Windows Home Server 2011 auf dem Lenovo D400

22 09 2011

Ich habe sehr gute Erfahrungen mit meinem Lenovo D400 Windows Home Server gemacht, der bei mir als NAS und Backup-System dient. Als NAS leistet er gute Dienste, weil er Daten mit über 50MB/s anliefern kann und sich vor allem mit dem Add-In LightsOut automatisch in den Stand-By begibt, wenn kein Rechner an ist und auch wieder aufwacht, wenn es was zu tun gibt. 30W rund um die Uhr mitlaufen lassen ist nicht so nach meinem Geschmack.

Viel besser aber ist die automatische Datensicherung meiner Windows-Rechner. Täglich wird im Hintergrund eine Datensicherung gemacht, die sogar einstellbar weit in die Vergangenheit zurückversioniert. Versehentlich irgendwelche wichtigen Daten gelöscht, fällt aber erst zwei Monate später auf? Kein Problem, einfach eine der älteren Sicherungen öffnen und die Daten wieder rausfischen. Das ganze ist sogar recht Datensparsam, weil identische Daten nur einmal gespeichert werden. Fünf Rechner mit Windows 7 mit je 20 Versionierungsständen sichern die identischen Systemdateien also nur einmal und nicht hundertfach. Das ganze geht ohne irgendwelches Zutun der User, genau so, wie man sich das wünscht. Die tägliche Sicherung bremst den Rechner auch nicht übermäßig aus, man muss keine Programme beenden und sie dauert meist nur wenige Minuten. So ists recht.

Der erste Windows Home Server unterstützte ein auf den ersten Blick cooles Feature namens Drive Extender, bei dem die Freigaben automatisch auf alle angeschlossenen Festplatten verteilt wurden. Praktisch, weil man dann beliebig Festplatten nachstecken konnte und die Freigaben einfach mitwuchsen. Man konnte sogar pro Freigabe anweisen, dass die Daten auf mindestens zwei Platten vorhanden sein sollen, falls mal eine ausfällt. Der Nachfolger Windows Home Server 2011 hat dieses Feature einfach gestrichen, was einerseits ärgerlich ist, andererseits aber einen guten Grund hat: Stimmt mit dem Drive Extender irgendwas nicht, wird die Sache haarig. Genau das ist uns bei einem Home Server passiert (nicht bei meinem zu Hause), wir mussten also die Daten manuell (an einem anderen Rechner) von den beiden Platten zusammenkopieren und den Server komplett neu aufsetzen. Dabei sind etliche Daten abhanden gekommen, die wir auf dem System abgelegt hatten, nachdem der Drive-Extender-Dienst nicht mehr gestartet werden konnte. Ärgerlich, aber immerhin ist uns der Defekt früh genug aufgefallen. Da der Drive Extender offenbar sogar Microsoft zu mulmig ist und wir Ärger damit hatten, haben wir die Gelegenheit ergriffen, auf dem Lenovo D400 direkt mal den neuen WHS 2011 aufzuspielen. Die Lizenz kostet nur noch 40€, das ist ein überschaubares Investment.

In einer der letzten c't-Ausgaben gab es eine Anleitung, wie man den Acer easyStore H340 auf den WHS 2011 migriert, die man vollständig analog auch für den Lenovo D400 anwenden kann (er ist mit den H340 weitgehend baugleich). Man findet aber auch im Netz genug Anleitungen, die den Vorgang erläutern. Kurz gesagt: Ein USB-Stick mit diskpart bootbar machen, den Inhalt der Windows Home Server 2011 DVD da drauf kopieren, eine cfg.ini-Datei mit bestimmten Einstellungen für die bedienungslose Installation darauf ablegen, geleerte Platte in den untersten Slot stecken, den Stick in einen der hinteren USB-Slots stecken, Server anschalten, eine Stunde dem lustigen Blinken zusehen, fertig. Alternativ kann man für 15€ ein Slotblech mit VGA-Buchse bei eBay kaufen und die Installation interaktiv durchziehen, das Ergebnis ist identisch, denn auch dabei kann man die später unabänderliche Arbeitsgruppe "WORKGROUP" nicht ändern (habe ich danach an meinem eigenen Lenovo D400 ausprobiert). Damit muss man also leben.

Nach der Installation muss man den neuen Home-Server-Connector auf allen Clients aufspielen und eine neue (verbilligte) LightsOut-Lizenz muss auch her), alles nicht grundlegend neu. Erwähnenswert ist, dass der Ersatz für den Drive Extender in meinen Augen viel besser ist: Der Home Server wendet die Clientsicherungstechnik einfach auch auf sich selbst an und macht zweimal täglich eine Datensicherung von wählbaren Ordnern auf die zweite Platte, die wahlweise auch eine externe Platte sein darf. So hat man als Benefit auch eine Versionierung der gesicherten Freigaben, was ein Vorteil gegenüber der kaputten Situation ist, dass Freigaben auf dem Server jede versehentliche Löschung gleich auf alle Platten verteilt.

Leider fällt einem schnell auf, dass der Stand-By-Modus nicht funktioniert. Eine kurze Recherche später hatte ich die Lösung: Man muss die ganzen Intel-Treiber installieren, dann darf man endlich einen Stand-By auslösen. Leider wacht der Server immer sofort wieder auf, also noch weiter suchen: Es fehlt noch ein Treiber für die LED-Ansteuerung. Also mit folgenden Treibern läuft bei mir auch der Stand-By mit dem Lenovo D400, man braucht dazu:

  • Den Intel Grafiktreiber für den 945er Chipsatz (bei mir Version 15.12.75.4.64.1930 für Windows 7 64-Bit : "Treiber für Intel® Grafik-Media-Beschleuniger für Windows* 7 64")
  • Den Intel ICH7 RST-Treiber (bei mir Version 10.1.0.1008 vom 15.12.2010 für Windows Server 2008 R2 Standard: "Intel® Rapid-Storage-Technik")
  • Das Intel INF-Update-Utility (bei mir Version 9.2.0.1030 vom 21.04.2011: "INF-Update-Utility - Hauptsächlich für Intel® 6er, 5er, 4er, 3er und 900er Chipsätze")
  • Den Marvell Yukon 88E8071 Treiber für Windows Server 2008 R2 64 Bit (bei mir Version 11.41.3.3 vom 17.02.2011)
  • Den LED-Treiber von einem großartigen engagierten Entwickler, den man in diesem Forum bekommt. Wichtig ist, nach der Installation in der Konfigurationsdatei den Hardware-Erkennungsmodus auf den Acer H340 zu zwingen, sonst wird der D400 nicht erkannt. Readme lesen!

Etwas über 50€ und ein Arbeitstag später hat man also einen aktuellen Windows Home Server ohne fehleranfälligen Drive Extender auf der alten und sehr günstigen Hardware. Wer unbedingt die Drive-Extender-Features haben will, kann eins der beiden verfügbaren Add-Ons benutzen, aber ehrlich gesagt ist mir das zu gefährlich und ich komme mit dem aktuellen Modus super klar: Schlicht, stabil und von überschaubarer Komplexität, beim Thema Storage mache ich keine Experimente mit reingefummelten Tricksereien.

P.S. Die versionierten Clientsicherungen gehen bei der Umstellung natürliuch flöten und die Daten in den Freigaben muss man auch in irgendeiner Form sichern und später wieder aufspielen. Ich hatte es bei meinem eigenen Server leicht, denn alles passte auf die Systemplatte, so dass ich die nach dem Entfernen der zweiten Platte im alten Home Server einfach rausziehen und mit allen Daten drauf beiseite legen konnte. Nach der Installation auf den nun freien zweiten Platte (im untersten Slot) konnte ich die Daten einfach umkopieren und die alte Systemplatte als Sicherungsplatte einrichten.


Das größte Problem mit Tablets: Vertraulichkeit

25 08 2011

Seit gestern bin ich stolzer Besitzer eines HP TouchPad, das ich mit etwas Glück für 99€ bekommen habe. Viel kann ich dazu noch nicht sagen, aber eins ist mir wieder schmerzhaft aufgefallen, was alle Tablets gleichermaßen betrifft: Es gibt ein Problem mit der Vertraulichkeit.

Bei Smartphones ist die Sache noch einigermaßen klar: Niemand bei Verstand gibt das Ding unbeobachtet aus der Hand, weil man darauf in allen Apps und Webdiensten permanent eingeloggt ist und damit Missbrauch Tür und Tor geöffnet ist. Mails, Twitter, Facebook, Kalender, Google+ und alle anderen Google-Dienste, wasauchimmer, überall ist man eingeloggt und jeder, der das eigene Gerät entsperrt in die Finger bekommt, hat Zugriff auf ungefähr alles private.

Und bei den Tablets? Ein Tablet ist nicht immer am Mann, liegt wohl meistens unbeobachtet irgendwo in der Wohnung herum und wird wohl so gut wie immer von der Familie und Gästen mitgenutzt. Was also tun? Immer überall ausloggen? Unkomfortabel. Sensible Dienste wie E-Mail gar nicht benutzen? Dafür hat man kein Tablet gekauft. Und was bleibt überhaupt – außer Spielen und sonstiger Unterhaltung – wenn man alle sensiblen Dienste vermeidet?

Es gibt prinzipiell zwei Lösungen, die beide irgendwie unbefriedigend sind. Entweder man kauft für jeden ein eigenes Tablet – darauf wird es mittelfristig hinauslaufen – und sperrt es genau so, wie man sein Smartphone sperren würde, hätte man es nicht sowieso immer dabei. Oder die Tablet-Entwickler bringen das Killerfeature Mehrbenutzermodus an den Start, so dass jeder sich sein Benutzerkonto mit Mails, Favoriten, Login-Cookies, Social-Media-Apps und alledem einrichten kann. Darauf warte ich noch.

Bis dahin bleiben die sensiblen Dienste auf meinem Telefon und das Tablet bekommt nur seichte Kost.

P.S. Ich vertraue meinen Mitmenschen durchaus und gehe davon aus, dass die meisten genug Anstand besitzen, die Finger von persönlichen Daten zu lassen. Aber auch mir ist schon passiert, dass gute Freunde auf Partys an meinem Rechner sitzen und einen Blick in meine Eigenen Dateien und meine eMule-History werfen, auf der Suche nach entlarvenden Porn-Suchbegriffen oder wonach auch immer. Seitdem lasse ich Gäste nicht mehr an meinen Rechner, wenn ich nicht daneben stehe. Die können mein Gäste-WLAN benutzen, meinen HTPC, den Laptop in der Küche oder neuerdings mein TouchPad, auf dem ich nirgends eingeloggt bleibe.


Keine Webcam

12 07 2011

Zuletzt angesichts von Google+Hangout frage ich mich immer wieder die gleiche Frage: Wieso habe ich eigentlich keine Webcam? Genau genommen habe ich ja eine Webcam, eine Phillips ToUCam aus den 90ern, die damals teuer war, weil sie Bewegtbild mit 640x480 verarbeiten konnte. Die liegt als Dauerleihgabe irgendwo rum, denn die produzierten Bilder sind derart schlecht, dass ich das wirklich niemandem zumuten mag.

Weil ich aber theoretisch eine Webcam habe und auch irgendwie nur sehr vereinzelt mal ernsthaft Bedarf für Webcam-Sex (oder was man sonst so mit Webcams macht) hatte, habe ich tatsächlich in den vergangenen 13 Jahren nie eine gute Webcam gekauft. Und ebenfalls seit 13 Jahren denke ich immer wieder, dass ich doch mal eine ordentliche Webcam kaufen sollte, vielleicht kommt der Appetit ja beim Essen oder so. Nur was für eine? Ich bin kein Freund von billigem Scheiß und will immer alle Features haben, aber 50-100€ für etwas ausgeben, das man eigentlich nicht braucht, ist dann auch etwas viel. Und dann ist auch noch die Auswahl groß. Was für ein Dilemma.


Die Android-Lücke als Chance

18 05 2011

Zur Zeit wird überall über eine Sicherheitslücke in Android-Smartphones berichtet, dazu ein paar Worte. Zuallererst: Wirklich peinlich, dass das sogar Googles Hausapplikationen betrifft, bin von denen mehr Sorgfalt gewohnt. Beschämend. Das grundsätzliche Problem betrifft aber bei weitem nicht nur Android, sondern liegt im allgemein viel zu sorglosen Umgang mit unverschlüsselten Netzzugängen. Wer ein unverschlüsseltes WLAN benutzt, was auf die meisten öffentlichen Hotspots zutrifft, muss sich um eine Verschlüsselung seiner Nutzdaten selber kümmern. Das ist nicht neu, die Firefox-Erweiterung Firesheep hat das vor ein paar Monaten schon eindrucksvoll demonstriert: Man kann es sich in Funkreichweite eines öffentlichen WLANs bequem machen, Firesheep anwerfen und bequem alle eingeloggten (und unverschlüsselten) Facebook-Sessions der Nutzer in Funkreichweite mitlesen und – besonders beeindruckend – übernehmen. Facebook hat, etwas halbherzig, reagiert und den Nutzern die Möglichkeit an die Hand gegeben, sich nur per SSL verschlüsselt bei Facebook zu bewegen, das muss man aber erst (in den Kontoeinstellungen unter KontosicherheitSicheres Durchstöbern (https)) aktivieren und außerdem funktionieren einige Seiten und Apps mit Verschlüsselung schlicht nicht.

Das besonders unangenehme an der aktuellen Android-Situation ist nun, dass die Nachlässigkeit in den zentralen Google-Apps zur Kalender-, Kontakte- und Picasa-Synchronisation stecken. Die meisten Android-Apps lassen sich über den Market aktualisieren, das Problem wäre binnen kürzester Zeit behoben, alles wäre gut. Das passiert übrigens tatsächlich in etlichen Apps auf allen Plattformen und ist ein länger diskutiertes Problem, vor allem, wenn es um Banking-Apps und ähnliche geht. Leider gehören die jetzt betroffenen Apps aber zum Betriebssystem und lassen sich nur durch ein Android-Update auf die ganz aktuelle Version beheben, die für viele ältere Geräte gar nicht kommen wird und für halbwegs aktuelle Geräte vielleicht irgendwann. Wie gesagt, sehr sehr peinlich, dass Google ausgerechnet da so geschlampt hat.

Aber sehen wir es mal positiv und leiten drei Hoffnungen daraus ab:

1. Die Leute gehen nun hoffentlich angemessen kritisch mit offenen WLANs um. Man wird ja noch mal träumen dürfen. Aber im Ernst: Die Sorglosigkeit der Nutzer im Umgang mit öffentlichen WLANs hat mich schon immer gewundert. Wer auf einem Notebook irgendetwas ohne Verschlüsselung benutzt ist irgendwie auch selber schuld. Es sei denn, man kann keine Verschlüsselung aktivieren, dann ist ganz klar der Hersteller schuld. Das ist ähnlich unbedarft, wie seine Passwörter auf irgendwelchen dahergelaufenen Internet-Café-Rechnern einzugeben. Kurz gesagt: Bleiben lassen.

2. Die Gerätehersteller veröffentlichen nun hoffentlich endlich regelmäßig und zeitnah die von Google bereitgestellten Updates. Die Absichtserklärung dazu ist ja unlängst von etlichen Herstellern und Netzbetreibern abgegeben worden, aber Android braucht darüber hinaus eine Möglichkeit, Sicherheitsupdates auch ohne neue Hauptversionen zeitnah einzuspielen, vorzugsweise automatisch. Alles andere führt zur jetzt so unangenehmen Situation. Also ist hier ganz klar Google in der Verantwortung. Aber auch die Kunden: Kauft einfach keine Android-Telefone bei Herstellern, die für nicht mal ein Jahr alte Geräte schon keine Updates mehr liefern.

3. Die App-Entwickler könnten das als Denkanstoß benutzen, endlich nur noch verschlüsselte Kommunikation zu verwenden. Unverschlüsselte Kommunikation auf mobilen Geräten ist ein No-Go, ganz besonders, wenn Session-Tokens oder Zugangsdaten übertragen werden. Das ist nicht neu, aber scheinbar nicht mal bis zu Googles Android-Programmierern vorgestoßen.

Abhilfe in der konkreten Situation schafft übrigens einfach der Verzicht auf unverschlüsselte WLANs. Die sind leicht daran zu erkennen, dass man kein Passwort direkt beim Verbindungsaufbau eingeben muss (unabhängig davon, ob man sich danach im Browser mit irgendeinem Code einloggen muss). Alternativ kann man die Synchronisation von Kontakten, Terminen und Picasa-Bildern erst mal abschalten, bis man ein Update bekommen hat. Vielleicht überdenkt man sowieso mal, ob die Synchronisation von Kontakten und Terminen mit einem Cloud-Anbieter generell eine so gute Idee ist.

P.S. Auch in verschlüsselten WLANs können unverschlüsselte Nutzdaten abgefangen werden. Das ist zwar weniger wahrscheinlich, aber wer weiß, ob der Betreiber eines WLANs nicht allen Datenverkehr aufzeichnet oder die Daten auf dem Weg durch das Internet irgendwo abgefangen werden. Eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sollte also unabhängig von eventueller Verschlüsselung auf einem Teil des Transportweges erfolgen.

So, genug erhobener Zeigefinger. Weitermachen.


5 Monate mit dem Dell Streak - Eine Grabesrede

07 05 2011

Nachdem ich dreieinhalb Monate mit einem hässlichen Sprung im Display meines Dell Streak gelebt habe (mehr dazu hier), habe ich mich doch mal getraut, ein Ersatzdisplay für 60€ inkl. Versand in Hong-Kong zu bestellen. Das kam heute und ich habe mich natürlich sofort an den Einbau gemacht. Im Internet gibt es gute Anleitungen (Streak auseinanderbauen und Streak Display tauschen) und das nötige Werkzeug war beim Ersatzdisplay dabei, sollte also schaffbar sein. Ist es auch, nur leider kommt auf dem Display nun kein Bild, was sich sicher mit einem erneuten Auseinanderbauen beheben ließe. Das spare ich mir aber, denn beim fummeligen lösen der Klebestellen habe ich leider auch die Anbindung der Funktionstasten (Home, Zurück, Menü) abgerissen, was sich nicht ohne weiteres fixen lässt. Mist, ein teures Grab nach nur fünf Monaten.

Ich könnte nun für 340€ inkl. Versand einfach ein neues Streak bestellen, aber ich habe mich für ein HTC Desire HD für 404€ inkl,. Versand entschieden. Warum? Nach meinem sehr positiven Ersteindruck kann ich nun ein paar weitere Eigenschaften des Streak aufzählen, die mitunter durchaus lästig sind.

Mein Gerät war wohl ein Montagsgerät und hatte von Anfang an die Macke, dass es bei leichtester mechanischer Belastung einfach neustartete. Das ließ sich auf ein Minimum reduzieren, indem ich die beiden Kontakte des Akkudeckels mit einem kleinen Draht kurzschloss. Fummelig, aber funktionierte meistens. Trotzdem startete es gelegentlich beim in die Jackentasche stecken einfach neu, was wahrscheinlich daran lag, dass ich das Drähtchen nur um die Kontakte gewickelt und nicht festgelötet hatte. Insgesamt verschmerzbar, aber jedes Mal ein Stich ins Besitzerherz.

Ärgerlicher war da schon, dass das riesige 5"-Display ein unhandlich großes Gerät bedingt. Am wenigsten stört mich das beim Telefonieren, selbst wenn ich nicht, wie unterwegs fast immer, mit dem Headset telefoniere. Das sieht halt doof aus, funktioniert aber prima. Im Winter war das alles auch kein Problem, denn meine Jackentasche ist groß genug. Jetzt bei gutem Wetter aber merke ich, dass ein so großes Gerät in der Hosentasche schon aufträgt. Das wäre auch noch OK, wenn ich mir dabei nicht Sorgen um die mechanische Belastung machen würde, denn ein Bein ist nun mal rund und Hosentaschen eng. Auch verschmerzbar, denn auf 5" surft es sich hervorragend. Auch als Navi in der mit 45€ nicht ganz billigen Autohalterung hat es sich hervorragend gemacht. Leider kann man 5" nicht sinnvoll hochkant betreiben, weil es dann für zwei Hände zu schmal, für eine Hand aber zu breit ist. 5", einen Tacken zu groß.

Mit dem Transport in der Hosentasche kommt aber noch ein lästiger Aspekt meines Geräts ins Spiel: Wenn ich es nah am Körper mit dem Display zum Körper hin transportiert habe, reagierte danach der Touchscreen für ein paar Sekunden bis Minuten nicht oder nur seeehr sporadisch. Entsperren oder Gespräche annehmen ging dann nicht. Auch damit konnte ich leben, indem ich es – riskant, riskant – nur mit dem Display vom Körper weg transportiert habe. Ich glaube, die Körperwärme war hier das Problem.

Das war noch nicht alles: Der Kopfhörerausgang rauscht so laut, dass Musik auf leisestmöglicher Einschlaf-Lautstärke gerne mal vom Rauschen überdeckt wird. Wenigstens ist das ein angenehmes unauffälliges Rauschen, damit konnte ich also auch leben. Ich weiß nicht, ob der letzte Punkt alle Android-Telefone betrifft, aber gelegentlich haben vor allem Google Maps und manchmal auch der Browser das Telefon so ausgelastet, dass die Musik stark stotterte und das Telefon fünf Minuten lang gar nicht mehr reagierte, auch nicht auf das Pause-Kommando für die Musik, die derweil weiterstottert. Das kam zwar nicht so häufig vor (alle zwei bis drei Wochen mal), aber das war der für mich nervigste Aspekt an der ganzen Streak-Experience. Irgendwas lag da im Argen.

Das alles sind neben den im Ersteindruck beschriebenen Lästigkeiten wie dem PDMI-Ladeanschluss gute Gründe, nicht erneut ein Streak zu kaufen. Momentan 340€ inkl. Versand sind zwar überschaubar und mein Car-Kit war auch nicht billig, aber die Gefahr, wieder so ein Montagsgerät zu bekommen, ist gegeben und die anderen Kritikpunkte hinterlassen in der Summe ein lediglich gemischtes Bild. Den endgültigen Todesstoß hat sich Dell aber selber gegeben, denn das Service-Angebot für einen Display-Tausch in Höhe von 350€ ist eine unfassbare Dreistigkeit, ich bin deswegen immer noch nachhaltig sauer auf Dell. Dass ein Display mal kaputt geht passiert, besonders, wenn es mit 5" eine so große Angriffsfläche bietet. Dass aber eine Reperatur fast den Neuwert erreicht bzw. inzwischen sogar darüber liegt, ist schlicht nicht zu rechtfertigen. Keine Ahnung, ob HTC das anders handhabt, aber Dell hat mich diesbezüglich schwer enttäuscht.

Trotzdem mochte ich mein Streak und bin ein wenig traurig, dass es mich nur fünf Monate begleiten durfte. Alles in allem ein tolles Gerät mit dem besonderen Etwas. Ruhe sanft.

Ein Desire HD kaufe ich übrigens deswegen, weil ich nach den Erfahrungen mit einem 5" Gerät ein 4,3" Display für den Sweet-Spot halte. Zudem war ich mit meinen bisherige HTC-Geräten soweit sehr zufrieden, weil sie aus dem miesen Windows Mobile noch einiges herausholen konnten und die Hardware stets sehr robust und gut verarbeitet war. Auch das Desire, das ich neulich gekauft habe, gefällt mir richtig gut, die Sense-Oberfläche macht richtig Spaß. Das Google Nexus S war ein weiterer heißer Kandidat und mit 340€ sogar deutlich günstiger. Vor allem aber kommen da regelmäßig und zeitnah Android-Updates. zudem mag ich das leicht nach innen gebogene Display. Aber das 4,3" Display hat dann doch das Rennen gemacht.

P.S. Die Tage wird das Car-Kit bei eBay auftauchen und auch das defekte Gerät (mit dem nagelneuen Tauschdisplay), wenn ich weiß, ob und wie ich es löschen kann. Wer vorher zuschlagen will, meldet sich, ich mache einen fairen Preis.


Ode an den vollelektronischen Durchlauferhitzer

25 01 2011

Ich bin in Düsseldorf-Garath aufgewachsen. Das bedeutet vielerlei, unter anderem dass bis 1988 diese Elektrobusse mit Batterieanhänger zu den Eigenarten meiner frühen Kindheit gehörten. Das aber nur nebenbei.

Im Hauptteil von Garath, der in den 1960er Jahren gebaut wurde, wird die Heizungs- und Warmwasserversorgung über ein Heizkraftwerk und Fernwärmeleitungen abgewickelt. Warmes Wasser kam bei uns also genau so selbstverständlich, stabil und unerschöpflich aus der Leitung, wie anderswo Strom und Gas. Das Problem der Warmwasserbereitung war mir also meine ganze Jugend lang völlig fremd. Nur in Urlauben oder wenn man anderswo bei Freunden übernachtet hat, bekam man mitunter einen Hauch davon mit, dass stabil warmes Wasser für andere gar nicht so selbstverständlich ist. Meine Eltern zogen dann irgendwann um, das Warmwasser wurde dort (Neubau aus den 1990ern) mit hochwertigen hydraulischen, bald darauf dann (voll-)elektronischen Durchlauferhitzern erzeugt. Der Komfort stieg damit noch mal, weil man nun ohne langwierige Mischerei seine Wunschtemperatur präzise einstellen konnte.

Dann zog ich aus und erlebte in den letzten beinahe 10 Jahren in verschiedenen Wohnungen immer wieder die Schattenseiten schlechter hydraulischer Durchlauferhitzer: Kein stabiles warmes Wasser. Immer lag der Wasserdruck in der Dusche nur gerade eben hoch genug, dass der Durchflusssensor auslöste und man warmes Wasser bekam. Mischte man nun etwas kaltes Wasser hinzu, um nicht kaputt zu gehen (ich bin da sehr empfindlich), oder betätigte im Haus jemand die Klospülung, fiel der Wasserdruck häufig weit genug ab und man bekam einige Sekunden später eine erfrischende kalte Dusche. Zudem musste man ständig nachregeln, weil die Temperatur auch ohne wechselnden Wasserdruck selten stabil hinzubekommen war. Etwa die Hälfte der Leute, mit denen ich darüber spreche, kennen das Problem, die anderen nicht. Scheinbar habe ich in den drei Wohnungen einfach Pech gehabt.

Seit ich also bei meinen Eltern ausgezogen bin, wünsche ich mir einen elektronischen Durchlauferhitzer. Nun haben wir endlich mal einen Batzen Geld in die Hand genommen und uns Abhilfe verschafft: Ein vollelektronischer Durchlauferhitzer von Stiebel Eltron. Selten habe ich das Gefühl gehabt, 500 Euro derart Lebensqualitäts-steigernd angelegt zu haben. Aber auch energetisch ist das gut angelegtes Geld. Die Vorteile muss ich mal alle aufzählen:

Wasser teuer mit Strom auf 40, 50 oder wieviel Grad auch immer aufzuwärmen, um es dann durch Beimischung von unsinnig viel kaltem Wasser wieder auf erträgliche Temperaturen abzukühlen, ist eine unfassbar unsinnige Energieverschwendung. Schon allein aus diesem Grund gehören ungeregelte Durchlauferhitzer verboten. Der vollelektronische Durchlauferhitzer heizt warmes Wasser nur so weit auf, wie man es gerade benötigt, was wirklich viel Energie einspart.

Das warme Wasser voll aufdrehen zu müssen, um überhaupt warmes Wasser zu bekommen, ist eine noch größere Verschwendung, selbst wenn man noch kein kaltes Wasser beimischen muss, weil die Temperatur zufällig stimmt. Je mehr Wasser erhitzt werden muss, desto mehr Energieeinsatz ist nötig. Der vollelektronische DH fängt schon bei einem kleinen Rinnsal an zu arbeiten. Man muss nicht immer gleich 7l/min erwärmen, für viele Zwecke tun es auch 3l/min. Der Eco-Modus von besseren Geräten macht auch genau das: Er reduziert die Durchflussmenge künstlich auf einen einstellbaren Wert, um Wasser und Strom zu sparen. Wer Familienmitglieder hat, die das Warmwasser immer stur voll aufdrehen, kann damit prima gegenregeln. So ein vollelektronischer DH zeigt sogar die verbrauchte Energie in kWh an. Da sieht man mal, dass eine nicht allzu große und nicht allzu heiße Wanne locker 1,50€ Stromkosten verursacht. Sich dessen bewusst zu sein, hilft einem vielleicht beim verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen.

Neben der Energieersparnis handelt man sich auch noch einen eklatanten Komfortgewinn ein. Das Gerät hält die eingestellte Temperatur auch unter widrigen Bedingungen präzise ein. Klospülung der Nachbarn? Warmwasserbezug in der Küche? Generell schwankender Wasserdruck? Alles kein Problem für den, der duscht. Ein Ticken zu kühl? Kein Problem, denn dank der Funkfernbedienung lässt sich die Temperatur direkt von der Dusche aus nachregeln, selbst wenn das Gerät in der Küche unter der Spüle hängt. Kein nasses durch die Wohnung schlappen mehr, weil der DH mal wieder auf Stufe II steht und Wasser erzeugt, mit dem man auch Tomaten pellen könnte. Man kann sogar eine Maximaltemperatur einstellen, über die hinaus man das Gerät nur einstellen kann, wenn man im Menü herumfrickelt. Gut, wenn man Kinder hat oder einfach ich ist.

Der Umbau ist schnell gemacht, wenn man Glück hat, muss man nicht mal bohren oder das Wasser für das ganze Haus abstellen. Wir haben das von einem Sanitärmann machen lassen, aber ich traue mir den Tausch nun auch durchaus selber zu. Das werde ich auch tun müssen, denn wenn wir hier mal ausziehen, nehmen wir das Gerät natürlich mit.

Alles in allem eine gute Entscheidung. 500€ sind viel Geld, aber in meinen Augen hervorragend investiert. Zudem wird sich die Investition allein durch den gesparten Strom irgendwann sogar auszahlen. Es soll ja Leute geben, für die Investitionen nur Sinn machen, wenn sie sich potenziell auch mal auszahlen. Davon abgesehen ist sowas immer eine Frage der Prioritäten: Ein paar Tage Urlaub oder die nächsten Jahre täglich bequeme Warmwasserversorgung.

Noch kurz was zum Unterschied zwischen elektronischem und vollelektronischem Durchlauferhitzer: Elektronisch geregelt heißt, dass das Heizelement mehr oder weniger stufenlos geregelt ist. Ob eine Messung der Temperatur stattfindet und entsprechend nachgeregelt wird, weiß ich nicht, aber zumindest stellt man eine Temperatur ein (in drei Stufen oder einem nicht näher bezeichneten Regelbereich) und bekommt das Wasser auch bei wenig Durchfluss im angepeilten Temperaturbereich. Der vollelektronische Durchlauferhitzer hat ein Display, man stellt die Temperatur aufs halbe Grad genau ein und das Gerät regelt in allen Situationen auf diese Zieltemperatur hin. Dazu kann es sogar den Durchfluss drosseln, wenn die Leistung sonst nicht reichen würde. Durch die Ist-Messung hinter dem Heizelement hat die Regelung auch kein Problem mit vorgewärmtem Wasser, etwa aus Solarklollektoren oder einem Niedertemperatur-Heizkessel oder aus einer Geothermie-Anlage: Im Zweifel wird nicht weiter geheizt. Kurz gesagt: Elektronisch ist schon ein riesiger Vorteil gegenüber den hydraulisch schaltenden Geräten, richtig Spaß kommt aber erst mit einem vollelektronischen Gerät auf.

Billiger bekommt man warmes Wasser natürlich mit einem Gas-Durchlauferhitzer oder sonstigen Heizungsanlagen. Aber diese Technologiewahl hat man ja meistens eher nicht. Und ökologisch ist das auch nicht unbedingt von Vorteil, denn Ökostrom, der mit nahezu 100% Wirkungsgrad (Leitungsverluste mal außen vor gelassen) bedarfsgerecht in Wärme umgewandelt wird, ist so schlecht nicht. Die entscheidende Frage ist doch immer, unter welchen Bedingungen dieser eingesetzte Strom oder das verbrannte Gas entstanden ist. Draußen Windmühle, drinnen warmes Wasser ist gut. Draußen Atommüllendlager, drinnen warmes Wasser ist weniger gut.

Nachtrag 02.02.2012: Ein Jahr nach der Installation ist es Zeit für eine Rückschau. Der integrierte Stromzähler weist ca. 600kWh aus, das macht 50kWh monatlichen Durchschnittsverbrauch. Unsere jährliche Stromabrechnung ist auch gekommen und ist um nicht ganz 300 kWh gesunken. In diesen Abrechnungszeitraum fallen 10 Nicht-Wintermonate mit dem neuen Durchlauferhitzer und der sukzessive Austausch einiger Leuchtmittel durch LEDs auf der Sparseite, sowie das ein oder andere Wannenbad auf der Mehrverbrauchsseite. Insgesamt hätte ich mit mehr Ersparnis gerechnet (die Strompreiserhöhung im Sommer sorgt dann sogar für eine geringe Nachzahlung). Wenn ich dem Durchlauferhitzer aber einfach mal ins Blaue hinein geschätzte jährliche 200kWh Stromersparnis zurechne, hat uns das in diesem ersten Jahr fast 50€ Stromkosten gespart, trotz einiger Wannenbäder mehr. Das ist zusammen mit dem unbezahlbaren Komfortgewinn ein immer noch beachtlich klares Argument für eine sofortige Umrüstung aller schlecht funktionierenden hydraulischen Durchlauferhitzer. Man muss ja nicht gleich das Luxusgerät für 600€ kaufen, Hauptsache man hat eine elektronische Regelung mit halbwegs präziser Temperatureinstellung.

Wir benutzen übrigens niemals die Sonderfunktionen wie das Wechselduschprogramm, ich habe sogar vergessen, wie man das einstellt. Wir benutzen aber intensiv die Standardfunktionen: Aufs halbe Grad genaue Regelung der Temperatur am Gerät und über die Display-Funkfernbedienung, die beiden frei belegbaren Temperaturspeicherplätze, die 60°-Maximaltemperatur (für schnelleres Nudelwasser und gelegentlich eine lauwarme Wärmflasche) und die Leistungs- und Verbrauchsanzeige, die einem ein gutes Gefühl für den Stromverbrauch verschiedener Temperaturen und Durchflussraten gibt. Der einzige Kritikpunkt am Gerät ist die nervige Angewohnheit der Funkfernbedienung, nach nur wenigen Sekunden Nichtbedienung wieder in den Tiefschlaf zu verfallen und vor allem für das Aufwachen daraus einige Sekunden zu benötigen. Das spart Batteriestrom, macht den Umgang aber unnötig lästig. Jammern auf hohem Niveau, denn die Standardfunkfernbedienung ohne Display taugt nur zum Abruf der beiden darin fest eingestellten Vorwahltemperaturen und schrittweisen Abweichung davon; ein unangenehmer Blindflug, da geht man noch lieber in die Küche und regelt die Temperatur direkt am Gerät. Die 130€ Aufpreis für die bidirektionale Funkfernbedienung mit Display lohnen sich in meinen Augen also sehr, wenn das Gerät nicht zufällig sowieso gut erreichbar im Bad hängt.

Die Nachrüstung beschränkt sich übrigens auf das Abnehmen des Gerätedeckels und das Einklipsen des Funkmoduls in seinen vorgesehenen Platz, das bekommt man also auch ohne professionelle Hilfe hin (währenddessen natürlich den Strom abstellen!). Und wenn man einen Installateur hat, der im Gegensatz zu unserem nicht die Bestellnummern durcheinanderbringt, ist der Aufpreis für die bessere Fernbedienung deutlich kleiner als 130€, in dem Fall kauft man das Topmodell von Stiebel-Eltron ganz ohne Fernbedienung und dann die Display-Fernbedienung dazu. Dass das geht habe ich aber auch erst nach einiger Recherche im Netz herausgefunden: Die Artikelnummer 227490 ist mit Mini-Fernbedienung und die Artikelnummer 227493 ist ohne die Mini-Fernbedienung, letztere startet im Netz bei 450€. Dazu kommt für 130€ die Artikelnummer 222419 für die bidirektionale Funkfernbedienung mit Display FFB 1 SL (die FFB 2 SL ist eine Ergänzug als weiteres Bedienteil für weitere Räume). Den Einbau sollte man vom Fachmann machen lassen, bekommt ihn mit etwas Geschick aber auch selbst hin, wenn die Wasseranschlüsse nicht getauscht werden müssen.


Mein Dell Streak Ersteindruck

20 12 2010

Ich darf mitspielen! Rückblickend frage ich mich, wie ich es so lange mit Windows Mobile 6 aushalten konnte, aber seit zwei Wochen bin ich endlich stolzer Besitzer eines Dell Streak. Android ist eine Wohltat, man muss nicht mal mehr Minderwertigkeitskomplexe gegenüber iPhone-Nutzern haben, im Gegenteil. Nun mal einige Ersteindrücke vom Gerät.

Die Größe ist genau richtig. Nicht so groß, dass es nicht mehr transportabel wäre oder man damit nicht mehr mit einer Hand telefonieren könnte; aber eben auch groß genug, dass die Bedienung der Apps richtig Spaß macht. Ich bin sogar so weit, dass ich morgens nach dem Aufstehen alle Standardkommunikationstasks (Mails, Twitter, Google Reader, ein paar Newsseiten) noch im Bett erledige und meinen Hauptrechner im Zweifel gar nicht mehr starten muss. Gleiches gilt für das ins Bett gehen, wo ich meinen Rechner auch nicht mehr zwingend noch mal anwerfen muss. Das würde alles auch auf einem iPhone oder einem HTC Desire gehen, aber mit dem Dell auf 5" macht es regelrecht Spaß. Ich empfinde es, von der groben Peinlichkeit mal abgesehen, auch nicht als unpraktisch, damit zu telefonieren. Trotzdem werde ich unterwegs meistens ein Headset benutzen, weil ich ja sowieso außer Haus stets Musik oder Podcasts auf den Ohren habe.

Apropos Headset: Das mitgelieferte Ohrkanal-Headset klingt gar nicht so übel und sitzt auch recht bequem. Überraschung. Trotzdem habe ich mir als allererstes ein Headset gekauft (noch bevor das Gerät da war). Erstes Ärgernis: Das iPhone hat eine andere Belegung am vierpoligen 3,5mm Headsetanschluss, laut Wikipedia belegt das iPhone Masse und AUX falsch herum. Na prima. Gut für mich, dass ich das Headset direkt an einen dankbaren iPhone/MacBook Besitzer weitergeben konnte. Nur findet man aber tatsächlich kein Headset mit der "richtigen" Belegung, weil sich fast alle Hersteller auf das iPhone kaprizieren. Nun habe ich das Creative HS-730i bestellt, das bringt nämlich einen 3,5mm Klinken-Adapter für Nokia-Telefone mit, was mir die leise Hoffnung beschert, dass die "Nokia-Belegung" die "richtige" Belegung ist, die übrigens auch mein altes HTC Touch HD nutzt. Solange muss das Originalheadset aushalten.

Das war es leider noch nicht an Stecker-Inkompatibilitäten. Der Dock-Anschluss vom Dell Streak ist angelblich ein PDMI-Anschluss, eine standardisierte Schnittstelle mit USB 2.0, 3.0, Displayport und allerlei analogen und digitalen Soundausgängen. Das ist sehr cool an sich, aber leider ist das Streak das erste und bisher einzige Gerät mit diesem Anschluss. Herzlichen Glückwunsch, denn dadurch gibt es keine Kabel oder Docks von Drittanbietern und das Original USB- und Ladekabel von Dell kostet inkl. Versand 33€! WTF? Für 15€ mehr bekommt man das Kabel plus KFZ-Halterung, was gar keine so schlechte Idee ist, denn das Display ist größer und besser als das von meinem TomTom Go 720T. Mal überlegen.

Dass ich nur ein Kabel habe, ist aber nicht ganz so schlimm, denn das Streak hält bei geringer Nutzung locker zwei Tage durch und auch bei Vielnutzung komme ich damit gut über den Tag. Gut. Nicht so gut sind die Neustarts bei geringer mechanischer Belastung im Akkubetrieb. Wenn man das Gerät in zwei Händen hält und leicht gegeneinander verdreht, startet es reproduzierbar neu. Man muss es also wie ein rohes Ei behandeln und selbst wenn man es in der Jackentasche hat und sich in der Bahn hinsetzt, löst man solche Neustarts manchmal schon aus. Ein Anruf bei der sehr guten Dell Hotline brachte mich nicht weiter, man bot mir eine Reperatur an, aber einen Monat kann ich nicht auf meinen neuen Liebling verzichten. Also habe ich das gemacht, was mir als erstes in den Sinn gekommen ist: Der Akkudeckel schließt zwei Kontakte kurz, die mir sofort verdächtig waren. Sie etwas heraus zu biegen brachte nichts, aber ein dünnes Drähtchen als Überbrückung stellte die Neustarts sofort ab. Heureka und Glück gehabt. Jetzt bin ich rundum glücklich.

Die genannten Kritikpunkte sind schon alles, was ich auszusetzen habe/hatte. Ich bin wirklich ausgesprochen zufrieden mit dem Gerät, auch der Preis stimmte und lag knapp unter den 410€ netto, bis zu denen man so ein Gerät sofort von der Steuer absetzen kann. Für den Originalpreis von 550-600€ hätte ich es übrigens nicht gekauft, weil ich nicht so viel für ein Telefon ausgeben möchte. So ist es die für seinen Einsatzzweck perfekte Lösung.

P.S. Erste App-Empfehlungen für Android: Die Kontakte-Synchronisation mit Thunderbird klappte auf Anhieb prima mit dem MyPhoneExplorer. Auf dem Gerät sind Google Reader, TweetDeck, K-9 Mail, KeePassDroid und Google Maps ein Muss, aber auch Google Goggles macht riesigen Spaß und mit Google Listen habe ich eine superbe Podcast-Losung gefunden. Listen richtet sich mit einer eigenen Kategorie im Google Reader ein, so dass man seine Podcasts am Desktop abonnieren und verwalten kann. Das Programm beachtet die Gelesen-Markierungen und lädt Dateien in der Warteschlange automatisch im WLAN herunter. Bedienung über Bluetooth im Auto klappt super, übrigens auch mit dem Standard-Musikplayer. Es funktioniert einfach alles bisher, ich fühle mich angekommen, es lebe Android.

Nachtrag 04.01.2010: Ich habe ein Headset gefunden, das brauchbar klingt, sich bequem trägt und von der Steckerbelegung her (sogar ohne einen der mitgelieferten) Adapter ans Streak passt: Das Creative HS-730i. Fehlt nur noch ein bezahlbares Dock oder ein Zweitladekabel, das nicht 33€ kostet. Dieses Billig-Dock wäre die Lösung, ist aber noch immer nicht lieferbar. Sowieso nervt der PDMI-Anschluss. Dass nur Dell den beim Streak einsetzt ist ärgerlich, aber viel nerviger ist, dass er sich nur schlecht blind einstecken lässt und man zum Aufladen immer das eigene Kabel dabei haben muss. Einfach ein Mini- oder Micro-USB-Kabel ausleihen ist also nicht.


Objektliebe Wasserkocher

31 10 2010

Mein Leben lang hatte ich es mit schlechten Wasserkochern zu tun. Der erste Wasserkocher meiner Eltern irgendwann in den 90ern hing noch fest an seinem Kabel und hatte eine ungemein schnell verkalkende Heizspirale. Im Grunde war das nicht mehr als ein Tauchsieder mit Gefäß drumrum, der zudem in Ermangelung nennenswerter Leistung nicht viel schneller war, als ein Wassertopf mit Deckel auf dem Elektro-Kochmuldenherd. Irgendwann gab es Wasserkocher mit verdeckter Heizspirale und etwas mehr Leistung, die man von ihrem Sockel abheben konnte. Die ersten Modelle krankten an der Fummeligkeit ihres Sockels, aber ein Fortschritt war da. Meine Eltern neigen leider dazu, bei solcherlei Gerätschaften immer nur die billige Variante zu kaufen, also gab es immer wieder fehlkonstruierte Scheiß-Wasserkocher. Zuletzt war das einer, aus dessen Deckel einem beim Ausgießen heißer Dampf über die Finger der haltenden Hand schoss, wenn man das Gerät oben am Griff anfasste. Den Deckel zur Befüllen einer zweiten Runde zu öffnen, war auch gerne mal von einem Schuss heißen, sich vom Deckel lösenden Kondensats begleitet. Lustiges Gerät.

Ich hatte dann irgendwann die Schnauze voll und kaufte bei Aldi einen hübschen 3000W Wasserkocher mit 1,7l Fassungsvermögen für 18€. Der sah gut aus, kochte schnell und kostete nicht die Welt, eine super Sache. Leider hatte ich kein Glück und das Ding war undicht. Ernsthaft: Ein nagelneuer Wasserkocher war nicht dicht. Also zurück damit. Inzwischen haben meine Eltern den Nachfolger des besagten Aldi-Kochers, der gut und dicht ist. Fein, Problem gelöst.

Nun zu mir. In der WG hatte ich einen Wasserkocher angeschafft, der irgendwie ebenfalls doof und vor allem recht schnell kaputt war. Ich hatte einfach kein Glück mit Wasserkochern. Zur Einweihungsparty in der aktuellen Wohnung schenkten mir die Kollegen aus dem T3Lab dann diesen Philips-Wasserkocher. Wenn man dieses Gerät benutzt, weiß man erst, dass Wasserkocher auch Spaß machen können. Das ist der Wasserkocher für den Technikfreund. Auf den ersten Blick leuchtet eine elektronische Steuerung nicht unbedingt ein, aber der erste grüne Tee mit recht genau 80 Grad heißem Wasser führt einem klar vor Augen, dass man gerade den Durchbruch in Sachen Wasserkocher vor sich stehen hat. Das Ding hat eine Temperaturvorwahl (40, 60, 80 und 100 Grad), die ziemlich gut funktioniert und die einem die Heißwasserbereitung für grünen Tee oder Wärmflaschen immens vereinfacht. Die Warmhaltefunktion ist sicher auch manchmal praktisch, ich habe sie aber tatsächlich in anderthalb Jahren nicht einmal benutzt. Das Ding hat aber nicht nur technische Gimmicks, es sieht auch noch brauchbar aus, kocht mit 2400W schnell genug, hat ein herausnehmbares Edelstahlgeflecht als Kalkfänger und verbrüht einen nicht mit irgendwelchen Deckelfehlkonstruktionen. Dass er piepst, wenn das Wasser fertig ist, erweist sich im täglichen Gebrauch übrigens ebenfalls als äußerst nützlich, gerade in Kombination mit der Temperaturvorwahl. Der einzige Wunsch, den ich an das Ding noch hätte, wäre etwas mehr Fassungsvermögen, denn 1l reicht zwar meistens für unseren Bedarf, aber eben nicht immer.

Also noch mal mein Dank an die Schenker. Ich erfreue mich tagtäglich daran und fühle mich wasserkochertechnisch endlich angekommen.

P.S. Ach ja, noch ein Tipp zur Erhöhung der Benutzbarkeit von Wasserkochern: Benutzt einen Wasserfilter. Ich habe unseren Wasserkocher trotz häufiger Benutzung über anderthalb Jahre noch nicht einmal entkalken müssen, sogar das Edelstahlgeflecht, das Kalk fangen soll, ist blitzeblank. Wer also nicht gerade in einer Gegend mit ohnehin kalkfreiem Wasser lebt, sollte die geringe Investition in einen Wasserfilter nicht scheuen und vor allem konsequent nur gefiltertes Wasser in seinen Wasserfilter lassen. Als Lohn winkt einem ein immer sauberer Wasserkocher, der nie entkalkt werden muss und deswegen schnell wie am ersten Tag bleibt, sowie schmackhafterer Tee ohne Kalkschicht oben drauf. Ohne die Kalkschicht oben auf dem Tee bleibt übrigens auch keine hartnäckige braune Kalkschicht in der leeren Tasse zurück, oder zumindest deutlich weniger, was das Spülen ebenfalls immens erleichtert. Die Patina in der Edelstahl-Teekanne ist ohne nennenswerten Kalkanteil übrigens auch viel gleichmäßiger und nicht so abstoßend. Kampf dem Kalk. Für das Wasser hier in Düsseldorf reichen die billigen dm-Wasserfilter übrigens locker aus, in Köln aber wohl bei weitem nicht, wie ich mir habe sagen lassen. Dort kommt man wegen des unfassbaren Kalkgehaltes im Wasser wohl nicht um gute Markenfilter herum.

P.P.S. So ein Wasserkocher ist übrigens nicht zu unterschätzen, was die Leistungsaufnahme angeht. Wenn da 3000W als Nennleistung angegeben sind, nähert man sich den 16A der Hausabsicherung schon recht stark (230V*16A sind nur 3680W, die man aus einer Haushaltssteckdose ziehen darf). Also Vorsicht im Umgang mit solchen Geräten, gerade wenn sie billig waren. Vor allem Vorsicht, wenn man sie über Verlängerungskabel, billige Mehrfachsteckdosen oder parallel an einer Sicherung mit anderen starken Verbrauchern betreibt. Ein 3000W Wasserkocher und eine Mikrowelle oder ein Toaster im gleichen Mehrfachstecker sollten die Sicherung hoffentlich bereits auslösen. Aber verlassen würde ich mich da nicht drauf, gerade in Wohnungen mit fragwürdiger Elektroinstallation.


Kurztest: Smartbook Surfer

18 08 2010

Man beachte die zahlreichen Updates am Ende des Artikels.

Vor zwei Wochen ging im Netz die Nachricht um, Marktkauf biete für 179€ das 7" Android-Tablet Smartbook Surfer an. Sogar bis in die News von heise.de hat es das Gerät geschafft. Es war im Online-Shop sofort ausverkauft und der nächste Marktkauf von hier ist in Gelsenkirchen, also legte ich den Gedanken erst mal ad acta. So ein Gerät reizt mich grundsätzlich aber schon, vor allem, weil ich mit Android rumspielen und vor allem ausloten möchte, wofür man sowas produktiv einsetzen könnte. Letzten Donnerstag war im Online-Shop von Marktkauf dann eine kleine Charge verfügbar, also habe ich direkt mal so ein Ding bestellt.

Die übergreifende Fragestellung lautet dabei: Was taugt ein Tablett für 180€? Ich vermutete nichts gutes und um das vorweg zu nehmen: Es taugt wirklich nichts. Ein paar lose Punkte:

  • Das Ding ist unglaublich träge. Alles fühlt sich langsam an, sehr unerquicklich. Ein Leistungsstarker Arbeitsprozessor mit 800MHz soll da laut Packung drin stecken, auf der Website steht Telechips TTC8902 720MHz Prozessor. So oder so, das Ding ist quälend langsam.
  • Der resistive Touchscreen ist eine Unverschämtheit. Davon abgesehen, dass man mitunter sehr viel Druck ausüben muss, um eine Reaktion hervorzurufen, schwankt der nötige Druck auch noch ständig. Manchmal reicht ein jovialer Tipper mit der Fingerkuppe (wie bei meinem HTC Touch HD), manchmal muss man aber wirklich mehrmals so kräftig auf das Display eindrücken, dass man Angst bekommt, seinen Finger auf der anderen Seite wieder zu sehen. Wischen (also vor allem scrollen) wird so zum Glücksspiel, selbst mit dem billig wirkenden und sehr fest im Gehäuse steckenden Plastikstift.
  • Lahmer Prozessor plus hakeliger Touchscreen sind eine schlimme Kombination, die sich vor allem bei der virtuellen Tastatur auswirkt: Es ist unmöglich, auf dem Ding auch nur halbwegs flüssig zu tippen. In den Einstellungenm lässt sich ein leiser Tastenquittungsklick einschalten, der aber genau so unzuverlässig abgespielt wird, wie die Tastendrücke angenommen werden. Um eine Twiter-Nachricht in der TweetDeck Beta zu tippen, brauche ich über eine Minute. Die Texteingabe ist also völlig unbrauchbar. Hatte ich erwähnt, dass man trotz ca. 6mm hoher Tasten und spitzem Eingabestift ständig Tasten aus einer Reihe weiter oben auslöst? Setzen, sechs!
  • Aber das reicht noch nicht an Unpraktikabilität: Die Android-Tasten Menü, Suche, Home und Zurück liegen auf der Rückseite. Das ist OK, wenn man das Ding in der Hand hält, aber selbst dann sind die kleinen Tasten fummelig zu bedienen und man muss sich die Reihenfolge merken. Liegt das Ding auf dem Tisch oder hält man es irgendwie anders, muss man für jeden Klick auf eine der Tasten erst mal fummelig suchen gehen. Super lästig, vor allem, weil man diese Tasten bei Android ständig braucht. Aber auch das reicht noch nicht, denn die schwergängigen Tasten wollen mit viel Gefühl gedrückt werden, was aber auch dann nicht immer auf Anhieb angenommen wird. Fast noch schlimmer als der Touchscreen. Und weil das Ding so träge ist, bemerkt man das Ignorieren den deutlich hörbaren Tastendrucks erst eine Bedenksekunde später.
  • Der dämlichste Designfehler kommt aber noch: Das Gerät lädt nicht über USB, sondern nur mit dem beiliegenden Netzteil m(. Was soll man dazu noch sagen?

Das sind meine Hauptkritikpunkte, aber auch sonst glänzt das Ding nicht sonderlich:

  • Die Verarbeitung ist mäßig, aber für den Preis OK.
  • Die Webcam macht grausige Bilder, das Mikrofon funktionierte in Zusammenhang mit der Fritz!App Fon nicht.
  • Das Display zeigt ein immerhin brauchbares Bild.
  • Die vorinstallierte Skype-Betaversion ist ein schlechter Witz und nutzt zudem nur einen Bruchteil des Bildschirms (wahrscheinlich 320x240 im Querformat oben in der Mitte des 800x480er Displays).
  • Der Audio-Ausgang ist eine 2,5mm Klinke, ohne, dass dafür ein Grund ersichtlich wäre.

Alles in allem ist das Tablet-Computing zum abgewöhnen. Man kann nur hoffen, dass es ein offizielles oder zumindest inoffizielles Android 2.2-Update geben wird, damit zumindest die Geschwindigkeit etwas erhöht wird. Ich glaube aber nicht daran. Immerhin kann das Ding angeblich 1080p-Videos dekodieren und sogar über seinen Mini-HDMI-Ausgang ausgeben. Das wär ja was. GPS gibt es übrigens keins, Lagesensor und Kompass scheinbar ebenfalls nicht.

Fazit: Finger weg vom Smartbook Surfer! Und generell von Android-Tablets mit resistivem Touchscreen und fragwürdigen Prozessoren: Es macht keinen Spaß und ist rausgeschmissenes Geld. Mal schauen, ob ich einen sinnvollen Platz dafür finde.

Dass der Android-Market seit ich das Gerät habe nicht funktioniert ist ärgerlich, aber dafür kann das Gerät wahrscheinlich nichts. Angeblich soll der inzwischen wieder laufen, bei mir ist davon noch nichts zu sehen: Ich starre weiterhin auf ein meine lustigen "Download wird gestartet" Meldungen. Möglicherweise funktioniert der Market auch einfach wegen Nichterfüllung der Hardwareanforderungen (kein Lagesensor, kein Kompass, kein GPS, kein Mobilfunk) gar nicht, das wäre aber sehr komisch, denn er ist installiert und liegt als Verknüpfung auf dem Startbildschirm.

Nachtrag 18.08.2010: Der Android-Market funktioniert bei mir weiterhin nicht. Ich wollte mein Google-Konto entfernen und neu eintragen, vielleicht hilft ja da. Aber dazu müsste man das ganze Gerät in den Auslieferungszustand zurücksetzen, was alle installierten Programme (unklar, ob nur über den Market oder auch direkt installierte) und Einstellungen entfernt. Da ich noch nicht viel gemacht habe und man ohne Market keinen Spaß haben wird, habe ich das in den Datenschutzeinstellungen versucht. Und siehe da: Nicht mal das klappt. Sprich: ich kann die Einstellungen und mein verknüpftes Google-Konto nicht mal loswerden, weil diese essentielle Funktion beim Smartbook Surfer schlicht nicht funktioniert. Aaaaah!

Noch ein Nachtrag vom 18.08.2010: Der Zugang zum Android Market funktioniert tatsächlich schlicht nicht, obwohl er vorinstalliert ist. Man kann den Zugang mit Tricks freischalten, aber Spaß ist anders. Eine tolle Quelle für solcherlei Informationen findet sich hier.. Dort steht auch, dass der Prozessor nur mit 600MHz arbeitet.

Nachtrag 08.09.2010: In der aktuellen c't ist ein Kurztest vom Smartbook Surfer, dessen Beobachtungen sich frappierend mit meinen decken. Ich habe also keine Ausnahme mit kaputtem Touchscreen, das ist serienmäßig. In der Zwischenzeit habe ich mal den Support kontakiert, vor allem wegen des nicht zurücksetzen können Problems. Selbstverständlich habe ich nach der Eingangsbestätigung am 18.08.2010 keine weitere Antwort mehr bekommen.

Nachtrag 19.09.2010: Inzwischen gab es mehrere Systemupdates, die man auf der Website von Smartbook herunterladen kann. Mit etwas bastlerischem Geschick lässt sich das leicht flashen. Es gibt nun eine Kalibrierung für den Touchscreen, wodurch man immerhin nicht mehr ständig gnadenlos daneben tippt. Auch gibt es nun Lautstärkeregler in der Statuszeile. Leider habe ich erst nach der langwierigen Freischaltprozedur für den Android Market (hier beschrieben, in Kürze: Man verschafft sich Rootrechte, richtet einen Shell-Autostart ein, installiert das Android SDK, spielt dort ein system.img aus fragwürdiger Quelle ein und generiert darin eine Google-Market-ID, liest diese aus und überträgt sie in das Surfer) bemerkt, dass das aktuelle Image den Android Market gar nicht mehr mitbringt. Sehr witzig, wenn auch nachvollziehbar. Ich habe jetzt die Market-App von Pdassi installiert.

Nachtrag 05.10.2010: Falls sich jemand auch mal von dem Gerät desillusionieren lassen möchte, kann er meins gerne kaufen. Ich habe keine Lust auf größere Verluste und mache lieber einen teuren Bilderrahmen daraus, als es für zu billig wegzugeben. Wer also Lust hat, 150€ inkl. Versand (Originalpreis war 180€ zzgl. Versand, ernsthaft benutzt habe ich es nicht) auf den Tisch zu legen, kann das Smartbook Surfer in der Marktkauf-Edition mit Packung, allem Zubehör und der aktuellen Firmware 1.3 haben. Natürlich ist das Gerät wie hier beschrieben auf den Werkszustand zurückgesetzt, gerootet ist es offensichtlich ebenfalls noch. Also falls jemand Interesse haben sollte und angemessen leidensfähig ist: Meine Kontaktdaten findet ihr auf der Kontaktseite.

Nachtrag 24.10.2011: Nachdem das Ding jetzt seit ca. einem Jahr neben mir auf dem Schreibtisch gelegen und mir schlechte Laune gemacht hat, habe ich es doch noch mal zur Hand genommen und siehe da: Dass es zwei oder drei mal vom Schreibtisch gefallen ist, hat ihm nicht gut getan, denn der Touchscreen funktioniert jetzt nur noch im rechten Drittel. Falls es also jemand geschenkt haben will, um daran rumzubasteln, einfach melden.

Nachtrag 19.11.2011: Es hat sich tatsächlich jemand gemeldet, der in erster Linie am Netzteil interessiert ist. Habe ihm kurzerhand das ganze Scheißding in ein Paket geworfen und zugeschickt. Endlich kann ich das Ding vergessen.


100.000km Honda Jazz

17 03 2010

Mein eisblau-metallic-farbener Honda Jazz wird dieses Jahr 8 Jahre alt und hat gerade 100.000km hinter sich gebracht, Zeit also für ein kleines Resumé. Die Tankauswertung von 2007 stimmt in etwa auch weiterhin, die aktuellen Zahlen sind folgende: 5,8l/100km (ungewichtet gemittelter vom Bordcomputer abgelesener) Durchschnittsverbrauch bei überwiegend Kurzstrecken und Stadtverkehr, 90-120km/h auf der Autobahn, allgemein niedertouriger Fahrweise und bei etwa 20-30% Klimaanlageneinsatz. 7% der Laufleistung habe ich nicht vollständig erfasst, der Fehler ist aber geringer, weil ich häufig nur die gefahrenen Kilometer nicht erfasst habe, den Tankwert aber schon. Das Versprechen von 5,7l auf 100km wurde also durchaus eingehalten, gute Verbrauchwerte also.

Schäden hatte ich in all den Jahren lediglich einen: Der Kabelzug der Heizungsregelung war irgendwann einmal abgesprungen und musste für ein paar Euro neu eingehängt und justiert werden. Dann hat mir der Honda-Techniker vor anderthalb Jahren bei der Inspektion gesagt, dass der Kompressor der Klimaanlage ungesunde Geräusche macht und wohl demnächst ausfallen würde. Ein Austausch kostet zwischen 1000 und 1300€, also bin ich ganz froh, dass der Ausfall noch immer auf sich warten lässt. Dann leuchtete irgendwann einmal die Motorkontrolleuchte, was sofort mit einem Diagnosecomputer ausgelesen und abgeschaltet und bei der nächsten Inspektion ein paar Wochen später durch Justage der Motorsteuerung gefixt wurde. Das war wohl auch die Ursache für das Stottern bei niedrigen Drehzahlen unter wenig Last gewesen, das danach verschwunden war. Ansonsten ist der Wagen einmal jährlich bei der Inspektion gewesen, wo nach Bedarf TÜV/ASU gemacht wird und Bremsklötze, Öl und andere Flüssigkeiten, sowie der Pollenfilter der Klimaanlage und andere Verschleißteile gewechselt werden; das kostet so zwischen 150 und 300€. Zusammen mit einem Satz Reifen für 330€ vor ein paar Jahren sind das erfreulich geringe Betriebskosten und vor allem wenig Sorgen und Probleme gewesen. Mein Honda-Händler ist zudem sehr nett und bemerkenswert problemfrei. Sehr gut.

Die Fahrleistungen sind mit 83PS durchaus ausreichend, man kommt sich fast nie untermotorisiert vor. Also vollbepackt und mit Klimaanlage muss man den Jazz durchaus auch mal etwas hochtouriger fahren und Ampelrennen wird man auch eher selten gewinnen. Aber wie mit einem Opel Corsa auf Teneriffa im ersten Gang die Berge hochschleichen muss man mit dem Jazz wirklich nicht und im vierten Gang auf der Autobahn wird man Jazz-Fahrer auch eher selten antreffen.

Der Fahrkomfort ist einem Kleinwagen durchaus angemessen. Mein Jazz stammt aus der ersten nach Deutschland gelieferten Serie von 2002, die noch reichlich hart abgestimmt war und angeblich ein Rostproblem hat. Von Rost ist bei mir keine Spur und die harte Abstimmung finde ich durchaus sportlich. Neuere Baujahre ab 2003 sind wohl deutlich komfortabler gefedert, die neuen Modelle haben als Ausgleich auch ESP an Bord. Meiner hat das nicht, fährt sich aber auch völlig unkritisch. Die geringe Länge von 3,83m (deutlich weniger als ein Polo von 2002) ist trotz kleinem Wendekreis beim Einparken aber nicht wirklich vorteilhaft nutzbar, weil man den Wagen überhaupt nicht einschätzen kann; hinten nicht, aber auch vorne nicht, weil die Schnauze unglaublich kurz ist. Sowieso fühlt man sich innen wie in einem um ein paar Plätze geschrumpften Familienvan. Die Einparkhilfe bei neuen Modellen gibt es leider nur für hinten und nur bei teureren Modellen, trotzdem ein wichtiges Extra.

Apropos Kosten: Für einen Kleinwagen ist der Jazz auf den ersten Blick reichlich teuer. Die 10.000€ Basisversion ist sehr dürftig ausgestattet, mit allen Extras landet man bequem bei 20.000 und mehr Euro. Das klingt teuer, aber gemessen an der Ausstattung und an vergleichbaren Autos ist das gar nicht mal so viel. Man kann einen Jazz eben nicht mit einem Opel Corsa, einem Peugeot 207, einem Daihatsu oder ähnlichen Fahrzeugen vergleichen, sondern eher mit einem VW Polo. Ein klassischer Kleinwagen ist der Jazz wirklich nicht, die Geräumigkeit im Innenraum spielt locker in der Kompaktklasse von Golf und Co. mit, der Kofferraum ist sogar größer als im aktuellen Golf. Und das Killerfeature ist sogar auch nach acht Jahren noch einzigartig: Die genial simple und unfassbar praktische Rückbank ist der Hammer. Ich bin immer noch geflasht, wenn ich mit zwei Handgriffen mit nur einer Hand die Rückbank versenke und einen unglaublichen Laderaum hervorzaubere. Auch die Möglichkeit, kleinere Gepäckstücke unter den Rücksitzen zu platzieren hat uns schon den ein oder anderen Urlaub vereinfacht. Man kann also durchaus bequem zu viert unterwegs sein, wobei hier ganz klar hintere Boxen eingebaut werden sollten. Mit 160€ ist das nicht wirklich teuer und ich frage mich, wieso ich das erst nach fast acht Jahren habe machen lassen. An dem gemessen, was man für sein Geld bekommt und gemessen an den insgesamt über die Jahre angefallenen Betriebskosten, ist der Jazz alles andere als teuer, was auch den geradezu unfassbar hohen Preis auf dem Gebrauchtmarkt erklärt.

Kurzum: Der Honda Jazz ist insgesamt ein geniales Auto und verkauft sich laut meinem Honda-Händler fast von selbst. Werben muss Honda jedenfalls fast nicht und für den Seltenheitswert der Marke Honda auf deutschen Straßen sieht man erstaunlich viele Jazz herumfahren. Leider sind gefühlte 80% dieser Fahrzeuge in der Farbe Eisblau-metallic verkauft worden, was das Wiederfinden des eigenen Fahrzeugs im Parkgewirr nicht gerade leichter macht. Apropos Äußerlichkeiten: Ich finde den Jazz nicht wirklich schön, das aktuelle Modell erst recht nicht; aber er ist auch nicht hässlich, immerhin. Wer ein wirklich schönes Auto haben will, muss etwas anderes kaufen oder zumindest eine schönere Farbe wählen: In Schwarz etwa sieht der Jazz sogar wirklich fesch aus.

Ich vermisse übrigens auch etwas an meinem Jazz: Für das alte Modell gab es kein Tempomat, was ich wirklich bitter finde, hätte ich sowas doch wirklich gerne gehabt. Das Radio meines Modells bot leider auch keine Möglichkeit, Musik aus externen Quellen zu beziehen. Mit dem Klang war ich immer zufrieden, aber immer Audio-CDs brennen zu müssen oder den rauschenden FM-Transmitter von meinem TomTom zu benutzen, hat mich immer sehr gestört. Das neue Modell gibt es mit MP3-Wiedergabe, USB-Anschluss und Bluetooth-Freisprechen, das Problem ist also inzwischen behoben. Ich habe meinem Jazz gestern zum 100.000km Jubiläum ein neues Radio von Alpine mit Bluetooth-Freispreche und Bluetooth-Audioübertragung spendiert. Dafür musste erst ein DIN-Schacht besorgt und eingebaut werden, was den Umbau immens verteuert hat: 480€ für alles ist ein happiger Preis, aber der Gewinn beim Sound ist wirklich großartig. Das hätte ich gar nicht gedacht, weil ich die Boxen gar nicht ausgetauscht habe und das eingebaute Radio nie für so schlecht gehalten hatte. Weit gefehlt, der Car-Audio-Spezialist hat mir nicht zu viel versprochen: Ein Alpine-Radio holt auch aus mäßigen Boxen noch einiges raus und der Bluetooth-Kram funktionierte auf Anhieb inkl. Zugriff auf das Telefonbuch meines Windows-Mobile Handys. Wow.

Ach ja: Der Test des aktuellen Modells in der F.A.Z. ist übrigens durchaus lesenswert. Wobei ich mich über deren horrenden Benzinverbrauch wundere.