Urlaub machen

28 12 2009

Ich mache Urlaub, ich weiß, es ist kaum zu glauben. Denn ich fahre nicht gerne in den Urlaub, erst recht nicht, wenn ich knapp bei Kasse bin. Und schon gar nicht eine ganze Woche. Nun haben wir aber schon seit Jahren vor, zu Sylvester ein Haus am Meer mit Sauna klar zu machen. Und weil über Sylvester alle Häuser eine Mindestmietzeit von einer Woche haben, oder wenn sie weniger zulassen, das gleiche kosten, wie andere Häuser eine ganze Woche, sind wir jetzt gleich eine ganze Woche am Start. Naja und knapp bei Kasse bin ich zur Zeit glücklicher Weise (zumindest theoretisch) auch nicht so wirklich. Da wir nicht irgendwo hin fliegen, ist das Ganze sogar umwelt- und geldbeutelmäßig vertretbar.

Bleibt die dritte Einschränkung: Online sein im Urlaub. Bisher hieß Urlaub für mich, weitgehend auf Internetzugriff zu verzichten. Erst fiel diese Grenze durch sowieso gebuchte Datenflatrates bei Deutschland-Kurztrips, jetzt sind wir auch im Haus in Holland für 20€ Aufpreis online. Ich bin gespannt, wie das da realisiert wird; dabei hoffe ich auf einen WLAN-Router im Haus, rechne aber irgendwie mit einer Telefondose, an der man ein Modem anschließen kann und für 9¢/min online gehen kann. So habe ich das nämlich in Krankenhäusern und Reha-Buden in den letzten Jahren immer wieder gesehen. Wie auch immer, ich nehme vorsichtshalber eine Fritz!Box mit. Wär doch gelacht. Eine Woche ohne Online-Zugriff geht für mich nun mal nicht, zumindest nicht freiwillig. Ich weiß, dass andere das als befreiend empfinden; ich tue das nicht. Ich finde auch barfuß in der Stadt laufen nicht befreiend oder auf papierdünnen Strohmatten auf Steinböden in irgendwelchen abgeschiedenen Klöstern zu nächtigen. Weil man da so zu sich findet und so. Fuck Leute: Man kann sich seinen Alltag auch so einrichten, dass man genug Möglichkeiten zum in sich kehren hat. Stress vermeiden und vielleicht gelegentlich mal ein Joint sind da schon sehr hilfreich. Oder man macht zweimal die Woche Yoga oder was auch immer. Für mich ist Urlaub jedenfalls selten befreiend gewesen, sonder eher eine stressige Angelegenheit. Wenn man nach Hause kommt und vor Anstrengung erst mal pennen muss, um danach ein paar Tage damit zu verbringen, wieder auf den aktuellen Stand zu kommen, dann kann ich da keine echte Entspannung erkennen. Um es mit Deichkind zu sagen: Urlaub vom Urlaub". Andere lassen sich die Zeitung in den Urlaub nachschicken, ich brauche eben Internetzugang. So einfach ist das. Keine Ahnung, wieso ich mich da immer rechtfertigen muss.

Es gibt noch eine vierte Einschränkung: Nach Weihnachten ist bei mir seit 10 Jahren traditionell Weihnachts-Netz angesagt, die ich jetzt schweren Herzens sausen lassen muss. Sehr schade. Aus diesem Grund kam bisher auch für mich nie ernsthaft ein Besuch beim Chaos Communication Camp in Frage. Jetzt ist es so weit: Ich kaufe mir einen langärmligen und langbeinigen Spießer-Pyjama und fahre statt mit den Jungs (und Mädels) die Nächte mit Killerspielen und so zu durchzechen in den Sylvester-Urlaub. Ja, ich gehe ganz offensichtlich auf die 30 zu. Und was soll ich sagen? Ist gar nicht so doof, wie das immer dargestellt wird.

Jetzt muss ich mich aber schnell fertig machen und packen, denn gleich geht es schon los. Zu viert in meinem Jazz, das wird kuschelig.


Ein stressiges Wochende und gesundheitliche Folgen

21 11 2009

Wo ich das hier gerade noch mal lese, schnell mal ein Nachtrag. Da es um meine Krankengeschichte geht, ist das hinter dem üblichen Passwort versteckt.


"Ein stressiges Wochende und gesundheitliche Folgen" vollständig lesen


laberspack Episode 2 mit Martin auf Probefahrt

20 10 2009

Gestern Abend hatte ich spontan Lust auf einen weiteren Podcast und habe Martin auf einer Probefahrt mit einem Audi A3 Sportback begleitet. Irgendwo zwischen 30 und 40 Minuten waren wir halbwegs durch, aber wegen zu viel Autothematik noch nicht zufrieden, also gab es auf dem Rückweg eine zweite Session von weiteren 40 Minuten. Das ist mal wieder zu lang, deswegen habe ich die halbe Nacht rumgeschnitten und zwei Versionen gebaut: Die gute Nachricht ist also, das ich es dadurch auf 42 Minuten geschafft habe, aber wer alles hören will, kann auch das ganze Gespräch haben. Das ist doch mal ein faires Angebot: 42 Minuten ist kurz genug für einen üblichen Weg zur Arbeit oder Uni oder eine Sporteinheit oder zum Kochen, Putzen, Einschlafen. Alles eben, was man so alleine macht und wo man vielleicht nebenbei ein lockeres Gespräch hören möchte.

laberspack LogoBesprochen haben wir folgende Themen, die ich auch als Kapitelmarkierungen in ein Cue-Sheet gepackt habe. Wenn Ihr also einen Player benutzt, der mit Cue-Sheets umgehen kann, was zumindest auf die meisten guten Playerprogramme auf dem Computer zutrifft, könnt Ihr die Themen direkt anspringen. Oder Ihr nehmt eine Software her, die die große Datei anhand des Cue-Sheets in kleine aufteilen kann. Macht was Ihr wollt damit.

Die kurze Version zuerst:

  • Einführung
  • Scirocco und die Bank
  • Direktmarketing
  • Wir fahren nach Wülfrath, nicht durch die Stadt
  • Das Navi
  • MCs Fr€uros kosten in Düsseldorf 1,10€
  • Xenon Licht
  • Weibliche Podcast-Zuhörer
  • Nächstbeste Serpentinen, Martin geht nicht gerne spazieren
  • Bitte tanken
  • DoTA
  • Halblegal abbiegen, dann weiter DoTA
  • Burger King
  • Verehrsübungsplatz Haan und andere unspannende Städte im Kreis Mettmann
  • Geownt wegen wenig salopper Hose
  • Vohwinkel
  • Weg zurück ohne Navi, nackt baden
  • Killerspiele
  • Schluss

MP3 der gekürzten Version [MP3; 42:16; 34,2MB] und das Cue-Sheet dazu.

Dann nochmal das ganze Gespräch:

  • Einführung
  • Martin sagt was zu Fahrzeugen
  • Scirocco und die Bank
  • Direktmareting
  • Sechsgang-Schaltgetriebe und S-Audi
  • Wir fahren nach Wülfrath, nicht durch die Stadt
  • Andere Autos im Blick
  • Das Navi
  • MCs Fr€uros kosten in Düsseldorf 1,10€
  • Xenon Licht
  • Ungerne Autofahren und Pendeln
  • Musikhören im Auto
  • Weibliche Podcast-Zuhörer
  • Nächstbeste Serpentinen, Martin geht nicht gerne spazieren
  • Bitte tanken
  • DoTA
  • Burger King
  • Verehrsübungsplatz Haan und andere unspannende Städte im Kreis Mettmann
  • Lampen
  • Hose waschen
  • Geownt wegen wenig salopper Hose
  • Vohwinkel
  • Smartphones
  • Weg zurück ohne Navi, nackt baden
  • Nochmals zurück aufs Fahreug
  • Sternschnuppen und Sonnenfinsternis
  • Killerspiele
  • Klettern

MP3 der vollen Version [MP3; 74:53; 76,5MB] und das Cue-Sheet dazu.

Leider habe ich noch immer keine endgültige Lösung, um den Podcast sinnvoll in einen in iTunes abonnierbaren RSS-Feed zu packen, Ihr müsst also weiterhin die Datei Eurer Wahl manuell runterladen. Bei Gelegenheit werde ich aber einen extra Feed dafür bauen, versprochen. Und noch eine ärgerliche Einschränkung: Ich weiß nicht, wo ich versagt habe, aber die Kapitelmarkierungen sind irgendwo im Arbeitsablauf um ein paar Sekunden verschoben worden und ich hatte keine Lust mehr, die noch mal neu zu setzen. Beim nächsten Mal wird das präziser.


Spackcast Episode 1

14 10 2009

So, nachdem ich vor ein paar Wochen endlich mal ein Aufnahmegerät mit guten Mikrofonen angeschafft habe, gibt es nun auch mal wie schon seit zwei Jahren geplant einen Podcast von mir. Zu Gast ist Miriam Frenken, eine alte Schulfreundin von Karin, die Karin kurzfristig für meinen Podcast gewinnen konnte. Eine unverhoffte, aber um so interessantere Gesprächspartnerin für einen ersten Podcast. Miriam fährt Kanu, ist damit mehrfache deutsche Meisterin und studiert derweil auch noch Medientechnik an der FH Düsseldorf. Mit Miriam habe ich über folgende überwiegend spannende Thematiken geredet:

  • Torxschrauben und das schöne Wort Vielrundform
  • Vögel, die hoch und weit fliegen: Die Pfuhlschnepfe fliegt 11.000km in 8 Tagen ohne Rast und die Streifengans fliegt in bis zu 10.000m hoch über den Himalaya, behauptet zumindest das Alverde Magazin.
  • Spurbusse
  • Goggle Chrome
  • Hörakustik, Miriams Diplomarbeit und meine Schwerhörigkeit
  • Einen Job zu machen, der die Welt weiter bringt
  • Twitter und Öffentlichmachung des Privaten
  • Wettkampfverhalten und sowieso der Unterschied von Frauen und Männern
  • Weizenbier durch einem rosafarbenen Strohhalm trinken
  • Nett sein und die Welt damit ein Stückchen schöner machen
  • Die Überflüssigkeit der Verfolgung von Kiffern

Diese Episode ist fast anderthalb Stunden lang. Ist Euch das zu lang? Hat sich das überhaupt jemand angehört? Wenn ja wo und wie. Ich würde mich sehr über Feedback freuen, gut wie schlecht; vor allem aber schlecht, denn ich will es ja besser machen. Ich weiß, dass ich zu schnell rede und versuche das abzustellen, sehe aber keine große Chance auf Besserung. Ist die Tonqualität in Ordnung? Aufgenommen wurde das Ganze in meiner Küche bei schummerigem Kerzenlicht mit einem Zoom H2. Kommt die Stimmung angenehm rüber? Rede ich zu viel und lasse Miriam zu Wort kommen? Sind die Themen interessant?

Momentan wird der Podcast noch nicht in den RSS-Feed eingebaut, ich bin mir auch nicht sicher, ob und wie ich das in den Blogfeed einbaue. Bis zur nächsten Episode werde ich mir da was ausdenken und bin auch da für Feedback offen.

Player gibt es noch nicht, vorerst müsst ihr die Datei runterladen und anhören: spackcast Episode 1 runterladen.


Flucht aus Berlin

30 09 2009

Wo wir gerade bei Kindheitserinnerungen waren: Irgendwer hatte meinem Vater Anfang der 1990er den genialen Comic Flucht aus Berlin von Gerhard Seyfried geschenkt, der leider zwischenzeitlich verschollen ist. Diesen Comic habe ich damals zig mal gelesen und fand ihn schon total lustig, ohne dass ich die politischen Zusammenhänge des Berlins der 1980er auch nur ansatzweise verstanden hatte.

Apropos Berlin der 1980er: In meiner Grundschulzeit, die 1992 endete, war der Ostblock, der Kalte Krieg, die Wende und das alles keinerlei Thema. Erdkundliches Material hörte irgendwie am eisernen Vorhang auf und als ich die Maueröffnung live im Fernsehen verfolgt habe, habe ich zwar gefühlt, dass da gerade etwas wirklich großes abging, aber ohne dass ich ich das intellektuell hätte fassen können. Wie auch, ich wusste ja im Grunde nichts über die DDR und all das Zeugs. Pershing Raketen waren böse und Amis Imperialisten oder so, das hatte man mir immer eingetrichtert. Die Demo auf die man mich mal mitgeschleppt hat und von der ich bisher immer dachte, da wäre es um Abrüstung gegangen, war aber wohl eher eine Anti-Atom-Demo. Das muss 1986 gewesen sein, da war ich vier; erinnern tue ich mich nur an ein buntes Klettergerüst mit Blick auf eine längliche Parkanlage (Poppelsdorfer Allee?) mit unendlich vielen Leuten drauf, Transparente und eine eigentümliche Stimmung, die nicht so recht meine war. Irgendwie waren Abrüstung, Anti-Atom und Dritte Welt damals wichtigere Themen als die DDR; über die wurde scheinbar lieber geschwiegen, zumindest mir als Kind gegenüber. Meine Lehrerin auf der Montessori-Schule war auch Friedensaktivistin und auch von ihr kamen keine Infos zum anderen Deutschland. Ich kann mich an Kartenmaterial erinnern, auf dem Ostpreußen zu Deutschland gehörig ausgewiesen war und zu dem gesagt wurde, dass diese Grenzen seit irgendeinem Krieg nicht mehr gültig seien. War das nur bei mir so? Jemand, der in der DDR aufgewachsen ist, erzählte mir neulich, dass man sich bei ihm in der Grundschule auf haltlose Lügen über den Westen hinreißen ließ, da ist mir Totschweigen dann doch lieber. Wobei es Totschweigen nicht ganz trifft, beim Thema DDR wurde nur irgendwie abgewiegelt und irgendwas von Stasi und Mauer geredet; es wurde ein "da geht man besser nicht hin" vermittelt und dass die DDR etwas diffus negatives ist.

P.S. Einen Gerhard Seyfried Sammelband habe ich nun in meine Amazon-Wunschliste aufgenommen und freu mich schon darauf. Vielleicht will mir ja kurzfristig jemand ein Buch schenken und einem Selbstkauf zuvorkommen…


Tretminen für Computerforensiker auslegen

22 09 2009

Ich habe hier ein paar alte Festplatten herumliegen, teilweise von Kunden, teilweise eigene, einige mit defekten Sektoren, andere einfach alt. Neulich dachte ich mir, dass die bei einer Hausdurchsuchung sicher sofort ins Auge fallen würden, sind doch Festplatten bei Vollstreckungsbeamten immer gern gesehene Mitnahmeartikel. Was also tun mit den Dingern? Wenn nicht zufällig ein Backup irgendeines alten Systems darauf schlummert, sind sie eigentlich alle leer, sprich mit Nullen überschrieben und bereit für den Recyclinghof oder erneuten Einsatz. Das wäre ja irgendwie langweilig für die Computer-Forensiker, die die Dinger untersuchen, die sollen ja auch ihren Spaß haben.

Mein erster Gedanke war, hier freundliche Botschaften unterzubringen und sonst nichts. Vielleicht solche, die man nur beim Zugriff mit dem Diskeditor findet, so als ein nettes Versteckspiel unter Kollegen. Aber das ist ja nur halb so lustig. Eine andere Idee wären langwierige TV-Mitschnitte von irgendeinem quälendem Dumm-TV, so dass sich ein armes Schwein die ganze Scheiße reinziehen muss. Schon lustigere Vorstellung.

Schlussendlich entschied ich mich aber für die geheimnisvolle Variante: Die komplette Platte wird mit Truecrypt verschlüsselt, so dass auf den ersten Blick nur Zufallszahlen drauf sind. Wenn man nun das nett formulierte Passwort kennt und auf den Trichter mit der Truecrypt Verschlüsselung kommt, kann man die Platte öffnen und, das ist der ganze Witz, findet einen leeren Datenträger vor. Das ist deswegen witzig, weil man in dem Fall nicht wissen kann, ob innerhalb der Verschlüsselung nicht vielleicht noch ein weiterer – versteckter und ohne Kenntnis des Passwortes nicht nachweisbarer – verschlüsselter Container lauert. Quälende Ungewissheit. Ja ich weiß, blöder Geek-Humor und auch nichts wirklich innovatives. Aber die Vorstellung der blöden Gesichter erfreut mein Herz und nimmt einer Hausdurchsuchung einiges an Schrecken. Wenn schon jemand derart tief in meine Intimsphäre eindringt (und das ist meine Computeranlage für mich), will ich wenigstens auch was davon haben.

Eine leere Growbox mit Webcam drin aufzustellen ist auch so eine mich sehr belustigende Idee, die ich schon mal hatte. Boah muss das nerven, Hausdurchsuchungen bei solchen Spackos machen zu müssen.

P.S. Vielleicht fragt sich mancher, wieso ich eigentlich immer mit einer Hausdurchsuchung rechne, warum ich so paranoid bin, was das angeht. Nun, Hausdurchsuchungen werden heutzutage (war das eigentlich schon immer so?) aus den nichtigsten Gründen angeordnet und das kann jeden treffen, der sich aktiv im Netz bewegt.


VDSL kommt so langsam in Fahrt

06 09 2009

VDSL mit 50Mbit/s Downstram und vor allem viel wichtiger 10Mbit/s Upstream gibt es hier in Düsseldorf schon eine ganze Weile, aber bisher waren die Konditionen vom alleinigen Anbieter T-Home erstens extrem unübersichtlich und zweitens mit mindestens 60€/Monat dank Zwangsbindung an den Fernsehempfang reichlich teuer. Zudem muss man sich 24 Monate binden, muss 60€ Einrichtung für den Telefonanschluss bezahlen, bekommt keinerlei Geräte gestellt (die kann man für sattes Geld mieten oder selber kaufen) und kann als Konkurrenzkunde nicht mal vorab prüfen, ob VDSL überhaupt verfügbar ist. Man muss bestellen, um das herauszufinden und wenn nicht, bekommt man nur maximal 16Mbit/s ADSL, ist aber trotzdem 24 Monate gefangen. Alles in allem kein wirklich attraktives Angebot für jemanden, der zur Zeit 25€/Monat für eine 16Mbit/s ADSL-Leitung ohne Schnickschnack und vor allem ohne Zwangsbindung bezahlt.

Nun kommt Bewegung in die Sache: T-Home hat angekündigt, VDSL auch irgendwann mal ohne Fernsehen für etwas weniger Geld anzubieten, aber bisher ist daraus nichts konkretes erwachsen. Konkret geworden ist nur die IFA-Ankündigung, DSL-Fernsehen auch ohne Internetzugang, dafür nur mit Telefonanschluss ab 30€/Monat anzubieten. Verschiedene Anbieter bauen in verschiedenen Städten an einem Glasfaser bis ins Haus Netz und bieten damit 100Mbit/s (angeblich sogar symmetrisch) an, etwa Netcologne in Köln. Schön, beneidenswert, aber nur mit Pilotcharakter.

Nun bietet die T-Home ihren Konkurrenten aber auch Zugang zum VDSL-Netz an und Vodafone und 1&1 springen bereits auf, 1&1 hat die Pakete sogar schon buchbar am Start. Und was ich da an Konditionen sehe ist wahrlich nicht unattraktiv: 50Mbit/s VDSL mit (VoIP) Telefonflat, 1TB Online-Speicher und verschiedene mehr oder weniger nützliche Zusatzleistungen, dazu eine nigelnagelneue Fritz!Box 7390 für 9,60€ Versand, optional ein UMTS-Stick für 9,60€ und drei Monaten kostenlosem UMTS-Datenzugang und als Hammer noch 220€ Gutschrift oben drauf. Das ganze Paket gibt es dann für 50€/Monat. Meine Herren, da kann man schon schwach werden und sowohl seine Aversion gegen 1&1 überwinden, als auch sich die 24 monatige Vertragsbindung schönsaufen schönrechnen: Wenn man für die Fritz!Box 200€ Straßenpreis annimmt (sie ist noch gar nicht gelistet) und den Bonus von 220€ dazu addiert, drückt einem 1&1 420€ in die Hand, den Gegenwert des vergünstigten UMTS-Sticks noch nicht eingerechnet. Gegenüber unseren jetzigen Ausgaben von 25€/Monat schrumpfen die 600€ Mehrkosten über 24 Monate dann plötzlich auf effektive 180€ zusammen, das sind 7,50€/Monat mehr für VDSL mit 50/10Mbit/s statt 16/1Mbit/s und eine Telefonflat ins deutsche Festnetz statt gar keinem Telefonanschluss. Uff. Da muss ich noch mal in mich gehen.

Die Fragen sind folgende: Was passiert nach 24 Monaten? Ist ein Wechsel von 1&1 zu einem anderen Anbieter dann reibungslos machbar oder steht man wochenlang ohne Internet da? Bietet 1&1 dann attraktive Nachfolgekonditionen für Nichtwechsler an? OK, das war eine rhetorische Frage. Wie sehen die Angebote der Konkurrenz in der näheren Zukunft aus? Bietet gar Alice schnelleres Internet an? Ich würde immerhin gerne bei Alice bleiben und den 1&1 Schnickschnak brauche und mag ich eigentlich nicht wirklich. Zudem: Wie sieht der Service bei 1&1 aus? Wird mir da geholfen oder muss ich zwei Jahre meines Lebens mit latenter Service-Wut im Bauch verbringen? Kann ich eine unserer Festznetz-Nummern reibungslos von Sipgate nach 1&1 portieren? Und zuletzt: Fühle ich mich wohl als 1&1 Kunde? Steht mir dieser Anbieter? Bitte Feedback, Freunde.

Ich schlafe noch mal eine Nacht und rufe da morgen mal an. Vielleicht kann mir die Verkaufshotline einige meiner Fragen schon beantworten und das vor allem auch verbindlich zusichern.

Nachtrag 07.09.2009: Ich habe mich gerade von 1&1 zurückrufen lassen und die Dame konnte mir einige Fragen beantworten, also der Reihe nach. Nach 24 Monaten verlängert sich der Vertrag automatisch um jeweils ein weiteres Jahr, nach Sonderkonditionen für Nichtwechsler habe ich gar nicht erst gefragt. Der VDSL-Anschluss ist ein komplett neuer Anschluss, mit etwas Glück kann man eine Überlappung von Alice und 1&1 hinbekommen, auf jeden Fall muss ich Alice selber kündigen. Ein ordentliches Vabanque-Spiel, da die Schaltungszeiten für VDSL aktuell bei etwa acht Wochen liegen, vielleicht auch mehr. Damit man nicht ohne Internet dasteht, bekommt man von 1&1 einen UMTS-Stick und eine SIM-Karte fürs D2-Netz, mit dem man 3 Monate kostenlos über UMTS ins Netz kommt. Das wäre OK, ein garantiert reibungsloser Wechsel oder sogar eine zugesicherte Überlappung wäre mir aber lieber. Die Störungshotline ist eine 0800er Nummer, also auch vom Handy aus ohne Kosten erreichbar, das ist gut und war durchaus auch mal anders. Bis hierher ein überlegenswertes Angebot. Allein der letzte Punkt macht mir Sorgen und hat mich von einer sofortigen Bestellung abgehalten: 1&1 portiert Rufnummern nur von der Telekom zu sich herüber, unsere Sipgate-Nummer(n) werden also nicht übernommen. Das schmerzt, denn ich möchte wirklich nicht alle Freunde mit noch einer Absendernummer nerven. Leider habe ich nicht gefragt, ob man bei 1&1 eine beliebige Absendernummer eintragen kann, so wie das bei Sipgate möglich ist. Fazit also: Die fehlende Rufnummernportierung von allen Anbietern außer den Telekom ist momentan der Showstopper für mich und in Anbetracht der langen Wartezeiten von momentan acht Wochen habe ich genug Zeit, mir die Marktentwicklung noch mal genauer anzusehen.

Nachtrag 2 07.09.2009: Gerade habe ich mal nachgelesen, Alice führt aktuell Gespräche mit der Telekom und will in den nächsten Wochen auch mit einem VDSL um die Ecke kommen.


Möchtegern-Ökos und die bösen Stromkonzerne

15 08 2009

Wie lange schon fordern viele engagierte Bürger die Energiewende? 20 Jahre? Da wird von den bösen bösen Stromkonzernen gefordert und gefordert, dass die mehr Erneuerbare Energien nutzen und investieren, die Schweine. Zwei Dinge stören mich daran:

Erstens sind überraschend viele dieser Forderer selber immer noch Kunde bei e.on, RWE, Vattenfall und Co., was sie überhaupt nicht als Widerspruch wahrnehmen. Dabei gibt es seit Jahren alternative Anbieter, die teilweise nicht mal teurer sind. Ich bezahle bei Naturstrom wirklich brauchbare 19,80ct/kWh für echten Ökostrom, also nicht mit Zertifikaten zurechtgelabelt und mit Investitionen in eigene Anlagen bzw. Unterstützung lokaler Projekte. Das ist mein fucking Beitrag zur Energiewende. Und natürlich ist mir klar, dass nicht von heute auf morgen alle mit grünem Strom versorgt werden können. Das ist aber keine Ausrede für den Einzelnen, weiterhin Atom- und Kohlestrom zu beziehen, sei es aus Wechselfaulheit oder weil man einen Cent pro Kilowattstunde sparen will. Wer also lauthals die Energiewende fordert und gleichzeitig bei den Konzernen seinen Strom bezieht, ist nicht nur ein bisschen unglaubwürdig.

Viel bescheuerter finde ich aber, wenn die Konzerne zumindest etwas (vorgeschobenes) Engagement für Erneuerbare Energien zeigen und dann Leute Sachen sagen wie Das machen die doofen Konzerne ja jetzt nur wegen dem öffentlichen Druck. Ja natürlich, deswegen machen die das. Das ist doch genau das, was die Forderer seit 20 Jahren wollen: Ein Umdenken bei den Konzernen anstoßen. Jetzt gibt es erste kleine Pflänzchen in Sachen Umdenken und dann wird undankbar weiter gemault. Natürlich reicht das bisschen Marketing-Engagements-Gefasel der Konzerne nicht aus, aber man muss schon zeigen, dass sich grün geben Erfolg beschert. Nur so lohnt es sich für die Konzerne grüner zu werden. Sie müssen merken, dass grüner Strom Erfolg bedeutet und Atomstrom tendenziell abgelehnt wird. Wer glaubt, dass eine Energiewende alleine an der Wahlurne oder mit ein paar Transparenten auf der Straße (oder auch nur leerem Gefasel) herbeizuführen ist, ist schlicht naiv. Ohne die Abstimmung mit dem Geldbeutel wird sich nichts tun, womit ich wieder bei Punkt eins angelangt bin: Wer keinen (echten oder wenigstens Zertifikats-) Ökostom bezieht, steht der Energiewende aktiv im Weg und kann sich sein Ökogelaber sparen.

Jeder Einzelne von Euch möchtegern Ökos ist in der Pflicht. Immer voll öko quatschen und die Kinder natürlich auf der Montessori-Schule haben ist das eine, selbst ökologisch handeln eine andere. Strom sparen, Benzin und Kerosin(!) sparen, kein SUV fahren, sein Handeln ökologisch hinterfragen, das sind die Stellschrauben ökologisch verantwortungsbewusster Lebensführung. Grüne wählen alleine reicht eben nicht, wobei das natürlich immer noch besser ist als die CDU zu wählen.

P.S. Ach überhaupt diese Montessori-Eltern! Nicht dass wir uns falsch verstehen: Ich war selber auf einer Montessori-Schule und ich wäre auch bei den Montessori-Eltern dabei, hätte ich Kinder. Jeder einzelne ist sicher auch nett, aber gehäuft auftretend sind sie nicht zu ertragen. Hier rudelweise im Hüftgold oder im Oma Erika hocken und sich so geil finden mag ich einfach nicht. Die schlimme Wahrheit ist aber: Ich wäre genau so.


Windows Mobile ist durchunddurch durch, Symbian auch

12 08 2009

Ich hatte früher einen Palm. Den hatte ich meiner damaligen Freundin für 400DM aufgeschwatzt, als sie mit der Schule fertig war und irgendwie Termine hatte. Sie hat ihn nicht benutzt, also bekam ich das Dingen als Dauerleihgabe (oder habe ich es ihr abgekauft?). Es war ein Palm m100 mit 160x160 Pixel großem Monochrombildschirm, der mit zwei AAA-Batterien etliche Wochen/Monate (je nach Nutzung) lief. Für den Palm gab es, im Rahmen der arg beschränkten Möglichkeiten, eine Menge Apps. 99,5% dieser Apps waren entweder scheiße oder nutzlos oder wissenschaftlichen Spezialzwecken vorbehalten. Die Vorlesung zum Bürgerlichen Recht meines ersten Uni-Semesters im Jahr 2001 habe ich zu großem Anteil mit einem echt brauchbaren Mahjongg auf diesem Palm verbracht. Meine Termine habe ich die folgenden Jahre mit diesem Palm organisiert und sie mit dem dürftigen Palm Desktop über die serielle Schnittstelle synchronisiert. Das funktionierte hervorragend. Die Kontakte allerdings habe ich immer schon im Handy organisiert, denn da brauche ich sie nunmal. Was sollte ich auf dem Palm damit? Und an Synchronisation unter verschiedenen Geräten war damals nicht zu denken.

Parallel gab es irgendwann Windows Mobile, was auch irgendwie Windows CE und PocketPC hier. Wie auch immer es hieß, es war grauenerregend. Sowohl die ersten damit ausgestatteten Geräte waren schlimm (miese Akkulaufzeit, schwer, hässlich), als auch das System selber. Es synchronisierte nur mit Outlook, sah unfassbar scheiße aus, war langsam, lästig zu bedienen und zu allem Überfluss auch noch von Microsoft. Aber alle Geräte hatten eine halbwegs brauchbares Display von mindestens 320x240 Pixeln in Farbe und es war offensichtlich nicht allzu zickig gegenüber selbstgeschriebenen Programmen. Jedenfalls gab es schnell einen großen Haufen Programme für das System, die leider fast alle so hässlich und blöd zu bedienen waren, wie das System selber. Zudem kosteten viele von denen Geld und waren schwer aufzutreiben.

Als 2005 eine undichte Flasche Bionade meinem altgedienten Palm m100 den Gar aus machte, habe ich eine Weile gesucht und einen gebrauchten Palm von Sony gekauft. Der hatte auch einen recht hoch aufgelösten Farbbildschirn, sah wirklich gut aus und hatte ein Navigationsprogramm installiert und eine externe serielle GPS-Maus. Mein erstes Navi, freilich ohne Autohalter, aber immerhin. Die GPS-Maus ging relativ bald kaputt und ich wollte auch kein Palm mehr. Neue Programme wurden nicht entwickelt und alles war so altbacken. Also habe ich ein Windows Mobile Gerät mit integriertem GPS-Empfänger gekauft. Das tat seinen Dienst als Kontakt- und Terminverwalter, sowie als Navi sehr gut. Bis es einmal zwischen mich (ungeschickt) und einen Straßenpoller (aus Stahl) geriet und dabei sein Display einbüßte.

Das war im Frühling 2008 und brachte mich dazu, ein TomTom Standalone-Navi fürs Auto zu kaufen und die Entscheidung über den Neukauf eines Smartphones auf irgendwann zu verschieben, wenn es mal bessere Geräte gäbe. Das iPhone kam aus schon häufiger in diesem Blog erwähnten Gründen nicht in Frage, aber weder mit Palm OS noch mit Windows Mobile war ich je wirklich warm geworden. Symbian kam für mich nie in die Tüte, hier stimmte einfach ganz und gar nichts: Ich mochte Nokia-Telefone noch nie, aber die Bedienung der Symbian Smartphones ohne Touchscreen ist einfach eine Zumutung. Mein Bruder besitzt so ein Gerät und ich kann wirklich nur den Kopf schütteln darüber.

Dann kam O2 auf mich zu und schenkte mir einen XDA Orbit 2 zusammen mit einem satten Flatrate-Vertrag für sechs Monate. Ich muss zugeben, dass ich ernsthaft überrascht war, denn das Gerät gefiel mir auf Anhieb. HTC hatte sich wirklich Mühe gegeben, die Hässlichkeit und miese Bedienbarkeit von Windows Mobile zu übertünchen und wenn das Gerät nicht auf eine fürs Surfen ungeeignete Auflösung von 320x240 beschränkt gewesen wäre, wäre ich fast rundum zufrieden gewesen.

Im Frühling 2009 stand eine Vertragsverlängerung bei O2 an und das damalige Tarifportfolio war für Verlängerungen ohne subventioniertes Gerät leider gänzlich unbrauchbar. Also kündigte ich zähneknirschend und suchte lange nach einem besseren Tarif ohne Handy, denn der XDA war noch kein Jahr alt und ich grundsätzlich zufrieden damit. Kurz vor der Kündigungsdurchführung habe ich dann noch mal mit der Hotline telefoniert, die mir ein attraktives Angebot für einen HTC Touch HD machten. Den habe ich jetzt und bin sehr zufrieden damit.

Lange Vorrede, ich wollte auch etwas ganz anderes hinaus: Nokia hat sich unlängst zu Symbian OS als primärem Betriebssystem für seine Smartphones bekannt, nachdem Gerüchte über einen Wechsel zum Linux-basierten Maemo (auf dem Nokias Internet Tablets basieren) aufkamen. Man liest, Analysten sähen das als Fehler. Ich tue das auch: Meiner Meinung nach betoniert sich Nokia im Smartphone-Markt damit gerade seine Füße vor dem beherzten Sprung ins Hafenbecken. Warum? Blöde Frage. Wer sich Symbian OS mal angeguckt und mit Palm WebOS, iPhone OS und Android verglichen hat, stellt diese Frage nicht. Symbian OS war schon von Anfang an ein unbedienbares Monster und – noch schlimmer – ein Entwicklern gegenüber unglaublich zickiges System. Wo Apple, Palm und Google Entwicklern den Arsch (in Form von reichhaltigen SDKs und einfach zu nutzenden APIs) hinterhertragen, nervt Symbian seit jeher mit dem genauen Gegenteil. Fast scheint es, als wolle Nokia keine Fremdprogramme auf seinen Geräten sehen. Das ist genau der kapitale Fehler, weswegen Symbian OS untergehen wird.

Ähnliches gilt für Windows Mobile. Ich weiß nicht, wie schwer es ist, coole Programme für Windows Mobile zu schreiben, aber die reale Anzahl guter Programme ist derart gering, dass man sich wundert. Windows Mobile Geräte sind seit zehn Jahren auf dem Markt, aber die Softwareauswahl ist einfach nur gruselig. Es gibt eine Hand voll brauchbarer Apps, aber insgesamt hat man es mit gequirlter Scheiße zu tun. Wenn ich mobile Apps schreiben würde, wären Windows Mobile und Symbian wirklich die letzten in meiner Auswahl der zu unterstützenden Plattformen. Da ändert auch der AppStore für Windows Mobile nichts dran. Die beiden Systeme sind (in der jetzigen Form) tot für den Massenmarkt, weil neuere und um längen angenehmere Systeme sie im Vorbeigehen verdrängen. Frage: Warum geht das so einfach? Antwort: Weil sie schon immer faule Kompromisse waren und jeder bisherige Nutzer froh über die neuen Möglichkeiten ist.

Es gab einfach nichts besseres. Die Geschichte mobiler Geräte ist eine Geschichte voller halbgarer Scheißlösungen. Momentan ändert sich das massiv und weder um Windows Mobile noch um Nokia tut es mir leid, wenn sie mit ihren miesen Systemen untergehen. Helfen würde beiden nur ein Neuanfang.


TeLMI, Quix, Scall und Skyper - voll 90er ey!

30 07 2009

Irgendwann in den 90ern gab es für normalsterbliche noch kein Internet und allgegenwärtige Erreichbarkeit per Handy war ein undenkbarer Luxus, zumindest für 13 jährige Schüler wie mich. Aber das mit der Erreichbarkeit leuchtete mir total ein, das wollte ich auch am Start haben. Dieses Gefühl gab es wohl auch bei anderen Leuten, denn um 1995 rum kamen gleich vier konkurrierende Pager-Systeme auf den Markt, die ein revolutionäres und für Jugendliche erstmals finanzierbares Geschäftsmodell nutzten: Der Pager-Träger bezahlt außer dem Gerät nichts, nur wer ihn anpagen will, bezahlt. Und da sind wir schon beim zentralen Problem, denn eine einzige Textnachricht kostete den Sender mehrere D-Mark. Völlig kranke Scheiße, die wirklich fast niemand gemacht hat.

Ich hatte mir damals einen grünen TeLMI gekauft, denn obwohl Quix im Grunde cooler war und mit dem Mehrwert verschiedener kostenloser Nachrichtenticker mitbrachte (u.a. die BRAVO-News), war TeLMI das technisch überlegene System. Wenn ich mich recht erinnere, konnte es weit mehr Zeichen pro Nachricht übertragen und hatte eine garantierte Laufzeit von unter einer Minute, während in den anderen Netzen durchaus auch mal zwei bis drei Minuten üblich waren. Für die Umsetzung der Textnachrichten gab es eine Hotline mit menschlichen Operatoren, die sich die Nachricht anhörten und abtippten. Kann man sich heute kaum noch vorstellen, aber so war das System angelegt. Leider schienen die Operatoren bei den paar Nachrichten, die ich insgesamt bekommen habe, nicht allzu sorgfältig zugehört zu haben. Aus der kultigen Nachricht Karl Ranseier ist tot… wurde so etwas unleserliches wie Kairan seier ist tot… oder so ähnlich, nur noch unverständlicher. Ich habe also mindestens sechs Monate lang stets meinen TeLMI dabei gehabt, um insgesamt weniger als 10 Nachrichten zu empfangen, alle davon Test- und Witznachrichten. Ich weiß nicht, was sich die Betreiber damals erhofft hatten bei diesen irrwitzigen Mondpreisen. Gerade Jugendliche können sich eine regelmäßige Nutzung dieses Dienstes schlicht nicht leisten, zudem war der Nutzen ohne Rückkanal sowieso sehr beschränkt. Mehr als Hab Dich lieb und Ruf mich mal schnell bei xy an, hab meinen Schlüssel vergessen. ließ sich einfach nicht sinnvoll übertragen. Von Unterwegs konnte man sich ja auch nicht melden, denn selber hatte man ja auch kein Mobiltelefon. Ein Ich komme später, hab die Bahn verpasst war also auch nicht drin, ganz davon abgesehen, dass diese Nachricht einem in der Praxis dann doch nicht mehrere D-Mark wert gewesen sein dürfte.

Alles in allem eine unerträgliche Totgeburt das ganze und nur wenige Jahre später kamen die Prepaid-Handys mit SMS. Damit konnte man für vergleichsweise günstige, im Grunde aber immer noch lächerlich teure 39 Pfennig pro SMS in zwei Richtungen und wirklich mobil arbeiten. Und sogar telefonieren, wenn man sich das leisten konnte. Großartig. Und Internet zu Hause hatte man auch.

Scall und Skyper waren übrigens irgendwie doof, ich weiß gar nicht mehr, wieso eigentlich. Scall hatte sogar die großartige Idee, einen Pager in der "Swatch the Beep" mit einer Uhr zu kreuzen. Voll future-mäßig, aber fast noch bescheuerter also ein grüner Pager mit Holster am Gürtel. Ich schäme mich auch angemessen, ehrlich. Wobei mir dieses Gürtel-Holster, das ich stets etwas verschämt hinten am Arsch trug, mal eine Faust beschert hat. Als Ronnie mit der Dicken Backe mir den TeLMI abziehen wollte und mich deswegen abgecheckt hat, hat er das da hinten nicht gefunden und mir dann stattdessen vorgeworfen, dass ich seine Schwester angebaggert hätte. Wenn man aufs Maul bekommt ist der aus der Luft gegriffene Grund ja total egal, aber das mit der Schwester ist doch so klischeehaft und dumm. Als ob man sich nicht irgendetwas weniger armseliges ausdenken oder die Faust einfach mal grundlos sprechen lassen könnte.

P.S. In meiner CB-Funk Zeit hatte ich übrigens auch mal einen CB-Funk Pager zusammen mit einem Funkgerät in Autotelefon-Optik von Conrad (die hab ich sogar noch irgendwo). Bei dem Ding konnte man auf der Tastatur eine vierstellige Zahl eingeben und der dazugehörige Pager piepste und schaltete für eine Weile auf Empfang, sofern er denn in Reichweite war. So wir Polizeifunk inkl. des komischen Piepsens, nur eben im 27MHz Band, was dem Pager eine recht lange Wurfantenne bescherte, die einem am bein runter hing. Auch hier war ich der einzige weit und breit mit sowas und konnte mich nur selber anpiepsen. Wow. Oder eben andere mit polizeimäßigem Rumgepiepse nerven, wenig Nutzwert insgesamt, aber immerhin technisch spannend.


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