Adblock Plus, die Whitelist und sich aufdrängende ethische Fragen

18 12 2011

Der Firefox-Werbeblocker Adblock Plus hat neuerdings eine Whitelist, die bestimmte unaufdringliche Werbung passieren lässt. Andere Werbeblocker tun es Adblock Plus bereits gleich. Das provoziert einigen Unmut in meiner Twitter-Timeline, viele Adblock Plus Nutzer fühlen sich betrogen und lamentieren herum. Es war sogar maßlos überzogen von Spyware die Rede. Dabei bewegen sie sich meine Auffassung nach ethisch gesehen auf ziemlich dünnem Eis.

Vor einer ganzen Weile habe ich schon mal etwas zum grundsätzlichen Problem mit Werbeblockern geschrieben: Werbeblocker sind kein guter Stil, aber nötig. Um mich nicht zu sehr zu wiederholen verweise ich vorab auf eine Lektüre dieses Artikels.

Nun aber erst mal zur Whitelist von Adblock Plus. Die funktioniert so, dass der Anbieter von Adblock Plus einen bestimmten und ziemlich strengen Kriterienkatalog für unaufdringliche Werbung definiert hat. Wenn sich Werbetreibende daran halten, können sie per Vertrag einen Platz auf der Whitelist bekommen, was dafür sorgt, dass ihre Werbung nicht mehr herausgefiltert wird. Diese Whitelist ist in der neuen Version standardmäßig aktiv, kann aber abgeschaltet werden. Das Ziel ist klar formuliert: Es soll attraktiv für Werbetreibende werden, ihre Werbung unaufdringlich zu gestalten. Der am weitaus häufigsten genannte Grund für die Verwendung von Werbeblockern ist ja gerade der Selbstschutz vor übergriffiger Werbung, so eine Whitelist ist also eine wirklich hervorragende Idee für einen Interessenausgleich zwischen seriösen werbefinanzierten Websites und von unseriös werbefinanzierten Websites genervten Usern.

Je länger ich darüber nachdenke, desto großartiger finde ich diesen Ansatz. Wie bereits im oben genannten Artikel gesagt, halte ich den Einsatz von Voll-Werbeblockern nur mit dem Argument des Selbstschutze vor übergriffiger Werbung für ethisch zu rechtfertigen. Wer nun die Whitelist ausschaltet, steht in meinen Augen aber ohne moralische Rechtfertigung da. Vielleicht ist das ja auch ein Grund für das Geschrei? Plötzlich muss man als moralisch sauber handelnder Mensch doch wieder die ein oder andere Werbung ertragen, wo man es sich doch hinter dem Pauschalargument der übergriffigen Werbung so gemütlich werbefrei eingerichtet hatte. Das ist eine infame Unterstellung, aber eine andere Erklärung habe ich nicht: Die Whitelist lässt sich problemlos abschalten und wenn sie nicht standardmäßig an wäre, wäre sie reichlich nutzlos, denn dann würde kaum jemand Notiz davon nehmen. Ich halte den faireren Deal für die sinnvollere Default-Einstellung.

Anders herum kommt durch so eine Whitelist-Lösung der Einsatz eines Werbeblockers plötzlich für Leute wie mich erstmals in Frage, die bisher aus Achtung vor den Lieferanten kostenloser Informationen darauf verzichtet hatten. Wenn nun noch mehr Leute als zuvor Werbeblocker (mit Whitelist) einsetzen, wird der Druck auf die Schalter aufdringlicher Werbungen umso größer, der gewünschte Effekt wächst also mit jedem Nutzer. Plötzlich tut man der Gemeinschaft sogar einen Dienst, wenn man einen Werbeblocker mit Whitelist einsetzt. Und nicht zuletzt nimmt man den schwarzen Schafen unter den Werbetreibenden ein Argument aus der Hand, mit dem sie einem bisher die Ohren vollgeheult haben. Wer jetzt noch heult, den kann man auf die Möglichkeit verweisen, seiner Werbung die Aufdringlichkeit zu nehmen und sich einen Platz auf den einschlägigen Whitelists zu sichern. Wer nervige Werbung schaltet, ist halt nicht in der Position, anderen ein schlechtes Gewissen einzureden.

Ernsthaft: Mit dem Adblock-Whitelist-Ansatz halten wir nicht weniger als den Schlüssel zum Frieden im Werbekonflikt im Internet in der Hand! Am Ende können alle zufrieden sein, weil das Web zu einem besseren Ort wird, je weniger überaufdringliche Werbung es gibt. Die Einschnitte auf Nutzerseite sind dabei deutlich kleiner als auf der anderen Seite, das ist schon für sich genommen ein Sieg.

Das einzige Geschmäckle ist, dass Werbetreibende zur Zeit mit jedem Werbeblocker-Betreiber Einzelverträge schließen muss und wahrscheinlich auch dafür bezahlen muss. Wir brauchen hier eine Non-Profit-Organisation, die solche Whitelists unabhängig und zentral pflegt und auch die Einhaltung der strengen Nicht-Nervigkeits-Kriterien überprüft.

P.S. Neulich hatte ich auf einer eigentlich seriösen Nachrichtenseite ein Layer-Ad, dessen Schließen-Knopf nicht funktioniert hat und der somit sehr zuverlässig den Konsum des eigentlichen Seiteninhalts verhindert hat. Wenn sowas öfter passiert, brauchen sich die Betreiber der Seite nicht wundern, wenn die Besucher ohne Werbeblocker ausbleiben und am Ende nur noch diese undankbaren Abschnorchel-Besucher mit Werbeblocker übrigbleiben.


Das Hochzeits-Dilemma

13 12 2011

Ich wäre längst verheiratet, wenn das mit der Feier nicht so ein Dilemma wäre: Man kann es einfach nicht allen recht machen. Aber fangen wir mal an, wieso man überhaupt heiraten will:

  1. Aus Liebe. Das ist romantisch, aber heutzutage irgendwie auch ziemlich überflüssig, denn an der Liebe wird sich durch so eine Trauung eher nichts verändern, jedenfalls nicht zum Positiven.
  2. Um der Beziehung einen legalen Rahmen zu geben. Sei es, weil man nicht unverheiratet Kinder in Welt setzen will, weil man als Mann dann im Zweifel ziemlich gebumstrechtelos ist. Sei es, weil man endlich von meiner Frau bzw. meinem Mann sprechen möchte, ohne Irritationen hervorzurufen. Es gibt etliche solcher kleinen Gründe und zusammengenommen sind sie für mich der Hauptgrund für eine Heirat.
  3. Wegen der Party. Ernsthaft: Auf eine schöne Hochzeit freuen sich viele ihr ganzes Leben lang, ich zumindest. Punkt.
  4. Aus Steuergründen. Da ich das Thema Steuern so weit von mir weg wie nur möglich schiebe, denke ich daran immer erst zuletzt. Außerdem gibt es echt nichts unromantischeres als wegen Steuern zu heiraten. Das schenkt denen nur Aufmerksamkeit, die sie nicht verdienen, die Steuern. Ein realistischer Blick aufs Konto oder ein Gespräch mit dem Steuerberater macht diesen Grund allerdings zum praktisch wichtigsten von allen. Eigentlich Grund genug, schon aus Trotz gar nicht zu heiraten.

Wenn ich all diese Gründe aufsummiere, will ich eigentlich lieber heute als irgendwannmal™ heiraten. Der einzige Grund, der mich bisher davon abgehalten hat, ist die Schwierigkeit, das angemessene Ausmaß der Feier zu finden. Im Grunde kann man da nur verlieren, wenn man nicht der erste ist, der aus dem näheren Umfeld heiratet. Man hat etwa fünf grundsätzliche Optionen:

  1. Man lädt alle ein, die man irgendwie kennt. Da kommt schnell eine nicht ganz kleine dreistellige Zahl an Leuten zusammen, was so eine Hochzeit in organisatorische und vor allem finanzielle Dimensionen katapultiert, dass es einem den Magen umdreht. Vorteil ist ganz klar, dass niemand beleidigt ist, nicht eingeladen worden zu sein. Die Türken machen das angeblich so, aber bei denen ist jeder Gast traditionell ein Plusgeschäft, weil ein Hochzeitsgeschenk als Starthilfe fürs Leben gesehen wird und entsprechend ein ordentlicher Geldbetrag zusammen kommt.
  2. Man streicht so lange Leute heraus, mit denen man eigentlich gar nicht so viel zu tun hat, bis man bei ca. 70 Leuten ist. Damit wird man schon einer unangenehm großen Zahl an Leuten vor den Kopf stoßen, es ist trotzdem noch ziemlich teuer, aber wenigstens organisatorisch realistisch zu stemmen. Als Kompromiss die von den meisten Leuten in meinem Umfeld gewählte Variante.
  3. Man baut eine rigide Positivliste: (Nähere) Familie rein, nur enge Freunde rein, alle anderen raus. Da wird man auf unter 40 Leute kommen und kann vor allem zeigen nicht eingeladene Leute hier mehr Verständnis, weil die Abgrenzung klarer ist. Trotzdem sind es gerade die nur knapp herausgefallenen, die einem das dann besonders übel nehmen, vor allem, wenn man zuvor schon auf deren Hochzeit getanzt hat. Das Problem verschlimmert sich also mit jeder Hochzeit, auf die man eingeladen war, also bei Bildungsbürgern ab Ende 20 rapide. Ein echt guter Grund, lieber früher als später zu heiraten.
  4. Man macht gar keine Party, sondern lädt nur die nähere Familie und allerbeste Freunde ins Standesamt und danach in irgendein nahe gelegenes Restaurant ein. Das wird zwar lange Gesichter beim allen auslösen, auf deren Hochzeit man schon eingeladen war (Aha, Kleinsparer!), aber es ist eine günstige und saubere Lösung. Nachteil: Keine Party. Wenn man sich sein Leben auf die eigene Frau im Brautkleid gefreut hat, ist das ein bitterer Abstrich. Das Vorhaben, die Party irgendwann nachzuholen, zieht man als Atheist mangels Gelegenheit frühestens mit Anfang 50 durch, wenn einem das wieder einfällt, weil die Kinder aus dem Haus sind.
  5. Man heiratet heimlich. Das Äquivalent zur anonymen Bestattung als Asche unterm Baum oder auf hoher See. Irgendwie unbefriedigend und auch etwas feige aus der Affäre gezogen. Trotzdem denke ich ernsthaft darüber nach, denn wenn es eh schon keine Party gibt, kann man auch gleich heimlich heiraten. Billig, schnell und man stößt allen vor den Kopf, so dass sich exakt niemand zurückgesetzt fühlen kann. Andererseits will man das freudige Erlebnis ja schon mit irgendwem teilen können.
  6. Man kann auch Sonderformen wählen: Viele Gäste und alle bringen was zu Essen oder zu Trinken mit und der Raum ist günstig. Das ist ein Modell, das wenigstens das finanzielle Problem löst, allerdings den bisher noch gar nicht angesprochenen Stressfaktor noch etwas erhöht und zudem schnell mal einen muffigen Kalter-Hund-Charme versprüht.

Was also tun? Die Erwartungshaltungen sind kaum unter einen Hut zu bringen, ich kann also jeden verstehen, der davor kapituliert und einfach gar nicht heiratet. Ein attraktiver Ausweg. Andererseits bleibt das dauerhaft schale Gefühl, der halben Sachen. Nichts für mich, und schon mal gar nicht, wenn Kinder ins Spiel kommen. Darüber könnte ich noch mal so einen Text schreiben, irgendwannmal.

Ich tendiere ja zur nur-Familie-ins-Standesamt-mitnehmen-Lösung, das sind ja auch schon über 20 Leute, wenn es nur um Großeltern, Eltern, Geschwister und deren Kinder geht. Was schickes anziehen, Hochzeit durchziehen, lecker Essen gehen, Feierthema offen lassen, möglichst wenig Stress. Reicht eigentlich. Mehr Feier kann ich mir realistisch betrachtet auch auf mittlere Sicht sowieso nicht leisten, weil ich nicht das Glück habe, dass die Brauteltern die Hochzeit ausrichten. Und wenn man doch mal zu Geld kommt, kann man eine ordentliche Feier immer noch nachholen. Trotzdem schade, die Freunde von der eigenen Hochzeit auszuschließen. Und auch irgendwie schade um meine Jahre gereiften Ideen für eine Feier nach meinem Geschmack, also schade um die Cheeseburgerpyramide als Buffethöhepunkt. Und schade um den Kitsch, denn ein wenig gezielt dem Kitsch aussetzen ist erfrischend wie ein Eimer Eiswasser nach dem Saunabesuch. Ach alles scheiße…


Überraschung: Ein Aufruf pro Hausaufgaben

06 11 2011

Ich habe Hausaufgaben gehasst, von der ersten Klasse an, egal wir schnell erledigt, egal wie spaßig an sich gedacht. Dass man jeden Tag in die Schule muss und wenn man schon mal da ist halt auch das beste draus macht, konnte ich einsehen. Was heißt einsehen? Akzeptieren trifft es besser. Aber um 13:30 Uhr war dieser Teil des Tages für mich abgehakt und ich konnte mich Dingen widmen, die mich tatsächlich und ureigen interessiert haben. Hausaufgaben habe ich folglich immer als dreisten Übergriff des Schulaspekts im Leben wahrgenommen, den es unter allen Umständen zu vermeiden gilt. Das könnte damit zusammenhängen, dass ich während der Präsenzzeit in der Schule immer gut zugehört und mitgedacht habe und der Auffassung war, dass Hausaufgaben eine Strafe für die Typen wäre, die – warum auch immer – ihr Hirn in der Schule nicht einschalten können oder wollen und das folglich zu Hause nachholen müssen.

Hausaufgaben gingen mir also total am Arsch vorbei. Mit zwei Ausnahmen: Im Physik LK habe ich fast immer meine Hausaufgaben selbst gemacht, weil mir der Nutzwert der wirklich dringend nötigen Übung sonnenklar war (ansonsten hätte es zu einer 1 nicht gereicht, Ehrgeiz und so). Und weil der Lehrer mit Schülern schlimme Dinge angestellt hat, die keine Hausaufgaben gemacht oder wenigstens abgeschrieben hatten. Man musste etwa an die Tafel und die Aufgabe dort vor dem ganzen Kurs in Echtzeit nachholen. Wollte man definitiv nicht, glaubt es mir einfach.

Die andere Ausnahme war der Lateinunterricht in der 11. Klasse: Ich habe die Übersetzungs-Hausaufgaben immer mit einem Kumpel per Brute-Force-Attacke gelöst. Wir haben uns Montag nach der Schule getroffen, alle Vokabeln des Textes in drei Wörterbüchern nachgeschlagen, in eine Liste geschrieben und dann die Sätze nach wahrscheinlichster Sinnhaftigkeit zusammengesetzt. Das hat deswegen Spaß gemacht, weil wir zu zweit waren und immer möglichst absurde, aber eben noch irgendwie belegbare Übersetzungen ersonnen haben. Highlight: Wir haben mal die Milch männlicher Fische in einem Text verwendet, weil das tatsächlich in einem der drei Wörterbücher stand. Nebeneffekt 1 war, dass ich mein Latinum bei einem gestrengen Lehrer immerhin mit einer sauberen 3 abschließen konnte, was einer 1- in anderen Fächern gleich kam. Nebeneffekt 2 war aber auch nicht zu verachten: In der Oberstufe hatten wir einen ungeschriebenen Kodex, dass wir uns alle gegenseitig bestmöglich unterstützen. Und unsere freiwilligen Meldungen bei der Verlesung der Hausaufgaben hat für alle anderen im Kurs das Anfertigen der Hausaufgaben optional gemacht, denn es wurde niemand dran genommen, solange es Freiwillige gab. Gut fürs Kurs- und Stufenklima.

Darauf wollte ich aber gar nicht hinaus. Hausaufgaben habe ich also fast durchweg abgelehnt und tue es auch weitgehend heute noch. Einziger Zweck ist fast immer, Leuten eine zweite Chance einzuräumen, die im Unterricht nicht mitgedacht haben, also für die mit der richtigen Einstellung eine pure Schikane. Insgesamt also für im Unterricht fleißige Schüler wie mich rundweg abzulehnen. Anlässlich mehrerer Träume in Folge, die in der Schule spielten, habe ich aber noch mal darüber nachgedacht. Spannende Frage: Was wäre, wenn ich in der Schule keine Hausaufgaben gehabt hätte? Was wäre die Auswirkung gewesen?

Ohne Hausaufgaben hätte ich die lebenswichtige Fähigkeit nicht erlernt, lästige Aufgaben nur genau so weit zu erledigen, dass man nicht negativ auffällt. Diese Fähigkeit kann man gar nicht wichtig genug nehmen: Die Grundlast gut verteilen und möglichst unauffällig und wiederum arbeitsarm abzuschreiben, ein Gespür dafür entwickeln, wann ein vollständiges Ignorieren möglich ist. Dann aber wiederum bemerken wenn es drauf ankommt und im richtigen Moment das richtige Maß an Arbeit investieren. So in etwa lautet das Rezept für Hausaufgaben und das lässt sich im späteren Leben erstaunlich häufig anwenden, auch wenn es gar keine Hausaufgaben mehr gibt.

Ohne ständige Hausaufgaben, denen es aus dem Weg zu gehen gilt, hat man es später doppelt schwer. Also sind Hausaufgaben gar nicht durchweg scheiße, sondern im Gegenteil ein wichtiger Teil der Vorbereitung auf ein gutes Leben. So hatte ich das noch nie gesehen. Und dann gibt es in machen Fächern tatsächlich noch einen messbaren Übungseffekt. So schwer es mir also fällt, muss ich meine bisherige Einstellung widerrufen, ja gar fordern, dass Hausaufgaben aufgegeben werden. Sowas…


Für große Zahlungen ungeeignet: ClickandBuy

03 11 2011

Hinweis: Man beachte vor allem auch die Updates.

Ich bin sehr genervt. Gestern habe ich bei redcoon.de einen Monitor für 264€ bestellt, dort gibt es alternativ zu den üblichen Bezahlmethoden noch PayPal und ClickandBuy. Da PayPal politisch etwas, sagen wir mal, umstritten ist, war ich froh über eine weitere Sofortbezahlmethode und wählte ClickandBuy aus.

Kleiner Exkurs: Warum es sofortueberweisung.de noch gibt, ist mir ernsthaft ein Rätsel. Die Banken drücken sich bezüglich der Weitergabe von PIN und TANs absolut klar aus und der viel zu kleine Skandal im letzten Mai hatte offenbar keinerlei Folgen. Für mich absolut unverständlich, wenn man sich folgendes vor Augen führt (der Einfachheit halber zitiere ich mal den Artikel auf heise.de vom 30.05.2011):

Neben dem Kontostand würden auch die Umsätze der vergangenen 30 Tage, der Dispokredit, die Stände anderer Konten bei der gleichen Bank oder ausgeführte und vorgemerkte Auslandsüberweisungen abgefragt.

Wer sowas macht, gehört für mich sofort aus dem Geschäftsverkehr gezogen, das ist ein eklatanter Missbrauch des u.a. wegen des TÜV-Siegels entgegengebrachten Vertrauens. Andererseits sind die Kunden auch selbst schuld: Wer Dritten entgegen klarer Anweisungen von ungefähr jedem seine Zugangsdaten zum Online-Banking gibt, hat es echt nicht besser verdient.

Zurück zu ClickandBuy. Nach dem Kauf werde ich also, wie von PayPal gewohnt, auf eine Bezahlseite weitergeleitet. Nach einem Login, das ein Captcha von mir ausgefüllt haben will (nerv…) gelange ich auf die Auswahl der internen Zahlvarianten. Ich habe die Wahl zwischen sofortueberweisung.de, GiroPay und Kreditkarte, alle drei sehr prominent platziert. Spannende Frage: Wozu brauche ich ClickandBuy, die hätte ich auch direkt beim Händler haben können. Verschämt ganz am Ende kann ich noch Lastschrift von einem meiner bereits verifizierten Konten wählen. Ah, die eigentliche Funktion gibt es doch noch, schön zu sehen! Einen Schritt weiter kann ich zwischen meinen beiden Konten wählen, um die Einzahlung des geforderten Betrags vorzunehmen.

Einzahlung? Leider stellt sich heraus, dass es 3-5 Tage dauert, bis die Lastschrift abgebucht und die Zahlung dem Händler gegenüber freigegeben wird. Im Ernst? Ich meine wirklich: Im Ernst? Es wird ein Zahlungsdienstleister zwischengeschaltet, dessen einzige Auswirkung ist, den Versand der Ware um 3-5 Tage zu verzögern? redcoon.de bietet sofortueberweisung.de und Kreditkarte selber an, GiroPay bringt mich nicht nach vorne und Vorkasse wäre in jedem Fall schneller als die 3-5 Tage Bearbeitung bei ClickandBuy. Ich wage zu behaupten, dass ClickandBuy damit für Beträge jenseits des Micropayments reichlich überflüssig ist. Ich hätte mein Konto dort sofort gekündigt, wenn ich nicht gelegentlich kleinere Beträge ohne Wartezeit damit bezahlen würde, zuletzt den neuen Duden-Korrektor für 20€.

Geht aber noch weiter: Heute bekomme ich eine Mail von redcoon.de, die mich auffordert, das Geld innerhalb von 7 Tagen zu überweisen, weil sonst die Bestellung storniert würde. Auf meine verwunderte Nachfrage hin erfahre ich folgendes:

Da die Zahlung nicht erfolgreich abgeschlossen wurde, haben wir diese automatisch auf Vorkasse umgestellt.

Na super, das Geld in von ClickandBuy bereits abgebucht worden und bei denen in Bearbeitung, bei redcoon.de wird es aber wohl eher nicht ankommen, denn auf deren Seite ist die Zahlung nicht erfolgreich abgeschlossen worden. ich könnte nun also auf Vertrauensbasis noch mal 264€ anweisen und dann meiner Kohle bei ClickandBuy hinterherlaufen, aber irgendwie habe ich da nur mäßig Lust zu. Ich warte jetzt noch eine Mail vom Support ab und werde die Bestellung dann wohl sauber stornieren und anderswo bestellen. Das ist hoffentlich die Lösung mit dem geringsten Ärger.

Alles in allem werde ich ClickandBuy in Zukunft noch mehr meiden als PayPal, da funktioniert die Abwicklung wenigstens (auf Kundenseite) prinzipiell sauber. Insgesamt äußerst unbefriedigend.

Nachtrag: Ein 01805er-Anruf bei ClickandBuy brachte etwas Licht ins Dunkel: Ich habe nicht bezahlt, sondern eingezahlt. Warum der normale Bezahlprozess dazu geführt hat, ist wohl nicht mehr zu klären, offenbar ist da etwas schief gelaufen bei der Übergabe vom redcoon-Schopsystem zu ClickandBuy. Sehr vertrauenerweckend… Jedenfalls kann ich mir die Kohle bei ClickandBuy in ein paar Tagen wieder ausbezahlen lassen und alles wird gut.

Nachtrag 09.11.2011: Unfassbar, ClickandBuy hat echt mal den Arsch offen: Nach über einer Woche ist meine falsch gelaufene Lastschrift-Einzahlung endlich verbucht. Das alleine ist schon eine Unverschämtheit. Jetzt wollte ich mir die Kohle wieder auf mein Bankkonto auszahlen und erhalte folgende Info:

Ihr für Auszahlungen verfügbarer Kontostand ist niedriger als Ihr aktueller Kontostand, da Sie auf Ihrem ClickandBuy-Konto kürzlich eine Einzahlung per Lastschrift vorgenommen haben. Wenn Sie diese Methode für eine Einzahlung auf Ihrem Konto nutzen, ist der eingezahlte Geldbetrag erst nach einer gewissen Wartezeit zur Auszahlung verfügbar.

Nicht nur, dass die gewisse Wartezeit für alles andere als gewiss ist, muss ich jetzt noch mal länger auf mein eigenes Geld warten, das überhaupt erst wegen einer Fehlfunktion eingezahlt wurde, statt als Bezahlung an den Händler zu gehen.

Nachtrag 19.11.2011: Ich bin nun noch fassungsloser als zuvor. Fast drei Wochen nach der Einzahlung ist wirklich lang, aber noch immer war der Betrag ganz frech eingefroren. Eine ziemlich wütende Mail an den Kundenservice von ClickandBuy später wurde mir kurzfristig ein Termin genannt, ab dem ich mir mein Geld wieder auszahlen lassen kann. Also logge ich mit zum angegebenen Zeitpunkt ein und tatsächlich ist der Betrag zur Auszahlung freigegeben. Doch ich habe die Rechnung ohne die Frechheit von ClickandBuy gemacht, denn ich muss 1,85€, also 0,7% Transaktionsgebühren bezahlen. Wut kocht in mir hoch. Egal, Lehrgeld. Doch dann: Bitte rufen Sie unter folgender kostenpflichtigen Hotline an, um Ihre Transaktion zu bestätigen… Mir fällt echt nichts mehr ein.

Der Mitarbeiter am Telefon ist wieder sehr freundlich, zeigt ein wenig Verständnis für meine Wut, kann aber nichts an der Sache ändern. Immerhin sagt er mir, an wen ich meine Beschwerde richten kann. Es bleibt dabei: Transaktionsgebühren für eine überflüssige und von mir nicht gewollte Transaktion und für die Dreistheit, mein Geld 16 Tage plus wieder 3-5 Tage bis zur Auszahlung einfach einzubehalten. Er erklärt mir dann noch irgendwas von Geldwäscheregelungen und klärt mich darüber auf, dass die fehlgeschlagene Bezahlung daran liegt, das Redcoon für höhere Beträge keine Lastschrift erlaubt und man deswegen intern erst bei ClickandBuy einzahlen muss. Warum der Prozess dann allerdings Redcoon einfach als abgebrochen gemeldet wird, obwohl man sich genau an die Regeln gehalten hat, konnte er mir nicht sagen.

Am Ende stellt sich also raus, dass bei mir überhaupt nichts schief gelaufen ist, sondern ich tatsächlich in einem von Redcoon und ClickandBuy absichtlich so gestalteten Prozess in eine Sackgasse geleitet wurde. Jede Bestellung bei Redcoon (wahrscheinlich oberhalb eines bestimmten Betrags), die über ClickandBuy bezahlt wird, muss dort entweder aus bereits bestehendem Guthaben oder über sofortueberweisung.de, Giropay oder Kreditkarte bezahlt werden. Bis auf Giropay und zuvor eingezahltes ClickandBuy-Guthaben bietet Redcoon diese Zahlungsweisen allerdings sowieso selber an, was a) die Sinnfrage dringender als zuvor stellt und b) die Frage aufwirft, wieso Redcoon auf diesen Umstand nicht deutlich bei der Wahl der Zahlungsmittel hinweist? Denn Giropay kann man auch selber anbieten und höheres Guthaben bei ClickandBuy halte ich für eine irrelevante Randerscheinung. Wobei, wahrscheinlich ist das gar keine Randerscheinung, denn ich werde nicht der einzige sein, dem sowas passiert und in so einem Fall hat man ja mehrere hundert Euro Guthaben, die man sich ohne Internevtion beim Kundendienst nicht so einfach wieder auszahlen kann, wohl aber ausgeben. Un-fass-bar.

Erinnert mich daran: Nie wieder ClickandBuy für Beträge >20€.


Windows Home Server 2011 auf dem Lenovo D400

22 09 2011

Ich habe sehr gute Erfahrungen mit meinem Lenovo D400 Windows Home Server gemacht, der bei mir als NAS und Backup-System dient. Als NAS leistet er gute Dienste, weil er Daten mit über 50MB/s anliefern kann und sich vor allem mit dem Add-In LightsOut automatisch in den Stand-By begibt, wenn kein Rechner an ist und auch wieder aufwacht, wenn es was zu tun gibt. 30W rund um die Uhr mitlaufen lassen ist nicht so nach meinem Geschmack.

Viel besser aber ist die automatische Datensicherung meiner Windows-Rechner. Täglich wird im Hintergrund eine Datensicherung gemacht, die sogar einstellbar weit in die Vergangenheit zurückversioniert. Versehentlich irgendwelche wichtigen Daten gelöscht, fällt aber erst zwei Monate später auf? Kein Problem, einfach eine der älteren Sicherungen öffnen und die Daten wieder rausfischen. Das ganze ist sogar recht Datensparsam, weil identische Daten nur einmal gespeichert werden. Fünf Rechner mit Windows 7 mit je 20 Versionierungsständen sichern die identischen Systemdateien also nur einmal und nicht hundertfach. Das ganze geht ohne irgendwelches Zutun der User, genau so, wie man sich das wünscht. Die tägliche Sicherung bremst den Rechner auch nicht übermäßig aus, man muss keine Programme beenden und sie dauert meist nur wenige Minuten. So ists recht.

Der erste Windows Home Server unterstützte ein auf den ersten Blick cooles Feature namens Drive Extender, bei dem die Freigaben automatisch auf alle angeschlossenen Festplatten verteilt wurden. Praktisch, weil man dann beliebig Festplatten nachstecken konnte und die Freigaben einfach mitwuchsen. Man konnte sogar pro Freigabe anweisen, dass die Daten auf mindestens zwei Platten vorhanden sein sollen, falls mal eine ausfällt. Der Nachfolger Windows Home Server 2011 hat dieses Feature einfach gestrichen, was einerseits ärgerlich ist, andererseits aber einen guten Grund hat: Stimmt mit dem Drive Extender irgendwas nicht, wird die Sache haarig. Genau das ist uns bei einem Home Server passiert (nicht bei meinem zu Hause), wir mussten also die Daten manuell (an einem anderen Rechner) von den beiden Platten zusammenkopieren und den Server komplett neu aufsetzen. Dabei sind etliche Daten abhanden gekommen, die wir auf dem System abgelegt hatten, nachdem der Drive-Extender-Dienst nicht mehr gestartet werden konnte. Ärgerlich, aber immerhin ist uns der Defekt früh genug aufgefallen. Da der Drive Extender offenbar sogar Microsoft zu mulmig ist und wir Ärger damit hatten, haben wir die Gelegenheit ergriffen, auf dem Lenovo D400 direkt mal den neuen WHS 2011 aufzuspielen. Die Lizenz kostet nur noch 40€, das ist ein überschaubares Investment.

In einer der letzten c't-Ausgaben gab es eine Anleitung, wie man den Acer easyStore H340 auf den WHS 2011 migriert, die man vollständig analog auch für den Lenovo D400 anwenden kann (er ist mit den H340 weitgehend baugleich). Man findet aber auch im Netz genug Anleitungen, die den Vorgang erläutern. Kurz gesagt: Ein USB-Stick mit diskpart bootbar machen, den Inhalt der Windows Home Server 2011 DVD da drauf kopieren, eine cfg.ini-Datei mit bestimmten Einstellungen für die bedienungslose Installation darauf ablegen, geleerte Platte in den untersten Slot stecken, den Stick in einen der hinteren USB-Slots stecken, Server anschalten, eine Stunde dem lustigen Blinken zusehen, fertig. Alternativ kann man für 15€ ein Slotblech mit VGA-Buchse bei eBay kaufen und die Installation interaktiv durchziehen, das Ergebnis ist identisch, denn auch dabei kann man die später unabänderliche Arbeitsgruppe "WORKGROUP" nicht ändern (habe ich danach an meinem eigenen Lenovo D400 ausprobiert). Damit muss man also leben.

Nach der Installation muss man den neuen Home-Server-Connector auf allen Clients aufspielen und eine neue (verbilligte) LightsOut-Lizenz muss auch her), alles nicht grundlegend neu. Erwähnenswert ist, dass der Ersatz für den Drive Extender in meinen Augen viel besser ist: Der Home Server wendet die Clientsicherungstechnik einfach auch auf sich selbst an und macht zweimal täglich eine Datensicherung von wählbaren Ordnern auf die zweite Platte, die wahlweise auch eine externe Platte sein darf. So hat man als Benefit auch eine Versionierung der gesicherten Freigaben, was ein Vorteil gegenüber der kaputten Situation ist, dass Freigaben auf dem Server jede versehentliche Löschung gleich auf alle Platten verteilt.

Leider fällt einem schnell auf, dass der Stand-By-Modus nicht funktioniert. Eine kurze Recherche später hatte ich die Lösung: Man muss die ganzen Intel-Treiber installieren, dann darf man endlich einen Stand-By auslösen. Leider wacht der Server immer sofort wieder auf, also noch weiter suchen: Es fehlt noch ein Treiber für die LED-Ansteuerung. Also mit folgenden Treibern läuft bei mir auch der Stand-By mit dem Lenovo D400, man braucht dazu:

  • Den Intel Grafiktreiber für den 945er Chipsatz (bei mir Version 15.12.75.4.64.1930 für Windows 7 64-Bit : "Treiber für Intel® Grafik-Media-Beschleuniger für Windows* 7 64")
  • Den Intel ICH7 RST-Treiber (bei mir Version 10.1.0.1008 vom 15.12.2010 für Windows Server 2008 R2 Standard: "Intel® Rapid-Storage-Technik")
  • Das Intel INF-Update-Utility (bei mir Version 9.2.0.1030 vom 21.04.2011: "INF-Update-Utility - Hauptsächlich für Intel® 6er, 5er, 4er, 3er und 900er Chipsätze")
  • Den Marvell Yukon 88E8071 Treiber für Windows Server 2008 R2 64 Bit (bei mir Version 11.41.3.3 vom 17.02.2011)
  • Den LED-Treiber von einem großartigen engagierten Entwickler, den man in diesem Forum bekommt. Wichtig ist, nach der Installation in der Konfigurationsdatei den Hardware-Erkennungsmodus auf den Acer H340 zu zwingen, sonst wird der D400 nicht erkannt. Readme lesen!

Etwas über 50€ und ein Arbeitstag später hat man also einen aktuellen Windows Home Server ohne fehleranfälligen Drive Extender auf der alten und sehr günstigen Hardware. Wer unbedingt die Drive-Extender-Features haben will, kann eins der beiden verfügbaren Add-Ons benutzen, aber ehrlich gesagt ist mir das zu gefährlich und ich komme mit dem aktuellen Modus super klar: Schlicht, stabil und von überschaubarer Komplexität, beim Thema Storage mache ich keine Experimente mit reingefummelten Tricksereien.

P.S. Die versionierten Clientsicherungen gehen bei der Umstellung natürliuch flöten und die Daten in den Freigaben muss man auch in irgendeiner Form sichern und später wieder aufspielen. Ich hatte es bei meinem eigenen Server leicht, denn alles passte auf die Systemplatte, so dass ich die nach dem Entfernen der zweiten Platte im alten Home Server einfach rausziehen und mit allen Daten drauf beiseite legen konnte. Nach der Installation auf den nun freien zweiten Platte (im untersten Slot) konnte ich die Daten einfach umkopieren und die alte Systemplatte als Sicherungsplatte einrichten.


Mal wieder ein DSL-Wechsel, diesmal 1&1 zu T-Home

24 08 2011

Hin und wieder wechsle ich meinen DSL-Anbieter. Selten, weil ich unzufrieden bin, meistens aus verschiedenen anderen Gründen. Diesmal aber ganz klar, weil ich mehr als unzufrieden mit 1&1 bin. Ich will nicht schon wieder langweilen mit den gefühlt 1.000.000 systematischen Unverschämtheiten, die mir bei 1&1 begegnet sind, aber ganz klar, 1&1 musste weg. Also der Reihe nach.

Leider gar nicht so leicht. VDSL bekomme ich hier nämlich nur von Telekom und 1&1. Alice/O2 und Vodafone haben inzwischen zwar auch VDSL im Angebot und ich wäre auch liebend gerne zu Alice/O2 zurückgekehrt, aber leider bauen die beiden VDSL nicht bis in die Outdoor-DSLAMs aus, sondern bedienen nur Kunden, die nah genug am nächsten Hauptverteiler sind, ein freundlicher Mitarbeiter hat wahrscheinlich sein Gelübde gebrochen, als er mir das erklärt hat, da war die Rede von 400 oder 500m Leitungslänge ab Hauptverteiler als Grenze. Da liege ich knapp drüber, was man nach etwas Google-Recherche herausfinden kann. Zu Alice wäre ich liebend gerne zurück gekehrt, das war der einzige Provider in meiner langen Laufbahn bisher, bei dem ich durchweg zufrieden war und nur gewechselt habe, weil ich eine schnelle Leitung haben wollte. Kabel von Unitymedia kommt übrigens nicht in Frage, weil das Haus hier keinen Kabelanschluss hat und ich immer noch stinkig auf Unitymedia bin wegen der Sache damals (5 Tage offline, 45€ nicht erstattete Telefongebühren und ein in einer Minute lösbares und von Unitymedia verschuldetes Problem).

Also hatte ich drei Optionen:

a) Zu Alice/O2 wechseln und von 50/10MBit/s auf 12-16/1MBit/s herabstufen. Wäre meine letzte Option gewesen, denn vor allem den großen Upload schätze ich sehr. Davon abgesehen hätte mir O2-DSL eine Festnetz-Flat ins Deutsche O2-Netz beschert, nicht unattraktiv.

b) Bei 1&1 bleiben. Wäre sogar in die Tüte gekommen und ich habe auch bei 1&1 angerufen, um mir ein Angebot machen zu lassen. Haarsträubenderweise ließ der Tarifmensch ab solut gar nicht mit sich reden und unterbreitete mir folgendes Angebot: Ich verlängere meinen Vertrag zu weitgehend gleichen Konditionen um weitere 24 Monate, bekomme aber statt neuer Hardware 70€ Gutschrift. Ich bekomme also das schlechte aus zwei Welten: 24 Monate Laufzeit und trotzdem keine Boni. Dazu beim verhassten 1&1 bleiben. Ne, ganz und gar nicht. Neukunden zahlen etwas weniger und haben dazu die Wahl zwischen keine Boni und einer subventionierten Fritz!Box 7390 für 50€ bei 24 Monaten Laufzeit.

c) T-Home-Entertain mit VDSL 50. Zugegeben, die Dokukanäle und der Festplatten-Receiver sind nicht unattraktiv. Aber der monatliche Aufpreis ist nicht ohne und ich muss mich für 24 Monate binden. Dazu kommt, dass die Telekom ab 200GB im Monat die Leitung auf 6MBit/s drosselt, was ich ärgerlich finde, obwohl ich da meistens gar nicht mehr dran komme (früher mit der WG schon manchmal). Aber schlimmer ist, dass ich die Telekom noch nie ausstehen konnte, schon viele krasse Stories in meinem Umfeld gehört und auch selbst miterlebt habe. Ein Dilemma: Hasse ich 1&1 mehr oder die Telekom? Von der YouTube-Bremse war ich bei 1&1 ebenfalls betroffen, aber in letzter Zeit habe ich das gar nicht mehr bemerkt. Ob die Telekom die Bremse gelöst hat? Naja, das ist ein anderes Thema.

Ich war also kurz davor, das geringste Übel T-Home-Entertain (mit zusätzlichem TV-Mehrwert) zu buchen. Die Konditionen sind unübersichtlich und klar mehr, als ich zur Zeit bezahle, deswegen bin ich lange davor zurückgeschreckt. Zur Zeit gilt: Entertain Comfort mit VDSL50 in den ersten 12 Monaten inkl. Media Receiver 50€ pro Monat, danach ca. 60€, wenn man den Receiver behält. Abzüglich 10% Online-Rabatt, dessen Konditionen mir nicht ganz klar sind und den ich deshalb lieber nicht einrechne. Hinzu kommen noch mal 4€ pro Monat Aufpreis für einen ISDN-Anschluss, weil meine Wechsel-Situation wohl keinen IP-basierten Anschluss zulässt (hat man mir gesagt). 120€ Gutschrift gibt es zudem, wenn man wechselt, was bei mir laut Support-Chat nicht zutrifft, weil ich schon selber gekündigt habe. Aus dem gleichen Grund kann ich angeblich auch meine Rufnummern nicht mitnehmen, was mittelschwer wiegt, da ich die wohlweislich eh nicht kommuniziert habe. Alles in allem ein teurer Spaß gegenüber den 40€, die ich momentan bezahle, über die volle Laufzeit gerechnet komme ich auf 1368€ ggü. 960€, wenn ich 1&1 weiter führe. Nun, das ist nicht wenig.

Der rettende Gedanke kam mir beim Lesen des lokalen Saturn-Prospekts: Bei Saturn gibt es einen 240€-Saturn-Gutschein, wenn man bei denen T-Home-Entertain abschließt. Also bin ich da hin und die Dame konnte es so drehen, dass ich 1. meine Nummern behalten kann, 2. die 120€ Wechselgutschrift von der Telekom bekomme und 3. den 240€-Saturn-Gutschein. Damit bin ich bei 1008€ bzw. 42€ Durchschnittspreis pro Monat. Das ist attraktiv, ich zweifle aber an allen dreien und richte mich auf Ärger ein. Naja, wir werden es Ende des Jahres sehen, notfalls ärgere ich mich halt und bezahle trotzdem frohen Gemüts durchschnittlich 57€ im Monat, nur um von 1&1 weg zu sein. Ihr seht, mein Hass sitzt tief.


Produkt-zwischenzeitlich-abverkauft-Wut

21 07 2011

Ich bestelle viel online. Genug jedenfalls, um seit über 10 Jahren in allen Umfragen zum Thema E-Commerce die häufigste Kategorie bei Haben Sie schon mal etwas in diesem Internet bestellt ankreuzen zu können. Mit etwas Umsicht und Achtung der Händlerbewertungen bei gh.de bin ich dabei in 90% der Fälle gut gefahren. Zuletzt habe ich zwei mal für einige hundert Euro bei anobo.de bestellt: Verbuchung der Vorkasse-Überweisung nach zwei Stunden, Ware am nächsten Tag da. Fantastisch. Auch andere Händler wie hardwareversand.de lassen sich von Vorkasse-Überweisungen nicht ausbremsen und liefern fast genau so fix, wie bei Zahlung mit PayPal oder Kreditkarte. Amazon bucht sowieso bequem ab und versendet meistens sofort, mit Prime sogar eigentlich immer und auch noch versandkostenfrei.

Nun begab es sich aber, dass eine bestimmte Produktkonstellation nur bei e-bug.de kurzfristig lieferbar war, ohne gleich 20-30% mehr dafür auszugeben, also habe ich schweren Herzens dort bestellt. Schweren Herzens, weil der Laden auf mich noch nie einen sonderlich seriösen Eindruck gemacht hat. Wenn man die ungefragt hinzugefügte Premium-Abwicklung für 5€ extra wieder aus dem Warenkorb entfernt hat, kann man die Bestellung ohne schwere Komplikationen aufgeben. Übrigens nicht als Gast, man muss also erst mal ein Konto anlegen.

Nach Bestätigungsmail zu meiner Bestellung am Samstag und prompter Überweisung, die meine Sparkasse sofort am Montag gebucht hat, höre ich nichts mehr von e-bug.de. Unbefriedigend. Am Donnerstag schaue ich mal wieder im Kundenportal vorbei und stelle erleichtert fest, dass immerhin schon mal mein Zahlungseingang verbucht wurde und die Ware in Kürze versendet wird. Weiter Funkstille. Am Dienstag unveränderte Lage, also frage ich per Chat in der Bestellabwicklung nach: Die Bezahlung hätte zu lange gedauert, das Produkt hätte man zwischenzeitlich abverkauft, Nachschub sei unterwegs. Puh.

Zwischenzeitlich abverkauft? Ist das deren Ernst? Die nehmen verbindliche Bestellungen an und während deren trödelige Bank die Vorkasse-Überweisung noch mal ein paar Tage einbehält, verscheuern die das Produkt an andere Kunden? Ich würde denen glatt unterstellen, das Produkt zwar als lieferbar markiert zu haben, in Wirklichkeit aber erst bei Bestelleingang zu beschaffen, aber das wäre im Grunde genommen weniger dreist und ärgerlich, als ein verbindlich bestelltes und zugesagtes Produkt einfach zwischenzeitlich abzuverkaufen. Unfassbar. Ich bitte also um Stornierung, denn das Produkt kann an diesem Tag nicht mehr versendet werden. Eine Teillieferung lehne ich ab. Der Chatpartner bestätigt meine Stornierung und schickt mir einen Link zu einem bürokratisch anmutenden Formular für die Beantragung einer Rückerstattung des überwiesenen Geldes. Man überweise nur Dienstags, was sich gut trifft, denn es ist Dienstag.

Vorbei? Nein. Am Dienstag Nachmittag steht im Kundenmenü nichts von Stornierung, eine Bestätigung per Mail habe ich auch nicht bekommen, also noch ein Chat. Dieser Chatpartner eröffnet mir, dass er gar keine Stornierungen vornehmen könne, ich solle mich per Mail an eine sales@e-bug.de wenden. Das tue ich, bekomme eine Eingangbestätigung von einem Ticketsystem und höre in den kommenden Tagen wiederum nichts mehr, auch im Kundenmenü ändert sich der Status nicht. Ich finde mich damit ab, wohl meinem Geld hinterherzulaufen und das irgendwann doch versendete Paket wieder zurück zu schicken.

Doch, oh Wunder, am Donnerstag schon wird meinem Konto der volle Betrag gutgeschrieben. Ich habe zwar immer noch keinerlei Kommunikation erfahren, aber das Geld ist da. Immerhin. Übrigens war die Lieferung von Amazon noch vor dem Geld da, denn bei Amazon ist eine Lieferung erst am übernächsten Tag schon auffällig langsam.

Abschließend lässt sich feststellen: Nicht noch mal e-bug.de, wirklich nicht. Läden, deren Abläufe so gestaltet sind, empfinde ich als äußerst unseriös. Wie sich herausstellt, bin ich damit nicht alleine, die Bewertungen bei gh.de sprechen Bände. Andererseits beruhigend, dass mich mein vorheriges Bauchgefühl nicht getrügt hat. Es gibt ja genug Computerläden.

P.S. Heute ist ein Paket von einem anderen Versender angekommen, das ich vor über einem Monat bestellt, am selben Abend aber noch storniert hatte, weil ein anderer (sehr großer) Fahrradversender sich eine Woche nicht gemeldet hatte, dann meine Stornierung ignorniert und das Paket doch noch versandt hatte. Auch der nächste Versender ignorierte meine Stornierung mit einer wirklich dämlichen Ausrede und dann blieb das Paket erst mal einen Monat beim Paketdienst liegen. Das wäre einen eigenen Blogeintrag wert, aber ich will niemanden mit redundanten Geschichten langweilen. Drei völlig verkackte Bestellungen innerhalb weniger Wochen, ich hab echt einen Lauf.


Keine Webcam

12 07 2011

Zuletzt angesichts von Google+Hangout frage ich mich immer wieder die gleiche Frage: Wieso habe ich eigentlich keine Webcam? Genau genommen habe ich ja eine Webcam, eine Phillips ToUCam aus den 90ern, die damals teuer war, weil sie Bewegtbild mit 640x480 verarbeiten konnte. Die liegt als Dauerleihgabe irgendwo rum, denn die produzierten Bilder sind derart schlecht, dass ich das wirklich niemandem zumuten mag.

Weil ich aber theoretisch eine Webcam habe und auch irgendwie nur sehr vereinzelt mal ernsthaft Bedarf für Webcam-Sex (oder was man sonst so mit Webcams macht) hatte, habe ich tatsächlich in den vergangenen 13 Jahren nie eine gute Webcam gekauft. Und ebenfalls seit 13 Jahren denke ich immer wieder, dass ich doch mal eine ordentliche Webcam kaufen sollte, vielleicht kommt der Appetit ja beim Essen oder so. Nur was für eine? Ich bin kein Freund von billigem Scheiß und will immer alle Features haben, aber 50-100€ für etwas ausgeben, das man eigentlich nicht braucht, ist dann auch etwas viel. Und dann ist auch noch die Auswahl groß. Was für ein Dilemma.


Mein HD-Dilemma

27 06 2011

Ich habe einen großen Full-HD-Fernseher – der ein nach wie vor unfassbares Schnäppchen bei einer Pro-Markt-Eröffnung war – und einen HTPC mit Windows 7. Wer so ein Setup hat, möchte seine Inhalte auch in HD genießen. Da das gestrige Fußballspiel das erste mal seit Monaten war, dass ich den Fernseher als Fernseher benutzt habe, kommen bei mir 99,5% aller Inhalte aus dem angeschlossenen PC oder der Wii. Dass YouTube in HD trotz und dank 1&1/Telekom-VDSL weitgehend unbrauchbar ist, ist schon mal ein Rückschlag. Das echte Dilemma entsteht aber bei kommerziellen Inhalten wie Filmen und vor allem Serien. Ich habe kein Problem damit, einen angemessenen Preis für solche Inhalte zu bezahlen, genau genommen möchte ich sogar gerne dafür bezahlen. Allein: Es geht nicht. Dass US-Inhalte erst verspätet nach Deutschland kommen ist ein Killerargument, darauf möchte ich aber jetzt gar nicht hinaus.

Ich habe ein ganz anderes Problem: Ich kaufe Serienstaffeln und Filme, selbst wenn sie in preislich akzeptablen Bereichen angeboten werden, nicht mehr, wenn es sich nur um DVDs handelt, denn ich will ja HD haben, wenn ich schon Geld ausgebe. Leider bedeutet HD auch Blu-Ray und Blu-Ray bedeutet für mich: Kaufe und installiere eine unglaublich teure und unglaublich nervige, mit Eigenwerbung überflutete Scheißsoftware, weil deine zurückhaltende Open-Source-Playersoftware kein Blu-Ray abspielen darf(!). Solange dieser Zustand anhält, werde ich eher kein Blu-Ray Laufwerk kaufen und folglich auch keine Blu-Ray-Inhalte. Ein extra Gerät ist auch nicht so recht nach meinem Geschmack.

Nun, wenn weder DVD (gibt besseres) noch Blu-Ray (kann und will ich nicht abspielen) in Frage kommen, bleibt nur noch der digitale Vertrieb. Hulu? Netflix? Gibts in Europa alles nicht. Im iTunes Store kann man die ein oder andere Serie kaufen, aber Apple kommt mir nicht ins Haus und bei unserem Serienkonsum ist das auch nicht realistisch bezahlbar. Und sonst? Hier und da gibt es eine Online-Videothek, die teurer als die Videothek nebenan ist und gleichzeitig nur eine praktisch unbrauchbare Teilmenge der im Umlauf befindlichen Inhalte im Sortiment hat. Nenene, so stelle ich mir das nicht vor, wenn ich schon Geld für Inhalte her gebe, die üblicherweise irgendwann im Free-TV ausgestrahlt werden. Digitaler Vertrieb fällt also auch weitgehend aus, von rühmlichen Ausnahmen wie South Park mal abgesehen.

Es gäbe da eine Lösung, nur hat die einen klitzekleinen Haken: Sie ist nicht legal. Bei Sharehostern wie Rapidshare, netload.in und Konsorten (wechselt gelegentlich) bekommt man für unter 10€ im Monat und etwas Recherchearbeit so ziemlich alle Serien und viele Filme, die das Herz begehrt. In HD und ohne Zwangswerbung/GVU-Warnungen vor dem Film und mit vollen 50MBit/s, die der VDSL-Anschluss so hergibt. So sieht die Realität aus und genau daran muss sich ein legales Angebot messen und an sonst nichts. Alternativ kann man auch ein Blu-Ray Laufwerk kaufen, sich die Inhalte halblegal rippen uns dann in befreiter Form im Player der Wahl ansehen und auf dem NAS lagern. Aber das wäre wirklich wirklich wirklich bescheuert, bei aller Liebe zum Bezahlen von Medieninhalten. 79€ für AnyDVD lösen das Problem zwar technisch und sorgen für einen schmerzfreien Wokflow, legal ist das aber immer noch nicht, dafür immerhin ethisch vertretbar.

Aber ich will nicht nur meckern, was hätte ich also gerne?

  • Für absolut maximal 20€, lieber für 10€ im Monat hätte ich gerne eine Flatrate für Serien, Dokus und vielleicht auch Filme.
  • Ich muss die nicht alle besitzen, ein zuverlässiges Streaming in HD (720p ohne Bildstörungen, Hänger und Ruckler) würde mir schon reichen. DRM ist hier zur Durchsetzung des Geschäftsmodells wohl ein notwendiges Übel, steht aber technisch einer möglichst breiten Nutzerbasis entgegen. Windows-PC und Mac sollten aber mindestens unterstützt werden.
  • Alternativ möchte ich die Inhalte für einen geringen Aufpreis auch ohne irgendwelche Abspielverhinderungs-Fesseln ganz erwerben und lokal archivieren können.
  • Die Auswahl muss(!) weitgehend komplett sein. Ich möchte alles, was ich bei Amazon auf DVD/Blu-Ray erwerben kann, auch dort finden. Wenn einzelne Vertriebe ausnahmsweise nicht an der Flatrate teilnehmen wollen, dann sollten deren Inhalte wenigstens einzeln erwerbbar sein oder zumindest als letzte Fallback-Lösung mit einem Link auf einen Shop für die Bestellung einer physischen DVD/Blu-Ray versehen werden. Dem Nutzer eine Recherche in verschiedenen Shops zuzumuten ist nicht drin. Ham wer nich weil Vertrieb nicht will, gibts aber hier und hier als DVD und Blu-Ray ist eine okaye Ansage, ebenfalls Komische Rechtesituation, darf die öffentlich-rechtliche Anstalt trotz DVD-Veröffentlichung nur in ihrer eigenen Mediathek zeigen [LINK]. Die Zeit von exklusiven Inhalten ist aber eigentlich sowieso vorbei.
  • Wenn eine neue Serienfolge in den USA im Fernsehen gelaufen ist, muss sie spätestens eine Woche später, besser sofort oder gar (ggf. gegen Aufpreis) vorab auch in Deutschland abrufbar sein. Wer es synchronisiert haben will, muss natürlich trotzdem noch warten, sollte dann aber auch beide Sprachen bekommen. Gleiches gilt für Filme und DVD-Veröffentlichung. Wenn Sender am System nicht teilnehmen wollen, müssen die Inhalte aber spätestens zur Veröffentlichung der DVD verfügbar sein.

Das ist alles so nicht durchsetzbar, aber mir als Konsumenten ist die komplizierte Rechtslage wirklich schlicht und einfach vollkommen egal. Ich will meine Inhalte haben und ich möchte dafür bezahlen. Wenn es kein attraktives Angebot gibt, dann streiche ich zuallererst die Legalität, wenn es nur daran scheitert. Und ernsthaft schlechtes Gewissen gibt es diesbezüglich erst, wenn ich dabei ein ernsthaftes Angebot links liegen lassen muss. Ein kleiner Blick auf die Musikindustrie zeigt das ganz gut: Ich sauge erst mal unverbindlich bzw. höre bei YouTube und wenn es mir dann gefällt, kaufe ich die MP3s; wenn nicht, wird das Gesaugte wieder gelöscht. Hilfsweise kaufe ich Serienstaffeln auf DVD oder Blu-Ray und stelle sie mir zur Gewissensberuhigung unausgepackt in den Schrank. Reichlich absurd, aber pragmatisch.

Insgesamt: Offenbar ist das alles mein Problem, ein Hardware-Blu-Ray-Player für 70€ würde ohne Generve Blu-Rays abspielen, alle wären glücklich. Allein: Ein extra Gerät nur weil die Contentmafia doof ist? Nö. Die Auswahl an HD-Inhalten ist zudem erschreckend gering, zumindest in Deutschland. Einige Serien, die ich bereits in HD gesehen habe, bekommt man hier nur auf DVD. Ein qualitativer Rückschritt plus nicht zu knapp Geld hergeben allein um der Legalität willen? Irgendwie auch nicht so recht. Und wir wollen nicht vergessen, dass fast alle Serien im Free-TV laufen und zum Hohn die DVDs erst lange nach Ausstrahlung der aktuellen Folgen erscheinen. Eher was für Lieblingsserien wie Big Bang Theory oder Coupling oder Friends oder was auch immer man so fantastisch findet, dass man es mehrmals sehen möchte. Reality Check: Man muss schon wirklich ein Liebhaber sein, wenn man sich eine Serie aktuell in HD aus den USA mangels legaler Alternative "beschafft" hat, um dann später irgendwann noch mal reichlich Geld für eine ggf. schlechtere Qualität hinterher zu werfen, weil man das dann doch irgendwie legalisieren möchte. Das wird kein Massengeschäft, postuliere ich mal.

P.S. Ach ja, ein effektives Austrocknen der illegalen Quellen würde bei mir dafür sorgen, dass ich mein Geld und meine Freizeit anderswo investiere. So lebenswichtig ist mir das alles nicht, dass ich dafür teils absurde Umwege in Kauf nehmen würde. Und zurück zu DVDs will ich auch nicht, seit ich am HD-Apfel genascht habe. Zu DVD-Zeiten war ja irgendwie noch alles in Ordnung. Zumindest eine Zwischenlösung wäre ja, dass ich Blu-Rays legal und ohne Gefrickel mit dem Player meiner Wahl (VLC, Media Player Classic, Windows Media Player) abspielen kann.


5 Monate mit dem Dell Streak - Eine Grabesrede

07 05 2011

Nachdem ich dreieinhalb Monate mit einem hässlichen Sprung im Display meines Dell Streak gelebt habe (mehr dazu hier), habe ich mich doch mal getraut, ein Ersatzdisplay für 60€ inkl. Versand in Hong-Kong zu bestellen. Das kam heute und ich habe mich natürlich sofort an den Einbau gemacht. Im Internet gibt es gute Anleitungen (Streak auseinanderbauen und Streak Display tauschen) und das nötige Werkzeug war beim Ersatzdisplay dabei, sollte also schaffbar sein. Ist es auch, nur leider kommt auf dem Display nun kein Bild, was sich sicher mit einem erneuten Auseinanderbauen beheben ließe. Das spare ich mir aber, denn beim fummeligen lösen der Klebestellen habe ich leider auch die Anbindung der Funktionstasten (Home, Zurück, Menü) abgerissen, was sich nicht ohne weiteres fixen lässt. Mist, ein teures Grab nach nur fünf Monaten.

Ich könnte nun für 340€ inkl. Versand einfach ein neues Streak bestellen, aber ich habe mich für ein HTC Desire HD für 404€ inkl,. Versand entschieden. Warum? Nach meinem sehr positiven Ersteindruck kann ich nun ein paar weitere Eigenschaften des Streak aufzählen, die mitunter durchaus lästig sind.

Mein Gerät war wohl ein Montagsgerät und hatte von Anfang an die Macke, dass es bei leichtester mechanischer Belastung einfach neustartete. Das ließ sich auf ein Minimum reduzieren, indem ich die beiden Kontakte des Akkudeckels mit einem kleinen Draht kurzschloss. Fummelig, aber funktionierte meistens. Trotzdem startete es gelegentlich beim in die Jackentasche stecken einfach neu, was wahrscheinlich daran lag, dass ich das Drähtchen nur um die Kontakte gewickelt und nicht festgelötet hatte. Insgesamt verschmerzbar, aber jedes Mal ein Stich ins Besitzerherz.

Ärgerlicher war da schon, dass das riesige 5"-Display ein unhandlich großes Gerät bedingt. Am wenigsten stört mich das beim Telefonieren, selbst wenn ich nicht, wie unterwegs fast immer, mit dem Headset telefoniere. Das sieht halt doof aus, funktioniert aber prima. Im Winter war das alles auch kein Problem, denn meine Jackentasche ist groß genug. Jetzt bei gutem Wetter aber merke ich, dass ein so großes Gerät in der Hosentasche schon aufträgt. Das wäre auch noch OK, wenn ich mir dabei nicht Sorgen um die mechanische Belastung machen würde, denn ein Bein ist nun mal rund und Hosentaschen eng. Auch verschmerzbar, denn auf 5" surft es sich hervorragend. Auch als Navi in der mit 45€ nicht ganz billigen Autohalterung hat es sich hervorragend gemacht. Leider kann man 5" nicht sinnvoll hochkant betreiben, weil es dann für zwei Hände zu schmal, für eine Hand aber zu breit ist. 5", einen Tacken zu groß.

Mit dem Transport in der Hosentasche kommt aber noch ein lästiger Aspekt meines Geräts ins Spiel: Wenn ich es nah am Körper mit dem Display zum Körper hin transportiert habe, reagierte danach der Touchscreen für ein paar Sekunden bis Minuten nicht oder nur seeehr sporadisch. Entsperren oder Gespräche annehmen ging dann nicht. Auch damit konnte ich leben, indem ich es – riskant, riskant – nur mit dem Display vom Körper weg transportiert habe. Ich glaube, die Körperwärme war hier das Problem.

Das war noch nicht alles: Der Kopfhörerausgang rauscht so laut, dass Musik auf leisestmöglicher Einschlaf-Lautstärke gerne mal vom Rauschen überdeckt wird. Wenigstens ist das ein angenehmes unauffälliges Rauschen, damit konnte ich also auch leben. Ich weiß nicht, ob der letzte Punkt alle Android-Telefone betrifft, aber gelegentlich haben vor allem Google Maps und manchmal auch der Browser das Telefon so ausgelastet, dass die Musik stark stotterte und das Telefon fünf Minuten lang gar nicht mehr reagierte, auch nicht auf das Pause-Kommando für die Musik, die derweil weiterstottert. Das kam zwar nicht so häufig vor (alle zwei bis drei Wochen mal), aber das war der für mich nervigste Aspekt an der ganzen Streak-Experience. Irgendwas lag da im Argen.

Das alles sind neben den im Ersteindruck beschriebenen Lästigkeiten wie dem PDMI-Ladeanschluss gute Gründe, nicht erneut ein Streak zu kaufen. Momentan 340€ inkl. Versand sind zwar überschaubar und mein Car-Kit war auch nicht billig, aber die Gefahr, wieder so ein Montagsgerät zu bekommen, ist gegeben und die anderen Kritikpunkte hinterlassen in der Summe ein lediglich gemischtes Bild. Den endgültigen Todesstoß hat sich Dell aber selber gegeben, denn das Service-Angebot für einen Display-Tausch in Höhe von 350€ ist eine unfassbare Dreistigkeit, ich bin deswegen immer noch nachhaltig sauer auf Dell. Dass ein Display mal kaputt geht passiert, besonders, wenn es mit 5" eine so große Angriffsfläche bietet. Dass aber eine Reperatur fast den Neuwert erreicht bzw. inzwischen sogar darüber liegt, ist schlicht nicht zu rechtfertigen. Keine Ahnung, ob HTC das anders handhabt, aber Dell hat mich diesbezüglich schwer enttäuscht.

Trotzdem mochte ich mein Streak und bin ein wenig traurig, dass es mich nur fünf Monate begleiten durfte. Alles in allem ein tolles Gerät mit dem besonderen Etwas. Ruhe sanft.

Ein Desire HD kaufe ich übrigens deswegen, weil ich nach den Erfahrungen mit einem 5" Gerät ein 4,3" Display für den Sweet-Spot halte. Zudem war ich mit meinen bisherige HTC-Geräten soweit sehr zufrieden, weil sie aus dem miesen Windows Mobile noch einiges herausholen konnten und die Hardware stets sehr robust und gut verarbeitet war. Auch das Desire, das ich neulich gekauft habe, gefällt mir richtig gut, die Sense-Oberfläche macht richtig Spaß. Das Google Nexus S war ein weiterer heißer Kandidat und mit 340€ sogar deutlich günstiger. Vor allem aber kommen da regelmäßig und zeitnah Android-Updates. zudem mag ich das leicht nach innen gebogene Display. Aber das 4,3" Display hat dann doch das Rennen gemacht.

P.S. Die Tage wird das Car-Kit bei eBay auftauchen und auch das defekte Gerät (mit dem nagelneuen Tauschdisplay), wenn ich weiß, ob und wie ich es löschen kann. Wer vorher zuschlagen will, meldet sich, ich mache einen fairen Preis.