Please put the C in CSS

24 09 2010

Fast immer, wenn ich an Websites arbeite, die andere (Agenturen) verbrochen haben, stolpere ich über mehr oder weniger lästige Eigenheiten der konkreten Implementierung. Dass man TYPO3 auf etliche verschiedene Weisen mit Templates füttern kann, ist ja normal, auch dass es Abweichungen in der Sorgfalt im Umgang mit HTML-Markup und CSS-Code gibt. Aber es gibt Abweichungen im Rahmen des Nachvollziehbaren und solche, die einfach dumm, lästig und ärgerlich sind.

Aktuelles Beispiel: Ich mache zur Zeit einige inhaltliche Änderungen an einer Website, deren CSS-Code sehr eigenartig ist. Die auffälligste Eigenart ist dabei wirklich spaßig: Man hat dem BODY ein text-align: center; gegeben, ohne das bei nächster Gelegenheit, etwa einem Wrapper, wieder zurückzunehmen. Nun könnte einem im weiteren Verlauf auffallen, dass nun alles, aber wirklich alles zentriert wird. Das ist natürlich nicht zu übersehen und vor allem ziemlich lästig. Ich und die meisten anderen Frontend-Entwickler, die ich kenne, würden nun unseren Fehler bemerken und dem Wrapper ein text-align: left; zuweisen, wie es best practice ist. Nicht so der Entwickler dieser Website, denn der gibt der mittleren Content-Box diese Eigenschaft und zudem noch mal allen möglichen anderen Boxen, die nicht zentrieren sollen. Bei der Gelegenheit habe ich mal die style.css geöffnet und staunte nicht schlecht: Fast alle vergebenen Styles sind per ID an verschiedene Content-Boxen drangehängt, so dass beispielsweise eine H2 in Box A gestyled ist, in Box B, C und D und überhaupt anderswo nicht; was wiederum bedeutet, dass sie fast überall zentriert ist (und sonst die Standardeigenschaften des Browsers für H2 hat). Das ist eine Wartungshölle sondergleichen, denn bei jeder Inhaltsänderung, die über den initialen Zustand der Site hinausgeht, muss man den Style anfassen. Letztlich hat man also etwas ähnliches, wie inline-styles, nur eben in eine externe Datei ausgelagert und auf unvorhersehbare Weise mal wirkungsvoll und mal nicht. Die Vorteile der Kaskadierung werden also nicht ausgespielt, die Nachteile aber schon.

Nun wäre es eine Kleinigkeit, das alles zu korrigieren, aber dann schlägt gnadenlos der Nachteil der Kaskadierung zu: Man weiß nicht, welche Seiteneffekte sich bei grundlegenden Änderungen ergeben. Nimmt man etwa die Zentrierung für alles heraus, wird man gar nichts mehr zentriert vorfinden, weil bei absichtlich zentrierten Elementen möglicherweise eine Angabe zur Zentrierung weggelassen wurde, weil sich das ja implizit aus der nicht zurückgestellten Zentrierung des BODYs ergibt. Ohne eine genaue Analyse des Stylesheets und der Seitenstruktur, sowie umfangreiche Tests wird man solche Änderungen also besser nicht machen. Ich halte mich in solchen Fällen einfach an das vorgegebene System und ergänze meine nötigen Styles entsprechend. Das macht es nicht besser, aber wenigstens wird man – ohne daran Schuld zu sein – für jede dieser Änderungen angerufen und bezahlt.

Die ahnungs- oder lustlose CSS-Schluderei ist nur ein Aspekt dieser Website, auch die URLs der Seiten (mit CoolURI gemacht) waren weit entfernt von Sinn und Zweck einer guten URL-Struktur. Die Menüs sind lieblos zusammenkopiert, das Hauptmenü ein manuell erstelltes (und manuell zu pflegendes) Imagemap-Ungetüm, das einen besonders spannenden Nebeneffekt zeigt: Sind Seiten in TYPO3 nicht über zumindest irgendein automatisch erstelltes Menü zu erreichen, kann CoolURI die URL der Seite nicht wissen und wirft eine Fehlerseite. Man muss nun für jede dieser Seiten einen manuellen Eintrag in CoolURI vornehmen und den bei Änderungen auch Pflegen. Besonders lustig ist das, wenn man die URL-Struktur nach umfangreichen Änderungen neu startet und dann das Hauptmenü nicht funktioniert. Falls man eine automatische Sitemap hat, kann die einen immerhin retten. hat man hier aber nicht. Solche Schludrigkeit zieht sich durch das gesamte Projekt und macht erhebliche Mehrarbeit bei der Pflege. Kein Wunder, dass direkt nach Projektabschluss alle Passwörter geändert wurden und die Änderungen bei mir landen. Leider ist das kein Einzelfall, gerade im TYPO3-Kontext treffe ich immer wieder auf haarsträubende Implementierungen. Ob die Agenturen, die immerhin explizit TYPO3 anbieten, zu dumm oder zu faul sind, weiß ich nicht.

Also aufgemerkt: Wenn man jemanden beauftragt, eine Website umzusetzen, gerade bei TYPO3 und anderen komplexen Systemen, achte man auf einen Dienstleister mit Ahnung und Bock. Nur billig billig schnell schnell führt einen zu oft schon mittelfristig aufs Wartungs-Glatteis. Mir ist das recht, wenn ich der Typ bin, der jammern darf und dabei auch noch gut an der Schludrigkeit anderer verdient.


Flattr ist keine Lösung für alles, aber gerade deswegen so schön

19 05 2010

Als ich den Vortrag von Peter Sunde auf der re:publica 2010 (Mitschnitt auf YouTube) gesehen habe, war ich sofort geflasht. Peter redete erst mal ein paar Minuten locker flockig über die Vergangenheit von Pirate-Bay, dass es einem Warm ums Herz werden konnte. Wenn etwas Punk ist, dann das. Dann wechselte das Thema zum neuen Projekt der Schweden: Flattr ist eine Art Micropayment-Dienst, dessen Idee so simpel wie genial ist. Oder sollte man kongenial sagen? Denn ähnliche bis sehr ähnliche Ideen gibt es auch anderswo, etwa bei Kachingle. Wie auch immer, der Einführungsfilm auf der Flattr-Homepage sagt in zwei Minuten eigentlich alles, was man wissen muss, also schnell mal anschauen:

Inzwischen habe auch ich meine Invite-Codes bekommen und habe einen Flattr-Button in meinem Blog. Wer mir also seine Wertschätzung zeigen möchte, kann dies nun auch via Flattr tun. Da sind wir auch schon beim Knackpunkt: Ich erwarte keine nennenswerten Einnahmen auf diesem Kanal, aber das ist auch gar nicht das, wofür Flattr gedacht ist. Für mich ist Flattr eine lang vermisste Möglichkeit, guten Inhalten im Netz meine Wertschätzung auch finanziell zu zeigen. PayPal Spendenbuttons haben das Problem, dass man den angemessenen Betrag bestimmen muss. Man will weder knausrig sein, noch 100€ im Monat an Spenden raushauen, also spendet man nur sehr selten für etwas. Ich habe zuletzt 25$ an Brian Dunning von Skeptoid gespendet, nachdem ich etwa 150 der 200 Episoden geradezu verschlungen habe. Solche Spenden sind aber eher die Ausnahme denn die Regel, wo nun Flattr ins Spiel kommt. Flattr löst das Problem, indem es die Sache einfach umdreht: Ich lege monatlich fest, wieviel ich insgesamt spenden möchte und alle Klicks auf irgendwelche Flattr-Buttons im Netz bekommen einen gleichen Anteil an dieser Summe. Die Flatrate-idee ist großartig, denn so sitzt mein Spendenfinger sehr locker. Jeder gute Text (und davon gibt es viele im Netz) bekommt so eine kleine Wertschätzung von mir. Damit wird niemand reich, aber die Geste zählt; es ist wie das Bier, das man jemandem ausgibt. Genau darauf habe ich gewartet.

Großartig wäre natürlich, wenn man seine Things I have flattred per RSS abrufen und in seinen Lifestream packen könnte, so als Premium-Empfehlungen. Großartig wäre auch, wenn die Kohle automatisch abgebucht würde und man nicht jeden Monat wieder manuell Geld überweisen müsste. Aber Flattr steckt noch in der Beta-Phase und dafür funktioniert es schon ganz prächtig.

Und weil ich das Wort Großartig noch nicht oft genug benutzt habe, hier noch einmal: Das großartige an Flattr ist gerade, dass man damit nicht reich wird, sondern auf einfachstmögliche Art ein paar Kröten verteilen kann. Auf der anderen Seite ist so ein Flattr-Button keine Anmaßung, eine wunderschön unaufdringliche Art, Besuchern eine kleine Wertschätzungsäußerungsmöglichkeit zu bieten. Eben keine Universallösung. Genau deswegen wird es erfolgreich sein.

P.S. Hatte nicht Facebook sowas schon seit Ewigkeiten in der Pipeline? Was ist daraus eigentlich geworden?


Rivva läuft aus

05 05 2009

Schade eigentlich, Frank Westphal lässt Rivva auslaufen bzw. genauer: Er entwickelt es nicht mehr weiter. Ich mag Rivva, habe es gar neben heise.de, golem.de und drei anderen Seiten als Schnellwahl-Bookmark in Opera drin. Rivva bietet einen guten Blick über die aktuelle Diskussion in den deutschen Blogs, dass es dort mitunter arg inzestös vorgeht ist nicht Rivva geschuldet. Wie auch immer: Mein Dank gilt Frank Westphal für die zwei Jahre Einsatz und ein gutes Produkt.

Was kommt als nächstes? Mal Gerüchte streuen: Frank wird wieder von Qype gebucht, um die misslungene Relaunch-Karre aus dem Dreck zu ziehen. Das wär doch mal was.


Mein Lifestream ist startklar

26 02 2009

Seit gestern ist meine Lifestream-Seite online und seit gerade eben auch der dazugehörige RSS-Feed. Damit biete ich Euch, liebe Leser, eine halbwegs übersichtliche und optisch erträgliche Möglichkeit, auf einen Blick zu sehen, was es bei mir Neues gibt.

Momentan könnt ihr dort neben Anreißern zu den jeweils letzten fünf Blogeinträgen und Kommentaren auch meine zehn neuesten Microblog-Einträge (Dents) sofort sehen. Wer etwas scrollt, findet weiter unten zehn neue Wong-Bookmarks und fünf neue Qype Bewertungen. Wenn ihr mit der Maus einen Moment über den Links verweilt, könnt ihr im Tooltip jeweils die Beschreibung bzw. einen Anreißer für den Text lesen.

Rechts daneben gibt es Links für alle Feeds einzeln und für den Gesamt-Feed. Der ist für diejenigen unter Euch, die Feeds nutzen, vielleicht eine gute Sache, bietet er doch alle meine aktuellen Inhalte chronologisch sortiert und halbwegs sinnvoll aufgearbeitet für den Feedreader der Wahl an. Ich habe mich hier entschieden, Titel und Autor möglichst aussagekräftig zu gestalten. Ich hoffe das ist mir gelungen.

Ich bin weiterhin und stets offen für Feedback.

Zum technischen Kram: Das Script für den ganzen Lifestream habe ich selber in PHP geschrieben und greife dabei auf das feine SimplePie für das Feed-Handling zurück, das ich um einige Funktionen zur Angleichung der Feedinhalte bereichert habe. Dazu musste ich die SimplePie-Klasse etwas erweitern und ein wenig was drumrum bauen. Wenn Interesse besteht, kann ich das Skript gerne unter einer liberalen Lizenz zur Verfügung stellen. Es ist recht allgemein gehalten und zentral konfigurierbar, vom Template für die Lifestream-Seite natürlich mal abgesehen, das muss jeder für sich selbst und jeden einzelnen Feed anpassen. Alternativ kann man auch ohne viel Eigenarbeit nur den Feedaggregator mit den feinen Angleichungsfunktionen nutzen: Feeds einfach nur zusammen mischen funktioniert nämlich nicht wirklich gut.


Bitte um Feedback zum Thema Lifestream

23 02 2009

Hallo liebe Freunde und Bekannte, die ihr an meiner Person interessiert seid, ich brauche mal Feedback zu Eurem Zugang zu meinen Inhalten. Ich weiß, ihr mögt fast alle keine Kommentare schreiben, also sprecht mich bitte einfach auf irgendeinem Kanal an.

Es geht um folgendes: Ich baue gerade eine "Lifestream"-Startseite, die später unter spackmat.de alle meine im Netz verstreuten Inhalte zusammenführen soll. Also nicht mehr der ganze Kram in der Sidebar hier im Blog, das ist auf Dauer zu unübersichtlich, sondern eine extra Seite, auf der ihr auf einen Blick meine Publikationen finden könnt. Es geht erst mal um mein Blog, die Kommentare, mein(e) Microblogs, meine Wong Bookmarks und meine Qype-Besprechungen. Ich denke, das ist eine gute Idee.

Nun zum Feedback:

  1. Was wünscht Ihr Euch dafür? Sollen die Quellen getrennt voneinander stehen oder alles in chronologischer Reihenfolge hintereinander? Oder beides? Wieviele Nachrichten sollen pro Kanal dort erscheinen?
  2. Wäre eine Funktion gewünscht, die sich den letzten Besuch per Cookie merkt und dann seitdem neue Beiträge irgendwie markiert? Der Nachteil ist, dass der Cookie vom Browser abhängt, wenn ich Euch keinen Login aufbürden möchte. Das ganze funktioniert also nur auf einem Rechner korrekt, wenn man mehrere Rechner nutzt, hat man auch mehrere Gelesen-Stände. Würdet Ihr für diese Funktion in funktionierend ein vereinfachtes Login akzeptieren?
  3. Lest Ihr überhaupt meine anderen Publikationen? Wenn nein, warum nicht? Konkret geht es mir da vor allem um mein Microblog.
  4. Wer von Euch hat einen oder mehrere meiner RSS-Feeds abonniert? Wie nutzt Ihr diese Feeds? Wäre ein aggregierter Feed (also alles auf einmal in einem Feed) etwas für Euch? Wer weiß nicht, was ein Feed ist, findet das aber irgendwie interessant? Wer ignoriert RSS-Feed vollständig und ist womöglich gar genervt davon? Warum? Mich würden die Gründe interessieren.
  5. Sonstiges Feedback zu meinem Blog oder den anderen Publikationen? Zu wenig? Zu viel? Zu lange Texte? Oder gar gut so?

Also sucht Euch bitte einen Kommunikationskanal Eures Vertrauens aus und gebt mir Feedback, und bitte nicht erst bei der nächsten Party in x Monaten, sondern jetzt. Das wär super lieb. Danke.


Jetzt mit Microblogging

27 01 2009

So, nun füttere ich schon seit etwa einer Woche mein identi.ca Microblog mit mehr oder weniger geistreichen Kurznachrichten. Ich empfinde das ganze bisher als gute Ergänzung meiner Blogger-Tätigkeit nach unten hin: Schneller, rougher, direkter, unüberlegter, spontaner. Mal schauen, ob ich das langfristig mache und ob ich langfristig bei identi.ca bleibe oder doch über kurz oder lang Twitter auch zum Schreiben benutze. Verdammte Netzwerk-Effekte…

So oder so: Ihr seid herzlich eingeladen, mir bei identi.ca zu folgen. Wem das zu weit geht, der findet zur Zeit rechts in der Seitenleiste meine letzten fünf Dents (so heißen die Nachrichten bei identi.ca) als Snack, wenn man eh gerade mal hier ist.

Ich bitte weiterhin um Feedback dazu. Soll ich erklären, was da geht? Ist das dumm oder schlau? Liest das überhaupt irgend jemand?

Ich bin übrigens noch nicht im Bett, weil ich das Twitter-PlugIn von Serendipity erst mal fit für identi.ca machen musste. Dabei muss ich in fünf Stunden wieder raus, ich Idiot. Mal schauen, ob meine Änderungen auch ins Repository übernommen werden und so anderen zugute kommen.


Konzentriertes Arbeiten

21 11 2008

Ich sitze seit drei Stunden am Rechner und baue "mal eben" ein "kleines" Script für ein Kontaktformular. Wie immer halt. Gerade will ich ins Bett gehen und da fällt mir auf, dass ich die ganze Zeit einen Kopfhörer trage, aber keine Musik an habe. Zwischendurch habe ich mir immer wieder den Kopfhörer zurecht gerückt, aber mir ist die ganze Zeit nicht aufgefallen, dass ich vergessen habe, Musik an zu machen. Sowas nenne ich mal konzentriertes Arbeiten.

So, ab ins Bett. Die letzte Stunde habe ich übrigens damit verbracht, eine SMTP-Versand-Klasse für PHP (PHPMailer) zu integrieren und herauszufinden, dass ich das an sich korrekt gemacht habe, der FH-Mailserver von unserem Fachbereichs-Webserver aber keine Mails per SMTP (mit Auth) annehmen mag. Mist.


Auf Zeitdehnung folgt Zeitstauchung

16 10 2008

Mist. Habe ich in August und September nicht all zu viel gearbeitet und damit massiv die Zeit gedehnt, schnackt das Zeitgummi nun im Oktober umso brutaler zurück: Urlaub, Vorlesungsvorbereitung, Auftrag 1 (Angebot von Juni, jetzt zeitlich ganz eng), Auftrag 2 (sehr viel zu tun), Nachmietersuche, neue Wohnung renovieren, Umzug, weitere kleinere Aufträge, hatte ich schon den Umzug erwähnt? Mist, und dann bin ich am Wochenende auch noch in Berlin, worauf ich mich sehr freue an sich, aber wann zur Hölle soll ich den ganzen anderen Kram machen?

Zeitkarma.


Lustige DSL-Problemsuche: IPv6 und Speedport W 502V

19 09 2008

Puh. Heute war ein problematischer Tag: Es fing schon doof an, weil mir der Alex dankenswerterweise Starthilfe geben musste, weil ich gestern das Licht in meinem Auto angelassen habe. Das Warnpiepsen hatte ich wohl ignoriert, ärgerlich. Dann habe ich eine Stunde an einer Telefonanlage gebastelt, weil DSL und Telefon nicht mehr liefen, nachdem ich gestern die Verkabelung angefasst hatte. Das Telefon lief schnell wieder: Eine Lötstelle war gebrochen, das hatte der Betroffene nach kurzer telefonischer Instruktion sogar selbst beheben können. Ich war beeindruckt. Aber das DSL lief trotzdem nicht, also Außeneinsatz. Auch direkt am Hausanschluss im Keller und mit getauschtem Kabel und anderem Modem gab es keine Synchronisation. Irgendwann hatte ich alle Variablen durchprobiert und rief bei der Telekom an. Ich rufe ja nicht mehr beim Provider an, bevor ich alle Variablen durchprobiert habe, siehe hier. Aha, OK, ich resette mal eben Ihren Port… geht es jetzt wieder? Ja, läuft; na toll, hätte ich da mal früher angerufen. Aber ich hatte an dem Kabel ja rumgefummelt gestern und sowieso ist die Konstruktion da reichlich fragil, weil historisch gewachsen: Analoganschluss durch zwei Adern eines mehradrigen Kabels in einen anderen Raum in die Fritzbox, von da ISDN zurück durch ein anderes vieladriges Kabel zur Telefonanlage, die neben dem Hausanschluss hängt. Alles nur, weil der Hausherr vor vielen Jahren eben (für seine Zeit vorausschauend) nur vieladrige geschirmte Drähte gezogen hat und keine Ethernet-Verkabelung, so dass die Fritzbox in das Zimmer mit den Computern muss.

Danach gerade noch rechtzeitig zu meiner zweiten Verabredung geschafft, schon wieder DSL. Dieses mal gründlich verzögerter Wechsel von 1&1 zur Telekom mit neuem Router. Ein Speedport W 502V. Schnell angeschlossen, Zugangsdaten rein, die alten WLAN-Parameter wieder eingestellt und ab dafür. Hab ich gedacht, denn auf zwei von vier Testrechnern war der Netzzugang unfassbar zögerlich. Egal ob WLAN oder Kabel, egal ob Internet oder die Konfigurationsseite vom Router, Seitenaufrufe zögerten alle erst mal etliche Sekunden, bevor dann alles sofort da war. Keine Personal Firewall, nix. Was, außer einem Haufen Software ist auf diesen beiden Notebooks anders? Was ist ungewöhnlich? Zwei Stunden später bin dann ich auf des Rätsels Lösung gekommen: Auf beiden Rechnern war Microsoft IPv6 für Windows XP installiert. Ich weiß nicht wieso, aber es war da. Schnell mal deaktiviert und siehe da: Es fluppte wieder einwandfrei.

Mein technischer Erklärungsansatz: Der alte Router hatte mit IPv6 nichts am Hut, der neue schon und so verteilte er per DHCP auch fröhlich IPv6-Adressen und DNS-Einstellungen. An sich vorbildlich und fortschrittlich. Nur leider hat das wohl dazu geführt, dass die Browser jede DNS-Anfrage erst mal via IPv6 gestellt und erst nach einem Timeout auf IPv4 zurückgeschaltet haben. Eine recht plausible Erklärung in meinen Augen, oder bietet jemand einen besseren Ansatz?

So oder so, ich weiß schon, warum ich solche Sachen eigentlich nicht mehr anbiete und mich auf Web-Projektgeschäft und -Beratung konzentriere. Klar kitzelt es mich noch immer sehr, solche Probleme zu lösen, aber ich muss Geld verdienen. Und niemand bezahlt nach meiner Erfahrung gerne dreistellige Beträge für ein paar Stunden Knobelarbeit an kleinen Detailproblemen. Mein krassester Fall war mal ein nicht mehr startender Rechner, bei dem sich nach einem langwierigen Virenscan herausstellte, dass alle .exe-Dateien auf der Platte befallen waren. Allein diese Diagnose hat inklusive Abholen und allem drum und dran ein paar Stunden gedauert. Dann alle Daten retten, die nicht befallen waren (natürlich wie immer gaaaaaaaanz wichtige Daten und kein Backup) und das System sauber neu aufgesetzt mit möglichst allen alten Programmen und Daten. Natürlich war keine Windows XP Home OEM CD dabei (Keine Ahnung, find ich nicht, das hier ist alles, was ich hab), also musste die auch noch besorgt bzw. per kleinem Hex-Editor-Eingriff an einem Image erstellt werden. Schon ein komisches Gefühl, aus den einschlägigen Quellen eine zur vorliegenden Seriennummer passende Windows CD zu saugen und zu modifizieren, obwohl man genug Windows XP CDs da hat, nur eben nicht für die Home-OEM-Edition. Insgesamt habe ich also über einen Arbeitstag intensiv an dem Rechner gearbeitet, dessen Wert meinen normalen Tagessatz bei weitem unterschritt. Für das Geld hätte man sich einen schicken neuen Rechner anschaffen können, also habe ich nur zwei Arbeitsstunden berechnet. Im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig darüber, aber das Problem ist ja, dass die Kosten hier in keinem Verhältnis zum Nutzen standen. Also kann ich entweder viel weniger Geld nehmen und trotzdem langen Gesichtern gegenüber stehen, was reichlich bescheuert ist, oder eben etwas machen, wo ich meine gewünschten und angesichts meiner Leistung und Expertise angemessen Stundensätze realisieren kann. Man bezahlt nun mal lieber für ein neues Bad als das gleiche Geld für die Behebung eines Rohrbruchs.

Warum ich trotzdem gelegentlich noch Computerservice für Privatleute mache, obwohl ich daran viel zu wenig oder oft auch gar nichts verdiene, bzw. sogar draufzahle, wenn man in Opportunitätskosten denkt? Weil ich ein paar alte Kontakte nicht einfach abbrechen möchte und die Leute haben ja sonst niemanden und ich hab so ein gutes Herz… Also letztlich fürs Karmakonto, denn Dankbarkeit ist eine echt schöne Währung. Und nebenbei reizen mich gelegentlich auch die kniffligen Probleme, vor allem, wenn ich sie dann gelöst bekomme und auch weil ich sie lösen kann. Come get some, bastard bugs!


Selbstständig, die BWA und die Vermieter

10 09 2008

Wenn man auf Wohnungssuche ist und wie ich selbstständig, hat man ein gemeines Problem: Vermieter gucken sich die letzten drei betriebswirtschaftlichen Abrechnungen vom Steuerberater an und entscheiden danach, ob man solvent genug ist oder nicht. Das wäre an sich kein Problem, meine BWAs der letzten drei Monate sehen im Vergleich zu Festangestellten recht gut aus. Allerdings habe ich nun ein Optimierungsproblem, das dadurch zustande kommt, dass ich für eine Steuerersparnis meinen Gewinn durch Investitionen wie etwa Bürostühle möglichst gering halten möchte, die Vermieter aber einen möglichst hohen Gewinn dort sehen wollen. Was mache ich nun?

Ich werde wohl die Investition in einen guten Bürostuhl in Höhe einer Monatswarmmiete einer angestrebten Wohnung nach hinten schieben, bis wir eine Wohnung gefunden haben. Dämlicher Grund, aber man kann von Vermietern nicht erwarten, dass sie eine BWA korrekt interpretieren und sich solche Investitionen herausdenken.

Heute haben wir übrigens eine sehr schöne Wohnung besichtigt, die würden wir sofort nehmen. Die kostet zwar genau so viel wie die Wohnung im Les Halles 2.0 und hat weder Geothermie-Fußbodenheizung noch Aufzug noch eine so hammergeile Loggia, aber ist dafür fast 20m² größer und direkt am Park gelegen. Ein guter Tausch denke ich mal. Bekommen werden wir die aber trotzdem nicht, bestimmt muss wieder unter zehn Bewerbern gelost werden, sofern da wirklich gelost wird und nicht andere Entscheidungsgründe zum Tragen kommen.

P.S. Ich frage mich übrigens immer noch, ob wir die Wohnung im Les Halles 2.0 bekommen hätten, wenn ich die sehr satte BWA vom Juli statt der nur soliden BWA vom Juni eingereicht hätte. Und ich frage mich, ob wir dann nicht in einer winzigen, aber teuren Wohnung in einer total versnobbten Wohnanlage mit Baustelle vor der Tür gelandet wären.