Die Antworten auf den Three Strikes Vorstoß

17 09 2009

Aktuell liest man immer wieder von Forderungen seitens der Medienindustrie nach einem Three Strikes Sperrverfahren. Kurz gesagt geht es darum, Internetnutzern nach drei automatisierten Verwarnungen wegen Urheberrechtsverletzungen das Internet für einen gewissen Zeitraum zu sperren. Also im Prinzip analog zum Führerscheinentzug. Die Idee ist in Frankreich gerade zum zweiten Mal parlamentarisch verabschiedet worden, nachdem sie beim ersten Mal gerichtlich gestoppt wurde. Da das haarsträubend unverhältnismäßig ist, brauchen wir im Grunde nicht weiter darüber zu reden, aber es wird in einer Penetranz gefordert, dass man doch mal was dazu sagen muss, denn CDU/CSU und auch die SPD sind bereits ganz Ohr. Wie also reagieren?

Schritt eins ist das Wahlverhalten: Solche Äußerungen müssen sich klar in Wahlmisserfolgen niederschlagen. Aber seien wir mal realistisch, die CDU wird weiterhin an der Regierung bleiben (es gibt ja auch noch andere Problemfelder, bei denen die CDU/CSU nicht gar so klar wahnsinnig ist) und die Medienindustrielobby wird sich mit mehr oder weniger von dem Mist früher oder später durchsetzen und auf das Bundesverfassungsgericht will man sich auch nicht immer verlassen müssen. Für den Fall muss man sich wenigstens eine klare Strategie zurechtlegen. Meine ist sehr simpel und effektiv: Weg vom Mainstream. Wer sich frei macht von den Produkten der Medienindustrie, die immer massiver gegen ihre eigenen Kunden vorgeht, dem kann das alles egal sein. Und hier geht es ja jetzt nicht um alternativlose Geschichten wie Medikamente, sondern um Freizeitbeschäftigungen, bei denen ein Umschwenken auf verbraucherfreundlichere Produzenten kein Problem darstellt.

Es braucht also eine Art Fair Trade Siegel für Unterhaltungsprodukte, für das ein Mindestmaß an Umgangsformen gegenüber Künstlern und Konsumenten einzuhalten ist. Musik an sich ist kein Monopol (nur das einzelne Werk) und der Markt ist facettenreich genug, dass man immer genug Unterhaltungsprodukte bekommen kann von Produzenten, die sich fair verhalten. Fair gegen fair, denn wer so auftritt, dem gegenüber ist ein schlechtes Gewissen beim Nichtbezahlen deutlich ausgeprägter. Oder anders herum gesagt: Es wundert mich nicht im geringsten, dass fast niemand auch nur einen Hauch eines schlechten Gewissens beim Kopieren von Musik hat, angesichts der Art und Weise, wie die Musikindustrie in den letzten 15 Jahren ihre Kunden erst immer mehr abzockt und dann auch noch juristisch gegen sie vorgeht. Hier wird derart beispiellos die fütternde Hand gebissen, dass es mich sogar wundert, dass es die Musikindustrie überhaupt noch gibt. Die Leute lassen sich einfach nach Strich und Faden verarschen. Mein gezielter Konsum von Mainstream-Musik ist fast so sehr zurückgegangen, wie mein Fernsehkosum, der sich nahe Null bewegt, wenn man staffelweise eingenommene Serien nicht als Fernsehen zählt. In den letzten Jahren habe ich anteilig an meinem Gesamtmusikkonsum weniger CDs gekauft als je zuvor. Aber eben nicht, weil ich alle Musik illegal irgendwo saugen würde, sondern weil ich viel mehr legal kostenlose Quellen wie Internetradio und freie Musik anzapfe. Und mir geht es gut dabei. Wenn ich Musik gesaugt habe, dann habe ich den Scheiß entweder nach ein- bin zweimal Probehören entsorgt oder die CD gekauft, denn das gehört sich so. Dieses Probehören-Modell ist mir sowieso sehr bequem, ich kaufe einfach keine Katze im Sack mehr, denn fast alle auf gut Glück gekauften CDs der letzten Jahre waren mehr so geht so und das ist dann nun wirklich raus geworfenes Geld.

Also auf zur Medienrevolution! Wer seine Kunden blindwütig in den Knast bringen will, weil sein Geschäftsmodell nicht mehr so recht trägt und er sich zu fein ist, das mal zu überdenken, dem kann man auch guten Gewissens nichts mehr abkaufen. So funktioniert Markt nun mal: Pass Dich flexibel neuen Bedingungen an oder gehe unter.

Um es noch mal klar zu sagen: Ich wähle nicht die Piraten, weil ich ungestraft unbegrenzt Musik klauen will. Darum geht es nicht, wenn es auch unter den Piraten eine gewisse Anzahl Leute gibt, die genau das wollen. Es geht darum, dass man über eine Änderung des Urheberrechts nicht herum kommt und dem Einfluss der Medienindustrie darauf ein Gegengewicht von Bürgerseite entgegengestellt werden muss. Niemand will verarmte Künstler, aber drakonische Strafen einzuführen gegen etwas, das ein großer Teil der Bevölkerung macht, kann es eben auch nicht sein.


Der Staat ist zum Problem geworden - Revolution oder so

10 05 2009

In letzter Zeit reift bei mir, getrieben von und zusammen mit verschiedentlichem Input, die Idee eines neuen Generationenkonfliktes heran. Stellvertretend für all das seien hierzu mal Cem Basman und Johnny Haeusler verlinkt (die übrigens beide das Internet nicht mit der Muttermilch aufgesogen haben). Wer Blogger doof findet, kann sich ja bei den Zeitungen bedienen, herausragend Lesenswertes aktuell im Tagesspiegel und in der Zeit. Das ist übrigens der Verdienst der Petition, die zwar politisch irrelevant versickern wird, aber für einen gewissen Presserummel sorgt.

Aber worum geht es mir hier? Es geht um alles, was in den letzten paar Jahren schief gelaufen ist, hier in Deutschland und anderswo. Es geht um die Mosaiksteine, die den Staat zum Problem machen für Leute wie mich, für Leute, die das Internet als zentrales Medium in ihr Leben aufgenommen haben. Es geht um das große Ganze, das sich in arg lobbyfreundlichem Urheberrecht, Vorratsdatenspeicherung, Hackerparagraph, Netzzensur, Killerspieldebatte und zuletzt der Paintball-Farce manifestiert. Es geht um einen neuen Generationenkonflikt, der ausgefochten werden muss, wie bereits die 68er und die Grüne Bewegung zuvor ihren Generationenkonflikt ausgefochten haben.

Die gute Nachricht vorab: Das ganze Ungemacht wächst sich raus. In 5, 10 oder 15 Jahren wird man Chroniken schreiben und Dokus verbreiten, in denen Wolfgang Schäuble und Ursula von der Leyen eine zentrale Rolle spielen werden als die Antagonisten, die Leitfiguren, stellvertretend für das, wogegen wir zunehmend lauter kämpfen.

Einige haben es schon bemerkt: Wir sind die neuen 68er, wir gehen nur nicht auf die Straße mit unserem Protest. Brauchen wir auch nicht, denn wir werden gewinnen, irgendwann. Revolution? Starkes Wort, aber immer wenn der Staat zum Problem wurde, gab es etwas revolutionäres, das aus der nachwachsenden Generation emporkam. 1848 zum Beispiel, ein besonders im Hinblick auf staatliche Kontrolle zunehmend mit heute vergleichbares Szenario. Aber ich will nicht darauf hinaus, dass brennende Barrikaden das Ziel sein sollen, das ist total oldschool. Und Unruhen, die die Gesundheit von irgendjemandem bedrohen, kann niemand wollen. Wir sind Pazifisten, das haben wir von den Vorgenerationen übernommen und unser Hang zu Killerspielen ermöglicht es uns, Aggression woanders abzubauen1. Unser Instrument ist intellektueller, was eine wirklich glückliche Fügung der Geschichte ist. Denn unser Werkzeug, das Internet, hat uns erst in diese Lage versetzt und deswegen stehen wir gerade jetzt auf, wo dieses Werkzeug unserer Generation in seinen Grundfesten bedroht ist. Das freie Internet ist unsere Basis und nach unserem Verständnis von Demokratie ist dieses freie Internet das beste, was der Demokratie in den letzten Jahrzehnten passieren konnte. Staatstheoretisch gesehen zumindest, man schaue sich nur mal die lange Reihe der Staatstheoretiker und Philosophen der letzten paar hundert Jahre an und bilde deren Ideen auf das Internet ab.

Aber wie wird die Revolution dann aussehen? Wird es eine neue RAF geben? Die schlechte Nachricht ist: Es wird eine neue RAF geben, denn das ist eine natürliche Reaktion. Aber gut ist das deswegen noch lange nicht. Diese neue RAF wird immerhin (hoffentlich) kein Blut vergießen, sondern es werden Hacker sein, die sich der Computersabotage bedienen. Aber das ist doch verboten?, werden einige jetzt denken. Ja, genau deswegen ja. Diese neue RAF wird – wie die alte RAF – der Bewegung letztlich mehr schaden als nützen, weil sie die Integrität untergräbt und die Bewegung angreifbar macht. Aber sie wird auch ein wichtiger Bestandteil sein, um der Bewegung Gehör zu verschaffen. Und sie wird sich aus der Berliner Szene herauskristallisieren. Denn so global wir auch vernetzt sind, so lokal und urban sind unsere persönlichen Netzwerke. Aber genug fabuliert, vielleicht kommt es auch ganz anders. Hoffen wirs.

Denn was ist anders, als bei unseren Vorgenerationen? Die 68er haben sich gegen ihre Elterngeneration gewendet, weil die Nazis waren und weil die festgefahren waren in allerlei gesellschaftlichem Ungemach, das den Werten der nachwachsenden Generation zuwider war. Die Front aber wurde eröffnet von der nachwachsenden Generation. Heute ist es weitgehend anders herum: Mit den Alten, den Konservativen, den Festgefahrenen hätten wir erst mal kein Problem. Unsere Eltern haben uns frei erzogen und uns tolle Werte mitgegeben, die wir im großen und Ganzen mit ihnen teilen. Aber was ist dann schief gelaufen? Die Elterngeneration hat sich von sich aus gegen die Nachwachsenden gewandt. Sie haben sich bedroht gefühlt vom Internet und der plötzlichen Freiheit, derer sie nicht Herr werden, weil sie die Prinzipien nicht verstehen. Das ist ein unbehagliches Gefühl, das verstehen wir gut. Aber die Konsequenz kann nicht sein, dass ein Establishment, weil es im Lauf der technischen Fortentwicklung nicht mehr mithalten kann und will (das ist wichtig!), versucht, diese Fortentwicklung rückgängig zu machen.

Das Internet steht auch Euch offen, ehrlich. Ihr seid herzlich willkommen, Ihr müsst nur die hier herrschenden Prinzipien akzeptieren, wie wir das getan haben. Mehr nicht. Stattdessen seid Ihr gegen uns, versucht uns, die wir schon "drin" sind, wieder zurück zu holen. Aber wir wollen das nicht, wir wissen um den Wert des Netzes und werden es verteidigen, so gut wir können. Noch seid ihr am Drücker und lügt Euch Gründe für Euer Tun zusammen, um eine Mehrheit zu bekommen. Ihr ruft Euresgleichen zusammen, die Ihr noch in der Mehrheit seid, uns einzudämmen. Aber Eure Argumentation basiert auf Populismus, Übertreibung und dreisten Lügen. Das mag kurzfristig funktionieren, aber niemand lässt sich gerne manipulieren; über kurz oder lang fallt Ihr auf die Nase damit. Nicht jetzt, aber in fünf bis zehn Jahren seid Ihr raus aus dem Spiel. Die unappetitliche und zynische Instrumentalisierung des Themas Kinderpornographie für Eure Zwecke wird für Euch zum Bumerang werden, denn damit seid Ihr zu weit gegangen.

Ursprünglich hattet Ihr eine tolle nachwachsende Generation: Gesetzestreu, pflegeleicht, unpolitisch wie noch nie zuvor eine Generation war. Wir waren friedlich und haben keinen Ärger gemacht, alles hätte so leichtfüßig sein können. Aber dann habt Ihr angefangen, uns mit immer neuen Gesetzen aus der Gesetzestreue zu werfen. Wir hatten nie vor, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraden, aber plötzlich sind wir alle unter Generalverdacht, weil die Gesetze sich geändert haben, nicht wir. Es gab noch nie in der Geschichte der BRD so viele Hausdurchsuchungen aus derart nichtigen Gründen, wie in den letzten Jahren. Wir mögen die Grundrechte und die Verfassung und wir sehen mit an, wie sie tagtäglich mit Füßen getreten werden. Wir sehen, wie wöchentlich neue Unfassbarkeiten an die Öffentlichkeit dringen, die uns direkt oder indirekt betreffen. Und wir sehen, wie ahnungslos, falsch und populistisch die Argumente dafür sind. Aber jemanden fragen, der sich damit auskennt? Das wären dann ja wir und wir sind das Problem in Euren Augen.

Die Folge ist, dass wir zum Problem werden für den Staat, weil der Staat ein Problem für uns geworden ist. Der Staat schreit förmlich nach revolutionärem Handeln. Also handeln wir: Wir werden politisch. Und wie wir politisch werden! Eine Partei mit dem albernen Namen "Piratenpartei" hat immensen Zuspruch und auch Zulauf, trotz des doofen Namens. Plötzlich gehen wir alle wählen und da wählen wir alle, nur nicht Euch, liebe CDU und (in Teilen auch) SPD. Ihr werdet das jetzt wahrscheinlich noch nicht merken, dafür habt Ihr die Medien noch zu gut im Griff, dass sie Euren Populismus stützen. Aber was würde passieren, wenn sich die Hartz-4-Frustrierten mit uns zusammentun? Was würde passieren, wenn wir die Presse auf unsere Seite ziehen, gar die von uns so verhasste BILD es opportun finden würde, unsere Position zu vertreten? Unrealistisch meint Ihr? Darauf würden wir es gerne ankommen lassen.

Oder aber wir begraben die ganzen Albernheiten, kehren auf eine sachliche Ebene zurück und reden Klartext miteinander. In Sachen Kommunikation sind wir gut. Ihr müsst nur bereit sein, offen mit uns zu reden. Ist das zu viel verlangt? Wir wollen keinen Stress und keinen Streit und keinen Generationenkonflikt, wollten wir nie. Digitale Kluft wollten wir auch nicht, es ist Eure Weigerung in der digitalen Welt mitzuspielen, nicht unsere Ausgrenzung. Wer das Internet ausdruckt, denkt nun mal in die falsche Richtung; das ist aber nicht unsere Schuld, sondern basiert auf Mangelnder Bereitschaft, sich dem Neuen zu stellen. Selbst die dümmsten von uns bekommen das alles halbwegs hin, was man gemeinhin Medienkompetenz nennt und fordert, also sollte das für Euch auch kein echtes Problem darstellen. Eure Doktortitel habt Ihr bekommen, weil Ihr einer intellektuellen Elite angehört, also schaltet diesen Intellekt einfach mal ein.

1 Schon mal mit "Killerspielern" geredet? Schon mal auf einer Netzwerkparty gewesen? Schon mal Zahlen zur Kriegsdienstverweigerung unter "Killerspielern" gesucht? Die "Killerspieler, denen ich begegnet bin, leben alle in einem und suchen sich ein Umfeld, das weitgehend ohne körperliche Gewalt auskommt. Nur als Denkanstoß.

Nachtrag 02.06.2009: Im Spiegel Online erschien ein sehr sehr guter Artikel, der diesen Tenor aufgreift. Lesebefehl.


Malte/Paul

14 02 2009

Ich würde es twittern (identi.caen?), aber das würde nur unter gehen, also ein hochoffizieller Lesehinweis für euch Vögel, die ihr meinen Blog lest: Malte Welding, dessen meist großartige Schreibe für mich der Auslöser für mein Spreeblick-RSS-Abo war, schreibt nicht mehr für Spreeblick. Warum, kann nur vermutet werden; aber es klingt in der Art, wie darüber geschwiegen wird, irgendwie nach Streit. Naja, wie auch immer. Jedenfalls schreibt der Gute neben Twitter auch ein eigenes Blog und dort gibt es großartige Geschichten über Paul. Diese Geschichten gefallen mir derart gut, dass ich sie gesammelt als Buch sofort kaufen würde, egal ob sie nun autobiographisch, semi-autobiographisch oder frei erfunden sind. Ein gutes Beispiel ist diese Geschichte hier. Eine kurze Leseprobe daraus (Paul ist alleine im Zoo):

Ein grauhaariger Mann mit Taxifahrergesicht macht Nude-in-Public-Aufnahmen von einer hennafarbenen Swingerfresse. Immer, wenn niemand hinschaut, lüftet sie ihr Mini-Jeans-Röckchen und er fotografiert ihre lieblos rasierte Möse. Da ich allein bin und damit Niemand, sehe ich alles. Die Rasierpickel und die ausgefransten Schamlippen sehen aus wie ein Schaschlikteller oder Beweisfotos in einem Kriegsverbrecherprozess.

Wo ich sowas lese, bleibe ich.


Es gibt Lieder, die kann man einfach nicht schlecht interpretieren

09 12 2008

YouTube ist ja ein stetiger Quell von Liedinterpretationen aus aller Herren Länder. Das ist manchmal wirklich ernüchternd, wenn man auf der Suche nach den Perlen über einen großen Haufen schlimmer Scheiße steigen muss. Immer wieder aber gibt es Liedgut, das seine Strahlkraft auch in der amateurhaftesten, kitschigsten, mit der Handykamera gefilmten oder von Hund und Katze gesungen Version nicht verlieren und mich selbst dann noch zu Tränen rühren können, wenn vom eigentlichen Text kaum noch etwas übrig bleibt.

Die "Ode an die Freude" (oder "Ode To Joy", "Freude schöner Götterfunken", "letzter Satz der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven", "Europahymne") ist so ein Lied. Nicht mal eine wirklich entrüstend unpassende Live-Version von Xavier Naidoo und Band, die inzwischen gottlob von YouTube verschwunden ist, konnte dem Kern des Liedes wirklich etwas anhaben. Auch die eher seltsame koreanische Swing-Version nicht.

Scheinbar sind Lieder, bei denen Text und Vertonung weder von der gleichen Person noch aus der gleichen Zeit stammen, besonders gute Kandidaten für diese Eigenschaft. Noch ein Beispiel?

Das Gedicht "Von guten Mächten" von Dietrich Bonhoeffer auf die Melodie von Siegfried Fietz ist ein noch besseres Beispiel. Hier eine Auswahl verschiedener Versionen auf YouTube:

Ich hoffe, damit konnte ich klarstellen, was ich meine.

Im passwortgeschützten erweiterten Beitrag finden sich noch einige persönliche Anmerkungen dazu. Nichts sexuelles zur Abwechslung, sondern nur Gefühlsduselei. Das Passwort sollte bekannt sein.


"Es gibt Lieder, die kann man einfach nicht schlecht interpretieren" vollständig lesen


Musikalische Jugendsünden der 90er

12 11 2008

Im Spreeblick verreißt Malte Welding sehr treffend und lesenswert die schrecklichsten Lieder der 90er (bringt etwas Zeit mit für die Videos). Das schlimme an der Auswahl ist ja, dass ich auf etliche dieser Lieder total abgegangen bin, alleine in meinem Zimmer tanzend mit nicht wirklich funktionierender Lichtorgel und einer am Anschlag aufgedrehten Kompaktanlage etliche der Lieder hoch und runter gehört habe. Warum nur? Warum habe ich einen jahrelangen pubertären Ausflug in die Gruselmusik hinter mir, nach dem meine Musikhörkarriere doch so vielversprechend angefangen hatte. Immerhin waren meine ersten CDs (und damit meine ersten eigenen Tonträger) ein paar Kraftwerk-Alben und die großartige 4 Gewinnt von den Fantastischen Vier. Die Fantastischen Vier, genau… Diese Platte legte auch den Grundstein für meinen mich selbst heute noch immer wieder erstaunenden Hip-Hop-Zitate-Assoziations-Wahnsinn. Zurück zum Thema: Für die meisten Lieder auf meinen Bravo Hits 6 bis Anfang 20 schäme ich mich heute angemessen. Zu meiner Entschuldigung wende ich ein, dass ich da 12 bis ca. 17 war (hoffe ich zumindest) und somit die Pubertäts-Ausreden-Karte spielen darf. Andere Lieder von Maltes Liste finde ich allerdings auch heute noch gar nicht so sehr schlimm. Die schlimmen Lieder aus Maltes 80er-Schlimme-Lieder-Liste fand ich um Welten grauenvoller.

Natürlich hab ich einen passenden großartigen deutschen Hip-Hop-Song zum Thema auf Lager: Jugendsünden von Mutter Natur (Nico Suave, Dendemann, Majubiese) auf Nico Suaves Album Suave passt hervorragend, gibts aber nicht bei Youtube. Die Hookline geht so (ganzer Text hier):

Was war, das war! Ja, so war das, Leute! Heute lach' ich über gestern, morgen lach' ich über heute!

Wer mal hier ist und ganz lieb fragt, dem zeige ich auch das Video, wo wir zu viert eine eigene Choreografie auf "Baby come back" von Worlds Apart getanzt haben, in Behns Keller. Ich weiß heute gar nicht mehr, wie ironisch wir das gemacht haben, ich befürchte allerdings zu wenig. Das gilt auch für mein von Kelly Family Postern zugehangenes Zimmer damals, was irgendwie ein zu halbherziger Protest gegen den Kelly-Family-hassenden Mainstream war. Aber auch dafür habe ein paar gute Entschuldigungen parat: Erstens war meine erste Freundin (wenn man das so nennen kann, wir waren 13 und das war primär pubertär bedingt, aber das ist ein anderer Beitrag) Kelly Fan. Zweitens findet meine Mr. Hyde Seite auch heute noch einige der Lieder schön und drittens hatte ich schon damals ein Faible für Maite Kelly. Darf man sowas zugeben? Egal, auch das gehört in einen anderen Beitrag.

P.S. während ich diese Zeilen schreibe, lausche ich schlimm-großartigen Spären- und Flötenklängen auf sky.fm New Age.


Schöne Kurzfassung der indirekten DRM-Effekte

15 10 2008
Danke an Randall Munroe für diese schöne Kurzfassung einer eigentlich simplen Problematik:

XKCD-Comic: "Steal This Comic"

Genau, simple Lösung: Kauft einfach DRM-freie Musik (in den USA bei Amazon, demnächst auch hier, solange muss man etwas suchen oder einfach CDs kaufen). Wal-Mart schaltet seine Lizenzierungsserver jetzt übrigens doch noch nicht ab, so dass man seine in den letzten drei Jahren dort bezahlte Musik noch eine Weile auf andere Geräte umlizenzieren kann und noch nicht mit dem Computer, auf dem sie gespeichert ist, ins Grab schicken muss.


Auf gar keinen Fall CSU wählen, egal was kommt

05 09 2008

Die Art und Weise, wie verbittert sich prominente CSU-Politiker populistischst in die Kern- und Randprobleme unserer Zeit verbeißen, ist wirklich nur noch abstoßend, ja ekelhaft gar. Super Beispiel: Killerspiele. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann versteift sich derart blind in das Thema, dass er sogar den Joker Kinderpornographie spielt. Mir ist dabei völlig schleierhaft, wie man Killerspiele und Kinderpornographie in einen Atemzug bekommen kann, nicht zu vergessen auch die direkt nachgeschobene Nazikarte. Ist der Mann einfach nur ignorant gegenüber den zahlreichen anderslautenden Forschungsergebnissen, ist er gar zu blöd für diese Welt und glaubt deswegen noch an seine Aussagen oder meint er, damit ein paar Wähler um sich scharen zu können und dafür ist ihm jedes Mittel recht?

Wie sollte man nun auf solche Verbitterung reagieren? Für mich disqualifiziert sich eine Partei voll und ganz, wo solche populistischen Dummheiten Programm sind – und zwar vollständig unabhängig von dem, was sonst so gesagt wird. Die PC-Games startet aus diesem Grund auch die Kampagne "Ich wähle keine Spielekiller" zur kommenden Bayern-Wahl. Gegen fragwürdige Regierungsentscheidungen muss sich offener Widerstand zeigen, nicht nur, aber letztlich eben auch an der Wahlurne. Der Deutsche Kulturrat nennt die Killerspiel-Äußerungen "bayerischer Running Gag" und in den Kommentaren bei Golem zur PC-Games Aktion findet sich der arg polemische, aber sehr passende Threadtitel "Killerspiele fördern gleichgeschlechtliche Liebe!!!". Ja, so sieht das aus.

Neben dieser unfassbar am Zeitgeist vorbeigehenden Killerspiel-Generationenkonflikt-Sache muss ich aber auch auf die anderen bahnbrechenden Errungenschaften der CSU/CDU-Politik hinweisen: Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung, Widerstand gegen die Homo-Ehe. Und um auch mal einen weitgehend aus der Luft gegriffenen Nazi-Vergleich zu bringen: Wer jetzt CDU/CSU wählt, macht sich die Finger genau so schmutzig, wie die Leute, die damals (meist ohne es zu realisieren) die NSDAP gewählt haben. Nachher rausreden wird da schwer.

Fazit: Benutzt den Wahl-o-maten, schließt die CSU aus, auch wenn der Wahl-o-mat diese als Ergebnis anzeigen sollte (hoffentlich nicht) und geht vor allem alle zur Wahl!

P.S. Kleiner Tipp an die vereinigten Populisten aller Länder: Aus dem Fenster lehnen sollte man sich nur bei Themen, über die man fundiert was zu sagen hat. Keineswegs fundiert ist es, etwas bei anderen zu verurteilen, was man selbst nicht erlebt hat und woran man nicht im geringsten beteiligt ist.

Nachtrag 29.09.2008: Hihi.


Prokrastination.com: Blog abonniert, Buch gekauft

03 09 2008

Gerade bin ich auf prokrastination.com gestoßen (Lesebefehl!), das Blog zum demnächst erscheinenden Buch mit dem schönen Titel "Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin". Schon vom Titel fühle ich mich zu 120% angesprochen, also habe ich das Buch kurzerhand vorbestellt, noch bevor ich den dazugehörigen Blog abonniert habe. Von Kathrin Passig und Sascha Lobo habe ich ja bereits Bücher im Regal, wobei ich das ganz bestimmt ganz grandiose "Lexikon des Unwissens" ganz bestimmt später mal irgendwann lese, wenn ich Zeit und(!) Muße finde. "Wir nennen es Arbeit" ist ja sowieso Pflichtlektüre für Typen wie mich. Was spricht also dagegen, dieses Buch zu kaufen, ohne den Klappentext gelesen zu haben oder diesen Schönen, kompakten Textauszug mit 6 einfachen Übungen?

Das beste aber ist, dass ich nur ein einziges Buch, das ich im letzten Jahr erworben habe, komplett oder auch nur angelesen habe. Sollte mir das zu denken geben? Warum kaufe ich eigentlich regelmäßig Bücher, die ich dann doch nicht (aus)lese? Nur Stefan Kuzmanys "Gute Marken, böse Marken", das mit übrigens geschenkt wurde, habe ich ganz gelesen; das war zwar nicht so gut wie andere Bücher in meinem Regal, aber dafür schön kurz und schneller durch als eine normale c't. Ich habe sogar schwersten Herzens mein Brand Eins Abo gekündigt, weil ich schon fünf ungeöffnete Ausgaben im Queue hatte. Dafür bekomme ich seitdem ungefragt jeden Monat die H.O.M.E., eine Designerzeitschrift "aus der Designstadt Berlin": Die Leute vom Axel-Springer Aboservice haben mich offenbar echt verstanden, da gibt es nämlich nicht viel zu lesen, sondern nur ganz schöne Fotos von feiner Architektur und unfassbar teuren Möbeln zu gucken. Damit kann ich prima anstinken gegen den Stapel "Art"-Magazine im schicken Designerbadezimmer eines Bekannten, der immer meine oberflächlich durchgeblätterten H.O.M.E. Ausgaben bekommt und diese sicher mehr zu schätzen weiß als ich. Zielgruppe und so, ihr wisst schon…

Apropos Zielgruppe, aber das ist ein anderer Beitrag.


Von anderen aufgeladene Emotionen nutzen?

07 07 2008

Ist es verwerflich, von Dritten aufgeladene Emotionen für die eigene Werbung zu nutzen? So wie es die Telekom aktuell mit dem unglaublich unter die Haut gehenden Paul Potts macht? Ganz großes Gefühlskino schreibt off the record zu diesem Telekom-Spot und bemängelt gleichzeitig, dass der Spot zwar große Gefühle weckt, aber eben nicht für die Marke Telekom. Zustimmung meinerseits: Der Funke springt einfach nicht über und es bleibt bei mir der faule Beigeschmack des Missbrauchs eines solch wunderschönen Internet-Märchens für werbliche Zwecke einer Marke, die mit damit nicht wirklich etwas zu tun hat. Das ist (großartige) Werbung für das Internet an sich und die Telekom ist ein Zugangsprovider, nicht mehr (die Inhaltelieferei überlässt man ja inzwischen weitgehend anderen). Aber ist das nun verwerflich oder nicht? Eigentlich nicht, man bringt nur mit einen schönen emotionalen Spot ein großartiges Video ins Gedächnis und versucht (begrenzt erfolgreich) seine Markenbotschaft mitzuliefern, warum sollte das nicht legitim sein? Vor allem, wenn man mit diesem Agenda Setting Leute neu erfreuen kann, denen das Video bisher entgangen war.

Mich zum Beispiel. Irgendwie ist dieses bemerkenswerte Video bisher völlig an meiner Wahrnehmung vorbei gegangen. Gut also, dass die Telekom das jetzt wieder auf den Tisch gelegt hat, denn dieser Paul Potts singt auch ohne die rührselige Story drumrum derart herzerwärmend, dass mir die Rührungstränen auf die gänsegehäuteten Arme rinnen. Noch nie hat Operngesang solch euphorische Ausbrüche bei mir verursacht. Kein Wunder, dass sowohl das Publikum, als auch die Jury bei Britain's Got Talent schon nach zwei Takten total abgehen und dieser dickliche Typ, der so unscheinbar und fast schon bemitleidenswert da antanzt, am Ende die ganze Show gewinnt. Wirklich magisch. So magisch sogar, dass ich wie in Trance direkt mal seine CD gekauft habe. Verzauberungs-Marketing und direkte Bestellmöglichkeiten sind eine gefährliche Kombination.

Schnell noch der Telekom-Spot, der erste Auftritt bei BGT (angucken und Ton laut, es lohnt sich, versprochen) und ein Artikel im Spiegel Online dazu. Ist zwar alles schon in den anderen verlinkten Quellen verlinkt, aber ihr guckt da ja eh nicht rein, gelle?

P.S. Ich habe gerade keinen Laden gefunden, wo ich die CD 1. jetzt, 2. legal und 3. als MP3 kaufen kann. Ist das nicht bescheuert? Muss ich jetzt ernsthaft bis zum Versand der CD am 12. Juli warten und mich in der Zwischenzeit aus illegalen Quellen bedienen (was keine 10 Minuten dauert)? Wo bleiben nur das versprochene DRM-freie Amazon-Downloadangebot und seine dadurch an den Markt gezwungenen NachahmerMitzieher? Und sollte ich ein schlechtes Gewissen beim Download aus illegalen Quellen haben, wenn ich die CD besitze oder bestellt habe?


Paxi Fixi

19 05 2008

1. Neulich in der Gegend von "Ich bin eine Discoschlampe" gehört:

Paxi, fixi, knaxi, lexi, noxi, schmexi, schixi drauf.
Paxi, fixi, reib sie, knall sie, nimm sie, wirf sie, zieh sie aus.
Paxi, fixi, roxi, treib sie, saug sie, lutsch sie, schixi drauf.
Paxi, fixi, stoß sie, pop sie, reib sie, pimp sie, schmeiß sie raus.

Ich lass das mal so stehen, bei Youtube.

2. Gibt es eigentlich eine zwingende Nähe von Techno an sich zu (BDSM-)Sexualität und/oder Drogen? In dem Kontext sei auf den faszinierenden KitKatClub in Berlin verwiesen (Artikel in der taz dazu). Interessant allemal, Stichwort: Hedonistische Internationale.

PS: Ich gehe davon aus, dass eine In-Kontext-Bringung der beiden Aspekte dieses Posts weder im Sinne der einen noch anderen Seite ist. Vielleicht auch nicht. Meine diesbezügliche Ahnung beschränkt sich auf etwa eine Stunde Webrecherche, tendiert also gegen null. Ich war nur irgendwie fasziniert von beidem.


Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: