Ulrich Roski, der Held

30 09 2009

In meinem Elternhause existierte eine mysteriöse blaue Musik-Kassette scheinbar ostdeutscher Herstellung, von der niemand wusste, wie sie ihren Weg in unser trautes Heim gefunden hatte. Eine rote oder orangefarbene Schwesterkassete gab es auch, aber an deren Inhalt kann ich mich nicht erinnern. Auf der blauen Kassette waren ein paar geniale Lieder zu hören deren Interpret ebenfalls niemandem bekannt war. Ich sage ja, mysteriös. Die Kassette habe ich als Kind bestimmt 300 mal gehört und mich ob der genialen Texte köstlich amüsiert. Das Internet war dann 15 Jahre später so freundlich, mir anhand einiger memorierter Textfetzen Interpret und Titel eines der Lieder zu nennen: Ulrich Roski heißt der Mann, und der hat noch viel mehr gute Lieder mit feinen Texten gemacht. Das Lied, an das ich mich am besten erinnern kann heißt Des Pudels Kern und ist es sicher wert, ihm ein paar Minuten Gehör zu schenken. Großartig das. Das andere Lied heißt Die ungemeine Prominenz und ist ähnlich gut. Leider kann man das nirgendwo als MP3 kaufen oder bei YouTube anhören.

Hier noch ein paar erheiternde Zeilen aus dem Lied Das macht mein athletischer Körperbau (leider auch ohne Link):

Ich kam aus Marokko, die Taschen voll Hasch
Das entdeckte der Zöllner dann auch ziemlich rasch
Dann stellt er sich blöde und schnüffelt am Gras
Und fragt scheinheilig: „Na, was ist denn das?“


Die Antworten auf den Three Strikes Vorstoß

17 09 2009

Aktuell liest man immer wieder von Forderungen seitens der Medienindustrie nach einem Three Strikes Sperrverfahren. Kurz gesagt geht es darum, Internetnutzern nach drei automatisierten Verwarnungen wegen Urheberrechtsverletzungen das Internet für einen gewissen Zeitraum zu sperren. Also im Prinzip analog zum Führerscheinentzug. Die Idee ist in Frankreich gerade zum zweiten Mal parlamentarisch verabschiedet worden, nachdem sie beim ersten Mal gerichtlich gestoppt wurde. Da das haarsträubend unverhältnismäßig ist, brauchen wir im Grunde nicht weiter darüber zu reden, aber es wird in einer Penetranz gefordert, dass man doch mal was dazu sagen muss, denn CDU/CSU und auch die SPD sind bereits ganz Ohr. Wie also reagieren?

Schritt eins ist das Wahlverhalten: Solche Äußerungen müssen sich klar in Wahlmisserfolgen niederschlagen. Aber seien wir mal realistisch, die CDU wird weiterhin an der Regierung bleiben (es gibt ja auch noch andere Problemfelder, bei denen die CDU/CSU nicht gar so klar wahnsinnig ist) und die Medienindustrielobby wird sich mit mehr oder weniger von dem Mist früher oder später durchsetzen und auf das Bundesverfassungsgericht will man sich auch nicht immer verlassen müssen. Für den Fall muss man sich wenigstens eine klare Strategie zurechtlegen. Meine ist sehr simpel und effektiv: Weg vom Mainstream. Wer sich frei macht von den Produkten der Medienindustrie, die immer massiver gegen ihre eigenen Kunden vorgeht, dem kann das alles egal sein. Und hier geht es ja jetzt nicht um alternativlose Geschichten wie Medikamente, sondern um Freizeitbeschäftigungen, bei denen ein Umschwenken auf verbraucherfreundlichere Produzenten kein Problem darstellt.

Es braucht also eine Art Fair Trade Siegel für Unterhaltungsprodukte, für das ein Mindestmaß an Umgangsformen gegenüber Künstlern und Konsumenten einzuhalten ist. Musik an sich ist kein Monopol (nur das einzelne Werk) und der Markt ist facettenreich genug, dass man immer genug Unterhaltungsprodukte bekommen kann von Produzenten, die sich fair verhalten. Fair gegen fair, denn wer so auftritt, dem gegenüber ist ein schlechtes Gewissen beim Nichtbezahlen deutlich ausgeprägter. Oder anders herum gesagt: Es wundert mich nicht im geringsten, dass fast niemand auch nur einen Hauch eines schlechten Gewissens beim Kopieren von Musik hat, angesichts der Art und Weise, wie die Musikindustrie in den letzten 15 Jahren ihre Kunden erst immer mehr abzockt und dann auch noch juristisch gegen sie vorgeht. Hier wird derart beispiellos die fütternde Hand gebissen, dass es mich sogar wundert, dass es die Musikindustrie überhaupt noch gibt. Die Leute lassen sich einfach nach Strich und Faden verarschen. Mein gezielter Konsum von Mainstream-Musik ist fast so sehr zurückgegangen, wie mein Fernsehkosum, der sich nahe Null bewegt, wenn man staffelweise eingenommene Serien nicht als Fernsehen zählt. In den letzten Jahren habe ich anteilig an meinem Gesamtmusikkonsum weniger CDs gekauft als je zuvor. Aber eben nicht, weil ich alle Musik illegal irgendwo saugen würde, sondern weil ich viel mehr legal kostenlose Quellen wie Internetradio und freie Musik anzapfe. Und mir geht es gut dabei. Wenn ich Musik gesaugt habe, dann habe ich den Scheiß entweder nach ein- bin zweimal Probehören entsorgt oder die CD gekauft, denn das gehört sich so. Dieses Probehören-Modell ist mir sowieso sehr bequem, ich kaufe einfach keine Katze im Sack mehr, denn fast alle auf gut Glück gekauften CDs der letzten Jahre waren mehr so geht so und das ist dann nun wirklich raus geworfenes Geld.

Also auf zur Medienrevolution! Wer seine Kunden blindwütig in den Knast bringen will, weil sein Geschäftsmodell nicht mehr so recht trägt und er sich zu fein ist, das mal zu überdenken, dem kann man auch guten Gewissens nichts mehr abkaufen. So funktioniert Markt nun mal: Pass Dich flexibel neuen Bedingungen an oder gehe unter.

Um es noch mal klar zu sagen: Ich wähle nicht die Piraten, weil ich ungestraft unbegrenzt Musik klauen will. Darum geht es nicht, wenn es auch unter den Piraten eine gewisse Anzahl Leute gibt, die genau das wollen. Es geht darum, dass man über eine Änderung des Urheberrechts nicht herum kommt und dem Einfluss der Medienindustrie darauf ein Gegengewicht von Bürgerseite entgegengestellt werden muss. Niemand will verarmte Künstler, aber drakonische Strafen einzuführen gegen etwas, das ein großer Teil der Bevölkerung macht, kann es eben auch nicht sein.


Milkdrop in AIMP2

22 12 2008

Seit einiger Zeit bin ich begeisterter Nutzer des russischen Audioplayers AIMP2, der genau das macht, was ich von einem Audioplayer erwarte. Die Medienbibliothek taugt zwar wahrscheinlich nichts, aber die installiere ich sowieso nicht: Ich kann Medienbibliotheken nicht ausstehen und verlasse mich lieber auf eine gut sortierte Ordnerstruktur.

Was ich an AIMP2 aber immer sehr vermisst habe, sind gute Visualisierungen wie Milkdrop. Die eingebauten Visualisierer sind ein schlechter Scherz und das Programm kann leider keine Winamp-Plugins laden. ProjectM, die Open-Source OpenGL Implementierung von Milkdrop gibt es nur für Linux und MaxOSX. ProjectM klinkt sich in den Audiopfad ein und kann daher Musik aus beliebigen Quellen visualisieren. Schade, dass es das nicht für Windows gibt.

Jetzt habe ich aber endlich eine Möglichkeit gefunden, zumindest das alte Milkdrop 1.04 in AIMP2 zum laufen zu bringen: aimp_vis_winamp ist ein AIMP2 Plugin, das Winamp-Visualisierungen lädt und ganz brauchbar mit Milkdrop 1.04 zusammen arbeitet. Folgende Schritte brachten mich zu einer erfolgreichen Installation:

  1. Download des aimp_vis_winamp Plugins, momentan in Version 0.3; neuere Versionen finden sich ggf. in diesem Thread.
  2. Entpacken der aimp_vis_winamp.dll in das Plugin-Verzeichnis von AIMP2. Wenn nötig (etwa, wenn der Player nicht neu gestartet wurde), das Plugin über den Plugin-Manager laden.
  3. Milkdrop 1.04 herunterladen und irgendwo entpacken. Die *.milk-Presets aus den Unterordnern musste ich ich auf eine Ebene mit der vis_milk.dll bringen, damit sie geladen wurden.
  4. Das aimp_vis_winamp Plugin als Visualisierungs-Plugin in AIMP2 laden:
    Screenshot AIMP2, Laden von aimp_vis_winamp.dll
  5. Entgegen der Beschreibung im Forum, bringt ein einzelner Linksklick in das Visualisierungsfenster jetzt ein Kontextmenü auf den Schirm, in dem ich eine Winamp vis_*.dll laden, dessen Konfigurationsmenü aufrufen und es starten und stoppen kann. Hier lade ich das zuvor entpackte Milkdrop 1.04, das allerdings nur im Vollbildmodus läuft. Milkdrop2 aus dem aktuellen Winamp bringt AIMP2 leider zum Absturz. Andere Winamp-Plugins laufen übrigens auch, wer also die AVS mag, bekommt auch die zum Laufen.

Fazit: Milkdrop 1.04 ist zwar nicht Milkdrop 2, aber immerhin habe ich endlich eine schöne Visualisierung in AIMP2. Ein Windows-Port von ProjectM wäre freilich besser.

Nachtrag 23.12.2008: Es gibt einen Windows-Port von ProjectM, der allerdings recht alt ist und nicht leicht zu finden. Ich habe die Winamp-Plugin-Version davon (von 2004) mit dem Winamp-Loader geladen und das Teil funktioniert auch leidlich: Es scheint irgendwie zu schnell oder zu hektisch zu laufen, jedenfalls nicht schön. Außerdem bekomme ich das Ding nicht in einen Vollbildmodus geschaltet. Naja. Eine aktuelle Version von ProjectM für Windows, vielleicht sogar als Standalone Programm wär ne feine Sache.

Inzwischen habe ich aber Milkdrop2 zum Laufen gebracht und bin fast glücklich. Die Version aus dem aktuellen Winamp wollte zwar nicht, aber es gibt eine Version 2.04D, die im AIMP2 Mega Pack enthalten ist. Dort habe ich die vis_milk2.dll samt der zugehörigen Dateien und der nscrt.dll herauskopiert und jetzt läuft auch Milkdrop2. Juhu! Die Frage ist nur, wie legal das Ganze jetzt ist? Das AIMP2 Mega Pack kann man jedenfalls nur fragwürdig legal und etwas verschämt von russischen Servern ziehen. Eine etwas lästige Eigenschaft der Winamp Plugin Loaders für AIMP2 ist, dass er das zuletzt geladene Plugin beim Playerstart wieder lädt und startet, auch wenn es zuletzt gar nicht gestartet war.


Es gibt Lieder, die kann man einfach nicht schlecht interpretieren

09 12 2008

YouTube ist ja ein stetiger Quell von Liedinterpretationen aus aller Herren Länder. Das ist manchmal wirklich ernüchternd, wenn man auf der Suche nach den Perlen über einen großen Haufen schlimmer Scheiße steigen muss. Immer wieder aber gibt es Liedgut, das seine Strahlkraft auch in der amateurhaftesten, kitschigsten, mit der Handykamera gefilmten oder von Hund und Katze gesungen Version nicht verlieren und mich selbst dann noch zu Tränen rühren können, wenn vom eigentlichen Text kaum noch etwas übrig bleibt.

Die "Ode an die Freude" (oder "Ode To Joy", "Freude schöner Götterfunken", "letzter Satz der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven", "Europahymne") ist so ein Lied. Nicht mal eine wirklich entrüstend unpassende Live-Version von Xavier Naidoo und Band, die inzwischen gottlob von YouTube verschwunden ist, konnte dem Kern des Liedes wirklich etwas anhaben. Auch die eher seltsame koreanische Swing-Version nicht.

Scheinbar sind Lieder, bei denen Text und Vertonung weder von der gleichen Person noch aus der gleichen Zeit stammen, besonders gute Kandidaten für diese Eigenschaft. Noch ein Beispiel?

Das Gedicht "Von guten Mächten" von Dietrich Bonhoeffer auf die Melodie von Siegfried Fietz ist ein noch besseres Beispiel. Hier eine Auswahl verschiedener Versionen auf YouTube:

Ich hoffe, damit konnte ich klarstellen, was ich meine.

Im passwortgeschützten erweiterten Beitrag finden sich noch einige persönliche Anmerkungen dazu. Nichts sexuelles zur Abwechslung, sondern nur Gefühlsduselei. Das Passwort sollte bekannt sein.


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Musikalische Jugendsünden der 90er

12 11 2008

Im Spreeblick verreißt Malte Welding sehr treffend und lesenswert die schrecklichsten Lieder der 90er (bringt etwas Zeit mit für die Videos). Das schlimme an der Auswahl ist ja, dass ich auf etliche dieser Lieder total abgegangen bin, alleine in meinem Zimmer tanzend mit nicht wirklich funktionierender Lichtorgel und einer am Anschlag aufgedrehten Kompaktanlage etliche der Lieder hoch und runter gehört habe. Warum nur? Warum habe ich einen jahrelangen pubertären Ausflug in die Gruselmusik hinter mir, nach dem meine Musikhörkarriere doch so vielversprechend angefangen hatte. Immerhin waren meine ersten CDs (und damit meine ersten eigenen Tonträger) ein paar Kraftwerk-Alben und die großartige 4 Gewinnt von den Fantastischen Vier. Die Fantastischen Vier, genau… Diese Platte legte auch den Grundstein für meinen mich selbst heute noch immer wieder erstaunenden Hip-Hop-Zitate-Assoziations-Wahnsinn. Zurück zum Thema: Für die meisten Lieder auf meinen Bravo Hits 6 bis Anfang 20 schäme ich mich heute angemessen. Zu meiner Entschuldigung wende ich ein, dass ich da 12 bis ca. 17 war (hoffe ich zumindest) und somit die Pubertäts-Ausreden-Karte spielen darf. Andere Lieder von Maltes Liste finde ich allerdings auch heute noch gar nicht so sehr schlimm. Die schlimmen Lieder aus Maltes 80er-Schlimme-Lieder-Liste fand ich um Welten grauenvoller.

Natürlich hab ich einen passenden großartigen deutschen Hip-Hop-Song zum Thema auf Lager: Jugendsünden von Mutter Natur (Nico Suave, Dendemann, Majubiese) auf Nico Suaves Album Suave passt hervorragend, gibts aber nicht bei Youtube. Die Hookline geht so (ganzer Text hier):

Was war, das war! Ja, so war das, Leute! Heute lach' ich über gestern, morgen lach' ich über heute!

Wer mal hier ist und ganz lieb fragt, dem zeige ich auch das Video, wo wir zu viert eine eigene Choreografie auf "Baby come back" von Worlds Apart getanzt haben, in Behns Keller. Ich weiß heute gar nicht mehr, wie ironisch wir das gemacht haben, ich befürchte allerdings zu wenig. Das gilt auch für mein von Kelly Family Postern zugehangenes Zimmer damals, was irgendwie ein zu halbherziger Protest gegen den Kelly-Family-hassenden Mainstream war. Aber auch dafür habe ein paar gute Entschuldigungen parat: Erstens war meine erste Freundin (wenn man das so nennen kann, wir waren 13 und das war primär pubertär bedingt, aber das ist ein anderer Beitrag) Kelly Fan. Zweitens findet meine Mr. Hyde Seite auch heute noch einige der Lieder schön und drittens hatte ich schon damals ein Faible für Maite Kelly. Darf man sowas zugeben? Egal, auch das gehört in einen anderen Beitrag.

P.S. während ich diese Zeilen schreibe, lausche ich schlimm-großartigen Spären- und Flötenklängen auf sky.fm New Age.


Von anderen aufgeladene Emotionen nutzen?

07 07 2008

Ist es verwerflich, von Dritten aufgeladene Emotionen für die eigene Werbung zu nutzen? So wie es die Telekom aktuell mit dem unglaublich unter die Haut gehenden Paul Potts macht? Ganz großes Gefühlskino schreibt off the record zu diesem Telekom-Spot und bemängelt gleichzeitig, dass der Spot zwar große Gefühle weckt, aber eben nicht für die Marke Telekom. Zustimmung meinerseits: Der Funke springt einfach nicht über und es bleibt bei mir der faule Beigeschmack des Missbrauchs eines solch wunderschönen Internet-Märchens für werbliche Zwecke einer Marke, die mit damit nicht wirklich etwas zu tun hat. Das ist (großartige) Werbung für das Internet an sich und die Telekom ist ein Zugangsprovider, nicht mehr (die Inhaltelieferei überlässt man ja inzwischen weitgehend anderen). Aber ist das nun verwerflich oder nicht? Eigentlich nicht, man bringt nur mit einen schönen emotionalen Spot ein großartiges Video ins Gedächnis und versucht (begrenzt erfolgreich) seine Markenbotschaft mitzuliefern, warum sollte das nicht legitim sein? Vor allem, wenn man mit diesem Agenda Setting Leute neu erfreuen kann, denen das Video bisher entgangen war.

Mich zum Beispiel. Irgendwie ist dieses bemerkenswerte Video bisher völlig an meiner Wahrnehmung vorbei gegangen. Gut also, dass die Telekom das jetzt wieder auf den Tisch gelegt hat, denn dieser Paul Potts singt auch ohne die rührselige Story drumrum derart herzerwärmend, dass mir die Rührungstränen auf die gänsegehäuteten Arme rinnen. Noch nie hat Operngesang solch euphorische Ausbrüche bei mir verursacht. Kein Wunder, dass sowohl das Publikum, als auch die Jury bei Britain's Got Talent schon nach zwei Takten total abgehen und dieser dickliche Typ, der so unscheinbar und fast schon bemitleidenswert da antanzt, am Ende die ganze Show gewinnt. Wirklich magisch. So magisch sogar, dass ich wie in Trance direkt mal seine CD gekauft habe. Verzauberungs-Marketing und direkte Bestellmöglichkeiten sind eine gefährliche Kombination.

Schnell noch der Telekom-Spot, der erste Auftritt bei BGT (angucken und Ton laut, es lohnt sich, versprochen) und ein Artikel im Spiegel Online dazu. Ist zwar alles schon in den anderen verlinkten Quellen verlinkt, aber ihr guckt da ja eh nicht rein, gelle?

P.S. Ich habe gerade keinen Laden gefunden, wo ich die CD 1. jetzt, 2. legal und 3. als MP3 kaufen kann. Ist das nicht bescheuert? Muss ich jetzt ernsthaft bis zum Versand der CD am 12. Juli warten und mich in der Zwischenzeit aus illegalen Quellen bedienen (was keine 10 Minuten dauert)? Wo bleiben nur das versprochene DRM-freie Amazon-Downloadangebot und seine dadurch an den Markt gezwungenen NachahmerMitzieher? Und sollte ich ein schlechtes Gewissen beim Download aus illegalen Quellen haben, wenn ich die CD besitze oder bestellt habe?


MP3-Player sind so ne Sache

27 05 2008

Mein inzwischen altgedienter MSI-Mega-Player (mit OLED-Display und sagenhaften 256MB für seinerzeit 140€) stürzt in letzter Zeit ständig ab und manchmal lässt er sich danach auch nicht mehr einschalten, sondern spielt (sehr laut) alles ab, was sein Mikrofon so aufnimmt. Da hilft nur Akku leer laufen lassen und am nächsten Tag noch mal versuchen. Also weg damit. Aber Ersatz?

Gleichzeitig habe ich mal wieder meine Ohrhörer kaputt bekommen. Das wundert mich weniger, da ich die Dinger (und den Player) immer zum Einschlafen trage und sie oft die ganze Nacht im Ohr bleiben. Da das so Silikon-Dinger sind, bin ich über den Ohropax-Effekt auch nicht gerade traurig. Wie auch immer, unter der Belastung hält kein Ohrhörer lange durch. Wohlweislich hatte ich also beim letzten mal nur so 13€ Dinger gekauft, die tatsächlich gar nicht sooo schlecht klangen. Für 30-40€ bekommt man zwar deutlich besser klingende Teile, aber die sind mir zu schade zum verheizen.

Heute bin ich also in die Stadt gefahren, um einen neuen MP3-Player zu kaufen und auch neue Ohrhörer. Was soll ich sagen? Alle etwas besseren Player haben Touch- oder sonstwie empfindliche oder fummelige Tasten, eine unnötig komplizierte Medienbibliothek, einige lassen sich nur mit spezieller Software befüllen, und andere sind schlicht zu groß oder filigran dafür, dass ich im Zweifel drauf liegen kann. Bei Conrad habe ich dann einen 15€-Player gefunden, der SD-Karten liest und sich brauchbar (robust) anfühlt. Leider ist das Ding der allerletzte Dreck: Dass der keine Liednamen anzeigen kann wäre ja noch verschmerzbar, aber die Lautstärkeregelung funktioniert nur total hakelig (unglaubliche Doppelbelegung: Halten für Laustärke regeln, drücken zum Ändern von Klang- und Repeatmodus) und das weiterdrücken von Liedern überspringt gerne mal den ein oder anderen Track. Bitter.

Viel bitterer aber sind die 8€-Vivanco-Ohrhörer, die trotz Silikonpolster keinerlei Außengeräuschdämmung zeigen und noch deutlich schlechter klingen, als jeder Kirmes-Losbuden-Trostpreis-Gewinn. Bässe sind schlicht gar nicht vorhanden, stattdessen kommt schon bei normaler Laustärke nur Krächzen oder auch mal gar nichts mehr heraus. Naja, die 8€ schreibe ich dann einfach mal in den Wind. War ein Versuch.


Hoffentlich ein letztes mal DRM

27 04 2008

Ich hab schon lange keine Lust mehr. Meine aufklärerische Arbeit (sichselbstwichtigmach) und die Arbeit vieler anderer zum Thema DRM hat ja offensichtlich gefruchtet: Das Thema DRM für Musikdownloads ist weitgehend durch. Spätestens wenn demnächst Amazon auch auf dem deutschen Markt am Start ist, wird DRM-Fesselmusik wie Steine in den virtuellen Regalen liegen. Gut so. Lasst Euch nicht verarschen!

Also kleiner Digest zu aktueller Presse: Die Musikindustrie hat einen offenen Brief an die Kanzlerin veröffentlicht, in dem sie rumheult und fordert, dass die Bundesregierung etwas tut. Ich frage mich, was sie denn noch tun sollen? Reicht Euch die aktuelle für die Konsumenten sehr unangenehme Lage noch nicht? René von Nerdcore hat alles, was dazu zu sagen ist, in eine offene Antwort verpackt. Ja genau. Was können die Konsumenten und die Regierung (die diese irgendwie schon noch vertritt) dafür, dass Euch Euer Geschäftsmodell wegbricht? Wollt ihr noch analog zum Kohlepfennig einen Musikpfennig haben? Das wär ja ne geile Idee! Da löst sich die Grundlage einer ganzen Industrie auf (was bei der Musik so einfach nicht stimmt), und der Staat muss Arbeitsplätze mit hohen Subventionen sichern. Kennt man ja.

Allein: Eure Probleme sind Hausgemacht. Die Kunden haben plötzlich das Zepter in der Hand. Und die Kunden wollen durchaus Musik und sie wollen auch durchaus dafür bezahlen, ehrlich! Die Welt ändert sich. Heult der Lebensmittel-Einzelhandel rum, dass der Trend zu Convenience-Produkten geht und kaum noch jemand einfach nur Mehl kauft oder die Brauereibranche, dass der Bierabsatz ins Bodenlose fällt? Nein, denn man kann sich auch als Industrie durchaus an veränderte Situationen anpassen: Kommt man bei Rewe rein, empfängt einen eine Convenience-Kühltruhe und im Bierregal stapeln sich zig verschiedene Biermixgetränke, denn die sind tierisch en vogue und verkaufen sich blendend.

Und was macht ihr? Statt den Konsumenten schon seit zehn Jahren Musik im bevorzugten MP3-Format zu verkaufen zu Preisen, die nicht über denen von CDs liegen (aus denen man sich übrigens ganz einfach und noch immer legal eigene MP3s machen kann), und zu Konditionen, die denen von Tauschbörsenmusik mindestens ebenbürtig sind. Sprich: Ein Album für 10 Euro ohne Fußfesseln. Im Spiegel-Online steht übrigens dieser Tage ein gut zusammengefasster Abgesang auf DRM: Microsoft lässt Playsforsure-Musik, die Kunden im msn Musicstore gekauft haben, einfach auslaufen. Ab Mitte des Jahres kann man diese Musik nicht mehr auf andere Rechner (etwa seinen eigenen neuen PC) umlizenzieren. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Nicht nur, dass man seine bezahlte Musik überhaupt umlizenzieren muss, wenn man sie auf seinen neuen Rechner kopiert. Nein, das reicht noch nicht: Man stellt diese Möglichkeit einfach ab und nimmt seinen Kunden die bezahlte Musik damit praktisch wieder weg. Nach maximal drei Jahren.

Zur Erinnerung: Selbstgerippte Musik zum gleichen Preis (inkl. CD) und kostenlos aus dem Netz kopierte Musik läuft ohne jedes Haltbarkeitsdatum einfach weiter, man ist also der Gefickte, weil man für Download-Musik bezahlt hat, obwohl man die gleiche Musik auch für lau aus dem Netz hätte ziehen können. Verkerhte Welt. Und dann heulen diese Leute unserer Bundesregierung die Ohren voll.

Mir ist das inzwischen gleichgültig: Ich habe schon lange meine Musikkäufe auf ein Minimum reduziert. Einer Branche, die so scheiße ist, gebe ich echt nur ungern irgendwelche Kohle. Gibt genug bessere Alternativen für mein beschränktes Medienbudget. Überhaupt: Wie vermessen ist das ganze eigentlich? Die Leute versenken ihr Medienbudget inzwischen schlicht woanders und die Musikindustrie will Schutz davor? Wie? Meinen die im ernst, die Leute kaufen wieder mehr Musik, wenn man rechtlich gegen sie vorgeht und das mit harten Bandagen? Ganz offensichtlich schmecken den Leuten die aktuellen Konditionen oder die Inhalte nicht mehr. Was macht man als Geschäftsmann: Man dreht genau daran. Naja, ist ja gut jetzt. Schönen Sonntag noch.


3-2-1 Ignition in der Tonhalle

17 04 2008

Am Dienstag war ich bei der 3-2-1 Ignition in der Tonhalle. Das ist ein jugendkompatibles Konzert der Düsseldorfer Symphoniker mit visueller Unterstützung des IMM (Institut für Musik und Medien) der FH Düsseldorf und der Robert-Schumann-Musikhochschule Düsseldorf. Um etwas geheimnisvoll zu bleiben: Es lohnt sich! Recht junges, aber gemischtes Publikum (Schüler, Studenten, andere übliche Tonhallen-Besucher), gute Stimmung, gute Musik, alles stimmt. Und nicht zuletzt der quasi geschenkte Eintritt von 5€ und die Garderobe ist umsonst in der Tonhalle. Der Intendant der Tonhalle – der den Abend moderiert – kann zu Recht stolz auf das volle Haus sein. Wir kommen gerne wieder.

Die nächste Ignition findet am 03.06.2008 statt. Hingehen.

Ich frage mich, wer das ganze wie stark suventioniert? 5€ sind verdammt wenig für die (2005 renovierte) Tonhalle mit vollem Personaleinsatz an Platzeinweisern und Garderobenleuten, die kompletten Symphoniker und etliche Studenten für den Videoteil.


Kann man Hip-Hop-Texte zitieren?

17 02 2008

Im letzten Beitrag habe ich Texte von der neuen Dynamite Deluxe Platte zitiert. Als ich sie eben wieder gelesen habe, musste ich über die grundsätzliche Frage nachdenken, ob man Hip-Hop-Texte von ihrem Flow und dem Beat losgelöst zitieren kann oder darf? Wenn man das so liest, ergibt es keinen Sinn und es stellt sich auch kein Fluss ein, wie das bei Gedichten üblich ist (fünffüßiger Jambus und so, ihr wisst schon). Es kommt einfach nichts rüber von dem, was die Liedstelle ausmacht. Die Kunst bei Hip-Hop besteht ja gerade darin, seinen eigenen (mehr oder weniger ausgeprägten) Style über Beats zu flowen. Je unverwechselbarer, desto besser, aber auch desto weniger nachvollziehbarer aus der reinen Transkription.

Also komme ich zu dem Schluss, dass es verboten gehört, Hip-Hop-Texte losgelöst von Flow und Beat zu betrachten bzw. zu zitieren. Problem: Ohne Urheberrechte zu missachten bzw. sich auf ein rechtliches Minenfeld zu begeben, kann man so leider gar keinen Hip-Hop zitieren. Wird sicher einige meiner Leser hoch erfreuen, ich finds schade.


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