Urlaub machen

28 12 2009

Ich mache Urlaub, ich weiß, es ist kaum zu glauben. Denn ich fahre nicht gerne in den Urlaub, erst recht nicht, wenn ich knapp bei Kasse bin. Und schon gar nicht eine ganze Woche. Nun haben wir aber schon seit Jahren vor, zu Sylvester ein Haus am Meer mit Sauna klar zu machen. Und weil über Sylvester alle Häuser eine Mindestmietzeit von einer Woche haben, oder wenn sie weniger zulassen, das gleiche kosten, wie andere Häuser eine ganze Woche, sind wir jetzt gleich eine ganze Woche am Start. Naja und knapp bei Kasse bin ich zur Zeit glücklicher Weise (zumindest theoretisch) auch nicht so wirklich. Da wir nicht irgendwo hin fliegen, ist das Ganze sogar umwelt- und geldbeutelmäßig vertretbar.

Bleibt die dritte Einschränkung: Online sein im Urlaub. Bisher hieß Urlaub für mich, weitgehend auf Internetzugriff zu verzichten. Erst fiel diese Grenze durch sowieso gebuchte Datenflatrates bei Deutschland-Kurztrips, jetzt sind wir auch im Haus in Holland für 20€ Aufpreis online. Ich bin gespannt, wie das da realisiert wird; dabei hoffe ich auf einen WLAN-Router im Haus, rechne aber irgendwie mit einer Telefondose, an der man ein Modem anschließen kann und für 9¢/min online gehen kann. So habe ich das nämlich in Krankenhäusern und Reha-Buden in den letzten Jahren immer wieder gesehen. Wie auch immer, ich nehme vorsichtshalber eine Fritz!Box mit. Wär doch gelacht. Eine Woche ohne Online-Zugriff geht für mich nun mal nicht, zumindest nicht freiwillig. Ich weiß, dass andere das als befreiend empfinden; ich tue das nicht. Ich finde auch barfuß in der Stadt laufen nicht befreiend oder auf papierdünnen Strohmatten auf Steinböden in irgendwelchen abgeschiedenen Klöstern zu nächtigen. Weil man da so zu sich findet und so. Fuck Leute: Man kann sich seinen Alltag auch so einrichten, dass man genug Möglichkeiten zum in sich kehren hat. Stress vermeiden und vielleicht gelegentlich mal ein Joint sind da schon sehr hilfreich. Oder man macht zweimal die Woche Yoga oder was auch immer. Für mich ist Urlaub jedenfalls selten befreiend gewesen, sonder eher eine stressige Angelegenheit. Wenn man nach Hause kommt und vor Anstrengung erst mal pennen muss, um danach ein paar Tage damit zu verbringen, wieder auf den aktuellen Stand zu kommen, dann kann ich da keine echte Entspannung erkennen. Um es mit Deichkind zu sagen: Urlaub vom Urlaub". Andere lassen sich die Zeitung in den Urlaub nachschicken, ich brauche eben Internetzugang. So einfach ist das. Keine Ahnung, wieso ich mich da immer rechtfertigen muss.

Es gibt noch eine vierte Einschränkung: Nach Weihnachten ist bei mir seit 10 Jahren traditionell Weihnachts-Netz angesagt, die ich jetzt schweren Herzens sausen lassen muss. Sehr schade. Aus diesem Grund kam bisher auch für mich nie ernsthaft ein Besuch beim Chaos Communication Camp in Frage. Jetzt ist es so weit: Ich kaufe mir einen langärmligen und langbeinigen Spießer-Pyjama und fahre statt mit den Jungs (und Mädels) die Nächte mit Killerspielen und so zu durchzechen in den Sylvester-Urlaub. Ja, ich gehe ganz offensichtlich auf die 30 zu. Und was soll ich sagen? Ist gar nicht so doof, wie das immer dargestellt wird.

Jetzt muss ich mich aber schnell fertig machen und packen, denn gleich geht es schon los. Zu viert in meinem Jazz, das wird kuschelig.


Linux lernen

11 12 2009

Zu meinem Job gehört auch die Administration von Linux-Servern, wenn man nicht immer auf den guten Willen seines Hosters angewiesen sein möchte. Dazu braucht man Linux-Kenntnisse, die man irgendwie erwerben muss, bevor man öffentliche Server betreut. Grundsätzlich sollte man das zwar Profis überlassen, die wissen, was sie tun, aber manchmal muss man eben auch selber ran. Doch wie fängt man an, ohne jemanden zu gefährden? Linux-Kenntnisse hat man ja nicht einfach so gottgegeben, sondern muss sie sich erarbeiten. Ich schreibe also mal ein paar meiner Erfahrungen aus Sicht ein es Webentwicklers nieder, der ein Arbeitswerkzeug bedienen können muss.

Ich beginne mit meinen ersten (dummen) Gehversuchen, also so, wie man es nicht machen sollte. Anfang 2003 hatte ich das Shared-Hosting bei Hosteurope satt, weil ich wiederholt mit meiner Shared-IP auf SPAM-Blacklists gelandet war, es musste also eine Lösung her. Zu der Zeit kamen die ersten bezahlbaren Rootserver auf den Markt und ich war übermütig genug, ohne jegliche Linux-Kenntnisse einen solchen zu bestellen und auch noch Kunden da mit drauf zu nehmen. Ahnungslos hatte ich mich damals für Suse mit Webmin entschieden und habe das mit viel Schmerz und Tränen irgendwie zum Laufen bekommen. Also alles selbst kompiliert und eingerichtet, und danach nie wieder Updates gemacht. Von Paketmanagern wusste ich damals nicht viel und ich hatte immer Angst, dass irgendwas passiert. Nach etwa zwei Jahren habe ich alle Kunden umgezogen und den Server gekündigt. Eine gute Entscheidung, denn jetzt konnte ich wieder ruhig schlafen. Fazit: Ich hatte im Grunde nichts verstanden und mit Suse kam ich ganz und gar nicht klar.

Da ich das ganze mit der Webentwicklung dann später ernster genommen habe, kam ich irgendwann wieder in Kontakt mit Linux. Diesmal in Form einer virtuellen Maschine mit Ubuntu Server drauf. Ich war das hantieren mit XAMPP leid und wollte endlich mal lernen, mit dem Scheiß umzugehen. Das war eine sehr gute Entscheidung. Ubuntu erbt die meisten guten Eigenschaften von Debian und ist zudem auch noch hervorragend dokumentiert. Ich kann nur jedem empfehlen, die ersten Schritte mit Linux-Servern in einer virtuellen Maschine zu machen und vor allem, sich die distributionsspezifischen Verwaltungswerkzeuge zu nutze zu machen, insbesondere die Paketverwaltung. Welche Distribution einem liegt, sollte man einfach ausprobieren, ich bin mit Ubuntu auf Desktop und Server sehr glücklich. Der Debian-Unterbau ist Gold wert, alleine die Apache-Verwaltung über die hervorragend dokumentierten Konfigurationsdateien ist eine wahre Freude.

In meinem HiWi-Job hatten wir immer mit einem unglaublich langsamen Server im Rechenzentrum zu kämpfen. Wie sich später herausstellte, hatte uns der Admin eine virtuelle Maschine mit nur 128MB RAM spendiert, für eine TYPO3-Seite mit 1000 Seiten, 70 Redakteuren und hohen sechsstelligen Zugriffszahlen im Monat ist das dann doch etwas wenig. Als der Admin wechselte, wurde aufgeräumt und man bat uns, für eine Weile das Hosting selber zu übernehmen. Also habe ich einen Ubuntu-Server auf einem ausrangierten PC-Pool-Rechner aufgesetzt, der bis heute weitgehend reibungslos läuft. Gelegentlich hängt er sich auf in letzter Zeit, das scheint an einer überlasteten MySQL-Datenbank zu liegen. Merke: Auch Übergangslösungen sollte man richtig machen, denn oft werden sie zum Dauerprovisorium. Übrigens gibt es inzwischen neue Hardware und mein Nachfolger muss den ganzen Server migrieren, was überraschend einfach ist. Ich will nicht sagen, dass es eine gute Lösung ist, wenn ich öffentliche Server verwalte, aber dank Ubuntu und einiger Übung in der virtuellen Maschine habe ich das ganz gut hinbekommen. Trotzdem laufen meine eigenen Präsenzen auf einem Managed Server. Insbesondere Geschichten wie Mailserver mit Spamfiltern oder Jabber-Server lasse ich weiterhin nur Profis machen. Ein LAMP-Server bekommt man aber auch so gut hin und leider besser, als bei vielen Hostern. Was ich da schon gesehen habe… Da mache ich das dann doch lieber selbst.

Wenn ich schon Rootserver mit Plesk sehe, rollen sich mir schon die Fußnägel auf. Wer sich nicht in der Lage sieht, einen Linux-Server richtig über die Kommandozeile zu warten, sollte die Finger davon lassen. Wenn man weiß, was man tut und sich von Plesk die Arbeit abnehmen lässt, OK, kann ich zwar nicht gutheißen, aber wenigstens nachvollziehen. Aber anders herum ist es ganz bitter. Wo Plesk ist, da lass Dich nicht nieder, ist meine Regel.


Das Lebensgefühl der Piraten jenseits des Internets

30 10 2009

Martin Weigert antwortet auf netzwertig.com auf die Frage, wie man das Lebensgefühl der Piraten jenseits des Internets beschreiben kann mit der Feststellung, dass schon die Frage falsch gedacht ist:

WiWo-Chef Tichy liefert in seiner Frage den Denkfehler gleich mit, der die etablierten Parteien dazu bringt, eine wachsende Zahl von (Jung-)Wählern durch ihre Ansprache und ihr Parteiprogramm nicht mehr zu erreichen: Er sucht das Lebensgefühl des Piraten-Umfeldes jenseits vom Internet. Doch lässt sich hier tatsächlich noch zwischen Internet und der realen Welt unterscheiden? Ich behaupte, nein.

Ein wichtiger Teil des Lebensgefühls im Netz aktiver Bürger ist die nicht mehr vorhandene Unterscheidung zwischen offline und online. Das Internet ist nicht mehr eine Mediengattung unter vielen, sondern es ist DAS allgegenwärtige Medium, welches einen rund um die Uhr begleitet.

Das ist so treffend formuliert, dass es mir einen eigenen Blogeintrag wert ist. Das Internet ergänzt das Leben quasi um eine Metaebene. Der Gedanke, dass man sich jetzt ins Netz einwählt, dort etwas tut, als wäre es ein eigener Ort, als würde man dorthin verreisen und danach von dort zurückkehren, ist so unglaublich naiv gedacht. Sowas kann nur von Menschen kommen, deren Zugang zum Netz über Bin ich schon drin, oder was? in den letzten zehn Jahren nicht wirklich hinausgekommen ist. Dass man sich mit so einer ahnungslosen Anfänger-Attitüde überhaupt noch auf das Parkett der breiten Öffentlichkeit traut, liegt einzig und allein daran, dass man noch in bester Gesellschaft ist. Nichts gegen Anfänger, jeder fängt mal klein an, die Frage ist aber, ob man sich dann unbedingt ahnungslos stolpernd in dieser Größenordnung äußern muss. Ich würde mich in jedenfalls Grund und Boden schämen, wenn ich mich auf bundespolitischer Ebene so naiv etwa zum Thema Finanzmarkt äußern würde. Ein schönes Beispiel für peinlichst ahnungsloses Geqautsche leiferte zuletzt Frau Zypries mit ihrem Google-SMS-Gestammel ab.

Nun darf man natürlich hoffen, dass sich diese Leute rauswachsen, das werden sie auch sicher tun. Aber in der Zwischenzeit werden sie noch so viel kaputt machen mit ihrem Bestreben, das Internet zu bekämpfen. Das Internet geht nicht wieder weg und es wird sich auch ganz sicher nicht mehr zurückziehen und sich seine Nische suchen neben Zeitungen und Fernsehen. Es durchdringt die Gesellschaft um Klassen tiefgreifender und revolutionärer als das etwa der Buchdruck getan hat, eben weil es einen universellen Ansatz verfolgt. Es ist OK, sich da raus zu halten. Aber dann sollte man sich auch nicht einmischen. Ich lese keine Tageszeitung, hab ich noch nie getan. Ein bisschen schäme ich mich dafür, weil ich weiß, dass in Zeitungen viele gesellschaftlich wichtige Dinge drinstehen. Aber ich ziehe aus diesem Umstand nicht den Schluss, dass man Gesetze zur Eindämmung der gemeinen Zeitung erlassen muss. Ich finds doof, deswegen ist es doof und deswegen gehört es bekämpft. Was für ein hirnverbrannter und selbstverliebter Ansatz ist das denn bitte?

Und weil noch zu viele Leute so drauf sind, haben die Piraten eine gesellschaftlich so wichtige Funktion als Korrektiv und Denkanstoßgeber. Diese Funktion haben sie bisher großartig ausgeübt. Ohne eine so aufstrebende Jungpartei würden diese Themen in Zeit, Spiegel, FAZ und Co. noch immer keine echte Beachtung finden. Allein durch die Anwesenheit der Piraten als Manifestation der schon zuvor zu erahnenden gesellschaftlichen Umwälzung wird plötzlich recht offen über das Thema Informationsgesellschaft geredet. Erst seit jemand in der breiten Öffentlichkeit aufgetaucht ist, der offenbar beim Thema Informationsgesellschaft echtem Expertentum eine laute Stimme gibt, wird es zunehmend peinlich, sich ahnungslos zu äußern. Zumindest fällt die Peinlichkeit naiver Äußerungen dadurch immer mehr Leuten auf, was sich irgendwann auch rückkoppeln wird und die Anfänger sich vorsichtiger äußern lassen wird. So zumindest meine Hoffnung.


Mal abwarten, was die Koalitionskompromisse ergeben

19 10 2009

In den Wochen seit der Wahl halte ich mich sehr zurück und bin sehr gespannt. Ich muss vor allem dringend weniger politisch werden, das nervt alle um mich herum; aber trotzdem sei noch mal etwas zum Zeitgeschehen gesagt: Die Koalitionsverhandlungen sehen verschiedene Fortschritte vor, auf die ich gar nicht näher eingehen will, weil es einfach zu früh ist. Links gibts heute keine, lest mal selber die Nachrichten. Teilweise, wie bei der Vorratsdatenspeicherung, wird einem im Grunde der durch das BVerfG vorgelegte Status Quo als Fortschritt verkauft, das klingt schon mal verdächtig nach heißer Luft. Bei den Netzsperren gibt es einen sofortigen Stopp, die Sperrliste wurde also nicht, wie vorgesehen, am 17.10.2009 an die Provider ausgeliefert. Das ist ein gutes Zeichen, aber weit von einer echten Lösung entfernt. Zum einen könnte die Sperrliste jederzeit doch kommen, zum zweiten ist das rechtsstaatlich zumindest fragwürdig (dass die Regierung solche Erlasse ausgibt) und zuletzt ist die Nummer nur für ein Jahr ausgesetzt. Die Stoßrichtung kann also nur sein, den Widerstand zu schwächen und den Mist dann eben in einem Jahr durchzuziehen, wenn etwas Gras drüber gewachsen ist. Man muss ja nichts großartiges mehr unternehmen: Die Infrastruktur ist da, das Gesetz auch, man muss nur auf den roten Knopf drücken.

So wirkt das Ganze auf mich wie eine Hand voll Sand in unseren Augen. Ein klitzekleiner Etappensieg, ja, aber einen Durchbruch kann ich einfach nicht erkennen. Immerhin hat die FDP nach Außen eine Richtung gesetzt und das ist der Kernwert des Ganzen, da kann man anknüpfen. Die Forderungen bleiben aber offen:

  • Ein klares Nein zu Netzsperren, vorzugsweise mit einer klaren Anerkennung der Netzneutralität als treibende Kraft der modernen Gesellschaft. Das Gesetz muss auf jeden Fall endgültig vom Tisch.
  • Die Vorratsdatenspeicherung muss ganz aufgehoben werden. Auf das BVerfG zu warten ist keine Lösung.
  • Der Hackerparagraph muss weg! Er ist 100% nutzlos, schafft aber auch nach der Konkretisierung durch das BVerfG weiterhin große Rechtsunsicherheit in Sachen IT-Sicherheit im Betrieb und bei der Ausbildung. Wer hat sich diesen unlogischen Unsinn eigentlich ausgedacht? Mit welchem unrealistischen Ziel im Hinterkopf?
  • Der Bundestrojaner wurde etwas eingeschränkt, immerhin. Aber das dadurch entstehende Misstrauen gegenüber dem Staat in Bezug auf die eigene IT-Infrastruktur ist damit nicht vom Tisch. Der Bundestrojaner muss abgeschafft werden (bzw. darf nie zur Anwendung kommen).
  • Die klare Absage an die abgestufte Erwiederung, auch als Three-Strikes bekannt, ist ein guter Schritt, aber das hätte ich auch gerne mal vor dem BVerfG auf die Verträglichkeit mit den Grundrechten und überhaupt auf Verhältnismäßigkeit geprüft gesehen.

Also liebe FDP, die Ansätze sind zwar schön öffentlichkeitswirksam, aber momentan noch zu unkonkret. Erst die nächsten vier Jahre werden zeigen, wie ernst euch die Geschichte mit den Bürgerrechten und der Informationsgesellschaft ist und ob die massiven Zugewinne durch die Hoffnungsvollen in die Verlängerung gehen können oder aber wieder wegfallen werden.

Guckt euch die Kernforderungen der Piraten mal an, die meisten davon sind ausgesprochen vernünftig und das Wählerpotenzial ist so klein nicht. 2% als neue Partei bei dem Namen und dem fragwürdigen Image und der Beschränkung auf so wenige Themen sind eine klare Aussage, 13% der männlichen Erstwähler und 9% der Jungwähler ebenfalls. Aber dazu müsst ihr zusätzlich auch den wahnsinnsgetriebenen Killerspiele-Verbots-Forderungen der CDU/CSU klar entgegen treten. Denkt dran, die meisten Piratenwähler sind genau Eure Zielgruppe, zumindest wenn ihr eure Werte ernst nehmt. Es liegt an Euch, ob die Piraten in vier Jahren die 5%-Hürde knacken oder wegen Überflüssigkeit wieder verschwinden werden. Die CDU ist sowieso verlorenes Land, also liegt es in erster Linie an Euch.

P.S. Johnny Haeusler stellt sich die alles entscheidende Frage: Wo ist der Haken?. Darauf bin ich auch gespannt.


Tretminen für Computerforensiker auslegen

22 09 2009

Ich habe hier ein paar alte Festplatten herumliegen, teilweise von Kunden, teilweise eigene, einige mit defekten Sektoren, andere einfach alt. Neulich dachte ich mir, dass die bei einer Hausdurchsuchung sicher sofort ins Auge fallen würden, sind doch Festplatten bei Vollstreckungsbeamten immer gern gesehene Mitnahmeartikel. Was also tun mit den Dingern? Wenn nicht zufällig ein Backup irgendeines alten Systems darauf schlummert, sind sie eigentlich alle leer, sprich mit Nullen überschrieben und bereit für den Recyclinghof oder erneuten Einsatz. Das wäre ja irgendwie langweilig für die Computer-Forensiker, die die Dinger untersuchen, die sollen ja auch ihren Spaß haben.

Mein erster Gedanke war, hier freundliche Botschaften unterzubringen und sonst nichts. Vielleicht solche, die man nur beim Zugriff mit dem Diskeditor findet, so als ein nettes Versteckspiel unter Kollegen. Aber das ist ja nur halb so lustig. Eine andere Idee wären langwierige TV-Mitschnitte von irgendeinem quälendem Dumm-TV, so dass sich ein armes Schwein die ganze Scheiße reinziehen muss. Schon lustigere Vorstellung.

Schlussendlich entschied ich mich aber für die geheimnisvolle Variante: Die komplette Platte wird mit Truecrypt verschlüsselt, so dass auf den ersten Blick nur Zufallszahlen drauf sind. Wenn man nun das nett formulierte Passwort kennt und auf den Trichter mit der Truecrypt Verschlüsselung kommt, kann man die Platte öffnen und, das ist der ganze Witz, findet einen leeren Datenträger vor. Das ist deswegen witzig, weil man in dem Fall nicht wissen kann, ob innerhalb der Verschlüsselung nicht vielleicht noch ein weiterer – versteckter und ohne Kenntnis des Passwortes nicht nachweisbarer – verschlüsselter Container lauert. Quälende Ungewissheit. Ja ich weiß, blöder Geek-Humor und auch nichts wirklich innovatives. Aber die Vorstellung der blöden Gesichter erfreut mein Herz und nimmt einer Hausdurchsuchung einiges an Schrecken. Wenn schon jemand derart tief in meine Intimsphäre eindringt (und das ist meine Computeranlage für mich), will ich wenigstens auch was davon haben.

Eine leere Growbox mit Webcam drin aufzustellen ist auch so eine mich sehr belustigende Idee, die ich schon mal hatte. Boah muss das nerven, Hausdurchsuchungen bei solchen Spackos machen zu müssen.

P.S. Vielleicht fragt sich mancher, wieso ich eigentlich immer mit einer Hausdurchsuchung rechne, warum ich so paranoid bin, was das angeht. Nun, Hausdurchsuchungen werden heutzutage (war das eigentlich schon immer so?) aus den nichtigsten Gründen angeordnet und das kann jeden treffen, der sich aktiv im Netz bewegt.


Feedabonnenten zählen

08 09 2009

Seit heute Nacht zähle ich neben den Zugriffen auf meine Website auch die Zugriffe auf meinen RSS Feed. Bisher hatte ich keinen blassen Schimmer, wieviele Leser ich über diesen Kanal habe. Der Blog als Website und der Lifestream haben täglich um die 100 Besucher (die Suchmaschinenrobots nicht mitgezählt), die meisten davon kommen über Google mit verschiedenen Suchbegriffen. Favorit ist im bisherigen Jahresverlauf eindeutig "alice kündigen" in verschiedenen Abwandlungen mit weit über 500 Zugriffen vor "taxiteller" und "spackmat" mit je etwas über 180 und 120 Zugriffen. Darauf wollte ich aber gar nicht hinaus.

Damit ich die einzelnen Abonnenten auseinander halten kann, habe ich schon vor einer ganzen Weile die URLs meiner Feeds mit einem Parameter "?subscription=13stellige_ID" versehen. Wer innerhalb des letzten Jahres einen meiner Feeds abonniert hat, sollte so eine eindeutige ID schon bekommen haben (sofern er sie nicht entfernt hat). Einfach alle Aufrufe der Feeds zu zählen, sagt leider nichts aus, weil Feedreader die ja regelmäßig selbstständig abholen und ich so eine viel zu hohe Zahl messen würde. Da offenbar überraschend viele Leute meinen Feed schon länger abonniert haben und keine ID mitsenden, habe ich in den letzten 20 Stunden schon 400 Zugriffe von nicht identifizierbaren Abonnenten gezählt.

Deswegen bin ich auf Eure Mithilfe angewiesen: Überprüft bitte die URL Eures Feedabos, ob hinten so eine eindeutige ID dran klebt. Falls nicht, hängt den Parameter entweder einfach dran oder abonniert den Feed neu. Ihr könnt auch eine beliebige Zeichenkette mit 3 bis 32 Zeichen als ID benutzen, wenn es individueller zugehen soll. Erlaubte Zeichen sind A-Z, Dezimalziffern, der Unterstrich und der Punkt, alle anderen Zeichen führen zur Zählung als nicht identifiziert. Bei der Gelegenheit möchte ich für an meinem Leben interessierten Leuten auch nochmal auf meinen Lifestream hinweisen, den man auch als Feed abonnieren kann. Dort landen alle Blogeinträge, Kommentare, Dents/Tweets, Mister Wong Bookmarks und Qype Beiträge von mir.

Zum Datenschutz: Ich speichere bei den Feeds absichtlich keine IP-Adressen oder sonstige Informationen, die Euch unfreiwillig identifizieren könnten. Die ID wird zufällig erzeugt und dient lediglich dem Auseinanderhalten der einzelnen Abos. Jeder Zugriff Eures Feedreaders wird mit einem Zeitstempel geloggt, damit ich ausfiltern kann, wenn jemand den Feed nicht mehr bezieht. Jeder kann die ID in der Feed URL in seinem Feedreader entfernen, wenn er als unidentifizierter Abonnent gezählt werden will. Da ich meine Leser gerne kennen oder wenigstens zählen können möchte, bitte ich aber, die ID stehen zu lassen.

Warum benutze ich kein Feedburner? Ich benutze Feedburner aus dem gleichen Grund nicht, warum ich auch Google Analytics nicht benutze: Die mitunter personenbezogenen Daten meiner Benutzer werde ich nicht an Google verraten, Google muss ja nicht alles wissen.

Nachtrag 09.09.09: Oha, danke an die ganzen Leute, die ihre Feedadresse schon umgestellt haben. Besonderen Dank an den einen, der zudem seinen Namen da eingetragen hat. Ich werde zwar selten direkt in die Datenbank gucken, aber wenn, freue ich mich darüber.

Nachtrag 01.10.09: Inzwischen kann ich auf halbwegs verlässliche Zahlen zugreifen und erste Schlüsse ziehen. Ich habe momentan etwa so viele Feedabonnenten wie ich tägliche Besucher auf Blog und Lifestream habe, was deutlich mehr ist, als ich dachte. Je nach Zählweise sind das auch mehr, deswegen habe ich mal die Zugriffe analysiert und die Auswertung der Realität angepasst: Zuerst habe ich einfach IDs mit nur einem oder zwei Zugriffen nicht mitgezählt, weil das offensichtlich (noch) keine Abonnenten sind. Aber dann habe ich festgestellt, dass ich eine erkleckliche Zahl von IDs mit jeweils über 10 Zugriffen innerhalb von 6 Stunden, aber danach gar nicht mehr habe. Was auch immer das ist, als Abonnent zähle ich das nicht. Momentan zählt also jede eindeutige ID, die zwei oder mehr Zugriffe in einem Zeitfenster von mehr als 24 Stunden und davon den letzten innerhalb der letzten 7 Tage erzeugt hat. Ich denke, das ist ein realistisches Bild und die Verzögerung von 24 Stunden, bis ein neuer Abonnent gezäht wird, geht auch OK. Alle IDs, die länger als 30 Tage keinen Zugriff hatten oder deren sämtliche Zugriffe vor mehr als sieben Tagen innerhalb von nur 24 Stunden stattfanden, werden täglich aus der Datenbank entfernt. Ich werde berichten, falls sich noch was ändert. Ach so, Lifestream zu Blog verhält sich etwa im Verhältnis 1:4.


Telekom VDSL ohne Fernsehen mehr als unattraktiv

08 09 2009

Gerade lese ich die News zu den neuen Telekom VDSL-Tarifen ohne Fernsehen. Was soll man dazu sagen? Gestern habe ich den immens verführerischen 1&1 VDSL Tarif vorgestellt und heute kommt die Telekom mit einem im Vergleich derart unattraktiven Tarif daher, dass man sich nur wundern kann. Also im Detail:

25/5Mbit/s kosten 55€ und 50/10Mbit/s 60€ pro Monat, ISDN kostet 4€ Aufpreis. Wer noch im September bucht, zahlt 10€ weniger und kommt damit immerhin in die Liga von 1&1. Hinzu kommen 60€ Einrichtungsgebühr für den Telefonanschluss und ab 01.10.2009 nochmal 100€ für den DSL-Anschluss, wenn man die nicht vorher schon hatte. Geräte gibt es keine dazu, die muss man entweder teuer kaufen oder ab 3€ im Monat mieten. Aber das ist noch nicht alles, denn die Leistungsbeschreibung, also das ausgelagerte Kleingedrukte zaubert noch eine weitere Überraschung für den geneigten Interessenten aus dem Hut: Ab 100 bzw. 200GB Traffic im Monat wird auf 6/0,6Mbit/s gedrosselt. Selbstverstädlich bindet man sich auch hier 2 volle Jahre.

Also vergleichen wir mal: 1&1 kostet 50€ im Monat für 50/10Mbit/s, bietet einiges an Zusatzfeatures, 10 Rufnummern (allerdings nur als VoIP Anschluss) und man bekommt ohne Einrichtungsgebühr 220€ Gutschrift und eine fette Fritz!Box 7390 für lediglich Versandkosten und verschiedene andere Geräte für wenig Geld in die Hand gedrückt. Das vergleichbare Telekom Produkt kostet ab Oktober im Monat ab 64€ zuzüglich Hardware und bis zu 160€ Einrichtungsgebühr und bringt eine versteckte Datendrosselung mit. Einziger echter Vorteil ist der richtige ISDN-Telefonanschluss. Krasser Unterschied.

Trotzdem habe ich gerade einen Kunden (Telekom Business Bestandskunde) überredet, auf VDSL umgestellt. Er bezahlt das gleiche, wie zuvor (Call and Surf Comfort VDSL Universal mit 50MBit statt zuvor Call and Surf Comfort Plus Universal mit 16MBit), verzichtet auf die Hotspot-Flatrate und günstige Mobilgespräche (nun 19ct/min statt 12,9ct/min), bekommt aber ultra schnelles VDSL. Keine Einrichtungsgebühr, Umstellung laut Hotline binnen sechs Tagen und ein Speedport W920V für 50, 60 oder 70€ (wusste die Hotline-Frau gerade nicht genau zu sagen) dazu. Für kurzentschlossene Bestandskunden ist das Telekom-Paket also gar nicht soo schlecht, vor allem, wenn man dem VoIP Anschluss nicht traut oder sonstwie unbedingt bei der Telekom bleiben will und wenn man an die 200GB im Monat garantiert nicht dran kommt. Übrigens ist der Speedport W920V im Grunde eine Fritz!Box 7270 plus VDSL-Modem im Telekom Kleid und kann sogar mit AVM Firmware ausgestattet werden. Keine 7390, aber immerhin.

So, wie 1&1 und Telekom auf die Tube drücken, müssen sich Alice und Vodafone jetzt mal schleunigst konkret zum Thema VDSL äußern. Die Sonderaktion der Telekom, dass man nur jetzt im September konkurrenzfähige Preise bezahlt, bewirkt eine schnelle Bindung so einiger Kunden an die Telekom für zwei Jahre, also müssen die beiden noch im September mit attraktiven Angeboten kommen. 1&1 hat ja schon mal ordentlich vorgelegt.


Wordpress hat schlimmen Code, andere aber auch

07 09 2009

Wer ernsthaft beruflich oder auf hohem Niveau in seiner Freizeit mit PHP arbeitet und älter als 15 ist, dem stehen wahrscheinlich beim Blick in den Quellcode von Wordpress die Haare zu Berge. Code is art ist ein wunderschöner Wordpress-Slogan, der in dem Kontext aber wirklich mehr als unangebracht ist. Schlimmer als der zusammengezimmerte Kern von Wordpress, der aktuell mal wieder mit einem notdürftigen Flicken gegen den grassierenden Wordpress-Wurm repariert wurde, sind aber die meisten PlugIns. Viele sind offenbar von blutigsten PHP-Anfängern schnell und ergebnisorientiert runterprogrammiert worden, was von Wordpress ja geradezu provoziert wird und was auch großen Anteil an der Beliebtheit des Systems trägt. Jeder ahnungslose Anwender kann mit ein paar Zeilen PHP-Code schnell das erreichen, was er gerade braucht. Das erinnert mich an meine Anfänge mit PHP im Jahr 2001 mit dem damals herausragenden phpBB 1.4. Hier war im Grunde alles hartkodiert und wenn einem irgendwas nicht gefiel, hackte man irgendwie im Quellcode herum. Ein Templatesystem wurde erst mit Version 2 eingeführt und auch hier hackte man noch alle möglichen MODs in das System, was ein Update praktisch unmöglich machte. Folge waren haarsträubende Sicherheitslücken, die nicht gestopft wurden. Wordpress vermeidet dieses Modding immerhin mit einem sehr flexiblen PlugIn-System, der Zugang für Dilettanten und Anfänger wurde dadurch aber noch einfacher. Das Ergebnis sehen wir zur Zeit, Gerrit van Aaken hat das schon zusammengefasst: Bei Wordpress hilft nur ein schmerzhafter Neuanfang, so wie TYPO3 das momentan auch vollzieht und wie phpBB das auch schon zwei mal hinter sich hat.

Nun will ich nicht so viel auf Wordpress rumhacken, wenn ich es selber gar nicht benutze. Im Grunde ist das System großartig, wenn man die miese Codebasis ignoriert. Ich will auf etwas ganz anderes hinaus, nämlich die Codequalität von Serendipity-PlugIns. Wann immer ich ein Seitenleisten-PlugIn installiert habe, musste ich dessen Code bearbeiten, weil die HTML-Ausgabe standardmäßig schlimm aussah oder gar fehlerhaft war. Das PlugIn-System von S9Y ist auf den ersten Blick recht kompliziert, was totale Dilettanten vom PlugIn schreiben abhält; das ist schon mal gut. Trotzdem ist die Codequalität der PlugIns oft eher mäßig. Fast überall wird zum Beispiel der HTML-Code mit echo direkt da ausgegeben, wo er anfällt, natürlich mit irgendwelchem HTML-Code drumherum, den der Autor gerade für angemessen hielt. Kein Wunder also, dass der Output nicht immer angemessen ausfällt. Ich habe vor einiger Zeit ein eigenes Seitenleisten-PlugIn für Twitter geschrieben, weil das alte u.a. genau dieses Problem zeigte. Ein Kernfeature meines PlugIns war der Einsatz einer Templating-Engine. Die zu implementieren war PHP-seitig ein Kinderspiel für jeden halbwegs erfahrenen PHP-Programmierer. Die Frage ist nun, warum zur Hölle von den paar offiziell verfügbaren PlugIns noch fast keines so ein Templating-System mitbringt? Es täte S9Y wirklich immens gut, wenn sich mal jemand hinsetzen würde und ein paar der PlugIns auf den aktuellen Stand bringen würde. Also zumindest eine Templating-Engine einbauen und die Ausgabe entsprechend anpassen, aber auch manch andere Routine könnte mal überarbeitet werden. Gegenüber Wordpress ist das Jammern auf hohem Niveau, aber auch S9Y ist merklich in die Jahre gekommen, vor allem seine PlugIns.

Wenn ich sowas lese, pflege ich zu antworten, derjenige soll nicht jammern, sondern selber anpacken. Das gilt auch für mich, sicher. Allerdings habe ich immens schlechte Erfahrungen mit meinem Twitter-PlugIn gemacht. Das einzige konstruktive Feedback kam vom unglaublich engagierten Chefprogrammierer selber, der mir meinen ursprünglich geplanten Arbeitsaufwand mit Änderungswünschen um das Mehrfache aufgeblasen hat. Am Ende war das neue PlugIn wirklich großartig geworden, ich bin richtig stolz darauf. Die ganzen angeforderten Änderungen kreisten alle um funktionale Anpassungen an das alte PlugIn, so dass mein neues PlugIn alle Funktionen des alten hatte, nur eben diesmal in gut. Dann kam das Problem: Es gab kein Feedback von Dritten und stattdessen hat mir ein ätzender Troll auch noch ans Bein gepisst und einen extra Thread im Forum aufgemacht, um mich als Schnösel zu dissen (weil ich PHP4 Nutzer, die PHP4 Kompatibilität einfordern, als Ewiggestrige bezeichnet habe und er sich davon angesprochen fühlte). Ich habe mein Engagement für S9Y daraufhin nach ein paar Tagen Diskussion eingestellt, denn für kostenlose und gute Programmierarbeit möchte ich echt alles andere haben als von irgendwelchen undankbaren Typen beschimpft zu werden. Mein PlugIn ist übrigens nie im Repository erschienen und stattdessen gibt es ein funktional wirklich krasses anderes PlugIn; hoffentlich ist wenigstens meine Arbeit da eingeflossen und war nicht völlig umsonst. Wie auch immer: Ich werde keine Arbeit mehr zu S9Y beitragen; wenn ich etwas neu baue, reiche ich das im Forum ein und wenn sich niemand drum kümmert, soll mir das egal sein.


VDSL kommt so langsam in Fahrt

06 09 2009

VDSL mit 50Mbit/s Downstram und vor allem viel wichtiger 10Mbit/s Upstream gibt es hier in Düsseldorf schon eine ganze Weile, aber bisher waren die Konditionen vom alleinigen Anbieter T-Home erstens extrem unübersichtlich und zweitens mit mindestens 60€/Monat dank Zwangsbindung an den Fernsehempfang reichlich teuer. Zudem muss man sich 24 Monate binden, muss 60€ Einrichtung für den Telefonanschluss bezahlen, bekommt keinerlei Geräte gestellt (die kann man für sattes Geld mieten oder selber kaufen) und kann als Konkurrenzkunde nicht mal vorab prüfen, ob VDSL überhaupt verfügbar ist. Man muss bestellen, um das herauszufinden und wenn nicht, bekommt man nur maximal 16Mbit/s ADSL, ist aber trotzdem 24 Monate gefangen. Alles in allem kein wirklich attraktives Angebot für jemanden, der zur Zeit 25€/Monat für eine 16Mbit/s ADSL-Leitung ohne Schnickschnack und vor allem ohne Zwangsbindung bezahlt.

Nun kommt Bewegung in die Sache: T-Home hat angekündigt, VDSL auch irgendwann mal ohne Fernsehen für etwas weniger Geld anzubieten, aber bisher ist daraus nichts konkretes erwachsen. Konkret geworden ist nur die IFA-Ankündigung, DSL-Fernsehen auch ohne Internetzugang, dafür nur mit Telefonanschluss ab 30€/Monat anzubieten. Verschiedene Anbieter bauen in verschiedenen Städten an einem Glasfaser bis ins Haus Netz und bieten damit 100Mbit/s (angeblich sogar symmetrisch) an, etwa Netcologne in Köln. Schön, beneidenswert, aber nur mit Pilotcharakter.

Nun bietet die T-Home ihren Konkurrenten aber auch Zugang zum VDSL-Netz an und Vodafone und 1&1 springen bereits auf, 1&1 hat die Pakete sogar schon buchbar am Start. Und was ich da an Konditionen sehe ist wahrlich nicht unattraktiv: 50Mbit/s VDSL mit (VoIP) Telefonflat, 1TB Online-Speicher und verschiedene mehr oder weniger nützliche Zusatzleistungen, dazu eine nigelnagelneue Fritz!Box 7390 für 9,60€ Versand, optional ein UMTS-Stick für 9,60€ und drei Monaten kostenlosem UMTS-Datenzugang und als Hammer noch 220€ Gutschrift oben drauf. Das ganze Paket gibt es dann für 50€/Monat. Meine Herren, da kann man schon schwach werden und sowohl seine Aversion gegen 1&1 überwinden, als auch sich die 24 monatige Vertragsbindung schönsaufen schönrechnen: Wenn man für die Fritz!Box 200€ Straßenpreis annimmt (sie ist noch gar nicht gelistet) und den Bonus von 220€ dazu addiert, drückt einem 1&1 420€ in die Hand, den Gegenwert des vergünstigten UMTS-Sticks noch nicht eingerechnet. Gegenüber unseren jetzigen Ausgaben von 25€/Monat schrumpfen die 600€ Mehrkosten über 24 Monate dann plötzlich auf effektive 180€ zusammen, das sind 7,50€/Monat mehr für VDSL mit 50/10Mbit/s statt 16/1Mbit/s und eine Telefonflat ins deutsche Festnetz statt gar keinem Telefonanschluss. Uff. Da muss ich noch mal in mich gehen.

Die Fragen sind folgende: Was passiert nach 24 Monaten? Ist ein Wechsel von 1&1 zu einem anderen Anbieter dann reibungslos machbar oder steht man wochenlang ohne Internet da? Bietet 1&1 dann attraktive Nachfolgekonditionen für Nichtwechsler an? OK, das war eine rhetorische Frage. Wie sehen die Angebote der Konkurrenz in der näheren Zukunft aus? Bietet gar Alice schnelleres Internet an? Ich würde immerhin gerne bei Alice bleiben und den 1&1 Schnickschnak brauche und mag ich eigentlich nicht wirklich. Zudem: Wie sieht der Service bei 1&1 aus? Wird mir da geholfen oder muss ich zwei Jahre meines Lebens mit latenter Service-Wut im Bauch verbringen? Kann ich eine unserer Festznetz-Nummern reibungslos von Sipgate nach 1&1 portieren? Und zuletzt: Fühle ich mich wohl als 1&1 Kunde? Steht mir dieser Anbieter? Bitte Feedback, Freunde.

Ich schlafe noch mal eine Nacht und rufe da morgen mal an. Vielleicht kann mir die Verkaufshotline einige meiner Fragen schon beantworten und das vor allem auch verbindlich zusichern.

Nachtrag 07.09.2009: Ich habe mich gerade von 1&1 zurückrufen lassen und die Dame konnte mir einige Fragen beantworten, also der Reihe nach. Nach 24 Monaten verlängert sich der Vertrag automatisch um jeweils ein weiteres Jahr, nach Sonderkonditionen für Nichtwechsler habe ich gar nicht erst gefragt. Der VDSL-Anschluss ist ein komplett neuer Anschluss, mit etwas Glück kann man eine Überlappung von Alice und 1&1 hinbekommen, auf jeden Fall muss ich Alice selber kündigen. Ein ordentliches Vabanque-Spiel, da die Schaltungszeiten für VDSL aktuell bei etwa acht Wochen liegen, vielleicht auch mehr. Damit man nicht ohne Internet dasteht, bekommt man von 1&1 einen UMTS-Stick und eine SIM-Karte fürs D2-Netz, mit dem man 3 Monate kostenlos über UMTS ins Netz kommt. Das wäre OK, ein garantiert reibungsloser Wechsel oder sogar eine zugesicherte Überlappung wäre mir aber lieber. Die Störungshotline ist eine 0800er Nummer, also auch vom Handy aus ohne Kosten erreichbar, das ist gut und war durchaus auch mal anders. Bis hierher ein überlegenswertes Angebot. Allein der letzte Punkt macht mir Sorgen und hat mich von einer sofortigen Bestellung abgehalten: 1&1 portiert Rufnummern nur von der Telekom zu sich herüber, unsere Sipgate-Nummer(n) werden also nicht übernommen. Das schmerzt, denn ich möchte wirklich nicht alle Freunde mit noch einer Absendernummer nerven. Leider habe ich nicht gefragt, ob man bei 1&1 eine beliebige Absendernummer eintragen kann, so wie das bei Sipgate möglich ist. Fazit also: Die fehlende Rufnummernportierung von allen Anbietern außer den Telekom ist momentan der Showstopper für mich und in Anbetracht der langen Wartezeiten von momentan acht Wochen habe ich genug Zeit, mir die Marktentwicklung noch mal genauer anzusehen.

Nachtrag 2 07.09.2009: Gerade habe ich mal nachgelesen, Alice führt aktuell Gespräche mit der Telekom und will in den nächsten Wochen auch mit einem VDSL um die Ecke kommen.


Nur halb so schlimm: Eigene Short-URLs

05 09 2009

Vor einiger Zeit habe ich gefordert, dass größere und oft bei Twitter verlinkte Seiten eigene kurze URLs für ihren Content anbieten. Neulich erst habe ich mir dann Gedanken gemacht, wie man Short-URLs uns so verüberflüssigen kann. Auf diese große Lösung mag ich nicht warten, aber zumindest bei der kleinen Lösung kann ich mit gutem Beispiel voran gehen. Also habe ich gerade schnell ein kurzes Script geschrieben, das kurze URLs für mein Blog in die vollen URLs umsetzt. Zum Beispiel lautet für diesen Eintrag die kurze URL http://spackblog.de/668, was mit 23 Zeichen deutlich kürzer ist als die verdammt lange volle URL und vor allem kürzer als 30 Zeichen, ab denen Twitter ungefragt mit bit.ly verkürzt.

Ich hatte eine Weile überlegt, diese Funktionalität als Serendipity-PlugIn zu veröffentlichen, aber das habe ich aus verschiedenen Gründen nicht gemacht. Ein Grund ist, dass mich ein undankbarer Vollspacko im S9Y-Forum angesaugt und als Schnösel bezeichnet hat, als ich mein letztes PlugIn dort vorgestellt habe. Ich will da gar nicht genauer drauf eingehen, Folge ist jedenfalls, dass meine Lust auf die extra Arbeit für ein S9Y-PlugIn dadurch doch sehr gesunken ist. Ein weiterer Grund ist, dass der generierte Link irgendwo im Template und noch mal im Header positioniert werden muss, damit es Sinn macht. Das kann ein PlugIn nicht flexibel alleine regeln. Man könnte den Link allenfalls dort hinpacken, wo momentan auch die Tags sind, aber das gefällt sicher nicht jedem. An die .htaccess des Blogs, oder wenn dieses in einem Unterverzeichnis steckt auch an die .htaccess der Domain muss man auch noch ran. Spricht alles gegen ein PlugIn. Sowas gehört in meinen Augen sowieso in den S9Y-Core.

Das Script funktioniert super simpel. Alles fängt mit einer Anweisung in der .htaccess an, die alles, was nach kurz-URL aussieht an das Script weiterreicht:

RewriteEngine On
RewriteBase /
RewriteRule ^(e|a|c)?([0-9]+)/?$ s9y_shorturl.php?type=$1&id=$2 [NC,L]

Man kann schon sehen, dass das Script auch kurze URLs für Kategorien und Autoren unterstützt. Der spannende Teil im Script selber ist die Datenbankabfrage, die die kurze URL aus der Datenbank ausliest:


// open a database-connection
$dbh = new PDO('mysql:host=' . $db_server . ';dbname=' . $db_database, $db_user, $db_pass);

// prepare the statement
$stmt = $dbh->prepare('SELECT permalink
  FROM s9y_permalinks
  WHERE type = :type
    AND entry_id = :entry_id
  LIMIT 1');

// execute the statement
$stmt->execute(array(':type' => $type, ':entry_id' => $entry_id));
  
// read the returned urlpart
$urlpart = $stmt->fetchColumn();

// close the database-connection
$dbh = null;

// redirect the user with a 301 status code (moved permanently)
header('Location: ' $blog_base_url . $urlpart, true, 301);
exit;

Der Rest vom Script besteht aus Fehlerbehandlung und Variablen-Vorbereitung, die ich hier mal weg lasse. Wer den ganzen Code haben will, kann sich gerne bei mir melden. Damit ist der erste Teil schon fertig, der die kurzen URLs auflöst. Für die kurzen URLs werden einfach die von Serendipity vergebenen IDs genutzt, der Parameter type kann übrigens 'entry', 'category' oder 'author' sein. S9Y führt eine eigene Tabelle für die Zuordnung von IDs und URLs, die man nur abfragen muss.

Der zweite Teil ist leider Handarbeit im Template. Man muss dazu an der Stelle, wo der Link auftauchen soll folgenden Code in der entries.tpl platzieren: <a href="http://SHORTURL_DOMAIN/{$entry.id}">http://SHORTURL_DOMAIN/{$entry.id}</a>. SHORTURL_DOMAIN muss natürlich durch die jeweilige URL ersetzt werden, in meinem Fall ist das tatsächlich eine andere Domain als die, auf der das Blog läuft. Ich habe zusätzlich noch in der index.tpl im Headerbereich im {if $entry.id} Block einen Short-URl Autodiscovery Link eingefügt, wie er hier beschrieben ist.

Das ganze arbeitet extrem simpel und macht genau das, was es soll: Wenn jemand meinen Blog bei Twitter und Co. verlinken will, kann jetzt meine 23 stellige Kurz-URL hernehmen und sich so den Scheiß mit den verkürzten URLs sparen, bei denen man nicht weiß, wohin sie eigentlich linken. Alle Seiten sollten solche eigenen Kurz-URLs haben, dann wäre das mit Twitter nur noch halb so schlimm.


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