Produkt-zwischenzeitlich-abverkauft-Wut

21 07 2011

Ich bestelle viel online. Genug jedenfalls, um seit über 10 Jahren in allen Umfragen zum Thema E-Commerce die häufigste Kategorie bei Haben Sie schon mal etwas in diesem Internet bestellt ankreuzen zu können. Mit etwas Umsicht und Achtung der Händlerbewertungen bei gh.de bin ich dabei in 90% der Fälle gut gefahren. Zuletzt habe ich zwei mal für einige hundert Euro bei anobo.de bestellt: Verbuchung der Vorkasse-Überweisung nach zwei Stunden, Ware am nächsten Tag da. Fantastisch. Auch andere Händler wie hardwareversand.de lassen sich von Vorkasse-Überweisungen nicht ausbremsen und liefern fast genau so fix, wie bei Zahlung mit PayPal oder Kreditkarte. Amazon bucht sowieso bequem ab und versendet meistens sofort, mit Prime sogar eigentlich immer und auch noch versandkostenfrei.

Nun begab es sich aber, dass eine bestimmte Produktkonstellation nur bei e-bug.de kurzfristig lieferbar war, ohne gleich 20-30% mehr dafür auszugeben, also habe ich schweren Herzens dort bestellt. Schweren Herzens, weil der Laden auf mich noch nie einen sonderlich seriösen Eindruck gemacht hat. Wenn man die ungefragt hinzugefügte Premium-Abwicklung für 5€ extra wieder aus dem Warenkorb entfernt hat, kann man die Bestellung ohne schwere Komplikationen aufgeben. Übrigens nicht als Gast, man muss also erst mal ein Konto anlegen.

Nach Bestätigungsmail zu meiner Bestellung am Samstag und prompter Überweisung, die meine Sparkasse sofort am Montag gebucht hat, höre ich nichts mehr von e-bug.de. Unbefriedigend. Am Donnerstag schaue ich mal wieder im Kundenportal vorbei und stelle erleichtert fest, dass immerhin schon mal mein Zahlungseingang verbucht wurde und die Ware in Kürze versendet wird. Weiter Funkstille. Am Dienstag unveränderte Lage, also frage ich per Chat in der Bestellabwicklung nach: Die Bezahlung hätte zu lange gedauert, das Produkt hätte man zwischenzeitlich abverkauft, Nachschub sei unterwegs. Puh.

Zwischenzeitlich abverkauft? Ist das deren Ernst? Die nehmen verbindliche Bestellungen an und während deren trödelige Bank die Vorkasse-Überweisung noch mal ein paar Tage einbehält, verscheuern die das Produkt an andere Kunden? Ich würde denen glatt unterstellen, das Produkt zwar als lieferbar markiert zu haben, in Wirklichkeit aber erst bei Bestelleingang zu beschaffen, aber das wäre im Grunde genommen weniger dreist und ärgerlich, als ein verbindlich bestelltes und zugesagtes Produkt einfach zwischenzeitlich abzuverkaufen. Unfassbar. Ich bitte also um Stornierung, denn das Produkt kann an diesem Tag nicht mehr versendet werden. Eine Teillieferung lehne ich ab. Der Chatpartner bestätigt meine Stornierung und schickt mir einen Link zu einem bürokratisch anmutenden Formular für die Beantragung einer Rückerstattung des überwiesenen Geldes. Man überweise nur Dienstags, was sich gut trifft, denn es ist Dienstag.

Vorbei? Nein. Am Dienstag Nachmittag steht im Kundenmenü nichts von Stornierung, eine Bestätigung per Mail habe ich auch nicht bekommen, also noch ein Chat. Dieser Chatpartner eröffnet mir, dass er gar keine Stornierungen vornehmen könne, ich solle mich per Mail an eine sales@e-bug.de wenden. Das tue ich, bekomme eine Eingangbestätigung von einem Ticketsystem und höre in den kommenden Tagen wiederum nichts mehr, auch im Kundenmenü ändert sich der Status nicht. Ich finde mich damit ab, wohl meinem Geld hinterherzulaufen und das irgendwann doch versendete Paket wieder zurück zu schicken.

Doch, oh Wunder, am Donnerstag schon wird meinem Konto der volle Betrag gutgeschrieben. Ich habe zwar immer noch keinerlei Kommunikation erfahren, aber das Geld ist da. Immerhin. Übrigens war die Lieferung von Amazon noch vor dem Geld da, denn bei Amazon ist eine Lieferung erst am übernächsten Tag schon auffällig langsam.

Abschließend lässt sich feststellen: Nicht noch mal e-bug.de, wirklich nicht. Läden, deren Abläufe so gestaltet sind, empfinde ich als äußerst unseriös. Wie sich herausstellt, bin ich damit nicht alleine, die Bewertungen bei gh.de sprechen Bände. Andererseits beruhigend, dass mich mein vorheriges Bauchgefühl nicht getrügt hat. Es gibt ja genug Computerläden.

P.S. Heute ist ein Paket von einem anderen Versender angekommen, das ich vor über einem Monat bestellt, am selben Abend aber noch storniert hatte, weil ein anderer (sehr großer) Fahrradversender sich eine Woche nicht gemeldet hatte, dann meine Stornierung ignorniert und das Paket doch noch versandt hatte. Auch der nächste Versender ignorierte meine Stornierung mit einer wirklich dämlichen Ausrede und dann blieb das Paket erst mal einen Monat beim Paketdienst liegen. Das wäre einen eigenen Blogeintrag wert, aber ich will niemanden mit redundanten Geschichten langweilen. Drei völlig verkackte Bestellungen innerhalb weniger Wochen, ich hab echt einen Lauf.


Aufregung über den Amazon Cyber Monday

30 11 2010

Gestern war bei Amazon der Cyber Monday, dabei wurden den ganzen Tag über insgesamt 30 Produkte zu unfassbar niedrigen Preisen angeboten. Nun brodelt der Volkeszorn und das ganze scheint Amazon heftig auf die Füße zu fallen. Doch warum eigentlich?

Kommen wir zuerst zu Amazons Fehlverhalten. Ich selbst habe (wie offenbar sehr viele andere) in dem Moment auf den Kaufen-Button geklickt, als er pünktlich zur vollen Stunde erschien und bin trotzdem leer ausgegangen. Dabei fiel auf, dass direkt nach meinem Klick ein AJAX-Request abgeschickt wurde, der anfangs immer mit einer 503er Fehlermeldung beantwortet wurde. Während unter dem Produkt für bis zu einer halben Stunde "Angebotsstatus wird geprüft" stand, wurde dieser AJAX-Request ca. alle 30 Sekunden wiederholt und enthielt (wenn er erfolgreich war) unter anderem jeweils den Verfügbarkeitsstatus des jeweiligen Produktes. Dort habe ich zwischenzeitlich bei mehreren Produkten einen Verkaufsstatus von um die 70% gesehen, bekommen habe das Produkt trotzdem nicht. Scheinbar war gar nicht das schnelle Klicken entscheidend, sondern, dass man einen Klick gemacht hat, der zufällig nicht gerade mit einem Überlastungsfehler beantwortet wurde. Warum nach meinem Klick 70% gemeldet bekommen habe, aber trotzdem leer ausgegangen bin, ist dann natürlich eine spannende Frage. Das ist aber gar das Problem, denn dass bei diesen Preisen Amazon nicht unerheblich draufzahlt, ist offensichtlich. Es ist also durchaus verständlich, dass Amazon da nicht größere Mengen von raus haut.

Was man Amazon aber sehr wohl vorwerfen kann, ist die mangelde Transparenz. Dass es sich hier um ein Lockvogelangebot handelt, hätte klar kommuniziert werden müssen. Hätte Amazon klar gesagt, dass es nur ein Kontingent von 10 oder 50 oder wieviel auch immer vom jeweiligen Produkt gibt, wäre jedem klar gewesen, dass es sich hier um ein reines Glücksspiel handelt. Tatsächlich aber wurde der Eindruck eines zwar bahnbrechend billigen, aber eben doch konventionellen Schnäppchenangebotes erweckt. Und für Schnäppchenangebote gelten in Deutschland strenge wettbewerbsrechtliche Regelungen, was die Verfügbarkeit der Angebote angeht. Media Markt, Saturn und Konsorten haben schon das ein oder andere gerichtliche Scharmützel in eben diesem Problemfeld geführt und eins ist klar: Lockvogelangebote, die nur einen nicht signifikanten Anteil der interessierten Kunden bedienen können, sind einfach nicht drin. Ich bin gespannt, ob jemand Amazon da rechtlich ans Bein pinkeln mag, aber verdient hätten sie es allemal.

Doch nun zu den wütenden Schnäppchenjägern. Es widert mich einfach an, wie mimosenhaft immer herumgeheult wird, wenn man bei einem Superschnäppchen mal leer ausgeht. Die Anspruchsdenke, die dahinter steckt, ist einfach peinlich. Es scheint so, als ob sich jeder Hinz und Kunz bereits in Besitz der günstigen Ware sieht, sobald der Preis bekannt ist. Auch wenn man Amazon mangelnde Transparenz vorwerfen kann und ein ordentlicher Frust durchaus verständlich ist, ist Captain Obvious hier einfach nicht zu übersehen: Bei 222€ für ein Motorola Defy (statt 310€ nächstbilligstem Preis bei Geizhals) und 180€ für eine Playstation 3 (statt sonst 300€) muss jedem sonnenklar sein, dass Amazon da ordentlich draufzahlt und nur sehr geringe Stückzahlen von anbieten kann. Man hätte bei der riesigen medialen Aufmerksamkeit um den Cyber Monday wahrscheinlich auch einfach Lotto spielen können. Man versucht es also mal, rechtet aber sowieso damit, leer auszugehen. Kein Grund, sich riesig aufzuregen, aber diese Schnäppchenjägermentalität schaltet offenbar die Vernunft aus.

Um das zusammenzufassen: Amazon hat sich den Shitstorm zwar redlich verdient (das hätte denen auch vorher klar sein müssen) und sollte durchaus auch angemessenen rechtlichen Ärger bekommen, aber den peinlich übertriebenen Schnäppchenjäger-Volkeszorn legitimiert das einfach nicht. Seinen Frust mitteilen, klar, aber öffentliche Boykottankündigungen sind an Peinlichkeit kaum noch zu toppen. Noch besser sind nur noch die Leute, die den betroffenen Produkten deswegen eine schlechte Bewertung geben. Als ob die Produkte da etwas für könnten.

JMStV, Atommüllprobleme, S21, diesen Wursttypen ist das alles egal. Aber wenn sie mal ein Schnäppchen nicht bekommen oder 1¢/kWh mehr für ihren Strom ausgeben sollen, ist die Aufregung groß. Was mich daran so stört, ist dieser kleingeistige Egoismus. Um mal auf Amazon zurückzukommen: Leute, die sich über entgangene Schnäppchen echauffiert haben, wählten auch CDU. Oder so, ihr wisst hoffentlich, was ich sagen will.


Plus, immer wieder

01 10 2009

Leeres Klopapierregal bei PlusDas ist der Grund, warum ich bei Plus immer wieder schöne WTF-Momente erlebe.

Großer LKW, kleine Einfahrt 1Und wo wir gerade bei Plus sind. Das passiert hier immer wieder vor der Tür und es ist immer wieder spannend, dabei zuzusehen.

Großer LKW, kleine Einfahrt 2Um die brennende Frage zu beantworten: Die Ecke der Einfahrt wird dabei recht häufig in Mitleidenschaft gezogen.


PIN und TAN aus der Hand geben

10 11 2008

Im Lawblog thematisiert Udo Vetter heute das grob fahrlässige System der Sofortüberweisung. Ich habe schon zwei mal mit größten Bauchschmerzen mit diesem System Bestellungen bezahlt und wollte immer mal was darüber schreiben. So denn.

Worum geht es also bei der Sofortüberweisung? Ähnlich wie bei PayPal wird man aus dem Bestellvorgang beim Online-Shop auf die Seite des Payment-Dienstleisters (sofortueberweisung.de und ich meine irgendwann noch einen weiteren gesehen zu haben) umgeleitet. Dort sieht man Details über die Bestellung im Online-Shop und tätigt dort die Zahlung. Bei der Sofortüberweisung gibt man dazu auf der Seite des Dienstleisters die eigene Kontonummer, die Bankleitzahl, den Kontoinhaber, die PIN und abschließend auch eine TAN ein. Der Dienstleister kontaktiert damit das Online-Banking der Bank und tätigt dort die Überweisung im Namen des Kontoinhabers. Hier stutze ich: Steht in den Nutzungsbedingungen der Banken nicht klipp und klar, dass man weder PIN noch TANs jemals einem Dritten überlasen darf? Sagt einem das nicht auch jeder Sicherheitsexperte? Für solche Vorgänge gibt es auch einen etablierten Namen: Phishing.

Das System ist also by Design ein Unding und läuft allen Bemühungen zur Phishing-Aufklärung zuwider. Warum wird es also von seriösen Online-Shops (mir fallen spontan conrad.de und cyberport.de ein) angeboten? Klar, es erweitert das System Vorkasse um die Möglichkeit der sofortigen Zahlungsbestätigung, das ist bequem für den Nutzer und den Anbieter zugleich. Aber zu welchen Kosten?

Ich rate dringend davon ab. Klar mag man dem Laden vertrauen, der sogar ein TÜV-Siegel trägt. Es ist ja nur ein Dienstleister und damit ist das ganze noch recht überschaubar. Aber was ist, wenn der nächste Laden einen anderen Dienstleister mit dem gleichen oder noch schlimmer einem nur ähnlichen System ins Spiel bringt? Was, wenn unseriöse Phisher sich eine beliebige neue Seite mit gefaketem TÜV-Logo bauen? Wer soll das unterscheiden können? Die Leute fallen ja schon auf schlecht gemachte Nachbauten ihrer eigenen Hausbank herein, die sie ganz gut kennen müssten. Und was, wenn die Daten bei dem Dienstleister nicht sicher sind? Soweit ich weiß, betreiben die kein Hochsicherheits-Rechenzentrum wie die Banken und stehen erst recht nicht für Missbrauch gerade. Ach ja: Für Bankkunden ohne PIN/TAN-Verfahren klappt das System schon mal gar nicht.

Das ist wie wenn man im Laden an der Kasse jemandem mit irgendeiner beliebigen Uniform ("Geldholservice" oder so) seine EC-Karte samt PIN in die Hand drückt, damit dieser beim Geldautomaten schnell Bargeld holen geht: Völlig irre, würde niemand machen (stimmt leider auch nicht). Die Bank kann sich bei solchem Missbrauch übrigens gemütlich zurücklehnen, immerhin hat man glasklar gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen.

Eingeschränkt gilt meine Kritik auch PayPal und Co., weil man dort ebenso kaum kontrollierbar auf eine Paypal-Seite weitergeleitet wird, die im Prinzip jeder nachbauen könnte und damit die Paypal Zugangsdaten ergaunern. Wer achtet schon auf Sicherheitszertifikate und eine korrekte URL. Paypal ist Phishing-Risiko pur.

Ach ja, ich habe die Sofortüberweisung schon zwei mal genutzt. Warum tue ich sowas, obwohl ich Kunden und Freunden davon abrate? Beide Male brauchte ich die Ware recht dringend und konnte daher nicht auf Vorkasse zurückgreifen. Nachnahme ist indiskutabel teuer und das Paket kann dabei auch nicht bei den nachbarn abgegeben werden. Und schließlich habe ich für mein Geschäftskonto keine Kreditkarte. Ach ja: Bei Conrad klappte übrigens die Zurückleitung in den Shop nach der Zahlung nicht (ich benutze Opera, da funktionieren die wenigsten Zahlungsdienste sauber), so dass ich die Bestellung nur mit einer erneuten Befüllung eines Warenkorbs mit anschließender Vorkasse-Bestellung und einer Mail an den Support korrekt abschließen konnte. Hölle!

P.S. Klar haben die Shops eine berechtigte Angst vor Rücklastschriften, aber die Sofortüberweisung kann keine Lösung dafür sein.


Die fehlenden Wii-Play Spiele

28 04 2008

Heute war bei schutzgeld.de eine Wii für 218€ drin, die natürlich sofort ausverkauft war. Aber schutzgeld.de wäre nicht schutzgeld.de, wenn sie nicht die Ware wunderschön beschrieben hätten. Dieses mal sogar mit zwei Videos, wovon eins die fehlenden Wii-Play Spiele zeigt. Sehenswert!


Hoffentlich ein letztes mal DRM

27 04 2008

Ich hab schon lange keine Lust mehr. Meine aufklärerische Arbeit (sichselbstwichtigmach) und die Arbeit vieler anderer zum Thema DRM hat ja offensichtlich gefruchtet: Das Thema DRM für Musikdownloads ist weitgehend durch. Spätestens wenn demnächst Amazon auch auf dem deutschen Markt am Start ist, wird DRM-Fesselmusik wie Steine in den virtuellen Regalen liegen. Gut so. Lasst Euch nicht verarschen!

Also kleiner Digest zu aktueller Presse: Die Musikindustrie hat einen offenen Brief an die Kanzlerin veröffentlicht, in dem sie rumheult und fordert, dass die Bundesregierung etwas tut. Ich frage mich, was sie denn noch tun sollen? Reicht Euch die aktuelle für die Konsumenten sehr unangenehme Lage noch nicht? René von Nerdcore hat alles, was dazu zu sagen ist, in eine offene Antwort verpackt. Ja genau. Was können die Konsumenten und die Regierung (die diese irgendwie schon noch vertritt) dafür, dass Euch Euer Geschäftsmodell wegbricht? Wollt ihr noch analog zum Kohlepfennig einen Musikpfennig haben? Das wär ja ne geile Idee! Da löst sich die Grundlage einer ganzen Industrie auf (was bei der Musik so einfach nicht stimmt), und der Staat muss Arbeitsplätze mit hohen Subventionen sichern. Kennt man ja.

Allein: Eure Probleme sind Hausgemacht. Die Kunden haben plötzlich das Zepter in der Hand. Und die Kunden wollen durchaus Musik und sie wollen auch durchaus dafür bezahlen, ehrlich! Die Welt ändert sich. Heult der Lebensmittel-Einzelhandel rum, dass der Trend zu Convenience-Produkten geht und kaum noch jemand einfach nur Mehl kauft oder die Brauereibranche, dass der Bierabsatz ins Bodenlose fällt? Nein, denn man kann sich auch als Industrie durchaus an veränderte Situationen anpassen: Kommt man bei Rewe rein, empfängt einen eine Convenience-Kühltruhe und im Bierregal stapeln sich zig verschiedene Biermixgetränke, denn die sind tierisch en vogue und verkaufen sich blendend.

Und was macht ihr? Statt den Konsumenten schon seit zehn Jahren Musik im bevorzugten MP3-Format zu verkaufen zu Preisen, die nicht über denen von CDs liegen (aus denen man sich übrigens ganz einfach und noch immer legal eigene MP3s machen kann), und zu Konditionen, die denen von Tauschbörsenmusik mindestens ebenbürtig sind. Sprich: Ein Album für 10 Euro ohne Fußfesseln. Im Spiegel-Online steht übrigens dieser Tage ein gut zusammengefasster Abgesang auf DRM: Microsoft lässt Playsforsure-Musik, die Kunden im msn Musicstore gekauft haben, einfach auslaufen. Ab Mitte des Jahres kann man diese Musik nicht mehr auf andere Rechner (etwa seinen eigenen neuen PC) umlizenzieren. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Nicht nur, dass man seine bezahlte Musik überhaupt umlizenzieren muss, wenn man sie auf seinen neuen Rechner kopiert. Nein, das reicht noch nicht: Man stellt diese Möglichkeit einfach ab und nimmt seinen Kunden die bezahlte Musik damit praktisch wieder weg. Nach maximal drei Jahren.

Zur Erinnerung: Selbstgerippte Musik zum gleichen Preis (inkl. CD) und kostenlos aus dem Netz kopierte Musik läuft ohne jedes Haltbarkeitsdatum einfach weiter, man ist also der Gefickte, weil man für Download-Musik bezahlt hat, obwohl man die gleiche Musik auch für lau aus dem Netz hätte ziehen können. Verkerhte Welt. Und dann heulen diese Leute unserer Bundesregierung die Ohren voll.

Mir ist das inzwischen gleichgültig: Ich habe schon lange meine Musikkäufe auf ein Minimum reduziert. Einer Branche, die so scheiße ist, gebe ich echt nur ungern irgendwelche Kohle. Gibt genug bessere Alternativen für mein beschränktes Medienbudget. Überhaupt: Wie vermessen ist das ganze eigentlich? Die Leute versenken ihr Medienbudget inzwischen schlicht woanders und die Musikindustrie will Schutz davor? Wie? Meinen die im ernst, die Leute kaufen wieder mehr Musik, wenn man rechtlich gegen sie vorgeht und das mit harten Bandagen? Ganz offensichtlich schmecken den Leuten die aktuellen Konditionen oder die Inhalte nicht mehr. Was macht man als Geschäftsmann: Man dreht genau daran. Naja, ist ja gut jetzt. Schönen Sonntag noch.


Hass Avocado

09 04 2008

Die Freundin meines Mitbewohners, die immer wieder explizit darauf hinweist, kein Goth und erst recht kein Emo zu sein, brachte neulich eine Avocado von Penny mit. Bemerkenswert an dieser Konstellation war folgender Aufkleber auf der Frucht:

Aufkleber: Black Sensation: Hass-Avocado
Kaum zu glauben, aber dieser Aufkleber klebte auf einer Avocado von Penny.

Zur Auflösung sei auf den Avocado-Eintrag in der Wikipedia verwiesen:

Bei der Hass-Avocado handelt es sich nicht um eine gezielte Züchtung, sondern um eine zufällige Mutation. Der Kalifornier Rudolph Hass fand den Baum in den 1930er Jahren in seinem Garten. Von diesem einen Baum stammen alle heutigen Hass-Avocado-Bäume ab, die in Israel, Kalifornien, Mexiko und Spanien angebaut werden. Die Hass ist kleiner als die Fuerte, rundlich und besitzt eine schwarze, dicke, warzige Schale. Sie wiegt zwischen 140 und 350 g und schmeckt aromatischer als die Fuerte.

Langweilig!


Spaghetti ganz schön teuer geworden

31 03 2008

Vor einiger Zeit habe ich mich an Spaghetti überfressen und seitdem keine mehr gekauft. Heute habe ich mal wieder eine Packung gekauft und musste ziemlich schlucken: Die Billigspaghetti kosten 55¢ statt vorher 29¢, alle anderen Sorten kosten 1,09€ aufwärts. Barilla kostet sogar 1,39€ für 500g. Krasse Steigerung. Der Witz ist, dass die De Cecco-Sorten nicht teurer geworden sind und jetzt nach den Billigspaghetti und noch vor der besseren Rewe Handelsmarke die zweitbilligsten Spaghetti bei Rewe (in Benrath) sind. Obwohl… genau genommen eigentlich nicht, denn Spaghetti gibts da gar nicht von De Cecco, sondern nur Linguine und Vermicelli. Faszinierend; und schön eigentlich, denn De Cecco Linguine sind sowieso meine Lieblingsnudeln.

Witzig auch in dem Zusammenhang: Plus hatte zwischenzeitlich die 29¢ Spaghetti durch eine 59¢/1kg Packung ersetzt und das Sortiment nach unten durch eine 15¢/250g "Für den kleinen Kauf" Packung abgerundet. (Wahrscheinlich) da 1kg nun aber plötzlich mehr als einen Euro gekostet hätte, haben die die 500g-Packung kurzerhand wieder eingeführt. 1kg waren aber auch unpraktisch zu handhaben.


Yet another Energy-Drink

28 03 2008

Beim shopblogger stieß ich auf einen weiteren Energy-Drink. In meiner Pubertät (so um 1996 rum) habe ich Energy-Drinks, die damals ganz neu waren, vergöttert. Ich kannte sie alle, zumindest die, die man in Garath/Hellerhof bzw. in der Düsseldorfer Innenstadt auftreiben konnte. Auch hatte ich eine Dosenpyramide mit den leeren Dosen in meinem Zimmer. Getrunken habe ich sie alle – natürlich nicht auf Partys (mit 14), sondern – beim abendlichen/nächtlichen Abhängen auf dem Aldi-Parkplatz mit den CB-Funkern. Gruselige Zeit, wenn ich so darüber nachdenke. Nachdem ich eine Frau abbekommen hatte, habe ich mir das Abhängen mit den kaputten Typen geschenkt.

Aus der Zeit weiß ich, dass diese Energy-Drinks im Grunde alle zu 95% gleich schmecken und so wundere ich mich doch sehr, dass immer noch von Zeit zu Zeit neue Drinks am Markt auftauchen – in der gleichen Dose mit gleichem Geschmack und reichlich überteuert. XL-Energy ist also einer dieser neuen Drinks und etwas billiger als die Platzkuh. Doch dieser Drink unterscheidet sich durch seine Website. Zuerst muss man auf der Startseite folgenden Text abnicken:

Diese XL ENERGY DRINK Webseite richtet sich ausschließlich an Kunden in Deutschland und der Schweiz. Daher darf die Website nur von diesen Ländern aus aufgerufen werden. Bei Anklicken von "--> WEITER" garantieren Sie, dass Sie die Website aus den genannten Ländern aufrufen.

Huch? Was ist denn das peinliches? Sowas kenne ich von Pornoseiten auf unkontrollierten Länderdomains wie .to, also was erwartet einen da wohl? Nichts. Also schon etwas: Eine grafisch weniger anspruchsvolle Flash-Seite mit den üblichen Produktinformationen und einem zuckenden Blitz, also eher von der peinlicheren Sorte. Was soll man auch sonst da rein schreiben bei einem Produkt, dass generischer kaum sein könnte? Das Ding ist ein Energy-Drink und geeignet für Sport und Party, und es gibt Party-Pics für die junge Zielgruppe, weil die doch immer voll auf Party-Pics abfahren. Werbekonzept für Partyprodukte die 1001ste. Naja, eben genau so austauschbar wie das Produkt selbst. Also ab in die FAQ. Und da finde ich gleich noch eine weitere Überraschung, nämlich folgende Frage: Ist XL-Energy koscher? Na sowas. Wenn ich darüber nachdenke wirklich eine gute Frage, auch wenn ich sie von mir aus nie stellen würde. Aber für den ein oder anderen ist genau diese Frage entscheidend für das ganze Leben. XL-Energy verfügt übrigens über ein Koscherzeugnis; ich wusste nicht mal, dass es sowas gibt.

Fazit: Da das Zeug ein Energy-Drink wie jeder andere ist und das Koscherzeugnis für mich nicht relevant ist, hinge meine Kaufentscheidung wieder mal fast nur vom Preis ab. Für 79¢ würd ichs nehmen sag ich mal so. Bei gleichem oder ähnlichem Preis (Stichwort Preiselastizität) wie die Konkurrenz würde ich das coolere Produkt bevorzugen und da gewinnt Red Bull deutlich. Und für 99¢ bekommt man ja schon den abgefahrenen Conrad-Batterie-Energy-Drink, der seine Coolness aus der Bescheuertheit bezieht.


Rosenmontag ist Anschaffungstag

04 02 2008

Heute waren wir bei IKEA, um einen neuen Wasserhahn für die Küche zu kaufen und nach Stühlen zu schauen, die nicht zusammenbrechen, wenn Gäste darauf sitzen. Was uns nicht klar war: Rosenmontag arbeiten viele Leute nicht und besonders bei so einem Scheißwetter wie heute feiern sie auch nicht Karneval. Was also tun mit der Freizeit? Natürlich größere Anschaffungen tätigen, wo man sonst nicht zu kommt: IKEA. Ich habe den IKEA in Düsseldorf noch nie so voll gesehen. Parkplatzeinweiser lassen einen nicht in die Garage und schicken einen in die dritte Etage des Parkhauses. Da hatten wir natürlich keine Lust drauf und sind wieder gefahren, was übrigens alleine schon eine Viertelstunde gedauert hat, um vom Parkplatz wieder runter zu kommen. Da hatte ich wirklich nicht mitgerechnet, aber schön zu sehen, dass man nicht der einzige Karnevalsvermeider in der Stadt ist…