Die Android-Lücke als Chance

18 05 2011

Zur Zeit wird überall über eine Sicherheitslücke in Android-Smartphones berichtet, dazu ein paar Worte. Zuallererst: Wirklich peinlich, dass das sogar Googles Hausapplikationen betrifft, bin von denen mehr Sorgfalt gewohnt. Beschämend. Das grundsätzliche Problem betrifft aber bei weitem nicht nur Android, sondern liegt im allgemein viel zu sorglosen Umgang mit unverschlüsselten Netzzugängen. Wer ein unverschlüsseltes WLAN benutzt, was auf die meisten öffentlichen Hotspots zutrifft, muss sich um eine Verschlüsselung seiner Nutzdaten selber kümmern. Das ist nicht neu, die Firefox-Erweiterung Firesheep hat das vor ein paar Monaten schon eindrucksvoll demonstriert: Man kann es sich in Funkreichweite eines öffentlichen WLANs bequem machen, Firesheep anwerfen und bequem alle eingeloggten (und unverschlüsselten) Facebook-Sessions der Nutzer in Funkreichweite mitlesen und – besonders beeindruckend – übernehmen. Facebook hat, etwas halbherzig, reagiert und den Nutzern die Möglichkeit an die Hand gegeben, sich nur per SSL verschlüsselt bei Facebook zu bewegen, das muss man aber erst (in den Kontoeinstellungen unter KontosicherheitSicheres Durchstöbern (https)) aktivieren und außerdem funktionieren einige Seiten und Apps mit Verschlüsselung schlicht nicht.

Das besonders unangenehme an der aktuellen Android-Situation ist nun, dass die Nachlässigkeit in den zentralen Google-Apps zur Kalender-, Kontakte- und Picasa-Synchronisation stecken. Die meisten Android-Apps lassen sich über den Market aktualisieren, das Problem wäre binnen kürzester Zeit behoben, alles wäre gut. Das passiert übrigens tatsächlich in etlichen Apps auf allen Plattformen und ist ein länger diskutiertes Problem, vor allem, wenn es um Banking-Apps und ähnliche geht. Leider gehören die jetzt betroffenen Apps aber zum Betriebssystem und lassen sich nur durch ein Android-Update auf die ganz aktuelle Version beheben, die für viele ältere Geräte gar nicht kommen wird und für halbwegs aktuelle Geräte vielleicht irgendwann. Wie gesagt, sehr sehr peinlich, dass Google ausgerechnet da so geschlampt hat.

Aber sehen wir es mal positiv und leiten drei Hoffnungen daraus ab:

1. Die Leute gehen nun hoffentlich angemessen kritisch mit offenen WLANs um. Man wird ja noch mal träumen dürfen. Aber im Ernst: Die Sorglosigkeit der Nutzer im Umgang mit öffentlichen WLANs hat mich schon immer gewundert. Wer auf einem Notebook irgendetwas ohne Verschlüsselung benutzt ist irgendwie auch selber schuld. Es sei denn, man kann keine Verschlüsselung aktivieren, dann ist ganz klar der Hersteller schuld. Das ist ähnlich unbedarft, wie seine Passwörter auf irgendwelchen dahergelaufenen Internet-Café-Rechnern einzugeben. Kurz gesagt: Bleiben lassen.

2. Die Gerätehersteller veröffentlichen nun hoffentlich endlich regelmäßig und zeitnah die von Google bereitgestellten Updates. Die Absichtserklärung dazu ist ja unlängst von etlichen Herstellern und Netzbetreibern abgegeben worden, aber Android braucht darüber hinaus eine Möglichkeit, Sicherheitsupdates auch ohne neue Hauptversionen zeitnah einzuspielen, vorzugsweise automatisch. Alles andere führt zur jetzt so unangenehmen Situation. Also ist hier ganz klar Google in der Verantwortung. Aber auch die Kunden: Kauft einfach keine Android-Telefone bei Herstellern, die für nicht mal ein Jahr alte Geräte schon keine Updates mehr liefern.

3. Die App-Entwickler könnten das als Denkanstoß benutzen, endlich nur noch verschlüsselte Kommunikation zu verwenden. Unverschlüsselte Kommunikation auf mobilen Geräten ist ein No-Go, ganz besonders, wenn Session-Tokens oder Zugangsdaten übertragen werden. Das ist nicht neu, aber scheinbar nicht mal bis zu Googles Android-Programmierern vorgestoßen.

Abhilfe in der konkreten Situation schafft übrigens einfach der Verzicht auf unverschlüsselte WLANs. Die sind leicht daran zu erkennen, dass man kein Passwort direkt beim Verbindungsaufbau eingeben muss (unabhängig davon, ob man sich danach im Browser mit irgendeinem Code einloggen muss). Alternativ kann man die Synchronisation von Kontakten, Terminen und Picasa-Bildern erst mal abschalten, bis man ein Update bekommen hat. Vielleicht überdenkt man sowieso mal, ob die Synchronisation von Kontakten und Terminen mit einem Cloud-Anbieter generell eine so gute Idee ist.

P.S. Auch in verschlüsselten WLANs können unverschlüsselte Nutzdaten abgefangen werden. Das ist zwar weniger wahrscheinlich, aber wer weiß, ob der Betreiber eines WLANs nicht allen Datenverkehr aufzeichnet oder die Daten auf dem Weg durch das Internet irgendwo abgefangen werden. Eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sollte also unabhängig von eventueller Verschlüsselung auf einem Teil des Transportweges erfolgen.

So, genug erhobener Zeigefinger. Weitermachen.


Von einem verkackten Schwimmbadbesuch

16 02 2011

Dienstag zur Feierabendzeit schwimmen gehen zu wollen, scheint grundsätzlich keine gute Idee zu sein, auf jeden Fall aber außerhalb der Schulferien im städtischen Hallenfreibad zu Benrath. Trotzdem sagte ich einer solchen Verabredung wider besserer Vorahnung zu. Das Unheil beginnt schon in der Herren-Sammelumkleide, die ich immer benutze, weil man sich in den Kabinen nicht mal umdrehen kann und ich zudem Ostseestrand-erprobt kein Problem mit Nacktheit habe. Doch diesmal werde ich dort mit der Anwesenheit eines Mädchens im Kindergartenalter konfrontiert. Was nun? In der Nähe von fremden kleinen Mädchen nackt zu sein, ist abseits von FKK-Ständen und -Vereinen zumeist mindestens unangemessen, zumindest fühle ich mich so nicht sonderlich wohl. Nackt in der Nähe von fremden kleinen Mädchen ohne erwachsene Begleitung angetroffen zu werden, denke ich spontan, bringt einen aber schon mal schnell in den Knast oder zumindest auf die Titelseiten der Boulevardzeitungen. Vielleicht auch nicht,sehr peinliche grundlegende situative Missverständnisse muss man ja nicht mutwillig herausfordern. Möglicherweise ist mein paranoides Verhalten übertrieben, aber das Ergebnis bleibt: Das Mädel treibt sich zwar in meiner Sammelumkleide rum und nicht umgekehrt, ich ziehe mich notgedrungen aber trotzdem in einer der wirklich beeindruckend engen Kabinen um und überlege eine Weile, ob meine überraschte Frage mit dem ungefähren Wortlaut Huch? So alleine? objektiv auch anders zu verstehen ist, als schokoladenonkelig. Dreck, ich muss diese Paranoia, allein mit fremden Kindern zu sein und damit verhängnisvolle Missverständnisse hervorzurufen, wirklich mal los werden. Woher das wohl kommt? Das war schon mit 14, als ich die Kindergruppe geleitet habe, sehr unangenehm und hat sich über die Jahre noch verschärft. Hoffentlich geht mir das nicht später mit eigenen Kindern auch so und ich werde so ein eigentümlich distanzierter Papa.

Diese Hürde genommen gelange ich in den Schwimmbereich, wo sich herausstellt, dass von den fünf Bahnen zwei für Kurse gesperrt sind und sich auf den restlichen drei Bahnen des 25m-Beckens satte 16 Schwimmer drängeln. Tendenz steigend, denn ich bin selbst mit dreieinhalb Schwimmern hier. Ich versuche mich mutig an vier Bahnen, gebe aber entnervt auf, weil ich keine drei Züge geradeaus oder wenigstens ohne Feindberührung schwimmen kann. Bis sich das legt, könnte ich mich im Springen üben, doch die Sprungbretter sind gesperrt und meine Badehose hat auch keine Kordel mehr. Ich könnte auch eine gemütliche Runde mit einem Elternteil samt mitgebrachtem Kleinkind im Pissbecken drehen, doch da ist die Hölle los. Kinder-Schwimmkurs. Der moderate Aufpreis für das Solebecken im Außenbereich lohnt sich auch nicht, weil es dunkel ist, kalt und regnerisch. Bleibt noch, frierend und sinnlos umher zu spazieren oder meine c't aus der Umkleide zu holen, auf den beheizten Bänken am Sportbecken einsam ein wenig zu lesen und zu hoffen, dass sich der Stau im Becken auflöst. Hatte ich erwähnt, dass ich ohnehin meine Schwimmbrille vergessen habe? Ich entscheide mich also für gehen.

So sieht also ein total verkackter Feierabend aus. Die 3,40€ für eine warme Dusche sind dabei nur moderat ärgerlich, die verballerte Zeit ist hingegen wirklich schmerzlich. Was hätte ich in der Zeit alles tun können? Ich hätte etwa zu einem möglicherweise fürs Geschäft interessanten Vortrag gehen können. Immerhin hatte ich so Zeit und Muße, einen kompletten Blogeintrag auf dem Handy zu verfassen und nur etwa die Hälfte des Textes in der Akku-Leer-Panik abzuspeichern.


Das Lebensgefühl der Piraten jenseits des Internets

30 10 2009

Martin Weigert antwortet auf netzwertig.com auf die Frage, wie man das Lebensgefühl der Piraten jenseits des Internets beschreiben kann mit der Feststellung, dass schon die Frage falsch gedacht ist:

WiWo-Chef Tichy liefert in seiner Frage den Denkfehler gleich mit, der die etablierten Parteien dazu bringt, eine wachsende Zahl von (Jung-)Wählern durch ihre Ansprache und ihr Parteiprogramm nicht mehr zu erreichen: Er sucht das Lebensgefühl des Piraten-Umfeldes jenseits vom Internet. Doch lässt sich hier tatsächlich noch zwischen Internet und der realen Welt unterscheiden? Ich behaupte, nein.

Ein wichtiger Teil des Lebensgefühls im Netz aktiver Bürger ist die nicht mehr vorhandene Unterscheidung zwischen offline und online. Das Internet ist nicht mehr eine Mediengattung unter vielen, sondern es ist DAS allgegenwärtige Medium, welches einen rund um die Uhr begleitet.

Das ist so treffend formuliert, dass es mir einen eigenen Blogeintrag wert ist. Das Internet ergänzt das Leben quasi um eine Metaebene. Der Gedanke, dass man sich jetzt ins Netz einwählt, dort etwas tut, als wäre es ein eigener Ort, als würde man dorthin verreisen und danach von dort zurückkehren, ist so unglaublich naiv gedacht. Sowas kann nur von Menschen kommen, deren Zugang zum Netz über Bin ich schon drin, oder was? in den letzten zehn Jahren nicht wirklich hinausgekommen ist. Dass man sich mit so einer ahnungslosen Anfänger-Attitüde überhaupt noch auf das Parkett der breiten Öffentlichkeit traut, liegt einzig und allein daran, dass man noch in bester Gesellschaft ist. Nichts gegen Anfänger, jeder fängt mal klein an, die Frage ist aber, ob man sich dann unbedingt ahnungslos stolpernd in dieser Größenordnung äußern muss. Ich würde mich in jedenfalls Grund und Boden schämen, wenn ich mich auf bundespolitischer Ebene so naiv etwa zum Thema Finanzmarkt äußern würde. Ein schönes Beispiel für peinlichst ahnungsloses Geqautsche leiferte zuletzt Frau Zypries mit ihrem Google-SMS-Gestammel ab.

Nun darf man natürlich hoffen, dass sich diese Leute rauswachsen, das werden sie auch sicher tun. Aber in der Zwischenzeit werden sie noch so viel kaputt machen mit ihrem Bestreben, das Internet zu bekämpfen. Das Internet geht nicht wieder weg und es wird sich auch ganz sicher nicht mehr zurückziehen und sich seine Nische suchen neben Zeitungen und Fernsehen. Es durchdringt die Gesellschaft um Klassen tiefgreifender und revolutionärer als das etwa der Buchdruck getan hat, eben weil es einen universellen Ansatz verfolgt. Es ist OK, sich da raus zu halten. Aber dann sollte man sich auch nicht einmischen. Ich lese keine Tageszeitung, hab ich noch nie getan. Ein bisschen schäme ich mich dafür, weil ich weiß, dass in Zeitungen viele gesellschaftlich wichtige Dinge drinstehen. Aber ich ziehe aus diesem Umstand nicht den Schluss, dass man Gesetze zur Eindämmung der gemeinen Zeitung erlassen muss. Ich finds doof, deswegen ist es doof und deswegen gehört es bekämpft. Was für ein hirnverbrannter und selbstverliebter Ansatz ist das denn bitte?

Und weil noch zu viele Leute so drauf sind, haben die Piraten eine gesellschaftlich so wichtige Funktion als Korrektiv und Denkanstoßgeber. Diese Funktion haben sie bisher großartig ausgeübt. Ohne eine so aufstrebende Jungpartei würden diese Themen in Zeit, Spiegel, FAZ und Co. noch immer keine echte Beachtung finden. Allein durch die Anwesenheit der Piraten als Manifestation der schon zuvor zu erahnenden gesellschaftlichen Umwälzung wird plötzlich recht offen über das Thema Informationsgesellschaft geredet. Erst seit jemand in der breiten Öffentlichkeit aufgetaucht ist, der offenbar beim Thema Informationsgesellschaft echtem Expertentum eine laute Stimme gibt, wird es zunehmend peinlich, sich ahnungslos zu äußern. Zumindest fällt die Peinlichkeit naiver Äußerungen dadurch immer mehr Leuten auf, was sich irgendwann auch rückkoppeln wird und die Anfänger sich vorsichtiger äußern lassen wird. So zumindest meine Hoffnung.


Die Angst vorm Personalchef und die Authentizität

23 08 2009

Seit geraumer Zeit reift bei mir ein länglicher Blogeintrag zur Auffassung des Internets in den Köpfen derjeniger, die es nicht so recht verstanden haben. Nun gibt es im Spiegel Online einen Artikel zu genau diesen Themen, der im Grunde jedes weitere Wort überflüssig macht. Gut geschrieben und sinnvoll argumentiert, ohne wütend zu sein. Solche Artikel braucht es, vielleicht sollte der SPIEGEL sowas mal als Titelstory aufnehmen: Das missverstandene Netz.

Neben den anderen angesprochenen Punkten ist mir einer besonders wichtig: Die Angst vor dem Personalchef, der die Partybilder aus dem StudiVZ raussucht und gegen einen verwendet. Fuck Leute, wenn ein Personalchef Privatdetektive beauftragt, die einen Blick ins Privatleben seiner Mitarbeiter werfen, wäre das Geschrei groß. Das geht gar nicht, das gehört sich nicht, das macht man nicht, was für ein kranker Kontrollfreak. Exakt das gleiche gilt doch für Informationen, die online verfügbar sind. Das ist eine Frage des Stils, ein gesellschaftliches Problem und nicht eine Frage ob online oder offline. Soweit der Artikel.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Wer sich von sowas einschüchtern lässt, sollte tatsächlich keine Infos von sich ins Netz stellen und die Vorhänge zuziehen. Die Frage ist für mich aber, warum man sich vor einem (Personal)chef bezüglich seines Privatlebens verantworten muss. Muss man nicht, denn das Privatleben geht den Chef exakt nichts an, sofern es nicht den Beruf beeinflusst. Wenn mir ein Personaler beim Vorstellungsgespräch kompromittierende Fotos oder Details aus meinem Privatleben auf den Tisch legen würde, würde ich mit der Gegenfrage antworten, ob es Usus in seiner Firma ist, in die Privatsphäre seiner Mitarbeiter einzudringen. Falls er das tatsächlich bejaht (ohne wirklich gute Gründe dafür zu nennen) und die Sache weiter im Raum steht, würde ich gehen. Ich werde nicht bei einem oder für ein Unternehmen arbeiten, dessen Unternehmensethik derart verkommen ist.

Zudem wird ein Unternehmen, dass Bewerber mit betrunkenen Partybildern im StudiVZ nicht einstellt, früher oder später ein ernsthaftes Problem mit neuen guten Leuten haben: Die meisten Leute, die ich kenne und die ich für beruflich kompetent halte, haben mehr oder weniger viel mehr oder weniger kompromittierende Informationen über sich im Netz stehen. Und der letzte Punkt: Leute, die Angst haben, dass ihr Privatleben zu Problemen mit dem Chef führt, erwecken bei mir immer den Eindruck mangelnden Selbstwertgefühls, eines negativen Weltbilds, mangelnder Authentizität oder allem zusammen. Wer nicht zu all dem steht, was er tut, sollte sein Tun vielleicht einfach mal überdenken. Oder eben einfach keine Zeugnisse davon ins Netz stellen.

Womit wir beim letzten Punkt und einem weiteren Missverständnis sind: Genau diese Wahlfreiheit ist der entscheidende Unterschied zwischen freiwilligen Angaben über sich im freien Internet und staatlicher Vollzeit-Überwachung wie der Vorratsdatenspeicherung oder dem Bundestrojaner. Komisch, dass die gleichen Leute, die hierfür mit Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten argumentieren, auch die sind, die die Jugend für ihren gefährlichen Exhibitionismus kritisieren. Das ist schon ein Widerspruch. Ich blogge und twittere viel persönliches von mir, aber eben nur die Aspekte, die ich auch veröffentlichen möchte. Dass mein komplettes Telefonie-, Mail- und Surfverhalten, sowie meine Bewegungen im Handynetz unabhängig von jeglichem Verdacht für sechs Monate gespeichert werden, ist für mich jedoch ein unerträglicher Eingriff in meine Intimsphäre. Und eine Ungleichbehandlung ist es auch: Warum gilt diese Vorratsdatenspeicherung nicht auch für Briefe? Hier wäre es doch mindestens so relevant zu wissen, wer wann und wieviel mit wem Briefe schreibt. Dass ein Staat solche Informationen nicht sammeln darf, ist eine Errungenschaft des 17. und 18. Jahrhunderts, nennt sich Postgeheimnis und wurde mir in der Schule als wichtiger Eckpfeiler einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft vermittelt. Aber für Internet und Telefon gilt nun das nicht mehr, weil? Diese Frage ist bisher nicht schlüssig beantwortet.


Aber wenn nur ein Kind…

05 08 2009

Immer wieder bekommt man in der Zensurdebatte als Argument für Netzsperren gegen Kinderpornographie das gleiche dumme Argument zu hören: Wenn durch die Netzsperren nur ein Kind weniger missbraucht wird, dann hat sich das ganze gelohnt! Mir fällt wirklich kein dümmeres Argument ein als dieses. Sollte man diesem Argument konsequent folgen, wäre exakt alles erlaubt, um Kindesmissbrauch zu verhindern. Alles, was auch nur im entferntesten dazu beitragen könnte, wäre in Ordnung. Eigentlich brauche ich nicht weiter schreiben, denn jeder kann sich selbst ausmalen, was man denn dann alles tun könnte und konsequenterweise auch müsste. Trotzdem ein Beispielezur Verdeutlichung, was ich meine:

Diesem Argument folgend müsste man also in jede Wohnung eine Kameraüberwachung durch die Polizei installieren oder noch besser direkt 24 Stunden am Tag einen Polizisten ausnahmslos jedes Kind begleiten lassen. Wobei… dem Argument folgend kann man auch der Polizei nicht trauen, also lässt man jedes Kind stets von zwei Polizisten begleiten, die sich alle Nase lang abwechseln. Nicht, dass es noch Absprachen gibt.

Verdammt, macht Euch doch mal frei von diesem Verfolgungswahn und macht Euch frei vom Gedanken der totalen Sicherheit. Die wird es nicht geben, nie und nimmer. Und damit muss man einfach klar kommen. Niemand möchte, dass irgendwo Kinder missbraucht werden. Man wird es aber leider nicht verhindern können, so sehr man sich auch anstrengt.

OK, aber warum finde ich das Argument so dämlich? Wenn die Netzsperren doch vielleicht dabei helfen? Das Argument an sich ist in meinen Augen schlicht und einfach ungültig, weil es auf alles passt. Ein Totschlagargument, auch wenn ich den Begriff nicht mag. Wer auf so eine Argumentation zurückgreift, hat sonst nichts vorzubringen oder ist rein emotional gesteuert. Neulich kam eine Freundin mit genau diesem Argument und hatte Wasser in den Augen stehen, weil Kindesmissbrauch sie so wütend und betroffen macht. Emotional zu argumentieren funktioniert in einem echten Diskurs aber nicht, denn die nüchterne Logik ist dabei ausgeblendet, und ohne Logik funktioniert kein Diskurs.

Aber was, wenn doch ein Kind vor Missbrauch bewahrt wird durch die Netzsperren? Ganz ehrlich: Wieso sollte jemand, der Kinder missbraucht, damit aufhören, weil jemand im Web vor möglicherweise davon angefertigten Aufnahmen einen Vorhang zieht? Mir ist die Kette nicht ganz klar, die hier herbeigewunschdenkt wird. Es ist reine Spekulation, dass eine solche Sperre irgendeinen Effekt auf den Tausch von Kinderpornographie hat und erst recht ist es reine Spekulation, dass sie einen Effekt auf die Zahl der Missbrauchsfälle hat. Meine Gegenthese hatte ich hier im Blog schon mal aufgestellt: Was, wenn durch das ganze Gerede um das Gesetz Leute erst auf die Idee gekommen sind, sich mal Kinderpornos anzugucken?

Das alles ganz davon abgesehen, dass nur ein minimaler Anteil aller getauschten kinderpornographischen Bilder im Web (also das, was man im Browser aufruft und worauf sich die Sperren beziehen) auftaucht. Die Strafverfolger sagen recht einhellig, dass der weit überwiegende Großteil per Post transportiert wird. Und jetzt kommt der Sprung zur dummen Argumentation: Wenn der Großteil der Kinderpornos per Post transportiert wird, wäre es dann nicht unsere Pflicht, das Postgeheimnis aufzuheben, wenn dadurch nur ein Kind…? Ich denke es ist klar geworden, wie unsagbar dumm diese Argumentation ist.

P.S. Noch jemand, der mit diesem Argument um die Ecke kommt, ist Nora Reich von den Grünen (hier das Video ihrer Rede auf YouTube). Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihren unfassbar stotterigen Vortragsstil peinlicher finde oder ihre 100%ige Wiedergabe der #Zensursula Argumentation. So oder so, es scheint nicht wenige Grüne zu geben, die dieser Argumentation folgen. Und wer wird es ihnen verübeln, fühlen sie doch in ihrem Herzen, dass was getan werden muss. Denn wenn nur ein Kind…, ihr wisst schon.

P.P.S. Ich wiederhole mich, aber es muss noch mal in aller Deutlichkeit gesagt werden: Es geht hier um die Einrichtung einer Infrastruktur zur Zensur des World Wide Web. Kinderpornographie ist nur die Einstiegsdroge gewesen, denn inzwischen fordert auch Frau von der Leyen selber eine Diskussion über die Ausweitung der Sperren auf andere Inhalte. Aktuell im Angebot: Nazis, Hass, Killerspiele und – Überraschung! – Urheberrechtsverletzungen. Letzteres dürfte übrigens das Hauptziel sein, denn die Musikindustrie kam mit genau dieser Idee schon vor fast zehn Jahren. Jetzt, wo das Fass offen ist, sollten wir uns also schnell vom Glatteis der Kinderpornodiskussion herunter bewegen und Tacheles reden: Es geht nicht um Kinderpornos. Leute, lasst Euch doch nicht verarschen.

P.P.P.S. Ich werde hier nicht alle meine Inhalte wiederholen. Unter diesem Artikel gibt es eine Liste von Schlagwörtern, auf die man draufklicken kann. Unter dem Schlagwort "aktivismus" finden sich eine Menge vorhergehender Artikel zum Thema. Bevor man mich also volllabert, sollte man da mal nachlesen, was ich bereits geschrieben habe.

Nachtrag: Wer immer noch abstreitet, dass hier eine Zensurinfrastruktur für das Web aufgebaut wird, hat scheinbar die Nachrichten nicht gelesen, etwa bei heise.de (auch wenn das Familienministerium dementiert, muss man das aus dem Wortlaut des Interviews doch entnehmen). Aber Frau von der Leyen ist in bester Gesellschaft mit Überlegungen zur Ausweitung der Sperren, andere fordern ganz direkt und unverblümt die Ausweitung auf die oben genannten Themenfelder.


TeLMI, Quix, Scall und Skyper - voll 90er ey!

30 07 2009

Irgendwann in den 90ern gab es für normalsterbliche noch kein Internet und allgegenwärtige Erreichbarkeit per Handy war ein undenkbarer Luxus, zumindest für 13 jährige Schüler wie mich. Aber das mit der Erreichbarkeit leuchtete mir total ein, das wollte ich auch am Start haben. Dieses Gefühl gab es wohl auch bei anderen Leuten, denn um 1995 rum kamen gleich vier konkurrierende Pager-Systeme auf den Markt, die ein revolutionäres und für Jugendliche erstmals finanzierbares Geschäftsmodell nutzten: Der Pager-Träger bezahlt außer dem Gerät nichts, nur wer ihn anpagen will, bezahlt. Und da sind wir schon beim zentralen Problem, denn eine einzige Textnachricht kostete den Sender mehrere D-Mark. Völlig kranke Scheiße, die wirklich fast niemand gemacht hat.

Ich hatte mir damals einen grünen TeLMI gekauft, denn obwohl Quix im Grunde cooler war und mit dem Mehrwert verschiedener kostenloser Nachrichtenticker mitbrachte (u.a. die BRAVO-News), war TeLMI das technisch überlegene System. Wenn ich mich recht erinnere, konnte es weit mehr Zeichen pro Nachricht übertragen und hatte eine garantierte Laufzeit von unter einer Minute, während in den anderen Netzen durchaus auch mal zwei bis drei Minuten üblich waren. Für die Umsetzung der Textnachrichten gab es eine Hotline mit menschlichen Operatoren, die sich die Nachricht anhörten und abtippten. Kann man sich heute kaum noch vorstellen, aber so war das System angelegt. Leider schienen die Operatoren bei den paar Nachrichten, die ich insgesamt bekommen habe, nicht allzu sorgfältig zugehört zu haben. Aus der kultigen Nachricht Karl Ranseier ist tot… wurde so etwas unleserliches wie Kairan seier ist tot… oder so ähnlich, nur noch unverständlicher. Ich habe also mindestens sechs Monate lang stets meinen TeLMI dabei gehabt, um insgesamt weniger als 10 Nachrichten zu empfangen, alle davon Test- und Witznachrichten. Ich weiß nicht, was sich die Betreiber damals erhofft hatten bei diesen irrwitzigen Mondpreisen. Gerade Jugendliche können sich eine regelmäßige Nutzung dieses Dienstes schlicht nicht leisten, zudem war der Nutzen ohne Rückkanal sowieso sehr beschränkt. Mehr als Hab Dich lieb und Ruf mich mal schnell bei xy an, hab meinen Schlüssel vergessen. ließ sich einfach nicht sinnvoll übertragen. Von Unterwegs konnte man sich ja auch nicht melden, denn selber hatte man ja auch kein Mobiltelefon. Ein Ich komme später, hab die Bahn verpasst war also auch nicht drin, ganz davon abgesehen, dass diese Nachricht einem in der Praxis dann doch nicht mehrere D-Mark wert gewesen sein dürfte.

Alles in allem eine unerträgliche Totgeburt das ganze und nur wenige Jahre später kamen die Prepaid-Handys mit SMS. Damit konnte man für vergleichsweise günstige, im Grunde aber immer noch lächerlich teure 39 Pfennig pro SMS in zwei Richtungen und wirklich mobil arbeiten. Und sogar telefonieren, wenn man sich das leisten konnte. Großartig. Und Internet zu Hause hatte man auch.

Scall und Skyper waren übrigens irgendwie doof, ich weiß gar nicht mehr, wieso eigentlich. Scall hatte sogar die großartige Idee, einen Pager in der "Swatch the Beep" mit einer Uhr zu kreuzen. Voll future-mäßig, aber fast noch bescheuerter also ein grüner Pager mit Holster am Gürtel. Ich schäme mich auch angemessen, ehrlich. Wobei mir dieses Gürtel-Holster, das ich stets etwas verschämt hinten am Arsch trug, mal eine Faust beschert hat. Als Ronnie mit der Dicken Backe mir den TeLMI abziehen wollte und mich deswegen abgecheckt hat, hat er das da hinten nicht gefunden und mir dann stattdessen vorgeworfen, dass ich seine Schwester angebaggert hätte. Wenn man aufs Maul bekommt ist der aus der Luft gegriffene Grund ja total egal, aber das mit der Schwester ist doch so klischeehaft und dumm. Als ob man sich nicht irgendetwas weniger armseliges ausdenken oder die Faust einfach mal grundlos sprechen lassen könnte.

P.S. In meiner CB-Funk Zeit hatte ich übrigens auch mal einen CB-Funk Pager zusammen mit einem Funkgerät in Autotelefon-Optik von Conrad (die hab ich sogar noch irgendwo). Bei dem Ding konnte man auf der Tastatur eine vierstellige Zahl eingeben und der dazugehörige Pager piepste und schaltete für eine Weile auf Empfang, sofern er denn in Reichweite war. So wir Polizeifunk inkl. des komischen Piepsens, nur eben im 27MHz Band, was dem Pager eine recht lange Wurfantenne bescherte, die einem am bein runter hing. Auch hier war ich der einzige weit und breit mit sowas und konnte mich nur selber anpiepsen. Wow. Oder eben andere mit polizeimäßigem Rumgepiepse nerven, wenig Nutzwert insgesamt, aber immerhin technisch spannend.


Ich war auf einer Demo und fand es nicht zu ertragen

20 06 2009

Heute war ich auf der Düsseldorfer Demo wider die Internetzensur. Ich hasse Demonstrationen und war bisher in meinem Leben nur auf zweien: Mit etwa vier Jahren wurde ich von meinem Vater auf eine riesengroßen Friedensdemo gegen Pershing II Raketen (glaube ich zumindest) nach Bonn mitgenommen, erinnere mich aber nur an das Klettergerüst und die mir schon damals unangenehme Stimmung. Es war Sonnenschein und es waren Leute da, so weit man blicken konnte, aber die Stimmung mochte ich nicht. Ein anderes Mal war ich für ca. fünf Minuten auf der großen Demo gegen die Vorratsdatenspeicherung in Berlin im Herbst 2007. Da kam ich aus der U-Bahn und stand mitten zwischen dem schwarzen Block und der Polizei. Na prima. Also sind wir da sofort wieder abgehauen. Hatte ich erwähnt, dass ich Demos als Instrument scheiße finde und für mich ablehne? Nichtsdestotrotz war ich heute um 12:00 Uhr am Shadowplatz, denn ich hatte das Gefühl, etwas tun zu müssen. Irgendwas tun, sonst platze ich. Dieses Gesetz hat ein derart großes Loch in mein Vertrauen in Rechtsstaat, Staat, Vernunft und Politik gerissen, dass ich nicht mehr einfach nur zusehen kann.

Ich habe eine neue Lebensaufgabe gefunden, bzw. ist sie mir eigentlich zugelaufen: Die Verantwortlichen bluten lassen. Die CDU/CSU muss bluten (die SPD blutet mit ihrem Projekt 10 ja sowieso schon und ist schon auf dem besten Weg zur inneren Läuterung) für dieses undenkbare Gesetz, das in einem Handstreich die so unglaublich wichtige Gewaltenteilung aufhebt, mehrere Grundrechte ignoriert und von vorne bis hinten wirklich nur zu 100% schlimm ist. Auch die feigenblattigen Zuschnitte, die die SPD immerhin daran erwirkt hat, machen es absolut gesehen nicht besser, lediglich gegenüber dem reinen CDU/CSU Ansinnen ist das eine relative Verbesserung. Ich werde also alles tun, um Leuten in meinem Bekanntenkreis die CDU auszureden. So etwas darf nicht einfach akzeptiert werden.

Deswegen war ich auf der Demo und habe mich total nassregnen lassen. Und was soll ich sagen? Ich hasse Demos und die hier war an Lächerlichkeit kaum zu überbieten: 50 offensichtlich schräge Vögel stehen mit dem leisesten aller Megaphone auf dem Shadowplatz und klopfen sich gegenseitig auf die Schultern. Einer liest, kaum zu verstehen, die wirklich guten Feststellungen der Piratenpartei zum Thema (vorsicht, PDF) vor und alle stimmen zu. Überraschung. Dank Regen nimmt aber sonst niemand Notiz davon und selbst bei strahlendem Sonnenschein hätte die Message niemanden der Passanten erreicht. Wer will von zotteligen Freaks schon einen Flyer in die Hand gedrückt bekommen? Und dann wieder der Name: Piratenpartei ist in der Außenwirkung derart kontraproduktiv, da könnte man sich gleich "Bitte nehmt und keinesfalls ernst und guckt besser weg" Partei nennen. So gut die Feststellungen auf dem Flyer auch sind, es wird sie kein normaler Mensch lesen, wenn oben rechts fett Piratenpartei steht. Alles in allem jedenfalls eine totale Doppelminus-Demo, deswegen haben wir uns schon nach einer Dreiviertelstunde verzogen.

Liebe Piraten, auch ein Jörg Tauss und wenn alles gut läuft maximal 2% bei der Bundestagswahl werden Euch nicht in eine Position bringen, dass Euch irgendwer zuhört oder gar im entferntesten ernst nimmt. Momentan profitiert Ihr von der Unentschlossenheit der anderen Parteien zum Thema und von allgemeiner Empörung in bestimmten Kreisen, aber das kann auf Dauer nicht einen Namen ersetzen, bei dem nicht 95% aller Leute an Kriminelle, Chaoten und Freaks denken. Ich habe jedenfalls wirklich keinerlei Bedarf, statt über Positionen immerzu nur über den Namen und die dadurch falsch geweckten Assoziationen zu reden.

Ach ja: Meine Stammpartei, die Grünen, haben sich ja in ihrem Parteiprogramm großspurig als "Internetpartei" und gegen jede Form von Zensur ausgesprochen. Da passt es gar nicht ins Bild, dass sich mehr als ein Drittel der grünen Abgeordneten bei der Abstimmung zum Zensurgesetz enthalten haben (knapp 30%) oder nicht anwesend waren (ca. 6%). Hallo? Was ist denn das? Die FDP hat geschlossen dagegen gestimmt (bei 10% nicht anwesenden Mitgliedern), allerdings erinnere ich mich noch sehr gut an die Sache mit dem großen Lauschangriff. Die Linke stimmte ebenfalls geschlossen gegen das Gesetz (allerdings bei ca. 32% nicht anwesenden Mitgliedern), was nicht nur Jörg Tauss, sondern auch mich angesichts der Vergangenheit vieler Mitglieder dieser Partei ein klein wenig nachdenklich werden lässt. Die Zahlen gibt es bei abgeordnetenwatch.de und hatmeinabgeordneterfuernetzsperrengestimmt.de/.

Liebe Grüne, bei 30% Enthaltungen zum Zensurgesetz darf man ernsthaft bezweifeln, dass die in Eurem Parteiprogramm proklamierte strikte Haltung gegen Zensur und für Bürgerrechte im Internet auf eine geschlossene Basis fußen. Diese Enthaltungen müssen erklärt werden, schleunigst! Ich kann mir spontan keinen Grund vorstellen, sich bei einer solchen Entscheidung zu enthalten, außer dass man entgegen der Parteimehrheit pro Zensur eingestellt ist. Darüber kann ich mich nur verwundert die Augen reiben.

Die Argumente, warum Jörg Tauss aus der SPD aus und in die Piratenpartei eintritt sind übrigens sehr lesenswert. Lesebefehl, denn es wird sicher einigen so gehen wie ihm.

Nachtrag 21.06.2009: Bevor man mich missversteht: Ich möchte niemandem in Abrede stellen, dass sein Engagement auf Demos jeglicher Art etwas bringt. Geht zu Demos so viel ihr wollt, sicher bringt eine Demo auch irgendwas. Ich ziehe nur für mich den Schluss, dass Demos für mich nicht das geeignete Mittel sind, etwas zu bewirken. Auch möchte ich die Inhalte der Piratenpartei nicht schlecht reden. Ich habe Piraten gewählt und werde vielleicht auch bei der Bundestagswahl Piraten wählen. Aber ich tute das trotz des Namens, den ich für ein riesengroßes Manko halte. Man würde für diese so wichtigen Inhalte eben auch deutlich mehr erreichen, wenn man sich einen Namen gäbe, der weniger spontanen Widerstand bei Unbeteiligten verursacht. Liebe Piraten, ich weiß nicht ob ihr auch mit normalen Leuten bekannt seid. Aber falls ja, sollte Euch bereits selber aufgefallen sein, dass Ihr zur Inhalte-Diskussion viel zu selten kommt, weil Ihr immer wieder erst mal die falschen Assoziationen beseitigen müsst. Und für böswillige Presse ist so ein Name ein gefundener Angriffspunkt. Das alles mag man cool finden und es versprüht auch eine gewissen Charme, aber in der politischen Sache ist es einfach ein echter Minusfaktor. Ich wiederhole mich, aber dieser Punkt ist mir besonders wichtig. Ich würde längst bei Euch mitmachen, wenn dieser Name nicht diametral meiner Liebe, ernst genommen zu werden, entgegen stehen würde.


Die Angst im Umgang mit Kindern

19 03 2009

In der ganzen Kinderporno-Diskussion bin ich auf diesen langen, aber sehr lesenswerten Text über Pädophilie im Spreeblick gestolpert. Dort werden verschiedene Aspekte behandelt, unter anderem auch die Angst vieler im Umgang mit Kindern und deren Sexualität. Meine Meinung dazu im nichtöffentlichen Bereich nach dem Passwort, weil man so schnell missverstanden wird bei solchen Themen; man schaue sich nur mal die Kommentare zu dem oben verlinkten Beitrag an.


"Die Angst im Umgang mit Kindern" vollständig lesen


Ich lass mich nicht gerne verarschen, liebe O2-Hotline

17 03 2009

Ich war am Wochenende nicht zu Hause, habe also erst am Sonntag Abend bemerkt, dass ich zu Hause nicht telefonieren kann. Also weder Gespräche annehmen noch Gespräche aufbauen, weder mit meinem Haupthandy noch mit dem Zweithandy (Multicard). In Benrath bei meinen Eltern konnte ich telefonieren, also dachte ich mir nichts weiter. Heute konnte ich dann ganz und gar nicht mehr telefonieren, was schon lästig ist, wenn man mit Kunden kommunizieren will. Datendienste gingen aber. Also rief ich von meinem Sipgate Anschluss für fast 17ct/min die O2-Premium Hotline an. Wie in 80% der Fälle ging da keiner dran und ich landete in der Standardhotline. Jetzt kommts.

Die Dame an der Hotline sagte, es wären keine netzseitigen Fehler bekannt und unterstellte mir, ich habe an beiden Telefonen irgendwas verstellt. Mein Einwand, dass ich keineswegs irgendwas verstellt habe, an meinem Zweittelefon schon mal gar nicht, das hatte ich nicht mal angefasst, ignorierte sie zielstrebig und wollte meinen Fall nicht mal als Störung aufnehmen. Noch am Telefon für besagte fast 17ct/min ließ sie mich ein drittes Telefon auftreiben und ein munteres SIM-Karten Wechselspiel veranstalten. Nach einigem hin und her stand fest, dass es definitiv nicht an den Telefonen oder deren Einstellungen lag, da beide prima mit der FONIC-Karte funktionierten. Aber auch das dritte Telefon funktionierte mit meiner Zweitkarte und danach auch wieder mein XDA, was sich nach dem Telefonat leider als Zufall herausstellte.

Also rief ich noch mal an und hatte dieses Mal tatsächlich mal einen Premium-Supporter dran. Ich schilderte kurz mein Anliegen und bekam lediglich die Frage gestellt, ob ich von Düsseldorf aus anrufe. Dort gäbe es seit dem Wochenende eine schwere Netzstörung, mein Problem sei also ganz normal und man arbeite an einer Lösung. Kurz und bündig, angenehm und korrekt. Warum mich die erste Dame derart dreist belogen (Es gibt keine Störung im Netz) und mir SIM-Karten-Sand in die Augen gestreut hat ist mir ebenso schleierhaft geblieben wie ihm. Die Netzstörung betraf tatsächlich nicht nur mich, sondern auch andere Leute und bestand schon das ganze Wochenende, am Samstag zuerst sporadisch, dann am Sonntag fast vollständig nicht erreichbar.

Die ganze Sache ist wirklich unerfreulich. Dass O2 ein ganzes Wochenende und einen Werktag eine großflächige Störung in Düsseldorf hat ist ja schon ärgerlich, passiert aber mal. Dass die Kunden aber nirgendwo darüber informiert und sogar an der Hotline diesbezüglich direkt angelogen werden, ist wirklich ein Unding. Und dafür habe ich auch noch 3,72 Euro vom Festnetz zur Premium-Hotline bezahlt. Wenn ich da so drüber nachdenke bin ich wirklich stinkesauer auf O2. Falls das hier jemand von O2 liest – und davon gehe ich durchaus aus – würde ich mich über eine Erstattung zumindest der unnötig angefallenen Hotline-Kosten freuen, als symbolischen Akt. Die halbe Stunde vertane Arbeitszeit, die Nichterreichbarkeit für meine Kunden und die Kosten für Anrufe mit Sipgate statt der Handy-Flatrate kann ich schlecht beziffern. Ach ja, bei der Gelegenheit wäre auch eine Erstattung der überflüssigen 2x25 Euro Vertragsänderungsgebühr zum neuen Genion S und wieder zurück nach Beendigung des XDA-Projektes, das war anders vereinbart gewesen. Fehler von O2 passieren mal, da habe ich kein größeres Problem mit; nur, wenn ich dafür zur Kasse gebeten werden, ist mir das nicht so recht.


Neue Verschwörungstheorie: Obama macht den Kennedy im Hubschrauber

02 03 2009

Aktuell geht eine Meldung durch die Presse, dass geheime Daten über Obamas Hubschrauber über eine P2P-Börse an die Öffentlichkeit gelangt sind und, oh weh, auf iranischen Webservern publiziert werden (etwa bei Heise: Daten über Obamas Hubschrauber auf iranischem Webserver). Dazu schoss mir sofort eine naheliegende Verschwörungstheorie in den Kopf: Da ist – vom wem auch immer – ein Anschlag auf Obama geplant bei dem Detailkenntnisse über Obamas Hubschrauber eine Rolle spielen werden. Und vorgreifend wird dieser iranischen Extremisten in die Schuhe geschoben, weil die ja Kenntnis diesen Interna erlangt haben. Das wäre ja ein prima Kriegsgrund, um endlich mal im Iran aufzuräumen. Solche Unterstellungen haben ja schon Tradition in der Kriegsgeschichte der USA. Vielleicht geht es aber auch einfach um einen Joker, den man in der Hinterhand haben will, wenn man Obama beseitigen möchte. Und den Internet-Präsident gerade mit dem Internet zu Fall zu bringen ist schon attraktiv für politische Gegner. Vielleicht misslingt der Anschlag ja auch nur knapp und bietet gleichzeitig super Argumente für die Wichtigkeit von Geheimdienstarbeit und die Einschränkung von Bürgerrechten. Vielleicht steckt ja auch Schäuble dahinter…

Jetzt mal im vollen Ernst: Die Story klingt vorne und hinten verdächtig. Da ist auf einem Rechner mit höchst geheimen Rüstungsdaten eine nicht näher genannte P2P-Tauschbörse installiert, die versehentlich die natürlich nicht besonders geschützt abgelegten Geheimdaten freigibt und einfach durch die Firewall einer Rüstungsfirma mit geheimen Daten kommunizieren kann. Hatte ich schon die Geheimheit der Daten erwähnt und die in solchen Fällen üblichen Sicherheitsvorschriften, die alles eher zulassen als eine P2P-Tauschbörse? Die Story stinkt allein schon aus dem Grund zum Himmel; wenn man etwas nachdenkt fallen einem noch viel mehr Sachen auf, die ich gar nicht niederschreiben will.

Wer Spaß an Verschwörungstheorien hat, kann sich ja mal seine Gedanken machen. Ansatzpunkte: Wer ist die Quelle (eine Sicherheitsfirma mit P2P-Fokus und ein Nachrichtensender ohne internationale Bedeutung)? Wer zieht wie Nutzen aus so einer Nachricht? Wofür ist sowas vielleicht in Zukunft nutzbar?