Kevin und Justin habens schwer

16 09 2009

Gerade las ich im Schulspiegel einen Artikel mit dem Titel Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose. Da geht es um eine wissenschaftliche Untersuchung, die zeigt, dass Grundschullehrer Vorurteile gegenüber verschiedenen Namen haben. Kevins und Justins, Chantals und Mandys halten ein überwiegender Teil der Lehrer allein vom Namen her für weniger leistungsstark als Maximilians, Maries, Lukas (von denen ich spontan keine Mehrzahl bilden kann) und Neles. Das geht mir ganz genau so. Kein Mensch bei Verstand nennt sein Kind Kevin oder Justin, wirklich nicht. Wenn man von vornherein klarstellen will, dass sein Kind dem Prekariat angehört, gibt man ihm solche Namen. Ich frage mich, wie es sein kann, dass auch nach gefühlten 15 Jahren schlechten Rufs immer noch Menschen ihre Kinder derart brandmarken. Warum nur? Die Namen klingen ja nicht mal schön.

Was ich aber von so einer Untersuchung ebenfalls erwarte, ist, dass neben dem wegen unreflektierter Vorurteile erhobenem Zeigefinger auch eine Überprüfung eben dieser Vorurteile stattfindet. Es wäre doch mal spannend zu erfahren, ob Kevins und Justins tatsächlich weniger leistungsstark sind als andere Kinder. Es würde mich überraschen, wenn es im Zuge von Pisa und vergleichenden Schultests keine objektiv erhobenen Zahlen dazu gäbe. Denn ich habe das deutliche Gefühl, dass Kinder mit solchen Namen signifikant eher bildungsfernen Schichten angehören und das hat ja bekanntlich sehr wohl objektiv messbare Auswirkungen auf die intellektuelle Leistungsfähigkeit. Was jetzt nicht heißen soll, dass das ein Automatismus ist.

Man ist also nicht blöd, weil man Kevin heißt, sondern hat mit hoher Wahrscheinlichkeit blöde oder auf dem Mond lebende oder mit eigentümlichem Humor ausgestattete Eltern, was wiederum nicht selten eine Mitschuld daran trägt, wenn man etwas weniger klug ist als seine Altersgenossen aus Akademikerhaushalten. Wobei blöd jetzt auch schon wieder ein blödes Wort ist. Und fair ist das tatsächlich nicht, der erhobene Zeigefinger hat ja durchaus seine Berechtigung. Das Problem ist nun mal, dass Lehrer auch Menschen sind und Menschen haben die Neigung zu verallgemeinern, bewusst oder unbewusst.

Mal Hand aufs Herz: Welche Eigenschaften assoziiert Ihr spontan mit einem Kind, das Kevin, Justin, Jaqueline oder Chantal heißt? Und welche Assoziationen habt Ihr bei Kindern, die Evalotte, Marie, Philipp oder Malte heißen? Woraus stützt sich das bei Euch? Eben.

Nachtrag 05.12.2009: Gerade fällt mir ein, woran man recht klar erkennen kann, ob ein Mädchen eher Jaqueline oder Marie heißt: Hat sie (auch schon in der Grundschule) weiße Stiefel an, ist der Fall klar. Ich muss echt mal was über weiße Stiefel schreiben.

Nachtrag 27.08.2010: Inzwischen gibt es eine weitere Arbeit zum Thema, die untersucht hat, ob Lehrer tatsächlich je nach Name anders bewerten. Das Ergebnis zeigt keinen signifikanten Zusammenhang, wie man bei Anatol Stefanowitsch erfährt. Meine Frage bleibt also offen, ob Kevins und Mandys denn nun objektiv weniger leistungsfähig als Maximilians und Maries sind, oder eben nicht.


Warum ich XHTML schreibe und HTML meine

29 04 2009

Aktuell gibt es im Zuge der HTML5-Spezifikations-Diskussion eine in meinen Augen völlig überflüssige Unterdiskussion: Soll man HTML oder XHTML schreiben? Der von mir geschätzte Eric Eggert argumentiert pro HTML und hat gute Argumente im Gepäck, die ich jetzt nicht noch mal wiedergeben mag. Ich selber schreibe seit Jahren strikt nach XHTML-Syntax mit dem DOCTYPE XHTML 1.0 Strict, liefere aber als text/html aus, was schon immer widersprüchlich war und sich mit HTML5, dessen DOCTYPE ich seit einiger Zeit nur noch verwende, ja sowieso erledigt hat. Deswegen und weil in meinen Augen korrekter Code sowohl in HTML als auch in XHTML gültig ist (bzw. funktioniert), halte ich die Diskussion für überflüssig. Echtes XHTML scheidet in der Praxis wegen des IEs und weil ein wohlgeformtes XML-Dokument faktisch nicht dauerhaft und zu jedem Zeitpunkt sicherzustellen ist, sowieso aus. Auch ich selber übersehe gelegentlich solche Fehler und dann würde das rendern der ganzen Seite abbrechen. In Atom-Feeds sieht man ja, wie lästig das ist: Ein Tippfehler oder auch nur eine benannte HTML-Entity im Dokument (hallo an die WYSIWYGs dieser Welt) und der Feedreader verarbeitet den ganzen Feed nicht mehr, na vielen Dank.

Für wichtig halte ich aber die Frage, ob man die SGML-Freiheiten von HTML nutzt oder sich Mühe gibt, sauberen und wohlgeformten XML-Code zu schreiben. Und da sehe ich den großen Schwachpunkt von HTML: Hier sind syntaktische Konstrukte erlaubt, die mir den kalten Schweiß auf die Stirn treiben und die wirklich niemand benutzen sollte. Aber auch schon so Dinge wie ungequotete oder fehlende Attributwerte kann ich nicht ertragen. All das ist in HTML erlaubt und was erlaubt ist, wird von irgendwelchen Leuten und vor allem WYSIWYG-Editoren auch genutzt. Das war der Grund, wieso ich meine Dokumente stets als XHTML 1.0 strict deklariert habe: Solche schlechten Angewohnheiten müssen zumindest vom Validator bemängelt werden. Dass die Browser so fehlertolerant sind ist in der Praxis ja schön, aber es verleitet eben auch zu krudem und unverständlichen und fehleranfälligem Code. XML-Syntax ist letztlich wegen der strikteren Regeln deutlich einfacher zu erlernen und zu nutzen: Klare Regeln sind hier immens von Vorteil für alle, das merkt man spätestens, wenn man Menschen an HTML und allgemein Auszeichnungssprachen heranführt.

Also mein simples Fazit: Aktuell und in Zukunft deklariere ich als HTML5, schreibe aber in strikter XML-Syntax. Das ist in HTML5 gültig, für jeden verständlich und eindeutig und es geht mit gutem Beispiel voran. Wünschenswert wäre ein Modus in HTML5, dessen Syntax XML statt SGML nutzt (was sich im Validator ausdrückt), ohne gleichzeitig die Strenge von XML beim Parsen im User-Agent zu erzwingen. Warum basiert HTML5 überhaupt auf SGML? Wer hat was davon? Wer nutzt überhaupt die Freiheiten von SGML? Was spricht gegen eine HTML5 Spezifikation, die XML-artige Syntax vorschreibt, aber den Browsern Fehlertoleranz erlaubt?


Ich habe mir ein Buch gekauft statt Klausuren zu korrigieren

30 07 2008

Ich habe mir ein Buch gekauft. So ganz klassisch: Ich bin in den Stern-Verlag gefahren, habe bei den Neuheiten und Bestsellern gestöbert und mir einfach so ein Buch gekauft. Kein Fachbuch über Symfony (das liegt hier seit ein paar Tagen auf meinem Schreibtisch), sondern ein Buch von Harald Schmidt mit dem schönen Titel "Sex ist dem Jakobsweg sein Genitiv - Eine Vermessung". Und ich habe sogar gerade auf dem Klo die ersten paar Seiten gelesen und ich mochte es. Vielleicht sollte ich öfter mal ein Buch lesen? Nur wann? Gerade ist das kein Problem, weil ich die aktuelle c't schon durch habe und die unausgepackten brand eins Ausgaben erfolgreich verdrängt. Und Klausuren korrigieren oder sonstwie arbeiten ist ja auch unterwegs oder auf dem Klo wenig praktikabel.

Überhaupt: Klausuren korrigieren. Das dauert ja wirklich lange, da kann ich nur froh sein, dass es nicht mal 30 sind und keine 200 oder so.

Nachtrag 31.07.2008: Ich habe den vorigen Absatz gelöscht, weil ich jetzt alle Klausuren durch habe und durchaus gut verteilte Ergebnisse. Einige Studenten machen mich echt stolz: Gut gelernt, gut aufgepasst und an den Transferaufgaben lese ich ab, dass sogar das ein oder andere wirklich gut genug für die 2 SWS verstanden wurde. Für einige war die Klausur ganz offenbar keine große Herausforderung, das gestern vermisste Mittelfeld hat sich inzwischen in ausreichender Anzahl eingefunden und böse Ausfälle bilden die Ausnahme. Das ist noch besser als die positiven Feedbackbögen. Vielen Dank an meine Studenten, mir hat die ganze Veranstaltung großen Spaß gemacht.

Das Honorar ist auch heute gekommen. Bei meinem üblichen Stundensatz reicht das gerade mal für die Klausurenkorrekturen, der Rektor hatte das also gut getroffen als er über die Lehrbeauftragten sagte, dass sie quasi ehrenamtlich arbeiten.


Schon wieder halb vier

09 04 2008

Verdammt! Schon wieder halb vier geworden und ich bin mit meinem Script für morgen noch immer nicht fertig. Die armen Studenten bekommen morgen einen illusteren Querschnitt durch die Computersicherheit um die Ohren gehauen, dass es nur noch fiept. Tut mir echt leid. Mal schauen, was ich weglassen kann.

Dafür hab ich ein echt cooles T-Shirt für morgen, das mir inhaltlich wie geschaffen scheint. *evil*