Ist Joomla ein Hort für Stümper?
Geschrieben von Gregor Nathanael Meyer um 10:5405 10 2010
Vorweg: Ich habe mal im Jahr 2005 für ein Projekt einen genaueren Blick in das CMS Joomla geworfen und mich klar dagegen entschieden. Ich weiß nicht mehr im einzelnen, wieso, aber die Entscheidung war sehr klar und fiel seinerzeit zugunsten von TYPO3 aus, das ich seitdem hervorragend bewährt hat. Ich weiß also im Grunde nicht viel über Joomla. Irgendwann habe ich mal beim Multimediatreff in Köln einen Vortrag zur Joomla-Entwicklung gehört, bei dem der (oder die?) Vortragende keinen leichten Stand hatte: Das Publikum war offensichtlich der Meinung, dass Joomla eher zu den weniger ernstzunehmenden Content-Maganement-Systemen gehört; zudem überzeugte auch der Vortrag kaum vom Gegenteil. Auch sonst haben Joomla-Integratoren einen schweren Stand in meiner Peergroup. Genau genommen habe ich nicht eine Empfehlung für Joomla von jemandem gesehen, den ich in Sachen Webentwicklung üblicherweise ernst nehme. Vielleicht ist das Zufall, aber ich kenne auch niemanden, der jemanden kennt, der Joomla einsetzt und dabei – wie auch immer definiert – gut ist.
Wo mir Joomla aber häufig begegnet, ist bei sehr günstigen Angeboten für Webseiten
(sowohl Wettbewerb für, als auch zur beratenden Prüfung durch mich). Fast immer sind das 1-Mann-Agenturen, deren Angebote und vor allem deren Auftreten mich nicht von gesteigerter technischer Kompetenz überzeugt. Ganz häufig sind das Quereinsteiger, die sich autodidaktisch irgendwie HTML und CSS angefressen und im Zuge der Joomla-Integration auch ein paar Brocken sehr schlechtes PHP angeeignet haben. Ich möchte das nicht generell kritisieren, jeder fängt mal an und lernt den Kram im Laufe der Zeit irgendwie mehr oder weniger gut. Das Problem ist, dass bei den Leuten, die mir im Joomla-Kontext begegnet sind, das weniger dominiert. Das heißt nicht, dass jeder Joomla-Integrator ein Stümper ist; nur eben, dass er sich in einem Umfeld mit auffällig vielen Stümpern bewegt.
Frage ist: Warum ist das so? Ist Joomla ein schlechtes CMS? Meiner Meinung nach ja, aber das ist wenig objektiv. Aber irgendwas muss doch da dran sein, wenn es so beliebt ist. Module zusammenstöpseln und eine irgendwie lauffähige Seite bekommen, ohne sich groß einarbetien zu müssen, können auch andere Systeme. Was ist es also, was all die Stümper und Anfänger so anzieht? Warum setzt man ein System ein, dessen nach vielen Jahren endlich erscheinende neue Version ungefähr das halbe Featureset von anderen Systemen vor fünf Jahren implementiert? Stichwort Rechtesystem oder tabellenfreier HTML-Output der Core-Funktionen. Weil es so einfach in der Integration ist und man vom Wissensstand her nicht in der Lage ist, ein besseres System einzusetzen? Dann stellt sich aber die Frage: Warum nimmt man Geld für eine Dienstleistung, wenn der eigene Wissensstand gerade mal für das einfachste Werkzeug reicht? Immerhin muss man den Joomla-Integratoren der Kreisliga lassen, dass sie meistens auch nur Kreisliga-Preise aufrufen. Wenn ich aber bei günstigen Nebenberuflern die Wahl habe zwischen einem ambitionierten Studenten und einem Feierabend-Joomla-Bastler, gewinnt der ambitionierte Student. Joomla im Angebot ist für mich ein klar schlechtes Zeichen, das würde ich nicht buchen. Gemeine Vorurteile? Vielleicht, aber auch das ist bei der Wahl eines CMS für Angebote für Geld zu berücksichtigen.
Aber mit der nächsten Version kommen doch endlich alle wichtigen Features…
Ja, schön. Schon mal die Planungen für TYPO3 5.0 gesehen? Nein? Weil das noch nicht relevant ist, weil es in ferner Zukunft passiert? Genau. Handfeste Defizite in der aktuellen Version mit Planungen für die Zukunft zu entschuldigen, ist nicht zielführend, weil die anderen sich ebenfalls weiterentwickeln. Während in Villabajo noch mit einem benutzbaren Rechtesystem gekämpft wird, redet man in Villarriba von Aspektorientierter Programmierung, MVC, Content-Repositories und (vielleicht endlich mal praxistauglichem) Frontend-Editing.
Empfehlungen, die ich übrigens über die Jahre immer wieder gehört habe, sind ModX (das als Geheimtipp gilt), TYPO3 (das ich selber häufig nutze), Wordpress (weil alle es nutzen, es ein tolles Backend hat und es so schön nah am Code operiert), Textpattern (das ich vom Konzept her gar nicht mochte, das aber von seinen Fans vehement vertreten wird), Drupal (vor allem im Community-Kontext) und verschiedene kleinere recht charmante Systeme.
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