Windows Home Server 2011 auf dem Lenovo D400

22 09 2011

Ich habe sehr gute Erfahrungen mit meinem Lenovo D400 Windows Home Server gemacht, der bei mir als NAS und Backup-System dient. Als NAS leistet er gute Dienste, weil er Daten mit über 50MB/s anliefern kann und sich vor allem mit dem Add-In LightsOut automatisch in den Stand-By begibt, wenn kein Rechner an ist und auch wieder aufwacht, wenn es was zu tun gibt. 30W rund um die Uhr mitlaufen lassen ist nicht so nach meinem Geschmack.

Viel besser aber ist die automatische Datensicherung meiner Windows-Rechner. Täglich wird im Hintergrund eine Datensicherung gemacht, die sogar einstellbar weit in die Vergangenheit zurückversioniert. Versehentlich irgendwelche wichtigen Daten gelöscht, fällt aber erst zwei Monate später auf? Kein Problem, einfach eine der älteren Sicherungen öffnen und die Daten wieder rausfischen. Das ganze ist sogar recht Datensparsam, weil identische Daten nur einmal gespeichert werden. Fünf Rechner mit Windows 7 mit je 20 Versionierungsständen sichern die identischen Systemdateien also nur einmal und nicht hundertfach. Das ganze geht ohne irgendwelches Zutun der User, genau so, wie man sich das wünscht. Die tägliche Sicherung bremst den Rechner auch nicht übermäßig aus, man muss keine Programme beenden und sie dauert meist nur wenige Minuten. So ists recht.

Der erste Windows Home Server unterstützte ein auf den ersten Blick cooles Feature namens Drive Extender, bei dem die Freigaben automatisch auf alle angeschlossenen Festplatten verteilt wurden. Praktisch, weil man dann beliebig Festplatten nachstecken konnte und die Freigaben einfach mitwuchsen. Man konnte sogar pro Freigabe anweisen, dass die Daten auf mindestens zwei Platten vorhanden sein sollen, falls mal eine ausfällt. Der Nachfolger Windows Home Server 2011 hat dieses Feature einfach gestrichen, was einerseits ärgerlich ist, andererseits aber einen guten Grund hat: Stimmt mit dem Drive Extender irgendwas nicht, wird die Sache haarig. Genau das ist uns bei einem Home Server passiert (nicht bei meinem zu Hause), wir mussten also die Daten manuell (an einem anderen Rechner) von den beiden Platten zusammenkopieren und den Server komplett neu aufsetzen. Dabei sind etliche Daten abhanden gekommen, die wir auf dem System abgelegt hatten, nachdem der Drive-Extender-Dienst nicht mehr gestartet werden konnte. Ärgerlich, aber immerhin ist uns der Defekt früh genug aufgefallen. Da der Drive Extender offenbar sogar Microsoft zu mulmig ist und wir Ärger damit hatten, haben wir die Gelegenheit ergriffen, auf dem Lenovo D400 direkt mal den neuen WHS 2011 aufzuspielen. Die Lizenz kostet nur noch 40€, das ist ein überschaubares Investment.

In einer der letzten c't-Ausgaben gab es eine Anleitung, wie man den Acer easyStore H340 auf den WHS 2011 migriert, die man vollständig analog auch für den Lenovo D400 anwenden kann (er ist mit den H340 weitgehend baugleich). Man findet aber auch im Netz genug Anleitungen, die den Vorgang erläutern. Kurz gesagt: Ein USB-Stick mit diskpart bootbar machen, den Inhalt der Windows Home Server 2011 DVD da drauf kopieren, eine cfg.ini-Datei mit bestimmten Einstellungen für die bedienungslose Installation darauf ablegen, geleerte Platte in den untersten Slot stecken, den Stick in einen der hinteren USB-Slots stecken, Server anschalten, eine Stunde dem lustigen Blinken zusehen, fertig. Alternativ kann man für 15€ ein Slotblech mit VGA-Buchse bei eBay kaufen und die Installation interaktiv durchziehen, das Ergebnis ist identisch, denn auch dabei kann man die später unabänderliche Arbeitsgruppe "WORKGROUP" nicht ändern (habe ich danach an meinem eigenen Lenovo D400 ausprobiert). Damit muss man also leben.

Nach der Installation muss man den neuen Home-Server-Connector auf allen Clients aufspielen und eine neue (verbilligte) LightsOut-Lizenz muss auch her), alles nicht grundlegend neu. Erwähnenswert ist, dass der Ersatz für den Drive Extender in meinen Augen viel besser ist: Der Home Server wendet die Clientsicherungstechnik einfach auch auf sich selbst an und macht zweimal täglich eine Datensicherung von wählbaren Ordnern auf die zweite Platte, die wahlweise auch eine externe Platte sein darf. So hat man als Benefit auch eine Versionierung der gesicherten Freigaben, was ein Vorteil gegenüber der kaputten Situation ist, dass Freigaben auf dem Server jede versehentliche Löschung gleich auf alle Platten verteilt.

Leider fällt einem schnell auf, dass der Stand-By-Modus nicht funktioniert. Eine kurze Recherche später hatte ich die Lösung: Man muss die ganzen Intel-Treiber installieren, dann darf man endlich einen Stand-By auslösen. Leider wacht der Server immer sofort wieder auf, also noch weiter suchen: Es fehlt noch ein Treiber für die LED-Ansteuerung. Also mit folgenden Treibern läuft bei mir auch der Stand-By mit dem Lenovo D400, man braucht dazu:

  • Den Intel Grafiktreiber für den 945er Chipsatz (bei mir Version 15.12.75.4.64.1930 für Windows 7 64-Bit : "Treiber für Intel® Grafik-Media-Beschleuniger für Windows* 7 64")
  • Den Intel ICH7 RST-Treiber (bei mir Version 10.1.0.1008 vom 15.12.2010 für Windows Server 2008 R2 Standard: "Intel® Rapid-Storage-Technik")
  • Das Intel INF-Update-Utility (bei mir Version 9.2.0.1030 vom 21.04.2011: "INF-Update-Utility - Hauptsächlich für Intel® 6er, 5er, 4er, 3er und 900er Chipsätze")
  • Den Marvell Yukon 88E8071 Treiber für Windows Server 2008 R2 64 Bit (bei mir Version 11.41.3.3 vom 17.02.2011)
  • Den LED-Treiber von einem großartigen engagierten Entwickler, den man in diesem Forum bekommt. Wichtig ist, nach der Installation in der Konfigurationsdatei den Hardware-Erkennungsmodus auf den Acer H340 zu zwingen, sonst wird der D400 nicht erkannt. Readme lesen!

Etwas über 50€ und ein Arbeitstag später hat man also einen aktuellen Windows Home Server ohne fehleranfälligen Drive Extender auf der alten und sehr günstigen Hardware. Wer unbedingt die Drive-Extender-Features haben will, kann eins der beiden verfügbaren Add-Ons benutzen, aber ehrlich gesagt ist mir das zu gefährlich und ich komme mit dem aktuellen Modus super klar: Schlicht, stabil und von überschaubarer Komplexität, beim Thema Storage mache ich keine Experimente mit reingefummelten Tricksereien.

P.S. Die versionierten Clientsicherungen gehen bei der Umstellung natürliuch flöten und die Daten in den Freigaben muss man auch in irgendeiner Form sichern und später wieder aufspielen. Ich hatte es bei meinem eigenen Server leicht, denn alles passte auf die Systemplatte, so dass ich die nach dem Entfernen der zweiten Platte im alten Home Server einfach rausziehen und mit allen Daten drauf beiseite legen konnte. Nach der Installation auf den nun freien zweiten Platte (im untersten Slot) konnte ich die Daten einfach umkopieren und die alte Systemplatte als Sicherungsplatte einrichten.


Mal wieder ein DSL-Wechsel, diesmal 1&1 zu T-Home

24 08 2011

Hin und wieder wechsle ich meinen DSL-Anbieter. Selten, weil ich unzufrieden bin, meistens aus verschiedenen anderen Gründen. Diesmal aber ganz klar, weil ich mehr als unzufrieden mit 1&1 bin. Ich will nicht schon wieder langweilen mit den gefühlt 1.000.000 systematischen Unverschämtheiten, die mir bei 1&1 begegnet sind, aber ganz klar, 1&1 musste weg. Also der Reihe nach.

Leider gar nicht so leicht. VDSL bekomme ich hier nämlich nur von Telekom und 1&1. Alice/O2 und Vodafone haben inzwischen zwar auch VDSL im Angebot und ich wäre auch liebend gerne zu Alice/O2 zurückgekehrt, aber leider bauen die beiden VDSL nicht bis in die Outdoor-DSLAMs aus, sondern bedienen nur Kunden, die nah genug am nächsten Hauptverteiler sind, ein freundlicher Mitarbeiter hat wahrscheinlich sein Gelübde gebrochen, als er mir das erklärt hat, da war die Rede von 400 oder 500m Leitungslänge ab Hauptverteiler als Grenze. Da liege ich knapp drüber, was man nach etwas Google-Recherche herausfinden kann. Zu Alice wäre ich liebend gerne zurück gekehrt, das war der einzige Provider in meiner langen Laufbahn bisher, bei dem ich durchweg zufrieden war und nur gewechselt habe, weil ich eine schnelle Leitung haben wollte. Kabel von Unitymedia kommt übrigens nicht in Frage, weil das Haus hier keinen Kabelanschluss hat und ich immer noch stinkig auf Unitymedia bin wegen der Sache damals (5 Tage offline, 45€ nicht erstattete Telefongebühren und ein in einer Minute lösbares und von Unitymedia verschuldetes Problem).

Also hatte ich drei Optionen:

a) Zu Alice/O2 wechseln und von 50/10MBit/s auf 12-16/1MBit/s herabstufen. Wäre meine letzte Option gewesen, denn vor allem den großen Upload schätze ich sehr. Davon abgesehen hätte mir O2-DSL eine Festnetz-Flat ins Deutsche O2-Netz beschert, nicht unattraktiv.

b) Bei 1&1 bleiben. Wäre sogar in die Tüte gekommen und ich habe auch bei 1&1 angerufen, um mir ein Angebot machen zu lassen. Haarsträubenderweise ließ der Tarifmensch ab solut gar nicht mit sich reden und unterbreitete mir folgendes Angebot: Ich verlängere meinen Vertrag zu weitgehend gleichen Konditionen um weitere 24 Monate, bekomme aber statt neuer Hardware 70€ Gutschrift. Ich bekomme also das schlechte aus zwei Welten: 24 Monate Laufzeit und trotzdem keine Boni. Dazu beim verhassten 1&1 bleiben. Ne, ganz und gar nicht. Neukunden zahlen etwas weniger und haben dazu die Wahl zwischen keine Boni und einer subventionierten Fritz!Box 7390 für 50€ bei 24 Monaten Laufzeit.

c) T-Home-Entertain mit VDSL 50. Zugegeben, die Dokukanäle und der Festplatten-Receiver sind nicht unattraktiv. Aber der monatliche Aufpreis ist nicht ohne und ich muss mich für 24 Monate binden. Dazu kommt, dass die Telekom ab 200GB im Monat die Leitung auf 6MBit/s drosselt, was ich ärgerlich finde, obwohl ich da meistens gar nicht mehr dran komme (früher mit der WG schon manchmal). Aber schlimmer ist, dass ich die Telekom noch nie ausstehen konnte, schon viele krasse Stories in meinem Umfeld gehört und auch selbst miterlebt habe. Ein Dilemma: Hasse ich 1&1 mehr oder die Telekom? Von der YouTube-Bremse war ich bei 1&1 ebenfalls betroffen, aber in letzter Zeit habe ich das gar nicht mehr bemerkt. Ob die Telekom die Bremse gelöst hat? Naja, das ist ein anderes Thema.

Ich war also kurz davor, das geringste Übel T-Home-Entertain (mit zusätzlichem TV-Mehrwert) zu buchen. Die Konditionen sind unübersichtlich und klar mehr, als ich zur Zeit bezahle, deswegen bin ich lange davor zurückgeschreckt. Zur Zeit gilt: Entertain Comfort mit VDSL50 in den ersten 12 Monaten inkl. Media Receiver 50€ pro Monat, danach ca. 60€, wenn man den Receiver behält. Abzüglich 10% Online-Rabatt, dessen Konditionen mir nicht ganz klar sind und den ich deshalb lieber nicht einrechne. Hinzu kommen noch mal 4€ pro Monat Aufpreis für einen ISDN-Anschluss, weil meine Wechsel-Situation wohl keinen IP-basierten Anschluss zulässt (hat man mir gesagt). 120€ Gutschrift gibt es zudem, wenn man wechselt, was bei mir laut Support-Chat nicht zutrifft, weil ich schon selber gekündigt habe. Aus dem gleichen Grund kann ich angeblich auch meine Rufnummern nicht mitnehmen, was mittelschwer wiegt, da ich die wohlweislich eh nicht kommuniziert habe. Alles in allem ein teurer Spaß gegenüber den 40€, die ich momentan bezahle, über die volle Laufzeit gerechnet komme ich auf 1368€ ggü. 960€, wenn ich 1&1 weiter führe. Nun, das ist nicht wenig.

Der rettende Gedanke kam mir beim Lesen des lokalen Saturn-Prospekts: Bei Saturn gibt es einen 240€-Saturn-Gutschein, wenn man bei denen T-Home-Entertain abschließt. Also bin ich da hin und die Dame konnte es so drehen, dass ich 1. meine Nummern behalten kann, 2. die 120€ Wechselgutschrift von der Telekom bekomme und 3. den 240€-Saturn-Gutschein. Damit bin ich bei 1008€ bzw. 42€ Durchschnittspreis pro Monat. Das ist attraktiv, ich zweifle aber an allen dreien und richte mich auf Ärger ein. Naja, wir werden es Ende des Jahres sehen, notfalls ärgere ich mich halt und bezahle trotzdem frohen Gemüts durchschnittlich 57€ im Monat, nur um von 1&1 weg zu sein. Ihr seht, mein Hass sitzt tief.


O2 Tarifumstellung mit Homezone-Nummernportierung

24 11 2010

Demnächst läuft die Bindung an meinen alten O2 Genion L mit Handy aus, es gab also Handlungsbedarf in Sachen Handytarif. Genion L (Flat nach O2 und Festnetz, 19¢ in andere Netze und pro SMS) gibt es nicht mehr, ich hätte den aber verlängern können. Da ich die Variante mit Handyabzahlung hatte, aber gerade kein Handy brauche und mich auch nicht wieder für zwei weitere Jahre an einen Tarif binden wollte, war das keine Option. O2o ist attraktiv, aber den Kostenairbag würde ich nie erreichen und bei 15¢/min habe ich immer eine tickende Uhr im Hinterkopf, wenn ich telefoniere. Mag ich nicht, es muss also irgendeine Form von Flat ins Haus. Als Selbstständiger käme ich auch an den sehr attraktiven O2on-Tarif, der Flats in alle Netze und ins Internet für überschaubares Geld (ca. 35€) liefert. Aber so viel telefoniere ich dann doch nicht, dass sich das lohnen würde. Mit der Einführung des iPhone bei O2 gibt es aber einen neuen, sehr schönen Tarif mit dem nichtssagenden Namen O2 Blue 100 Flex. Dahinter steckt für 18€ im Monat (10% Rabatt Selbstständige) eine Flat ins O2-Netz, 100 (momentan sogar 120) Inklusivminuten in andere Netze und das Internet-Pack-M mit Drosselung nach 300MB Volumen. Wenn man sich 24 Monate bindet, bekommt man eine SMS-Flat dazu. Das ist mein Tarif, denn mit den 100 Minuten kämme ich laut Hotline sogar ohne Flat ins O2-Netz bequem hin.

Das Problem ist aber, dass der Tarif keine Homezone mehr hat. Das begrüße ich grundsätzlich sehr, weil ich ausgerechnet zu Hause dermaßen schlechten Handyempfang habe, dass ich schon seit einiger Zeit alle Anrufer bitte, meine Homezone-Nummer nicht mehr zu benutzen. Eine Portierung kommt mir also sehr gelegen, denn an die Regel hält sich kaum einer. Nun fängt der komplizierte Weg an, denn so eine Portierung aus bestehendem vertrag ist wohl nicht ganz so einfach. Mein erster Gesprächspartner an der Vertragsverlängerungs-Hotline erklärte mir nach Rücksprache mit der Kundenbetreuung (und einem Rückruf), dass wir den Vertrag einfach umstellen, ich ein Fax mit Portierungsanweisung schicke und der der neue Provider 28 Tage Zeit hat, die dann freie Nummer zu portieren. Ein paar ereignislose Tage später habe ich dann noch mal nachgefragt und erfuhr diesmal, dass die Tarifumstellung erst nach der Portierung gemacht werden dürfe, weil sonst die Homezone-Nummer verfallen würde. Aha, also das genaue Gegenteil vom bisherigen Standpunkt. Sollte mir recht sein, die Portierung zu Sipgate war längst angetoßen und wurde eine Woche später auch erfolgreich durchgeführt. Nun bekam ich aber eine neue Homezone-Nummer zugeordnet, statt eine Umstellung auf O2 Blue. Also wieder ein Gespräch mit der Hotline und die Tarifumstellung noch mal beauftragen, am nächsten Tag war dann alles paletti.

Der ganze Vorgang musste zwar mehrmals von mir angestoßen werden (schon OK, denn Umstellung und Nummer weg wäre doof), aber insgesamt bin ich beeindruckt von der Selbstständigen-Hotline: Alle Gesprächspartner waren kompetent, freundlich und ohne Telefonmenü-Marathon und längere Warteschleifen-Warterei zu erreichen. Jeder einzelne gab mir das Gefühl, dass sich um mein Anliegen gekümmert wird und offensichtlich werden die Informationen im CRM-System gut gepflegt: Jedes Telefonat war protokolliert worden, so dass der jeweilige Hotliner direkt im Bilde war. Das ist in etwa der Gegenentwurf zur 1&1-Hotline, deren einzige Aufgabe offenbar darin besteht, 9 von 10 Anrufer abzuwimmeln bzw. hinzuhalten und bei einem mal eine Rückfrage an die interne Hotline zu stellen, die dann tatsächlich Befugnisse hat, irgendetwas zu veranlassen. Ernsthaft 1&1, das ist dermaßen unfassbar scheiße, dass ich wirklich keinesfalls noch mal irgendetwas mit Euch zu tun haben will. Ich kenne aber auch Leute, die bei der O2-Hotline seit Jahren durchgängig verarscht werden (Beispiel: Umstellung auf Vertrag ohne Laufzeit beauftragt, Verlängerung um ein Jahr bekommen). Ich weiß nicht, warum das bei mir anders ist. Vielleicht habe ich einen Vermerk nicht verarschen in meinem Datensatz. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich Geschäftskunde bin. Ich kann mich aber auch nicht daran erinnern, als Privatkunde jemals ernsthaft verarscht worden zu sein.

Wie auch immer. Ich denke, dass einen ein Wechsel zu einem anderen Anbieter insgesamt nicht nach vorne bringt, selbst wenn man bei O2 verarscht wird. Auch von anderen Anbietern kennt man krasse Stories und die angeblich besseren Netze von T-Mobile und Vodafone sind nach meiner Erfahrung (zumindest in Düsseldorf) keinen Deut besser als O2. Das Magazin Connect sieht das Netz von O2 deutschlandweit insgesamt auf Platz 2 hinter Vodafone. Ich bleibe also bei O2, nun schon seit 11 Jahren.


Irgendwas mit Filmindustrie und Dummheiten

30 07 2010

Ich muss leider etwas ausholen, sorry. Gelegentlich gehe ich ins Kino, vor zehn bis fünfzehn Jahren teilweise mehrmals wöchentlich, heute etwa einmal im Jahr. Immer wieder waren da Filme bei, die mich begeistern konnten. Als ein Kinobesuch noch ein paar Mark kostete – konkrete Erinnerungen habe ich an 2,99 Mark im Europa kurz vor dessen Schließung – habe ich solche guten und beeindruckenden Filme mitunter mehrmals besucht. Dazu muss man sagen, dass ich minderjährig war und deswegen keinen Zutritt zur örtlichen Videothek hatte. Ich hatte also die Alternativen weiterer Kinobesuche (seinerzeit preislich machbar), dem Warten auf die Ausstrahlung im Fernsehen (irgendwann in zwei Jahren bis praktisch nie) und dem Warten auf eine Veröffentlichung auf VHS (zum Preis von seinerzeit 3-10 Kinobesuchen). Eine dauerhaft unbefriedigende Situation, die sich in zweierlei Richtungen auflöste: Volljährigkeit und Internet.

Denn irgendwann wurde man volljährig und konnte endlich den begehrten Mitgliedsausweis aller Videotheken der Umgebung bekommen. Wenn man den Film bzw. die Filme am selben Abend noch zurück brachte, war das ein wirklich günstiger Spaß, zumal man den Preis bequem durch die Anwesenden teilen, auf dem Weg noch bei bei MCs, Hallo Pizza oder sonstigen Fressbuden vorbei und wunderschön im begrenzten Angebot stöbern konnte. Das war alles ein ganz brauchbarer Zustand, aber zwei Probleme blieben: Wenn man einen bestimmten Film sehen wollte, fuhr man von Videothek zu Videothek und ging doch gelegentlich leer aus, vor allem, wenn es um Streifen abseits des Mainstreams ging. Das zweite Problem hat wiederum mit den Kinos zu tun: Immer, wenn man heiß auf einen Film war, konnte man ihn nur im Kino sehen. Wie oft kam ich aus dem Kino und hätte direkt eine menge Kohle gegeben, um den Film direkt auf DVD mitzunehmen. Gute Filme will ich besitzen, ich will sie immer wieder sehen, wenn ich möchte. Aber das geht nicht, weil die Veröffentlichung der DVD einige Monate verzögert wird.

Diese Verzögerung ist das dümmste, was die Filmindustrie tun kann. Die Bereitschaft, eine Ware zu kaufen ist bekanntlich in der Buzz-Zeit am höchsten, deswegen macht man ja PR ohne Ende, pusht das Interesse, wo es nur geht. Und dann? Läuft der Film im Kino und spielt den ein oder anderen Euro ein. Wenn die DVD herauskommt, ist der Buzz fast immer bereits abgeklungen und der Effekt verpufft weitgehend. Warum? Um die Kinos zu schützen? Ich würde das anders herum sehen: Die Kinos werden künstlich am Leben gehalten, auf hohe Kosten von geringeren DVD-Verkäufen. Würde tatsächlich niemand mehr ins Kino gehen, wenn die DVDs gleichzeitig herauskämen? Ich bin kein Experte auf dem Gebiet, aber ausprobieren könnte man es ja mal. Wie die Merchandising-Stände auf Konzerten, die angeblich horrende Umsätze machen, könnte man auch nach dem Film im Kino direkt die DVD anbieten. Ich würde zuschlagen (wenn der Preis nicht völlig irre ist). Aber ich gehe sowieso kaum noch ins Kino. Zu viel Aufwand und vor allem viel viel zu teuer. Für das Geld eines Kinobesuchs zu zweit kann ich die DVD des Films ein- bis zweimal erwerben oder fünf- bis zehn mal ausleihen. Oder mehr als drei Monate Rapidshare-Premium oder Firstload oder was auch immer gerade angesagt ist bezahlen. Denn so siehts aus, Augen auf!

Schlimmer noch: Bevor ich moviepilot.de kannte, habe ich sogar regelmäßig vergessen, welche Filme ich vor drei bis neun Monaten gerne gesehen hätte, als mir ein Kinobesuch zu aufwändig und teuer war. Die Filmindustrie hat mir mit ihrem dämlichen Kinoschutz schon so viel Geld gespart, eigentlich müsste ich dankbar sein.

Und dann gibt (oder gab?) es da noch die im Kino abgefilmten und illegal bereitgestellten Filmdownloads: Schmuddelig in der Bild- und Tonqualität, bei weitem nicht von jedem Film zu haben, aber immerhin zu dem Zeitpunkt verfügbar, wenn man den Film gerade sehen wollte. Von diesem Angebot habe ich seltenst Gebrauch gemacht, da war mir ein Kinobesuch oder unbestimmt langes Warten doch lieber. Aber es führt einem vor Augen, was man eigentlich vorenthalten bekommt. Um die Kinos zu schützen. Ich bin froh und dankbar, dass das Internet hier für einen gewissen Interessenausgleich sorgt: Plötzlich ist der Paradiesapfel da: Billiger bis kostenloser, vor allem aber wahlfreier Zugriff auf fast alle existierenden Filme, jederzeit, bequem und sofort. Das ist es doch, was man als Konsument haben will. Die Filmindustrie konnte lange Genug die Marktbedingungen diktieren, jetzt sind die Konsumenten am Drücker und können Forderungen stellen. Etwa nach angemessenen Preisen für DVDs oder rascher Veröffentlichung. Man tut als Anbieter gut daran, seine Filme schnellstmöglich in legaler Form auf den Markt zu bringen und die künstliche Verzögerung kurz zu halten, wenn in den Tauschbörsen qualitativ hochwertige Kopien bereitstehen. Letztlich profitiert davon auch der Anbieter, wenn die DVD-Veröffentlichung noch am PR-Buzz partizipieren kann. Gut: Der durchschnittliche Abstand zwischen Kinostart und DVD-Veröffentlichung ist in den letzten Jahren schon deutlich gesunken.

Für die Kinos eröffnet sich aus einer gleichzeitigen Veröffentlichung auf DVD kein grundsätzlich neues Problemfeld, denn die Tauschbörsen veröffentlichen Filme schon jetzt gleichzeitig im Netz. Die Frage ist, wie viel größer das Problem wird, wenn die Filme auch in offiziellen Kanälen gleichzeitig erscheinen. Und daran schließt sich direkt die Frage an, ob Kinos nicht vielleicht einfach die Verlierer des Strukturwandels sind und Pech gehabt haben. Und das wiederum führt uns zu der Frage, ob Kinos zu Recht untergehen würden oder man traurig darum sein müsste. Für die Beantwortung der letzten Frage bietet sich die Lektüre der Preislisten für Eintritt und Verpflegung in den bombastischen Multiplex-Kinopalästen an.

Sei es drum, momentan habe ich das Konstrukt Kino für mich weitgehend abgehakt und konzentriere mich auf den Online-Bezug von Filmen. Doch da lauert der nächste Wahnsinn. 4 bis 5 Euro Leihgebühr für einen Film in Online-Videotheken ist ein schlechter Scherz. Gemessen an den Preisen in der Videothek um die Ecke ist das sogar eine Unverschämtheit sondergleichen. Videotheken bezahlen Ladenmiete, Mitarbeiter und vor allem Anschaffung, Schwund und Verschleiß der auszuleihenden Medien. Eine Online-Videothek bezahlt Lizenzgebühren und etwas Traffic (der, wie Rapidshare und Konsorten zeigen, eher im zu vernachlässigenden Kostenbereich liegt). Dazu müssen ein paar Redakteure ein paar Handgriffe tätigen und die Website will natürlich auch betrieben werden. Ohne die Kostenstrukturen zu kennen, wäre ich dennoch bass erstaunt, wenn die Grenzkosten für die Online-Leihe tatsächlich auch nur in der Nähe derer von herkömmlichen Videotheken kämen. Warum also muss man hier das Doppelte bezahlen? Ich jedenfalls bin dazu nicht bereit, um den BWler auf meiner Schulter zu beruhigen, der einwendet, dass sich der Preis nach der Zahlungsbereitschaft und der Nachfrage richtet und nicht nach den Kosten. Zudem ist die Auswahl nicht mal größer. Im Gegenteil: Etwa die Hälfte der Filme, die ich bisher in Online-Videotheken gesucht habe, waren nicht zu bekommen. Eine wirklich beschämende Quote. Und wieder muss man mit der illegalen Konkurrenz vergleichen: Fast alle Filme, die ich in Online-Videotheken nicht finden konnte, ließen sich ohne große Mühe und binnen überschaubarer Zeit aus dem Netz besorgen. Nun ist das Angebot nicht legal, aber in Ermangelung (attraktiver) legaler Alternativen, hat man keine echte Wahl. Ach ja, hatte ich erwähnt, dass man in der einen Online-Videothek Filme von diesen, in der anderen Online-Videothek aber nur Filme von jenen Major-Labels bekommt? Aber alle werben mit toller Filmauswahl, was für eine Farce. Ernsthaft: Wollt Ihr, dass ich Filme gegen Geld ausleihe oder nicht?

Die Musikindustrie hat das Problemfeld übrigens inzwischen ganz gut im Griff, wie man hört. Vor allem seit auf DRM verzichtet wird, ist der Absatz von legalen MP3-Musikdownloads um Größenordnungen gestiegen. Die Leute wollen eben nicht alles für lau, sie wollen alles zu angemessenen Preisen und zu angemessenen Bedingungen. Sascha Lobo hat da einen feinen Text zu geschrieben, sehr lesenswert.

P.S. Eine Staffel einer Sitcom oder eine halbe Staffel einer längeren Serie kostet gerne mal 40€. Das ist mir persönlich eine Spur zu teuer, vor allem da die DVDs zumeist erst nach der Ausstrahlung im Free-TV erscheinen. Auch hier: Mehr Absatz und weniger Ausweichen auf Festplattenrecorder oder illegale Quellen würde man meiner Ansicht nach durch eine Halbierung der Preise erreichen. In das Modell der Preis-Absatz-Funktion sollte man alle relevanten Parameter einbeziehen. Aber rumheulen und darauf warten, dass das Internet verschwindet klingt auch recht erfolgversprechend.

Nachtrag 22.08.2010: Mir kam gerade ein interessanter Lösungsansatz für die ausfallenden Kinoumsätze bei gleichzeitiger DVD-Veröffentlichung: Wie wäre es, wenn die Kinos eine Weile Exklusivvertriebsrecht für die DVDs hätten? Man würde dann Filme immer erst mal nur im Kino kaufen können und erst später auch anderswo. Damit würden die Kinos ihre Verluste ausgleichen können und man könnte den Film trotzdem sofort bekommen. Die spannende Frage ist natürlich, mit welchen horrenden Aufpreisen die Kinos dieses Geschäft dann doch wieder vernichten würden? Aus Konsumentensicht wäre dann nicht wahnsinnig viel gewonnen, für die Kinos aber auch nicht wahnsinnig viel verloren. Auf einen Versuch könnte man es also durchaus mal ankommen lassen. Die einfachere Variante würde lauten, dass Kinos einfach auch DVDs verkaufen, aber das reicht denen wohl eher nicht als Ausgleich für ihre wegfallende Exklusivität.


Einige Gedanken zur Geschlechterfragendiskussion bei den und um die Piraten

18 05 2010

Anlässlich des Bundesparteitags der Piratenpartei am letzten Wochenende kocht gerade wieder mal die Gender-Suppe. Konkret geht es um die Frage pro oder contra Frauenquote bei den Piraten und es wird heiß diskutiert. Malte Welding hat einen interessanten Einwurf parat, man lese da auch und vor allem die Kommentare. Ich selbst habe ausnahmsweise auch mal kommentiert und mich – für mich überraschend – für eine Frauenquote ausgesprochen. Ich sehe zwar keinen echten Sinn in einer und auch manifeste Nachteile durch eine Frauenquote, aber was hat man zu verlieren? Mit ein wenig Pech ein paar nicht so brauchbare Frauen in Positionen? Ja nu, wenns weiter nichts ist? Positionen werden auch stetig mit Männern schlecht besetzt, also kein echter Verlust an dieser Front. Fragt sich, was eine Frauenquote an Nutzen bringen könnte. Ich zweifle stark an, dass das im Falle der Piraten wirklich hilft; aber die Idee dahinter ist ja, Frauen anzulocken und zu motivieren, sich in der Partei zu engagieren. Wenn das klappt – ich lasse mich ja gerne eines besseren belehren – wäre den Piraten viel geholfen. Frauen interessieren sich gewöhnlich leider einen Scheiß für die Kernthemen der Piraten, die Reaktionen variieren meist zwischen demonstrativem Desinteresse und aggressivem Ablehnen der Thematiken. Jede Frau, die da anders drauf ist, ist hochhöchstwillkommen; nicht nur bei den Piraten, sondern in der ganzen Bewegung und überhaupt der IT-Branche. Wir leiden unter massivem Frauenmangel, so sieht die Realität aus. Ein feiner Text von Mela Eckenfels (deren Kochbuch für Geeks ich in meinem Regal stehen habe) beleuchtet die Problematik sehr gut. Unbedingt lesen, bevor man die Piraten von Außen mit Gendergranaten bewirft.

Wenn nun eine Frauenquote hilft, die Befindlichkeiten zu heilen, die Frauen von einem Engagement bei den Piraten abhalten, dann her damit. Nochmal: Ich behaupte, dass bei den Piraten schon jetzt keiner Frau des Frauseins wegen Steine in den Weg gelegt werden, ganz im Gegenteil. Eine Frauenquote liefe meiner Erwartung nach also massiv ins Leere. Na und? Dann kann man sie auch einführen, um die lähmende Diskussioin hinter sich zu bringen.

Vielleicht gibt es aber noch andere Nachteile bei einem Bekenntnis zu Instrumenten, wie der Frauenquote. Christophe Chan Hin hat einen lesenswerten Text verfasst, der sich etwas von der Genderproblematik entfernt und gute Gründe liefert, wieso Konzepte wie Frauenquoten bei den Piraten einfach nicht passen. Letztlich liefert der Text einen recht plausiblen Erklärungsansatz, wieso die Piraten die Frauenquote mehrheitlich ablehnen. Und der Grund ist kein Machogehabe oder Maskulinismus in der breiten Basis, auch keine Angst vor guten Frauen in Führungspositionen (allein diese Unterstellung ist in meinen Augen eine Unverschämtheit). Die Piraten sind eine Manifestation eines Konzeptes der vorurteilsfreien Zusammenarbeit. Gerade dass hier kein Sündenbock gesucht wird, kein die Anderen sind schuld gelebt wird, macht die Stärke der Piraten aus. Zusammenarbeit unter dem Leitstern der Vernunft der Individuen lässt keinen Raum für Geschlechter- und sonstige Lager. Wozu auch? Ist das zielführend? Eher nicht. Daher die Ablehnung dieser lähmenden ideologischen Thematik. Folgende Absätze sind sehr erhellend bei der Frage nach dem Wesen der Piratenpartei:

Die Piratenpartei ist keine Ein-Themen Partei. Sie ist der politische Ausdruck einer vernetzten Gesellschaft. Geradezu rücksichtslos entern die Piraten die ganz wesentlichen Themen, die von den Linken und Liberalen schon längst vergessen wurden. Die Austauschbarkeit der anderen Parteien, die alle in eine Mitte wollen, hat mit der Erodierung ihrer eigenen Prinzipien und einer die Gesellschaft spaltende Sündenbockpolitik zu tun. Im Gegenteil unterscheiden sich die Parteien mittlerweile nur noch in der Wahl ihres Sündenbocks, und mit offenen Armen wird jede Möglichkeit, einen neuen Schuldigen zu finden, auch wenn sie noch so Menschenverachtend ist, empfangen. Hier setzt die Piratenpartei an, um eine Gesellschaft zu verhindern, die sich gegenseitig misstraut und dabei nicht merkt, dass in ihrer Spaltung das Kontrollinstrument liegt.

Aber in Momenten, wo 160.000 Menschen eine Petition gegen Zensursula unterschreiben, wo fast 150.000 Menschen gegen Atomkraft auf die Strasse gehen, wo bundesweit 85.000 Menschen für den Bildungsstreik eintreten, da bekommt die Politik eine Ahnung, wie instabil ihre Kontrolle ist, sobald Menschen ihre Klasse, Rasse, ihr Geschlecht und ihre Leitkultur mal links und rechts liegen lassen und sich zusammenschließen.

P.S. Passt nicht wirklich hier her, aber ist auch interessant: Volker Beck gibt den doofen Piratenwählern (und Linksparteiwählern) die Schuld daran, dass nun vielleicht Rüttgers Ministerpräsident bleibt. Wer hat uns verraten? Die Piraten! Wer war mit dabei? Die Linkspartei! Wow, interessante Negierung der Problematik, wenn auch inzwischen auf Kritik reagierend mit IRONIE-Hinweisen versehen. Die Haltung habe ich unter Grünen aber schön das ein oder andere Mal vernommen. Tatsächlich ist es so, dass ohne die Piratenpartei und unter der nicht ganz ungültigen Annahme, dass die dann freiwerdenden Stimmen primär der SPD und den Grünen zufließen würden, Rot-Grün in NRW die sehr knappe Mehrheit hätte. Meine Schlussfolgerung daraus ist, dass diese fehlenden Stimmen ein bitterer Schlag ins Gesicht von Rot-Grün ist. Beide Parteien haben ihre ursprünglichen Linien verlassen und verlieren massiv Stimmen an Piraten und Linkspartei. Aber statt das als Schuss vor den Bug zu sehen oder als Volltreffer im Fall der 2010er NRW-Wahl, wird den abtrünnigen Wählern trotzig ein Vorwurf hinterhergeworfen. Liebe Grüne: Wie wäre es mal mit einem Reality-Check? Eine Analyse, wieso ein wahlentscheidender Teil der eigenen Wähler sich bei den Piraten besser aufgehoben fühlt? Wer ist hier der Verräter? Eure verdammte überwältigende Enthaltungsfraktion bei der Abstimmung zu Zensursula war eine Zäsur für nun wohl auf längere Zeit ehemalige Grünwähler wie mich. Klarer kann man sich beim Themenkomplex Bürgerrechte in der Informationsgesellschaft kaum auf der falschen Seite positionieren. OK, die SPD hat sich die Hände noch schmutziger gemacht, aber die waren eh schon verlorenes Land. Wenn hier einer trotz allem Schwarz-Gelb in NRW ermöglicht hat, dann sind das SPD und Grüne, die konsequent Wähler vergraulen. Und das auf eigenem Terrain, sind Bürgerrechte doch eigentlich mal Kernthema der Grünen gewesen. Genau diese Arroganz hat mich bei meinen letzten drei Wahlentscheidungen von den Grünen ferngehalten. Würden die Grünen ihren Job wieder ernst nehmen, bräuchte es keine Piratenpartei. Im Grunde ließe sich gar sagen, dass die Piratenpartei die Linkspartei der Grünen ist. Das wäre aber arg vereinfacht, speist sich die Linke zumindest im Westen doch zu guten Teilen auch aus enttäuschen Grünwählern.

Nachtrag 24.05.2010: Schnell noch ein interessanter Beitrag zur Gendersache an sich und Lena Simons Nichtwahl im Speziellen nachgeschoben. Nicht die erste Stimme, die ich höre, die angesichts von Lena Simon (der einzigen Vorstandskandidatin) ganz froh ist, dass es bei den Piraten keine Quote gibt. Laut polternde und polarisierende Leute brauchen die Piraten einfach nicht. Die Trolle in den Foren sind schon schädlich genug für das Außenbild der Partei, Polarisatoren haben in der Parteileitung nichts zu suchen. Vor allem nicht angesichts der Parteilinie der aufgeklärten Besonnenheit.


Objektorientierte Entwicklung vs. PHP 4

05 05 2010

Zur Zeit arbeite ich an einem Wordpress-Projekt und bin nach der Umstellung auf PHP 5.3 (vorher war versehentlich PHP 4 auf dem Webspace aktiv) über etliche Deprecated-Warnungen gestolpert. Die explizite Zuweisung von Objekten per Referenz (also mit =& statt dass das Objekt mit = geklont wird) in der wp-settings.php ist schuld, denn dieses im Grunde erwartungskonforme Verhalten ist seit PHP 5 der Normalfall, Objekte werden jetzt nur noch geklont, wenn man explizit clone benutzt, so dass die explizite Zuweisung per Referenz überflüssig ist und angemahnt wird.

Nun ist es bei einem guten Hoster ein Handgriff ein, die E_DEPRECATED-Warnungen in der php.ini zu unterdrücken, von daher ist das alles halb so wild. Die Sache ist aber ein Symptom eines großen Dilemmas: Will man – aus welchen Gründen auch immer – kompatibel zu PHP 4 bleiben, muss man manchmal Code schreiben, der in PHP ab 5.3 eine Deprecated-Warnung wirft. Das TYPO3-Backend beispielsweise warf bis vor kurzem (vielleicht auch immer noch) ebenfalls Unmengen an Deprecated-Warnungen, weil es intensiven Gebrauch von eregi-Funktionen macht. Die kann man mit gutem Geschwindigkeitsgewinn und ohne Schwierigkeiten mit PHP 4 gegen preg-Funktionen austauschen, hier ist es also lediglich eine Sache von Fleiß; ganz davon abgesehen, dass TYPO3 sowieso seit Jahren kein PHP 4 mehr unterstützt. Die Sache bei Wordpress und einigen anderen Projekten mit Objektorientierten Elementen ist aber eine Zwickmühle.

Wobei es in meinen Augen keineswegs eine Zwickmühle ist, da die Lösung auf der Hand liegt: Man wirft einfach den PHP 4 Support über Bord und hält die Anfeindungen einiger Ewiggestriger aus, die nicht wissen, wie sie bei ihren Webspace eine aktuelle PHP-Version umstellt. Diese Anfeindungen kommen leider vor, und sind einer der Gründe, wieso ich zu Serendipity keinen Code mehr beitrage. Serendipity bewahrt wie Wordpress noch immer die PHP 4 Kompatibilität und steht einer zukunftsgerichteten Weiterentwicklung damit massiv im Weg. Wordpress wird wohl ab Version 3.0 (also ab demnächst) PHP 5 vorraussetzen, damit es endlich nach vorne gehen kann. Das ist im Falle von Wordpress auch bitter nötig, wenn man sich den mitunter grauenerregenden Code anguckt. Die aktuelle Beta 1 wirft aber leider immer noch die Deprecated-Warnungen.

Es gibt so etwas wie Codehygiene. Ich frage mich, wieso sich so viele Softwareprojekte mit aller Macht dagegen stemmen, ihren Code ein wenig zu warten. Eregi-Funktionen gelten schon seit mindestens fünf Jahren als um Größenordnungen langsamer, als ihre preg-Pendants. Wieso zur Hölle liest man dann als Abhilfe für Deprecated-Meldungen immer und überall, dass man die Warnungen ausschalten soll? Wo ist das Problem, sich einmal eine Nacht hinzusetzen und die veralteten und langsamen eregi-Funktionen zu eliminieren? Wieso wird unter Verzicht auf fundamental wichtige Programmiertechniken der Objektorientierung auch mehrere Jahre nach Einstellung des Supports für PHP 4 so sehr daran geklebt? PHP 4 ist veraltet, langsam und behindert massivst eine saubere Programmierung. Das ist sogar so offensichtlich, dass es jedem auffallen müsste, der nur ansatzweise objektorientiert mit PHP programmiert. PHP 4 fehlt es an fundamentalen Funktionalitäten an allen Ecken und Enden, nicht nur bei der Objektorientierung. Bitte, hört auf mit der falsch verstandenen Rückwärtskompatibilität und blickt mal nach vorne.

P.S. Ich bin übrigens latent auf der Suche nach einem neuen Blogsystem. Serendipity möchte ich den Rücken kehren, weil sich an der Front scheinbar nichts mehr tun wird. Auf PHP 5 umstellen? Neue Programmierkonzepte zulassen? Nix da, alles bleibt, wie es ist. Ein System, dessen Core so ungerne angefasst wird, ist nicht meins. Davon abgesehen, dass der Core in meinen Augen sowieso gar kein HTML ausgeben sollte. S9Y ist super stabil und funktioniert bei mir seit nunmehr fast sechs Jahren ohne jedes nennenswerte Problem vor sich hin, aber in etwa so lange hat sich auch nicht mehr wirklich etwas nennenswertes weiter entwickelt; das stimmt zwar nicht ganz, aber die Änderungen blieben insgesamt doch sehr dezent. Wordpress ist leider keine Alternative, auch wenn das Backend großartig ist. Ein Blick in den Core an beliebiger Stelle sollte ausreichend Anlass geben, das System nicht zu wollen. Was ist eigentlich aus Habari geworden?


Düsseldorf hat sein Feigenblatt verloren

10 04 2010

Das Feigenblatt ist eins der besseren Dessousfachgeschäfte in Düsseldorf, mithin das beste mit bekannte der Stadt. Ende Januar haben wir dort 60€ angezahlt und einige interessante Stücke aus der Sommerkollektion von Freya Lingerie zur Anprobe bestellt. Ein faires Angebot: Man sucht sich aus dem Katalog einige Modelle aus, die dann in der passenden Größe bestellt werden, wenn nichts davon gefällt oder passt, kann man die Anzahlung auch in beliebige andere Produkte fließen lassen. Da wir nichts vom Feigenblatt gehört haben, die Telefonnummer nicht funktioniert und die Website nurmehr Coming Soon vermeldet, sind wir heute schnell mal dort hin geradelt. Surprise, surprise: Der Laden ist weg. Leergeräumt, Papier in den Schaufenstern und sogar die Leuchtbuchstaben abmontiert. Bemerkenswert, dass das Haus überhaupt noch steht, so weg, wie der Laden ist. Sang und klanglos geschlossen, nicht mal ein Zettel in der Tür, was denn nun los ist. Dabei waren wir vor ein paar Wochen noch da und man vertröstete uns auf Anfang April.

Na sowas, ist das Feigenblatt insolvent? Umgezogen? Ein Umbau? Ein offenes Insolvenzverfahren konnte ich in nicht finden, was durchaus auch an meiner Unkenntnis der Materie liegen mag; vielleicht ist das Verfahren auch noch nicht eröffnet, aber der Laden schon geschlossen. An einen Umzug oder Umbau mag ich nicht glauben, in so einem Fall keinerlei Nachricht zu hinterlassen und Website und Telefon gleich mit abzuschalten, wäre dann doch etwas unkonventionell. Also wohl doch insolvent, na prima, das wäre dann meine erste Forderung an einen Insolvenzverwalter. Wenig erfreulich. Im Grunde sind mir die 60€ auch egal angesichts der Unschönheit einer Insolvenz für Mitarbeiter und Inhaber.

Worüber ich mich aber ärgere, ist die Nichtkommunikation. Hat man uns angerufen oder sonstwie mitgeteilt, dass es ein Problem gibt? Wieso müssen wir erst dorthin fahren, um zu sehen, was los ist? Wobei wir ja nicht mal wissen was los ist. Als wir kürzlich noch da waren, müssen die Probleme doch bekannt gewesen sein; hat man uns also im vollen Wissen über die Problematik vertröstet? Und wieso steht auf der Website Coming Soon, wenn am Laden sogar die Leuchtbuchstaben weg sind?

Wie auch immer, schade um den Laden. Wäsche abseits der Standardgrößen ist nämlich echt super schwer zu bekommen, selbst wenn man in Kauf nimmt, wirklich viel Geld in die Hand zu nehmen (sonst hat man im Grunde gar keine Chance auf schöne und gut sitzende Wäsche). Wenn ein Laden in solchen Sondergrößen mal zehn Modelle zur Wahl hat, ist das schon ein Grund zu jubeln. Wenn nicht neun von zehn Modellen nur mäßig bequem und/oder hübsch wären und/oder die Rücksendung nicht so lästig wäre, könnte man ja für unfassbar viel weniger Geld in England bestellen. Ja, wenn…

Nachtrag 26.07.2010: Inzwischen ist in dem Ladenlokal ein anderes Bekleidungsgeschäft und die Website ist immer noch offline. Sieht so aus, als wäre coming soon sehr weitschweifend ausgelegt. Ein Insolvenzverfahren konnte ich unter dem Begriff Feigenblatt beim Registergericht Düsseldorf noch immer nicht finden.

Nachtrag 11.04.2011: Ha, da habe ich noch darüber gewitzelt, dass es mich wundert, dass das Haus überhaupt noch steht. Was sehe ich also, als ich gestern daran vorbeifahre? Eine Baulücke, wo vorher das Haus mit dem Feigenblatt stand. Kein Scherz ist zu blöd, als dass er nicht Realität werden könnte.


Urlaub machen

28 12 2009

Ich mache Urlaub, ich weiß, es ist kaum zu glauben. Denn ich fahre nicht gerne in den Urlaub, erst recht nicht, wenn ich knapp bei Kasse bin. Und schon gar nicht eine ganze Woche. Nun haben wir aber schon seit Jahren vor, zu Sylvester ein Haus am Meer mit Sauna klar zu machen. Und weil über Sylvester alle Häuser eine Mindestmietzeit von einer Woche haben, oder wenn sie weniger zulassen, das gleiche kosten, wie andere Häuser eine ganze Woche, sind wir jetzt gleich eine ganze Woche am Start. Naja und knapp bei Kasse bin ich zur Zeit glücklicher Weise (zumindest theoretisch) auch nicht so wirklich. Da wir nicht irgendwo hin fliegen, ist das Ganze sogar umwelt- und geldbeutelmäßig vertretbar.

Bleibt die dritte Einschränkung: Online sein im Urlaub. Bisher hieß Urlaub für mich, weitgehend auf Internetzugriff zu verzichten. Erst fiel diese Grenze durch sowieso gebuchte Datenflatrates bei Deutschland-Kurztrips, jetzt sind wir auch im Haus in Holland für 20€ Aufpreis online. Ich bin gespannt, wie das da realisiert wird; dabei hoffe ich auf einen WLAN-Router im Haus, rechne aber irgendwie mit einer Telefondose, an der man ein Modem anschließen kann und für 9¢/min online gehen kann. So habe ich das nämlich in Krankenhäusern und Reha-Buden in den letzten Jahren immer wieder gesehen. Wie auch immer, ich nehme vorsichtshalber eine Fritz!Box mit. Wär doch gelacht. Eine Woche ohne Online-Zugriff geht für mich nun mal nicht, zumindest nicht freiwillig. Ich weiß, dass andere das als befreiend empfinden; ich tue das nicht. Ich finde auch barfuß in der Stadt laufen nicht befreiend oder auf papierdünnen Strohmatten auf Steinböden in irgendwelchen abgeschiedenen Klöstern zu nächtigen. Weil man da so zu sich findet und so. Fuck Leute: Man kann sich seinen Alltag auch so einrichten, dass man genug Möglichkeiten zum in sich kehren hat. Stress vermeiden und vielleicht gelegentlich mal ein Joint sind da schon sehr hilfreich. Oder man macht zweimal die Woche Yoga oder was auch immer. Für mich ist Urlaub jedenfalls selten befreiend gewesen, sonder eher eine stressige Angelegenheit. Wenn man nach Hause kommt und vor Anstrengung erst mal pennen muss, um danach ein paar Tage damit zu verbringen, wieder auf den aktuellen Stand zu kommen, dann kann ich da keine echte Entspannung erkennen. Um es mit Deichkind zu sagen: Urlaub vom Urlaub". Andere lassen sich die Zeitung in den Urlaub nachschicken, ich brauche eben Internetzugang. So einfach ist das. Keine Ahnung, wieso ich mich da immer rechtfertigen muss.

Es gibt noch eine vierte Einschränkung: Nach Weihnachten ist bei mir seit 10 Jahren traditionell Weihnachts-Netz angesagt, die ich jetzt schweren Herzens sausen lassen muss. Sehr schade. Aus diesem Grund kam bisher auch für mich nie ernsthaft ein Besuch beim Chaos Communication Camp in Frage. Jetzt ist es so weit: Ich kaufe mir einen langärmligen und langbeinigen Spießer-Pyjama und fahre statt mit den Jungs (und Mädels) die Nächte mit Killerspielen und so zu durchzechen in den Sylvester-Urlaub. Ja, ich gehe ganz offensichtlich auf die 30 zu. Und was soll ich sagen? Ist gar nicht so doof, wie das immer dargestellt wird.

Jetzt muss ich mich aber schnell fertig machen und packen, denn gleich geht es schon los. Zu viert in meinem Jazz, das wird kuschelig.


Mal abwarten, was die Koalitionskompromisse ergeben

19 10 2009

In den Wochen seit der Wahl halte ich mich sehr zurück und bin sehr gespannt. Ich muss vor allem dringend weniger politisch werden, das nervt alle um mich herum; aber trotzdem sei noch mal etwas zum Zeitgeschehen gesagt: Die Koalitionsverhandlungen sehen verschiedene Fortschritte vor, auf die ich gar nicht näher eingehen will, weil es einfach zu früh ist. Links gibts heute keine, lest mal selber die Nachrichten. Teilweise, wie bei der Vorratsdatenspeicherung, wird einem im Grunde der durch das BVerfG vorgelegte Status Quo als Fortschritt verkauft, das klingt schon mal verdächtig nach heißer Luft. Bei den Netzsperren gibt es einen sofortigen Stopp, die Sperrliste wurde also nicht, wie vorgesehen, am 17.10.2009 an die Provider ausgeliefert. Das ist ein gutes Zeichen, aber weit von einer echten Lösung entfernt. Zum einen könnte die Sperrliste jederzeit doch kommen, zum zweiten ist das rechtsstaatlich zumindest fragwürdig (dass die Regierung solche Erlasse ausgibt) und zuletzt ist die Nummer nur für ein Jahr ausgesetzt. Die Stoßrichtung kann also nur sein, den Widerstand zu schwächen und den Mist dann eben in einem Jahr durchzuziehen, wenn etwas Gras drüber gewachsen ist. Man muss ja nichts großartiges mehr unternehmen: Die Infrastruktur ist da, das Gesetz auch, man muss nur auf den roten Knopf drücken.

So wirkt das Ganze auf mich wie eine Hand voll Sand in unseren Augen. Ein klitzekleiner Etappensieg, ja, aber einen Durchbruch kann ich einfach nicht erkennen. Immerhin hat die FDP nach Außen eine Richtung gesetzt und das ist der Kernwert des Ganzen, da kann man anknüpfen. Die Forderungen bleiben aber offen:

  • Ein klares Nein zu Netzsperren, vorzugsweise mit einer klaren Anerkennung der Netzneutralität als treibende Kraft der modernen Gesellschaft. Das Gesetz muss auf jeden Fall endgültig vom Tisch.
  • Die Vorratsdatenspeicherung muss ganz aufgehoben werden. Auf das BVerfG zu warten ist keine Lösung.
  • Der Hackerparagraph muss weg! Er ist 100% nutzlos, schafft aber auch nach der Konkretisierung durch das BVerfG weiterhin große Rechtsunsicherheit in Sachen IT-Sicherheit im Betrieb und bei der Ausbildung. Wer hat sich diesen unlogischen Unsinn eigentlich ausgedacht? Mit welchem unrealistischen Ziel im Hinterkopf?
  • Der Bundestrojaner wurde etwas eingeschränkt, immerhin. Aber das dadurch entstehende Misstrauen gegenüber dem Staat in Bezug auf die eigene IT-Infrastruktur ist damit nicht vom Tisch. Der Bundestrojaner muss abgeschafft werden (bzw. darf nie zur Anwendung kommen).
  • Die klare Absage an die abgestufte Erwiederung, auch als Three-Strikes bekannt, ist ein guter Schritt, aber das hätte ich auch gerne mal vor dem BVerfG auf die Verträglichkeit mit den Grundrechten und überhaupt auf Verhältnismäßigkeit geprüft gesehen.

Also liebe FDP, die Ansätze sind zwar schön öffentlichkeitswirksam, aber momentan noch zu unkonkret. Erst die nächsten vier Jahre werden zeigen, wie ernst euch die Geschichte mit den Bürgerrechten und der Informationsgesellschaft ist und ob die massiven Zugewinne durch die Hoffnungsvollen in die Verlängerung gehen können oder aber wieder wegfallen werden.

Guckt euch die Kernforderungen der Piraten mal an, die meisten davon sind ausgesprochen vernünftig und das Wählerpotenzial ist so klein nicht. 2% als neue Partei bei dem Namen und dem fragwürdigen Image und der Beschränkung auf so wenige Themen sind eine klare Aussage, 13% der männlichen Erstwähler und 9% der Jungwähler ebenfalls. Aber dazu müsst ihr zusätzlich auch den wahnsinnsgetriebenen Killerspiele-Verbots-Forderungen der CDU/CSU klar entgegen treten. Denkt dran, die meisten Piratenwähler sind genau Eure Zielgruppe, zumindest wenn ihr eure Werte ernst nehmt. Es liegt an Euch, ob die Piraten in vier Jahren die 5%-Hürde knacken oder wegen Überflüssigkeit wieder verschwinden werden. Die CDU ist sowieso verlorenes Land, also liegt es in erster Linie an Euch.

P.S. Johnny Haeusler stellt sich die alles entscheidende Frage: Wo ist der Haken?. Darauf bin ich auch gespannt.


TeLMI, Quix, Scall und Skyper - voll 90er ey!

30 07 2009

Irgendwann in den 90ern gab es für normalsterbliche noch kein Internet und allgegenwärtige Erreichbarkeit per Handy war ein undenkbarer Luxus, zumindest für 13 jährige Schüler wie mich. Aber das mit der Erreichbarkeit leuchtete mir total ein, das wollte ich auch am Start haben. Dieses Gefühl gab es wohl auch bei anderen Leuten, denn um 1995 rum kamen gleich vier konkurrierende Pager-Systeme auf den Markt, die ein revolutionäres und für Jugendliche erstmals finanzierbares Geschäftsmodell nutzten: Der Pager-Träger bezahlt außer dem Gerät nichts, nur wer ihn anpagen will, bezahlt. Und da sind wir schon beim zentralen Problem, denn eine einzige Textnachricht kostete den Sender mehrere D-Mark. Völlig kranke Scheiße, die wirklich fast niemand gemacht hat.

Ich hatte mir damals einen grünen TeLMI gekauft, denn obwohl Quix im Grunde cooler war und mit dem Mehrwert verschiedener kostenloser Nachrichtenticker mitbrachte (u.a. die BRAVO-News), war TeLMI das technisch überlegene System. Wenn ich mich recht erinnere, konnte es weit mehr Zeichen pro Nachricht übertragen und hatte eine garantierte Laufzeit von unter einer Minute, während in den anderen Netzen durchaus auch mal zwei bis drei Minuten üblich waren. Für die Umsetzung der Textnachrichten gab es eine Hotline mit menschlichen Operatoren, die sich die Nachricht anhörten und abtippten. Kann man sich heute kaum noch vorstellen, aber so war das System angelegt. Leider schienen die Operatoren bei den paar Nachrichten, die ich insgesamt bekommen habe, nicht allzu sorgfältig zugehört zu haben. Aus der kultigen Nachricht Karl Ranseier ist tot… wurde so etwas unleserliches wie Kairan seier ist tot… oder so ähnlich, nur noch unverständlicher. Ich habe also mindestens sechs Monate lang stets meinen TeLMI dabei gehabt, um insgesamt weniger als 10 Nachrichten zu empfangen, alle davon Test- und Witznachrichten. Ich weiß nicht, was sich die Betreiber damals erhofft hatten bei diesen irrwitzigen Mondpreisen. Gerade Jugendliche können sich eine regelmäßige Nutzung dieses Dienstes schlicht nicht leisten, zudem war der Nutzen ohne Rückkanal sowieso sehr beschränkt. Mehr als Hab Dich lieb und Ruf mich mal schnell bei xy an, hab meinen Schlüssel vergessen. ließ sich einfach nicht sinnvoll übertragen. Von Unterwegs konnte man sich ja auch nicht melden, denn selber hatte man ja auch kein Mobiltelefon. Ein Ich komme später, hab die Bahn verpasst war also auch nicht drin, ganz davon abgesehen, dass diese Nachricht einem in der Praxis dann doch nicht mehrere D-Mark wert gewesen sein dürfte.

Alles in allem eine unerträgliche Totgeburt das ganze und nur wenige Jahre später kamen die Prepaid-Handys mit SMS. Damit konnte man für vergleichsweise günstige, im Grunde aber immer noch lächerlich teure 39 Pfennig pro SMS in zwei Richtungen und wirklich mobil arbeiten. Und sogar telefonieren, wenn man sich das leisten konnte. Großartig. Und Internet zu Hause hatte man auch.

Scall und Skyper waren übrigens irgendwie doof, ich weiß gar nicht mehr, wieso eigentlich. Scall hatte sogar die großartige Idee, einen Pager in der "Swatch the Beep" mit einer Uhr zu kreuzen. Voll future-mäßig, aber fast noch bescheuerter also ein grüner Pager mit Holster am Gürtel. Ich schäme mich auch angemessen, ehrlich. Wobei mir dieses Gürtel-Holster, das ich stets etwas verschämt hinten am Arsch trug, mal eine Faust beschert hat. Als Ronnie mit der Dicken Backe mir den TeLMI abziehen wollte und mich deswegen abgecheckt hat, hat er das da hinten nicht gefunden und mir dann stattdessen vorgeworfen, dass ich seine Schwester angebaggert hätte. Wenn man aufs Maul bekommt ist der aus der Luft gegriffene Grund ja total egal, aber das mit der Schwester ist doch so klischeehaft und dumm. Als ob man sich nicht irgendetwas weniger armseliges ausdenken oder die Faust einfach mal grundlos sprechen lassen könnte.

P.S. In meiner CB-Funk Zeit hatte ich übrigens auch mal einen CB-Funk Pager zusammen mit einem Funkgerät in Autotelefon-Optik von Conrad (die hab ich sogar noch irgendwo). Bei dem Ding konnte man auf der Tastatur eine vierstellige Zahl eingeben und der dazugehörige Pager piepste und schaltete für eine Weile auf Empfang, sofern er denn in Reichweite war. So wir Polizeifunk inkl. des komischen Piepsens, nur eben im 27MHz Band, was dem Pager eine recht lange Wurfantenne bescherte, die einem am bein runter hing. Auch hier war ich der einzige weit und breit mit sowas und konnte mich nur selber anpiepsen. Wow. Oder eben andere mit polizeimäßigem Rumgepiepse nerven, wenig Nutzwert insgesamt, aber immerhin technisch spannend.