Ich bin wohl ein Agnostiker

19 10 2007

Sowas: Ich war mit dem Begriff Atheist für mich nie wirklich zufrieden. Die Richtung stimmt, aber es traf die Sache nie ganz. Mario Sixtus stieß mich mit seinem XING-Profil (Dipl. Agnostiker) gerade eben schließlich auf einen passenderen Begriff: Agnostizismus. Aus der Wikipedia dazu:

Der Agnostizismus (latinisierte Form des altgriechischen ἀγνωστικισμός agnōstikismós, von ἀγνoεῖν a-gnoein "nicht wissen"; vergleiche Gnostizismus) bezeichnet die philosophische Ansicht, dass bestimmte Annahmen – insbesondere theologischer Art, welche die Existenz oder Nichtexistenz eines höheren Wesens wie beispielsweise eines Gottes betreffen – entweder ungeklärt, grundsätzlich nicht zu klären oder für das Leben irrelevant sind (letztere Haltung wird auch als Ignostizismus bezeichnet).

[…]

Ein Agnostiker sagt: Ich weiß nicht, ob es irgendwelche Götter gibt. Ein Ignostiker sagt: Ich weiß nicht, ob es irgendwelche Götter gibt, und es würde auch keine Rolle spielen.

Aha, dann bin ich wohl ein Agnostiker, gut zu wissen. Eigentlich vertrete ich sogar häufiger die Idee des Ignostizismus, bin also eigentlich ein Ignostiker (und schwacher Atheist), aber mit diesem Begriff kann dann nun wirklich kaum noch jemand was anfangen. Also wieder einen Schritt weiter bei der Selbstfindung. Ich bin zu Hause! ;) Man beachte auch die (unzureichend belegte) Liste der bekannten Agnostiker im oben verlinkten Wikipedia-Artikel.

Nachtrag 18:32: Nein ihr Bildungsbürger da draußen, ich kannte den Begriff vorher nicht. Wisst ihr auch warum? Weil ich weder FAZ noch Zeit lese und vor allem weil mein Philosophieunterricht offenbar nur haarscharf an dem Begriff vorbei geschrammt ist, als es um Gottesbeweise ging. Vielleicht habe ich auch einfach gerade nicht zugehört.


Koptuch - kein Job

02 03 2007

Gerade habe ich im SPON einen Artikel über die Probleme bedeckter Frauen bei der Jobsuche gelesen. Und ich muss leider ganz ehrlich sagen, dass ich als Chef ebenfalls Probleme mit muslimischen Mitarbeiterinnen mit Kopftuch hätte, besonders bei Akademikerinnen. Neben verschiedenen Bauchgefühlen, die mich davon abhielten, ist es vor allem ein Grund: Ein zwanghaft getragenes Kopftuch ist für mich ein starkes Symbol

  • einer mangelnden Integrationswilligkeit, die ich dann wiederum auch in anderen beruflichen Bereichen erwarte. Einem Mitarbeiter soll im Job die Firma an erster Stelle stehen. Was die Leute in ihrer Freizeit tun kann mir egal sein, aber an seinen Job muss man sich anpassen. man muss sich aktiv in die Firmenabläufe integrieren und dazu gehört es, je nach Job, auch seine Freizeitkleidung und -einstellung abzulegen. Gleiches gilt für Goths, Punks, Kiffertypen oder wen auch immer und unabhängig davon, ob mir die abweichende Haltung und Kleidung sympathisch ist oder nicht.
  • eines religiösen Fanatismus, den ich nicht in meiner Firma haben wollte (das gilt für Fanatismus jeder Religion). In meinen Augen muss jeder klar denkende Mensch irgendwann auf den Trichter kommen, dass Religion der Leistungsfähigkeit des freien Menschen im Zweifel im Wege steht. Religion ist dann gut, wenn sie dem religiösen Menschen weiter hilft. Wenn sie allerdings den religiösen Menschen einschränkt, hat sie ihr Ziel verfehlt wird in dieser Form von mir vehement abgelehnt. Das meine ich mit Fanatismus.
  • einer mangelnden Abstraktionsfähigkeit, die ich gerade von Hochschulabsolventen erwarten würde. Ich würde klar denkende Mitarbeiter haben wollen, die im Zweifel völlig open-minded an die Probleme der Arbeit herangehen können. Wer sein Kopftuch oder im Zweifel auch sein Kreuz nicht ablegen möchte, signalisiert mir damit einen Mangel an geistlicher Klarheit und geistiger Trennung von Alltag/Beruf und Spiritualität. Was soll ich also mit einem studierten Mitarbeiter, der sich schon von vornherein als im Zweifel weniger klar denkend und handelnd outet? Schlimm genug, dass sich solche Eigenschaften bei manchen erst nach dem Vorstellungsgespräch zeigen.

Also bevor wir und falsch verstehen: Ich gehe nicht davon aus, dass diese Kriterien auf jede Frau mit Kopftuch zutreffen. Sicherlich kann es sein, dass sich mit der Zeit das genaue Gegenteil herausstellt. Aber das zwanghaft getragene Kopftuch trägt für mich diese Symbolik in sich und daher gehe ich erst einmal von diesen Eigenschaften aus. Wenn ich also einen in etwa gleich qualifizierten anderen Bewerber zur Hand habe oder gleich dutzende davon, fliegt die Frau mit Kopftuch in der ersten Runde des Wettbewerbs raus. Genau wie eine Glatze mit Bomberjacke, ein krasser Goth, ein Freak mit nordischem Fell, jemand mit implantierten Hörnern, jemand mit Gesichtstatoos, jemand der volles Rohr stinkt und so weiter. Ihr wisst, was ich meine: Jemand, der seine abweichende Einstellung offen zur Schau trägt und davon nicht mal bei einer Bewerbung Abstand nimmt.

Noch einmal die Frage: Was soll ich mit so jemandem anfangen, wenn ich andere Leute haben kann? Ist das unfair gegenüber solchen Leuten? Der Artikel im SPON suggeriert jedenfalls eine solche Unfairness. Nichts gegen die angesprochene Diversity, aber nicht auf Kosten der Firma.

Ich halte mich ja schon für sehr offen und liberal, aber mit einer vermummten Zahnärztin hätte ich schon Startschwierigkeiten. Da fällt mir auch die Studentin am Fachbereich Wirtschaft ein, die ein Kopftuch trägt. Sie sieht sehr nett aus, ich finde sie auch figurlich und von der Ausstrahlung her ganz süß und dumm scheint sie auch nicht zu sein. Sie wird Diplom Betriebswirtin sein, wenn sie fertig ist, strebt also wahrscheinlich eine Managementposition an. Aber ich wüsste echt nicht, in welcher angemessenen Position ich so eine Frau in einer Firma einsetzen würde. Den Eindruck der oben erwähnten Symbolik werde ich einfach nicht los. By the way: Angraben würde ich sie auch nicht. Die vorurteilsbedingte Angst vor familiären Nebenwirkungen ist bei mir bei allen muslimischen Frauen sehr groß. "Ey Arsche, Du hast meine Schwester angepackt, Du bist tot!" Wuahh gruselig. Sorry an alle Leute aus dem arabischen Kulturkreis, die nicht so drauf sind, aber Eure Landsleute füttern dieses Klischee sehr plastisch.

Dazu ein schöner kurzer Film zur humoristischen Auflockerung:


Kopftuch-Musliminnen

15 10 2006

Im SPON sehe ich gerade einen Artikel Deutsch-Türken gegen Kopftuch: "Symbol der Frauenunterdrückung". Von mir ein Full-ACK dazu. Ich sehe vermummte Musliminnen immer erst mal 1. als unterdrückt und 2. als Zeichen aktiv unterlassener Integration an; und zwar so lange, bis ich im Einzelfall vom Gegenteil überzeugt werde. Ist das ungerecht? Gemeine Vorurteile? Keine Ahnung, ich handhabe das so und die Message in diesem Artikel geht in die gleiche Richtung. Ich lasse mir jedenfalls nicht vorhalten, dass ich Vorbehalte und Vorurteile gegen Bevölkerungsgruppen habe (gemein gemein!), wenn diese sich offenbar bewusst der Integration entziehen. Sorry liebe Leute, aber da habe ich keinerlei schlechtes Gewissen bei. Das ganze wäre nur halb so schlimm, wenn da nicht der Aspekt der offenen Frauenunterdrückung wäre, der absolut und ganz und gar nicht in unsere Gesellschaft passt. Schlimm genug, dass frühere Gesellschaften und heute noch Gesellschaften in weiten Teilen der Welt das so praktizieren. Ich möchte das aber in meinem Umfeld nicht sehen. Scheiß auf Religionsfreiheit! Die ist dafür gedacht, dass niemand wegen seiner Religion verfolgt werden kann und sich frei entfalten kann. Sie ist aber keinesfalls dafür gedacht, als Freibrief für Grundgesetz-widriges Verhalten missbraucht zu werden.

Und sorry für meine krasse Meinung: Eine Religion, die so gelebt wird, dass irgendwer unterdrückt oder diskriminiert wird, ist eine Scheiß Religion und braucht nicht geschützt werden. Ganz besonders, weil die hier häufig Anstoß findenden Teile des Islam so weit ich weiß allesamt einer Auslegung entspringen, die nicht zwingend notwendig ist und nach Ansicht anderer Muslime schlicht falsch ist. Also ist der Islam an sich nicht scheiße, wird aber zu häufig zu beschissen ausgelegt. Das Christentum kann auch verschieden ausgelegt werden. In der ehemaligen Gemeinde meines Vaters eben sehr liberal und sozial, insgesamt also sehr schön. In anderen Gemeinden, Konfessionen oder gar Freikirchen und Sekten kann das ganz anders aussehen.

Religion wird immer dann scheiße, wenn sie nicht nur positives bringt. Leider passiert das all zu schnell und in allen Religionen. Wer aus religiösen Gründen Freiheit oder sonst etwas einschränkt, hat den Sinn von Religion missverstanden. Religion kann eine Stütze sein, kann so viel positives bringen und steht jedem frei zur Verfügung. Religion als Metaebene wird dann in sich unsinnig, wenn sie mehr Schaden i.w.S. anrichtet, als sie Nutzen i.w.S. bewirkt, mal abstrakt formuliert. Sehe ich so.

Insofern ist das Signal, das die Deutsch-Türken da geben, absolut begrüßenswert und wichtig für ein gemeinsames Leben. Da muss eine Diskussion im islamischen Teil der deutschen Bevölkerung und auch darüber hinaus folgen. Ein "Ruck"… ihr wisst schon.

Damit will ich übrigens nicht sagen, dass ich manchen gewaschenen Gehirnen die Entscheidung wegnehmen will, sich freiwillig und aus verquerer Überzeugung heraus zu vermummen. Keinesfalls. Aber wer das tut, darf sich über Missverständnis und dadurch auch Ablehnung seiner Mitmenschen nicht wundern und erst recht nicht beschweren. Wer z.B. mit zerrissenen Klamotten und gefärbten Haaren rumläuft tut das auch nicht.