Mal wieder: Wie sollte man mit den IE6-Nutzern umgehen?

15 07 2009

So viel wurde schon zum IE6 geschrieben, so viel Hass wurde ausgeschüttet und so viele Erklärungsansätze für den noch immer beschämend hohen Marktanteil dieses Fossils wurden gebracht. Nun muss ich noch mal etwas dazu loswerden. Warum gerade jetzt? Zu einen habe ich zuletzt mehrere Tage unbezahlt mit IE6-Debugging verbracht, zum anderen hat YouTube angekündigt, den Support für den IE6 ab sofort auslaufen zu lassen. Das ist eine großartige Entscheidung, denn bisher hat sich kaum ein reichweitenstarkes Webangebot zu diesem Schritt durchringen können. Die Begründung halte ich für sehr stichhalting: YouTube sagt, dass sie der Support des IE6 glasklar messbar und nicht zu knapp Geld kostet und dass einige neue und praktische Funktionen mit vollem IE6-Support nicht machbar sind. Genau das ist der Punkt. Danke an Google für diesen mutigen Schritt. Denn nur durch Leidensdruck seiner Nutzer wird der IE6 aus den Statistiken verschwinden. Solange die Inhaltelieferanten die teilweise massiven Mehrausgaben bei der Entwicklung für den IE6 tätigen, wird sich an der Situation nichts ändern.

Ein viel gehörtes Argument ist ja, dass viele Nutzer an Firmen-PCs nur den Internet-Explorer 6 benutzen können/dürfen und so ja jetzt ausgeschlossen sind. Das stimmt. Na und? Eine reichweitenstarke Seite wie YouTube verliert dadurch vielleicht ein paar Prozent seiner Nutzer. Noch mal: Na und? YouTube ist wichtig genug, dass diese Leute im Zweifel schon einen Weg finden werden, sprich einen anderen Browser installieren. Oder sie lassen YouTube eben bleiben. Man darf nicht vergessen, dass da jemand mit einem Programm unterwegs ist, zu dessen Erscheinungszeitraum Videodienste wie YouTube noch unfassbare Zukunftsmusik waren. Woher kommt die Erwartungshaltung, dass das ohne Einschränkungen klappen muss? Ich denke, man muss sich einfach der Realität stellen. Es gibt genug Alternativen und keine davon kostet etwas.

Aber das CRM-System in unserer Firma (oder Intranet-Anwendung-XY) läuft nur mit dem Internet Explorer! Auch das höre ich immer wieder und ich habe zwei Antworten darauf: Erstens würde ich mich fragen, ob meine Intranet-Anwendung eine gute Anwendung ist, wenn sie die vorletzte Version eines so wichtigen Programmes als Zugangsvoraussetzung hat, aber da rede ich Firmen ungerne rein. Zum anderen aber spricht meiner Meinung nach nichts gegen den Paralleleinsatz von IE6 als Zugangsprogramm fürs veraltete Intranet und einem modernen Browser für das Internet. Selbst wenn es unbedingt der Internet Explorer 8 sein muss, gibt es Mittel und Wege, parallel einen IE6 zu betreiben. Zu viel Administrationsaufwand? Nun, so ist die Welt. Man denke im Firmeneinsatz übrigens auch an die haarsträubenden Sicherheitslücken des IE6, die nicht mehr behoben werden.

Aber was ist mit der Barrierefreiheit? Nutzer auszuschließen widerspricht dem Barrierefreiheitsgedanken, klar. Aber ist das hier wirklich so? Dafür muss ich eine Analogie bemühen: Man stelle sich vor, es gäbe ein Gesetz, das die Beschaffenheit von Rollstuhlrampen regelt. Alle Hersteller von Rollstühlen halten sich an diese Vorhaben und fahren prima damit. Nur der klare Marktführer hat bei früheren Modellen einmal diese Regeln anders ausgelegt und die Räder als Vielecke statt als Kreise ausgelegt. Das ist anfangs vielleicht Stand der Technik gewesen, technisch sinnvoll war es aber nie. Auf standardkonformen Rollstuhlrampen ist die Fahrt für Nutzer solcher Rollstühle dadurch etwas unbequem, weswegen alle Gebäudebetreiber ihre Rollstuhlrampen bisher sehr teuer in mechanisch sehr aufwändigen und vor allem technisch unsinnigen Varianten gebaut haben. Für die Nutzer standardkonformer Rollstühle gäbe es längst Entwicklungen, die die Nutzung von Rollstuhlrampen wesentlich bequemer und einfacher gestalten würden, aber diese sind mit den Vieleckrädern nicht oder nicht sinnvoll in Einklang zu bringen. Der Marktführer würde daher schon lange ein kostenloses Austauschprogramm für seine alten Modelle anbieten. Macht es hier Sinn, von einer Barriere zu sprechen, wenn man bei neuen Gebäuden die sich bietenden Vorteile nutzt und die Nutzer der veralteten Rollstühle zwingen würde, das kostenlose Austauschprogramm des Herstellers zu benutzen? Ich habe da meine Schwierigkeiten mit. Es geht ja nicht darum, dass der alte Rollstuhl die Rampe gar nicht mehr benutzen kann, es würde für etwas holpriger werden.

So sehe ich das auch beim IE6: Wer der Meinung ist, mit einem Browser aus dem Jahr 2001 im Jahr 2009 alle Funktionen moderner Websites genießen zu können, leidet unter massivem Realitätsverlust. Eine Website sieht komisch aus? Nun gut, da könnte man denken, der Seitenbetreiber wäre ein Idiot. Wenn aber immer mehr Websites komisch und kaputt aussehen und mir einhellig sagen, dass sie meinen veralteten Browser nicht mehr unterstützen, kann ich die alle doof finden oder mich der Realität stellen und ein Update machen. Genau deswegen braucht es Seiten wie YouTube, die die Eier haben, dieses doof gefunden werden einstecken zu können und im Zweifel ein paar Nutzer zu verlieren.

Hier kommt wieder der Geldaspekt ins Spiel. Mal angenommen, die Implementierung einer modernen Funktion ist im IE6 nicht möglich. Dann wird YouTube durchrechnen, was für einen finanziellen Wert die neue Funktion hätte. Dann wird YouTube gegenrechnen, was der Ausfall von einer angenommenen Zahl an IE6-Nutzern, die nicht umsteigen, sondern YouTube den Rücken kehren, kosten würde. Dann wird YouTube einrechnen, wieviel es wert ist, wenn x Prozent der ehemaligen IE6-Nutzer auf den Google-Browser Chrome umsteigt. Dann wird YouTube einen großen Strich unter die Rechnung machen und den IE6-Support sofort einstellen. Die Dimension, dass auch andere Google-Dienste vom Tod des IE6 profitieren, habe ich hier noch gar nicht einbezogen. Eine ähnliche Rechnung tut sich auf, wenn man die Entwicklungskosten für IE6-Zurechtbiegen gegen den Imageverlust durch etwas komisch aussehende Websites gegenrechnet.

Bei einem eigenen Projekt würde ich keinesfalls Geld in die Kompatibilität mit dem IE6 stecken und auf tolle neue Funktionen für alle anderen verzichten. Wer das Geld weiterhin ausgeben möchte, kann das ja weiterhin tun.

P.S. Ich muss dazu sagen, dass ich bei meinem letzten Auftrag einen Pauschalpreis veranschlagt und dabei u.a. die für das IE6/IE7 Debugging nötige Zeit völlig falsch eingeschätzt habe. Insgesamt habe ich nun mehrere Tage komplett unbezahlt (das entspricht meinen Fixkosten für einen ganzen Monat) da rein stecken müssen, was mich ernsthaft ärgert. Merke: Keine Pauschalpreise für so einen Mist und wenn doch, dann nicht so knapp kalkuliert.


XP Installations Querelen

24 04 2009

Ich hab noch nie so lange gebraucht, um ein originales Windows XP mit einer originalen CD zu installieren, wie gerade eben. Wie immer habe ich eine veraltete Original OEM/SB CD mit XP Professional und in dem Fall SP1 mit nLite auf den Stand vom SP3 gebracht und bei der Gelegenheit auch gleich den AHCI-Treiber von AMD und den Netzwerktreiber von Realtek integriert. Soweit nichts Besonderes, schon etliche Male gemacht. Aber heute wollte das Dingen keine der beiden hier zur Verfügung stehenden Serials annehmen. Gut, dachte ich, nimmste die andere Original-CD und wiederholst den Vorgang, aber auch mit der anderen CD (deren Image eine andere Prüfsumme ergab) wollte das Setup den key nicht annehmen. Was nun? Das waren definitiv die richtigen CDs und von exakt diesen habe ich seinerzeit auch das Windows mit diesen Serials installiert. Verhext.

Wie habe ich das also schlussendlich gelöst? Die Seite, die die Gulli-Börse übernommen hat, hatte auch einen Thread mit einer formidablen Windows-CD Sammlung in allen gewünschten Geschmacksrichtungen, u.a. auch ein Image einer direkt von Microsoft stammenden XP Professional OEM mit SP3 CD. Die schnell durch nLite geschubst, um die wichtigen Treiber zu integrieren und schon (ja, nur drei Stunden nachdem ich angefangen hatte) funktionierte auch meine Serial, juhu.

Fazit: Es leben Rapidshare und Gulli und Co., die mir wieder mal den Arsch gerettet haben. Ist es eigentlich legal, ein unverändertes Image einer Windows CD via Rapidshare zu saugen, um es mit einer echten Serial zu installieren?

Fazit2: XP wird immer bockiger beim Installieren in letzter Zeit auf moderner Hardware, die eigentlich für Vista gedacht ist. Trotzdem muss ich ständig irgendwo noch XP installieren. Wenn man mal Vista installiert hat, bringt einen das XP Setup von 2001 zur Weißglut. Allein, dass man ohne Diskettenlaufwerk riesige Klimmzüge machen muss, um XP auf AHCI-Hardware zu installieren. Grr.


XDA-Projekt: Mobile Browser

13 06 2008

Mobiler Internetzugang kann an drei Faktoren scheitern: Zum einen kann der Mobilfunkzugang nicht vorhanden, zu langsam oder zu teuer sein, klar. Dann kann einem eine zu schwachbrüstige oder gänzlich ungeeignete Hardware das Leben schwer machen. Ich denke da an die ersten WAP-Telefon mit 128x96 Monochrom-Displays, das ist ohne angepasste und ganz stark beschnittene Inhalte nicht sinnvoll benutzbar. Aber auch die heute gebräuchlichen 320x240 Pixel in Farbe sind noch nicht wirklich viel. Da kommen wir zum dritten Punkt: Der Browser muss sehr ausgefuchst mit dieser niedrigen Auflösung und der schwachen Hardware umgehen können. Daran scheitert nämlich mein XDA Orbit 2 im Auslieferungszustand. Immerhin ermöglicht der Touchscreen inzwischen einen natürlichen und nicht total umständlichen Umgang mit dem mobilen Internet.

Der Pocket Internet Explorer von Windows Mobile 6 ist absolut ungeeignet, um normale Webseiten anzuzeigen. Manchmal erkennt ein Server dieses Meisterstück an unfähiger Rendering-Engine und bietet speziell angepasste Inhalte oder notfalls eine WAP-ähnliche Version an (etwa spiegel.de). Aber selbst dann ist es eine absolute Zumutung, das Ding zu bedienen: Den winzigen und nicht zoombaren(!) Viewport verschieben? Nur mit den winzigen Scrollbalken, ein Ziehen mit Stift oder Finger markiert nämlich lieber Text (wozu!?). Ich will die durch und durch grausige Bedienung gar nicht weiter beschreiben, das ganze Ding ist einfach ein schlechter Witz und wird zukünftig von mir ignoriert.

Das iPhone macht es vor: Webkit funktioniert grundsätzlich hervorragend auf mobilen Geräten und mit kleinen Bildschirmen. Auch Nokia benutzt die Webkit-Engine, allerdings in einer mangels Touchscreen ebenfalls kaum bedienbaren Implementierung. Das kann da nur besser werden. Also habe ich Safari auf dem iPhone gesehen und will etwas auch nur ansatzweise so flüssig bedienbares auch für Windows Mobile haben… Eine Kurze Recherche brachte zwei Webkit basierte Browser ans Tageslicht: Der Iris Browser von Torch Mobile und Wake3. Der Iris Browser hat eine grafisch schicke Website und klingt vielversprechend, für den Privateinsatz ist er kostenlos. Die Beta-Version, die ich vor zwei Wochen ausprobiert habe, war allerdings fast so unbenutzbar, wie der Pocket Internet Explorer. Zwar kann man den Viewport verschieben und (über das Menü) zoomen, allerdings ging das derart langsam vonstatten, dass an eine flüssige Bedienung nicht zu denken war. Verschiebt man den Viewport, zieht ruckelt man sich erst mal ein kariertes Hintergrundmuster ins Bild, das innerhalb von ein bis drei Sekunden mit dem eigentlichen Inhalt gefüllt wird. Alles passiert träge und macht keinen Spaß. Immerhin ist das Rendering-Ergebnis erwartungsgemäß korrekt. Windows Mobile fehlt ganz offensichtlich die tolle Grafikbeschleunigung und das Multitouch des iPhone. Wake3 habe ich nicht ausprobiert (ist der überhaupt schon verfügbar?), wenn ich mich recht erinnere, arbeitet dieser Browser wie Opera Mini mit einem Zwangsproxy, der die Webseiten vorher aufbereitet und komprimiert. Da sehe ich große Datenschutzprobleme, immerhin jagt man ständig irgendwelche Zugangsdaten durchs Netz.

Firefox Mobile macht Fortschritte und zeigt spannende GUI Konzepte (Video dazu). Vielleicht wird das was im nächsten Jahr, es bleibt spannend.

Tja und dann ist da Opera. Geliebter Opera! Opera Mini funktioniert wirklich sehr gut, ist aber ein Java-Programm und braucht daher mindestens vier Klicks zum starten und die Texteingabe ist anders, als man es gewohnt ist. Außerdem auch hier das Datenschutzproblem wegen des zwangsweise mitlesenden Proxys. Dafür ist das Ding kostenlos, schnell, zoomt korrekt, bedient sich gut und flüssig und macht sowieso vor, wie es laufen kann. Opera Mobile hingegen ist aktuell nur in einer älteren Version zu haben, die brauchbar funktioniert, aber 19€ kostet und die schöne neue Bedienwelt noch nicht mitbringt. Ich warte also sehnsüchtig auf die vielversprechende Version 9.5 (Promo-Video dazu), die demnächst irgendwann fertig sein wird, der Nachfolger vom XDA Orbit 2 (HTC Touch Diamond) bringt diesen feinen Browser sogar vorinstalliert mit. Gute Sache, vor allem in Kombination mit einer erhöhten Auflösung von 640x480). Momentan arbeite ich mit der 30-Tage-Trial von Opera Mobile 8.65 und komme durchaus klar, am meisten vermisse ich aber den Doppelklick-Zoom, hier muss man noch über das Menü gehen zum Zoomen. Hoffentlich kommt Opera Mobile 9.5 heraus, bevor meine 30 Tage abgelaufen sind.

In der c't 7/08 war ein Artikel über mobile Browser drin, falls jemand das Thema vertiefen möchte.

Fazit: An Opera Mobile 9.5 führt auf der Windows Mobile Plattform derzeit kein Weg vorbei, bitte bringt die neue Version schnell heraus. Das iPhone hat die Hersteller wachgerüttelt, endlich tut sich was auf dem Markt für mobile Browser. Ein großes Dankeschön an Apple dafür. Ich frage mich nur, warum Microsoft weiter an diesem völlig verkorksten Pocket Internet Explorer festhält? Warum nur? Man muss hier ja keine/kaum Altlasten bedienen und der Nachholbedarf ist so unfassbar groß. Los jetzt. Der Android-Browser (mit Webkit natürlich) steht auch schon in den Startlöchern und macht Spaß.


Die Warchiefs sind da

22 10 2006

Und direkt mit einem ultra peinlichen Bug, der auf sehr vielen Systemen die Installation mit einer nichtssagenden Fehlermeldung abbricht. Die Lösung findet man irgendwo im offiziellen Forum: Man muss einen Eintrag im Startmenü von "All Users" anlegen, damit der Installer erkennt, dass Age III installiert ist. Meine Herren, das darf nicht passieren.

Also direkt demnächst mal probespielen. Karin ist schon ganz aus dem Häuschen.


Napoleonic Era ist da

01 10 2006

Juhu, nach Monaten Wartezeit und täglichem Besuch der Website ist es so weit: Der Mod Napoleonic Era für Age of Empires III ist da. In Version 1.0 "Druckfrisch" auf der offiziellen AoE3:NE Homepage. Also in den nächsten Tagen wird Age gespielt, damit das klar ist! Schlatze, keine Ausreden. Ich habe meinem Notebook extra rechtzeitig noch nen Speicherriegel spendiert und Deine Klausur ist vorbei.

Und das beste ist, dass demnächst mit dem Warchiefs-AddOn auch noch neues offizielles Futter von Microsoft nachgeschoben wird. Gekauft.


DRM in der FairUse-Falle

05 09 2006

Die ganze Sache mit dem ausgehebelten Microsoft-DRM tut mir leid. Ehrlich. Innovative Dienste wie Napster müssen darunter jetzt leiden. FairUse wäre es, wenn die Anbieter von Kaufmusik auf das DRM verzichten würden, die Käufer aber dafür die Geschäftsmodelle der Abodienste respektieren. Noch mal zur Erinnerung: DRM ist eine sehr gute Idee – um neue Geschäftsmodelle damit aufzuziehen. Geschäftsmodelle die darauf basieren, dass die Musik nicht überall abspielbar ist und sonstigen Beschränkungen unterliegt. DRM für den Verkauf von Massenware zu missbrauchen – das ist in der Tat eine wirklich schlechte böse Idee.

Ich will nicht nerven, aber das Prinzip "Preis runter -> Umsatz rauf" ist alt. Und dass man mit digitaler Musik eine Ware hat, deren variable Kosten gegen null streben, unterstützt doch diesen Ansatz und erweitert ihn zu "Preis runter -> Gewinn rauf", wenn die dadurch erhöhte Nachfrage den Preisrutsch überkompensiert.

Wozu also hier DRM? Weil ein paar Leute die Musik dann ohne Bezahlung einsacken?

Realitätscheck: Im Moment sacken ne ganze Menge Leute Musik ohne mit der Wimper zu zucken ohne Bezahlung ein. Dass das nicht FairUse ist, interessiert niemanden so recht.

Realitätsanalyse: Warum kopieren Leute momentan Musik? Natülich weil es sie nichts kostet. Klar. Aber warum sonst noch? Weil es bequem ist? Weil man sich dann Alben anhört, die man sonst nicht hören würde? Nicht kaufen würde? Weil es bequem ist? Weil die Musik überall läuft? Wenn man all das hätte, würde man auch für die Musik bezahlen? Ich sage ja. Natürlich möchte ich für Musik bezahlen. Manchmal kopiere ich mir ein Album, höre es, finde es gut und latsche in einen CD-Laden. Aber meistens ist mir das zu viel Aufwand. Die meisten Alben werfe ich auch weg, wenn ich sie einmal gehört habe -> "Puh. Gut, dass ich den Mist nicht gekauft habe".

Wenn ich von mir ausgehe: Ohne DRM würde ich regelmäßig Musik online kaufen. Ich bin eigentlich genau die Zielgruppe dafür. Aber an kastrierter Musik hab ich kein Interesse. Und auch nicht an Musik, die als Download teurer ist, als auf CD im Handel – inkl. Transport und Marge. Da kann ich dann nur den Kopf schütteln und darauf warten, dass jemand mir Musik verkaufen möchte. Und was mache ich in der Zwischenzeit? Die ein oder andere CD kaufen, aus meiner Musiksammlung schöpfen, Radio hören, runterladen, Mercedes Benz Mixed-Tapes hören. Oder ich investiere Zeit und Geld in andere Medien. Verwegener Gedanke, oder?

Ach ja, in der Hausarbeit über DRM habe ich eine 3,3. Das ist gut. Dafür, dass ich sie sehr schnell runter geschrieben habe, mich für "Wissenschaftlichkeit" nicht verbogen habe (indem ich nicht nur wiederkäue, was andere geschrieben haben) und überhaupt ein Minimum an Arbeit investiert habe. Mir gefällt der Text jedenfalls ganz gut. Vielleicht veröffentliche ich ihn mal. Gibts da Interesse?

Mal sehen.

Nachtrag: Sehr sehr interessant ist dazu folgender Beitrag auf heise.de: T-Mobile und Musicload starten Pilotprojekt zur Musik-Superdistribution. Proprietäre Systeme werden untergehen. Ja, ganz sicher werden sie das, nur wann? Wenn die Nutzer bemerken, dass sie sich in eine völlig bekloppte Abhängigkeit begeben haben? Was, wenn in einem Jahr die iPod Killer wider erwarten wirklich solche sind? Ja, liebe iTunes-Kunden, was dann? Es klingt zwar blasphemisch, aber ich glaube, dass Apple nicht dauerhaft das hippste und einzig wahre am Markt sein wird. Auch der ein oder andere Freund der Marke wird merken, dass er irgendwann auf dem Abstellgleis steht. Das wird was. Irgendwie freue ich mich auf die ersten Anrufe von Leuten, die sich trotz meiner Warnungen ist diese Welt begeben haben. Ich werde sagen: Ich hatte Dich gewarnt. Bis dahin lehne ich mich zurück und warte auf die Show.


DRM Digest

29 08 2006

Also seit meinem letzten Eintrag zu DRM und Kopierschutz hat sich die Welt ganz schön fix weiter gedreht. Ich habe eine Hausarbeit zum Thema "Ökonomische Konsequenzen von DRM für den Vertrieb digitaler Medien" geschrieben. Auch das ist schon wieder ne Weile her. Was gibt es also neues?

Microsoft DRM "geknackt"

Also die augenfälligste Neuerung ist sicherlich, dass man jetzt recht easy seine verschissene DRM-Kaufmusik auch ohne Qualitätsverlust von ihrem Schutz befreien kann. Das geht heute durch die Medien (SPON: Microsofts Musik-Kopierschutz geknackt, golem.de: Tool befreit Kauf-Musik von Microsofts DRM-Schutz). Das Tool an sich ist nicht neu und man benötigt eine gültige Lizenz für wenigstens ein Lied. Aber durch die einfache Oberfläche statt einer unschönen Kommandozeile rückt diese Möglichkeit doch plötzlich in die Sphäre vieler normaler User.

Klar, das umgehen von wirksamen Kopierschutzmaßnahmen ist (nicht nur) in Deutschland offen gesetzeswidrig. Aber sein wir mal ehrlich und nüchtern: Da kauft man für ziemlich viel Geld Musikstücke ein und bemerkt meistens erst später, dass man sie auf seinem Handy oder seinem MP3-Player oder auf einem der inzwischen zahlreichen MP3-fähigen Geräte gar nicht abspielen kann. Möp. Ach ja, auf die Party vom Nachbarn kann man die Mucke auch nicht mitbringen. Immerhin darf man sie sich begrenzt oft auf eine CD brennen, fürs Auto etwa.

Das ist auch irgendwie nötig, weil man da seine gekauften CDs inzwischen ja immer häufiger wegen des Abspielschutzes Kopierschutzes gar nicht mehr abspielen kann. Der Weg zu einer problemlos abspielbaren Audio-CD führt also heutzutage über einen kostenpflichtigen Download und den CD-Brenner und nicht in den CD-Laden. Paradox, oder?

Zurück zum "geknackten" DRM. Da das plötzlich so durch die Medien geht, hat das sicherlich auch Auswirkungen auf den Markt. Wie also kann die Musikindustrie reagieren? Was sind ihre Handlungsalternativen?

1. Nichts tun, abwarten. Darin sind die Jungs ganz gut. Allerdings steht zu befürchten, dass das Befreien von DRM-Maßnahmen eine ähnliche Popularität erreicht, wie das Brennen von CDs und das Downloaden aus illegalen Quellen. Dazu gleich mehr.

2. Neue DRM-Version nachschieben. Für den Kunden denkbar schlechteste Lösung, da dann alle aktuellen Geräte die neue Musik wahrscheinlich nicht mehr abspielen können. Das wäre ein massiver Fehler, steht doch die ganze DRM-Kiste eh schon auf tönernen Füßen.

3. Den DRM-Scheiß aufgeben und die Musik im MP3-Format verkaufen (wie eMusic und der illegale Laden aus Russland). Eine Lösung, die sicherlich für alle gut wäre. Die Kunden bekommen ihre Musik so, wie sie sie wollen und können sie so benutzen, wie ihnen das lieb ist: ohne Einschränkungen. Und die Anbieter werden sich a) über ne Menge gutes Karma und b) rasant steigende Verkaufszahlen freuen. Scheiß egal, ob 50% der Leute ihre Musik kopiert: Dabei entsteht kein direkter Schaden. Und die Verkaufsausfälle durch die (wenigen) Leute, die sich wegen des Kopierens die Musik nicht kaufen, lassen sich durch den Verkauf an entsprechend viele andere Leute locker kompensieren. Postuliere ich mal so.

Wieviele Eurer kopierten Musikstücke und Filme hättet ihr nicht, wenn ihr dafür hättet zahlen müssen? Das ist der Knackpunkt. Die "Schadens"-Rechnungen basieren auf der völlig weltfremden Annahme, dass alle kopierte Musik auch gekauft worden wäre. Irgendwie ist doch die Lächerlichkeit dieser Annahme so auffällig, dass ich mich frage, wie man sie ernsthaft vertreten kann.

Wenn ich so recht darüber nachdenke, gleichen sich in den Folgen die erste und die letzte Variante frappierend. Ob die Musikindustrie nun das Verhalten einiger oder vieler Kunden nicht verhindern kann, oder ob sie direkt offen auf alle Kunden zugeht ist im Endeffekt für die einigen oder vielen Kunden das gleiche. Der Unterschied besteht darin, dass man bei ersterer Variante seine eigenen Kunden in die Illegalität treibt und sich weiterhin völlig fehlendes schlechtes Gewissen seitens der Kunden sichert. Vielleicht habe ich ein krankes Marketing-Verständnis, aber worin liegt noch mal der Vorteil, wenn man sich seine eigenen (potenziellen) Kunden zu Feinden macht?

DRM-Freie Musik

Eine weitere gute Nachricht: Verschiedene Läden machen versuche mit DRM-freier Musik. Yahoo hat neulich einen personalisierten Track vertickt, ganz ohne DRM. Ich bin mir Sicher, bei einem groß anlegelegten Feldversuch würde man bemerken, dass man letztlich an DRM-freier Musik mehr verdient.

Windows Vista

In Vista für 32 Bit Computer gibt es auch nicht signierte Treiber, in der Ausgabe für 64 Bit hingegen nur signierte. Im Prinzip eine ganz kluge Lösung. Basieren viele Angriffe auf Windows doch auf dem Einspielen von bösen Treiberkomponenten. Dass die Signierung Geld kostet und für Open-Source-Projekte dadurch und auch möglicherweise aus anderen (politischen) Gründen nicht zur Verfügung steht, stelle ich jetzt mal hinten an. Es bedeutet aber, dass die Player-Hersteller große Schwierigkeiten haben werden, in 32 Bit Versionen von Vista den von der Filmindustrie geforderten "sicheren Pfad" zu implementieren. Ich bin wirklich gespannt, wie und ob sich das Problem lösen lässt, oder ob die Filmindustrie einsieht, dass ihre sichere Kopierschutz-Festung eine ziemliche Sackgasse ist. Also ganz ehrlich: Ich habe keinen Bedarf für das tolle ultra hochauflösende Filmerlebnis. Und schon gar nicht, wenn ich massive Klimmzüge veranstalten muss, um es nutzen zu können. Ich werde eine 32 Bit Version von Windows einsetzen, weil ich tatsächlich zwei 32 Bit Computer besitze. Ganz schön frech von mir, oder? Und noch frecher: Ein Flachbildfernseher mit HDTV-Auflösung und HDMI-Eingang steht die nächsten fünf bis zehn Jahre nicht auf meiner Einkaufsliste, so ich nicht doch mal im Lotto gewinne. Und damit steht auch nicht eine einzige Blu-Ray-Disc oder HD-DVD auf meinem Wunschzettel. Ich weiß, ich schäme mich ja auch.

Fazit

Also abschließend kann ich nur sagen: Endlich! Endlich kann ich auch mal Kaufmusik erwerben. Wenn ich die scheiß Mukke von ihrem miesen DRM befreien kann, könnte ich mir vielleicht auch mal den ein oder anderen Track kaufen. Nicht, weil ich ihn weitergeben will oder so. Das auch. Aber vor allem, weil ich verschiedene Geräte habe, die mit DRM-Musik nichts anfangen können. Mit WMA leider auch nicht, also wird wohl doch nichts draus. Schade eigentlich.

Welcher Laden verkauft mir Musik, die ich haben will, als MP3? Hallo? Ich will Geld ausgeben! Hier, ich! Hier, ich geb Euch nen Euro für einen Track (was ich viel finde)! Warum will mir denn niemand was verkaufen?

Ach endlich, da ist ja einer. Was für ein freundlicher Russe. Spricht viele Sprachen und verkauft mir Musik. Spottbillig. Und ich kann mir auch noch das Format aussuchen! Danke Gott. Aber stopp. Moment mal. Das ist ja illegal. Hmm, ich bezahle doch kein Geld, um dann doch illegale Musik zu kaufen. Da kann ich auch gleich die Mule anwerfen…


IE7 via AutoUpdate

31 07 2006

Internet Explorer 7 über Auto-Update in der Kritik schreibt Winfuture.de gerade. Inhalt: Sicherheitsspezialisten kritisieren, dass Microsoft zunehmend die AutoUpdate Funktion für die Verteilung auch nicht kritischer Updates "missbraucht". Und das wiederum könnte dazu führen, dass viele User die automatischen Updates ausschalten. Gegenfrage: "Was sind das denn für Sicherheitsexperten?" Erklärung: Der IE7 ist ein sowas von kritisches Update. Die riesige Sicherheitslücke IE6 wird vorerst weitgehend geschlossen durch das Update.

Also Kritik durchaus angebracht, klar. Vor allem die blöde WGA-Prüfung hat nicht gerade für ein gesteigertes Vertrauen der User in MS gesorgt ("Windows funkt doch nach Hause"). Aber die Kritik kommt zum völlig falschen Ereignis.

Aber so lange es immer noch Leute gibt, die sich für smart halten, weil sie Windows XP ohne SP2 benutzen, wird es auch Leute geben, die alles tun, um ein unsicheres Windows-System im Internet zu bewegen. Und dann Microsoft im gleichen Atemzug vorwerfen, dass Windows nicht sicher ist. Bravo Leute. Weiter so. Und schreibt auch schön immer Leserbriefe an die c't, damit 500.000 Leute über Euch den Kopf schütteln können. Ich halte Microsoft jedenfalls für auf dem richtigen Weg mit Vista.

Aus Sicht eines Webentwicklers ist das übrigens die beste Nachricht des Jahres und nährt Hoffnungen auf ein absehbares Ende des Diktats der schlechten IE-W3C-Implementierungen.

Gute Nacht.