VDSL kommt so langsam in Fahrt
Geschrieben von Gregor Nathanael Meyer um 23:3006 09 2009
VDSL mit 50Mbit/s Downstram und vor allem viel wichtiger 10Mbit/s Upstream gibt es hier in Düsseldorf schon eine ganze Weile, aber bisher waren die Konditionen vom alleinigen Anbieter T-Home erstens extrem unübersichtlich und zweitens mit mindestens 60€/Monat dank Zwangsbindung an den Fernsehempfang reichlich teuer. Zudem muss man sich 24 Monate binden, muss 60€ Einrichtung für den Telefonanschluss bezahlen, bekommt keinerlei Geräte gestellt (die kann man für sattes Geld mieten oder selber kaufen) und kann als Konkurrenzkunde nicht mal vorab prüfen, ob VDSL überhaupt verfügbar ist. Man muss bestellen, um das herauszufinden und wenn nicht, bekommt man nur maximal 16Mbit/s ADSL, ist aber trotzdem 24 Monate gefangen. Alles in allem kein wirklich attraktives Angebot für jemanden, der zur Zeit 25€/Monat für eine 16Mbit/s ADSL-Leitung ohne Schnickschnack und vor allem ohne Zwangsbindung bezahlt.
Nun kommt Bewegung in die Sache: T-Home hat angekündigt, VDSL auch irgendwann mal ohne Fernsehen für etwas weniger Geld anzubieten, aber bisher ist daraus nichts konkretes erwachsen. Konkret geworden ist nur die IFA-Ankündigung, DSL-Fernsehen auch ohne Internetzugang, dafür nur mit Telefonanschluss ab 30€/Monat anzubieten. Verschiedene Anbieter bauen in verschiedenen Städten an einem Glasfaser bis ins Haus Netz und bieten damit 100Mbit/s (angeblich sogar symmetrisch) an, etwa Netcologne in Köln. Schön, beneidenswert, aber nur mit Pilotcharakter.
Nun bietet die T-Home ihren Konkurrenten aber auch Zugang zum VDSL-Netz an und Vodafone und 1&1 springen bereits auf, 1&1 hat die Pakete sogar schon buchbar am Start. Und was ich da an Konditionen sehe ist wahrlich nicht unattraktiv: 50Mbit/s VDSL mit (VoIP) Telefonflat, 1TB Online-Speicher und verschiedene mehr oder weniger nützliche Zusatzleistungen, dazu eine nigelnagelneue Fritz!Box 7390 für 9,60€ Versand, optional ein UMTS-Stick für 9,60€ und drei Monaten kostenlosem UMTS-Datenzugang und als Hammer noch 220€ Gutschrift oben drauf. Das ganze Paket gibt es dann für 50€/Monat. Meine Herren, da kann man schon schwach werden und sowohl seine Aversion gegen 1&1 überwinden, als auch sich die 24 monatige Vertragsbindung schönsaufen schönrechnen: Wenn man für die Fritz!Box 200€ Straßenpreis annimmt (sie ist noch gar nicht gelistet) und den Bonus von 220€ dazu addiert, drückt einem 1&1 420€ in die Hand, den Gegenwert des vergünstigten UMTS-Sticks noch nicht eingerechnet. Gegenüber unseren jetzigen Ausgaben von 25€/Monat schrumpfen die 600€ Mehrkosten über 24 Monate dann plötzlich auf effektive 180€ zusammen, das sind 7,50€/Monat mehr für VDSL mit 50/10Mbit/s statt 16/1Mbit/s und eine Telefonflat ins deutsche Festnetz statt gar keinem Telefonanschluss. Uff. Da muss ich noch mal in mich gehen.
Die Fragen sind folgende: Was passiert nach 24 Monaten? Ist ein Wechsel von 1&1 zu einem anderen Anbieter dann reibungslos machbar oder steht man wochenlang ohne Internet da? Bietet 1&1 dann attraktive Nachfolgekonditionen für Nichtwechsler an? OK, das war eine rhetorische Frage. Wie sehen die Angebote der Konkurrenz in der näheren Zukunft aus? Bietet gar Alice schnelleres Internet an? Ich würde immerhin gerne bei Alice bleiben und den 1&1 Schnickschnak brauche und mag ich eigentlich nicht wirklich. Zudem: Wie sieht der Service bei 1&1 aus? Wird mir da geholfen oder muss ich zwei Jahre meines Lebens mit latenter Service-Wut im Bauch verbringen? Kann ich eine unserer Festznetz-Nummern reibungslos von Sipgate nach 1&1 portieren? Und zuletzt: Fühle ich mich wohl als 1&1 Kunde? Steht mir dieser Anbieter? Bitte Feedback, Freunde.
Ich schlafe noch mal eine Nacht und rufe da morgen mal an. Vielleicht kann mir die Verkaufshotline einige meiner Fragen schon beantworten und das vor allem auch verbindlich zusichern.
Nachtrag 07.09.2009: Ich habe mich gerade von 1&1 zurückrufen lassen und die Dame konnte mir einige Fragen beantworten, also der Reihe nach. Nach 24 Monaten verlängert sich der Vertrag automatisch um jeweils ein weiteres Jahr, nach Sonderkonditionen für Nichtwechsler habe ich gar nicht erst gefragt. Der VDSL-Anschluss ist ein komplett neuer Anschluss, mit etwas Glück kann man eine Überlappung von Alice und 1&1 hinbekommen, auf jeden Fall muss ich Alice selber kündigen. Ein ordentliches Vabanque-Spiel, da die Schaltungszeiten für VDSL aktuell bei etwa acht Wochen liegen, vielleicht auch mehr. Damit man nicht ohne Internet dasteht, bekommt man von 1&1 einen UMTS-Stick und eine SIM-Karte fürs D2-Netz, mit dem man 3 Monate kostenlos über UMTS ins Netz kommt. Das wäre OK, ein garantiert reibungsloser Wechsel oder sogar eine zugesicherte Überlappung wäre mir aber lieber. Die Störungshotline ist eine 0800er Nummer, also auch vom Handy aus ohne Kosten erreichbar, das ist gut und war durchaus auch mal anders. Bis hierher ein überlegenswertes Angebot. Allein der letzte Punkt macht mir Sorgen und hat mich von einer sofortigen Bestellung abgehalten: 1&1 portiert Rufnummern nur von der Telekom zu sich herüber, unsere Sipgate-Nummer(n) werden also nicht übernommen. Das schmerzt, denn ich möchte wirklich nicht alle Freunde mit noch einer Absendernummer nerven. Leider habe ich nicht gefragt, ob man bei 1&1 eine beliebige Absendernummer eintragen kann, so wie das bei Sipgate möglich ist. Fazit also: Die fehlende Rufnummernportierung von allen Anbietern außer den Telekom ist momentan der Showstopper für mich und in Anbetracht der langen Wartezeiten von momentan acht Wochen habe ich genug Zeit, mir die Marktentwicklung noch mal genauer anzusehen.
Nachtrag 2 07.09.2009: Gerade habe ich mal nachgelesen, Alice führt aktuell Gespräche mit der Telekom und will in den nächsten Wochen auch mit einem VDSL um die Ecke kommen.
Kategorien : Computer-und-Technik
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