So, da hab ich glatt seit drei Wochen nichts mehr geschrieben. Ich bin nicht verschollen und ich war auch nicht in der Karibik oder so. Ich hatte nur tatsächlich nicht die Ruhe für die Arbeit an meinem Blog. Wieso, wo ich doch in erster Linie arbeitslos bin? Bin ich gar nicht, ich bekomme nur zu wenig Geld rein, dabei habe ich eigentlich zwei Minijobs. Der eine davon ist wirklich mini-mini und bringt mir kein nennenswertes Geld ein und der andere in der Uni lediglich 200 Euro. Das heißt aber nicht, dass ich in den letzten Wochen faul gewesen bin. Aber der Reihe nach:
Demonstrieren gehen für Anfänger
Ich tatsächlich bei der Demo gegen die Vorratsdatenspeicherung – für läppische zwei Minuten. Der Grund dafür war der "Schwarze Block". Steve und ich wollten mal so gucken und kamen Unter den Linden aus der (unterirdischen) S-Bahn vor dem Hotel Adlon gekrochen und fanden uns inmitten einer recht unangenehmen Stimmung zwischen den Fronten der offensichtlich nicht gerade gewaltunbereiten Demonstranten und der Polizei in voller Demo-Eindämmungs-Montur wieder. Nebenbei auch auf den Fotos, die die Polizei von der Crowd gemacht hat, na prima. Die Stimmung war uns zu krass, also haben wir uns wieder verpisst. Immerhin sind wir da gewesen! Meine erste (freiwillige, aber das ist ne andere Geschichte) Demo und hoffentlich meine letzte. Hatte ich meine Abneigung gegen Demos aller Art schon geäußert? Nichts gegen die heeren Ziele, aber das Mittel Demo ist mir persönlich zuwider. So trage ich also lieber bei allen Gelegenheiten mein schniekes orangefarbenes Stasi 2.0 Shirt, rede und schreibe für die Sache und so.
Ach ja, die Stelle vor dem Eingang vom Adlon war übrigens wohl wenige Minuten später Schauplatz kleinerer Gemenge, bei der Stühle und Tische zu Bruch gegangen sind. Gut also, dass wir da nicht geblieben sind.
Berlin ist doch fast immer eine Reise wert
Ich mochte Berlin nicht. Ich mag es auch immer noch nicht so sehr, dass ich dort leben möchte. Aber das Wochenende in Berlin hat mich total geflasht. Die Bohème mäßige Stimmung in Mitte/Prenzlberg ist toll und die Bedienungen kamen mir irgendwie freundlicher vor, weniger unwirsch als ich es in Erinnerung hatte. Also sage ich nun: Fahrt nach Berlin und genießt die Stimmung an der Spree oder im Tiergarten oder wo auch immer. Meine Interpretation davon ist übrigens, dass der Anteil der echten (bzw. eingeborenen) Berliner immer mehr abnimmt und durch zugezogene Leute ersetzt wird. Wo das in manchen Gegenden zum Kotzen ist, ist es in Berlin in meinen Augen sehr heilsam.
Bandscheibenvorfall – Zeitfresser
Mein Vater hat einen Bandscheibenvorfall und da ich gerade halbwegs viel Zeit hatte, habe ich ihn in den letzten Wochen alle zwei bis drei Tage zum Arzt gefahren und ab und an meiner Mutter mit dem Haushalt geholfen, der das ganze reichlich über den Kopf wuchs. Ich habe das wirklich sehr sehr gerne gemacht und finde es auch völlig selbstverständlich, aber leider hat das ganze dafür gesorgt, dass mir neben den regulären Jobs und ein paar kleineren Aufträgen einiger noch übrig gebliebener Kunden keine Zeit mehr geblieben ist. Puh! Aber er wurde vorgestern erfolgreich operiert, so dass mir vielleicht nun etwas mehr Luft bleibt. Zeit um zu bloggen, die aufgestaute c't zu lesen, mich um einen richtigen Job zu kümmern und vielleicht endlich mal mein Projekt zu beginnen, das immer mehr in weite Ferne rückt.
Das Projekt
Venture Capital scheint mir inzwischen gar keine soooo schlechte Idee mehr zu sein. Also kein Heuschrecken-Scheiß, aber es muss doch auch VC geben für Projekte wie meins. Projekte, die viel Potenzial haben aber an zu hohen Gewinnerwartungen garantiert ersticken würden. Kapitalgeber, die an die Sache glauben und nicht irgendwann kurzsichtigen Einfluss auf das Geschäft nehmen, sondern sich dauerhaft heraushalten aus dem Geschäft. Gibt es sowas?
Aber was brauche ich an Kapital? Vorleistungen sind eine saubere und sichere Programmierung für eine erste Version, die online gehen kann. Designleistung müsste auch zugekauft werden. Dann ein wenig Kriegskasse und schon sind wir bei Summen die unschön hoch sind. Wenn ich aber selber programmiere brauche ich ewig und wirklich gut wird das so nie (allemal besser als die Konkurrenz in den meisten Belangen aber allemal). Ich brauche noch etwas Zeit zum nachdenken glaube ich.
Die Job-Situation
Die Frage ist für mich ja in erster Linie, ob ich jetzt (bzw. ab Januar) voll in einen Job einsteigen soll. So mit Dienstwagen, Anzug, Firmenausweis und so. Spontan sehe ich mich da wirklich nicht, aber wer weiß schon wo mich das Leben hintreibt… Die andere Alternative, die mir deutlich besser steht, ist der Projektleiter bzw. Firmenchef meines eigenen großen Webprojektes, wo wir wieder beim VC wären. Oder ich lande unterbezahlt und überarbeitet in einer hippen Webagentur. Warum eigentlich nicht, die Träume kann man auch später… ihr wisst schon.
Und sonst?
Der dritte Bourne-Film war ausgesprochen gut, keinesfalls verpassen!
Asis zu reizen ist zwar ausgesprochen lustig, aber man sollte es mit Blick auf seine eigene Unversehrtheit trotzdem bleiben lassen. Die Asireflexe sind teilweise sehr ausgeprägt und sollten nicht unterschätzt werden. Also haut nicht von außen an die Scheibe einer losfahrenden Straßenbahn, wenn dahinter ein Asi sitzt, auch wenn er es mit seinem Handyspeaker wirklich verdient hatte (ich habe das nur vorgeschlagen, gemacht hats mein Mitbewohner, der auf die gleiche Idee gekommen ist). Der Typ wird im Zweifel aufspringen und versuchen die fahrende Bahn zu verlassen, nur um Euch als prompte Antwort seine Faust oder sein Messer schmecken zu lassen. Wir hatten Glück, dass die Bahn schon fast über die Kreuzung war und der Typ nicht die 300m von der nächsten Haltestelle zurück gerannt gekommen ist, obwohl sein böser Blick dies vermuten ließ und wir vorsichtshalber in eine andere Richtung zum Umsteigen gegangen sind. Wusstet ihr, dass an einem Montag um 23:45 Uhr in fast jeder Haltestelle der 706 ein telefonierender Asi sitzt, der zwielichtig aussieht und nicht in die Bahn einsteigt. Unsere paranoide Phantasie spann schon wüste Theorien von Asi-Telefonketten. Also mein Tipp: Bleiben lassen und sich die Panik sparen.