Adblock Plus, die Whitelist und sich aufdrängende ethische Fragen

18 12 2011

Der Firefox-Werbeblocker Adblock Plus hat neuerdings eine Whitelist, die bestimmte unaufdringliche Werbung passieren lässt. Andere Werbeblocker tun es Adblock Plus bereits gleich. Das provoziert einigen Unmut in meiner Twitter-Timeline, viele Adblock Plus Nutzer fühlen sich betrogen und lamentieren herum. Es war sogar maßlos überzogen von Spyware die Rede. Dabei bewegen sie sich meine Auffassung nach ethisch gesehen auf ziemlich dünnem Eis.

Vor einer ganzen Weile habe ich schon mal etwas zum grundsätzlichen Problem mit Werbeblockern geschrieben: Werbeblocker sind kein guter Stil, aber nötig. Um mich nicht zu sehr zu wiederholen verweise ich vorab auf eine Lektüre dieses Artikels.

Nun aber erst mal zur Whitelist von Adblock Plus. Die funktioniert so, dass der Anbieter von Adblock Plus einen bestimmten und ziemlich strengen Kriterienkatalog für unaufdringliche Werbung definiert hat. Wenn sich Werbetreibende daran halten, können sie per Vertrag einen Platz auf der Whitelist bekommen, was dafür sorgt, dass ihre Werbung nicht mehr herausgefiltert wird. Diese Whitelist ist in der neuen Version standardmäßig aktiv, kann aber abgeschaltet werden. Das Ziel ist klar formuliert: Es soll attraktiv für Werbetreibende werden, ihre Werbung unaufdringlich zu gestalten. Der am weitaus häufigsten genannte Grund für die Verwendung von Werbeblockern ist ja gerade der Selbstschutz vor übergriffiger Werbung, so eine Whitelist ist also eine wirklich hervorragende Idee für einen Interessenausgleich zwischen seriösen werbefinanzierten Websites und von unseriös werbefinanzierten Websites genervten Usern.

Je länger ich darüber nachdenke, desto großartiger finde ich diesen Ansatz. Wie bereits im oben genannten Artikel gesagt, halte ich den Einsatz von Voll-Werbeblockern nur mit dem Argument des Selbstschutze vor übergriffiger Werbung für ethisch zu rechtfertigen. Wer nun die Whitelist ausschaltet, steht in meinen Augen aber ohne moralische Rechtfertigung da. Vielleicht ist das ja auch ein Grund für das Geschrei? Plötzlich muss man als moralisch sauber handelnder Mensch doch wieder die ein oder andere Werbung ertragen, wo man es sich doch hinter dem Pauschalargument der übergriffigen Werbung so gemütlich werbefrei eingerichtet hatte. Das ist eine infame Unterstellung, aber eine andere Erklärung habe ich nicht: Die Whitelist lässt sich problemlos abschalten und wenn sie nicht standardmäßig an wäre, wäre sie reichlich nutzlos, denn dann würde kaum jemand Notiz davon nehmen. Ich halte den faireren Deal für die sinnvollere Default-Einstellung.

Anders herum kommt durch so eine Whitelist-Lösung der Einsatz eines Werbeblockers plötzlich für Leute wie mich erstmals in Frage, die bisher aus Achtung vor den Lieferanten kostenloser Informationen darauf verzichtet hatten. Wenn nun noch mehr Leute als zuvor Werbeblocker (mit Whitelist) einsetzen, wird der Druck auf die Schalter aufdringlicher Werbungen umso größer, der gewünschte Effekt wächst also mit jedem Nutzer. Plötzlich tut man der Gemeinschaft sogar einen Dienst, wenn man einen Werbeblocker mit Whitelist einsetzt. Und nicht zuletzt nimmt man den schwarzen Schafen unter den Werbetreibenden ein Argument aus der Hand, mit dem sie einem bisher die Ohren vollgeheult haben. Wer jetzt noch heult, den kann man auf die Möglichkeit verweisen, seiner Werbung die Aufdringlichkeit zu nehmen und sich einen Platz auf den einschlägigen Whitelists zu sichern. Wer nervige Werbung schaltet, ist halt nicht in der Position, anderen ein schlechtes Gewissen einzureden.

Ernsthaft: Mit dem Adblock-Whitelist-Ansatz halten wir nicht weniger als den Schlüssel zum Frieden im Werbekonflikt im Internet in der Hand! Am Ende können alle zufrieden sein, weil das Web zu einem besseren Ort wird, je weniger überaufdringliche Werbung es gibt. Die Einschnitte auf Nutzerseite sind dabei deutlich kleiner als auf der anderen Seite, das ist schon für sich genommen ein Sieg.

Das einzige Geschmäckle ist, dass Werbetreibende zur Zeit mit jedem Werbeblocker-Betreiber Einzelverträge schließen muss und wahrscheinlich auch dafür bezahlen muss. Wir brauchen hier eine Non-Profit-Organisation, die solche Whitelists unabhängig und zentral pflegt und auch die Einhaltung der strengen Nicht-Nervigkeits-Kriterien überprüft.

P.S. Neulich hatte ich auf einer eigentlich seriösen Nachrichtenseite ein Layer-Ad, dessen Schließen-Knopf nicht funktioniert hat und der somit sehr zuverlässig den Konsum des eigentlichen Seiteninhalts verhindert hat. Wenn sowas öfter passiert, brauchen sich die Betreiber der Seite nicht wundern, wenn die Besucher ohne Werbeblocker ausbleiben und am Ende nur noch diese undankbaren Abschnorchel-Besucher mit Werbeblocker übrigbleiben.


Werbeblocker sind kein guter Stil, aber nötig

25 03 2010

Frank Patalong hat auf Spiegel Online eine Dsikussion über Werbeblocker losgetreten, die ich schon länger vermisse. Seine Behauptung lautet kurzgefasst: Die immer zahlreicher werdenden Leser mit Adblockern gefährden die Finanzierung des (Qualitäts-)Journalismus. Leser sind undankbar und wollen immer alles umsonst, aber keinesfalls Werbung sehen und sind schuld an allem Niedergang. Felix Schwenzel hat dazu eine gewohnt rotzige Replik mit dem schönen Titel qualitätsheulsusenismus an den Start gebracht und hängt sich (wie auch andere) an Patalongs herbeifantasiertem Deal zwischen Online-Nachrichtenseiten und Lesern bezüglich der Akzeptanz von Werbung für kostenlosen Zugang zu den Nachrichten auf. In der Tat zeugt dieses Verständnis von einem gewissen Realitätsverlust. Trotzdem ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Redaktionelle Arbeit bei spiegel.de und Co. irgendwie bezahlt werden will und wenn der Zugang kostenlos ist, muss das Geld woanders herkommen. Auftritt Werbung.

Werbung finanziert Websites. Punkt. Wer Werbung grundsätzlich rausfiltert, torpediert den primären Finanzierungskanal, egal ob er das aus gutem Grund tut oder nicht. Jetzt kommt das Aber: Die Werbeindustrie ist selbst schuld an der Misere. Dass Werbung sich raumgreifend um die Seite legt ist noch erträglich, wenn aber Layer-Ads (die ein klares Zeichen für unseriöse Websites sind) und andere Werbeformen sich vor den eigentlichen Inhalt legen und diesen damit nicht nur optisch in den Hintergrund drängen, geht das zu weit. Wenn mehrere blinkende Flash-Banner jeden nicht gerade hochaktuellen Computer merklich ausbremsen, wenn gar ungefragt Geräusche erzeugt werden (besonders lustig im Zusammenhang mit Tabbed-Browsing) oder am Ende noch Schadcode und ungehemmt Schnüffelcookies auf dem Rechner landen, dann ist das weit oberhalb der Toleranzgrenze. Wer sich in diesem Lichte beschwert, dass Leute sich mit Adblockern wehren, ist ein Zyniker oder ein Ignorant. Der Werbeblogger hat das schön ausformuliert und stellt zudem auf weitere wichtige Aspekte ab.

Doch wie geht man mit der Situation um? Adblocker sind leider notwendig geworden, gerade für die Vielnutzer unter den Lesern, aber sie sind auch irgendwie nicht so recht fair. Ob man das einen Deal nennt oder nicht, man muss anerkennen, dass Werbung gegen Inhalte der bislang gültige und auch praktikabelste Modus ist, Inhalte kostenlos zugänglich zu machen. Von all den Kritikpunkten an Werbung gibt es drei ganz starke: Kaum noch benutzbare ältere Rechner, ungefragte Töne aus irgendwelchen nicht auffindbaren Quellen in irgendwelchen Tabs im Hintergrund und Werbung, die die Inhalte verdeckt (PopUps, Layer Ads, aufdringliche Tooltipps oder alles zusammen). Für die ersten beiden gibt es eine unfassbar geniale Abhilfe, die trennscharf nur die asoziale Scheiße rausfiltert, zudem ein Gewinn an Sicherheit ist und die Umwelt schont (der Stromverbrauch durch unnötige Flash-Blinkerei muss immens sein): Der Flashblocker. Flash-Inhalte werden einfach durch Platzhalter ersetzt und wenn man sie sehen möchte, klickt man sie an. Ganz einfach, großartig. Bleiben noch die Layer-Ads, die im Grunde nur derjenige zu sehen bekommt, der sich regelmäßig auf mäßig seriösen Seiten rumtreibt. Ich habe genau zwei Seiten in meinen Bookmarks, die mir damit auf die Eier gehen, bei beiden habe ich einfach JavaScript ausgeschaltet (was bei Opera sehr leicht geht).

Ich behaupte: Die meisten Leute haben kein grundsätzliches Problem mit Werbung, sondern setzen Adblocker aus ganz bestimmten, handfesten Gründen ein. Der oben erwähnte Artikel vom Werbeblogger zitiert einige klare Regeln, wie Werbung nicht sein soll. Sind die erfüllt, gibt es auch keinen echten Grund, einen Adblocker zu benutzen. Werbung ist nicht zwangsläufig störend und schlecht, aber wenn sie so ist, braucht man sich nicht wundern, dass die Leser da keine Lust drauf haben und wahlweise gar nicht mehr kommen oder die Werbung ausblenden. Fuck, schaut Euch Google mal an.

Die Argumentationskette Patalongs, dass die eigenen Werbeeinnahmen wegen der bösen Adblocker einbrechen und jetzt Google (der Universalfeind des Qualitätsjournalismus) die ganzen Gewinne mit seiner Werbung einfährt, halte ich für in sich abenteuerlich: Wir verdienen wegen der Werbeblocker kein Geld mehr mit Werbung, aber Google verdient sich gleichzeitig eine goldene Nase. Mit Werbung…
Aber warum verdient Google als einziger so unfassbar gut an Werbung, während andere Werbeeinnahmen einbrechen? Ich denke, die Antwort ist naheliegend: Weil Googles Werbung nicht nervt und es deswegen (über die Datenschutzproblematik hinaus) keinen Grund gibt, sie auszublenden. Ja, ganz verwegen: Googles Werbung neigt sogar dazu, einen Ansatz von Nützlichkeit vorweisen zu können. Man denke nur an die ortsbezogene Werbung in Maps. So liebe Leute, so verdient man mit Werbung im Netz. Die Verlage heulen rum, als gäbe es ein Gesetz, dass nur Google nicht nervende Werbung an die Nutzer bringen darf.

P.S. Ich selber benutze auf meinem sehr fixen Hauptrechner keinen Werbeblocker und auch keinen Flashblocker, lediglich bei zwei Seiten habe ich JavaScript abgeschaltet, um den Layer-Ads zu entgehen, die zudem inzwischen beim Klick auf den Schließen-Button noch ein PopUp öffnen. Unfassbar. Aber auf allen anderen Rechnern hier im Haushalt läuft ein Flashblocker. Das PIII-1GHz Notebook in der Küche ist schon kaum mehr bedienbar, wenn die Diashow bei last.fm läuft. Nachrichtenseiten ohne Flash-Blocker scrollen nur noch mit sekundenlangen Pausen pro Schritt. Hätte Opera einen brauchbaren Flashblocker, würde ich ihn auch auf meinem Hauptrechner benutzen, schon aus Gründen der Sicherheit.


Die angezeigten Preise sind nur bei direktem Einstieg über diese Seite gültig.

09 01 2009

Ich bin ja intensiver Benutzer der Preissuchmaschine Geizhals.at, die auch hinter der Produktsuche auf heise.de steckt (wobei ich mich frage, warum man letztere nutzen sollte, sieht sie doch komisch aus und bietet weniger Funktionen). Ich benutze dabei die Bestpreis-Funktion eher zweitrangig, sondern schätze vor allem den Produktkatalog mit seinen feinen Filtermöglichkeiten, die Shopbewertungen und die Wunschzettel-Funktion, bei der man quasi einen Warenkorb anlegt und sich dann Läden nennen lassen kann, die alle diese Produkte führen. Dabei kann man sich unliebsame Läden ausfiltern lassen und kann sich so aus seinen Lieblingsläden diejenigen raussuchen lassen, die die gewünschte Produktauswahl vorrätig haben. Eine großartige Funktion, die sogar dann funktioniert, wenn man nicht angemeldet ist. Auch die Funktion, sich nur lieferbare Angebote inkl. Versandkosten per Vorkasse anzeigen zu lassen, ist sehr fein.

Die Händlerbewertungen sind zwar begrenzt verlässlich, aber wenn ein Händler trotz vierstelliger Bewertungszahlen eine Durchschnittsnote von 2,0 aufwärts hat, werde ich diesen Laden meiden. Auf jeden Fall aber meide ich diejenigen Läden, die den Vermerk Die angezeigten Preise sind nur bei direktem Einstieg über diese Seite gültig. tragen, sowas lässt meinen Seriositätsalarm aufschrillen. Wie kann man einem potenziellen Kunden deutlicher sagen, dass man kein verlässlicher Handelspartner ist, als mit einem solchen Vermerk? Einmal vor vielen Jahren bin ich auf so einen Laden reingefallen: Ich fahre extra nach Troisdorf, weil ich meinen damaligen neuen Monitor nicht bestellen wollte, sondern direkt kaufen. Ich will also den Monitor bezahlen, da kostet der plötzlich über 50 Euro mehr als im Webshop, den ich über die Preissuchmaschine auf der Suche nach einem physisch erreichbaren Laden besucht hatte. Die Erklärung dafür war, dass es zwei Webshops gäbe, die sich nur in einem Buchstaben der Subdomain und einem winzigen grauen Hinweis im Seitenfuß unterscheiden, und natürlich den Preisen. Der billigere gilt für Bestellungen, der andere als erweiterte Preisliste für das Ladengeschäft. Als Kompromiss haben wir uns auf einen Preis irgendwo in der Mitte geeinigt, der immer noch OK war. Die Verlängerung eines solchen fragwürdigen Verfahrens ist dann die Änderung der Preise je nach Herkunft des Besuchers. Als Kunde finde ich sowas sehr unseriös, als Marketing-Mensch kann ich das durchaus verstehen. Aber: Nicht alles, was man machen kann und was für einen von Vorteil ist, sollte man mit Blick auf die kommunikative Wirkung auch machen. Gut, dass der Geizhals einen davor warnt, dann weiß man sofort Bescheid.

Vielleicht finden sich mache Leute ja auch total smart, wenn sie ihr super Extraschnäppchen über Geizhals machen konnten. Der Witz ist aber, dass die betreffenden Angebote in den seltensten Fällen die günstigsten sind, im Gegenteil finden sie sich überraschend häufig irgendwo im Mittelfeld wieder. Die Schnäppchenjäger fischt man damit jedenfalls ganz sicher nicht ab.


XDA-Projekt: Resümee

27 11 2008

So, ab übermorgen habe ich keine Handy-Flatrate mehr, das XDA-Projekt ist vorbei. Ich schreibe einen abschließenden Artikel und erfreue mich an meinem XDA, den ich behalten darf.

Das Gerät

Zum Gerät habe ich bereits eine Menge geschrieben also nur noch eine Kurzfassung:

  • Windows Mobile ist und bleibt doof.
  • Eine Auflösung von 320x240 reicht zum Surfen nicht aus.
  • Opera Mobile 9.5 ist der brauchbarste Browser für Windows Mobile, aber Kilometer weit entfernt vom Safari auf dem iPhone. Der IrisBrowser ist noch nicht weit genug. Fennec (der mobile Firefox) gibt es noch nicht. Leider klappt auch mit Opera Mobile das Surfen nicht mehr auch nur ansatzweise flüssig, seit ich ein Update auf Windows Mobile 6.1 und die aktuelle Opera Mobile Beta gemacht habe: Häufig passiert einfach eine Minute lang gar nichts und ich habe das Gefühl, schon mal flüssiger gesurft zu haben. Kein Spaß, nur noch Notnagel das ganze.
  • Die Synchronisation mit Thunderbird/Lightning unter Vista funktioniert mit BirdieSync prima, gut angelegte 20€.
  • Das Gerät ist recht träge und hängt gelegentlich für ein paar Sekunden. Im Vergleich zum iPhone liegen Welten dazwischen, was flüssige Bedienung angeht.
  • Trotz alledem mag ich das Gerät und halte es für das beste Handy, was ich je besessen habe. Traurig, oder? Windows Mobile ist nämlich allemal besser als alle proprietären Handy-Betriebssysteme, die ich bisher gesehen habe. Und es ist auch allemal besser als Symbian S60. Kein Wunder, dass das iPhone so eingeschlagen ist.
  • Die Internetfreigabe via Bluetooth-PAN und USB-Kabel klappt prima. Während des Umzugs hatte ich gut zwei Wochen, das ausgiebig zu testen. Leider bricht die Verbindung ab, wenn Anrufe eingehen.
  • Gute Software für Windows Mobile ist leider Mangelware. Wann immer ich nach einer Softwarelösung gesucht habe, habe ich höchstens fragwürdige Bezahlsoftware im Bereich ab 10€ gefunden. Open Source? Gegen Null. Wirklich gute Software? Gegen Null. Geht man hingegen in den AppStore von Apple, wird man überschüttet mit brauchbaren kleinen Programmen für jeden Zweck. Na gut, außer denjenigen Zwecken, die Apple für doof hält wie iPhone als Modem nutzen und so.

O2

Man gewöhnt sich schnell an eine Flatrate ins Internet und in alle Netze, aber 100€ im Monat bei zweijähriger Vertragsbindung auch ohne suventioniertes Handy ist ne happige Ansage. Beim Handy-Discounter bekommt man 1 Gigabyte (innerhalb eines Monats zu verbrauchen) für 10€ und die Gesprächsminute für 9¢. Schnell gerechnet: 1000 Gesprächsminuten und 1000MB bekommt man dort für 100€ und zwar sehr flexibel pro Minute und ohne irre lange Vertragsbindung abgerechnet. 1000 Minuten pro Monat sind etwas mehr als eine halbe Stunde Gespräch pro Tag, da kann sich jeder selber ausmalen, ob Genion XL auf die zwei Jahre gesehen für ihn lohnt.

Das Netz von O2 wird gerade massiv ausgebaut und hat das auch dringend nötig: Hier in Düsseldorf ist die Netzabdeckung sehr gut, aber auf meinem Trip nach Leipzig im Sommer konnte ich ausprobieren, wie schlecht die Abdeckung außerhalb der Ballungsgebiete ist: Surfen auf der Autobahn war eine Quälerei, selbst wenn man nicht ständig zwischen T-Mobile und O2 hin und her wechselt. Die Datenraten mit HSDPA sind aber prima, wenn man denn HSDPA bekommt. E-Plus ohne HSDPA ist da wahrlich keine Alternative.

Die Hotline von O2 konnte mir bisher immer helfen und ist vor kurzem verbessert worden: Es gibt kein komisches Telefonmenü mehr, sondern man bekommt jetzt direkt und ohne große Warterei einen Berater dran, der einen im Zweifel an die richtige Stelle weiterleitet. Sehr schön. Weniger schön ist, dass ich gestern nach so einer Weiterleitung fast 20 Minuten in der Warteschleife hing. Immerhin kostenlos, weil ich ja keinen Online-Vertrag habe, der mir 15% Rabatt auf meine gesamte Rechnung geben, aber eine sauteure Hotline bescheren würde. Da sind 20 Minuten unhaltbar, weil man da bequem mehr als 10€ für auf den Tisch blättert.

Ich habe jetzt also wieder Genion S ohne Handy und das Internet Pack M (200MB für 10€ pro Monat, erträglich). Ich hätte ja Genion L genommen, aber da lockt wieder eine Zweijahresbindung, die ich keinesfalls akzeptieren werde. Was soll das? Wieso versucht ein Handy-Provider mich ohne subventioniertes Handy für zwei Jahre zu binden? Weil das schon immer so war? Auch Genion S mag ich für Neukunden nicht mehr empfehlen, weil es inzwischen 2,50€ Monatsgebühr kostet und einem pro Minute 19¢ abnimmt. Das ist mehr als doppelt so viel, wie Fonic und Konsorten nehmen. Indiskutabel eigentlich. Ich bleibe nur dabei, weil ich zu faul bin, meine beiden Nummern zu portieren und auch diesem VoIP-Scheiß (für meine Festnetz-Nummer) nicht über den Weg traue.

Insgesamt bin ich mit O2 aber trotzdem zufrieden. Die anderen Provider machen nämlich auch keine besseren Tarife (im Gegenteil, man schaue sich mal Vodafone an) und bei T-Mobile herrscht ein dreckiges Chaos, wie ich neulich live miterleben konnte (mein Bruder ist dort Kunde und war es auch schon vor dem iPhone): Es ging um eine für schlimme Dinge, die passiert waren, versprochene Gutschrift, die für die nächste oder übernächste Rechnung versprochen war. Die waren beide inzwischen gekommen und von der Gutschrift war nichts zu sehen. Der Kerl an der Hotline (Business-Kunden-Hotline übrigens) konnte dazu nichts sagen und meinte, wir sollten uns doch per Fax direkt an Bonn wenden für eine Statusauskunft zur Gutschrift, er könne uns die Faxnummer nennen. Ob er denn dieses Fax nicht senden könne, wir hätten keine Lust, die Hürden der internen T-Mobile-Arbeitsabläufe zu kompensieren… Wir faxen nicht war seine lapidare Antwort. So einen Provider kann ich nicht gebrauchen. Mein Bruder auch nicht, deswegen ist seine ganze Familie inzwischen bei blau.de. Nur er klebt am iPhone-Vertrag.

Das Projekt

Im Nachhinein bin ich sehr positiv überrscht von dem ganzen XDA-Projekt. O2 hat erkannt, dass moderne Marketing-Formen eine gute Sache sind und die betreuuende Agentur und vor allem unser Ansprechpartner dort sind weit vorne damit. Es gibt wirklich Leute, die Blogs und Foren verstanden haben und natürlich schmeichelt es mir, in deren Blogmonitoring als relevant eingestuft zu sein. Die Einladung zum Gespräch nach Berlin ist leider etwas aus dem Ruder gelaufen, weil die Ansprechpartnerin von o2 krank war und das Alicia-Keys-Konzert in meinen Ohren unerträglich war. Aber das Hotel (nh Hotels sind sehr angenehm) war dafür super ausgesucht und die Gespräche mit den anderen Teilnehmern und dem Projekt-Betreuer waren sehr spannend. Danke also für die Einladung. Wenn es wieder so ein Projekt gibt, bin ich auf jeden Fall liebend gerne dabei.


Schutzgeld-Wortspiele nach meinem Geschmack

17 06 2008

Ich als treuer Schutzgeld-Ü-Paket-Kunde habe ja den Schutzgeld.de-Feed abonniert und erfreue mich immer wieder an den spaßerfüllten Beschreibungstexten. Heute haben sich die Jungs (und die Melanie) mal wieder selbst übertroffen:

Technischer Leiter kannste nicht mehr werden. Aber dafür supertechnische Leiter kaufen!

[…]

Der Luigi will nun auch endlich einen eigenen Porno auf DVD raus bringen. Der Titel: "Die ausgezogene Teleskop-Leiter" […]

Echt praktisch für Einbrüche, "Leitertanzen" oder für Spanner ;-)

Wie cool kann man bitte ein so unerotisches Produkt wie eine Alu-Teleskopleiter verkaufen? Respekt, auch der Rest der Produktbeschreibung mach Spaß. Schade, dass ich eine solche Leiter nicht brauche, ich würd sie schon alleine wegen des Textes kaufen. Obwohl, so eine Teleskop-Leiter kann man sich immer mal gebrauchen…

P.S. Falls jemand von Euch Mafia-Typen das hier liest: Euer Feed nervt total und fliegt demnächst aus meinem Feedreader: Ständig sind irgendwelche alten Produkte wieder als ungelesen markiert. Was zur Hölle macht ihr da seit Wochen? Und ein längerer Vorschautext im Feed wär auch mal was, dieser Text bleibt meistens Eure einzige Möglichkeit, mir Produkte schmackhaft zu machen. Quasi kein Text – selten gesteigertes Interesse meinerseits. Nur so als Tipp, nicht dass der Pate das in den falschen Hals kriegt und mir Betonschuhe verpasst.


XDA-Projekt: Ich bin nicht allein

16 06 2008

Wusst ichs Doch! Der lesenswerte Text über den XDA Orbit 2 mit dem zutreffenden Titel "der o2 XDA orbit 2 ist vieles, aber kein iphone" im 01blog stammt ja von Felix Schwenzel (der Typ hinter wirres.net). Und O2 wäre reichlich doof, nur mir so ein hübsches Testpaket in die Hand zu drücken, wo es doch Blogger mit viel größerer Reichweite gibt. Gerade stoße ich auf Umwegen auf die Bestätigung. Warum ich das erzähle? Natürlich, um mich in der Sonne großer Namen (naja, größer als mein Name allemal) zu aalen. Und natürlich weil ich hier so Tagebuch-Mäßig autobiografisches niederschreibe und auch nebenbei auf den thematisch wie die Faust aufs Auge passenden Artikel im hoch geschätzten 01blog hinweisen wollte, dem ich übrigens fast vollständig zustimme.

P.S. in einem Schreiben stand übrigens in einem Nebensatz, wieviele Blogger (und Forentypen?) insgesamt an dem Projekt teilnehmen. Das sage ich Euch aber nicht, ätsch. (Ich weiß auch gar nicht, ob diese Information für die Öffentlichkeit bestimmt ist.) Man könnte aber einen Action-Film daraus drehen: Spüre die anderen Teilnehmer des Geheimprojektes auf… Naja, vielleicht doch lieber nicht.


XDA-Projekt: Blog-Marketing hält auch bei mir Einzug

29 05 2008

Wie kam es dazu?

Vor einiger Zeit bekam ich eine Mail einer auf Blogmonitoring spezialisierten Firma. Man fragte mich, ob ich Interesse an einem Programm hätte, bei dem ein hochwertiges technisches Produkt unverbindlich getestet wird. Als einzige Gegenleistung solle ich Feedback dazu geben. Die Firma klang zwar nach einer kurzen Webrecherche seriös, aber mir schossen natürlich sofort so unschöne Begrifflichkeiten wie "Trigami-Huren" und "Linkstricher" in den Kopf. Positive Meinungsäußerungen einzukaufen halte ich für sehr fragwürdig, daher schrieb ich eine skeptische Mail mit meinen Bedenken zurück:

1. Das Produkt sollte in meine Lebenswelt passen, zu Damenepilierern und Rasenmähern kann ich nun mal nicht viel handfestes sagen.

2. Meine Unabhängigkeit müsste gewahrt bleiben. Ich lebe eine gewissen Authentizität und wenn ein Produkt nervt, dann will ich das auch schreiben dürfen.

Hin und her, ich will Euch jetzt nicht langweilen: Meine Bedingungen sind voll erfüllt, die Leute von dieser Firma haben offenbar verstanden, wie das so funktioniert im Netz mit den Blogs und so. Bei sowas bin ich natürlich sofort dabei! Dieser ganze Mist aus den Marketing-Vorlesungen kommt ja viel zu selten in den Unternehmen an: Das Prinzip "Kenne und nutze Deine Meinungsführer" traut sich kaum ein Unternehmen konsequent durchzuziehen. Und oftmals wird das wegen fehlender Eier dann halbherzig oder ganz falsch umgesetzt. Dieses Prinzip bedeutet nun mal, eine gewisse Kontrolle abzugeben und natürlich kann das gewaltig nach hinten los gehen. Aber aus Angst vor negativen Aussagen werden dann die Meinungsführer auf Kosten der Glaubwürdigkeit bestochen oder gar frei erfunden: Hier ein fingierter Eintrag in Forum X, da ein Blogkommentar unter falschem Namen. Und die Königsdisziplin ist das möglichst unauffällige Bestechen von bekannten Bloggern. Fiese indirekte Beeinflussung und ich möchte gar nicht wissen, wie viele Firmen sich mit sowas die Finger schmutzig machen.

Umso erfreulicher ist die transparente Herangehensweise von O2. Man stellt keine Bedingungen und gibt einer Hand voll Konsumenten einfach mal Geräte und Tarife an die Hand, damit diese ausprobiert werden können und darüber berichtet wird. Ich bin hingerissen. Mal schnell gegengerechnet: Die Geräte kosten ein paar hundert Euro im Einkauf, die Flatrate-Tarife kann O2 schon irgendwie schmerzfrei unterbringen, die Kosten bewegen sich also höchstens im Rahmen einer ganzseitigen Anzeige in einem Publikumsmagazin mittlerer Auflage. Das kann man schon mal riskieren für hoffentlich hohe Google-Positionierungen von hoffentlich positiven und vor allem authentischen Berichten zum Gerät und den Tarifen und der Marke. Also ran, im Feedback-geben bin ich gut.

Bin ich also bestechlich? Ich würde sagen, nein. Natürlich habe ich schon aus reiner Dankbarkeit heraus ein gesenktes Interesse daran, O2 mit schlechtem öffentlichen Feedback zu beschießen. Aber wer mein Blog regelmäßig liest weiß sowieso, dass ich nicht grundlos irgendwen abziehe. Alice ist ein gutes Beispiel: Mein erboster Eintrag zur (inzwischen aufgehobenen) Einstellung der kostenlosen Störungshotline ist immer noch Platz 1 bei Google zur Anfrage "Alice kündigen". In der Zwischenzeit hat Alice auf den Unmut vieler Kunden reagiert und so habe auch ich einige versöhnliche Folgebeiträge geschrieben. Meiner Meinung nach gehört sich das auch so: Blindlings rummeckernde Kunden bringen niemanden weiter, Kritik (und auch Lob) muss angemessen sein, sonst ist es doch nur doof. Wer sagt denn, dass nur Beschwerden und negative Meinungen interessant sind? Ich verspreche also an dieser Stelle eine faire, ehrliche und ausgewogene (subjektive) Berichterstattung zum mir zur Verfügung gestellten Produkt.