Die Antworten auf den Three Strikes Vorstoß

17 09 2009

Aktuell liest man immer wieder von Forderungen seitens der Medienindustrie nach einem Three Strikes Sperrverfahren. Kurz gesagt geht es darum, Internetnutzern nach drei automatisierten Verwarnungen wegen Urheberrechtsverletzungen das Internet für einen gewissen Zeitraum zu sperren. Also im Prinzip analog zum Führerscheinentzug. Die Idee ist in Frankreich gerade zum zweiten Mal parlamentarisch verabschiedet worden, nachdem sie beim ersten Mal gerichtlich gestoppt wurde. Da das haarsträubend unverhältnismäßig ist, brauchen wir im Grunde nicht weiter darüber zu reden, aber es wird in einer Penetranz gefordert, dass man doch mal was dazu sagen muss, denn CDU/CSU und auch die SPD sind bereits ganz Ohr. Wie also reagieren?

Schritt eins ist das Wahlverhalten: Solche Äußerungen müssen sich klar in Wahlmisserfolgen niederschlagen. Aber seien wir mal realistisch, die CDU wird weiterhin an der Regierung bleiben (es gibt ja auch noch andere Problemfelder, bei denen die CDU/CSU nicht gar so klar wahnsinnig ist) und die Medienindustrielobby wird sich mit mehr oder weniger von dem Mist früher oder später durchsetzen und auf das Bundesverfassungsgericht will man sich auch nicht immer verlassen müssen. Für den Fall muss man sich wenigstens eine klare Strategie zurechtlegen. Meine ist sehr simpel und effektiv: Weg vom Mainstream. Wer sich frei macht von den Produkten der Medienindustrie, die immer massiver gegen ihre eigenen Kunden vorgeht, dem kann das alles egal sein. Und hier geht es ja jetzt nicht um alternativlose Geschichten wie Medikamente, sondern um Freizeitbeschäftigungen, bei denen ein Umschwenken auf verbraucherfreundlichere Produzenten kein Problem darstellt.

Es braucht also eine Art Fair Trade Siegel für Unterhaltungsprodukte, für das ein Mindestmaß an Umgangsformen gegenüber Künstlern und Konsumenten einzuhalten ist. Musik an sich ist kein Monopol (nur das einzelne Werk) und der Markt ist facettenreich genug, dass man immer genug Unterhaltungsprodukte bekommen kann von Produzenten, die sich fair verhalten. Fair gegen fair, denn wer so auftritt, dem gegenüber ist ein schlechtes Gewissen beim Nichtbezahlen deutlich ausgeprägter. Oder anders herum gesagt: Es wundert mich nicht im geringsten, dass fast niemand auch nur einen Hauch eines schlechten Gewissens beim Kopieren von Musik hat, angesichts der Art und Weise, wie die Musikindustrie in den letzten 15 Jahren ihre Kunden erst immer mehr abzockt und dann auch noch juristisch gegen sie vorgeht. Hier wird derart beispiellos die fütternde Hand gebissen, dass es mich sogar wundert, dass es die Musikindustrie überhaupt noch gibt. Die Leute lassen sich einfach nach Strich und Faden verarschen. Mein gezielter Konsum von Mainstream-Musik ist fast so sehr zurückgegangen, wie mein Fernsehkosum, der sich nahe Null bewegt, wenn man staffelweise eingenommene Serien nicht als Fernsehen zählt. In den letzten Jahren habe ich anteilig an meinem Gesamtmusikkonsum weniger CDs gekauft als je zuvor. Aber eben nicht, weil ich alle Musik illegal irgendwo saugen würde, sondern weil ich viel mehr legal kostenlose Quellen wie Internetradio und freie Musik anzapfe. Und mir geht es gut dabei. Wenn ich Musik gesaugt habe, dann habe ich den Scheiß entweder nach ein- bin zweimal Probehören entsorgt oder die CD gekauft, denn das gehört sich so. Dieses Probehören-Modell ist mir sowieso sehr bequem, ich kaufe einfach keine Katze im Sack mehr, denn fast alle auf gut Glück gekauften CDs der letzten Jahre waren mehr so geht so und das ist dann nun wirklich raus geworfenes Geld.

Also auf zur Medienrevolution! Wer seine Kunden blindwütig in den Knast bringen will, weil sein Geschäftsmodell nicht mehr so recht trägt und er sich zu fein ist, das mal zu überdenken, dem kann man auch guten Gewissens nichts mehr abkaufen. So funktioniert Markt nun mal: Pass Dich flexibel neuen Bedingungen an oder gehe unter.

Um es noch mal klar zu sagen: Ich wähle nicht die Piraten, weil ich ungestraft unbegrenzt Musik klauen will. Darum geht es nicht, wenn es auch unter den Piraten eine gewisse Anzahl Leute gibt, die genau das wollen. Es geht darum, dass man über eine Änderung des Urheberrechts nicht herum kommt und dem Einfluss der Medienindustrie darauf ein Gegengewicht von Bürgerseite entgegengestellt werden muss. Niemand will verarmte Künstler, aber drakonische Strafen einzuführen gegen etwas, das ein großer Teil der Bevölkerung macht, kann es eben auch nicht sein.


Anzeige für eine Anzeige schalten?

13 01 2009

Gerade stolpere ich bei golem.de über eine ungebrandete Anzeige für ein Single-Portal. Das hat natürlich mein wissenschaftliches Interesse geweckt. Beim Klick darauf kommt man auf eine weitere ungebrandete Seite ohne weitere Informationen mit einem großen "hier registrieren" Button, der mit einem nicht aussagekräftigen Link verbunden ist. Ein Klick darauf bringt einem dann letztlich zu einem großen deutschen Singleportal. Was ist hier passiert? Wer macht sowas und warum? Ich habe nur eine Erklärung dafür: Die Google-Anzeige kostet offenbar weniger, als man für den Klick zum Registrierungsformular des SIngleportals bekommt. Man schaltet also Werbung, um dort noch mehr Werbeeinnahmen zu generieren. Paradox, aber durchaus möglich. Die Frage ist durchaus, ob das von der Singlebörse gewollt ist oder ob die Partnerbedingungen dies verbieten…


PIN und TAN aus der Hand geben

10 11 2008

Im Lawblog thematisiert Udo Vetter heute das grob fahrlässige System der Sofortüberweisung. Ich habe schon zwei mal mit größten Bauchschmerzen mit diesem System Bestellungen bezahlt und wollte immer mal was darüber schreiben. So denn.

Worum geht es also bei der Sofortüberweisung? Ähnlich wie bei PayPal wird man aus dem Bestellvorgang beim Online-Shop auf die Seite des Payment-Dienstleisters (sofortueberweisung.de und ich meine irgendwann noch einen weiteren gesehen zu haben) umgeleitet. Dort sieht man Details über die Bestellung im Online-Shop und tätigt dort die Zahlung. Bei der Sofortüberweisung gibt man dazu auf der Seite des Dienstleisters die eigene Kontonummer, die Bankleitzahl, den Kontoinhaber, die PIN und abschließend auch eine TAN ein. Der Dienstleister kontaktiert damit das Online-Banking der Bank und tätigt dort die Überweisung im Namen des Kontoinhabers. Hier stutze ich: Steht in den Nutzungsbedingungen der Banken nicht klipp und klar, dass man weder PIN noch TANs jemals einem Dritten überlasen darf? Sagt einem das nicht auch jeder Sicherheitsexperte? Für solche Vorgänge gibt es auch einen etablierten Namen: Phishing.

Das System ist also by Design ein Unding und läuft allen Bemühungen zur Phishing-Aufklärung zuwider. Warum wird es also von seriösen Online-Shops (mir fallen spontan conrad.de und cyberport.de ein) angeboten? Klar, es erweitert das System Vorkasse um die Möglichkeit der sofortigen Zahlungsbestätigung, das ist bequem für den Nutzer und den Anbieter zugleich. Aber zu welchen Kosten?

Ich rate dringend davon ab. Klar mag man dem Laden vertrauen, der sogar ein TÜV-Siegel trägt. Es ist ja nur ein Dienstleister und damit ist das ganze noch recht überschaubar. Aber was ist, wenn der nächste Laden einen anderen Dienstleister mit dem gleichen oder noch schlimmer einem nur ähnlichen System ins Spiel bringt? Was, wenn unseriöse Phisher sich eine beliebige neue Seite mit gefaketem TÜV-Logo bauen? Wer soll das unterscheiden können? Die Leute fallen ja schon auf schlecht gemachte Nachbauten ihrer eigenen Hausbank herein, die sie ganz gut kennen müssten. Und was, wenn die Daten bei dem Dienstleister nicht sicher sind? Soweit ich weiß, betreiben die kein Hochsicherheits-Rechenzentrum wie die Banken und stehen erst recht nicht für Missbrauch gerade. Ach ja: Für Bankkunden ohne PIN/TAN-Verfahren klappt das System schon mal gar nicht.

Das ist wie wenn man im Laden an der Kasse jemandem mit irgendeiner beliebigen Uniform ("Geldholservice" oder so) seine EC-Karte samt PIN in die Hand drückt, damit dieser beim Geldautomaten schnell Bargeld holen geht: Völlig irre, würde niemand machen (stimmt leider auch nicht). Die Bank kann sich bei solchem Missbrauch übrigens gemütlich zurücklehnen, immerhin hat man glasklar gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen.

Eingeschränkt gilt meine Kritik auch PayPal und Co., weil man dort ebenso kaum kontrollierbar auf eine Paypal-Seite weitergeleitet wird, die im Prinzip jeder nachbauen könnte und damit die Paypal Zugangsdaten ergaunern. Wer achtet schon auf Sicherheitszertifikate und eine korrekte URL. Paypal ist Phishing-Risiko pur.

Ach ja, ich habe die Sofortüberweisung schon zwei mal genutzt. Warum tue ich sowas, obwohl ich Kunden und Freunden davon abrate? Beide Male brauchte ich die Ware recht dringend und konnte daher nicht auf Vorkasse zurückgreifen. Nachnahme ist indiskutabel teuer und das Paket kann dabei auch nicht bei den nachbarn abgegeben werden. Und schließlich habe ich für mein Geschäftskonto keine Kreditkarte. Ach ja: Bei Conrad klappte übrigens die Zurückleitung in den Shop nach der Zahlung nicht (ich benutze Opera, da funktionieren die wenigsten Zahlungsdienste sauber), so dass ich die Bestellung nur mit einer erneuten Befüllung eines Warenkorbs mit anschließender Vorkasse-Bestellung und einer Mail an den Support korrekt abschließen konnte. Hölle!

P.S. Klar haben die Shops eine berechtigte Angst vor Rücklastschriften, aber die Sofortüberweisung kann keine Lösung dafür sein.


Unschöne Hintergründe zu Subway

23 09 2008

Hui. In der Wirtschaftswoche gibt es einen interessanten Hintergrundartikel zum ausbeuterischen Subway-Franchise-System. Kurzfassung: Subway nuckelt übermäßig an seinen Franchisenehmern, leistet aber zu wenig und gibt keinen Gebietsschutz. Wirklich unschön.


Lustige DSL-Problemsuche: IPv6 und Speedport W 502V

19 09 2008

Puh. Heute war ein problematischer Tag: Es fing schon doof an, weil mir der Alex dankenswerterweise Starthilfe geben musste, weil ich gestern das Licht in meinem Auto angelassen habe. Das Warnpiepsen hatte ich wohl ignoriert, ärgerlich. Dann habe ich eine Stunde an einer Telefonanlage gebastelt, weil DSL und Telefon nicht mehr liefen, nachdem ich gestern die Verkabelung angefasst hatte. Das Telefon lief schnell wieder: Eine Lötstelle war gebrochen, das hatte der Betroffene nach kurzer telefonischer Instruktion sogar selbst beheben können. Ich war beeindruckt. Aber das DSL lief trotzdem nicht, also Außeneinsatz. Auch direkt am Hausanschluss im Keller und mit getauschtem Kabel und anderem Modem gab es keine Synchronisation. Irgendwann hatte ich alle Variablen durchprobiert und rief bei der Telekom an. Ich rufe ja nicht mehr beim Provider an, bevor ich alle Variablen durchprobiert habe, siehe hier. Aha, OK, ich resette mal eben Ihren Port… geht es jetzt wieder? Ja, läuft; na toll, hätte ich da mal früher angerufen. Aber ich hatte an dem Kabel ja rumgefummelt gestern und sowieso ist die Konstruktion da reichlich fragil, weil historisch gewachsen: Analoganschluss durch zwei Adern eines mehradrigen Kabels in einen anderen Raum in die Fritzbox, von da ISDN zurück durch ein anderes vieladriges Kabel zur Telefonanlage, die neben dem Hausanschluss hängt. Alles nur, weil der Hausherr vor vielen Jahren eben (für seine Zeit vorausschauend) nur vieladrige geschirmte Drähte gezogen hat und keine Ethernet-Verkabelung, so dass die Fritzbox in das Zimmer mit den Computern muss.

Danach gerade noch rechtzeitig zu meiner zweiten Verabredung geschafft, schon wieder DSL. Dieses mal gründlich verzögerter Wechsel von 1&1 zur Telekom mit neuem Router. Ein Speedport W 502V. Schnell angeschlossen, Zugangsdaten rein, die alten WLAN-Parameter wieder eingestellt und ab dafür. Hab ich gedacht, denn auf zwei von vier Testrechnern war der Netzzugang unfassbar zögerlich. Egal ob WLAN oder Kabel, egal ob Internet oder die Konfigurationsseite vom Router, Seitenaufrufe zögerten alle erst mal etliche Sekunden, bevor dann alles sofort da war. Keine Personal Firewall, nix. Was, außer einem Haufen Software ist auf diesen beiden Notebooks anders? Was ist ungewöhnlich? Zwei Stunden später bin dann ich auf des Rätsels Lösung gekommen: Auf beiden Rechnern war Microsoft IPv6 für Windows XP installiert. Ich weiß nicht wieso, aber es war da. Schnell mal deaktiviert und siehe da: Es fluppte wieder einwandfrei.

Mein technischer Erklärungsansatz: Der alte Router hatte mit IPv6 nichts am Hut, der neue schon und so verteilte er per DHCP auch fröhlich IPv6-Adressen und DNS-Einstellungen. An sich vorbildlich und fortschrittlich. Nur leider hat das wohl dazu geführt, dass die Browser jede DNS-Anfrage erst mal via IPv6 gestellt und erst nach einem Timeout auf IPv4 zurückgeschaltet haben. Eine recht plausible Erklärung in meinen Augen, oder bietet jemand einen besseren Ansatz?

So oder so, ich weiß schon, warum ich solche Sachen eigentlich nicht mehr anbiete und mich auf Web-Projektgeschäft und -Beratung konzentriere. Klar kitzelt es mich noch immer sehr, solche Probleme zu lösen, aber ich muss Geld verdienen. Und niemand bezahlt nach meiner Erfahrung gerne dreistellige Beträge für ein paar Stunden Knobelarbeit an kleinen Detailproblemen. Mein krassester Fall war mal ein nicht mehr startender Rechner, bei dem sich nach einem langwierigen Virenscan herausstellte, dass alle .exe-Dateien auf der Platte befallen waren. Allein diese Diagnose hat inklusive Abholen und allem drum und dran ein paar Stunden gedauert. Dann alle Daten retten, die nicht befallen waren (natürlich wie immer gaaaaaaaanz wichtige Daten und kein Backup) und das System sauber neu aufgesetzt mit möglichst allen alten Programmen und Daten. Natürlich war keine Windows XP Home OEM CD dabei (Keine Ahnung, find ich nicht, das hier ist alles, was ich hab), also musste die auch noch besorgt bzw. per kleinem Hex-Editor-Eingriff an einem Image erstellt werden. Schon ein komisches Gefühl, aus den einschlägigen Quellen eine zur vorliegenden Seriennummer passende Windows CD zu saugen und zu modifizieren, obwohl man genug Windows XP CDs da hat, nur eben nicht für die Home-OEM-Edition. Insgesamt habe ich also über einen Arbeitstag intensiv an dem Rechner gearbeitet, dessen Wert meinen normalen Tagessatz bei weitem unterschritt. Für das Geld hätte man sich einen schicken neuen Rechner anschaffen können, also habe ich nur zwei Arbeitsstunden berechnet. Im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig darüber, aber das Problem ist ja, dass die Kosten hier in keinem Verhältnis zum Nutzen standen. Also kann ich entweder viel weniger Geld nehmen und trotzdem langen Gesichtern gegenüber stehen, was reichlich bescheuert ist, oder eben etwas machen, wo ich meine gewünschten und angesichts meiner Leistung und Expertise angemessen Stundensätze realisieren kann. Man bezahlt nun mal lieber für ein neues Bad als das gleiche Geld für die Behebung eines Rohrbruchs.

Warum ich trotzdem gelegentlich noch Computerservice für Privatleute mache, obwohl ich daran viel zu wenig oder oft auch gar nichts verdiene, bzw. sogar draufzahle, wenn man in Opportunitätskosten denkt? Weil ich ein paar alte Kontakte nicht einfach abbrechen möchte und die Leute haben ja sonst niemanden und ich hab so ein gutes Herz… Also letztlich fürs Karmakonto, denn Dankbarkeit ist eine echt schöne Währung. Und nebenbei reizen mich gelegentlich auch die kniffligen Probleme, vor allem, wenn ich sie dann gelöst bekomme und auch weil ich sie lösen kann. Come get some, bastard bugs!


Selbstständig, die BWA und die Vermieter

10 09 2008

Wenn man auf Wohnungssuche ist und wie ich selbstständig, hat man ein gemeines Problem: Vermieter gucken sich die letzten drei betriebswirtschaftlichen Abrechnungen vom Steuerberater an und entscheiden danach, ob man solvent genug ist oder nicht. Das wäre an sich kein Problem, meine BWAs der letzten drei Monate sehen im Vergleich zu Festangestellten recht gut aus. Allerdings habe ich nun ein Optimierungsproblem, das dadurch zustande kommt, dass ich für eine Steuerersparnis meinen Gewinn durch Investitionen wie etwa Bürostühle möglichst gering halten möchte, die Vermieter aber einen möglichst hohen Gewinn dort sehen wollen. Was mache ich nun?

Ich werde wohl die Investition in einen guten Bürostuhl in Höhe einer Monatswarmmiete einer angestrebten Wohnung nach hinten schieben, bis wir eine Wohnung gefunden haben. Dämlicher Grund, aber man kann von Vermietern nicht erwarten, dass sie eine BWA korrekt interpretieren und sich solche Investitionen herausdenken.

Heute haben wir übrigens eine sehr schöne Wohnung besichtigt, die würden wir sofort nehmen. Die kostet zwar genau so viel wie die Wohnung im Les Halles 2.0 und hat weder Geothermie-Fußbodenheizung noch Aufzug noch eine so hammergeile Loggia, aber ist dafür fast 20m² größer und direkt am Park gelegen. Ein guter Tausch denke ich mal. Bekommen werden wir die aber trotzdem nicht, bestimmt muss wieder unter zehn Bewerbern gelost werden, sofern da wirklich gelost wird und nicht andere Entscheidungsgründe zum Tragen kommen.

P.S. Ich frage mich übrigens immer noch, ob wir die Wohnung im Les Halles 2.0 bekommen hätten, wenn ich die sehr satte BWA vom Juli statt der nur soliden BWA vom Juni eingereicht hätte. Und ich frage mich, ob wir dann nicht in einer winzigen, aber teuren Wohnung in einer total versnobbten Wohnanlage mit Baustelle vor der Tür gelandet wären.


Eine Domain für schlappe 10.000 Euro

06 09 2008

Neulich wollte ich die einzig wirklich passende Domain für ein eventuell umzusetzendes eigenes Webprojekt kaufen, weil sie mal wieder bei Sedo zum Verkauf stand. Da der Domaininhaber meine geringen Gebote vor ein paar Monaten schon geflissentlich ignoriert hatte, habe ich diesmal auf ziemlich satte 500€ erhöht – wieder keine Reaktion. Wenigstens ablehnen hätte der Typ können. Als ich das Gebot verlängern wollte, bekam ich die freundliche Meldung, dass mein Preis unter dem Mindestpreis des Anbieters von 10.000€ läge. In was für einer Traumwelt lebt der Typ? 10.000€ für eine nackte Domain ohne Seite sind eine ganze Größenordnung zu viel, selbst für eine so griffige Adresse. Vogel.


Ich bin die Zielgruppe für BMW 1er Cabrio und VW Scirocco

04 09 2008

Jaja, ich weiß: Denken in Zielgruppen ist sowas von out, wie es out ist, out zu sagen. Was ist eigentlich das Gegenteil von en vogue, denn das wäre en vogue, wobei en vogue so fuckin lastyear ist. Irgendwie könnte man diesen Satz ewig fortführen, ich weiß auch gar nicht, welcher Begriff für angesagt gerade angesagt ist… Ich hör ja schon auf…

Also zurück zur Zielgruppe: BMW schickte mir vor ein paar Monaten ein personalisiertes Anschreiben, dass der 1er Cabrio aber sowas von was für mich wäre, das hätte es echt noch nicht gegeben. Meine interessierte Anfrage nach der Herkunft meiner Adressdaten und einer Begründung, was mir die Ehre eingebracht hat, einer so erlesenen Mailing-Zielgruppe anzugehören, hat drei außerst freundliche Briefe zur Folge gehabt: BMW entschuldigt sich ganz betroffen (ich hatte mich gar nicht beschwert, sondern nur nett gefragt) und verweist auf ihre Customer Relationship Agentur "gkk München". Die schickt mir einen ebenso freundlichen Brief auf tollem Briefpapier und verweist auf die Adresshandel-Tochterfirma der Deutschen Post, die "Deutsche Post Direkt" (ich meine das sind die, die immer diese eingeschweißen Fernsehprogramme mit lokalen Handelsprospekten im Hausflur ablegen; hier allerdings schon länger nicht mehr). Die wiederum schickt einen Brief hinterher und nennt endlich die Quelle: Der Verlag der Men's Health, die ich als Spätteenager lange abonniert hatte (lustige Zeitung übrigens). Falls jemand der beteiligten Firmen das hier liest: Ich bin nicht böse darüber und habe mich über die Briefe echt gefreut, zeugen sie doch von einer seriösen Einstellung zum Thema; und nebenbei natürlich der pflichtbewussten Befolgung gesetzlicher Regelungen zum Datenschutz.

Jetzt bekomme ich wohl keine Mailings zu BMW mehr (ich würde sowieso keinen kaufen, bin da mehr so der Audi-Typ). Dafür meint VW nicht gänzlich abwegig, ich wäre der ideale Insasse eines neuen Scirocco und unterstreicht das mit einem wirklich gelungenen Wackelbild-Mailing und feinsinnigen Sprüchen wie Er parkt nicht. Er wartet. oder Rasant fahren kann jeder, Rasant stehen nicht.. Ein bisschen Conversion haben sie dafür bekommen: Ich habe mir direkt mal einen Konfiguriert und war dann etwas erschüttert, dass aus 23.000 € Grundpreis dann weit über 30.000 geworden sind. Natürlich mit der unfassbar coolen USB-Buchse in der Armlehne, die man schon aus dem Golf kennt. Schenkt mir jemand einen Hybrid-Scirocco? Was? Den gibts (noch) gar nicht? Ach so, naja, dann nicht. Solange tuts mein babyblauerIceBlueMetallicfarbener Honda Jazz von 2002 noch sehr gut. Obwohl, das Baby war neulich das erste mal mit Wehwehchen in der Werkstatt: Erst war die Motorfehlerleuchte an, das ließ sich aber schnell und dauerhaft mit dem allwissenden Diagnosecomputer und später bei der Inspektion abstellen. Dann ist der Bowdenzug des Klimaanlagen-Temperaturwahlschalters abgegangen (33€) und dabei ist aufgefallen, dass der Klimakompressor unschöne Geräusche macht und mich in absehbarer Zeit 1100€ kosten wird. Mist, dafür kann man sich ja schon fast einen Scirocco kaufen, aber den gibts ja nicht als Hybrid oder sonstwie auch nur im Ansatz ökologisch tragbar.

Meinen Jazz fahre ich ja aktuell stets unterhalb des im Prospekt angegebenen Normverbrauchs von 5,7l Super auf 100km (durschnittlicher Verbrauch über 87000km in den letzten sechs Jahren: 5,8l/100km). Ja, ich führe minutiös Buch darüber und ja, es kickt mich, den Wagen im Windschatten von Lastwagen auf der Autobahn auf fast 4,0l/100km zu bringen. Wenn man so von hier nach Köln fährt, ist man insgesamt nur ungefähr fünf Minuten länger unterwegs als mit 120, verbraucht aber 1/3 weniger Sprit. Das ganze erinnert mich an "Produktion und Logistik" aus dem BWL-Studium, wo man für sowas Kurven berechnet und das Optimum unter den gegebenen Umständen berechnet. Mir hat das echt Spaß gemacht, nachdem der Professor statt Busse von Colbe den Dyckhoff als maßgebliches Lehrbuch eingesetzt hat. Daran hats jedenfalls nicht gelegen, dass ich in der Klausur durchgefallen bin.

Zurück zu den Autos: Ich bin einfach zu Öko und zu geizig (was hier das gleiche ist) für so nette sportliche Fahrzeuge. Trotzdem freue ich mich immer über gut gemachte und grundsätzlich passende Mailings. Autowerbung gefällt mir allgemein nämlich sehr gut. Ich stelle aber eine Bedingung: Ich will wissen, welche Kriterien mich in den Fokus für solche Mailings gebracht haben. Nur weil ich einen akademischen Abschluss habe, in Flingern-Nord wohne und im IT-/Medienbereich beheimatet bin? Guter Grund an sich, aber reicht das? Auf meinen Mitbewohner treffen die Kriterien auch zu und der bekommt solche Mailings nicht. Dessen Einkommen ist aber regelmäßiger und gelegentlich auch höher als meins und das beste ist: Der Typ hat (noch) gar kein Auto, allerdings braucht der auch keins und bekäme wohl einen Dienstwagen, falls sich das ändern sollte.

P.S. Es sollte sich einbürgern, dass jede Firma bei jedem Mailing die Quelle der Adressdaten sofort dazuschreibt. Wäre irgendwie höflicher, würde so manche Frage von vornherein beantworten und würde den Adresshandel deutlich erschweren. Sollte mich eine Firma telefonisch kalt kontaktieren, was rechtlich gesehen eine schlechte Idee ist, frage ich da erst mal nach. Nennen die mir dann keine Quelle, rede ich gar nicht erst mit denen. Gute Idee eigentlich.


Traumwohnung

21 07 2008

Vor ein paar Tagen hatte ich ja schon erwähnt, dass wir auf Wohnungssuche sind. Dabei hatte ich mich reichlich verärgert über dreiste Makler und schlechte Exposés geäußert (lest da mal die aufschlussreichen Kommentare) und versprochen, mehr zu erzählen. Also bitte.

Wir sind etwas wählerisch, was Lage, Ausstattung und Bausubstanz einer Wohnung angeht. Sprich: Schlechter als unsere aktuelle Wohnung sollte es nicht sein. Wir wollen also ruhige Lage, einen Balkon, keine Nachtspeicherheizung und vorzugsweise auch keine Gasetagenheizung (noch teurer als jetzt in absehbarer Zeit). Eine große Gastherme in der Küche finden wir nicht sooo prall, 4. oder 5. Stock ohne Aufzug auch nicht wirklich und wenn schon die Fotos gammelig aussehen, schreckt uns das auch eher ab. Das ganze mit 2-3 Zimmern auf 60-75m² für 700€ warm (und inkl. Heizung) in einer Nebenstraße in Flingern-Nord, Pempelfort oder Düsseltal (oder vergleichbarem). Aber natürlich zentral genug zum Einkaufen und Ausgehen, ihr wisst schon. Hip und so. Ne U-Bahn-Haltestelle vor der Haustür oder durch das Haus erreichbar wär natürlich ideal…

Dieses Paket gibt es leider nicht. Selbst wenn man das mit der U-Bahn wegstreicht, ist das hier in Düssedorf in der Kombination nicht für 700€ zu bekommen. Klar, in Hellerhof kann man für 10€/m² warm schön wohnen, bestimmt auch in anderen stadtrandnahen Stadtteilen, aber das schwebt uns nicht gerade vor. Ideal wären also etwa die Hoffeldstr., die Lindenstraße, Hermannstraße oder eigentlich alle Nebenstraßen hier um die Ecke. Passende Wohnungen hier, die keine Bruchbuden sind und nicht total teuer: 0. Wo also Abstriche machen? Der Urologe wüsste da Bescheid, wir leider nicht. Ein Faktor könnte wegfallen, aber mehrere und trotzdem in der Preislage ist schon unschön.

Geil wär ja, wie bereits erwähnt, eine Wohnung im Quartis Les Halles 2.0 (trotz der albernen 2.0), aber teuer teuer… Oder doch nicht? Wenn man mal mit spitzen Bleistift rechnet und die anderen in Frage kommenden Wohnungen zu Grunde legt, muss man nur 5m² abziehen und bekommt dafür für gleiches Geld eine topmoderne Stadtwohnung mit feiner Ausstattung, Geothermieheizung und Rezeptionsservice (weswegen das ganze total versnobbt rüber kommt). Vor allem die Heizungsart ist aus Öko-Gesichtspunkten und unter dem Einfluss massiv steigender Brennstoffpreise ein wirklich schlagendes Argument, auch abseits der Frage, wo der Strom dafür herkommt und ob es eine Fußbodenheizung gibt. So schlagend, dass ich bereits mit der Maklerfirma in Kontakt stehe und sogar bereit bin, die Courtage zu bezahlen (die Exposés und die Website sind auch hervorragend, da kann ich das durchaus einsehen). Drückt uns also die Daumen, dass wir noch eine schöne Wohnung abbekommen, für unseren Favoriten gibt es nämlich schon Interessenten.

Nachteile? Was sind das für Nachbarn? Junge Akademiker? Wär gut. Wie ist das mit der Baustelle drum rum? Muss man wohl durch, dafür immerhin Erstbezug. Könnte man nicht billiger wohnen bzw. können wir uns das leisten? Tja aus billiger wohnen wird wohl nichts bei unseren Ansprüchen. Und leisten können? Muss wohl. Wobei ich gar so schlecht nicht verdiene, geht also eher ums leisten wollen.

Und zuletzt die Frage: Was machen wir bis zum 01.01.2009? Ein Mitbewohner ist jetzt schon raus, der andere geht zum 01.10., wir müssten also noch ne ganze Weile die große WG-Wohnung hier durchfüttern. Vielleicht finden sich ja so lange Zwischenmieter, mal schauen.

Ich werde diesen Post ggf. mit Nachtragungen versehen, falls es was neues gibt. Oder ihr quatscht mich in ICQ/Jabber an.

Nachtrag 02.08.2008: Les Halles ist raus, dafür hab ich nen neuen Eintrag gemacht. Die Suche geht weiter.


Wer kein iPhone hat, bekommt hier keine Wohnung

18 07 2008

Geil geil geil! Momentan bin ich auf Wohnungssuche und blicke immer wieder sehnsüchtig auf das, was da gerade am ehemaligen Güterbahnhof in Pempelfort entsteht: Das French Quarter oder auch Le Quartier Central. Quartis Les Halles, Quartis Les Halles 2.0 und île – mein kreatives Viertel finde ich (trotz der dämlichen Bezeichnung 2.0) derart geil, dass ich sofort dort hinziehen würde. Woran scheitert es also? Zum einen ist das meiste davon erst im Bau bzw. in Planung und zum anderen sind das fast alles Eigentumswohnungen. Aber der wirkliche Grund ist schlicht und einfach der, dass ich kein iPhone besitze und deswegen sowieso keine Chance habe, dort eine Wohnung zu bekommen; zumindest bekomme ich den Eindruck, wenn ich mir die Hochglanz-Stylo-Websites angucke.

Der Alex wies mich aber eben auf die von mir vermisste Liste mit Mietwohnungen in dem Objekt hin. Nicht ganz so cool, wie ein stylischer 200qm-Neubau-Loft, aber ansatzweise bezahlbar und vielleicht einen Blick wert? Schon teuer der Spaß.


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