Neuen politischen Terrorismus braucht das Land

14 09 2011

Vor ein paar Jahren habe ich mal in einem Artikel prophezeit, dass irgendwann eine neue RAF oder etwas ähnliches entsteht. Nun mag man das Phänomen Anonymous, LulzSec und Co. bereits so werten, dass meine Aussage erfüllt ist, auf so etwas wollte ich damals unter anderem auch hinaus, aber das ist noch einiges von dem entfernt, was ich eigentlich meinte. Mit einem neuen politischen Terrorismus meinte und meine ich tatsächlich radikalere Ansätze wie den der (frühen) RAF. Dass das nicht mit Bombenanschlägen und Entführungen einhergehen muss sollte durch den Zeitgeist gedeckt sein, das ist oldschool und an Leib und Leben anderer heranzugehen hat sich als die eine Spur zu krass herausgestellt, dass es selbst hartgesottenen Typen zu weit geht. Davon abgesehen, dass damit auch die Grenze überschritten ist, bis zu der man im Volke noch mit Rückhalt rechnen kann. Da will momentan wohl niemand noch mal hin, was gut ist.

Aber die Radikalität als (letztes) legitimes Mittel der politischen Meinungsäußerung anzusehen ist auch heute noch – oder wieder – in der Jugend herauszuhören. Was Anonymous und LulzSec dieses Jahr in die Medien getragen haben war ein auf mehreren Ebenen wichtiges Signal. Offensichtlich ist, dass endlich jemand wirksam in die Medien trägt, was IT-Experten seit Jahren anprangern, nämlich den absolut unzureichenden Umgang mit dem Thema Datenschutz bei fast allen Institutionen. Das wird seit Jahren gepredigt, angeprangert, immer wieder weisen wir "IT-Experten" auf die Problematik hin, aber es hat einfach niemand zugehört. Nun kommt die Quittung und das kann ich im Sinne des Told-You-So-Karmas nur gut heißen. Das nur am Rande, denn auch darauf will ich nicht hinaus, da ist ja keinerlei Terrorimus in Sicht, sondern in vielen Fällen schlicht Erpressung oder Rache oder auch "nur" Lulz (also Spaß am Vandalismus).

Trotzdem ist bei einigen Angriffen ein gewisses politisches Moment auzumachen, mal mehr, mal kaum bemerkbar. Und hier liegt die Keimzelle zum neuen politischen Terrorismus, wie ich ihn postuliere. Nicht mehr lange, da bin ich mir sicher, und wir werden klar politisch motivierte Aktionen aus den gleichen Kreisen zu sehen bekommen. Die Aufmerksamkeitsmaschine läuft ja bereits, das Motiv Rache/Vergeltung haben wir auch bereits (bei Sony, PayPal und MasterCard) gesehen, nun fehlt nur noch die klare politische Forderung und ein bisschen mehr Sprengkraft als DDoS mit der Low Orbit Ion Cannon (was für ein großartiger Name) oder die Veröffentlichung von schlechtest gesicherten 1.000.000 Kundendaten von irgendeiner Firma. Hervorzuheben sind in diesem Sinne klar das Defacement der GEMA-Website (mit der schönen Meldung "Diese Website ist in Deinem Land nicht verfügbar") und die Veröffentlichung von Mailadressen samt Passwörtern einer großen Porno-Website mit einigen sehr peinlich berührten Mitgliedern in politischen Ämtern der USA. Da geht die Reise hin.

Die Sprengkraft muss sich bei den richtigen Leuten entfalten. Als sich kürzlich Sebastian Edathy von der SPD zu Recht über die absurde Urheberrechtslage in Deutschland aufgeregt hatte, bekam er als Antwort einen lesenswerten offenen Brief und viel Häme aus dem Netz ausgeschüttet, weil es nun eben (endlich) jemanden trifft, der für die ganze netzpolitische Misere mitverantwortlich ist, in der wir stecken. Oder das Thema Hausdurchsuchungen auch nichtigsten Verdachtsmomenten heraus. Ich warte tatsächlich täglich auf Aktionen, die dafür sorgen, dass eben diejenigen, die dem absichtlich keinen Riegel vorschieben, diese Keule abbekommen. Es ist zur Zeit geradezu lächerlich leicht, jemanden in irgendeinen Verdacht zu bringen, der eine Hausdurchsuchung rechtfertigt. Es reicht ja mitunter, dass ein Nachbar meint, verbotene Pflanzen auf dem Balkon gesehen zu haben. Oder man kapert den Rechner einer Zielperson und tritt ausgiebig in die zahlreichen Kinderporno-Honeypots, die die Strafverfolgungsbehörden angeblich betreiben, um Kinderporno-Konsumenten zu fangen. Technisch ist das kein Problem, mit etwas sozialem Geschick bekommt man auch durchaus gezielt bestimmte Rechner mit Bots infiziert. Die naheliegende Idee dahinter ist ja, dass (Innen-)Politiker, nur mal selber direkt oder indirekt von vorschnellen Hausdurchsuchungen und ähnlichen Repressalien betroffen sein müssen, damit die Hürden dafür wieder angemessen hoch gehängt werden.

Und ich wage mal zu behaupten, dass auf solche Ideen nicht nur so friedfertige Leute ohne kriminelle Energie wie ich kommen, sondern eben auch diejenigen, die PayPal DDoSen und Millionen Kundendatensätze von Sony erbeuten und veröffentlichen. Der Netzgeneration auf die Füße treten tun nicht nur Sony und PayPal, sondern dank Vorratsdatenspeicherung, ständig steigender Kriminalisierung der Lebensbereiche, Netzsperren etc. eben vor allem die konservative Politik (wozu bei diesem Themenbereich eben leider auch die Grünen und die SPD zählen, nicht nur die CDU/CSU).

Das meine ich mit neuem politischen Terrorismus. Triff die richtigen wo es ihnen weh tut. Neu ist dabei der dritte Faktor: Bleib auf dem Teppich. Wo man früher entführen musste oder mit Bomben Leute töten, um die nötige Krassheit zu erreichen, hat die Jugend heute ja ein viel subtileres und vor allem nicht lethales Instrumentarium an der Hand, es ist nur eine Frage der Zeit, wann es genutzt wird. Nicht ob.

Das soll übrigens kein Aufruf sein, vielmehr zahle ich hiermit schon mal für später auf mein Told-You-So-Karma-Konto ein. Ich behalte nämlich nur all zu gerne Recht.


Das Lebensgefühl der Piraten jenseits des Internets

30 10 2009

Martin Weigert antwortet auf netzwertig.com auf die Frage, wie man das Lebensgefühl der Piraten jenseits des Internets beschreiben kann mit der Feststellung, dass schon die Frage falsch gedacht ist:

WiWo-Chef Tichy liefert in seiner Frage den Denkfehler gleich mit, der die etablierten Parteien dazu bringt, eine wachsende Zahl von (Jung-)Wählern durch ihre Ansprache und ihr Parteiprogramm nicht mehr zu erreichen: Er sucht das Lebensgefühl des Piraten-Umfeldes jenseits vom Internet. Doch lässt sich hier tatsächlich noch zwischen Internet und der realen Welt unterscheiden? Ich behaupte, nein.

Ein wichtiger Teil des Lebensgefühls im Netz aktiver Bürger ist die nicht mehr vorhandene Unterscheidung zwischen offline und online. Das Internet ist nicht mehr eine Mediengattung unter vielen, sondern es ist DAS allgegenwärtige Medium, welches einen rund um die Uhr begleitet.

Das ist so treffend formuliert, dass es mir einen eigenen Blogeintrag wert ist. Das Internet ergänzt das Leben quasi um eine Metaebene. Der Gedanke, dass man sich jetzt ins Netz einwählt, dort etwas tut, als wäre es ein eigener Ort, als würde man dorthin verreisen und danach von dort zurückkehren, ist so unglaublich naiv gedacht. Sowas kann nur von Menschen kommen, deren Zugang zum Netz über Bin ich schon drin, oder was? in den letzten zehn Jahren nicht wirklich hinausgekommen ist. Dass man sich mit so einer ahnungslosen Anfänger-Attitüde überhaupt noch auf das Parkett der breiten Öffentlichkeit traut, liegt einzig und allein daran, dass man noch in bester Gesellschaft ist. Nichts gegen Anfänger, jeder fängt mal klein an, die Frage ist aber, ob man sich dann unbedingt ahnungslos stolpernd in dieser Größenordnung äußern muss. Ich würde mich in jedenfalls Grund und Boden schämen, wenn ich mich auf bundespolitischer Ebene so naiv etwa zum Thema Finanzmarkt äußern würde. Ein schönes Beispiel für peinlichst ahnungsloses Geqautsche leiferte zuletzt Frau Zypries mit ihrem Google-SMS-Gestammel ab.

Nun darf man natürlich hoffen, dass sich diese Leute rauswachsen, das werden sie auch sicher tun. Aber in der Zwischenzeit werden sie noch so viel kaputt machen mit ihrem Bestreben, das Internet zu bekämpfen. Das Internet geht nicht wieder weg und es wird sich auch ganz sicher nicht mehr zurückziehen und sich seine Nische suchen neben Zeitungen und Fernsehen. Es durchdringt die Gesellschaft um Klassen tiefgreifender und revolutionärer als das etwa der Buchdruck getan hat, eben weil es einen universellen Ansatz verfolgt. Es ist OK, sich da raus zu halten. Aber dann sollte man sich auch nicht einmischen. Ich lese keine Tageszeitung, hab ich noch nie getan. Ein bisschen schäme ich mich dafür, weil ich weiß, dass in Zeitungen viele gesellschaftlich wichtige Dinge drinstehen. Aber ich ziehe aus diesem Umstand nicht den Schluss, dass man Gesetze zur Eindämmung der gemeinen Zeitung erlassen muss. Ich finds doof, deswegen ist es doof und deswegen gehört es bekämpft. Was für ein hirnverbrannter und selbstverliebter Ansatz ist das denn bitte?

Und weil noch zu viele Leute so drauf sind, haben die Piraten eine gesellschaftlich so wichtige Funktion als Korrektiv und Denkanstoßgeber. Diese Funktion haben sie bisher großartig ausgeübt. Ohne eine so aufstrebende Jungpartei würden diese Themen in Zeit, Spiegel, FAZ und Co. noch immer keine echte Beachtung finden. Allein durch die Anwesenheit der Piraten als Manifestation der schon zuvor zu erahnenden gesellschaftlichen Umwälzung wird plötzlich recht offen über das Thema Informationsgesellschaft geredet. Erst seit jemand in der breiten Öffentlichkeit aufgetaucht ist, der offenbar beim Thema Informationsgesellschaft echtem Expertentum eine laute Stimme gibt, wird es zunehmend peinlich, sich ahnungslos zu äußern. Zumindest fällt die Peinlichkeit naiver Äußerungen dadurch immer mehr Leuten auf, was sich irgendwann auch rückkoppeln wird und die Anfänger sich vorsichtiger äußern lassen wird. So zumindest meine Hoffnung.


Ein gutes Beispiel, warum die Zeit von Windows Mobile vorbei ist

21 08 2009

Screenshot Wecker Windows Mobile 6.1 Vor ein paar Wochen habe ich schonmal einen Beitrag geschrieben, warum die Zeit von Windows Mobile und Symbian OS abgelaufen ist, heute liefere ich einen Screenshot nach, der das sehr schön bildlich unterstreicht: Es handelt sich um das Wecker-Einstellungsmenü von Windows Mobile 6.1 auf meinem HTC Touch HD, der einen riesigen Bildschirm mit einer Auflösung von 800x480 Pixeln besitzt. Eigentlich also genug Platz für hübsche Bedienelemente, die man mit dem Finger nutzen kann. HTC hat viele eigene Menüs, auf die das zutrifft, hat aber eben nicht alle Funktionen durch eigene Menüs ergänzt. Die Zeiger der Uhr kann man übrigens mit dem Stift oder mit viel Geduld und Geschick auf mit dem Finger verdrehen, was an sich cool wäre, mäße die Uhr nicht lediglich 2cm im Durchmesser (und sogar nur 1,7cm bei meinem XDA Orbit 2). Aber das I-Tüpfelchen ist für mich, dass die Zeiger nicht mal geglättet dargestellt werden, sondern sich in unfassbarer Pixeligkeit präsentieren. Das Ding scheint seit der ersten Version von Windows Mobile vor etwa 10 Jahren nicht angefasst worden zu sein.

Ach ja, bevor Missverständnisse aufkommen: Der HTC Touch HD erschien Ende 2008 und hat die zur Zeit aktuelle Windows Mobile Version 6.1 installiert. Microsoft hat also eine Menge Arbeit vor sich, bevor Windows Mobile auch nur ansatzweise zum Wettbewerb aufschließen kann.


Möchtegern-Ökos und die bösen Stromkonzerne

15 08 2009

Wie lange schon fordern viele engagierte Bürger die Energiewende? 20 Jahre? Da wird von den bösen bösen Stromkonzernen gefordert und gefordert, dass die mehr Erneuerbare Energien nutzen und investieren, die Schweine. Zwei Dinge stören mich daran:

Erstens sind überraschend viele dieser Forderer selber immer noch Kunde bei e.on, RWE, Vattenfall und Co., was sie überhaupt nicht als Widerspruch wahrnehmen. Dabei gibt es seit Jahren alternative Anbieter, die teilweise nicht mal teurer sind. Ich bezahle bei Naturstrom wirklich brauchbare 19,80ct/kWh für echten Ökostrom, also nicht mit Zertifikaten zurechtgelabelt und mit Investitionen in eigene Anlagen bzw. Unterstützung lokaler Projekte. Das ist mein fucking Beitrag zur Energiewende. Und natürlich ist mir klar, dass nicht von heute auf morgen alle mit grünem Strom versorgt werden können. Das ist aber keine Ausrede für den Einzelnen, weiterhin Atom- und Kohlestrom zu beziehen, sei es aus Wechselfaulheit oder weil man einen Cent pro Kilowattstunde sparen will. Wer also lauthals die Energiewende fordert und gleichzeitig bei den Konzernen seinen Strom bezieht, ist nicht nur ein bisschen unglaubwürdig.

Viel bescheuerter finde ich aber, wenn die Konzerne zumindest etwas (vorgeschobenes) Engagement für Erneuerbare Energien zeigen und dann Leute Sachen sagen wie Das machen die doofen Konzerne ja jetzt nur wegen dem öffentlichen Druck. Ja natürlich, deswegen machen die das. Das ist doch genau das, was die Forderer seit 20 Jahren wollen: Ein Umdenken bei den Konzernen anstoßen. Jetzt gibt es erste kleine Pflänzchen in Sachen Umdenken und dann wird undankbar weiter gemault. Natürlich reicht das bisschen Marketing-Engagements-Gefasel der Konzerne nicht aus, aber man muss schon zeigen, dass sich grün geben Erfolg beschert. Nur so lohnt es sich für die Konzerne grüner zu werden. Sie müssen merken, dass grüner Strom Erfolg bedeutet und Atomstrom tendenziell abgelehnt wird. Wer glaubt, dass eine Energiewende alleine an der Wahlurne oder mit ein paar Transparenten auf der Straße (oder auch nur leerem Gefasel) herbeizuführen ist, ist schlicht naiv. Ohne die Abstimmung mit dem Geldbeutel wird sich nichts tun, womit ich wieder bei Punkt eins angelangt bin: Wer keinen (echten oder wenigstens Zertifikats-) Ökostom bezieht, steht der Energiewende aktiv im Weg und kann sich sein Ökogelaber sparen.

Jeder Einzelne von Euch möchtegern Ökos ist in der Pflicht. Immer voll öko quatschen und die Kinder natürlich auf der Montessori-Schule haben ist das eine, selbst ökologisch handeln eine andere. Strom sparen, Benzin und Kerosin(!) sparen, kein SUV fahren, sein Handeln ökologisch hinterfragen, das sind die Stellschrauben ökologisch verantwortungsbewusster Lebensführung. Grüne wählen alleine reicht eben nicht, wobei das natürlich immer noch besser ist als die CDU zu wählen.

P.S. Ach überhaupt diese Montessori-Eltern! Nicht dass wir uns falsch verstehen: Ich war selber auf einer Montessori-Schule und ich wäre auch bei den Montessori-Eltern dabei, hätte ich Kinder. Jeder einzelne ist sicher auch nett, aber gehäuft auftretend sind sie nicht zu ertragen. Hier rudelweise im Hüftgold oder im Oma Erika hocken und sich so geil finden mag ich einfach nicht. Die schlimme Wahrheit ist aber: Ich wäre genau so.


Windows Mobile ist durchunddurch durch, Symbian auch

12 08 2009

Ich hatte früher einen Palm. Den hatte ich meiner damaligen Freundin für 400DM aufgeschwatzt, als sie mit der Schule fertig war und irgendwie Termine hatte. Sie hat ihn nicht benutzt, also bekam ich das Dingen als Dauerleihgabe (oder habe ich es ihr abgekauft?). Es war ein Palm m100 mit 160x160 Pixel großem Monochrombildschirm, der mit zwei AAA-Batterien etliche Wochen/Monate (je nach Nutzung) lief. Für den Palm gab es, im Rahmen der arg beschränkten Möglichkeiten, eine Menge Apps. 99,5% dieser Apps waren entweder scheiße oder nutzlos oder wissenschaftlichen Spezialzwecken vorbehalten. Die Vorlesung zum Bürgerlichen Recht meines ersten Uni-Semesters im Jahr 2001 habe ich zu großem Anteil mit einem echt brauchbaren Mahjongg auf diesem Palm verbracht. Meine Termine habe ich die folgenden Jahre mit diesem Palm organisiert und sie mit dem dürftigen Palm Desktop über die serielle Schnittstelle synchronisiert. Das funktionierte hervorragend. Die Kontakte allerdings habe ich immer schon im Handy organisiert, denn da brauche ich sie nunmal. Was sollte ich auf dem Palm damit? Und an Synchronisation unter verschiedenen Geräten war damals nicht zu denken.

Parallel gab es irgendwann Windows Mobile, was auch irgendwie Windows CE und PocketPC hier. Wie auch immer es hieß, es war grauenerregend. Sowohl die ersten damit ausgestatteten Geräte waren schlimm (miese Akkulaufzeit, schwer, hässlich), als auch das System selber. Es synchronisierte nur mit Outlook, sah unfassbar scheiße aus, war langsam, lästig zu bedienen und zu allem Überfluss auch noch von Microsoft. Aber alle Geräte hatten eine halbwegs brauchbares Display von mindestens 320x240 Pixeln in Farbe und es war offensichtlich nicht allzu zickig gegenüber selbstgeschriebenen Programmen. Jedenfalls gab es schnell einen großen Haufen Programme für das System, die leider fast alle so hässlich und blöd zu bedienen waren, wie das System selber. Zudem kosteten viele von denen Geld und waren schwer aufzutreiben.

Als 2005 eine undichte Flasche Bionade meinem altgedienten Palm m100 den Gar aus machte, habe ich eine Weile gesucht und einen gebrauchten Palm von Sony gekauft. Der hatte auch einen recht hoch aufgelösten Farbbildschirn, sah wirklich gut aus und hatte ein Navigationsprogramm installiert und eine externe serielle GPS-Maus. Mein erstes Navi, freilich ohne Autohalter, aber immerhin. Die GPS-Maus ging relativ bald kaputt und ich wollte auch kein Palm mehr. Neue Programme wurden nicht entwickelt und alles war so altbacken. Also habe ich ein Windows Mobile Gerät mit integriertem GPS-Empfänger gekauft. Das tat seinen Dienst als Kontakt- und Terminverwalter, sowie als Navi sehr gut. Bis es einmal zwischen mich (ungeschickt) und einen Straßenpoller (aus Stahl) geriet und dabei sein Display einbüßte.

Das war im Frühling 2008 und brachte mich dazu, ein TomTom Standalone-Navi fürs Auto zu kaufen und die Entscheidung über den Neukauf eines Smartphones auf irgendwann zu verschieben, wenn es mal bessere Geräte gäbe. Das iPhone kam aus schon häufiger in diesem Blog erwähnten Gründen nicht in Frage, aber weder mit Palm OS noch mit Windows Mobile war ich je wirklich warm geworden. Symbian kam für mich nie in die Tüte, hier stimmte einfach ganz und gar nichts: Ich mochte Nokia-Telefone noch nie, aber die Bedienung der Symbian Smartphones ohne Touchscreen ist einfach eine Zumutung. Mein Bruder besitzt so ein Gerät und ich kann wirklich nur den Kopf schütteln darüber.

Dann kam O2 auf mich zu und schenkte mir einen XDA Orbit 2 zusammen mit einem satten Flatrate-Vertrag für sechs Monate. Ich muss zugeben, dass ich ernsthaft überrascht war, denn das Gerät gefiel mir auf Anhieb. HTC hatte sich wirklich Mühe gegeben, die Hässlichkeit und miese Bedienbarkeit von Windows Mobile zu übertünchen und wenn das Gerät nicht auf eine fürs Surfen ungeeignete Auflösung von 320x240 beschränkt gewesen wäre, wäre ich fast rundum zufrieden gewesen.

Im Frühling 2009 stand eine Vertragsverlängerung bei O2 an und das damalige Tarifportfolio war für Verlängerungen ohne subventioniertes Gerät leider gänzlich unbrauchbar. Also kündigte ich zähneknirschend und suchte lange nach einem besseren Tarif ohne Handy, denn der XDA war noch kein Jahr alt und ich grundsätzlich zufrieden damit. Kurz vor der Kündigungsdurchführung habe ich dann noch mal mit der Hotline telefoniert, die mir ein attraktives Angebot für einen HTC Touch HD machten. Den habe ich jetzt und bin sehr zufrieden damit.

Lange Vorrede, ich wollte auch etwas ganz anderes hinaus: Nokia hat sich unlängst zu Symbian OS als primärem Betriebssystem für seine Smartphones bekannt, nachdem Gerüchte über einen Wechsel zum Linux-basierten Maemo (auf dem Nokias Internet Tablets basieren) aufkamen. Man liest, Analysten sähen das als Fehler. Ich tue das auch: Meiner Meinung nach betoniert sich Nokia im Smartphone-Markt damit gerade seine Füße vor dem beherzten Sprung ins Hafenbecken. Warum? Blöde Frage. Wer sich Symbian OS mal angeguckt und mit Palm WebOS, iPhone OS und Android verglichen hat, stellt diese Frage nicht. Symbian OS war schon von Anfang an ein unbedienbares Monster und – noch schlimmer – ein Entwicklern gegenüber unglaublich zickiges System. Wo Apple, Palm und Google Entwicklern den Arsch (in Form von reichhaltigen SDKs und einfach zu nutzenden APIs) hinterhertragen, nervt Symbian seit jeher mit dem genauen Gegenteil. Fast scheint es, als wolle Nokia keine Fremdprogramme auf seinen Geräten sehen. Das ist genau der kapitale Fehler, weswegen Symbian OS untergehen wird.

Ähnliches gilt für Windows Mobile. Ich weiß nicht, wie schwer es ist, coole Programme für Windows Mobile zu schreiben, aber die reale Anzahl guter Programme ist derart gering, dass man sich wundert. Windows Mobile Geräte sind seit zehn Jahren auf dem Markt, aber die Softwareauswahl ist einfach nur gruselig. Es gibt eine Hand voll brauchbarer Apps, aber insgesamt hat man es mit gequirlter Scheiße zu tun. Wenn ich mobile Apps schreiben würde, wären Windows Mobile und Symbian wirklich die letzten in meiner Auswahl der zu unterstützenden Plattformen. Da ändert auch der AppStore für Windows Mobile nichts dran. Die beiden Systeme sind (in der jetzigen Form) tot für den Massenmarkt, weil neuere und um längen angenehmere Systeme sie im Vorbeigehen verdrängen. Frage: Warum geht das so einfach? Antwort: Weil sie schon immer faule Kompromisse waren und jeder bisherige Nutzer froh über die neuen Möglichkeiten ist.

Es gab einfach nichts besseres. Die Geschichte mobiler Geräte ist eine Geschichte voller halbgarer Scheißlösungen. Momentan ändert sich das massiv und weder um Windows Mobile noch um Nokia tut es mir leid, wenn sie mit ihren miesen Systemen untergehen. Helfen würde beiden nur ein Neuanfang.


Wie man Short-URLs und so verüberflüssigen kann

27 07 2009

Der Microblogging-Server laconi.ca kann jetzt auch Dateianhänge. Das ist nett und macht Twitpic und Co. langfristig überflüssig. Dateiuploads funktionieren sehr simpel: Man lädt eine Datei hoch, der Dienst generiert dazu eine Short-URL mit is.gd. und fügt diese am Ende des Dents ein. Das wars. Dabei hätte man es wahrscheinlich so viel besser machen können.

Im Prinzip ist das Problem mit Dateianhängen das gleiche, wie mit URLs allgemein und verschiedenen anderen Sachen: Sie sind im Grunde Metainformationen zur Nachricht selbst und kollidieren mit dem 140 Zeichen Reintext-Limit beim Microblogging. Das ist etwas unfair, denn URLs sind mitunter sehr lang, gelegentlich sogar länger als 140 Zeichen. Abhilfe schaffen die vielen Short-URL Dienste, aber nun weiß man zum einen nicht mehr, was sich hinter einem solchen Link verbirgt (wie bei dem hier), zum anderen können Dienste schließen und alle darüber generierten URLs würden unbrauchbar werden. Oder aber URLs werden nach einiger Zeit recycelt, was noch schlimmer ist, denn nun zeigt mein Link auf eine völlig andere Seite. Short-URLs sind also scheiße und zu vermeiden, wo es nur geht. Doch wie? Im Folgenden ein paar Lösungsansätze zum Thema.

Wie wäre es, wenn Twitter (stellvertretend für alle Microblogging-Dienste gemeint), eine URL pro Nachricht als Metaangabe erlaubt. Die einfachste Möglichkeit dazu wäre es, von URLs nur ein Zeichen bei der 140-Zeichen Limitierung zu berücksichtigen. Das hätte aber gleich zwei gravierende Seiteneffekte: Erstens bricht man die API, denn viele Dienste erwarten nur 140 Zeichen und würden die Nachricht deswegen einfach abschneiden. Zweitens würde sich schnell die Unart etablieren, ganze Sätze in nicht existierenden URLs zu formulieren und so das Limit zu umgehen. Diese Möglichkeit kommt also keinesfalls infrage.

Eine erste echte Möglichkeit wäre es, wenn Twitter von jeder Short-URL beim entgegennehmen des Tweets das Ziel auslesen würde und dieses Ziel zur Verlinkung (oder als Title-Attribut) in der geparsten Nachricht benutzen würde. In der Textversion (über die API) würde dann aber immer noch alleine die Short-URL stehen, Twitter-Clients, die diese selber parsen, bekämen also davon nichts mit. Zudem werden die URL-Shortener das gar nicht mögen, werden sie so doch brutal übergangen. Das grundsätzliche Problem bliebe bei der Lösung außerdem bestehen: Die Short-URL ist immer noch da, wird archiviert und man ist weiterhin dem URL-Shortener ausgeliefert. Vorteilhaft wäre, dass Twitter das Verfahren sofort einführen könnte und die volle Kontrolle darüber hätte. Sprich: User könnten das Verhalten konfigurieren, wenn sie es nicht mögen und Twitter kann sich aussuchen, bei welchen URL-Shortenern sie das Verfahren anwenden. Denkbar wäre auch, dass Twitter einen eigenen URL-Shortener Dienst anbietet, der das Verfahren implementiert.

Meine eigentliche Idee ist aber Folgende: Twitter erweitert seine API um ein Feld für eine URL (mit max 255 Zeichen). Das Webinterface und Twitter-Clients, die das Verfahren implementiert haben, bieten ein extra Eingabefeld für diese URL und fügen (zumindest übergangsweise) automatisch eine Short-URL dazu in die Nachricht ein. Diese Short-URL wird zweckmäßigerweise von einem dem Dienst angeschlossenen Service bereitgestellt und sollte garantiert so lange leben, wie es den Dienst gibt. Ältere Clients schicken eine normale Short-URL in der Nachricht und Twitter parst diese (bzw. die erste, wenn es mehrere gibt) und füllt die eigentliche URL in das Extrafeld ein. Als einzigen Nachteil des Verfahrens sehe ich, dass durch die Erweiterung der API das Verfahren nicht sofort in voller Schönheit in allen Clients zum Vorschein kommt. Dass so nur eine solche URL pro Nachricht möglich ist, sehe ich angesichts des 140 Zeichen Limits als durchaus konsequent und nicht als Nachteil an. Langfristig sehe ich aber große Vorteile in dem Verfahren: Es ist voll abwärtskompatibel, bringt aber neue Möglichkeiten mit. Können genug Twitter-Clients mit diesen URLs angemessen umgehen, kann man auf das Einfgen einer zusätzlichen Short-URL verzichten und hat die vollen 140 Zeichen für seine Nachricht zur Verfügung. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Clients selbst entscheiden können, wie sie mit URLs umgehen wollen.

Ich halte das für eine saubere Lösung für das leidige Short-URL Problem, aber eben auch für andere Metadaten. Dateianhänge könnten auf die gleiche Weise implementiert werden, intern macht laconi.ca/identi.ca das offenbar ja schon so. Nur hapert es eben an der Anbindung nach Außen. Ebenfalls abgefrühstückt werden könnte dann endlich auch mal eine sinnvolle und nicht störende Geokodierung von Beiträgen. Momentan behilft man sich mit Krücken wie L:Düsseldorf, was für "Location Düsseldorf" steht, oder der sehr hässlichen Einbindung von Geokoordinaten direkt in den Nachrichtentext. Ein Metafeld für Geoinformationen würde hingegen niemanden stören, eine verlässliche Einbindung von Kartendiensten in geofähigen Clients erlauben und so schöne Geschichten wie Live-Twitter-Maps ermöglichen. Flickr hat das so schön vorgemacht.

Mancher mag jetzt einwenden, dass gerade die Einfachheit von Twitter mit dem einen Eingabefeld seinen Charme ausmacht. Dem halte ich entgegen, dass drei kleine Knöpfchen neben dem Eingabefeld für diese Metainformationen der Einfachheit keinen Abbruch tun würden, die vielen Twitter Poweruser hätten aner eine schöne Möglichkeit, ihre Tweets sauber zu halten. Kein Anfänger auf der Suche nach Einfachheit versteht Tweets, wo alles irgendwie verlinkt ist mit #Tags, !Gruppen, L:Orten, http://sho.rt/urls, RTs und @namensnennungen. Da kann man doch beim besten Willen nicht mehr von Einfachheit sprechen und eine Metaangabe für Reply-Tos gibt es schon immer und jeder weiß die zu schätzen.

Meine Forderung an Twitter und identi.ca lautet also: Erweitert Eure API um Felder für eine URL, Geokoordinaten und ggf. einen Dateianhang. Die Leute benutzen diese Sachen tagtäglich und nutzen dafür teilweise ärgerliche Krücken. Schluss damit!

Ich selber werde bei Gelegenheit meine PHP-Twitter-API derart erweitern, dass sie eingehende Short-URLs auflöst und ersetzt (und das Ergebnis cached). Profitieren wird davon mein Lifestream und die Microblog-Anzeige in der Sidebar vom Blog.

Nachtrag 24.08.2009: Inzwischen hat Twitter eine Erweiterung um Geokoordinaten zu jedem Tweet angekündigt, was gut ist. Was aber schlimmer als gedacht ist: Twitter kürzt automatisch und unabschaltbar alle URLs mit mehr als 30 Zeichen mit bit.ly. Ich hasse das, denn wenn ich von meinen 140 Zeichen 60 für eine URL opfere, dann hat das seinen Grund. Hoffentlich ändert sich das irgendwann mal wieder.


Achtung auf der Flip-Flop-Scheibe - neue Zensurrunde

20 06 2009

Wie nicht anders zu erwarten, werden die Forderungen nach Ausweitung der Internetzensur auf andere Bereiche fernab der Kinderpornographie sofort nach Verabschiedung des Gesetzes richtig laut. Aus allen Ecken kommen sie jetzt hervor und melden zu sperrende Inhalte an. Hier Killerspiele, da Urheberrechtsverletzungen und ganz neu: Ausländische Versandhändler, die in Deutschland aus Jugendschutzgründen indizierte oder gar nicht auf dem Markt gekommene (Killer-)Spiele bewerben und nach Deutschland versenden. Statt den Reality-Check zu machen, dass man weltweit den strengsten Jugendschutz hat und offensichtlich kein anderes Land das so streng sieht und dass der Kauf von und die Information über solche Medien im Ausland nun mal ein von Deutschland aus nicht anzugehendes Problem darstellt, wird hier einfach gefordert, den Zugang zu fremdländischen Inhalten zu blockieren.

Bevor wir uns falsch verstehen: Der deutsche Jugendschutz ist nicht unwichtig und auch nicht vollständig übertrieben. Aber es gibt nun mal Unterschiede in der Gesetzgebung zwischen Ländern und es gibt einen freien Binnenhandel innerhalb der EU. Den Informationsfluss über Grenzen hinweg beschränken zu wollen ist nicht nur unglaublich albern, sondern auch unglaublich typisch für totalitäre Systeme. Das Verbot von Westfernsehen, das Abhören von Telefonaten und das Öffnen und Mitlesen von Briefen in der DDR ist gerade mal 20 Jahre her, ein Verbot Feindsender zu hören und Feindzeitungen zu lesen ist in Deutschland gerade mal 64 Jahre vorbei. Und jetzt fordern Leute allen Ernstes, die Kataloge ausländischer Versandhäuser zu zensieren (bzw. den Zugang dazu ganz zu blockieren), weil sie Waren bewerben, die in Deutschland nur Erwachsenen zugänglich sein dürfen, in den betroffenen Ländern (und auch sonst überall) aber völlig legal für jedermann zugänglich sind. Und die geforderten Sperren gelten selbstverständlich nicht nur für die deutsche Jugend, sondern für jeden Deutschen. Dieser Idee folgend müsste eigentlich das halbe Internet gesperrt werden, weil im Ausland andere Gesetze gelten und der Zugang zu in Deutschland als jugendgefährdend geltenden Inhalten (in erster Linie Pornographie) ermöglicht wird. Aber Zensur findet nicht statt in Deutschland.

In nächster Zeit werden wir noch viele solche Forderungen hören von CDU-Politikern auf Stimmenfang. Und das alles gilt es zu verhindern. Das Ekelargument Kindesmissbrauch ist ja jetzt erst mal für eine Weile verbrannt und mancher meint, dafür müssen wir der SPD im Grunde dankbar sein. Die Argumentation ist lesenswert und auch nachvollziehbar. Aber zu einen glaube ich nicht daran, dass die SPD geschlossen derart selbstlos im Sinne der Bürgerrechte denkt und handelt: Wir sind eh raus aus der Kiste und die nächste Regierung beschließt im Falle unserer Ablehnung nur noch schlimmeres, deswegen stutzen wir das Gesetz auf ein ansatzweise erträgliches Maß zusammen und gehen dann erst sterben. Das halte ich für eine sehr unwahrscheinliche Motivation für die SPD, dem Gesetz quasi geschlossen zuzustimmen.

Ebenso wackelig ist die Prämisse, dass die nächste Regierung ohne das jetzt verbrannte Kinderporno-Argument keinen Rückhalt für weitere Sperrungen haben wird. Zum einen wird denen sicher etwas anderes plakatives einfallen (Killerspiele, Jugendschutz, oder der Terror muss eben wieder herhalten), zum anderen haben die schon jetzt bewiesen, dass ihnen Meinungen von Außen scheiß egal sind und sie ihre Gesetze trotzdem wider jede noch so laute und vor allem berechtigte Kritik einfach ohne Rücksicht durchziehen. Urheberrechtsverletzungen, Killerspiele, das böse Ausland mit seinen laschen Gesetzen oder auch Wikileaks, die Forderungen sind ja schon da und die Infrastruktur ebenfalls. Ein kleiner Beschluss der nächsten Regierung (natürlich wieder mit dicker schwarzer Beteiligung) und die Sperren werden auf beliebige Themen ausgeweitet, Schritt für Schritt. Spezialgesetz hin oder her, dann macht man eben ein neues Spezialgesetz dazu auf. Dass der Einstiegspunkt die angebliche Verhinderung von Kindesmissbrauch war, wird in Vergessenheit geraten, die Infrastruktur ist halt nun mal da.

Deswegen werden wir nicht aufhören mit unserem Widerstand. Das Gesetz ist durch, wir haben an dieser Front verloren, wie wir auch schon bei der Vorratsdatenspeicherung kläglich verloren haben. Ach ja: Das Bundesverfassungsgericht wird die nächsten zehn Jahre jede halbe Jahr um ein weiteres halbes Jahr Beobachtung der Vorratsdatenspeicherung verlängern, von der Seite brauchen wir also kein Stopp zu erwarten.

Wenn eine Regierung für Expertenmeinungen und Vernunft und Petitionen und Widerstand nicht zugänglich ist, ist sie unerträglich geworden für eine Gesellschaft. Und zwar völlig unabhängig von deren sonstigen Positionen, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Den Nazi-Vergleich spare ich mir besser, was ich aber sagen will: Die CDU arbeitet mit Vollgas an der gesetzlichen Infrastruktur, die für ein totalitäres System benötigt wird. Ohne der CDU vorwerfen zu wollen, totalitäre Bestrebungen zu haben, muss die Frage gestattet sein, warum man dann massiv an den Voraussetzungen dafür arbeitet? Und eine Partei, die solche Gesetze beschließt darf nicht wieder gewählt werden.

Jede Stimme gegen die CDU/CSU zählt! Machen wir einen Online-Wahlkampf gegen die CDU/CSU, jetzt.


Ich habe die Piraten gewählt

08 06 2009

So, nachdem ich schon seit ihrer Gründung mit dem Gedanken schwanger gehe, die Piratenpartei zu wählen, habe ich das heute nun doch getan. Die Entscheidung dazu traf ich auf dem Weg ins Wahllokal, weil ich mir überlegt habe, dass ein blöder Name im Grunde ein blöder Grund ist, eine Partei nicht zu wählen, wenn man sie programmatisch eigentlich sehr schätzt. Konstantin Klein hat das hervorragend aufgedröselt (kannte ich bislang nicht):

  • Ich wähle die Piratenpartei trotz ihres beknackten Namens. Ich fand vor bald 30 Jahren auch, dass “Die Grünen” ein beknackter Name ist.
  • Ich wähle die Piratenpartei, obwohl sie in Deutschland, anders als in Schweden, weit davon entfernt ist, drittgrößte Partei des Landes zu sein. Das waren die Grünen übrigens auch mal.
  • Ich wähle die Piratenpartei trotz ihrer thematischen Beschränkung auf einige wenige Themen – auch die bereits erwähnten Grünen haben mal als Zweipunktepartei angefangen.
  • Ich wähle die Piratenpartei, weil diese Themen (kann man nicht oft genug verlinken, das)
    • Informationelle Selbstbestimmung (den meisten von uns als “Datenschutz” bekannt)
    • Patentrecht
    • Urheberrecht
    • Transparenz und
    • Open Access
    eben nicht eine schicke Bemäntelung einer heimlichen Verschwörung zur Verbreitung von illegaler Pornografie und/oder zur raschen Vernichtung der Musikindustrie durch ungehemmten Musikklau sind, sondern zentrale Themen der Kommunikations- und Informationsgesellschaft, in der wir nach dem weitgehenden Abschluß der industriellen Gesellschaft leben. Verdammt noch mal.

Genau das sind auch meine Gründe, warum ich trotz des nicht ernst zu nehmenden Namens statt den Grünen die Piratenpartei gewählt habe. Ein wenig tut es mir schon leid, dass deswegen in meinem Wahllokal den Grünen genau meine Stimme gegen die CDU fehlt (137 zu 138), aber da muss man durch. Dafür gibt es hier genau acht Stimmen für die Piratenpartei und das reicht für satte 1,7%. Das Wahlamt der Stadt Düsseldorf hat alle diese Zahlen sehr fein aufgedröselt parat.

In Schweden haben die Piraten über 7% erreicht und schicken somit ein Mitglied ins Europaparlament. Davon sind wir in Deutschland weit entfernt, hier haben die Piraten insgesamt etwa 0,9% erreicht (das entspricht fast 230.000 Stimmen) und sind somit für eine Kleinpartei gut dabei. In vielen Wahlkreisen sind sie hinter den großen fünf Parteien auf Platz sechs, in Düsseldorf hinter den Republikanern auf Platz 7, das ist ein äußerst achtbarer Erfolg. In Hamburg-Grasbock haben sie die CDU hinter sich gelassen (8,6% zu 7,1% oder auch 6 zu 5 Stimmen). Alles in allem jedenfalls ein riesiger Erfolg für die Piratenpartei. Und ich wiederhole es gerne immer wieder: Trotz des dämlichen Namens!

Aber warum wählen so viele Leute so eine Partei? Die Antwort liegt auf der Hand: Das Programm bedient brennende gesellschaftliche Fragen, die politisch bisher absolut unzureichend abgedeckt sind. Vor allem aber gilt: Jeder neue Hirnschiss, den Frau von der Leyen und Herr Schäuble und ihre Mitstreiter Woche für Woche auf die Reise schicken, treibt mehr Wähler weg von der CDU (über deren aktuelle Verluste muss noch geredet werden) und der SPD (an dieser Stelle ein Gruß an deren innenpolitischen Sprecher Herrn Wiefelspütz); weg von den etablierten und auf dem Themengebiet der Piratenpartei mehr als kläglich scheiternden etablierten Parteien, direkt in die Arme der Alternativen. Und die hier programmatisch am besten aufgestellte Partei heißt aktuell nun mal Piratenpartei. Klar bekennen sich die Grünen (inzwischen) ebenfalls zu vielen der brennenden Punkte in der Informationsgesellschaft, auch FDP und Linke äußern sich in der Richtung teilweise recht ordentlich. Aber irgendwie ist das nicht so wirklich glaubwürdig, kam viel zu spät und viel zu leise.

Bei den Ruhrbaronen titelt man schon "Ist die Piratenpartei die SPD von heute?" und zieht parallelen zu den Gründungstagen der SPD. Ich würde gar nicht so weit gehen, der Vergleich mit den Anfangstagen der Grünen ist viel naheliegender (siehe oben).

Für die Bundestagswahl ist noch mehr drin: Die CDU/CSU und die Jasager-SPD müssen bluten für all das, was Schäuble und von der Leyen verbrochen haben. Sie müssen bluten für zynischen Populismus, den Missbrauch des Missbrauchs von Kindern für einen Kampf gegen die Bürger, die Vorratsdatenspeicherung und allgemein die mehr als haarsträubende systematische Untergrabung der Bürgerrechte und bürgerlichen Freiheiten. Und die CDU steht noch am Anfang all dessen, was sie eigentlich vor hat. Bei F!XMBR schreibt man:

Die geplante Internetzensur ist dabei nur ein kleiner Schritt. Man denke an die weitgehenden so genannten Sicherheitsgesetze, die bis in die erste Große Koalition zurückgehen, Stichwort Notstandsgesetze, und nun laut einem Bericht im Handelsblatt in einer totalen Überwachung der Bevölkerung ihren vorläufigen Höhepunkt finden sollen. Notwendig sind Befugnisse für verdeckte Eingriffe in informationstechnische Systeme, die Anpassung der Möglichkeiten der Telekommunikationsüberwachung und Maßnahmen nach G 10 im Rahmen der vom Bundesverfassungsgericht gezogenen Grenzen. G 10 wird das Gesetz zur Beschränkung des Brief-, Post - und Fernmeldegeheimnisses abgekürzt. Übersetzung: Die Sicherheitsbehörden sollen das Recht eingeräumt bekommen, jeden Brief, jedes Fax, jede E-Mail, jegliche Kommunikation der Bürgerinnen und Bürger verdeckt zu überwachen. Das BKA & andere Behörden könnten somit zur Gedankenpolizei dieser Republik ausgebaut werden.

Briefgeheimnis? Hinderlich! Es geht hier eben nicht nur darum, uns paar Powerusern ihr schönes Internetspielzeug kaputt zu machen, es geht hier um alle Bürger im Verhältnis zum Staat. Das müssen also auch alle Bürger kapieren und sich endlich mal wehren. Wie wehren? Ganz einfach: CDU/CSU/SPD nicht wählen und vor allem laut sein, informieren. Die Petition gegen Netzzensur ist noch ein paar Tage offen. Die Parteien müssen merken, dass sie damit nicht durch kommen und massiv Wähler einbüßen. Wie heißt das noch mal? Ach ja: Demokratie!

Ach ja, fast vergessen: Damit die Piraten an der Bundestagswahl Teilnehmen können, brauchen sie noch ein paar Unterzeichner. Ich hab schon vor einigen Wochen gezeichnet. Jetzt seid ihr dran. Quasi eine Light-Stimme für die Piraten.


Bitte um Feedback zum Thema Lifestream

23 02 2009

Hallo liebe Freunde und Bekannte, die ihr an meiner Person interessiert seid, ich brauche mal Feedback zu Eurem Zugang zu meinen Inhalten. Ich weiß, ihr mögt fast alle keine Kommentare schreiben, also sprecht mich bitte einfach auf irgendeinem Kanal an.

Es geht um folgendes: Ich baue gerade eine "Lifestream"-Startseite, die später unter spackmat.de alle meine im Netz verstreuten Inhalte zusammenführen soll. Also nicht mehr der ganze Kram in der Sidebar hier im Blog, das ist auf Dauer zu unübersichtlich, sondern eine extra Seite, auf der ihr auf einen Blick meine Publikationen finden könnt. Es geht erst mal um mein Blog, die Kommentare, mein(e) Microblogs, meine Wong Bookmarks und meine Qype-Besprechungen. Ich denke, das ist eine gute Idee.

Nun zum Feedback:

  1. Was wünscht Ihr Euch dafür? Sollen die Quellen getrennt voneinander stehen oder alles in chronologischer Reihenfolge hintereinander? Oder beides? Wieviele Nachrichten sollen pro Kanal dort erscheinen?
  2. Wäre eine Funktion gewünscht, die sich den letzten Besuch per Cookie merkt und dann seitdem neue Beiträge irgendwie markiert? Der Nachteil ist, dass der Cookie vom Browser abhängt, wenn ich Euch keinen Login aufbürden möchte. Das ganze funktioniert also nur auf einem Rechner korrekt, wenn man mehrere Rechner nutzt, hat man auch mehrere Gelesen-Stände. Würdet Ihr für diese Funktion in funktionierend ein vereinfachtes Login akzeptieren?
  3. Lest Ihr überhaupt meine anderen Publikationen? Wenn nein, warum nicht? Konkret geht es mir da vor allem um mein Microblog.
  4. Wer von Euch hat einen oder mehrere meiner RSS-Feeds abonniert? Wie nutzt Ihr diese Feeds? Wäre ein aggregierter Feed (also alles auf einmal in einem Feed) etwas für Euch? Wer weiß nicht, was ein Feed ist, findet das aber irgendwie interessant? Wer ignoriert RSS-Feed vollständig und ist womöglich gar genervt davon? Warum? Mich würden die Gründe interessieren.
  5. Sonstiges Feedback zu meinem Blog oder den anderen Publikationen? Zu wenig? Zu viel? Zu lange Texte? Oder gar gut so?

Also sucht Euch bitte einen Kommunikationskanal Eures Vertrauens aus und gebt mir Feedback, und bitte nicht erst bei der nächsten Party in x Monaten, sondern jetzt. Das wär super lieb. Danke.


Kommentar: Chrome wird ein Nischendasein führen

04 09 2008

Irgendwie gehen scheinbar viele Leute davon aus, dass Google mit Marktmacht seinen Chrome-Browser auf nennenswerte Marktanteile bringen wird und Microsofts Vormachtstellung brechen kann. Ich frage mich wie das gehen soll? Chrome kann eigentlich nichts relevantes besser als andere Browser und dafür einiges schlechter. Warum also sollten Nutzer andere Browser links liegen lassen? Die Leute benutzen auch seit Jahren kaum beeindruckt weiterhin den Internet Explorer, obwohl der sogar in eigentlich allen Belangen (von der Intranet-Anwendungs-Problematik mal abgesehen) schlechter als die anderen Browser ist. Es scheint sie nicht zu jucken, dass andere Browser komfortabler, funktionaler, sicherer und hübscher sind. Ob das daran liegt, dass fast kein Webentwickler sich traut, den Nutzer die Nachteile seines blöden Internet Expolorers spüren zu lassen, sei mal dahingestellt. Aber die Realität sieht meines Erachtens auch mittelfristig so aus, dass Chrome ein ebensolches Nischendasein führen wird wie Safari und Opera. Und was soll das Gerede mit der Marktmacht? Wo soll Google ansetzen mit seiner Marktmacht? Alle Google-Dienste laufen auch mit anderen Browsern und Google kann den Browser auch nicht einfach als Standardbrowser unter Windows ausliefern. Werbung für bessere Browser wird weitgehend ignoriert, siehe Googles Firefox-Engagement der letzten Jahre. Und ich glaube auch nicht, dass die deutschen Redaktionen ihre immer wieder zelebrierte klare Empfehlung für Firefox ändern werden hin zu einem Browser, dessen Datenschutz-Problematik nie gänzlich zu Ende besprochen sein wird. Hallo? Alles, was in die Adresszeile eingegeben wird, wird zu Google übertragen und jeder Browser ist für Google über eine ID eindeutig identifizierbar. Kann das jemand ernsthaft wollen? ID ABCD hat gerade BELIEBIGE PEINLICHKEIT HIER EINSETZEN in die Adresszeile eingegeben. Juhu, man wählt also ohne Zwischenstufen zwischen Komfort und Privatspäre (über den Privatmodus). Na vielen Dank.

P.S. Ob man Chrome doof oder toll findet soll jeder für sich selbst entscheiden. Ihr dürft von mir aus jeden standardkonformen Browser benutzen, nur nicht den Internet Explorer und schon gar nicht den IE6 oder kleiner. Oder ihr lebt damit, dass dort zunehmend der Augenschmaus fehlen wird. Progressive Enhancement lautet das Zauberwort, mein neues Lieblingsprinzip.