Der Grund für die dreisten iPhone Tarife

26 06 2008

Beim lesen der Kommentare zu Gerrit van Aakens iPhone Wunschtarif ist mir der Frage Antwort eingefallen: 42! Die Lösung hingegen zur Frage, warum in aller Welt T-Mobile einen breiteren Markterfolg des iPhone mit derart geisteskranken Tarifen zu verhindern weiß, muss etwas komplizierter lauten:

T-Mobile bekommt einfach nur wenige Geräte von Apple geliefert und wenn man eh nur 100.000 iPhones absetzen kann (limitierender Faktor), dreht man den Preis eben so weit rauf, bis man etwa auf diese 100.000 Verträge kommen wird. So spart man sich einerseits wütende Leerausgeher und maximiert gleichzeitig den Ertrag. So muss es einfach sein ;), denn bei T-Mobile hat man die Tarife mit Sicherheit durch 1001 MaFos abgesichert und mit dem daraus generierten Wissen im Hinterkopf würde man nicht ohne weiteren Grund so dreiste Tarife am Markt vorbei platzieren. Oder ist das gar nicht am Markt vorbei?

Vielleicht ist der Grund nämlich auch schlicht der, dass die ganzen Apple-Jünger mit ihrer Hirnerektion beim bloßen Gedanken an so ein hocherotisches Gerät jeden Preis bezahlen würden, und sei er noch so dreist (gute Nutten sind allemal teurer). Man kann dann so schöne Kurven malen und einen Preis am Schnittpunkt berechnen, bei dem man am meisten verdient. Und wenn der so hoch ausfällt, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass offenbar genug Idioten unterwegs sind, die solche weltfremden Tarife auch zu zahlen bereit sind. Manchem ist auch Geld in dieser Größenordnung schlicht egal. Pah, wen interessieren schon niedere vierstellige Beträge? Und diese Leute werden es durchaus begrüßen, dass nur jeder 1000ste Deutsche so ein Gerät mit sich herumträgt und zur Schau stellt. Da ich niemanden mit T-Mobile-iPhone-Vertrag kenne, aber einige mit iPhone ist es vielleicht inkl. Dunkelziffer auch nur jeder 500ste Deutsche. Wo kämen wir denn hin, wenn die Prepaid-Kiddies und die Studenten das gleiche Edel-Telefon hätten, wie anständige Leute?

Wir wollen ja bei alledem nicht vergessen, dass das iPhone ein reinrassiges Oberklasse-Produkt ist. Wer Oberklasse haben will, muss auch Oberklasse bezahlen. ABS und Airbags gabs auch zuerst in Autos, die sich kaum jemand leisten konnte. Wo also bleibt das Volks-iPhone?

P.S. Hoffentlich mahnen die Bild-Leute mich jetzt nicht ab, weil ich Volks-XY gesagt habe… Egal: Jehova, Jehova!

Nachtrag: Der 200MB Kommentar zu Gerrit van Aakens Wunschtarif war offenbar sinnlos und ist entfallen.


Softwareplanung wär mal ne gute Idee

08 05 2008

College Alex wies mich gerade auf eine schöne Story hin, die im Kern leider voll zutrifft. So viele Softwareprojekte beginnen einfach mal doof und ungeplant in die Welt hinein, um dann kosten- und zeitmäßig völlig zu explodieren. Und am Ende kommt nicht das dabei herum, was ursprünglich angefragt worden ist. Dieser Umstand ist mir ein Greuel. Software muss einfach richtig geplant und sauber implementiert werden, sonst wird viel Geld für Mist in die Welt gesetzt. Was in der Geschichte übrigens fehlt, ist die geballte sachliche Inkompetenz, Selbst- und Fremdüberschätzung und Ignoranz vieler Entwickler ggü. aktuellen Trends und Entwicklungen, die ihr übriges tun, um die Stabilität und Sicherheit der gefertigten Software zu minimieren.

So zu arbeiten ist einfach nur blöd und das sollte jedem auch nur ansatzweise betriebswirtschaftlich denkenden Projektleiter eigentlich von vornherein klar sein. Aber der Projektleiter ist meist nicht der, der dem Kunden das Projekt verkauft, sondern der Berater hier, mit Anzug und mit viel Papier. Und dieser Berater redet ja nicht im Vorfeld mit dem Projektleiter oder gar den Entwicklern, warum sollte er auch: Nicht, dass da noch lästiges Kompetenzgerangel entsteht, und Ahnung hat er schließlich genug. Und nicht zuletzt ist da ja noch der Kunde, der gerne für 200€ eine komplette Website mit CMS hätte, und gleichzeitig selber Tagessätze im vierstelligen Bereich in Rechnung stellt. Im Consulting-Bereich natürlich… Ich sage solchen Kunden freundlich, aber bestimmt ab.


Hoffentlich ein letztes mal DRM

27 04 2008

Ich hab schon lange keine Lust mehr. Meine aufklärerische Arbeit (sichselbstwichtigmach) und die Arbeit vieler anderer zum Thema DRM hat ja offensichtlich gefruchtet: Das Thema DRM für Musikdownloads ist weitgehend durch. Spätestens wenn demnächst Amazon auch auf dem deutschen Markt am Start ist, wird DRM-Fesselmusik wie Steine in den virtuellen Regalen liegen. Gut so. Lasst Euch nicht verarschen!

Also kleiner Digest zu aktueller Presse: Die Musikindustrie hat einen offenen Brief an die Kanzlerin veröffentlicht, in dem sie rumheult und fordert, dass die Bundesregierung etwas tut. Ich frage mich, was sie denn noch tun sollen? Reicht Euch die aktuelle für die Konsumenten sehr unangenehme Lage noch nicht? René von Nerdcore hat alles, was dazu zu sagen ist, in eine offene Antwort verpackt. Ja genau. Was können die Konsumenten und die Regierung (die diese irgendwie schon noch vertritt) dafür, dass Euch Euer Geschäftsmodell wegbricht? Wollt ihr noch analog zum Kohlepfennig einen Musikpfennig haben? Das wär ja ne geile Idee! Da löst sich die Grundlage einer ganzen Industrie auf (was bei der Musik so einfach nicht stimmt), und der Staat muss Arbeitsplätze mit hohen Subventionen sichern. Kennt man ja.

Allein: Eure Probleme sind Hausgemacht. Die Kunden haben plötzlich das Zepter in der Hand. Und die Kunden wollen durchaus Musik und sie wollen auch durchaus dafür bezahlen, ehrlich! Die Welt ändert sich. Heult der Lebensmittel-Einzelhandel rum, dass der Trend zu Convenience-Produkten geht und kaum noch jemand einfach nur Mehl kauft oder die Brauereibranche, dass der Bierabsatz ins Bodenlose fällt? Nein, denn man kann sich auch als Industrie durchaus an veränderte Situationen anpassen: Kommt man bei Rewe rein, empfängt einen eine Convenience-Kühltruhe und im Bierregal stapeln sich zig verschiedene Biermixgetränke, denn die sind tierisch en vogue und verkaufen sich blendend.

Und was macht ihr? Statt den Konsumenten schon seit zehn Jahren Musik im bevorzugten MP3-Format zu verkaufen zu Preisen, die nicht über denen von CDs liegen (aus denen man sich übrigens ganz einfach und noch immer legal eigene MP3s machen kann), und zu Konditionen, die denen von Tauschbörsenmusik mindestens ebenbürtig sind. Sprich: Ein Album für 10 Euro ohne Fußfesseln. Im Spiegel-Online steht übrigens dieser Tage ein gut zusammengefasster Abgesang auf DRM: Microsoft lässt Playsforsure-Musik, die Kunden im msn Musicstore gekauft haben, einfach auslaufen. Ab Mitte des Jahres kann man diese Musik nicht mehr auf andere Rechner (etwa seinen eigenen neuen PC) umlizenzieren. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Nicht nur, dass man seine bezahlte Musik überhaupt umlizenzieren muss, wenn man sie auf seinen neuen Rechner kopiert. Nein, das reicht noch nicht: Man stellt diese Möglichkeit einfach ab und nimmt seinen Kunden die bezahlte Musik damit praktisch wieder weg. Nach maximal drei Jahren.

Zur Erinnerung: Selbstgerippte Musik zum gleichen Preis (inkl. CD) und kostenlos aus dem Netz kopierte Musik läuft ohne jedes Haltbarkeitsdatum einfach weiter, man ist also der Gefickte, weil man für Download-Musik bezahlt hat, obwohl man die gleiche Musik auch für lau aus dem Netz hätte ziehen können. Verkerhte Welt. Und dann heulen diese Leute unserer Bundesregierung die Ohren voll.

Mir ist das inzwischen gleichgültig: Ich habe schon lange meine Musikkäufe auf ein Minimum reduziert. Einer Branche, die so scheiße ist, gebe ich echt nur ungern irgendwelche Kohle. Gibt genug bessere Alternativen für mein beschränktes Medienbudget. Überhaupt: Wie vermessen ist das ganze eigentlich? Die Leute versenken ihr Medienbudget inzwischen schlicht woanders und die Musikindustrie will Schutz davor? Wie? Meinen die im ernst, die Leute kaufen wieder mehr Musik, wenn man rechtlich gegen sie vorgeht und das mit harten Bandagen? Ganz offensichtlich schmecken den Leuten die aktuellen Konditionen oder die Inhalte nicht mehr. Was macht man als Geschäftsmann: Man dreht genau daran. Naja, ist ja gut jetzt. Schönen Sonntag noch.


Kommentar via Voicemail

26 04 2008

Huch!? Heute bekomme ich einen Kommentar zu meinen Alice-Einträgen auf meine im Impressum angegebene Voicemailbox. Leider ist die Sprachqualität nicht die beste, so dass ich nicht alles verstanden habe. Wenn ich richtig gehört habe, ging es um jemanden, dem Alice seine Europa-Telefon-Flatrate-Option wegen Vielnutzung gekündigt hat. Der Herr ärgert sich darüber sehr und fühlt sich "verarscht" und wägt nun ab zwischen ganz kündigen und gerichtlich vorgehen.

Was soll ich jetzt dazu sagen? Momentan ist er da wohl in bester Gesellschaft. Man schaue mal bei heise.de oder in anderen einschlägigen Quellen nach: Es scheint gerade eine Flut von anbieterseitigen Kündigungen wegen Vielnutzung von Flatrates aller Art zu geben. Halte ich für mindestens bemerkenswert, wenn nicht gar fragwürdig. Wenn man eine Flatrate anbietet, ist das eine Flatrate. Andererseits spricht nichts dagegen, wenn man auch als Anbieter vom eingeräumten (fristgerechten) Kündigungsrecht Gebrauch macht. Der Kunde kann ja auch kündigen, wenn er keine Lust mehr auf den Anbieter hat. Und nicht zu vergessen: Bei ausführlicher Vielnutzung günstiger Flatrates zahlt der Anbieter im Zweifel massiv drauf und das macht niemand gerne. Trotzdem bleibt ein fahler Beigeschmack.

Da ist mir der Fair-Flat-Ansatz der Mobilfunk-Netzbetreiber lieber: 5GB für einen gewissen Preis, und wer mehr als ausnahmsweise drüber liegt, zahlt dafür. Das ist allen Beteiligten transparent und keiner von beiden wird abgezockt. Oder Skype mit seiner Pseudo-Flatrate, wo (ich glaube) 10000 Minuten pro Monat enthalten sind. Das sollte für die meisten reichen und wer tatsächlich darüber liegt, sollte nicht erwarten, mit unter 10€ davon zu kommen.

Aber was anderes: Kommentare sind grundsätzlich in der Kommentarfunktion besser aufgehoben, als auf meiner Mailbox. Die ist schwer zu verstehen und macht mir einige Arbeit. Und wie soll ich am Ende reagieren? Abtippen ins Kommentarfeld? In Zukunft werde ich jedenfalls keine eigenen Beiträge dafür aufmachen.

Nachtrag 27.04.2008: Offenbar gibt es Fälle, in denen die Kündigung außerordentlich ausgesprochen wird. Ist die Kündigung wegen vertragsgerechter Nutzung eines Vertrags schon innerhalb der Kündigungsfristen (vor allem kommunikativ) fragwürdig, so ist es tatsächlich ein Unding, wenn außerordentlich gekündigt wird, weil ein Kunde die beworbene Flatrate tatsächlich nutzt. Die Ausrede, dass sein Telefonieverhalten eine gewerbliche Nutzung vermuten lässt, ist zwar vielleicht(!) rechtlich haltbar: Bei Vertragsabschluss wird diese von den Anbietern meist ausgeschlossen. Aber man kann das schlicht nicht bringen, jemanden mit einer Flatrate zu locken und dann zu kündigen, wenn diese tatsächlich genutzt wird; das gilt ganz besonders in Anbetracht von 24 monatigen Laufzeiten, die den Kunden aufgezwungen werden. Faire Lösungen gibt es ja genug für das Problem (siehe oben). Die Kunden werden dies bei einer Entscheidung für oder gegen einen Anbieter sicher berücksichtigen: Ich habe von Fällen bei Base, Arcor und Congster gelesen und oben genannter Leser ist (ich kann das nicht prüfen!) bei Alice betroffen.


Freiberufler-Honorardumping

24 01 2008

Am Montag wurde ich gefragt, ob ich bei einem aus dem Zeitplan zu rutschen drohenden Webprojekt als freier Entwickler aushelfen möchte. Ohne zu persönlich zu werden: Der Mensch, der sich hauptsächlich um dieses Projekt kümmert, steht mir sehr nah und da lasse ich mich nicht lange bitten. Am Dienstag hatte ich aber einen (gut bezahlten) Termin in der FH, so dass ich erst gestern in die Nachbarstadt aufbrechen konnte. Das Gespräch mit dem Auftraggeber hat mich allerdings verstört hinterlassen:

Der Mann hörte sich meine Ausbildung und meinen Werdegang an und schrieb Stichpunkte aus dem Gespräch offen sichtbar auf einen Zettel, natürlich primär die Punkte, die mir eine hervorstechende Qualifikation für diese Aufgabe absprechen (ich hatte btw. auch nie behauptet, für diese Aufgabe besonders geeignet zu sein). Hinterher warf er einen bedächtigen Blick auf den Zettel und nannte mir ein Stundenhonorar, das er mir zahlen könnte. Ich konnte es kaum fassen, aber der Mann hat mir allen Ernstes 12,50€ pro Stunde angeboten. Aus Fairnessgründen könnte er mir nicht mehr geben als seinen Festangestellten und er würde meine Leistung ja nicht kennen und so. Ich war sprachlos und sagte freundlich, aber entschieden ab. Als ich später im Auto war, rief er noch mal an und bot mir als totaaaal superduper Entgegenkommen 20€ pro Stunde an. Netter Versuch, aber:

  • Nach zweieinhalb Jahren in meinem massiv unterbezahlten HiWi-Job habe ich mir geschworen, meine Leistung nie wieder weit unter Wert zu verkaufen.
  • Fairness? Wenn er seinen Angestellten 12,50€ pro Stunde bezahlt ist das schon unverschämt wenig für die geleistete hochwertige Webentwicklungsarbeit. Mit Nebenkosten und allem Pipapo (Löhne auch ohne Aufträge zahlen müssen etc.) muss er für seine Angestellten weit über 20€ pro Stunde kalkulieren und fährt damit noch billig in dem Segment. Einem Freiberufler 12,50€ anzubieten ist also eine pure Unverschämtheit, muss er doch keinerlei Neben- oder sonstige Kosten kalkulieren, ich hätte sogar mein eigenes Notebook mitbringen müssen. Wenn sich der gute Mann das unter Fairness vorstellt, dann möchte ich ganz sicher nicht für ihn arbeiten.
  • Meine vorläufige Honorarkalkulation als Freiberufler lässt Aufträge unter 30€ pro Stunde nicht lohnend zu, und auch nur bei längeren Aufträgen von jeweils mehr als 4 Stunden am Stück. Üblicherweise stelle ich um die 50€ in Rechnung, um gut von meiner Arbeit leben zu können und noch etwas Luft für immer Anfallende Mehrarbeit zu haben (je nach Umständen passe ich den Preis auch mal an). Wenn ich mich zwei Wochen für 20 oder gar 12,50€ pro Stunde binde, muss ich die ganze Woche arbeiten und muss Aufträge zu meinem üblichen Stundensatz dafür ablehnen. Das bedeutet, dass ich auch zwei statt fünf Tage arbeiten könnte für das gleiche Geld und die restlichen drei Tage meinen eigenen Projekten nachgehen, rumhängen, mich weiterbilden oder schlicht mehr verdienen.
  • Auch wenn der Kerl mir nachträglich 30€, für die ich anfangs zugesagt hätte, bieten würde, würde ich absagen. Warum? Wer so dreist und schmierig versucht (unerfahrene) Freiberufler abzukochen, der soll mit seinen Projekten untergehen. Solch eine Bezahlung für freie Mitarbeiter bedeutet netto nämlich ggf. noch weniger, als die 5,58€ pro Stunde, die man als HiWi an einer NRW-FH bekommt.
  • Ach ja, die Fahrt mit dem Auto zu dem Laden und zurück kostet mich etwa zehn Euro allein an Benzin und pro Stunde fallen auch noch 2€ Parkgebühren an, bei Kostenumlage auf 8 Stunden pro Tag rutsche ich so bei 12,50€ weit unter 10€ pro Stunde und habe davon weder Steuern, (Kranken-, Renten-, Sozial- etc.) Versicherungen noch sonst irgendwas bezahlt. Vor dem Hintergrund wird vielleicht klarer, wieso ich so einen langen Beitrag darüber schreibe und so empört über diesen dreisten Versuch von Honorardumping bin. Frisören und Angestellten in all den anderen Billiglohn-Berufsgruppen mag das wie Jammern auf hohem Niveau vorkommen, aber in meiner Branche sind das unvorstellbar kleine Honorare. Und ich reite noch nicht einmal auf meinem abgeschlossenen Studium rum, was sich bei einer Festanstellung in einer größeren Hierarchie meistens deutlich in der Höhe des Monatsgehalts niederschlägt (übrigens in meinen Augen nicht immer zu Recht).

Zur Erinnerung: Es handelt sich bei der Aufgabe um eine kurzfristige (sofort), zeitkritische (Deadlines) und zeitintensive (viel zu tun) Arbeit, für die ich gewöhnlich einen Zeitdruck-Aufschlag kalkuliere. An meiner Honorar-Untergrenze zu arbeiten wäre ein Entgegenkommen meinerseits gewesen. Jetzt bin ich echt froh, dass ich diesen Auftrag abgelehnt habe. Das ist gar nicht so leicht für mich, zumal ich den Projektverantwortlichen jetzt hängen lasse. Aber ich kann ihm nur empfehlen, sich nicht zu diesem Dumpinglohn ausbeuten unterbezahlen zu lassen, sofern er denn wirklich nur diese 12,50€ pro Stunde bekommt und der Typ mich diesbezüglich nicht verarscht hat. Seine hochkomplexe und hochwertige Programmierarbeit (soweit ich das beurteilen kann) ist deutlich mehr wert als so ein lächerliches Taschengeld.


Seltsame Anspruchshaltungen

18 01 2008

Ein Kommentar zu einem älteren Beitrag über meinen Postboten, der regelmäßig meine c't verknickt hatte, hat mich etwas nachdenken lassen über meine Einstellung zu verschiedenen Berufsgruppen, Wertschätzung und Anspruchshaltungen. Als Tenor des Kommentars habe ich herausgehört, dass mir der Kommentator Undankbarkeit i.w.S. unterstellt. Sicher, mein verärgerter Nachsatz "Arschloch" hinter meinem Beitrag ist durchaus angreifbar. Aber er ist eine Reaktion auf regelmäßig verknickte c'ts mit teilweise defekten CDs oder gerissenen Seiten. Höhepunkt war mal eine gebrochene Heftbindung, das muss man erst mal schaffen. In meinen Augen ist es jedenfalls durchaus vermeidbar, zumal die im Kommentar erwähnte vorschriftsmäßige 2/3-Versenkung im Briefkasten auch im härtesten Knick-Quetsch-Fall mit einer c't und unserem Briefkastenmodell nicht mal im Ansatz zu erfüllen ist. Zurück zum Kommentar: Ich soll mich nicht wundern, dass meine c't kaputt gequetscht wird, wenn ich meinen Postboten deswegen (indirekt und unpersönlich) als Arschloch bezeichne. Diese Logik erschließt sich mir einfach nicht, da ich dem Postboten zuvor nie was getan hatte. Vorauseilendes Karma? Gewagte These. Besser aber ist allemal die folgende Idee:

Schonmal ein Trinkgeld gegeben ? Denn Postboten haben ein gutes Gedächtnis, halt wie ein Elefant!

Huch? Damit der Postbote seinen Job korrekt erledigt (und dazu gehört nun mal, die Sendungen nicht immer wieder zu beschädigen), soll ich ihm ein Trinkgeld zukommen lassen? Davon abgesehen, dass ich ihn selten persönlich antreffe, was ist denn das für eine Anspruchshaltung? Soll ich etwa auch dem Schaffner ein Trinkgeld geben, damit er mich nicht übertrieben unfreundlich behandelt? Oder der Frau an der Kasse vom Penny, weil sie meine Waren einpiepst und abkassiert? Trinkgeld gebe ich gewöhnlich nach(!) freundlicher Bedienung im Restaurant oder dem Liefermann, obwohl das in meinen Augen zu deren Job dazu gehört. Kein Trinkgeld gibt es dagegen für Bedienungen, die sich wiederholt unfreundlich oder unangemessen verhalten haben. Vielleicht würde sogar der Paketbote ab und an ein Trinkgeld von mir bekommen, wenn er schwere Pakete in den x-ten Stock schleppen würde, statt sie im ersten Stock oder gar nicht abzugeben. Ich wohne aber im ersten Stock und nehme gehäuft Pakete für die Leute im dritten Stock an, die sich stets verwundert zeigen. Also lass ich das mit dem Trinkgeld auch hier.

Als ich also so beim Einschlafen darüber nachgedacht habe, hatte ich das ungute Gefühl, allen Möglichen Berufsgruppen gegenüber durch meine Verweigerung von Trinkgeldern mangelnde Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen. Ein hochnäsiger Akademiker also (bin ja kein Student mehr), der auf den arbeitenden Pöbel herabschaut. Allein, dem ist nicht so: Im Gegenteil wertschätze ich die meisten Dienstleistungsberufe weit mehr als viele andere Leute. Ich bin den Mitarbeitern der Awista beispielsweise sehr dankbar dafür, dass mein Müll regelmäßig entsorgt wird und sogar nachts um halb vier in der Altstadt die Mülltonnen geleert und Scherben weggefegt werden. Allgemein bin ich ein großer Freund derer, die alle möglichen anderen Dinge für mich tun, auf die ich keine Lust habe und ich vertrete auch die für mich im Zweifel teure Auffassung, dass solche Arbeit angemessen zu bezahlen ist. Ich erweise allen diesen Leuten grundsätzlich einen hohen Respekt für ihr Tun. Das hält mich aber nicht davon ab, jemanden (auch öffentlich) zu kritisieren, der mir gegenüber diesen Respekt nicht zeigt. Zum Beispiel, indem er oder sie regelmäßig meine Sendungen beschädigt.

Wie man in den Wald hereinruft? Was für eine Verdrehung der Situation? Mein Nachsatz Arschloch ist ja genau das nicht, sondern vielmehr das, was wieder heraus schallt. Über Monate fast jede c't zu verknicken ist das, was in den Wald hereingerufen wurde. Ist zumindest meine Auffassung. Also versönlich gesagt: All ihr Postboten oder Briefzusteller oder wie auch immer Eure genaue Berufsbezeichnung lautet, ich finds toll, dass ihr bei jedem Wetter durch die Straßen zieht, um mir meine Post zuzustellen. Für das Arschloch entschuldige ich mich dennoch nur teilweise, weil eine Beschimpfung in dieser mickrigen Größenordnung in meinen Augen durchaus angemessen ist für regelmäßige und offenbar mutwillige Schlechterfüllung eines Jobs, unter der ich zu leiden habe. Das ganze ist einfach vermeidbar, indem die c't – wie übrigens alle anderen großen Sendungen auch – auf den Briefkasten oder auf die Treppe gelegt wird. Damit bricht sich niemand einen Zacken aus der Krone und alle sind zufrieden, außer vielleicht den Paragraphenreitern, die sich diese angebliche in meinen Augen gefährliche 2/3-Einstecken-Regelung ausgedacht haben.


DRM ist sowas von raus

11 01 2008

DRM-Maßnahmen gelten als das größte Verkaufshindernis für Musikdownloads.

Das geht bei mir runter wie Öl und stammt aus einem Abgesang auf DRM im SPON, der deutlichere Worte kaum hätte finden können. Lesenswert. Natürlich schadet DRM mehr als es nützt. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass es der Musikindustrie überhaupt nicht genützt hat. Naja zum Erkenntnisgewinn vielleicht…

Man beachte auch meinen Nachtrag zum letzten Artikel zm Thema DRM.

Eigentlich wollte ich meine schon erwähnte Hausarbeit zum Thema DRM hier veröffentlichen, aber bei einer schnellen Lektüre ist mir aufgefallen, wie schlecht sie im Vergleich zu meiner Thesis ist. Sowas kann ich keinesfalls öffentlich zur Verfügung stellen, ohne mich in Grund und Boden zu schämen. Ich habe eine steile These nach der anderen rausgehauen und Dinge behauptet, die ich nicht näher erklärt und auch nicht belegt habe. Das mag in großen Teilen der Kürze der Arbeit geschuldet sein, aber das ist keine Entschuldigung für wissenschaftliche Unzulänglichkeit; auch nicht, dass eigentlich alles (inkl. der Behauptungen) inhaltlich korrekt ist und meine Thesen fast alle inzwischen verifiziert worden sind (was mir eine gewisse Befriedigung bereitet). Auch die Formulierungen sind nach wissenschaftlichen Maßstäben mitunter haarsträubend. Eventuell hätte ich mir für die 15 Seiten mehr als ein Wochenende Zeit nehmen sollen, die 3,3 ist jedenfalls durchaus berechtigt. Andererseits macht Übung den Meister und ein Jahr später hat meine Thesis diese ganzen Fehler Kinderkrankheiten nicht mehr gezeigt.


Dämliche Ideen: Im Plattenladen einen Gutschein für den Erwerb von Downloadmusik kaufen

09 01 2008

Vor ein paar Tagen haben ich ja Sony BMGs Entscheidung pro DRM-freie Musikdownloads gut geheißen. Dabei bleibe ich auch, aber was mir via Rivva.de gerade um die Ohren fliegt stimmt doch nachdenklich: DRM-freie Musik bei Sony BMG: Neuer Dummheitsrekord in der Musikbranche. So ein schöner Titel muss zitiert werden! Der Witz daran ist folgender:

Die Konsumenten werden nämlich die DRM-freie Musik nicht einfach so herunterladen können. Nein, vielmehr müssen sich die Musikfreunde in einen physischen Musikladen begeben und dort einen “Platinum Musicpass” zum Album ihrer Wahl erwerben (Einzelsongs gibt es nicht), und zwar etwa für den Preis einer CD ($12.99 in den USA). Diesen Code gibt man zu Hause am Computer auf der Website musicpass.com dann ein und schon kann man sich die Songs herunterladen, ganz bequem, mit nur wenigen Stunden Verzögerung. Und zum Start nächste Woche wird bereits eine sensationelle Auswahl von 37 Alben zur Verfügung stehen!

Wow! Wenn das mal keine geniale Idee ist… Offensichtlich frisch aus dem HowTo "Wie biete ich etwas an, das wirklich absolut niemand haben will?" Ich bezweifle ja zutiefst, dass das wirklich die einzige Möglichkeit sein soll, an DRM-freie Downloadmusik von Sony BMG zu kommen. Dazu ist das einfach zu bescheuert. Aber alleine davon auszugehen, dass überhaupt jemand auf diese weise Downloadmusik kaufen möchte, zeugt schon von von einer ausgeprägten Fähigkeit zu absurdem Denken.

Die Idee dahinter soll übrigens sein, dass Kunden bekanntlich etwas physisches in die Hand bekommen wollen, wenn sie schon Geld rausrücken. Allein: Wenn man im Plattenladen den vollen Preis einer CD hinlegt, dann würde ich zumindest erwarten, als physischen Gegenstand die CD zu bekommen. Und wenn die Plattenfirma nett ist, erlaubt mir ein Code in der CD den Download der Musik ohne DRM aus dem Netz, weil mir das das Rippen erspart (wenn ich das will). Warum sollte ich also in einen Plattenladen gehen, für volles Geld keine CD mitnehmen und am Ende nur MP3s bekommen, die ich mir von der CD genau so gut hätte rippen können? Ich zahle das gleiche, muss trotzdem in den Laden gehen und bekomme viel weniger (nämlich keine CD und kein Cover). Und jetzt kommt nicht mit dem Argument, dass es so unbequem wäre, eine CD zu rippen. iTunes und Konsorten machen das inzwischen so einfach und komfortabel, dass die Eingabe eines Codes auf einer Website und der Download der Dateien wesentlich komplizierter ist.

Das Jahr hat zwar gerade erst angefangen, aber diese Idee ist ein heißer Kandidat für die dämlichste professionelle Idee des Jahres. Der Monatspreis ist Sony BMG in meinen Augen damit schon ziemlich sicher. Aber mal schauen, vielleicht toppt das ja noch jemand.

Nachtrag 11.01.2008: Also doch: Ich konnte es ja schon von Anfang an nicht glauben und so wundert es mich auch nicht, dass Amazon demnächst auch DRM-freie Musik von Sony BMG (und damit von allen Majors) verkauft, ohne Rubbelkarte wohlgemerkt. Mutig von Sony BMG, so ein abgezocktes PR-Vabanque-Spiel zu spielen. Meinen vollen Respekt dafür, sich freiwillig für ein paar Tage der Lächerlichkeit Preis zu geben, um dem eigentlichen Deal den roten PR-Teppich auszurollen; und herzlich willkommen im man-kann-damit-auch-Geld-verdienen-Internet.


Das Thema DRM ist endlich durch

05 01 2008

Heute habe ich feierlich die Seite Wir haben bezahlt aus meiner Blogroll geworfen. Denn, mit Sony BMG hat sich nun das letzte der vier Major Label zum Verzicht auf DRM entschlossen, was die Verlinkung dieser Seite für mich überflüssig macht. Ausschlaggebend ist wohl Amazons Vorstoß gewesen, in den digitalen Musikmarkt einzugreifen, aber eben nur ohne DRM oder gar nicht. Gut so, auch als Gegengewicht zu iTunes. Ich bin gespannt, wann auch andere Shops davon profitieren werden. Endlich ist Schluss mit diesem DRM-Scheiß. Die Musikindustrie (repräsentiert durch die vier Majors) hat im Übrigen auch keine andere Wahl. Keine Industrie kann gegen seine Kunden etwas durchsetzen, was diese nicht wollen; abgesehen von Monopolen, aber die Musik der Majors hat sich gerade nicht als Monopolgut herausgestellt, zu umkämpft ist das Medien(zeit)budget der Leute.

Jetzt fehlt mir nur noch ein Feature: Wenn ich eine CD bei Amazon kaufe, wäre es der Hammer, wenn ich die Musik im Voraus schon als MP3 herunterladen könnte. Sofort loslegen können, nicht selber rippen müssen und trotzdem die CD bekommen ist ein Killerfeature, liebe Amazon-Strategen, aber nur zum gleichen Preis. Denn der Vorteil zieht nur die zwei Tage, bis die CD da ist, denn dann kann ich sie ja auch selber rippen.

Ohne zu sehr auf meiner mit 3,3 bewerteten Hausarbeit zum Thema DRM vom Sommer 2006 rumreiten zu wollen, muss ich doch noch mal kurz erwähnen, dass da genau das drin stand: DRM lässt sich nicht dauerhaft gegen die Kunden durchsetzen und in spätestens 2 Jahren ist Schluss damit. Dieser Umstand zaubert mir immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht. Die 3,3 kam übrigens dadurch zustande, dass ich meine durchaus schlüssig dargelegte Argumentation nicht beweisen bzw. belegen konnte, zumindest nicht mit gedrucktem Material (Blogs zwitscherten das ja schon von allen Dächern, aber Blogs gelten nicht als Quelle); ergo mangelnde Wissenschaftlichkeit – schlechte Note. Die These "DRM ist nötig, deswegen verkaufen wir nur mit DRM" war allerdings ebenso wenig belegt. Ein Diskurs konnte also meines Erachtens nur auf rein theoretischen Gedankengängen beruhen. Genau dieser (pseudo-)wissenschaftliche Wahnsinn ist übrigens schuld an meinem Entschluss, nicht noch einen Master an meinen Bachelor dran hängen zu wollen. Wie auch immer: Ich hatte recht, was mich im Nachhinein sehr befriedigt.

Nachtrag 05.01.2008 19:14: Eben kam ein Einwand zum Amazon-Bundle-Modell, dass das 14-tägige Rückgaberecht ein Problem sein könnte: Man kauft ne CD, zieht sich die MP3s und schickt die versiegelte CD zurück. Guter Einwand, aber rechtlich sehe ich kein Problem darin, das Rückgaberecht in dem Fall einzuschränken, solange Amazon deutlich genug darauf hinweist. Die DSL-Provider machen das auch so mit dem Haken "Auftrag schnellstmöglich ausführen". Hakt man das an, hat man kein 14-tägiges Widerrufsrecht für den DSL-Vertrag und der Provider legt sofort los. Unschön ist dabei nur, dass die Provider nicht deutlich genug auf die Konsequenzen hingewiesen haben (ist das noch so?).

Wenn der Hinweis bei Amazon also deutlich genug ist(!) und der Haken nicht standardmäßig gesetzt ist(!), wird es zwar trotzdem Kunden geben, die das verpeilen; aber das werden nicht viele sein und die haben halt Pech gehabt, finde ich.


Hörbücher ganz schön teuer

23 04 2007

Momentan komme ich endlich mal dazu, mein Hirn zu öffnen und die ganzen ungelesenen Brand Eins Ausgaben von meinem seit Monaten laufenden Abo zu lesen. Ich muss mal wieder sagen: Eine absolut grandiose Zeitung Ein absolut grandioses Magazin. Das wollte ich aber gar nicht erzählen, sondern: Bei Audible.de gibt es den jeweiligen Monatsschwerpunkt als Hörmagazin zu kaufen. Geile Sache, wenn man dafür nicht zusätzlich zu den nicht ganz billigen (und jeden Cent werten) Abokosten noch mal schlappe 10€ auf den Tisch des Hauses werfen müsste. Puh. Wenn man ein superduper Audible-Abo wählt, bekommt man für 10€ im Monat ein Hörbuch und ein Audiomagazin. Immerhin. Aber was soll ich mit einem Hörbuch pro Monat? Das ist doch nach spätestens drei oder vier mal Laufen aufgehört. Und dafür jeden Monat 10€. Oder zwei Bücher und kein Audiomagazin für 15€. Auch kein Zuckerschlecken. Irgendwie erwarte ich von Abomodellen etwas lohnendere Konditionen. So Napster für Hörbücher wär geil. Da würde ich auch von meinen nicht gerade zahlreichen (im Moment eher gar nicht vorhandenen) Kröten ein paar von Abdrücken. Aber so? Wer kann sich sowas leisten? Wenns fünf Hörbücher wären, OK. Oder einige Audiomagazine, klar. Aber zwei pro Monat ist etwas dürftig. Da bekommt man für 10€ im Monat bei Napster aber mehr geboten. Mal schauen, vielleicht checke ich da mal ein. Aber dann brauche ich ja einen DRM-fähigen Player, was ich in dem Fall zwar voll und ganz einsehe, aber den ich schlicht nicht habe und auch keine Kohle habe, mal eben im Vorbeigehen einen zu kaufen.

Für die Steve Jobs Autobiografie wollen die bei Audible.de übrigens lockere 30€ haben. Huch? Respekt. Na dann doch lieber das Abo…

Alles in allem muss ich sagen, dass ich mir Hörbücher und Audiomagazine momentan schlicht nicht leisten kann. Und damit bin ich sicher nicht alleine. Wir wärs mit vergünstigten Tarifen für Abonnenten? Ich zahl nun mal schon ne Stange Geld für mein Brand Eins Abo und das TR Abo kommt auch nicht gratis ins Haus. Wär cool, wenn es da für vielleicht 20% Aufpreis ein Plus-Abo mit Audiomagazin-Zusatz gäbe. Ist sowas zu realisieren? Was kostet eine professionelle Audiomagazin-Produktion? Verzichtet man damit auf all zu satte Pfründe aus dem Audible-Geschäft? Hmm. Für mich wärs jedenfalls schön.