Malte/Paul

14 02 2009

Ich würde es twittern (identi.caen?), aber das würde nur unter gehen, also ein hochoffizieller Lesehinweis für euch Vögel, die ihr meinen Blog lest: Malte Welding, dessen meist großartige Schreibe für mich der Auslöser für mein Spreeblick-RSS-Abo war, schreibt nicht mehr für Spreeblick. Warum, kann nur vermutet werden; aber es klingt in der Art, wie darüber geschwiegen wird, irgendwie nach Streit. Naja, wie auch immer. Jedenfalls schreibt der Gute neben Twitter auch ein eigenes Blog und dort gibt es großartige Geschichten über Paul. Diese Geschichten gefallen mir derart gut, dass ich sie gesammelt als Buch sofort kaufen würde, egal ob sie nun autobiographisch, semi-autobiographisch oder frei erfunden sind. Ein gutes Beispiel ist diese Geschichte hier. Eine kurze Leseprobe daraus (Paul ist alleine im Zoo):

Ein grauhaariger Mann mit Taxifahrergesicht macht Nude-in-Public-Aufnahmen von einer hennafarbenen Swingerfresse. Immer, wenn niemand hinschaut, lüftet sie ihr Mini-Jeans-Röckchen und er fotografiert ihre lieblos rasierte Möse. Da ich allein bin und damit Niemand, sehe ich alles. Die Rasierpickel und die ausgefransten Schamlippen sehen aus wie ein Schaschlikteller oder Beweisfotos in einem Kriegsverbrecherprozess.

Wo ich sowas lese, bleibe ich.


WTF? Sehr seltsamer Autoaufkleber

29 01 2009

Folgendes Foto habe ich heute im Vorbeigehen von einem Autoaufkleber gemacht. Bin ich der einzige, der da nicht den Namen einer Region in Österreich liest, sondern etwas ganz anderes?

Autoaufkleber: serfaus-fiss-ladis.at

Serfaust Fisst Ladies? WTF??


Wackelnde Brüste und Moralvorstellungen eines bekannten iPhone-Herstellers

22 01 2009

Apple zensiert ja scheinbar nach Belieben unliebsame iPhone-Programme in seinem AppStore. Programme, die das iPhone als Modem nutzbar machen zum Beispiel oder richtige Navigationsprogramme wie den TomTom Navigator. Aus Angst vor wem auch immer – und vordergründig zum Schutze der iPhone besitzenden Jugend – hat man ein Programm mit dem schönen namen iBoobs aus dem AppStore gekickt. Ratet mal, was der Zweck des Programms war… Richtig: Mit dem iPhone Beschleunigungssensor (wie bei der Wii) konnte man Möpse wackeln lassen. Nicht auszudenken, wenn ein Minderjähriger damit Spaß mit mehr oder weniger natürlichen Bewegungen von halbnackten Brustbildern hätte haben können. Das geht natürlich nicht, also wech damit. Weil ja Waffen niemanden umbringen, sondern nur die Leute, die sie benutzen, hat es nun ein abstrakteres Programm in den AppStore geschafft, das exakt das gleiche macht, nur eben nicht ausschließlich mit Brüsten, sondern mit jedem dort hineingeladenen Bild. Die Frage bleibt, was man sonst derart zum Wackeln bringen sollte außer angemessen großen Brüsten. Sowieso ist der eigentliche Grund bestimmt die Frauenbewegung gewesen, die sich bei Apple über die unfaire Ungleichbehandlung von Frauen mit unterschiedlichen Oberweiten beschwert hat. Schlimm genug, dass Männer – diese rohen Gestalten – aus unverständlichen Gründen die Bewegung der weiblichen Brust verehren vergöttern verherrlichen. Nein: Frauen mit kleinen Brüsten mit unauffälligem Busen – was mir im Sinne eines Teils Frauenbewegung irgendwie vorteilhaft zu sein scheint – werden zutiefst in Ihrer Weiblichkeit gekränkt und diskriminiert. Oder so, was weiß ich…

Nicht nur wegen der Zensur wackelnder Brüste steht Apple in der Kritik, es wird ja alles mögliche zensiert, anderes dafür nicht. Die Fragestellung muss also sein, ob ein Hersteller frei nach Schnauze – also nicht nach allgemein geltenden Gesetzen – Inhalte und Programme auf seiner Plattform zensieren sollte oder nicht. Und erweitert stellt sich wieder mal die Frage, ob es gut sein kann, wenn ein solcher Hersteller die Alleinherrschaft über eine ausgesprochen wichtige Inhalteplattform hat. Das ist eines der Geschmäckle, die mich so sehr vom Apple-Wunderland fernhalten.


Lieblingswort des Tages: Promiskuitiv

18 12 2008

Nichts weltbewegendes zum Thema Promiskuität, aber Sexthemen werde ich in Zukunft regelmäßig hinter meinem hinlänglich bekannten Passwort verstecken. Man muss ja nicht alles in die große weite Welt schreien.


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Über sexuelle Prägungen

12 11 2008

Hin und wieder sagen mir Leute, ich solle doch mal wieder etwas mit der Tagkombination Sexualität und Jugenderinnerungen schreiben. Da ich mein Intimleben nicht total öffentlich breittreten will, gibt es sowas ab sofort nur noch mit einem Passwort zu sehen, das ich gerne auf Anfrage mir bekannten Leuten gebe.


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Dinge, die ihr wahrscheinlich nicht wissen wolltet

15 10 2008

Ich habe lange nichts zu Sexualität geschrieben, also wird es mal wieder Zeit für einen knappen Sex-Digest:

Der Begriff DWT, der mir in einschlägigen Medien immer wieder unterkam und dessen Auflösung mir stets ein Rätsel aufgab, bedeutet schlicht "Damenwäscheträger". Das habe ich irgendwann doch mal nachgeschlagen. Gut zu wissen.

Wo wir gerade bei den Abkürzungen für geschlechtliche Normabweichungen sind (kann man das so sagen?): TV und TS stehen im TYPO3-Kontext für TemplaVoilà und TypoScript, komisch, dass da die sonst verwandte zusammenfassende Abkürzung TG nicht belegt ist. Wer mehr wissen will, kann sich mal das interessante Glossar zum SM-Fachbuch "Die Qual der Wahl" von Kathrin Passig und Ina Strübel reinziehen. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich Kathrin Passig als Autorin sehr schätze, wenngleich ich dieses Buch von Ihr nicht gelesen habe. Ich habe mir aber aus direkten Quellen sagen lassen, es sei sehr lesenswert.

In den gleichen Medien wie der Begriff DWT stolpert man über das Eigenschaftswort "zeigefreudig" oder ähnliche sinnverwandte Wörter. Mir stellt sich dabei die Frage, worin sich "zeigefreudige" Menschen, die mehr oder selten auch weniger freizügiges Bildmaterial von sich ins Internet stellen und um Kommentare bitten, von den Exhibitionisten unterscheiden. Ohne es ganz zu durchschauen vermute ich aus profundem Halbwissen heraus, dass letztere den Spaß eben daran empfinden, dass sie sich ihren Opfern ggü. im gerade nicht sexuellen Kontext sexuell aufdrängen. Erstere wollen das absolut gar nicht, sondern begegnen ihrem (freiwilligen und dankbaren) Publikum auf einer gemeinsamen sexuellen Ebene.

Weiß jemand, was ein Dental Dam ist? Wen das interessiert, schlage es nach. Von mir so viel dazu: Mein Bruder hat mal Lied darüber geschrieben und mir graust bei der Vorstellung, etwas derartiges benutzen zu müssen. Dann lieber der Verzicht.

Nachtrag: Gerade fiel mir ein, dass eine Klassenkameradin in der fünften oder sechsten Klasse mal einen Klassenkameraden beim Wahl-Wahrheit-oder-Pflicht-Spielen während einer Busreise gefragt hat, ob er "schon geschlechtsreif" wäre. Eine wirklich faszinierende Frage für dieses Alter, wobei es früher und später irgendwie noch unangebrachter wäre, sowas zu fragen. Kann man sowas fragen? Kann man sowas präzise beantworten als Junge in dem Alter? Ich weiß es nicht, ich weiß nicht mal mehr seine Antwort. Ich kann mich nur erinnern, dass mir nicht von Anfang an klar war, dass das eben kein gut versteckter Nerv an der Penisspitze ist, den man immer wieder langwierig suchen muss, um diese Musikantenknochen-ähnliche Empfindung hervorzurufen. Verdammt, hätte man mich nur früher aufgeklärt. Obwohl, andererseits, hat mir dieser frühe Irrtum auch nicht geschadet. Wann sollte man also aufklären? Spricht wirklich etwas dagegen, die Aufklärung primär von der Bravo machen zu lassen? Also dann, wenn der Jugendliche Interesse dafür entwickelt und nicht dann, wenn die Eltern (oft viel zuspät) unausweichlich Interesse vermuten? Gut, dass ich noch ein paar Jahre Zeit habe, mir darüber Gedanken zu machen.


Privatmodus

01 09 2008

Safari hat ihn eingeführt, der Internet Explorer 8 wird ihn auch haben, für den Firefox gibt es ihn schon lange als Plugin (Stealther), nur Opera kennt ihn nicht: Den temporären Privatmodus, der auf Knopfdruck jegliche Spurenaufzeichnung im Browser abschaltet, ohne die sonstige History anzufassen. Eine geniale Erfindung, gerade wenn man intensiven Gebrauch all dieser Komfortfunktionen macht. Böse Zungen nennen ihn auch den Pornomodus und das trifft es ganz hervorragend: Niemand möchte, dass bei der Eingabe von einzelnen Buchstaben in der Adresszeile in der Pornoseiten-History vom Vorabend gewühlt wird. Diese Information ist für einen selber meist nur lästig, für Zuschauer hingegen sehr aufschlussreich. Also schaltet man die Aufzeichnung einfach vorher ab und nachher wieder ein und alles ist gut.

Es ist mir tatsächlich schleierhaft, wieso Opera nicht schon lange so einen Modus hat. Sonst sind die Jungs ja führend bei solchen Funktionen. Noch besser wäre eine seitenspezifische Einstellung, die die Spurenaufzeichnung für einzelne Seiten (und am besten von dort verlinkte andere Seiten) vollständig abschaltet, ohne manuelle Eingriffe. Das wär toll. Opera?

Nachtrag: Bevor jemand denkt, ich würde die Nachrichten nicht lesen: Natürlich komme ich gerade jetzt da drauf, weil dieser Modus auch eine Kernfunktion des neuen Google-Browsers ist. Besonders interessant daran finde ich, das Google ja nicht gerade für Datensparsamkeit bekannt ist. Da bin ich gespannt auf heute Abend, wenn die Betaversion kommt.


Paxi Fixi

19 05 2008

1. Neulich in der Gegend von "Ich bin eine Discoschlampe" gehört:

Paxi, fixi, knaxi, lexi, noxi, schmexi, schixi drauf.
Paxi, fixi, reib sie, knall sie, nimm sie, wirf sie, zieh sie aus.
Paxi, fixi, roxi, treib sie, saug sie, lutsch sie, schixi drauf.
Paxi, fixi, stoß sie, pop sie, reib sie, pimp sie, schmeiß sie raus.

Ich lass das mal so stehen, bei Youtube.

2. Gibt es eigentlich eine zwingende Nähe von Techno an sich zu (BDSM-)Sexualität und/oder Drogen? In dem Kontext sei auf den faszinierenden KitKatClub in Berlin verwiesen (Artikel in der taz dazu). Interessant allemal, Stichwort: Hedonistische Internationale.

PS: Ich gehe davon aus, dass eine In-Kontext-Bringung der beiden Aspekte dieses Posts weder im Sinne der einen noch anderen Seite ist. Vielleicht auch nicht. Meine diesbezügliche Ahnung beschränkt sich auf etwa eine Stunde Webrecherche, tendiert also gegen null. Ich war nur irgendwie fasziniert von beidem.


Gibt es eigentlich wirklich keine Kopftuch-Pornos?

02 05 2008

Passend zum letzten Eintrag fällt mir wieder mal folgende Frage ein: Gibt es eigentlich wirklich keine Pornos, in denen Frauen mit Kopftuch/Burka/Whatever vorkommen? Ich habe mal irgendwo eine Diskussion zu genau dieser Frage verfolgt: Die Teilnehmer hielten sich für ausgewiesene Experten auf dem Gebiet der Pornografie, aber keinem war jemals ein solcher Film aufgefallen. Eine Suche im Internet blieb erfolglos, so dass irgendjemand eine Liste mit zig türkischen Pornos ins Spiel brachte. So hat also jeder drei davon besorgt und auf besagte Frage hin analysiert: In keinem kam eine Frau mit Kopftuch vor. Wirklich witzig, was man so für Diskussionen im Netz findet, oder? Ich finde sowas ungemein spannend, vielleicht hätte ich eher was Sozialwissenschaftliches studieren sollen.

Jedenfalls hat mich die Frage bis heute nicht los gelassen. Ich habe mir auch die Folgefrage gestellt, warum das so sein könnte, bin aber zu keinem wirklich einleuchtenden Ergebnis gekommen. Es gibt ja auch Pornografie mit Nonnen und allen möglichen anderen symbolischen Kostümen, an religiöse Gründe mag ich daher nicht glauben. Aber warum sonst? Es gibt ja auch Pornos mit Akteuren in Alltagskleidung, dass das Kopftuch aus diesem Grund fehlt zieht also auch nicht.

Denke ich nicht weit genug? Zu weit? Gibt es am Ende doch solche Pornos und man nimmt sie nur nicht wahr? Man blendet ja auch andere Spielarten einfach aus, weil sie einen nicht die Bohne interessieren. Es gibt doch alle nur erdenklichen sexuellen Vorlieben und für alle diese Vorlieben auch passende Pornografie. Hat jemand eine brauchbare Erklärung für mich parat oder wenigstens einen Gegenbeweis für die These der Nonexistenz?


Der Online-Jugendschutz in Deutschland geht zu weit

02 05 2008

Schon lange verfolge ich die rechtliche Debatte zum Online-Jugendschutz in Deutschland. In meiner Thesis bin ich damit ebenfalls in Kontakt gekommen, konnte mich aber dank der abstrakten wissenschaftlichen Betrachtung aus praktischen Problematiken weitgehend heraushalten. Jetzt lese ich gerade einen interessanten Artikel zum Thema und habe unabhängig davon gestern ein berufliches Gespräch zum Thema geführt. Also muss ich mal meine Gedanken dazu niederschreiben. Worum geht es eigentlich?

In Deutschland sind die Anforderungen an eine Altersverifikation bei Online-Erotik-Angeboten recht hoch. Es reicht laut BGH nicht, die Personalausweisnummer abzufragen, aus der sich das Geburtsdatum einer Person ergibt. Das leuchtet an sich ein, denn gültige Personalausweisnummern lassen sich leicht generieren und im Zweifel ist es einem Jugendlichen problemlos möglich, irgendwo an eine existierende Nummer zu gelangen und diese zu nutzen, ohne dass dies je auffällt (anders als etwa bei Kreditkartendaten Dritter). Dagegen legt das in diesem Gerichtsverfahren beklagte Unternehmen nun Verfassungsbeschwerde ein. Das Problem liegt nämlich an anderer Stelle:

Egal, wie gut deutsche (Bezahl-)Angebote gegen den Zugriff von Jugendlichen geschützt sind, das Web ist voll von frei verfügbarer Pornografie. Als bei uns im Hause 1997 das Internet einzog, war das eine Offenbarung für mich. Nicht mehr verschämt in Altpapier-Containern herumwühlen (was übrigens stets erfolglos blieb), sondern so viel Porn, wie man nur möchte direkt an den Fingerspitzen. Gelobt sei die neue Technik. Da war ich 15. Und seinerzeit wäre mir nicht im Geringsten der Gedanke gekommen, auf Deutschen Bezahlseiten mit fremden Kreditkarten (oder sonstwie) für Pornografie zu bezahlen. Das Problem der Altersverifikation stellt sich also gar nicht für heutige Teenager. Warum sollte man eine Bezahlseite mit Papas Kreditkartendaten bescheißen (was früher oder später auffliegt!), um sich den Zugang zu Pornografie zu erschleichen, wenn man einfach jederzeit ausländische Angebote kostenlos, auf jeden Fall aber ohne lästige Altersverifikation nutzen kann?

Nebenbei stellt sich mir die Frage, ob Jugendliche wirklich vor Pornografie derart aktiv geschützt werden müssen. Ich habe, seit ich mich dafür interessiere, solche Zugangsverbote immer als großes Ärgernis empfunden. Offenbar war ich reif genug dafür, denn ich bin ja trotzdem dran gekommen und hatte nie ein Problem damit. Im Gegenteil…

In meinen Augen reicht eine Bezahlung mit Kreditkarte vollkommen aus, um nachzuweisen, dass man in der Lage ist, mit Pornografie umzugehen. Minderjährige bekommen meines Wissens nach keine eigenen Kreditkarten und wer fremde Karten nutzt, fliegt entweder auf oder tut dies mit Wissen des Besitzers der Karte, der dann für die Zugänglichmachung verantwortlich ist. Dass bei deutschen Angeboten viel höhere Anforderungen an den Jugendschutz gelten, als im Rest der Welt, ist in meinen Augen eine klare Inländerdiskriminierung. Es sorgt nur dafür, dass betreffende Anbieter ihren Firmensitz und ihre Server ins Ausland verlegen müssen (und dies auch tun), um wettbewerblich gleichgestellt zu sein. Wem ist nun geholfen? Der einzige, der einen Vorteil daraus zieht, ist der fremde Staat, der letztendlich die Steuern dieser Anbieter einsackt. Alle anderen haben überhaupt nichts gewonnen: Die Bilder sind genau so gut oder schlecht geschützt, wie alle anderen auch und niemand muss überzogene Altersverifikationssysteme nutzen. Lediglich diejenigen, die – aus welchem Grund auch immer – hier geblieben sind oder sich mit ihrem Deutschsprachigen Angebot den Deutschen Gesetzen verpflichtet fühlen, müssen die erheblichen Wettbewerbsnachteile eines der sicheren Systeme (hohe Kosten, geringe Verbreitung, keine Sofort-Nutzbarkeit und/oder nicht zuletzt gerade im Erotikgeschäft die mangelnde Anonymität) in Kauf nehmen.

Ich kann nur hoffen, dass der praktisch weitgehend unbrauchbare deutsche Sonderweg im Jugendschutz irgendwann aufgegeben wird. Man kann als Minderjähriger, wenn man reif genug aussieht, ohne viele Probleme Pornokinos besuchen (nur stichprobenartige Prüfungen), kann sich in Sexshops rumtreiben (ebenfalls nur stichprobenartige Kontrollen) und auch sonst recht unproblematisch seiner sexuellen Selbstbestimmung nachgehen. Das ist meines Erachtens auch gut so: Klar ist es in den Augen der meisten Eltern eine gute und ehrbare Idee, unbedarfte Jugendliche vor der bösen Sexualität fern zu halten. Aber zur Pubertät gehört nun mal, und das zunehmend früher, eben diese böse Sexualität dazu. Wieso müssen Jugendliche künstlich begrenzt werden? Wie sollen sie sich frei entwickeln können, wenn man ihnen die Realität vorenthält, selbst wenn sie sie aktiv nachfragen? Vor allem angesichts der Tatsache, dass die nötigen Maßnahmen nur zu einem Bruchteil in den Händen des deutschen Gesetzgebers liegt? Es bleibt mir unverständlich und ich bin sehr froh darüber, dass ich zu Jugendzeiten die zahlreichen Schlupflöcher kannte. Oder kennt irgend jemand jemanden, der sich beschweren würde, dass seine zarte Seele zu Jugendzeiten nach Eingabe seiner oder fremder Kreditkartendaten im Internet einfach so mit Pornografie belastet wurde? Weltfremd…

Ich denke sogar, dass die Kennzeichnung mit einem standardisierten Metadatenformat durchaus ausreichen müsste, um dem staatlichen Jugendschutzauftrag (vollstreckt durch die Erziehungsberechtigten) Genüge zu leisten. Schließlich können Eltern dann ganz einfach die bestehenden und dabei zuverlässig funktionierenden Filterlösungen für ihre Kinder aktivieren und sie so ziemlich effektiv vor Pornografie schützen. Das funktioniert im Falle von ICRA sogar mit den meisten ausländischen Pornoangeboten, die zu großen Teilen als solche gekennzeichnet sind. Auch wenn gewiefte Sprösslinge auch diese Filtersoftware leicht umgehen können, schützt diese Maßnahme praktisch immer noch mit Abstand am besten vor der gefährlichen Online-Erotik. Ganz ohne Zutun des deutschen Gesetzgebers.

P.S.: Die Geldkarte leistet übrigens alles, was man sich wünscht und wäre die einfachste Lösung für das ganze Problem, im Gegensatz zum elektronischen Personalausweis sogar inkl. weitgehend anonymer Bezahlung. Allein: Die Verbreitung von Kartenlesern (und bei einigen Banken auch Geldkartenchips) ist derart gering, dass der praktische Einsatz gegen Null tendiert. Schade. Ich würde sie übrigens optional als Sofortzugang zu Erwachsenen-Inhalten anbieten, neben mehreren verschiedenen anderen einschlägigen Methoden natürlich. Das habe ich auch in besagtem beruflichen Gespräch empfohlen, als Alternativlösung zum Betrieb des Erotik-Dienstes im liberalen Ausland. Wirklich krude, dass man deutschen Erotik-Anbietern allen Ernstes empfehlen muss, solche Dienste der gleichen Zielgruppe vom Ausland aus anzubieten.


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