dürfen die das? Immerhin stehen die (wahrscheinlich) nicht auf S und M oder zerschneiden sich mit Glas.

Nüchtern betrachtet: Nein, das dürfen die keinesfalls. Es gibt eine ausführliche FAQ zum NiSchG NRW, der man allerlei für Menschen umformulierte Ausnahmen entnehmen kann. Der Hauptgastraum eines Restaurants gehört keinesfalls dazu: Das Raucherclub-Schlupfloch gilt nicht und als Eckkneipe geht die Bude auch nicht durch, eine andere der zahlreichen Ausnahmen (Zelte, geschlossene Gesellschaften, Brauchtum etc.) kommen ebenfalls nicht in Betracht. Es gibt noch einen zweiten Gastraum zum Hof hin, der ist kleiner und abgeschlossen und erfüllt somit genau die Regeln für einen Raucherraum, aber ich stand im Hauptraum im Qualm. Raucherräume müssen übrigens immer die kleineren Räume sein, damit niemand auf die Idee kommt, die Abstellkammer zum Hauptraum zu erklären und an der Theke schön rauchen zu lassen.

An der Ecke gibt es noch eine größere Kneipe mit Billard, Kegelbahnen, Sport auf Großbildschirmen und richtiger Speisegastronomie, an der Tür hängt das Raucherclub-Schild und drinnen war es zum WM-Viertelfinale so verqualmt, dass man von der Tür nicht ohne weiteres den ganzen Gastraum erfassen konnte. Ein guter Grund, das Spiel doch zu Hause zu gucken. Auch hier gilt (wegen des Essens), dass es eigentlich keinen Raucherclub geben dürfte. Skandal!!11 In dieser scheiß Straße kann man nirgends hingehen, ohne seine Klamotten nachher zur Reinigung bringen zu müssen. Cafékneipe an anderer Ecke: Ebenfalls Raucherclub, aber immerhin ist Essen hier nur Nebensache. Bei den anderen Läden hier im Kiez (ich hasse dieses Wort) bin ich mir auch nicht sicher.

Fuck off, wieso interessiert es kein Schwein, dass es da eine gesetzliche Regelung für gibt? Nicht, dass ich – mit oder ohne Rauch – gerne in Kneipen rumhängen würde, das konnte ich noch nie leiden, aber manchmal muss man sich dem sozialen Druck beugen und in Kneipen rumhängen. Ganz zu schweigen von schummerigen Restaurants, die ich durchaus gerne mal besuche. Wieso muss ich hinnehmen, dass ich und mein Schlafzimmer nach so einem Besuch wie ein Aschenbecher müffeln? Das Leben ist nicht fair, zum kotzen.

Gerade stelle ich mir das süffisante Gesicht vom militanten Rauchertyp mit der kernigen Stimme vor, was mir eine Ahnung davon verschafft, wieso landauf, landab das NiSchG NRW kommentarlos ignoriert wird: Man wird als Spießer und Pedant dargestellt, wenn man kein Bock auf Qualm hat. Man soll mal die armen Raucher in Ruhe ihr Ding machen lassen und sich nicht anstellen. Wenn man kein Bock auf Kneipe hat, soll man halt zu Hause bleiben, man Pussy. Da kann ich nur eins sagen: Gar keine so schlechte Idee, geht man eben in Läden, die sich an Gesetze halten. Oder man bleibt einfach zu Hause, ist sowieso billiger und man kann ohne vollgequatscht zu werden seinen Joint rauchen. Wobei, das ist auch kacke, weil die Bude dann so stinkt. Das ist bestimmt auch der Grund, wieso viele Leute lieber in Kneipen rauchen. Jetzt verstehe ich auch, wieso das Rauchen in Kneipen so kratzbürstig verteidigt wird: Es ist das letzte Refugium der Raucher, denn zu Hause will man wegen des Gestanks und der ständig notwendigen Renovierungen (und nicht zu vergessen auch des Verlusts der Garantie der teuren Apple-Produkte) gar nicht rauchen. Außerdem kann man zu Hause auch nicht so schön das Enfant terrible geben, indem man anderen völlig selbstverständlich ungehörig auf die Eier geht. Was wir eigentlich brauchen ist kein NiSchG, sondern eine Renaissance der gesellschaftlichen Übereinkunft, dass man seinen Mitmenschen vorzugsweise nicht ungehörig auf die Eier geht. Freie demokratische Grundordnung und so. Es muss wohl ein Ruck durch Deutschlands Gastronomie gehen.

Übrigens apropos Joints: In Holland gilt in einigen Gemeinden striktes Rauchverbot, das sogar bei Coffee Shops keine Ausnahme macht, deren Kernzweck der Konsum von Cannabis ist. Auf den ersten Blick reichlich widersinnig, aber im Grunde leicht und vor allem deutlich gesünder zu lösen: Man raucht das Gras nicht, sonder isst Space-Cookies oder nimmt das THC vaporisiert statt verbrannt zu sich. Davon muss man nicht husten, zieht sich keine giftigen Verbrennungsprodukte rein, es stinkt gar nicht und die Wirkung ist um Größenordnungen effizienter zu erreichen (gemessen an der verbrauchten Menge bei gleicher Wirkung). Nachteil: So ein Vaporisator ist nicht ganz billig in der Anschaffung und die gas- oder akkubetriebenen mobilen Geräte machen mangels präziser Temperaturregelung wohl keinen Spaß. Also sitzt man um so ein stationäres Ding wie um eine Shisha oder befüllt große Ballons und reicht die herum. Stilvoll ist wohl anders, aber da müsste man Experten in Sachen Rauchen und Stil befragen.

P.S. Bei IKEA gibt es neuerdings einen leicht dunkel verglasten Raucherkäfig im Eingangsbereich des Restaurants. Da drin sitzen rundherum sichtbar ein paar Raucher im eigenen Saft und gehen ihrem Laster nach. Das sieht so demütigend aus, dass die einem fast leid tun. Andererseits ist es schon eine befriedigende Vorstellung, das Ziel der Finger von empörten Mamas zu sein, die ihren Amélies und Torbens die Raucher-Outlaws als Musterbeispiel eines keinesfalls erstrebenswerten Lebensstil vorführen; nur um irgendwann enttäuscht festzustellen dass die Kinder irgendwann erst recht die Leute werden, vor denen ihre Eltern sie immer gewarnt haben. Demnächst schminke ich mich KISS-mäßig und stelle mich eine Weile in den Raucherzoo, um mich auch mal kernig und männlich zu fühlen. Schlimm genug, dass mir kein brauchbarer Bart wächst. Vielleicht bin ich dabei sogar nackt, rufe die Republik freier Raucherzoo aus und zu freier Liebe auf. Arrr.


Zensursula als Bundespräsidentin?

02 06 2010

Da tritt überraschend ein Bundespräsident zurück, den keiner so richtig scheiße fand, was das bestmögliche realistische Ergebnis für einen Bundespräsidenten ist. Und natürlich wird sofort ein Nachfolger gesucht, soweit alles nachvollziehbar. Aber warum zur Hölle favorisiert man dann zwei Personen, die bei einer nicht zu unterschätzenden Bevölkerungsgruppe die meistgehassten Politiker der letzten 10 Jahre sind? Herr Schäuble wäre von den beiden noch der tragbarere, aber Frau von der Leyen als Bundespräsidentin zu favorisieren ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht all derer, die sie bei sich unter dem Buchstaben Z wie Zensursula eingeordnet haben, sondern auch ein klares Zeichen für die Geringschätzung des Bundespräsidenten als Insititution. Malte Welding hat das sehr schön formuliert, ein Auszug daraus:

Es reicht nicht, durch Kindergärten zu ziehen und Vergewaltigungen von Kindern schlecht zu finden. Das tut jeder, er tourt damit bloß nicht durch die Republik, weil es selbstverständlich ist und den politischen Aussagegehalt hat von Facebookgruppen, die sich gegen AIDS, Krieg und Umweltverschmutzung richten. Dass sie ihren politischen Gegnern implizit unterstellt hat, Kinderpornographie gutzuheißen, zeugt hingegen von einer Skrupellosigkeit, die selten zu finden ist. Spalten und Verhöhnen mögen eine erfolgreiche Populistin machen, eine Bundespräsidentin kann man so vielleicht werden, aber nicht sein."

Dem Artikel ist nicht viel hinzuzufügen, Sascha Lobo fasst das auf Twitter prägnant zusammen:

"Ursula von der Leyen ist im Volk beliebt." WHILE ($volk = ($alle - $internet))

Frau von der Leyen ist ein für mich derart unerträglicher Gedanke, dass ich sogar Schäuble oder Stoiber lieber sehen würde (und davon abgesehen für sogar durchaus geeignet halte). Und das muss wirklich etwas heißen.

Und weil alle so schön ihre Favoriten ins Spiel bringen: Hans-Jürger Papier, der vor kurzen ausgeschiedene Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts klingt nicht schlecht, bei aller Kritik auch Joschka Fischer. Frau Käßmann gehört auch nicht zu den schlechten Vorschlägen. Wie auch immer, um es mit Herrn Häkelschwein zu sagen:

Liebes Internet, du hast jetzt 30 Tage Zeit, um Frau von der Leyen als Bundespräsidentin zu verhindern. Enttäusche Deutschland nicht!


Arme Blockwart-Würste

05 12 2009

Fefe benutzt im Kontext der Wikipedia-Relevanz-Farce immer wieder den Begiff Blockwart, der es wirklich gut trifft. Elende Spaßbremsen, die mit irgendwelchen streng ausgelegten Regeln im Rücken gegen das Böse in Form von unerträglichen Regelverstößen kämpfen. Ein Musterbeispiel ist Knöllchen-Horst, der Querulant von Osterode, dessen Hobby es ist, Falschparker und andere Staatsfeinde anzuzeigen und der es mit einer Anzeige gegen einen falsch parkenden Rettungshubschrauber irgendwann überreizt und es damit in die überregionale Presse geschafft hat. Was für eine arme Wurst.

Schöne Story jedenfalls, die mich an ein Erlebnis vor vielen Jahren erinnert hat: Rügen, Sommerurlaub auf dem autofreien Campingplatz. Ich habe das Auto vom Parkplatz geholt und bin nahestmöglich an den Waldweg herangefahren, der vom Campingplatz kommt. Dort habe ich wenige Minuten auf meinen Vater gewartet, der aus irgendeinem Grund schlecht zu Fuß war. Nahestmöglich bedeutet, dass ich bis an das "Verbot für Fahrzeuge aller Art" herangefahren war und das Auto weiterhin am Steuer sitzend am Straßenrand abgestellt hatte. Vor mir, also hinter dem Schild stand noch ein weiteres Auto. Wenige Sekunden später hielt hinter mir ein Pick-Up, der im Gegensatz zu mir die Straßensituation jetzt doch deutlich verengte. Es stieg ein Rentner aus, zückte seine Digitalkamera und fotografierte mich, den Wagen, in dem ich saß inkl. Nummernschild und den Wagen, der vor mir stand. Dann klopfte er an meine Scheibe und wies mich eingeschränkt freundlich darauf hin, dass wir, also der andere Wagen und ich, hier nicht stehen dürften, weil da ja ein "Verbot für Fahrzeuge aller Art" Schild stünde, das wär ja wohl sonnenklar und er hätte Beweisfotos angefertigt und würde uns anzeigen, wenn wir nicht sofort verschwinden würden. Ich war etwas verdattert, guckte mich kurz um und wies ihn dann darauf hin, dass der andere Wagen, wie leicht am Nummernschild zu erkennen, offensichtlich nicht zu mir gehört. Zudem stünde ich ja auch irgendwie recht offensichtlich vor und nicht hinter dem "Verbot für Fahrzeuge aller Art" Schild und zuletzt würde ich hier im Gegensatz zu ihm gerade niemanden blockieren und falls doch, ja im Wagen sitzen, um im Zweifel Platz zu machen. Ganz offensichtlich warte ich ja hier auf jemanden, denn aus Jux und Dollerei würde ich an dieser Ecke sicher nicht rumstehen. Keine Ahnung, was ich genau gesagt habe, aber inhaltlich kommt das hin. Wie denkt ihr, hat der Typ darauf reagiert? Richtig! Er hat gebrummt, dass ich hier trotzdem nicht stehen dürfe (was ich mangels so auslegbarer Beschilderung nicht so sah) und hat sich verzogen. Meinem ersten Impuls, dem Typen hinterher zu fahren und ihn in der nächsten gefährlichen Kurve (die es dort gar nicht gibt) abzudrängen, habe ich nicht nachgegeben. Mich hätte aber schon interessiert, was das für ein Menschenschlag ist, wo und wie so jemand wohnt und all das. Sicher war der seinerzeit Stasi-Spitzel für die gesamte Nachbarschaft. Ich hätte ihn vielleicht auf ein, zwei Herrengedecke in der einzigen Kneipe am Ort einladen sollen, ein interessantes Quellengespräch führen und ihn dann wegen Fahren unter Alkoholeinflusses anzeigen sollen.

Die Moral von der Geschicht: Hilfspolizisten und Blockwarte gibt es überall und nie, absolut nie machen sie Spaß. Insgeheim träumen die sicher von spannenden Kriminalfällen, die sie wie Kalle Blomquist meisterdetektivisch aufklären können. Bis dahin zeigen sie jeden Falschparker an, nicht nur die, die wirklich asozial jemanden (oder auch mal ganze Straßenbahntrassen) blockieren. Und gehen damit jedem Sachbearbeiter und sonstwie juristisch beteiligten auf den Sack und halten sie von ihrer Arbeit ab. Ob so Typen so werden, weil sie in der Schule schon immer alle verpetzt haben und dafür angemessen gemobbt wurden? Und bei manchen wirkt das nicht heilsam, sondern bestätigt sie darin, das Richtige zu tun? Eine mögliche Erklärung liefern die Beginner.


Es muss weh tun, aber so richtig!

02 09 2009

Der Sportartikelhersteller JAKO ist plötzlich in aller Munde. Binnen 48 Stunden erlangt die Marke die traurige Berühmtheit, die dreisteste und unangemessenste Blogger-Abmahnung weit und breit verbrochen zu haben. Die Ausgangslage gibts als Kurzfassung im Wikipedia-Eintrag zu JAKO (vorsicht: Edit-War) und eine wirklich gute Zusammenfassung des Falls liefert Thomas Knüwer im Handelsblatt.

Es ging richtig los, als ein recht gut gelesener Blog die Story aufgreift und sich die Story über Twitter innerhalb weniger Stunden durch die ganze deutsche Bloglandschaft verbreitet, wie ein Lauffeuer. Blogger reagieren extrem empfindlich auf solche Storys, weil solche Willkür jederzeit auch sie treffen kann. Und diese Variante ist neu und macht einfach nur sprachlos in ihrer realitätsverneinenden Dreistigkeit. Das ist eine neue Stufe im Abmahnwahn. Natürlich solidarisiert man sich spontan, regt sich unheimlich auf. Tags drauf erreicht die Story Spiegel Online und andere Medien (etwa heise.de oder HORIZONT.NET), das Agenda Setting von Twitter und den Blogs funktioniert inzwischen recht gut. Man spricht von einem PR-GAU erster Kajüte. Und ja, das ist es allerdings, und zwar zu Recht!

Jedes Unternehmen, das meint, in einer derartigen Form auftreten zu können, muss bluten. Es muss weh tun. Es muss ein abschreckendes Beispiel abgeben, dass sich so ein Mist nicht lohnt, sondern zu einem Bumerang schrecklichen Ausmaßes wird. Ich warte auf ein Unternehmen, dessen Untergang auf so einem Scheiß basiert und dessen Fall die PR- und Unternehmensführungsliteraur schmückt. In meinem Studium kam Unternehmensethik durchaus vor und auch der Umgang mit Kritik: Nestlé war mit seinem Milchpulver-Skandal ein Beispiel und Shell mit der Brent Spar, die Sache ist also nichts neues. Wirkt sich das in der Praxis aus? Nein. Die ganzen Business Kasper müssen eingebleut bekommen, wie man sich unternehmensethisch korrekt verhält. Im Internet scheint das noch nicht bei allzu vielen angekommen zu sein. Das, was JAKO da rausgehauen hat ist derart mustergültig asozial und falsch, dass es brummt. Ich kann wirklich nur hoffen, dass JAKO diesen Skandal auch zahlenmäßig operationalisiert aufs Brot geschmiert bekommt. Nur harte Zahlen können wirklich etwas bewegen bei ahnungslosen Entscheidern.

Aus der Geschichte lassen sich zwei Forderungen ableiten: Zum einen sehe ich eine Teilschuld ganz klar beim schief hängenden Instrument der Abmahnung. Was spricht dagegen, wie in England eine vorherige kostenfreie Anfrage bezüglich der Entfernung des Abmahngegenstandes vorzuschreiben? Ein einfacher Anruf oder eine simple E-Mail würde reichen, um die meisten Streitereien im Keim zu ersticken, schnell und unbürokratisch. Eine Abmahnung kann man immer noch raushauen, wenn das nicht fruchtet. Die zweite Forderung kommt ins Spiel, wenn die Rechtslage so bleibt: Es gibt Bedarf für ein allgemeines Verzeichnis zu Unrecht oder übertrieben abmahnender Unternehmen. Ein Zentralregister für Rechtsmittelmissbrauch quasi. Das Instrument Abmahnung ist ja mit Absicht so aufgebaut, wie es ist. Dass es derart massenhaft und haarsträubend missbraucht wird, ist ein recht neues Problem und ist mit dem Internet ins Spiel gekommen. Und das funktioniert nur, weil plötzlich Unternehmen mit Rechtsabteilung gegen leicht einzuschüchterne Bürger antreten. Da ist viel zu holen. Ein prima Thema also für die Piratenpartei, denn die etablierten Parteien kümmern sich schon seit Jahren nur halbherzig oder gar nicht um das Thema.

P.S. Natürlich hat JAKO sich auch noch einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt für seine Aktion ausgesucht: Die Netzaktivistenszene hat sich gerade erst schlagfertig aufgebaut für einen Kampf gegen all diesen Mist, die Stimmung ist nicht zuletzt wegen des Wahlkampfes extrem aufgeheizt, die Multiplikatormaschine läuft auf Hochtouren. Und dann kommt da so ein Unternehmen angestolpert, gerät volles Rohr in diese Maschine und bekommt all den grassierenden Unmut stellvertretend für die CDU volle Breitseite ab. Gegen einen deutlichen Wahlsieg der Internetausdrucker wird man nicht viel ausrichten können, aber die dafür in Stellung gebrachte Kampfkraft kann man ja mal am nächstbesten Unternehmen ausprobieren, das es sich verdient hat. Hätte JAKO die Nummer vor einem Jahr gebracht, wäre die Sache sicher anders ausgegangen.

Nachtrag 03.09.2009: Im Wikipedia-Eintrag herrscht gerade ein Edit-War über den Eintrag, deswegen gibts die schöne Kurzfassung vielleicht gerade nicht. Langfristig wird sie aber drin stehen, deswegen bleibt der Link.

Nachtrag 04.09.2009: JAKO hat inzwischen eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der man einräumt überreagiert zu haben. Kein Wort zur haarsträubenden Rechtsauffassung, die im Anwaltsschreiben sehr klar formuliert war (siehe Urprungseintrag auf allesaussersport.de), weiter spricht man in scheinbar leicht beleidigtem Ton:

Ohne die endgültige Klärung des Sachverhalts unter den Rechtsanwälten abzuwarten, alarmierte Baade daraufhin die Bloggerszene.[…]

Wir haben uns rein rechtlich überhaupt nichts vorzuwerfen, betont Rudi Sprügel, aber rückblickend betrachtet, wäre es viel besser gewesen, wir hätten mit Herrn Baade persönlich Kontakt aufgenommen und die Sache mit ihm direkt geklärt. Sprügel bedauert, dass sich die Auseinandersetzung unnötigerweise so aufgeschaukelt hat.

Ein echtes Mea Culpa sieht anders aus, aber was will man von einer Pressemitteilung anderes erwarten. Der ganze Text versucht krampfhaft, JAKO in der Sache noch halbwegs gut aussehen zu lassen. Wo ist das Signal, dass Jako und seine Rechtsberater in Zukunft vorher nachdenken und nicht nachher? Ich bin mir sicher, dass beide Seiten aus dieser unerfreulichen Geschichte gelernt haben. ist zu schwammig. Was hat JAKO aus der Sache gelernt? Sieht man ein, dass Abmahnungen der falsche Weg sind, mit Kritik umzugehen? Dass man sich einfach melden könnte und solche Sachen gütlich klären oder eben auch mal Kritik, auch unsachliche, einfach hinnehmen? Immerhin räumt man ein, dass die zweite Eskalationsstufe überreagiert war. Der Chef will sich zudem dafür einsetzen (nur einsetzen?), dass Trainer Baade keine finanziellen Nachteile erwachsen und lädt ihn zu einem Gespräch in die Firmenzentrale ein. Mir reicht das nicht für eine volle Rehabilitation. Diese Reaktion ist wirklich nur das mindeste, was JAKO tun konnte, damit es nicht noch schlimmer wird; um das Image zu reparieren, wäre aber mehr nötig. In der Uni lernt man zum Thema Krisen-PR recht klare Anweisungen, daran sollte sich auch JAKO halten. Kurz gesagt: Man geht offen auf die Kritiker zu, redet Klartext, räumt berechtigte Kritik in vollem Umfang ein, verspricht für die Zukunft Besserung im Sinne von Besserung und nicht nur "kommt nicht nochmal vor, ihr Spackos". Welche konkreten Maßnahmen hat das Unternehmen eingeleitet, um den Dialog mit den Kunden zu verbessern? Vielleicht verspricht man sogar, in Zukunft an der Diskussion teilzunehmen statt sie unterdrücken zu wollen. Und vielleicht tut man das sogar auch noch und stellt einen Community-Manager ein, der kein PRler ist, sondern eben ein Community-Manager. So kann man den Vorfall sogar ins Positive drehen, das geläuterte Unternehmen. Nur muss man das auch tun und nicht nur versprechen, sonst wird jemand garantiert die Aussagen in einem Jahr noch mal auf den Tisch holen und überprüfen. Im Übrigen ist ein Community-Manager sowieso keine schlechte Idee, auch ohne Krise. Der Community-Manager sucht Diskussionen über JAKO im Netz und klinkt sich ein, wo Kritik oder Wünsche geäußert werden. Das tut er offen als Firmenmitarbeiter und bietet Lösungen auf dem kleinen Dienstweg an. Fußballclubs haben selbstverständlich Fanbetreuer, der Community-Manager ist sowas ähnliches, nur eben für die Kunden und im Internet.


Wut über Hausdurchsuchungen aus fragwürdigem Grund

14 08 2009

Hausdurchsuchungen aus fragwürdigem Grund sind ja eh eine latente Angst von mir, aber auffällig hoher Stromverbrauch als Grund geht echt zu weit. Im DHV Newsletter lese ich gerade von einem Fall in Duisburg, wo die Stadtwerke die Polizei benachrichtigt haben, weil jemand einen auffällig angestiegenen Stromverbrauch hatte. Das reicht schon als Grund für eine Hausdurchsuchung. Dabei ist es völlig egal, dass tatsächlich ein paar Hanfpflanzen gefunden wurden. Hausdurchsuchungen aus solchen Gründen gehen einfach zu weit. Der Typ hätte sich auch einen neuen Gaming-Rechner gekauft haben können, die nuckeln ja mit Bildschirm und allem auch an die 400W, die so eine Lampe zur Hanfzucht zieht. Oder völlig überdimensioniertes Flurlicht, wie wir damals in der WG: Da hatten Flur, Küche und Bad insgesamt 17 35W Halogenlampen, was zusammen mit Trafoverlusten bequem 700W aus dem Netz zog. Oder man legt sich eine Freundin zu, die beim regelmäßigen Duschen mit dem 20kW Durchlauferhitzer ordentlich zusätzlichen Strom verbraucht. Oder ein großes Aquarium, wie mein ehemaliger Mitbewohner. Es gibt einfach tausend Gründe für auffällig ansteigenden Stromverbrauch.

Ich weiß echt nicht, was ich tun würde, wenn bei mir die Polizei früh morgens klingeln würde, um mal so auf Verdacht zu gucken, ob ich Gras anbaue. Ein unfassbares Unding. Ich baue kein Gras an, also trifft das berühmte nichts zu befürchten auf mich zu. Aber allein, dass ich im Zweifel auf so einen derart losen Verdacht hin eine Hausdurchsuchung hinnehmen muss, kotzt mich so unfassbar an, das glaubt ihr gar nicht. Und man kann nicht mal im Nachhinein etwas dagegen tun. Selbst wenn sich so eine Hausdurchsuchung später als rechtswidrig herausstellt, passiert nichts weiter. Bin ich der einzige, den der um sich greifende viel zu leichtfertige Eingriff in die Unverletzlichkeit der Wohnung ängstigt?

Ich hätte glatt Lust, eine Growbox aufzustellen, damit sich so ein Besuch wenigstens lohnt. Natürlich ohne Pflanzen drin, dafür mit einer Webcam, um die enttäuschten Gesichter aufzunehmen. Hehe. Wenn man schon nichts gegen überflüssige Hausdurchsuchungen tun kann, kann man ja wenigstens etwas Spaß damit treiben. Später kann man dann auch wie die Typen vom CCC Sätze mit bei meiner letzten Hausdurchsuchung anfangen und kann auch noch eine lustige Story hinterher schieben.

P.S. Darf man eigentlich bei so einer Durchsuchung darauf bestehen, bei allen Handlungen der Beamten anwesend zu sein? Also dass die nicht ausschwärmen, sondern man denen auch alleine über die Schulter gucken kann? Wahrscheinlich ja, aber vor allem: Darf man die ganze Aktion zu Protokollzwecken auf Video aufnehmen? Darf man dann so ein Video mit ggf. geschwärzten Gesichtern der Beamten veröffentlichen? Ich muss echt den Vortrag von Udo Vetter noch mal angucken.

P.S.S. Was bei der ganzen Cannabis-Prohibition für eine Kohle verbrannt wird. Würde man den Cannabisanbau für den Eigenbedarf legalisieren (oder wenigstens mit der Verfolgung aufhören), könnte man die vielen freiwerdenden Kapazitäten entweder einsparen oder der Verfolgung richtiger Straftaten zuführen. Richtige Straftaten sind für mich Sachen, bei denen jemand irgendwie geschädigt wird, was beim Anbau von Cannabis ganz offensichtlich nicht der Fall ist. Die Freiheit des einen findet bekanntlich da ihre Grenzen, wo sie die Freiheit eines anderen beeinträchtigt. Simpler Merksatz eigentlich…


Aber wenn nur ein Kind…

05 08 2009

Immer wieder bekommt man in der Zensurdebatte als Argument für Netzsperren gegen Kinderpornographie das gleiche dumme Argument zu hören: Wenn durch die Netzsperren nur ein Kind weniger missbraucht wird, dann hat sich das ganze gelohnt! Mir fällt wirklich kein dümmeres Argument ein als dieses. Sollte man diesem Argument konsequent folgen, wäre exakt alles erlaubt, um Kindesmissbrauch zu verhindern. Alles, was auch nur im entferntesten dazu beitragen könnte, wäre in Ordnung. Eigentlich brauche ich nicht weiter schreiben, denn jeder kann sich selbst ausmalen, was man denn dann alles tun könnte und konsequenterweise auch müsste. Trotzdem ein Beispielezur Verdeutlichung, was ich meine:

Diesem Argument folgend müsste man also in jede Wohnung eine Kameraüberwachung durch die Polizei installieren oder noch besser direkt 24 Stunden am Tag einen Polizisten ausnahmslos jedes Kind begleiten lassen. Wobei… dem Argument folgend kann man auch der Polizei nicht trauen, also lässt man jedes Kind stets von zwei Polizisten begleiten, die sich alle Nase lang abwechseln. Nicht, dass es noch Absprachen gibt.

Verdammt, macht Euch doch mal frei von diesem Verfolgungswahn und macht Euch frei vom Gedanken der totalen Sicherheit. Die wird es nicht geben, nie und nimmer. Und damit muss man einfach klar kommen. Niemand möchte, dass irgendwo Kinder missbraucht werden. Man wird es aber leider nicht verhindern können, so sehr man sich auch anstrengt.

OK, aber warum finde ich das Argument so dämlich? Wenn die Netzsperren doch vielleicht dabei helfen? Das Argument an sich ist in meinen Augen schlicht und einfach ungültig, weil es auf alles passt. Ein Totschlagargument, auch wenn ich den Begriff nicht mag. Wer auf so eine Argumentation zurückgreift, hat sonst nichts vorzubringen oder ist rein emotional gesteuert. Neulich kam eine Freundin mit genau diesem Argument und hatte Wasser in den Augen stehen, weil Kindesmissbrauch sie so wütend und betroffen macht. Emotional zu argumentieren funktioniert in einem echten Diskurs aber nicht, denn die nüchterne Logik ist dabei ausgeblendet, und ohne Logik funktioniert kein Diskurs.

Aber was, wenn doch ein Kind vor Missbrauch bewahrt wird durch die Netzsperren? Ganz ehrlich: Wieso sollte jemand, der Kinder missbraucht, damit aufhören, weil jemand im Web vor möglicherweise davon angefertigten Aufnahmen einen Vorhang zieht? Mir ist die Kette nicht ganz klar, die hier herbeigewunschdenkt wird. Es ist reine Spekulation, dass eine solche Sperre irgendeinen Effekt auf den Tausch von Kinderpornographie hat und erst recht ist es reine Spekulation, dass sie einen Effekt auf die Zahl der Missbrauchsfälle hat. Meine Gegenthese hatte ich hier im Blog schon mal aufgestellt: Was, wenn durch das ganze Gerede um das Gesetz Leute erst auf die Idee gekommen sind, sich mal Kinderpornos anzugucken?

Das alles ganz davon abgesehen, dass nur ein minimaler Anteil aller getauschten kinderpornographischen Bilder im Web (also das, was man im Browser aufruft und worauf sich die Sperren beziehen) auftaucht. Die Strafverfolger sagen recht einhellig, dass der weit überwiegende Großteil per Post transportiert wird. Und jetzt kommt der Sprung zur dummen Argumentation: Wenn der Großteil der Kinderpornos per Post transportiert wird, wäre es dann nicht unsere Pflicht, das Postgeheimnis aufzuheben, wenn dadurch nur ein Kind…? Ich denke es ist klar geworden, wie unsagbar dumm diese Argumentation ist.

P.S. Noch jemand, der mit diesem Argument um die Ecke kommt, ist Nora Reich von den Grünen (hier das Video ihrer Rede auf YouTube). Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihren unfassbar stotterigen Vortragsstil peinlicher finde oder ihre 100%ige Wiedergabe der #Zensursula Argumentation. So oder so, es scheint nicht wenige Grüne zu geben, die dieser Argumentation folgen. Und wer wird es ihnen verübeln, fühlen sie doch in ihrem Herzen, dass was getan werden muss. Denn wenn nur ein Kind…, ihr wisst schon.

P.P.S. Ich wiederhole mich, aber es muss noch mal in aller Deutlichkeit gesagt werden: Es geht hier um die Einrichtung einer Infrastruktur zur Zensur des World Wide Web. Kinderpornographie ist nur die Einstiegsdroge gewesen, denn inzwischen fordert auch Frau von der Leyen selber eine Diskussion über die Ausweitung der Sperren auf andere Inhalte. Aktuell im Angebot: Nazis, Hass, Killerspiele und – Überraschung! – Urheberrechtsverletzungen. Letzteres dürfte übrigens das Hauptziel sein, denn die Musikindustrie kam mit genau dieser Idee schon vor fast zehn Jahren. Jetzt, wo das Fass offen ist, sollten wir uns also schnell vom Glatteis der Kinderpornodiskussion herunter bewegen und Tacheles reden: Es geht nicht um Kinderpornos. Leute, lasst Euch doch nicht verarschen.

P.P.P.S. Ich werde hier nicht alle meine Inhalte wiederholen. Unter diesem Artikel gibt es eine Liste von Schlagwörtern, auf die man draufklicken kann. Unter dem Schlagwort "aktivismus" finden sich eine Menge vorhergehender Artikel zum Thema. Bevor man mich also volllabert, sollte man da mal nachlesen, was ich bereits geschrieben habe.

Nachtrag: Wer immer noch abstreitet, dass hier eine Zensurinfrastruktur für das Web aufgebaut wird, hat scheinbar die Nachrichten nicht gelesen, etwa bei heise.de (auch wenn das Familienministerium dementiert, muss man das aus dem Wortlaut des Interviews doch entnehmen). Aber Frau von der Leyen ist in bester Gesellschaft mit Überlegungen zur Ausweitung der Sperren, andere fordern ganz direkt und unverblümt die Ausweitung auf die oben genannten Themenfelder.


Ein paar Häuser weiter brennt es

24 07 2009

Feuerwehreinsatz 24.07.2009 Ackerstraße von meinem Arbeitszimmer aus gesehen Gerade kommen wir vom Essen nach Hause und beim Weg durch die Lindenstraße sehen wir Rauch in unserem Hinterhof (gemeint ist das Innere unseres Blocks). Ich bleibe kurz stehen und überlege, ob ich die Feuerwehr rufen soll, aber der Rauch ist zu wenig und zu hell. Also lasse ich es und gehe weiter in die Ackerstraße, vom Balkon kann man ja noch mal gucken. Aber Nix da! Straße gesperrt und alles voll mit Feuerwehr, Polizei und Krankenwagen. Feuerwehrmänner mit Sauerstoffflaschen machen sich bereit und fette Schläuche liegen auf der Straße. OK, da brennt es offensichtlich doch. Unschön. Vor Wohnungsbränden habe ich schon seit meiner Kindheit eine übersteigerte Angst. Beruhigend, dass die Feuerwehrleute relativ gelassen aussehen. Immerhin. Auf unserem Balkon stinkt es jedenfalls ziemlich. Das Bild ist aus dem Fenster meines Arbeitszimmers aufgenommen, nicht viel zu sehen.

Nachtrag 25.07.2009 01:19 Uhr: Die meisten Feuerwehrleute standen in voller Montur etwa eine Stunde herum, dann wurde zusammengepackt. Gut: Scheinbar ist nichts weiter passiert, vielleicht(!) weiß die Zeitung ja in ein paar Tagen mehr.

Nachtrag 27.27.2009: Inzwischen steht etwas zu dem Brand in der Zeitung: Die unsachgemäße illegale Stromabzapfungsinstallation einer 400m² Hanfplantage war die Brandursache. Na sowas: Da hat man eine riesige Hanfplantage vor der Haustür und erfährt auf diese traurige Weise davon.


Mal wieder was von mir, oder auch nicht, warum nicht?

20 06 2009

Meine sieben letzten Blogeinträge sind alle politischer Natur und alle sehr lang, das kotzt mich selber schon an. Ich habe zur Zeit keine anderen Themen drauf und das langweilt mich. Also vergesse ich mal kurz die ganze politische Empörung und schreibe etwas über mich. Was mache ich zur Zeit? Was bewegt mich abseits der gesellschaftlichen Thematik?

Die Antwort ist leider eine wenig spannende: Über Berufliches mag ich nicht gerne bloggen, vor allem wenn ich Firmen als Kunden habe, denen ich einen gewissen Hang zur Diskretion unterstelle oder mit denen ich schriftlich Verschwiegenheit vereinbart habe. Davon abgesehen ist das aber auch wenig spannend zur Zeit. Ein wenig TYPO3 hier, Symfony dort, eine Seite mit Concrete5 da und Magento ist auch im Spiel. Zwischendrin etwas Hardware und meine Vorlesung, die schon wieder um ist und eine Klausur braucht. Insgesamt berate ich zu wenig, das finde ich schade. Explizite Beratung ist in meiner Zielgruppe der sehr kleinen bis mittleren Unternehmen zur Zeit wenig gefragt.

Und privat? Über Sex habe ich nichts öffentlich zu verkünden. Mir fällt einfach kein abstrakter Text dazu ein, der dennoch interessant wäre. Überhaupt habe ich momentan wenig Bedarf, über mein Privatleben zu sprechen. Im Grunde gibt es da auch nichts zu erzählen, alles entweder langweilig oder nicht für die Öffentlichkeit geeignet. Ich blogge so viel über politische Themen, um überhaupt etwas zu schreiben. Und ob ihr es glaubt oder nicht, mir macht es großen Spaß über politische und gesellschaftliche Themen zu schreiben. Mit meinem Erörterungen zum Thema DRM fing das an, schwang sich bei der Vorratsdatenspeicherung auf und ist mir mit der Netzzensur richtig ans Herz gewachsen. Ich kann diese elenden Lügen einfach nicht unkommentiert stehen lassen, ich kann nicht tatenlos und ohnmächtig zusehen, wie ein paar Leute all das kaputt zu machen versuchen, was in den letzten Jahren in unser aller Leben getreten ist und dieses so unendlich bereichert.

Meine Kindheit kannte noch Wählscheibentelefone und über ARD, ZDF, WDR, RTL und die Rheinische Post hinaus hab es keinen relevanten Zugang zu aktuellen Informationen. Die Taz meines Vaters fand ich irgendwie komisch, finde ich auch heute noch. Abbildungen nackter Haut habe ich (leider vergeblich) in Altpapiercontainern gesucht, irre, dass ich da mal durch die Öffnungen gepasst habe. Dann, ich war 15, kam das Internet bei uns an. Ich hatte keine Vorstellung davon, was das sein soll, aber es fühlte sich sofort richtig an. Trotz AOL, dem wir sofort nach Aufbrauchen der Freistunden mit einem Gruseln den Rücken gekehrt haben. Das war nicht das Internet. Um ins echte Internet zu kommen, das – soviel stand fest – um Längen besser war, musste man einige Klimmzüge machen. Das richtige Internet war dann die Freiheit. Auf einen Schlag war die Freiheit über die Menschheit gekommen, aber das verstand damals noch kaum jemand; wer drin war, hatte zumindest ein diffuses Gefühl davon. Es hat weitere zehn Jahre gedauert, bis auch paranoide Innenminister und ihre Kollegen wirklich eine Vorstellung vom ganzen Ausmaß dieser Freiheiten mit all ihren für sie ganz grauenvoll erscheinenden Wirkungen bekommen haben. Die Versuche, das wieder zurückzudrehen, den Geist wieder in die Flasche zurück zu sperren, sind daher umso radikaler. Ach was heißt radikal? Sie sind dreist, dumm und gefährlich und jeder, der fühlt wie ich, bleibt fassungslos zurück. Da sind diese Regierenden, die aus offen zur Schau gestellter Ahnungslosigkeit heraus alles kaputt trampeln wollen, so viel sie in dieser politischen Konstellation noch durchsetzen können. Die große Koalition ist ein gesellschaftliches Pulverfass, weil die Opposition nicht nur ein bisschen, sondern massiv machtlos zusehen muss, wie eine CDU ohne Gegenwehr durch irgendwen auch krudeste Ideen in Gesetze gießen kann. Das Bundesverfassungsgericht hatte wahrscheinlich noch nie so viel mit derart haarsträubend verfassungsfeindlichen Gesetzgebungen zu tun, wie in dieser Legislaturperiode. Da passieren Sachen, die mit einer freiheitlich demokratischen Grundordnung rein gar nichts mehr zu tun haben. Da werden Aspekte, die aus gutem Grund vorne im Grundgesetz festgeschrieben wurden, ignoriert und mit Füßen getreten. Was soll man anderes tun, als aufzustehen und irgendwas zu tun? Rumsitzen und zusehen ist keine Option. Der Scheiß betrifft uns alle und es darf nicht sein, dass das alles ohne Gegenwehr so durchläuft.

Sorry, schon wieder politisch geworden. Ich halte hier mal an und lösche den bereits geschriebenen Absatz wieder. Ich wiederhole mich. Also noch mal: Momentan kann ich über mein Privatleben wenig spannendes erzählen, vielleicht demnächst mal wieder. So long, liebe Grüße an alle.


Achtung auf der Flip-Flop-Scheibe - neue Zensurrunde

20 06 2009

Wie nicht anders zu erwarten, werden die Forderungen nach Ausweitung der Internetzensur auf andere Bereiche fernab der Kinderpornographie sofort nach Verabschiedung des Gesetzes richtig laut. Aus allen Ecken kommen sie jetzt hervor und melden zu sperrende Inhalte an. Hier Killerspiele, da Urheberrechtsverletzungen und ganz neu: Ausländische Versandhändler, die in Deutschland aus Jugendschutzgründen indizierte oder gar nicht auf dem Markt gekommene (Killer-)Spiele bewerben und nach Deutschland versenden. Statt den Reality-Check zu machen, dass man weltweit den strengsten Jugendschutz hat und offensichtlich kein anderes Land das so streng sieht und dass der Kauf von und die Information über solche Medien im Ausland nun mal ein von Deutschland aus nicht anzugehendes Problem darstellt, wird hier einfach gefordert, den Zugang zu fremdländischen Inhalten zu blockieren.

Bevor wir uns falsch verstehen: Der deutsche Jugendschutz ist nicht unwichtig und auch nicht vollständig übertrieben. Aber es gibt nun mal Unterschiede in der Gesetzgebung zwischen Ländern und es gibt einen freien Binnenhandel innerhalb der EU. Den Informationsfluss über Grenzen hinweg beschränken zu wollen ist nicht nur unglaublich albern, sondern auch unglaublich typisch für totalitäre Systeme. Das Verbot von Westfernsehen, das Abhören von Telefonaten und das Öffnen und Mitlesen von Briefen in der DDR ist gerade mal 20 Jahre her, ein Verbot Feindsender zu hören und Feindzeitungen zu lesen ist in Deutschland gerade mal 64 Jahre vorbei. Und jetzt fordern Leute allen Ernstes, die Kataloge ausländischer Versandhäuser zu zensieren (bzw. den Zugang dazu ganz zu blockieren), weil sie Waren bewerben, die in Deutschland nur Erwachsenen zugänglich sein dürfen, in den betroffenen Ländern (und auch sonst überall) aber völlig legal für jedermann zugänglich sind. Und die geforderten Sperren gelten selbstverständlich nicht nur für die deutsche Jugend, sondern für jeden Deutschen. Dieser Idee folgend müsste eigentlich das halbe Internet gesperrt werden, weil im Ausland andere Gesetze gelten und der Zugang zu in Deutschland als jugendgefährdend geltenden Inhalten (in erster Linie Pornographie) ermöglicht wird. Aber Zensur findet nicht statt in Deutschland.

In nächster Zeit werden wir noch viele solche Forderungen hören von CDU-Politikern auf Stimmenfang. Und das alles gilt es zu verhindern. Das Ekelargument Kindesmissbrauch ist ja jetzt erst mal für eine Weile verbrannt und mancher meint, dafür müssen wir der SPD im Grunde dankbar sein. Die Argumentation ist lesenswert und auch nachvollziehbar. Aber zu einen glaube ich nicht daran, dass die SPD geschlossen derart selbstlos im Sinne der Bürgerrechte denkt und handelt: Wir sind eh raus aus der Kiste und die nächste Regierung beschließt im Falle unserer Ablehnung nur noch schlimmeres, deswegen stutzen wir das Gesetz auf ein ansatzweise erträgliches Maß zusammen und gehen dann erst sterben. Das halte ich für eine sehr unwahrscheinliche Motivation für die SPD, dem Gesetz quasi geschlossen zuzustimmen.

Ebenso wackelig ist die Prämisse, dass die nächste Regierung ohne das jetzt verbrannte Kinderporno-Argument keinen Rückhalt für weitere Sperrungen haben wird. Zum einen wird denen sicher etwas anderes plakatives einfallen (Killerspiele, Jugendschutz, oder der Terror muss eben wieder herhalten), zum anderen haben die schon jetzt bewiesen, dass ihnen Meinungen von Außen scheiß egal sind und sie ihre Gesetze trotzdem wider jede noch so laute und vor allem berechtigte Kritik einfach ohne Rücksicht durchziehen. Urheberrechtsverletzungen, Killerspiele, das böse Ausland mit seinen laschen Gesetzen oder auch Wikileaks, die Forderungen sind ja schon da und die Infrastruktur ebenfalls. Ein kleiner Beschluss der nächsten Regierung (natürlich wieder mit dicker schwarzer Beteiligung) und die Sperren werden auf beliebige Themen ausgeweitet, Schritt für Schritt. Spezialgesetz hin oder her, dann macht man eben ein neues Spezialgesetz dazu auf. Dass der Einstiegspunkt die angebliche Verhinderung von Kindesmissbrauch war, wird in Vergessenheit geraten, die Infrastruktur ist halt nun mal da.

Deswegen werden wir nicht aufhören mit unserem Widerstand. Das Gesetz ist durch, wir haben an dieser Front verloren, wie wir auch schon bei der Vorratsdatenspeicherung kläglich verloren haben. Ach ja: Das Bundesverfassungsgericht wird die nächsten zehn Jahre jede halbe Jahr um ein weiteres halbes Jahr Beobachtung der Vorratsdatenspeicherung verlängern, von der Seite brauchen wir also kein Stopp zu erwarten.

Wenn eine Regierung für Expertenmeinungen und Vernunft und Petitionen und Widerstand nicht zugänglich ist, ist sie unerträglich geworden für eine Gesellschaft. Und zwar völlig unabhängig von deren sonstigen Positionen, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Den Nazi-Vergleich spare ich mir besser, was ich aber sagen will: Die CDU arbeitet mit Vollgas an der gesetzlichen Infrastruktur, die für ein totalitäres System benötigt wird. Ohne der CDU vorwerfen zu wollen, totalitäre Bestrebungen zu haben, muss die Frage gestattet sein, warum man dann massiv an den Voraussetzungen dafür arbeitet? Und eine Partei, die solche Gesetze beschließt darf nicht wieder gewählt werden.

Jede Stimme gegen die CDU/CSU zählt! Machen wir einen Online-Wahlkampf gegen die CDU/CSU, jetzt.