Ulrich Roski, der Held

30 09 2009

In meinem Elternhause existierte eine mysteriöse blaue Musik-Kassette scheinbar ostdeutscher Herstellung, von der niemand wusste, wie sie ihren Weg in unser trautes Heim gefunden hatte. Eine rote oder orangefarbene Schwesterkassete gab es auch, aber an deren Inhalt kann ich mich nicht erinnern. Auf der blauen Kassette waren ein paar geniale Lieder zu hören deren Interpret ebenfalls niemandem bekannt war. Ich sage ja, mysteriös. Die Kassette habe ich als Kind bestimmt 300 mal gehört und mich ob der genialen Texte köstlich amüsiert. Das Internet war dann 15 Jahre später so freundlich, mir anhand einiger memorierter Textfetzen Interpret und Titel eines der Lieder zu nennen: Ulrich Roski heißt der Mann, und der hat noch viel mehr gute Lieder mit feinen Texten gemacht. Das Lied, an das ich mich am besten erinnern kann heißt Des Pudels Kern und ist es sicher wert, ihm ein paar Minuten Gehör zu schenken. Großartig das. Das andere Lied heißt Die ungemeine Prominenz und ist ähnlich gut. Leider kann man das nirgendwo als MP3 kaufen oder bei YouTube anhören.

Hier noch ein paar erheiternde Zeilen aus dem Lied Das macht mein athletischer Körperbau (leider auch ohne Link):

Ich kam aus Marokko, die Taschen voll Hasch
Das entdeckte der Zöllner dann auch ziemlich rasch
Dann stellt er sich blöde und schnüffelt am Gras
Und fragt scheinheilig: „Na, was ist denn das?“


Malte/Paul

14 02 2009

Ich würde es twittern (identi.caen?), aber das würde nur unter gehen, also ein hochoffizieller Lesehinweis für euch Vögel, die ihr meinen Blog lest: Malte Welding, dessen meist großartige Schreibe für mich der Auslöser für mein Spreeblick-RSS-Abo war, schreibt nicht mehr für Spreeblick. Warum, kann nur vermutet werden; aber es klingt in der Art, wie darüber geschwiegen wird, irgendwie nach Streit. Naja, wie auch immer. Jedenfalls schreibt der Gute neben Twitter auch ein eigenes Blog und dort gibt es großartige Geschichten über Paul. Diese Geschichten gefallen mir derart gut, dass ich sie gesammelt als Buch sofort kaufen würde, egal ob sie nun autobiographisch, semi-autobiographisch oder frei erfunden sind. Ein gutes Beispiel ist diese Geschichte hier. Eine kurze Leseprobe daraus (Paul ist alleine im Zoo):

Ein grauhaariger Mann mit Taxifahrergesicht macht Nude-in-Public-Aufnahmen von einer hennafarbenen Swingerfresse. Immer, wenn niemand hinschaut, lüftet sie ihr Mini-Jeans-Röckchen und er fotografiert ihre lieblos rasierte Möse. Da ich allein bin und damit Niemand, sehe ich alles. Die Rasierpickel und die ausgefransten Schamlippen sehen aus wie ein Schaschlikteller oder Beweisfotos in einem Kriegsverbrecherprozess.

Wo ich sowas lese, bleibe ich.


Es gibt Lieder, die kann man einfach nicht schlecht interpretieren

09 12 2008

YouTube ist ja ein stetiger Quell von Liedinterpretationen aus aller Herren Länder. Das ist manchmal wirklich ernüchternd, wenn man auf der Suche nach den Perlen über einen großen Haufen schlimmer Scheiße steigen muss. Immer wieder aber gibt es Liedgut, das seine Strahlkraft auch in der amateurhaftesten, kitschigsten, mit der Handykamera gefilmten oder von Hund und Katze gesungen Version nicht verlieren und mich selbst dann noch zu Tränen rühren können, wenn vom eigentlichen Text kaum noch etwas übrig bleibt.

Die "Ode an die Freude" (oder "Ode To Joy", "Freude schöner Götterfunken", "letzter Satz der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven", "Europahymne") ist so ein Lied. Nicht mal eine wirklich entrüstend unpassende Live-Version von Xavier Naidoo und Band, die inzwischen gottlob von YouTube verschwunden ist, konnte dem Kern des Liedes wirklich etwas anhaben. Auch die eher seltsame koreanische Swing-Version nicht.

Scheinbar sind Lieder, bei denen Text und Vertonung weder von der gleichen Person noch aus der gleichen Zeit stammen, besonders gute Kandidaten für diese Eigenschaft. Noch ein Beispiel?

Das Gedicht "Von guten Mächten" von Dietrich Bonhoeffer auf die Melodie von Siegfried Fietz ist ein noch besseres Beispiel. Hier eine Auswahl verschiedener Versionen auf YouTube:

Ich hoffe, damit konnte ich klarstellen, was ich meine.

Im passwortgeschützten erweiterten Beitrag finden sich noch einige persönliche Anmerkungen dazu. Nichts sexuelles zur Abwechslung, sondern nur Gefühlsduselei. Das Passwort sollte bekannt sein.


"Es gibt Lieder, die kann man einfach nicht schlecht interpretieren" vollständig lesen


Schöne Kurzfassung der indirekten DRM-Effekte

15 10 2008
Danke an Randall Munroe für diese schöne Kurzfassung einer eigentlich simplen Problematik:

XKCD-Comic: "Steal This Comic"

Genau, simple Lösung: Kauft einfach DRM-freie Musik (in den USA bei Amazon, demnächst auch hier, solange muss man etwas suchen oder einfach CDs kaufen). Wal-Mart schaltet seine Lizenzierungsserver jetzt übrigens doch noch nicht ab, so dass man seine in den letzten drei Jahren dort bezahlte Musik noch eine Weile auf andere Geräte umlizenzieren kann und noch nicht mit dem Computer, auf dem sie gespeichert ist, ins Grab schicken muss.


Wie geil ist das denn? Wario schüttelt Youtube kaputt

23 09 2008

Checkt das mal aus: Wario schüttelt Youtube kaputt. Was für eine geniale Anzeige. Anzeige? Werbung? Viral? Was auch immer, es ist witzig, neu und genial. Da geht die Werbung hin. Was Nintendo dafür wohl hinblättert? (via Spreeblick)


Prokrastination.com: Blog abonniert, Buch gekauft

03 09 2008

Gerade bin ich auf prokrastination.com gestoßen (Lesebefehl!), das Blog zum demnächst erscheinenden Buch mit dem schönen Titel "Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin". Schon vom Titel fühle ich mich zu 120% angesprochen, also habe ich das Buch kurzerhand vorbestellt, noch bevor ich den dazugehörigen Blog abonniert habe. Von Kathrin Passig und Sascha Lobo habe ich ja bereits Bücher im Regal, wobei ich das ganz bestimmt ganz grandiose "Lexikon des Unwissens" ganz bestimmt später mal irgendwann lese, wenn ich Zeit und(!) Muße finde. "Wir nennen es Arbeit" ist ja sowieso Pflichtlektüre für Typen wie mich. Was spricht also dagegen, dieses Buch zu kaufen, ohne den Klappentext gelesen zu haben oder diesen Schönen, kompakten Textauszug mit 6 einfachen Übungen?

Das beste aber ist, dass ich nur ein einziges Buch, das ich im letzten Jahr erworben habe, komplett oder auch nur angelesen habe. Sollte mir das zu denken geben? Warum kaufe ich eigentlich regelmäßig Bücher, die ich dann doch nicht (aus)lese? Nur Stefan Kuzmanys "Gute Marken, böse Marken", das mit übrigens geschenkt wurde, habe ich ganz gelesen; das war zwar nicht so gut wie andere Bücher in meinem Regal, aber dafür schön kurz und schneller durch als eine normale c't. Ich habe sogar schwersten Herzens mein Brand Eins Abo gekündigt, weil ich schon fünf ungeöffnete Ausgaben im Queue hatte. Dafür bekomme ich seitdem ungefragt jeden Monat die H.O.M.E., eine Designerzeitschrift "aus der Designstadt Berlin": Die Leute vom Axel-Springer Aboservice haben mich offenbar echt verstanden, da gibt es nämlich nicht viel zu lesen, sondern nur ganz schöne Fotos von feiner Architektur und unfassbar teuren Möbeln zu gucken. Damit kann ich prima anstinken gegen den Stapel "Art"-Magazine im schicken Designerbadezimmer eines Bekannten, der immer meine oberflächlich durchgeblätterten H.O.M.E. Ausgaben bekommt und diese sicher mehr zu schätzen weiß als ich. Zielgruppe und so, ihr wisst schon…

Apropos Zielgruppe, aber das ist ein anderer Beitrag.


Wiki in a Jar

01 09 2008

Manchmal bereichern Wortspiele diese Welt, die einfach nur genial sind. Das Wiki-System Wiki in a jar zum Beispiel trägt einen derat schönen und prägnanten Namen, dass man es kaum noch steigern kann. Für Uneingeweihte: JAR ist das Containerformat, in dem Java-Programme ausgeliefert werden (muss ich zusätzlich noch auf das Lied hinweisen?). Ich bin sprachlos, danke an denjenige, der sich diesen Namen ausgedacht hat.

Gut gefällt mir übrigens auch der Programmname Cuttermaran für ein Videoschnittprogramm.


Von anderen aufgeladene Emotionen nutzen?

07 07 2008

Ist es verwerflich, von Dritten aufgeladene Emotionen für die eigene Werbung zu nutzen? So wie es die Telekom aktuell mit dem unglaublich unter die Haut gehenden Paul Potts macht? Ganz großes Gefühlskino schreibt off the record zu diesem Telekom-Spot und bemängelt gleichzeitig, dass der Spot zwar große Gefühle weckt, aber eben nicht für die Marke Telekom. Zustimmung meinerseits: Der Funke springt einfach nicht über und es bleibt bei mir der faule Beigeschmack des Missbrauchs eines solch wunderschönen Internet-Märchens für werbliche Zwecke einer Marke, die mit damit nicht wirklich etwas zu tun hat. Das ist (großartige) Werbung für das Internet an sich und die Telekom ist ein Zugangsprovider, nicht mehr (die Inhaltelieferei überlässt man ja inzwischen weitgehend anderen). Aber ist das nun verwerflich oder nicht? Eigentlich nicht, man bringt nur mit einen schönen emotionalen Spot ein großartiges Video ins Gedächnis und versucht (begrenzt erfolgreich) seine Markenbotschaft mitzuliefern, warum sollte das nicht legitim sein? Vor allem, wenn man mit diesem Agenda Setting Leute neu erfreuen kann, denen das Video bisher entgangen war.

Mich zum Beispiel. Irgendwie ist dieses bemerkenswerte Video bisher völlig an meiner Wahrnehmung vorbei gegangen. Gut also, dass die Telekom das jetzt wieder auf den Tisch gelegt hat, denn dieser Paul Potts singt auch ohne die rührselige Story drumrum derart herzerwärmend, dass mir die Rührungstränen auf die gänsegehäuteten Arme rinnen. Noch nie hat Operngesang solch euphorische Ausbrüche bei mir verursacht. Kein Wunder, dass sowohl das Publikum, als auch die Jury bei Britain's Got Talent schon nach zwei Takten total abgehen und dieser dickliche Typ, der so unscheinbar und fast schon bemitleidenswert da antanzt, am Ende die ganze Show gewinnt. Wirklich magisch. So magisch sogar, dass ich wie in Trance direkt mal seine CD gekauft habe. Verzauberungs-Marketing und direkte Bestellmöglichkeiten sind eine gefährliche Kombination.

Schnell noch der Telekom-Spot, der erste Auftritt bei BGT (angucken und Ton laut, es lohnt sich, versprochen) und ein Artikel im Spiegel Online dazu. Ist zwar alles schon in den anderen verlinkten Quellen verlinkt, aber ihr guckt da ja eh nicht rein, gelle?

P.S. Ich habe gerade keinen Laden gefunden, wo ich die CD 1. jetzt, 2. legal und 3. als MP3 kaufen kann. Ist das nicht bescheuert? Muss ich jetzt ernsthaft bis zum Versand der CD am 12. Juli warten und mich in der Zwischenzeit aus illegalen Quellen bedienen (was keine 10 Minuten dauert)? Wo bleiben nur das versprochene DRM-freie Amazon-Downloadangebot und seine dadurch an den Markt gezwungenen NachahmerMitzieher? Und sollte ich ein schlechtes Gewissen beim Download aus illegalen Quellen haben, wenn ich die CD besitze oder bestellt habe?


Schutzgeld-Wortspiele nach meinem Geschmack

17 06 2008

Ich als treuer Schutzgeld-Ü-Paket-Kunde habe ja den Schutzgeld.de-Feed abonniert und erfreue mich immer wieder an den spaßerfüllten Beschreibungstexten. Heute haben sich die Jungs (und die Melanie) mal wieder selbst übertroffen:

Technischer Leiter kannste nicht mehr werden. Aber dafür supertechnische Leiter kaufen!

[…]

Der Luigi will nun auch endlich einen eigenen Porno auf DVD raus bringen. Der Titel: "Die ausgezogene Teleskop-Leiter" […]

Echt praktisch für Einbrüche, "Leitertanzen" oder für Spanner ;-)

Wie cool kann man bitte ein so unerotisches Produkt wie eine Alu-Teleskopleiter verkaufen? Respekt, auch der Rest der Produktbeschreibung mach Spaß. Schade, dass ich eine solche Leiter nicht brauche, ich würd sie schon alleine wegen des Textes kaufen. Obwohl, so eine Teleskop-Leiter kann man sich immer mal gebrauchen…

P.S. Falls jemand von Euch Mafia-Typen das hier liest: Euer Feed nervt total und fliegt demnächst aus meinem Feedreader: Ständig sind irgendwelche alten Produkte wieder als ungelesen markiert. Was zur Hölle macht ihr da seit Wochen? Und ein längerer Vorschautext im Feed wär auch mal was, dieser Text bleibt meistens Eure einzige Möglichkeit, mir Produkte schmackhaft zu machen. Quasi kein Text – selten gesteigertes Interesse meinerseits. Nur so als Tipp, nicht dass der Pate das in den falschen Hals kriegt und mir Betonschuhe verpasst.


Drücke das Steuerkreuz nach oben, um mich von hinten zu sehen...

30 04 2008

WTF? Das sagt mein weiblicher Personal Trainer zu mir. Sowas lässt man sich natürlich gerne gefallen, auch wenn es sich nur um einen Avatar vom wirklich grandiosen Wii Fit handelt. Da hat Karin einen guten Kauf getan, ich war zuerst nämlich wirklich skeptisch.

Nintendo scheint sowieso gerade eine Strähne guter Spiele zu haben: Nach dem absolut genialen Mario Kart jetzt Wii Fit und demnächst Smash Bros Brawl.

Apropos: Der Bohl kam heute mit seinem nagelneuen Beamer vorbei und wir haben den ganzen Abend Mario Kart mit 2,5m Bilddiagonale gezockt. Ich sag nur so viel: Probiert das unbedingt mal aus, wenn ihr irgendwo nen Beamer zur Hand habt. In der Uni zum Beispiel ;). So kann man sogar brauchbar zu viert zocken, was auf dem Fernseher irgendwie nicht so ne gute Idee ist.

Nachtrag: Wo bleibt der Nude-Patch für Wii Fit?


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