Solche Sätze

06 08 2010

Solche Sätze sind es, die mir den Tag versüßen:

Wir wurden älter, wir entdeckten unsere Talente. Die einen konnten gut mit Computern, die anderen gut mit Kindern, wieder andere gut mit Tieren. Manche konnten nicht gut mit sich selbst, weswegen sie sich anschickten, Berufe zu ergreifen, in denen sie ganz viel Geld verdienten, um sich davon abzulenken, dass sie nicht gut mit sich selbst konnten

aus Frédéric Valin - Pepe I (auf Spreeblick)

Das cite-Attribut für Zitate

14 07 2008

Es gibt etliche Auszeichnungen in HTML, die kein Browser auswertet. Dazu gehört das cite-Attribut zum Blockquote-Tag. Gibt man dort eine Quelle an (wie ich das meistens tue), hat das zwar keinen greifbaren Effekt beim Besucher der Website, aber es gibt einen semantischen Zusammenhang wieder und schadet ansonsten auch nicht. Genau das will man doch eigentlich. Also pro cite-Attribut zu Blockquotes!

Leute, löst Euch endlich von dem, was die Browser so anzeigen oder nicht. Ihr zeichnet mit HTML Inhalte aus und verknüpft diese miteinander. Ob und wie das hinterher beim Besucher aussieht ist eine Frage der Präsentation und die wird an anderer Stelle bestimmt. Das Web ist nun mal kein Papier. Also liebe Designer, wenn ihr Webdesigns macht, denkt daran. Immer und immer wieder bekomme ich Printdesigns angeliefert von Designern, die sich Webdesigner schimpfen. Und dann wird auf die Frage, was bei anderen Viewport-Größen passieren soll, mit einer Gegenfrage geantwortet: Was ist ein Viewport? Andere hüllen sich einfach komplett in Schweigen, und viele sagen immerhin ehrlich: Nichts, wieso?

Und dann sind da die Online-Redakteure, die immer wieder nach fettem Schriftsatz fragen und wie man Tabs im jeweiligen CMS eingibt (Komisch, mit Tab springe ich immer aus dem Eingabefeld raus). Hey: Ihr seid Online-Redakteure! Klingelts da? Vielleicht sollte man sich auf die Eigenheiten des Mediums einfach mal einstellen und dessen Vorteile nutzen lernen, statt in dem Medium verhaftet zu bleiben, mit dem man aufgewachsen ist. Einmal das Hirn eingeschaltet und nur einen Abend lang aufmerksam ein gutes Buch gelesen und schwupps, kann man das. Denn: Die Auszeichnung von Inhalten mit (X)HTML ist eigentlich derart simpel, dass man da gar nicht viel lernen muss. Man muss nur wollen. Da sind eine Hand voll Tags mit spezifischen Bedeutungen(!), die muss man kennen oder nachschlagen können. Das wars eigentlich schon für den Online-Redakteur. Die komplizierten Sachen hat doch die IT-Abteilung längst gemacht. Merke: Das sind nicht nur normale Menschen mit normalen Monitoren mit Windows XP da draußen, die Eure Inhalte erfassen möchten. Da sind auch Maschinen (nicht nur Google), Menschen mit mannigfaltigen körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen oder auch mal Leute, die mit ihrem Handy kommen oder mit Linux oder ohne Maus oder wie auch immer. All diese Leute profitieren von den hilfreichen Angaben, die sich nicht direkt im normalen Browser sichtbar äußern. Wer das weiterhin vor sich hin ignorieren möchte, sollte vielleicht mal über einen Berufswechsel nachdenken.

Nachtrag: Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum ich das WYSIWYG-Prinzip im Webbereich (zumindest aber in der jetzigen Form) als grundlegend gescheitert ansehe: Wer für Online-Medien Inhalte schreibt, muss einfach Meta-Informationen wie das cite-Attribut am laufenden Band eingeben. Und Meta-Informationen sieht man in der Regel nicht, so dass es einer geeigneten Visualisierung bedarf, was wiederum dem WYSIWYG-Prinzip widerspricht. Scheiße! WYSIWYG funktioniert nur sinnvoll mit rein visuellen Medien, für alles andere kann es nur einen Ansatz zur Arbeitserleichterung darstellen. Oder jemand erfindet einen wirklich guten Spagat-Ansatz. Das WYSIWYM (hier hab ich dazu schon mal was geschrieben) ist da schon mal ein interessanter Ansatz, verwirrt allerdings nach meiner Erfahrung viele Leute mehr als ein nacktes Eingabefeld, das HTML oder BBCode erwartet.


Der Rapper Deichkind

06 07 2008

Aus einem Spiegel-Online Artikel über Sarah Kuttners neue ARD-Show:

Als Schalter der unterschiedlichen Inserate entpuppt sich der 17-jährige Gunnar, der die Reporterin norddeutsch nölend wie der Rapper Deichkind durch seine Friesenhütte führt.

Huch?


Wider die Sprach-Nazis

30 05 2008

Meine Freundin nennt die Sprachnörgler dieser Welt (allen voran Bastian Sick) gerne mal Sprach-Nazis. Ein herrlich polemischer Begriff, den ich natürlich sofort übernommen habe. Ich muss ja zugeben, dass ich zu Zeiten des ersten "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" Buches selber jeden Zwiebelfisch verschlungen habe und dort durchaus die ein oder andere Anregung zur Verbesserung meines Sprachgebrauchs gefunden habe. Irgendwann ging mir die ewige Erbenzählerei und vor allem der Hype um das ganze Thema aber nur noch tierisch auf den Wecker. Wie peinlich ist es doch, wenn (oft auch nur selbsternannte) intellektuelle Kreise sich durch eine korrekte Ausdrucksweise vom Pöbel abzugrenzen versuchen. Einmal elitär fühlen für den kleinen Preis, statt "Sinn machen" fortan "Sinn ergeben" sagen oder zumindest denken zu müssen. Widerlich wird es, wenn man sich auf Basis dieser Sprachnörgelei und Besserwisserei über Leute lustig macht, die so sprechen, wie eben gesprochen wird. Schönes Zutat dazu aus der taz (via Bremer Sprachblog):

Korrektes Deutsch ist durchaus eine feine Sache. Vor allem für Menschen, die ihr Geld mit Schreiben verdienen. Sehr unfein ist es aber, wenn man sein Geld mit der Produktion von Büchern verdient, deren einziger Nutzwert darin besteht, halbgebildeten Wichtigtuern zu einer Gelegenheit zu verhelfen, andere Menschen auszulachen. Genau das macht Bastian Sick. Das Schlimmste daran ist aber, dass er auch noch behauptet, seine denunzierende, altkluge Erbsenzählerei wäre „lustvoll“ und „unterhaltend“.

So weit würde ich nicht gehen, aber die Stoßrichtung empfinde ich auch so. Sick selber sehe ich nur als das Schnellboot an, in dessen Kielwasser eine ganze Welle das Land überbraust. Und ich bin damit nicht alleine (im Netz ist man ja nie mit irgendetwas alleine), man schaue sich nur den schönen Buchtitel "Sick of Sick - Ein Streifzug durch die Sprache als Antwort auf den „Zwiebelfisch“" von André Meinunger an. Ob ich mir dieses Buch mal zulege? Jedenfalls beteilige ich mich nicht mehr am kulturpessimistischen Sprachnazitum und sage wieder und mit voller Absicht "Sinn machen", ha!

Bevor wir uns falsch verstehen: Ich habe nichts dagegen, eine gewisse Sprachhygiene zu pflegen. Aber das ganze muss mit Augenmaß und mit einem realistischen Blick auf den Zeitgeist geschehen. Hüten muss man sich hingegen vor sprachlichem Stillstand, der gerne mal mit positiv konnotierter Konstanz gleich gesetzt wird. Und hüten sollte man sich auch davor, Leute bei der Nutzung ihrer UmgangsAlltagssprache zu verbessern. Unvergessen die Ikone der oberlehrerhaften Sprachtanten: Das Smett mir, Das heißt: das schmeckt mir!!!11

Ein schöner unaufgeregter Blick auf die Welt der Sprache findet sich übrigens im Bremer Sprachblog, der von einem Professor für Sprachwissenschaften aus Bremen geführt wird.


Kann man Hip-Hop-Texte zitieren?

17 02 2008

Im letzten Beitrag habe ich Texte von der neuen Dynamite Deluxe Platte zitiert. Als ich sie eben wieder gelesen habe, musste ich über die grundsätzliche Frage nachdenken, ob man Hip-Hop-Texte von ihrem Flow und dem Beat losgelöst zitieren kann oder darf? Wenn man das so liest, ergibt es keinen Sinn und es stellt sich auch kein Fluss ein, wie das bei Gedichten üblich ist (fünffüßiger Jambus und so, ihr wisst schon). Es kommt einfach nichts rüber von dem, was die Liedstelle ausmacht. Die Kunst bei Hip-Hop besteht ja gerade darin, seinen eigenen (mehr oder weniger ausgeprägten) Style über Beats zu flowen. Je unverwechselbarer, desto besser, aber auch desto weniger nachvollziehbarer aus der reinen Transkription.

Also komme ich zu dem Schluss, dass es verboten gehört, Hip-Hop-Texte losgelöst von Flow und Beat zu betrachten bzw. zu zitieren. Problem: Ohne Urheberrechte zu missachten bzw. sich auf ein rechtliches Minenfeld zu begeben, kann man so leider gar keinen Hip-Hop zitieren. Wird sicher einige meiner Leser hoch erfreuen, ich finds schade.


Ein illusteres Etablissement

24 01 2008

Ein illusteres Etablissement, dieses neue 01blog. Die CeBIT leistet sich ein Technologieblog und hat dabei sowas wie ein deutsches engadget im Sinn. Soweit nichts besonderes. Interessant und auch der Grund, warum das Ding sofort in meinen Feedreader gewandert ist, ist aber das illustere Autorenteam, bei dem ich sofort hellhörig werde:

Na wenn das mal nicht Garanten für interessante Einträge sind… Unter dem Vorbehalt, dass sie nicht aus Lustlosigkeit am Kommerzblog an sich langweilige Beiträge verfassen, aber eigentlich sind diese Damen und Herren in meinen Augen solcher Handlungsweisen eher unverdächtig. Real nenne ich solche Leute, integer könnte man sie auch nennen, wenn man Intellektuellen-Sprech dem Hip-Hop-Slang vorzieht.

Da fällt mir ein, dass mich mal ein von mir recht (oberflächlich, da ich ihn kaum kannte) geschätzter Mensch in meiner Schulzeit als besonders integeren Menschen bezeichnet hat; Integrität… ein Begriff, der sich seitdem in meinem aktiven Wortschaft herumtreibt und dessen bedeutungsvollem Wert ich nacheifere. Voll auf Respektökonomie gebürstet, wenn man so will, wo sich auch wieder der Kreis zu Herrn Lobo schließt und sich dieser Eintrag dem Ende zuneigt und schlafen legt. Vielleicht schreibe ich bei Gelegenheit etwas mehr über Integrität, Authentizität, Blogs und die Respektökonomie nieder.


Braune Schlümpfe, die subtil auf dem Sofa rauchen

04 01 2008

Braune Schlümpfe, die subtil auf dem Sofa rauchen
sind wie Putzfrauen, die ein Sonnenstudio besuchen

Kühlschrankpoesie

Dieser Satz ist in sich so kraftvoll, dass ich ihm einen eigenen Blogeintrag widme. Er steht seit gestern auf unserem WG-Kühlschrank, gebastelt aus den Generation-Golf Kühlschrankmagneten. Genau dafür habe ich die Dinger ja gekauft, also für inspirierende Sätze dieses Kalibers.


Heimat der Lobotomierten

16 10 2007

Winfuture.de ist ein Newsdienst mit Schwerpunkt auf Windows, PC und verwandte Themen, dessen Nachrichten ich täglich lese und als Ergänzung zu heise.de und golem.de sehr schätze. Wie bei den genannten Diensten gibt es aber leider auch hier eine Kommentarfunktion, die leider intensiv von Hirnlosen Idioten und lästigen Trollen heimgesucht wird. Irgendwann nannte jemand winfuture.de einmal Die Heimat der Lobotomierten, was mir noch nach Jahren in Erinnerung geblieben ist. Passender kann man es kaum ausdrücken.

Gerade eben habe ich das erste mal einen wirklich witzigen Kommentar zum Beitrag Kopierschutzfreie Musik bei iTunes billiger *Update* gefunden:

von Dragonir am 16.10.07 um 12:57 Uhr:
Ab 50 Cent würde ich mir die ganze Sache mal angucken, aber 1€ ist mir noch zu viel. Ich bleibe daher erst mal bei meinen Radiostreams.

von Witi am 16.10.07 um 13:54 Uhr:
@Dragonir: Wer will denn schon freiwillig Musik von 50 Cent?

Licht am Ende des Tunnels.


Begrenzt lustig: Pick-Up Werbung im Pulp Ficion Style

13 10 2007

Gestern bekam ich (voll viral, ey!) einen Link zu einem wirklich peinlichen Artikel bei RP-Online über einen begrenzt lustigen viralen Werbefilm für Bahlsen Pick-Up Dark. Peinlich war der Artikel deswegen, weil er gleich mehrere Augenscheinliche Fehler beinhaltet, die einem Journalisten nicht passieren dürfen, ganz besonders nicht bei einem so großen Kulturgut wie dem Film Pulp Fiction. Direkt der erste Satz stimmt schon nicht: Legendär ist die Szene, in der Travolta und Jackson in ein Hotelzimmer fahren, um einen Auftragsmord zu begehen. Hotelzimmer? Ich hab das immer für ein Appartement gehalten und wenn es ein Hotelzimmer wäre (mit Küche und ohne Betten) würde mich das schon sehr wundern. Schlimmer aber und deutliches Zeichen für absolute Unkenntnis des Films auf Seiten des Autors: Drews und Blanco cruisen nicht durch die Straßen von New York, sondern durch die Gassen von Mallorca. Autsch.

Der Spot an sich ist nicht schlecht, aber auch nicht cool genug in meinen Augen. Das Gerede ist so banal, dass man sich einen guten Werbetexter mit etwas Spirit da dran gewünscht hätte; einen Texter, der die unglaubliche Tragweite des Weltdialogs aus Pulp Fiction wenigstens ansatzweise mitgenommen hätte. So aber ist der Spot ein maues Klischee mit lediglich begrenztem viralem Faktor. Aber immerhin genug, dass ich drüber schreibe und brav meinen Link setze. Also schaut rein.

Pick-Up Dark ist sicher ähnlich lecker wie das normale Pick-Up. Aber ich kaufe nie Pick-Up, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht stimmt. Für den Preis eines Riegels bekommt man beim Discounter ne ganze Packung Schoko-Butterkekse, die auch nicht viel schlechter schmecken. Oder ne ganze Müllermilch oder was auch immer. Also kein Pick-Up für mich. Maximal 40¢ wären in meinen Augen angemessen.


Zeitungen, junge Leute und die Frage nach dem Leitmedium

18 09 2007

Mal wieder schreibe ich etwas zum beliebten Thema "Zeitungen, junge Leute und die Frage nach dem Leitmedium". Anlass ist dieses mal ein Artikel auf heise.de, der die Quintessenz des Deutschen Zeitungskongresses wiedergibt, Titel: Verlegerverband: Tageszeitung ist auch bei jungen Menschen beliebt.

Die Tageszeitung sei auch bei Heranwachsenden beliebt, sie habe eine unverändert große Bedeutung. Nötig seien jedoch veränderte Formen.

Huch? Ist das so? Sagt jedenfalls BDZV-Präsident Helmut Heinen. Dass veränderte Formen nötig sind sollte klar sein. Weiter wird er mit folgenden Worten wiedergegeben:

Nach seinen Angaben lesen in der Altersgruppe der 14- bis 19-Jährigen 48 Prozent eine Tageszeitung. Bei den 20- bis 29-Jährigen seien es 59 Prozent.

Mich würde stark interessieren, wo diese Zahlen her kommen und wie verlässlich sie sind. Was heißt lesen? Einmal im letzten Monat ein paar Wörter in einer Zeitung gelesen? Die Überschriften der Bild am Kiosk? Oder ist es bereits Zeitung lesen, wenn man die Online-Angebote der Zeitungen liest? Wie steht das Verhältnis zu anderen Medienkonsumformen? Ich zweifel einen Wert von 59% Zeitungslesern in der Gruppe der 20- bis 29-Jährigen massiv an, wenn es um regelmäßiges und damit ernsthaft meinungsbildendes lesen geht. René Obermanns 13-jährige Tochter liest morgens Zeitung und surft nachmittags durchs Internet. Eine typische 13-jährige eben… Aber es geht noch weiter. Der Frankfurter Marketing-Experte Lothar S. Leonhard lässt sich zu folgender Aussage hinreißen:

"In der Rolle als meinungsbildendes Medien hat die Tageszeitung ein Monopol."

Huch? Ein Monopol auf Meinungsbildung? Bei wem? Bei den 59% Zeitungslesern zwischen 20 und 29? Auch wenn mir die 59% reichlich hoch gegriffen vorkommen, was ist dann mit den restlichen mindestens 41%? Von einem Monopol würde ich nicht gerade sprechen, wenn etwas für mindestens 41% der betrachteten Masse gänzlich irrelevant ist. Sei es drum, der Tenor des Artikels war ja gerade, dass die Tageszeitungshäuser viel stärker in den Online-Markt müssen und da stimme ich voll zu. Ich störe mich nur an der in meinen Augen hochnäsigen Alleinherrscherdenke der Zeitungen.