Tischtelefon gesucht

05 03 2010

Ich bin seit 20 Jahren latent auf der Suche nach einem guten Tischtelefon. Alles fing mit dem neuen Diensttelefon in meinem Elternhaus gegen Ende der 80er an: Das Ding war schick und konnte quasi alles, was man sich vorstellen konnte und noch mehr, bediente sich aber derart kryptisch, dass ich mir die Bedienung auch nach mehrmaligem Durchlesen des Handbuchs absolut nicht einprägen konnte. Ja, ich war ein Geek-Kind, das alle Anleitungen gelesen und alles ausprobiert hat, um zu verstehen, wie Geräte funktionieren. Das Ding war angesichts unseres privaten Wählscheibentelefons zwar faszinierend, aber irgendwann verlor ich das Interesse, vor allem, weil es im Arbeitszimmer stand und zudem nicht am Familienanschluss angeschlossen war. Ganz davon abgesehen, dass es im Grunde gar nicht benutzt wurde, weil kaum jemals jemand auf der Dienstnummer anrief. Es muss zu dem Telefon auch irgendwo eine Telefonanlage gegeben haben, weil man interne Kurzwahlen zu den anderen Telefonen in dem Gebäudekomplex hätte benutzen können (Küche, Küster, Kindergarten und Sakristei, wenn ich das recht in Erinnerung habe). Die internen Nummern wurden aber nie benutzt, weil man sowieso selten jemanden am anderen Ende erreicht hätte.

Zurück zum telefon selbst: So erging es mir in des folgenden 20 Jahren leider mit jedem Telefon, das ich in die Finger bekam, anfangs auch mit Handys. Handys haben es mittlerweile geschafft, dass man Grundfunktionen wie Makeln und Konferenzen halbwegs verlässlich über die Bühne bringt und Adressbuchsynchronisation klappte dann auch irgendwann durchaus praxistauglich. Das iPhone schafft im T-Mobile-Netz sogar das Kunststück, die ätzenden Voice-Menüs von Mailboxen mit seiner Visual-Voicemail richtig erfreulich bedienbar zu ersetzen, großartig.

Und was ist mit Tischtelefonen im Jahre 2010? Immerhin hat sich SIP als VoIP-Protokoll auf breiter Front durchgesetzt und es gibt eine erkleckliche Auswahl an hübschen und ausgereiften Telefonen, mit Asterisk steht eine hervorragende VoIP-Telefonanlagensoftware aus dem Open-Source-Lager zur Verfügung, gute Heimrouter wie die Fritz!Box haben für den Hausgebrauch völlig ausreichende und gut bedienbare Telefonanlagenfunktionen und es läuft notfalls auch ein ganzer Asterisk darauf. Und die Telefone dazu? Immer noch so kompliziert, dass der eigens dafür bestehende Beruf Telefonanlagenbauer noch lange nicht überflüssig wird. Wieso gibt es auch gegen viel Geld kein Killer-Telefon für den Hausgebrauch? Wieso wird der SOHO-Bereich mit (bei fehlender Anlagenunterstützung) funktional beschnittenen Scheißtelefonen abgespeist? Ist da so wenig Geld zu verdienen? Ich weiß es nicht, aber ich skizziere jetzt einfach mal ein für mich perfektes Tischtelefon für den Einsatz im Kleinbüro- und Heimbereich, wo üblicherweise eine kleine (etwa eine Fritz!Box) oder gar keine Telefonanlage zur Verfügung steht:

  • Gute SIP-Kompatibilität mindestens mit Fritz!Box und Asterisk, inkl. solcher Stolpersteinchen wie dem Blindtransfer mit der Fritz!Box, wo Siemens teure und in meinen Augen extrem nervigen, weil nur an Siemens HiPath-Anlagen wirklich gut funktionierenden OpenStage-Telefone schon scheitern (wobei mir immer noch nicht klar ist, wer da letztlich die Schuld trägt).
  • Wählen vom PC aus, vorzugsweise ohne Umweg über den SIP-Server (den Fritz!Box TAPI-Treiber gibt es zum Beispiel nicht für 64Bit Windows, immerhin gibt es den überhaupt) und auch am Mac bzw. Linux. Und zwar ohne Fummelei, das kann ja so schwierig nicht sein.
  • HD-Telefonie, in welcher Form auch immer. AVM nennt das HD-Telefonie und mit deren Mobilteil MT-D klingt das wirklich bezaubernd, kein Vergleich zu Standard-Telefonie oder gar einem Handy-Telefonat. Immerhin scheinen alle Hersteller sowas im Angebot zu haben, aber funktioniert das auch?
  • Irgendeine Adressbuchsynchronisation, vorzugsweise möglichst offen, damit man das irgendwie an seine Landschaft anpassen kann. Ich benutze Thunderbird und wäre durchaus bereit, ein paar Euro für einen Connector dafür zu bezahlen. SyncML würde es auch tun oder irgendetwas ähnliches. Nur Outlook reicht nicht. Und LDAP? Im SOHO-Bereich? Solange die Fritz!Box und andere kleinere SIP-Lösungen kein LDAP-Zugriff auf ihr Telefonbuch bieten, bringt einen das nur bedingt nach vorne. Einen Linux-Server dauerlaufen zu lassen, damit man sein Telefonbuch benutzen kann scheint mir dann doch etwas ressourcenhungrig. Mein Windows Home Server legt sich jedenfalls mit den anderen Rechnern aus Stromspargründen schlafen.
  • Bluetooth-Headsets direkt nutzbar. Wie kann es sein, das selbst Topmodelle für etliche hundert Euro kein Bluetooth beherrschen? Jedes dumme Mittelklassehandy für Teenies kann Bluetooth-Headsets anbinden (und einige sogar so Kunststücke, wie Facebook als Telefonbuch zu nutzen), wieso bloß können Tischtelefone das nur in sehr seltenen Ausnahmefällen?
  • Gigabit-Ethernet. Fast alle SIP-Telefone können einen Netzwerkport durchreichen, wieso aber können die wenigsten auch Gigabit-Ethernet durchreichen? So braucht man doch einen extra Port für das Telefon, um den PC nicht seiner schnellen Anbindung zu berauben. Alles eine Preisfrage? Wenn man mehrere hundert Euro verlangt, kann man den Aufpreis für einen Gigabit-Port doch wohl noch unterbringen. Eine ganze Gigabit-Netzwerkkarte für den PCIe-Bus bekommt man einzeln für unter 5€.
  • Einfache Aufzeichnung von laufenden Telefonaten wäre auch toll. Ich zumindest muss gelegentlich Anrufe mitschneiden und nutze dazu immer Skype, wenn ich vorher davon weiß; etwa wenn ich die 1&1-Hotline anrufe, um mir deren unfassbare Dreistigkeiten anzuhören.
  • Intuitive Bedienung. Das Snom 870 macht das auf den Demo-Videos schon ganz gut vor. Warum schaffen andere Telefone sowas nicht? Man will doch nur, dass sich die Funktionen intuitiv bedienen lassen. Da werden dann in den Topmodellen riesige Displays eingebaut, die sich auf dem Chef-Schreibtisch gut machen, ohne dass man einen Vorteil bei der kryptischen Bedienung daraus ziehen würde. Wenn ich Bedienoberflächen wie die des nicht gerade billigen Siemens OpenStage 40 sehe, dreht sich mir der Magen um; man sollte echt mal ein Video von der Bedienung aufnehmen.

Schon an diesen eigentlich naheliegenden Forderungen scheitern meines Wissens nach alle Tischtelefone. Dass die Telefone alle mehr oder weniger ausgefuchste Adressbuchzugriffe über LDAP oder ähnliches unterstützen, bringt einen im Kleinbüro leider nicht weiter.

Aber der entscheidende Part ist für mich die Bedienung: Was nützen einem die fettesten Funktionen, wenn man sie im Alltag wegen Kompliziertheit nicht benutzt? Snom geht beim 870 mit dem relativ großen Touchscreen schon in die richtige Richtung, deswegen hätte ich das heute beinahe kurzentschlossen bestellt, verspricht es doch fast alle genannten Punkte abzudecken. Doch dann habe ich gesehen, dass es kein Bluetooth kann. Warum? Das Telefon kostet über 300€, anfangs sogar fast 500€, aber es kann kein Bluetooth? Immerhin signalisiert Snom im hauseigenen Forum Interesse an dem Vorschlag, wenigstens Bluetooth-Dongles am USB-Port des Telefons zu unterstützen. Bis dahin muss ich wohl weitersuchen.

Wenn man 300€ für ein Telefon bezahlt, bewegt man sich doch eigentlich schon im Bereich von besseren Android-Tabletts. Ich frage mich schon lange, wieso nicht jemand auf die Idee kommt, ein großes Android-Tablett mit einem Netzwerkanschluss, einem Telefonhörer und einem einfach zu bedienenden Telefonieprogramm auszustatten. Das wäre für mich ein Traum, bei dem die proprietäre Flexibilität per XML-Browser der Snom-Telefone im Leben nicht mithalten könnte. Mit Android liegt ein fertiges und leistungsfähiges Betriebssystem für Telefone auf der Straße, dessen Bedienkonzept sehr modern ist, das nichts kostet und durch Apps auch noch beliebig erweiterbar ist. Im Grunde ist doch alles schon da. Ein Hersteller hat im letzten Jahr genau sowas angekündigt, verkauft das Konzept aber nur kundenspezifisch im Projektgeschäft oder als Lizenz für andere Hersteller. Aber exakt so stelle ich mir das vor, man schaue sich mal das Demovideo dazu an, großartig. Wenn sowas gut gemacht und halbwegs bezahlbar wäre, würde ich das sofort kaufen, für ein gutes Smartphone oder ein iPad gibt man ja auch gerne 500€ aus. Ein Cradle mit Hörer und gutem Freisprech-Lautsprecher für ein gutes Android-Smartphone mit SIP-Telefonie-App würde es auch schon tun, dann hätte man sogar noch Mobilfunk-Backup.


Fritz!Box als SIP-Telefonanlage - Eine Liebeserklärung

07 02 2009

Da lese ich so ganz beiläufig in einem Nachsatz bei Golem erwähnt, dass die neue Labor-Firmware für die Fritz!Box 7270 als SIP-Registrar fungiert. Liebe AVM-Leute und liebe Leute bei Golem: Das ist ein Killerfeature, keine Nebensache! Sonst fallen mir in dem Preisbereich nur frickelige Asterisk Selbstbau-Router und die als Router quasi unbrauchbare HorstBox Professional als Anlage für interne SIP-Telefonie ein und die Fritz!Box bringt das mal so nebenbei mit. Plus internem und externem S0-Bus und Analog-Telefonie, plus hervorragendem Router, plus DECT Basisstation, plus hervorragendem Multiband-WLAN, plus herausragender Firmware-Pflege. Ach ja, und plus relativ leicht konfigurierbarer VPN-Lösung. Ich habe ja schon viele Router besessen und noch mehr Router betreut, aber keiner hat mich so nachhaltig glücklich gemacht, wie meine beiden Fritz!Boxen. Und die nächste Generation bringt auch endlich den lange erwarteten Gigabit-Switch mit, fehlt dann noch was?

Ich weiß, dass man schon lange Asterisk auf der Fritz!Box installieren kann, aber solche Bastellösungen möchte ich nicht gerne Leuten ans Herz legen, schon gar nicht für die Bürotelefonie. Wenn man Basteln will, kann man ja noch ganz andere famose Dinge mit der Box anstellen.

Nachtrag 23.07.2009: Ich habe inzwischen eine Fritz!Box 7270 als SIP-Registrar für drei Siemens OpenStage 40 Telefone (die ich nebenbei bemerkt zum Kotzen finde) testen können. Die Einrichtung funktioniert ganz vorzüglich, auch die Telefonie läuft in den ersten Tagen problemlos und stabil, ganz im Gegensatz zur vorher eingesetzten D-Link HorstBox Professional. Aber: Zwei ganz wichtige Funktionen funktionieren zur Zeit nicht mit SIP-Nebenstellen! Die erste Funktion ist die TAPI-Wahl und -Überwachung (und auch die Wählhilfe), bei der man zur Zeit nur für analoge Nebenstellen oder alle ISDN-Telefone auswählen kann. Die AVM-Hotline versprach diese Funktion für das nächste reguläre Update Ende August oder Anfang September. Immerhin. Viel schlimmer aber ist die fehlende Möglichkeit, Gespräche von einer SIP-Nebenstelle aus zu vermitteln. Das Handbuch weist für die Vermittlungsfunktion die R-Taste aus, die es freilich nur an analogen Telefonen gibt. Die SIP-Funktion für Vermitteln ist in der Fritz!Box derzeit nicht implementiert! Halten und Makeln funktionieren immerhin. Ich stehe in Kontakt mit der AVM-Hotline, die meine Anregung an den zuständigen Produktmanager weitergeleitet hat. Sollte sich da innerhalb der nächsten zwei Wochen nichts tun, fliegt die Fritz!Box bei meinem Kunden leider wieder raus. Vermitteln ist eine 100%ige Muss-Funktion für jedes Büro und auch im privaten Einsatz. Sehr sehr ärgerlich und enttäuschend, vor allem weil die HorstBox Professional (trotz Asterisk) so scheiße ist und eigentlich hochkant rausfliegen sollte. Ich bleibe am Ball.

Nachtrag 05.08.2009: Inzwischen habe ich nochmals Nachricht vom AVM-Support bekommen. Die Funktionalität Weiterverbinden von SIP-Nebenstellen aus wird nicht kurzfristig eingebaut werden, scheinbar hat man andere Prioritäten. Man empfahl mir eine andere Lösung zu nutzen. Das Einfachheits-Paradigma der Fritz!Box hätte oberste Priorität, jetzt frage ich mich, warum eine Implementierung der Verbinden-Funktion nach SIP-Standard die Einfachheit der Fritz!Box Konfiguration angreift. Da muss ja nichts konfiguriert werden, zumindest lief das mit der Horst!Box auf Anhieb. Ich werde jetzt wohl Asterisk auf der Fritz!Box installieren müssen und mich da durchfuchsen. Sehr ärgerlich und enttäuschend das ganze.

Nachtrag 09.10.2009: heute habe ich noch mal bei AVM nachgefragt und folgende Absage bekommen:

Das Leistungsmerkmal Vermitteln bei IP-Telefonen an der FRITZ!Box wird von uns auch derzeit noch nicht unterstützt. Eine Unterstützung dieses Leistungsmerkmals in dem noch für dieses Jahr geplanten Update ist nicht zu erwarten. Ob und ggf. wann das Vermitteln oder andere Leistungsmerkmale für IP-Telefone an der FRITZ!Box in zukünftigen Firmware-Updates bereit gestellt werden, steht noch nicht fest.

In diesem Licht kann ich vom Einsatz der Fritz!Box für SIP-Nebenstellen in einem Büro-Szenario derzeit leider nur abraten. Wenn man auf eine Vermittlung zwischen den Nebenstellen verzichten kann, ist die SIP-Implementierung der Fritz!Box trotzdem angenehm problemlos. Ob TAPI-Funktionen wie Wahl vom Rechner aus für SIP-Nebenstellen wie ursprünglich mal versprochen in der nächsten Firmware eingeführt werden, ist angesichts der obigen Aussage auch nicht mehr sicher. Sehr unschön das Ganze, SIP-Nebenstellen sind bei AVM scheinbar die ungeliebten Stiefkinder der Telefonanlage.

Nachtrag 25.03.2010: Heute habe ich mal testen können, ob der Blindtransfer in der aktuellen Firmware (.80) inzwischen funktioniert. Einige positive Kommentare zu verschiedenen Telefonmodellen haben mich hoffnungsfroh gestimmt, aber mit Siemens OpenStage 40 Telefonen klappt es weiterhin nicht (inzwischen sehe ich die Hauptschuld bei den Telefonen). Ob die TAPI-Schnittstelle inzwischen auch für SIP-Nebenstellen funktioniert, habe ich nicht getestet, unter Windows 7 64Bit funktioniert sie aber sowieso noch immer nicht. Also alles beim Alten für mich.

Nachtrag 08.04.2010: Heute konnte ich mit einer Fritz!Box 7390 herumspielen (morgen kommt dann meine eigene), die Wählhilfe bietet auch hier weiterhin keine IP-Nebenstellen als Ziel an. Da ist die fehlende 64Bit-Unterstützung des TAPI-Treibers dann auch egal.


Neues aus dem Alice Wunderland

08 01 2009

Wie bereits erwähnt habe ich meinen Alice Fun Anschluss mit Telefonflat auf Alice Light ohne Telefonanschluss umgestellt. Die Gründe hatte ich schon genannt, also in aller Kürze: Miese und stark schwankende Sprachqualität, unfassbar träger Verbindungsaufbau, manche Anschlüsse (vorzugsweise NGN-Anschlüsse von Arcor) gar nicht erreichbar, Fax nicht möglich. Vor der Umstellung hatte ich für viel Geld (einige Euro dank der Warteschleife) die Alice-Kundenhotline angerufen und gefragt, ob so eine Umstellung ein neuer Anschluss ist (mit allen Risiken) oder ob einfach nur die Telefonie abgedreht wird. Die Antwort der freundlichen Dame war unmissverständlich: Der Anschluss wird so beibehalten, es wird nur die Telefonie abgeschaltet. Also habe ich den Tarif umgestellt und telefoniere seitdem mit Sipgate, was ganz formidabel für 1,79¢/min klappt. Also kann ich jeden Tag etwa zehn Minuten telefonieren, bis die monatlichen 5€ für die Alice-Flat aufgebraucht sind.

Gestern bekomme ich früh morgens eine SMS, dass mein Alice-DSL Paket nicht zugestellt werden konnte und ich im Kundencenter genaueres erfahren würde. Dort stand nichts, also habe ich die teure Kundenhotline angerufen und man erklärte mir sehr freundlich, dass mein Paket an meine alte Adresse gegangen wäre, entschuldigte sich und versprach das neue Modem bis voraussichtlich Freitag an meine neue Adresse zu schicken. Ich benutze zwar meine FritzBox, aber von mir aus stelle ich mir ein Notmodem in den Schrank, das ich im Störungsfall anschließe, bevor ich die Hotline belästige. Soweit so gut.

Heute morgen waren wir offline. Grr. Fuck. Ich wusste es. Was war passiert? Die Dame an der Hotline erklärte mir, dass eine solche Umstellung wie ein neuer Anschluss gehandhabt werde, die Umstellung könne bis 16:00 Uhr dauern, sei aber meistens vorher fertig. Auf meine Frage, ob ich die neuen Geräte bräuchte, die gestern an meine alte Adresse verschickt worden waren, bekam ich den entscheidenden Tipp: Nein, aber Sie haben neue Zugangsdaten Die konnte sie mir sogar direkt am Telefon nennen, immerhin. Das erklärt einiges, zack, war ich wieder online. Allein, warum weiß ich nichts davon? Offenbar sind auch die Briefe mit den neuen Zugangsdaten und allen anderen Informationen an meine alte Adresse gegangen. Irgendwer hat also bei meinem Umzugsauftrag gepennt und nicht alle Adresseinträge geändert. Vielen Dank. Tatsächlich kann ich im Kundencenter bei meinen Anschlussdaten einen Bereich mit weiteren Adressen ausklappen und dort stand als Rechnungsadresse und als Anschlussinhaberadresse meine alte Anschrift.

Immerhin ließ sich mein Anliegen mal wieder durch ein Gespräch mit der freundlichen Hotline einfach lösen, aber das ganze hätte nicht sein müssen, wenn man meine Adresse vollständig geändert hätte und die Gesprächspartnerin meines ersten Anrufs nicht behauptet hätte, es würde nur die Telefonie abgeschaltet werden (und man die Alice-Briefe mit der Post schicken würde, die einen Nachsendeauftrag von mir hat). Zwei kleine Schnitzer, wobei ich echt froh bin, dass sich das mal wieder so schnell und simpel lösen ließ. Man liest ja immer wieder von schlimmen Fällen der Fehlkommunikation zwischen DSL-Anbieter und Kunde. Die Telekom zum Beispiel schickt einem, wenn man aus irgendeinem Grund keine Zugangsdaten hat, diese per Brief, so dass man dann halt (auch als Businesskunde) ein bis zwei Tage offline ist – pech gehabt, da hilft auch kein Betteln und Schimpfen an der Hotline.

Die Alice-Warteschlangenmusik mit dem sich alle paar Sekunden wiederholenden "Wir verbinden Sie gleich mit einem unserer Mitarbeiter..." macht mich übrigens total kaputt, spätestens nach 5 Minuten mutiert sie zur Farce. Und fast zehn Minuten Warteschlange sind auch für eine kostenlose Störungshotline zu viel. Immerhin hat man meine Störung dort auch bearbeitet, obwohl ich streng genommen keine Telefonstörung habe, da ich ja gar keinen Telefonanschluss-Surrogat von Alice mehr habe. Überhaupt ist das eine von mir nicht bedachte Konsequenz meiner Umstellung auf Alice Light ohne Telefonanschluss, dass ich ja jetzt keine Telefonstörungen mehr habe und die kostenlose Störungshotline ausdrücklich nur für Telefonstörungen da ist. Aber ich wäre auch Amok gelaufen, wenn ich zur Klärung der von Alice verbockten Störung 69¢/min aus dem O2-Netz hätte bezahlen müssen. Ich werde also weiterhin diese Hotline anrufen, wenn ich eine Internetstörung habe. Mal schauen, ob die mir in Zukunft tatsächlich 69¢/min aus dem Mobilnetz abknöpfen wollen oder meine Internetstörungen auch weiterhin an der Telefonstörungshotline zur Kenntnis nehmen.

Überhaupt ist es ein absolutes Unding, einen für die dreist lange Warterei in einer Warteschlange auch noch finanziell zu ruinieren. Was soll das? Wieso muss man mehrere Euro investieren, um überhaupt erst jemanden an den Apparat zu bekommen? 1&1 macht das halbwegs gut, ist aber leider von vielen Anschlüssen aus nicht erreichbar: Die haben eine 0900er Nummer, die erst mal kostenlos ist. Erst wenn man in einen Bereich wechselt, der kostenpflichtig wäre (technischer Support abseits der Anschlüsse etwa), wird einem das mitgeteilt und von da an bezahlt man erst. Leider sind 0900er Nummern von vielen Anschlüssen aus (aus gutem Grund) gesperrt, Alice etwa sperrt diese Rufnummerngasse standardmäßig bei allen neuen Anschlüssen. Aber auch sonst ist es ein gefühlter finanzieller Bungee-Sprung eine 0900er Nummer anzurufen, auch wenn behauptet wird, das Gespräch koste erst mal nichts.

So oder so sehne ich mich zurück in die Zeit, als man bei Alice noch gänzlich kostenlos anrufen konnte. Da musste man zum Beispiel noch nicht dafür bezahlen, zu erfahren, ob und wann man die Alice Videothek benutzen kann. Die Kontanktseite im Kundencenter ist übrigens gut versteckt, gerade komme ich gar nicht dort hin: Ein Klick auf Kontakt bringt mich zu einer Seite mit kontextsensitiver Hilfe, die aber leer ist. Mit etwas Klickerei komme ich zu bebilderten Anleitungen, wie ich das Kundencenter bediene. Ein Kontaktformular finde ich hier nicht mehr. Wo ist das Kontaktformular hin? Wo meldet man Störungen online? Dank UMTS könnte ich das inzwischen sogar tun, wenn ich wüsste wo…

Ein Gutes hatte die Umstellung übrigens (vorerst): Ich habe plötzlich mehr Upload: 1.090kbit/s laut Speedtest von wieistmeineip.de. Wow, das ist deutlich mehr als die 800kbit/s, die ich vorher hatte. Waren die über 200kbit/s Differenz bisher für die Telefonie reserviert? Warum schreibt eigentlich kaum ein Anbieter die Upload-Geschwindigkeit in seine Werbung? Alle schreien einen an mit 16.000kbit/s oder 25 Megabit oder wieviel auch immer, nach dem Upload muss man hingegen mit der Lupe suchen. Dabei ist doch der Upload der eigentlich spannende Teil für viele Leute.


Alice VoIP-Festnetz-Surrogat

27 11 2008

Ich muss mal wieder was zum Alice-VoIP-Festnetz-Surrogat los werden: Die Sprachqualität ist manchmal derart schlecht, dass ich meine Gesprächspartner noch mal mit dem Handy anrufe. Oder ich rufe direkt mit dem Handy an, um mir die Peinlichkeit zu ersparen. Das Faxproblem habe ich ja schon häufiger ventiliert. Dass der Verbindungsaufbau unfassbar lange dauert (zu O2-Homezone teilweise 30 Sekunden, wovon 10 Sekunden O2 geschuldet sind) hatte ich auch bereits mehrmals erwähnt. Noch nicht erwähnt hatte ich, dass wir einige Anschlüsse schlicht gar nicht erreichen können. Das Festnetz von Karins Eltern (Arcor) und seit neuestem auch die Homezone-Nummer einer meiner Brüder sind von unserem Alice-Anschluss nicht bzw. nicht immer erreichbar. Der Alice VoIP-Telefonanschluss nervt mich also total und den echten ISDN-Anschluss mit Alice-Comfort bekomme ich in Düsseldorf noch immer nicht, da hilft auch kein regelmäßiges Betteln an der Hotline.

Was ziehe ich also für Konsequenzen? Der Alice-Telefonanschluss muss gehen, irgendwann. Vielleicht schon heute. Das gute ist nämlich, dass man bei Alice auch DSL ohne Telefon-Pseudo-Anschluss bekommen kann, das heißt dann Alice Light und kostet mit DSL-Flat 24,90€ statt 29,90€. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich mir dadurch ne Menge Kabel-Mist spare, denn die doofe Alice-Anschlussbox brauche ich dann nicht mehr und kann meine Fritzbox direkt anschließen: besseres Modem, stabilere Verbindung, weniger Stromverbrauch, weniger Kabel. Prima eigentlich.

Nur, woher kommt dann ein Festnetz-Anschluss? Schlechter als Alice kann Sipgate nicht sein, also werde ich es erst mal für ein paar Tage mit meinem guten alten Sipgate-Anschluss versuchen, der seit jahren ungenutzt vor sich hin dümpelt. Der kostet 1,79¢/min, was für fast zehn Minuten Telefonat täglich ausreicht, bis man die gesparten 5€ wieder aufgefressen hat. Keine schlechte Lösung eigentlich. Ich werde das mal besprechen nachher. Dorthin könnte ich auch mittelfristig meine Genion-Homezone-Nummer portieren, falls ich da keine Lust mehr drauf habe. Mal schauen.