Warum der Pornomodus von Opera momentan nichts taugt

03 03 2010

Opera 10.50 wurde gestern veröffentlicht und bringt neben einem echten Geschwindigkeitsschub und endlich einer Windows 7 angemessenen modernen Optik auch den von mir schon lange vermissten Pornomodus mit. Nur leider ist der derart blöd eingebunden, dass er quasi wertlos ist.

Es fängt damit an, dass man den Modus dank fehlenden Tastenkürzels umständlich aus der zweiten Menüebene oder dem Kontextmenü der Tableiste hervorkramen muss. Was zur Hölle soll das? Nun gut, sicher kann man den Privatmodus an bestimmte Bookmarks binden… Kram, such, kann man nicht. Dreck. Dann hat Opera ja auch die super geniale Funktion der Seitenspezifischen Einstellungen, da kann man sicher den Privatmodus für einzelne Seiten aktivieren… Nope, auch hier nichts vom Privatmodus zu sehen. Nun gut, dann mache ich eben so einen privaten Tab auf und rufe dann die entsprechenden Bookmarks auf. Hab ich gedacht, ganz bauernschlau. Doch weit gefehlt: Das Aufrufen von Bookmarks öffnet einen neuen Tab im Standardmodus. Nicht mal das Kontextmenü von Lesezeichen im Panel bietet das Öffnen im Privatmodus an.

Zusammenfassend muss ich leider sagen, dass der Privatmodus wirklich denkbar schlecht implementiert wurde: Es ist unter keinen simplen Umständen möglich, Bookmarks im Privatmodus auszurufen und wenn der Privatmodus in der zweiten Menüebene ohne Tastenkürzel dahinschimmelt, wird ihn auch niemand regelmäßig aktivieren. Als einzige Möglichkeit bleibt, ein zweites Opera-Fenster im Privatmodus zu öffnen, in dem man dann auch Bookmarks aufrufen kann. Das geht sogar mit einem Tastenkürzel, immerhin.

Warum nur, Opera? Es ist ja nicht so, als hätten nicht alle anderen Browser bessere Implementierungen dieser Idee parat. Seid ihr zu stolz, von anderen abzugucken? Warum so halbherzig? Schaut euch mal den Firefox an, dessen Privatsphäreeinstellungen sind bestechend simpel, sogar rückwirkend kann man hier gezielt einzelne Seiten oder Zeiträume aus der History kicken. Eure Seitenspezifischen Einstellungen sind so ein großartiger und von mir oft genutzter Ansatz, warum taucht der Pornomodus hier nicht auf?

Randbemerkung: Es ist für mich kein Widerspruch, Bookmarks und Privatmodus gleichzeitig nutzen zu wollen. Ob eine detaillierte Porno-History angelegt wird, die zudem auch noch andere Seiten aus der Autovervollständigung verdrängt und vor allem auch dort auftaucht, wenn einem Leute über die Schulter sehen, oder ob man nur ein Bookmark in den Lesezeichen liegen hat, ist für mich ein zentraler Unterschied. Vor mir selber habe ich nichts zu verbergen, der Pornomodus ist also für mich lediglich eine Komfortfunktion zur History- und Cookie-Hygiene. Ich würde also erwarten, dass bei den Seitenspezifischen Einstellungen (oder im Bookmark) der Pornomodus wählbar ist, dieser in den Tabs klar gekennzeichnet ist und sich vor allem auch auf die darin verlinkten Seiten auswirkt.

Und wo wir gerade beim Thema Opera und Lästigkeiten sind:

  • Warum kann ich die Mausgeste für einen neuen Tab nicht mehr benutzen, wenn alle Tabs minimiert sind und ich den grauen Hintergrund sehe? Bisher ging das immer, jetzt muss ich hier einen Doppelklick machen. Kleine Umgewöhnung, halb so wild, aber überflüssig und inkonsistent. Ein Doppelklick in einen bestehenden öffnet ja auch keinen neuen Tab, dafür gibt es ja die Geste.
  • Lästiger ist, dass man noch immer nicht die Reihenfolge der Symbolleisten ändern kann: Ich habe die Tableiste und die Persönliche Leiste oben positioniert; das sorgt leider dafür, dass der coole neue O-Button nicht im Fensterrand hängt, sondern links von den Tabs. Ich hätte also gerne die Persönliche Leiste (Bookmarks) unter den Tabs oder wenigstens den coolen O-Button trotzdem im Fensterrand. Warum geht das nicht?
  • Warum gibt es beim neuen und an sich sehr gelungenen Standard-Skin allerlei unfassbare Farben als Farbschema, aber keine neutrale dunkle Farbe? Das System-Farbschema ist schon OK, aber grau und ein weißer Hintergrund im Schnellstarter sind keine wirklich erfreulichen Gesellen.
  • Warum gibt es keinen Feeds-Button für die Symbolleiste? Einen Lesezeichen-Button gibt es ja auch und ohne Menüleiste braucht man irgendwie einen direkten Zugang zu den Feeds. Klar, man kann sich im Netz benutzerdefinierte Buttons besorgen, so einen habe ich ja auch, aber der ist kleiner als der Lesezeichen-Button und fällt total aus dem Rahmen.
  • Der eingebaute Torrent-Client schnappt sich bei ein paar aktiven Torrents gerne mal die gesamte zur Verfügung stehende Bandbreite, so dass man parallel nicht mal mehr normale Websites aufrufen kann. Das muss man bei 50/10MBit VDSL erst mal schaffen.

So, genug gemeckert. Opera ist nämlich für mich immer noch der beste Browser von allen. Chrome gefällt mir auch sehr gut und in Zukunft will Google auch auf die eindeutige ID verzichten, wie ich gehört habe. Mit der neu hinzugekommenen Extension-Schnittstelle und seiner Smoothness ist er ein heißer Kandidat für den besten Browser. Firefox ist nachwievor (unter Windows und Linux) großartig und ich benutze ihn ebenfalls intensiv, wenn ich auch aus Gründen der Smoothness und aus Gewohnheit für das alltägliche Surfen seit nunmehr etwa 11 Jahren ununterbrochen Opera nutze. Safari ist inzwischen auch ein prima Browser, aber unter Windows eher überflüssig und vor allem gibt es ihn nicht als portable Version, was für mich als Webentwickler ziemlich bitter ist.

Nachtrag 09.03.2010: Wenn man in der Adresszeile opera:config eingibt, kommt man in einen erweiterten Config-Dialog, ähnlich wie bei Thunderbird und Firefox. Dort kann man so einige Nervigkeiten von Opera loswerden, etwa den Bandbreitenhunger für Torrents oder die Tab-Integration in der Windows 7 Taskleiste. Immerhin.


Linux lernen

11 12 2009

Zu meinem Job gehört auch die Administration von Linux-Servern, wenn man nicht immer auf den guten Willen seines Hosters angewiesen sein möchte. Dazu braucht man Linux-Kenntnisse, die man irgendwie erwerben muss, bevor man öffentliche Server betreut. Grundsätzlich sollte man das zwar Profis überlassen, die wissen, was sie tun, aber manchmal muss man eben auch selber ran. Doch wie fängt man an, ohne jemanden zu gefährden? Linux-Kenntnisse hat man ja nicht einfach so gottgegeben, sondern muss sie sich erarbeiten. Ich schreibe also mal ein paar meiner Erfahrungen aus Sicht ein es Webentwicklers nieder, der ein Arbeitswerkzeug bedienen können muss.

Ich beginne mit meinen ersten (dummen) Gehversuchen, also so, wie man es nicht machen sollte. Anfang 2003 hatte ich das Shared-Hosting bei Hosteurope satt, weil ich wiederholt mit meiner Shared-IP auf SPAM-Blacklists gelandet war, es musste also eine Lösung her. Zu der Zeit kamen die ersten bezahlbaren Rootserver auf den Markt und ich war übermütig genug, ohne jegliche Linux-Kenntnisse einen solchen zu bestellen und auch noch Kunden da mit drauf zu nehmen. Ahnungslos hatte ich mich damals für Suse mit Webmin entschieden und habe das mit viel Schmerz und Tränen irgendwie zum Laufen bekommen. Also alles selbst kompiliert und eingerichtet, und danach nie wieder Updates gemacht. Von Paketmanagern wusste ich damals nicht viel und ich hatte immer Angst, dass irgendwas passiert. Nach etwa zwei Jahren habe ich alle Kunden umgezogen und den Server gekündigt. Eine gute Entscheidung, denn jetzt konnte ich wieder ruhig schlafen. Fazit: Ich hatte im Grunde nichts verstanden und mit Suse kam ich ganz und gar nicht klar.

Da ich das ganze mit der Webentwicklung dann später ernster genommen habe, kam ich irgendwann wieder in Kontakt mit Linux. Diesmal in Form einer virtuellen Maschine mit Ubuntu Server drauf. Ich war das hantieren mit XAMPP leid und wollte endlich mal lernen, mit dem Scheiß umzugehen. Das war eine sehr gute Entscheidung. Ubuntu erbt die meisten guten Eigenschaften von Debian und ist zudem auch noch hervorragend dokumentiert. Ich kann nur jedem empfehlen, die ersten Schritte mit Linux-Servern in einer virtuellen Maschine zu machen und vor allem, sich die distributionsspezifischen Verwaltungswerkzeuge zu nutze zu machen, insbesondere die Paketverwaltung. Welche Distribution einem liegt, sollte man einfach ausprobieren, ich bin mit Ubuntu auf Desktop und Server sehr glücklich. Der Debian-Unterbau ist Gold wert, alleine die Apache-Verwaltung über die hervorragend dokumentierten Konfigurationsdateien ist eine wahre Freude.

In meinem HiWi-Job hatten wir immer mit einem unglaublich langsamen Server im Rechenzentrum zu kämpfen. Wie sich später herausstellte, hatte uns der Admin eine virtuelle Maschine mit nur 128MB RAM spendiert, für eine TYPO3-Seite mit 1000 Seiten, 70 Redakteuren und hohen sechsstelligen Zugriffszahlen im Monat ist das dann doch etwas wenig. Als der Admin wechselte, wurde aufgeräumt und man bat uns, für eine Weile das Hosting selber zu übernehmen. Also habe ich einen Ubuntu-Server auf einem ausrangierten PC-Pool-Rechner aufgesetzt, der bis heute weitgehend reibungslos läuft. Gelegentlich hängt er sich auf in letzter Zeit, das scheint an einer überlasteten MySQL-Datenbank zu liegen. Merke: Auch Übergangslösungen sollte man richtig machen, denn oft werden sie zum Dauerprovisorium. Übrigens gibt es inzwischen neue Hardware und mein Nachfolger muss den ganzen Server migrieren, was überraschend einfach ist. Ich will nicht sagen, dass es eine gute Lösung ist, wenn ich öffentliche Server verwalte, aber dank Ubuntu und einiger Übung in der virtuellen Maschine habe ich das ganz gut hinbekommen. Trotzdem laufen meine eigenen Präsenzen auf einem Managed Server. Insbesondere Geschichten wie Mailserver mit Spamfiltern oder Jabber-Server lasse ich weiterhin nur Profis machen. Ein LAMP-Server bekommt man aber auch so gut hin und leider besser, als bei vielen Hostern. Was ich da schon gesehen habe… Da mache ich das dann doch lieber selbst.

Wenn ich schon Rootserver mit Plesk sehe, rollen sich mir schon die Fußnägel auf. Wer sich nicht in der Lage sieht, einen Linux-Server richtig über die Kommandozeile zu warten, sollte die Finger davon lassen. Wenn man weiß, was man tut und sich von Plesk die Arbeit abnehmen lässt, OK, kann ich zwar nicht gutheißen, aber wenigstens nachvollziehen. Aber anders herum ist es ganz bitter. Wo Plesk ist, da lass Dich nicht nieder, ist meine Regel.


Wordpress hat schlimmen Code, andere aber auch

07 09 2009

Wer ernsthaft beruflich oder auf hohem Niveau in seiner Freizeit mit PHP arbeitet und älter als 15 ist, dem stehen wahrscheinlich beim Blick in den Quellcode von Wordpress die Haare zu Berge. Code is art ist ein wunderschöner Wordpress-Slogan, der in dem Kontext aber wirklich mehr als unangebracht ist. Schlimmer als der zusammengezimmerte Kern von Wordpress, der aktuell mal wieder mit einem notdürftigen Flicken gegen den grassierenden Wordpress-Wurm repariert wurde, sind aber die meisten PlugIns. Viele sind offenbar von blutigsten PHP-Anfängern schnell und ergebnisorientiert runterprogrammiert worden, was von Wordpress ja geradezu provoziert wird und was auch großen Anteil an der Beliebtheit des Systems trägt. Jeder ahnungslose Anwender kann mit ein paar Zeilen PHP-Code schnell das erreichen, was er gerade braucht. Das erinnert mich an meine Anfänge mit PHP im Jahr 2001 mit dem damals herausragenden phpBB 1.4. Hier war im Grunde alles hartkodiert und wenn einem irgendwas nicht gefiel, hackte man irgendwie im Quellcode herum. Ein Templatesystem wurde erst mit Version 2 eingeführt und auch hier hackte man noch alle möglichen MODs in das System, was ein Update praktisch unmöglich machte. Folge waren haarsträubende Sicherheitslücken, die nicht gestopft wurden. Wordpress vermeidet dieses Modding immerhin mit einem sehr flexiblen PlugIn-System, der Zugang für Dilettanten und Anfänger wurde dadurch aber noch einfacher. Das Ergebnis sehen wir zur Zeit, Gerrit van Aaken hat das schon zusammengefasst: Bei Wordpress hilft nur ein schmerzhafter Neuanfang, so wie TYPO3 das momentan auch vollzieht und wie phpBB das auch schon zwei mal hinter sich hat.

Nun will ich nicht so viel auf Wordpress rumhacken, wenn ich es selber gar nicht benutze. Im Grunde ist das System großartig, wenn man die miese Codebasis ignoriert. Ich will auf etwas ganz anderes hinaus, nämlich die Codequalität von Serendipity-PlugIns. Wann immer ich ein Seitenleisten-PlugIn installiert habe, musste ich dessen Code bearbeiten, weil die HTML-Ausgabe standardmäßig schlimm aussah oder gar fehlerhaft war. Das PlugIn-System von S9Y ist auf den ersten Blick recht kompliziert, was totale Dilettanten vom PlugIn schreiben abhält; das ist schon mal gut. Trotzdem ist die Codequalität der PlugIns oft eher mäßig. Fast überall wird zum Beispiel der HTML-Code mit echo direkt da ausgegeben, wo er anfällt, natürlich mit irgendwelchem HTML-Code drumherum, den der Autor gerade für angemessen hielt. Kein Wunder also, dass der Output nicht immer angemessen ausfällt. Ich habe vor einiger Zeit ein eigenes Seitenleisten-PlugIn für Twitter geschrieben, weil das alte u.a. genau dieses Problem zeigte. Ein Kernfeature meines PlugIns war der Einsatz einer Templating-Engine. Die zu implementieren war PHP-seitig ein Kinderspiel für jeden halbwegs erfahrenen PHP-Programmierer. Die Frage ist nun, warum zur Hölle von den paar offiziell verfügbaren PlugIns noch fast keines so ein Templating-System mitbringt? Es täte S9Y wirklich immens gut, wenn sich mal jemand hinsetzen würde und ein paar der PlugIns auf den aktuellen Stand bringen würde. Also zumindest eine Templating-Engine einbauen und die Ausgabe entsprechend anpassen, aber auch manch andere Routine könnte mal überarbeitet werden. Gegenüber Wordpress ist das Jammern auf hohem Niveau, aber auch S9Y ist merklich in die Jahre gekommen, vor allem seine PlugIns.

Wenn ich sowas lese, pflege ich zu antworten, derjenige soll nicht jammern, sondern selber anpacken. Das gilt auch für mich, sicher. Allerdings habe ich immens schlechte Erfahrungen mit meinem Twitter-PlugIn gemacht. Das einzige konstruktive Feedback kam vom unglaublich engagierten Chefprogrammierer selber, der mir meinen ursprünglich geplanten Arbeitsaufwand mit Änderungswünschen um das Mehrfache aufgeblasen hat. Am Ende war das neue PlugIn wirklich großartig geworden, ich bin richtig stolz darauf. Die ganzen angeforderten Änderungen kreisten alle um funktionale Anpassungen an das alte PlugIn, so dass mein neues PlugIn alle Funktionen des alten hatte, nur eben diesmal in gut. Dann kam das Problem: Es gab kein Feedback von Dritten und stattdessen hat mir ein ätzender Troll auch noch ans Bein gepisst und einen extra Thread im Forum aufgemacht, um mich als Schnösel zu dissen (weil ich PHP4 Nutzer, die PHP4 Kompatibilität einfordern, als Ewiggestrige bezeichnet habe und er sich davon angesprochen fühlte). Ich habe mein Engagement für S9Y daraufhin nach ein paar Tagen Diskussion eingestellt, denn für kostenlose und gute Programmierarbeit möchte ich echt alles andere haben als von irgendwelchen undankbaren Typen beschimpft zu werden. Mein PlugIn ist übrigens nie im Repository erschienen und stattdessen gibt es ein funktional wirklich krasses anderes PlugIn; hoffentlich ist wenigstens meine Arbeit da eingeflossen und war nicht völlig umsonst. Wie auch immer: Ich werde keine Arbeit mehr zu S9Y beitragen; wenn ich etwas neu baue, reiche ich das im Forum ein und wenn sich niemand drum kümmert, soll mir das egal sein.


Es muss weh tun, aber so richtig!

02 09 2009

Der Sportartikelhersteller JAKO ist plötzlich in aller Munde. Binnen 48 Stunden erlangt die Marke die traurige Berühmtheit, die dreisteste und unangemessenste Blogger-Abmahnung weit und breit verbrochen zu haben. Die Ausgangslage gibts als Kurzfassung im Wikipedia-Eintrag zu JAKO (vorsicht: Edit-War) und eine wirklich gute Zusammenfassung des Falls liefert Thomas Knüwer im Handelsblatt.

Es ging richtig los, als ein recht gut gelesener Blog die Story aufgreift und sich die Story über Twitter innerhalb weniger Stunden durch die ganze deutsche Bloglandschaft verbreitet, wie ein Lauffeuer. Blogger reagieren extrem empfindlich auf solche Storys, weil solche Willkür jederzeit auch sie treffen kann. Und diese Variante ist neu und macht einfach nur sprachlos in ihrer realitätsverneinenden Dreistigkeit. Das ist eine neue Stufe im Abmahnwahn. Natürlich solidarisiert man sich spontan, regt sich unheimlich auf. Tags drauf erreicht die Story Spiegel Online und andere Medien (etwa heise.de oder HORIZONT.NET), das Agenda Setting von Twitter und den Blogs funktioniert inzwischen recht gut. Man spricht von einem PR-GAU erster Kajüte. Und ja, das ist es allerdings, und zwar zu Recht!

Jedes Unternehmen, das meint, in einer derartigen Form auftreten zu können, muss bluten. Es muss weh tun. Es muss ein abschreckendes Beispiel abgeben, dass sich so ein Mist nicht lohnt, sondern zu einem Bumerang schrecklichen Ausmaßes wird. Ich warte auf ein Unternehmen, dessen Untergang auf so einem Scheiß basiert und dessen Fall die PR- und Unternehmensführungsliteraur schmückt. In meinem Studium kam Unternehmensethik durchaus vor und auch der Umgang mit Kritik: Nestlé war mit seinem Milchpulver-Skandal ein Beispiel und Shell mit der Brent Spar, die Sache ist also nichts neues. Wirkt sich das in der Praxis aus? Nein. Die ganzen Business Kasper müssen eingebleut bekommen, wie man sich unternehmensethisch korrekt verhält. Im Internet scheint das noch nicht bei allzu vielen angekommen zu sein. Das, was JAKO da rausgehauen hat ist derart mustergültig asozial und falsch, dass es brummt. Ich kann wirklich nur hoffen, dass JAKO diesen Skandal auch zahlenmäßig operationalisiert aufs Brot geschmiert bekommt. Nur harte Zahlen können wirklich etwas bewegen bei ahnungslosen Entscheidern.

Aus der Geschichte lassen sich zwei Forderungen ableiten: Zum einen sehe ich eine Teilschuld ganz klar beim schief hängenden Instrument der Abmahnung. Was spricht dagegen, wie in England eine vorherige kostenfreie Anfrage bezüglich der Entfernung des Abmahngegenstandes vorzuschreiben? Ein einfacher Anruf oder eine simple E-Mail würde reichen, um die meisten Streitereien im Keim zu ersticken, schnell und unbürokratisch. Eine Abmahnung kann man immer noch raushauen, wenn das nicht fruchtet. Die zweite Forderung kommt ins Spiel, wenn die Rechtslage so bleibt: Es gibt Bedarf für ein allgemeines Verzeichnis zu Unrecht oder übertrieben abmahnender Unternehmen. Ein Zentralregister für Rechtsmittelmissbrauch quasi. Das Instrument Abmahnung ist ja mit Absicht so aufgebaut, wie es ist. Dass es derart massenhaft und haarsträubend missbraucht wird, ist ein recht neues Problem und ist mit dem Internet ins Spiel gekommen. Und das funktioniert nur, weil plötzlich Unternehmen mit Rechtsabteilung gegen leicht einzuschüchterne Bürger antreten. Da ist viel zu holen. Ein prima Thema also für die Piratenpartei, denn die etablierten Parteien kümmern sich schon seit Jahren nur halbherzig oder gar nicht um das Thema.

P.S. Natürlich hat JAKO sich auch noch einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt für seine Aktion ausgesucht: Die Netzaktivistenszene hat sich gerade erst schlagfertig aufgebaut für einen Kampf gegen all diesen Mist, die Stimmung ist nicht zuletzt wegen des Wahlkampfes extrem aufgeheizt, die Multiplikatormaschine läuft auf Hochtouren. Und dann kommt da so ein Unternehmen angestolpert, gerät volles Rohr in diese Maschine und bekommt all den grassierenden Unmut stellvertretend für die CDU volle Breitseite ab. Gegen einen deutlichen Wahlsieg der Internetausdrucker wird man nicht viel ausrichten können, aber die dafür in Stellung gebrachte Kampfkraft kann man ja mal am nächstbesten Unternehmen ausprobieren, das es sich verdient hat. Hätte JAKO die Nummer vor einem Jahr gebracht, wäre die Sache sicher anders ausgegangen.

Nachtrag 03.09.2009: Im Wikipedia-Eintrag herrscht gerade ein Edit-War über den Eintrag, deswegen gibts die schöne Kurzfassung vielleicht gerade nicht. Langfristig wird sie aber drin stehen, deswegen bleibt der Link.

Nachtrag 04.09.2009: JAKO hat inzwischen eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der man einräumt überreagiert zu haben. Kein Wort zur haarsträubenden Rechtsauffassung, die im Anwaltsschreiben sehr klar formuliert war (siehe Urprungseintrag auf allesaussersport.de), weiter spricht man in scheinbar leicht beleidigtem Ton:

Ohne die endgültige Klärung des Sachverhalts unter den Rechtsanwälten abzuwarten, alarmierte Baade daraufhin die Bloggerszene.[…]

Wir haben uns rein rechtlich überhaupt nichts vorzuwerfen, betont Rudi Sprügel, aber rückblickend betrachtet, wäre es viel besser gewesen, wir hätten mit Herrn Baade persönlich Kontakt aufgenommen und die Sache mit ihm direkt geklärt. Sprügel bedauert, dass sich die Auseinandersetzung unnötigerweise so aufgeschaukelt hat.

Ein echtes Mea Culpa sieht anders aus, aber was will man von einer Pressemitteilung anderes erwarten. Der ganze Text versucht krampfhaft, JAKO in der Sache noch halbwegs gut aussehen zu lassen. Wo ist das Signal, dass Jako und seine Rechtsberater in Zukunft vorher nachdenken und nicht nachher? Ich bin mir sicher, dass beide Seiten aus dieser unerfreulichen Geschichte gelernt haben. ist zu schwammig. Was hat JAKO aus der Sache gelernt? Sieht man ein, dass Abmahnungen der falsche Weg sind, mit Kritik umzugehen? Dass man sich einfach melden könnte und solche Sachen gütlich klären oder eben auch mal Kritik, auch unsachliche, einfach hinnehmen? Immerhin räumt man ein, dass die zweite Eskalationsstufe überreagiert war. Der Chef will sich zudem dafür einsetzen (nur einsetzen?), dass Trainer Baade keine finanziellen Nachteile erwachsen und lädt ihn zu einem Gespräch in die Firmenzentrale ein. Mir reicht das nicht für eine volle Rehabilitation. Diese Reaktion ist wirklich nur das mindeste, was JAKO tun konnte, damit es nicht noch schlimmer wird; um das Image zu reparieren, wäre aber mehr nötig. In der Uni lernt man zum Thema Krisen-PR recht klare Anweisungen, daran sollte sich auch JAKO halten. Kurz gesagt: Man geht offen auf die Kritiker zu, redet Klartext, räumt berechtigte Kritik in vollem Umfang ein, verspricht für die Zukunft Besserung im Sinne von Besserung und nicht nur "kommt nicht nochmal vor, ihr Spackos". Welche konkreten Maßnahmen hat das Unternehmen eingeleitet, um den Dialog mit den Kunden zu verbessern? Vielleicht verspricht man sogar, in Zukunft an der Diskussion teilzunehmen statt sie unterdrücken zu wollen. Und vielleicht tut man das sogar auch noch und stellt einen Community-Manager ein, der kein PRler ist, sondern eben ein Community-Manager. So kann man den Vorfall sogar ins Positive drehen, das geläuterte Unternehmen. Nur muss man das auch tun und nicht nur versprechen, sonst wird jemand garantiert die Aussagen in einem Jahr noch mal auf den Tisch holen und überprüfen. Im Übrigen ist ein Community-Manager sowieso keine schlechte Idee, auch ohne Krise. Der Community-Manager sucht Diskussionen über JAKO im Netz und klinkt sich ein, wo Kritik oder Wünsche geäußert werden. Das tut er offen als Firmenmitarbeiter und bietet Lösungen auf dem kleinen Dienstweg an. Fußballclubs haben selbstverständlich Fanbetreuer, der Community-Manager ist sowas ähnliches, nur eben für die Kunden und im Internet.


Aber wenn nur ein Kind…

05 08 2009

Immer wieder bekommt man in der Zensurdebatte als Argument für Netzsperren gegen Kinderpornographie das gleiche dumme Argument zu hören: Wenn durch die Netzsperren nur ein Kind weniger missbraucht wird, dann hat sich das ganze gelohnt! Mir fällt wirklich kein dümmeres Argument ein als dieses. Sollte man diesem Argument konsequent folgen, wäre exakt alles erlaubt, um Kindesmissbrauch zu verhindern. Alles, was auch nur im entferntesten dazu beitragen könnte, wäre in Ordnung. Eigentlich brauche ich nicht weiter schreiben, denn jeder kann sich selbst ausmalen, was man denn dann alles tun könnte und konsequenterweise auch müsste. Trotzdem ein Beispielezur Verdeutlichung, was ich meine:

Diesem Argument folgend müsste man also in jede Wohnung eine Kameraüberwachung durch die Polizei installieren oder noch besser direkt 24 Stunden am Tag einen Polizisten ausnahmslos jedes Kind begleiten lassen. Wobei… dem Argument folgend kann man auch der Polizei nicht trauen, also lässt man jedes Kind stets von zwei Polizisten begleiten, die sich alle Nase lang abwechseln. Nicht, dass es noch Absprachen gibt.

Verdammt, macht Euch doch mal frei von diesem Verfolgungswahn und macht Euch frei vom Gedanken der totalen Sicherheit. Die wird es nicht geben, nie und nimmer. Und damit muss man einfach klar kommen. Niemand möchte, dass irgendwo Kinder missbraucht werden. Man wird es aber leider nicht verhindern können, so sehr man sich auch anstrengt.

OK, aber warum finde ich das Argument so dämlich? Wenn die Netzsperren doch vielleicht dabei helfen? Das Argument an sich ist in meinen Augen schlicht und einfach ungültig, weil es auf alles passt. Ein Totschlagargument, auch wenn ich den Begriff nicht mag. Wer auf so eine Argumentation zurückgreift, hat sonst nichts vorzubringen oder ist rein emotional gesteuert. Neulich kam eine Freundin mit genau diesem Argument und hatte Wasser in den Augen stehen, weil Kindesmissbrauch sie so wütend und betroffen macht. Emotional zu argumentieren funktioniert in einem echten Diskurs aber nicht, denn die nüchterne Logik ist dabei ausgeblendet, und ohne Logik funktioniert kein Diskurs.

Aber was, wenn doch ein Kind vor Missbrauch bewahrt wird durch die Netzsperren? Ganz ehrlich: Wieso sollte jemand, der Kinder missbraucht, damit aufhören, weil jemand im Web vor möglicherweise davon angefertigten Aufnahmen einen Vorhang zieht? Mir ist die Kette nicht ganz klar, die hier herbeigewunschdenkt wird. Es ist reine Spekulation, dass eine solche Sperre irgendeinen Effekt auf den Tausch von Kinderpornographie hat und erst recht ist es reine Spekulation, dass sie einen Effekt auf die Zahl der Missbrauchsfälle hat. Meine Gegenthese hatte ich hier im Blog schon mal aufgestellt: Was, wenn durch das ganze Gerede um das Gesetz Leute erst auf die Idee gekommen sind, sich mal Kinderpornos anzugucken?

Das alles ganz davon abgesehen, dass nur ein minimaler Anteil aller getauschten kinderpornographischen Bilder im Web (also das, was man im Browser aufruft und worauf sich die Sperren beziehen) auftaucht. Die Strafverfolger sagen recht einhellig, dass der weit überwiegende Großteil per Post transportiert wird. Und jetzt kommt der Sprung zur dummen Argumentation: Wenn der Großteil der Kinderpornos per Post transportiert wird, wäre es dann nicht unsere Pflicht, das Postgeheimnis aufzuheben, wenn dadurch nur ein Kind…? Ich denke es ist klar geworden, wie unsagbar dumm diese Argumentation ist.

P.S. Noch jemand, der mit diesem Argument um die Ecke kommt, ist Nora Reich von den Grünen (hier das Video ihrer Rede auf YouTube). Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihren unfassbar stotterigen Vortragsstil peinlicher finde oder ihre 100%ige Wiedergabe der #Zensursula Argumentation. So oder so, es scheint nicht wenige Grüne zu geben, die dieser Argumentation folgen. Und wer wird es ihnen verübeln, fühlen sie doch in ihrem Herzen, dass was getan werden muss. Denn wenn nur ein Kind…, ihr wisst schon.

P.P.S. Ich wiederhole mich, aber es muss noch mal in aller Deutlichkeit gesagt werden: Es geht hier um die Einrichtung einer Infrastruktur zur Zensur des World Wide Web. Kinderpornographie ist nur die Einstiegsdroge gewesen, denn inzwischen fordert auch Frau von der Leyen selber eine Diskussion über die Ausweitung der Sperren auf andere Inhalte. Aktuell im Angebot: Nazis, Hass, Killerspiele und – Überraschung! – Urheberrechtsverletzungen. Letzteres dürfte übrigens das Hauptziel sein, denn die Musikindustrie kam mit genau dieser Idee schon vor fast zehn Jahren. Jetzt, wo das Fass offen ist, sollten wir uns also schnell vom Glatteis der Kinderpornodiskussion herunter bewegen und Tacheles reden: Es geht nicht um Kinderpornos. Leute, lasst Euch doch nicht verarschen.

P.P.P.S. Ich werde hier nicht alle meine Inhalte wiederholen. Unter diesem Artikel gibt es eine Liste von Schlagwörtern, auf die man draufklicken kann. Unter dem Schlagwort "aktivismus" finden sich eine Menge vorhergehender Artikel zum Thema. Bevor man mich also volllabert, sollte man da mal nachlesen, was ich bereits geschrieben habe.

Nachtrag: Wer immer noch abstreitet, dass hier eine Zensurinfrastruktur für das Web aufgebaut wird, hat scheinbar die Nachrichten nicht gelesen, etwa bei heise.de (auch wenn das Familienministerium dementiert, muss man das aus dem Wortlaut des Interviews doch entnehmen). Aber Frau von der Leyen ist in bester Gesellschaft mit Überlegungen zur Ausweitung der Sperren, andere fordern ganz direkt und unverblümt die Ausweitung auf die oben genannten Themenfelder.


TeLMI, Quix, Scall und Skyper - voll 90er ey!

30 07 2009

Irgendwann in den 90ern gab es für normalsterbliche noch kein Internet und allgegenwärtige Erreichbarkeit per Handy war ein undenkbarer Luxus, zumindest für 13 jährige Schüler wie mich. Aber das mit der Erreichbarkeit leuchtete mir total ein, das wollte ich auch am Start haben. Dieses Gefühl gab es wohl auch bei anderen Leuten, denn um 1995 rum kamen gleich vier konkurrierende Pager-Systeme auf den Markt, die ein revolutionäres und für Jugendliche erstmals finanzierbares Geschäftsmodell nutzten: Der Pager-Träger bezahlt außer dem Gerät nichts, nur wer ihn anpagen will, bezahlt. Und da sind wir schon beim zentralen Problem, denn eine einzige Textnachricht kostete den Sender mehrere D-Mark. Völlig kranke Scheiße, die wirklich fast niemand gemacht hat.

Ich hatte mir damals einen grünen TeLMI gekauft, denn obwohl Quix im Grunde cooler war und mit dem Mehrwert verschiedener kostenloser Nachrichtenticker mitbrachte (u.a. die BRAVO-News), war TeLMI das technisch überlegene System. Wenn ich mich recht erinnere, konnte es weit mehr Zeichen pro Nachricht übertragen und hatte eine garantierte Laufzeit von unter einer Minute, während in den anderen Netzen durchaus auch mal zwei bis drei Minuten üblich waren. Für die Umsetzung der Textnachrichten gab es eine Hotline mit menschlichen Operatoren, die sich die Nachricht anhörten und abtippten. Kann man sich heute kaum noch vorstellen, aber so war das System angelegt. Leider schienen die Operatoren bei den paar Nachrichten, die ich insgesamt bekommen habe, nicht allzu sorgfältig zugehört zu haben. Aus der kultigen Nachricht Karl Ranseier ist tot… wurde so etwas unleserliches wie Kairan seier ist tot… oder so ähnlich, nur noch unverständlicher. Ich habe also mindestens sechs Monate lang stets meinen TeLMI dabei gehabt, um insgesamt weniger als 10 Nachrichten zu empfangen, alle davon Test- und Witznachrichten. Ich weiß nicht, was sich die Betreiber damals erhofft hatten bei diesen irrwitzigen Mondpreisen. Gerade Jugendliche können sich eine regelmäßige Nutzung dieses Dienstes schlicht nicht leisten, zudem war der Nutzen ohne Rückkanal sowieso sehr beschränkt. Mehr als Hab Dich lieb und Ruf mich mal schnell bei xy an, hab meinen Schlüssel vergessen. ließ sich einfach nicht sinnvoll übertragen. Von Unterwegs konnte man sich ja auch nicht melden, denn selber hatte man ja auch kein Mobiltelefon. Ein Ich komme später, hab die Bahn verpasst war also auch nicht drin, ganz davon abgesehen, dass diese Nachricht einem in der Praxis dann doch nicht mehrere D-Mark wert gewesen sein dürfte.

Alles in allem eine unerträgliche Totgeburt das ganze und nur wenige Jahre später kamen die Prepaid-Handys mit SMS. Damit konnte man für vergleichsweise günstige, im Grunde aber immer noch lächerlich teure 39 Pfennig pro SMS in zwei Richtungen und wirklich mobil arbeiten. Und sogar telefonieren, wenn man sich das leisten konnte. Großartig. Und Internet zu Hause hatte man auch.

Scall und Skyper waren übrigens irgendwie doof, ich weiß gar nicht mehr, wieso eigentlich. Scall hatte sogar die großartige Idee, einen Pager in der "Swatch the Beep" mit einer Uhr zu kreuzen. Voll future-mäßig, aber fast noch bescheuerter also ein grüner Pager mit Holster am Gürtel. Ich schäme mich auch angemessen, ehrlich. Wobei mir dieses Gürtel-Holster, das ich stets etwas verschämt hinten am Arsch trug, mal eine Faust beschert hat. Als Ronnie mit der Dicken Backe mir den TeLMI abziehen wollte und mich deswegen abgecheckt hat, hat er das da hinten nicht gefunden und mir dann stattdessen vorgeworfen, dass ich seine Schwester angebaggert hätte. Wenn man aufs Maul bekommt ist der aus der Luft gegriffene Grund ja total egal, aber das mit der Schwester ist doch so klischeehaft und dumm. Als ob man sich nicht irgendetwas weniger armseliges ausdenken oder die Faust einfach mal grundlos sprechen lassen könnte.

P.S. In meiner CB-Funk Zeit hatte ich übrigens auch mal einen CB-Funk Pager zusammen mit einem Funkgerät in Autotelefon-Optik von Conrad (die hab ich sogar noch irgendwo). Bei dem Ding konnte man auf der Tastatur eine vierstellige Zahl eingeben und der dazugehörige Pager piepste und schaltete für eine Weile auf Empfang, sofern er denn in Reichweite war. So wir Polizeifunk inkl. des komischen Piepsens, nur eben im 27MHz Band, was dem Pager eine recht lange Wurfantenne bescherte, die einem am bein runter hing. Auch hier war ich der einzige weit und breit mit sowas und konnte mich nur selber anpiepsen. Wow. Oder eben andere mit polizeimäßigem Rumgepiepse nerven, wenig Nutzwert insgesamt, aber immerhin technisch spannend.


Wie man Short-URLs und so verüberflüssigen kann

27 07 2009

Der Microblogging-Server laconi.ca kann jetzt auch Dateianhänge. Das ist nett und macht Twitpic und Co. langfristig überflüssig. Dateiuploads funktionieren sehr simpel: Man lädt eine Datei hoch, der Dienst generiert dazu eine Short-URL mit is.gd. und fügt diese am Ende des Dents ein. Das wars. Dabei hätte man es wahrscheinlich so viel besser machen können.

Im Prinzip ist das Problem mit Dateianhängen das gleiche, wie mit URLs allgemein und verschiedenen anderen Sachen: Sie sind im Grunde Metainformationen zur Nachricht selbst und kollidieren mit dem 140 Zeichen Reintext-Limit beim Microblogging. Das ist etwas unfair, denn URLs sind mitunter sehr lang, gelegentlich sogar länger als 140 Zeichen. Abhilfe schaffen die vielen Short-URL Dienste, aber nun weiß man zum einen nicht mehr, was sich hinter einem solchen Link verbirgt (wie bei dem hier), zum anderen können Dienste schließen und alle darüber generierten URLs würden unbrauchbar werden. Oder aber URLs werden nach einiger Zeit recycelt, was noch schlimmer ist, denn nun zeigt mein Link auf eine völlig andere Seite. Short-URLs sind also scheiße und zu vermeiden, wo es nur geht. Doch wie? Im Folgenden ein paar Lösungsansätze zum Thema.

Wie wäre es, wenn Twitter (stellvertretend für alle Microblogging-Dienste gemeint), eine URL pro Nachricht als Metaangabe erlaubt. Die einfachste Möglichkeit dazu wäre es, von URLs nur ein Zeichen bei der 140-Zeichen Limitierung zu berücksichtigen. Das hätte aber gleich zwei gravierende Seiteneffekte: Erstens bricht man die API, denn viele Dienste erwarten nur 140 Zeichen und würden die Nachricht deswegen einfach abschneiden. Zweitens würde sich schnell die Unart etablieren, ganze Sätze in nicht existierenden URLs zu formulieren und so das Limit zu umgehen. Diese Möglichkeit kommt also keinesfalls infrage.

Eine erste echte Möglichkeit wäre es, wenn Twitter von jeder Short-URL beim entgegennehmen des Tweets das Ziel auslesen würde und dieses Ziel zur Verlinkung (oder als Title-Attribut) in der geparsten Nachricht benutzen würde. In der Textversion (über die API) würde dann aber immer noch alleine die Short-URL stehen, Twitter-Clients, die diese selber parsen, bekämen also davon nichts mit. Zudem werden die URL-Shortener das gar nicht mögen, werden sie so doch brutal übergangen. Das grundsätzliche Problem bliebe bei der Lösung außerdem bestehen: Die Short-URL ist immer noch da, wird archiviert und man ist weiterhin dem URL-Shortener ausgeliefert. Vorteilhaft wäre, dass Twitter das Verfahren sofort einführen könnte und die volle Kontrolle darüber hätte. Sprich: User könnten das Verhalten konfigurieren, wenn sie es nicht mögen und Twitter kann sich aussuchen, bei welchen URL-Shortenern sie das Verfahren anwenden. Denkbar wäre auch, dass Twitter einen eigenen URL-Shortener Dienst anbietet, der das Verfahren implementiert.

Meine eigentliche Idee ist aber Folgende: Twitter erweitert seine API um ein Feld für eine URL (mit max 255 Zeichen). Das Webinterface und Twitter-Clients, die das Verfahren implementiert haben, bieten ein extra Eingabefeld für diese URL und fügen (zumindest übergangsweise) automatisch eine Short-URL dazu in die Nachricht ein. Diese Short-URL wird zweckmäßigerweise von einem dem Dienst angeschlossenen Service bereitgestellt und sollte garantiert so lange leben, wie es den Dienst gibt. Ältere Clients schicken eine normale Short-URL in der Nachricht und Twitter parst diese (bzw. die erste, wenn es mehrere gibt) und füllt die eigentliche URL in das Extrafeld ein. Als einzigen Nachteil des Verfahrens sehe ich, dass durch die Erweiterung der API das Verfahren nicht sofort in voller Schönheit in allen Clients zum Vorschein kommt. Dass so nur eine solche URL pro Nachricht möglich ist, sehe ich angesichts des 140 Zeichen Limits als durchaus konsequent und nicht als Nachteil an. Langfristig sehe ich aber große Vorteile in dem Verfahren: Es ist voll abwärtskompatibel, bringt aber neue Möglichkeiten mit. Können genug Twitter-Clients mit diesen URLs angemessen umgehen, kann man auf das Einfgen einer zusätzlichen Short-URL verzichten und hat die vollen 140 Zeichen für seine Nachricht zur Verfügung. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Clients selbst entscheiden können, wie sie mit URLs umgehen wollen.

Ich halte das für eine saubere Lösung für das leidige Short-URL Problem, aber eben auch für andere Metadaten. Dateianhänge könnten auf die gleiche Weise implementiert werden, intern macht laconi.ca/identi.ca das offenbar ja schon so. Nur hapert es eben an der Anbindung nach Außen. Ebenfalls abgefrühstückt werden könnte dann endlich auch mal eine sinnvolle und nicht störende Geokodierung von Beiträgen. Momentan behilft man sich mit Krücken wie L:Düsseldorf, was für "Location Düsseldorf" steht, oder der sehr hässlichen Einbindung von Geokoordinaten direkt in den Nachrichtentext. Ein Metafeld für Geoinformationen würde hingegen niemanden stören, eine verlässliche Einbindung von Kartendiensten in geofähigen Clients erlauben und so schöne Geschichten wie Live-Twitter-Maps ermöglichen. Flickr hat das so schön vorgemacht.

Mancher mag jetzt einwenden, dass gerade die Einfachheit von Twitter mit dem einen Eingabefeld seinen Charme ausmacht. Dem halte ich entgegen, dass drei kleine Knöpfchen neben dem Eingabefeld für diese Metainformationen der Einfachheit keinen Abbruch tun würden, die vielen Twitter Poweruser hätten aner eine schöne Möglichkeit, ihre Tweets sauber zu halten. Kein Anfänger auf der Suche nach Einfachheit versteht Tweets, wo alles irgendwie verlinkt ist mit #Tags, !Gruppen, L:Orten, http://sho.rt/urls, RTs und @namensnennungen. Da kann man doch beim besten Willen nicht mehr von Einfachheit sprechen und eine Metaangabe für Reply-Tos gibt es schon immer und jeder weiß die zu schätzen.

Meine Forderung an Twitter und identi.ca lautet also: Erweitert Eure API um Felder für eine URL, Geokoordinaten und ggf. einen Dateianhang. Die Leute benutzen diese Sachen tagtäglich und nutzen dafür teilweise ärgerliche Krücken. Schluss damit!

Ich selber werde bei Gelegenheit meine PHP-Twitter-API derart erweitern, dass sie eingehende Short-URLs auflöst und ersetzt (und das Ergebnis cached). Profitieren wird davon mein Lifestream und die Microblog-Anzeige in der Sidebar vom Blog.

Nachtrag 24.08.2009: Inzwischen hat Twitter eine Erweiterung um Geokoordinaten zu jedem Tweet angekündigt, was gut ist. Was aber schlimmer als gedacht ist: Twitter kürzt automatisch und unabschaltbar alle URLs mit mehr als 30 Zeichen mit bit.ly. Ich hasse das, denn wenn ich von meinen 140 Zeichen 60 für eine URL opfere, dann hat das seinen Grund. Hoffentlich ändert sich das irgendwann mal wieder.


Mal wieder: Wie sollte man mit den IE6-Nutzern umgehen?

15 07 2009

So viel wurde schon zum IE6 geschrieben, so viel Hass wurde ausgeschüttet und so viele Erklärungsansätze für den noch immer beschämend hohen Marktanteil dieses Fossils wurden gebracht. Nun muss ich noch mal etwas dazu loswerden. Warum gerade jetzt? Zu einen habe ich zuletzt mehrere Tage unbezahlt mit IE6-Debugging verbracht, zum anderen hat YouTube angekündigt, den Support für den IE6 ab sofort auslaufen zu lassen. Das ist eine großartige Entscheidung, denn bisher hat sich kaum ein reichweitenstarkes Webangebot zu diesem Schritt durchringen können. Die Begründung halte ich für sehr stichhalting: YouTube sagt, dass sie der Support des IE6 glasklar messbar und nicht zu knapp Geld kostet und dass einige neue und praktische Funktionen mit vollem IE6-Support nicht machbar sind. Genau das ist der Punkt. Danke an Google für diesen mutigen Schritt. Denn nur durch Leidensdruck seiner Nutzer wird der IE6 aus den Statistiken verschwinden. Solange die Inhaltelieferanten die teilweise massiven Mehrausgaben bei der Entwicklung für den IE6 tätigen, wird sich an der Situation nichts ändern.

Ein viel gehörtes Argument ist ja, dass viele Nutzer an Firmen-PCs nur den Internet-Explorer 6 benutzen können/dürfen und so ja jetzt ausgeschlossen sind. Das stimmt. Na und? Eine reichweitenstarke Seite wie YouTube verliert dadurch vielleicht ein paar Prozent seiner Nutzer. Noch mal: Na und? YouTube ist wichtig genug, dass diese Leute im Zweifel schon einen Weg finden werden, sprich einen anderen Browser installieren. Oder sie lassen YouTube eben bleiben. Man darf nicht vergessen, dass da jemand mit einem Programm unterwegs ist, zu dessen Erscheinungszeitraum Videodienste wie YouTube noch unfassbare Zukunftsmusik waren. Woher kommt die Erwartungshaltung, dass das ohne Einschränkungen klappen muss? Ich denke, man muss sich einfach der Realität stellen. Es gibt genug Alternativen und keine davon kostet etwas.

Aber das CRM-System in unserer Firma (oder Intranet-Anwendung-XY) läuft nur mit dem Internet Explorer! Auch das höre ich immer wieder und ich habe zwei Antworten darauf: Erstens würde ich mich fragen, ob meine Intranet-Anwendung eine gute Anwendung ist, wenn sie die vorletzte Version eines so wichtigen Programmes als Zugangsvoraussetzung hat, aber da rede ich Firmen ungerne rein. Zum anderen aber spricht meiner Meinung nach nichts gegen den Paralleleinsatz von IE6 als Zugangsprogramm fürs veraltete Intranet und einem modernen Browser für das Internet. Selbst wenn es unbedingt der Internet Explorer 8 sein muss, gibt es Mittel und Wege, parallel einen IE6 zu betreiben. Zu viel Administrationsaufwand? Nun, so ist die Welt. Man denke im Firmeneinsatz übrigens auch an die haarsträubenden Sicherheitslücken des IE6, die nicht mehr behoben werden.

Aber was ist mit der Barrierefreiheit? Nutzer auszuschließen widerspricht dem Barrierefreiheitsgedanken, klar. Aber ist das hier wirklich so? Dafür muss ich eine Analogie bemühen: Man stelle sich vor, es gäbe ein Gesetz, das die Beschaffenheit von Rollstuhlrampen regelt. Alle Hersteller von Rollstühlen halten sich an diese Vorhaben und fahren prima damit. Nur der klare Marktführer hat bei früheren Modellen einmal diese Regeln anders ausgelegt und die Räder als Vielecke statt als Kreise ausgelegt. Das ist anfangs vielleicht Stand der Technik gewesen, technisch sinnvoll war es aber nie. Auf standardkonformen Rollstuhlrampen ist die Fahrt für Nutzer solcher Rollstühle dadurch etwas unbequem, weswegen alle Gebäudebetreiber ihre Rollstuhlrampen bisher sehr teuer in mechanisch sehr aufwändigen und vor allem technisch unsinnigen Varianten gebaut haben. Für die Nutzer standardkonformer Rollstühle gäbe es längst Entwicklungen, die die Nutzung von Rollstuhlrampen wesentlich bequemer und einfacher gestalten würden, aber diese sind mit den Vieleckrädern nicht oder nicht sinnvoll in Einklang zu bringen. Der Marktführer würde daher schon lange ein kostenloses Austauschprogramm für seine alten Modelle anbieten. Macht es hier Sinn, von einer Barriere zu sprechen, wenn man bei neuen Gebäuden die sich bietenden Vorteile nutzt und die Nutzer der veralteten Rollstühle zwingen würde, das kostenlose Austauschprogramm des Herstellers zu benutzen? Ich habe da meine Schwierigkeiten mit. Es geht ja nicht darum, dass der alte Rollstuhl die Rampe gar nicht mehr benutzen kann, es würde für etwas holpriger werden.

So sehe ich das auch beim IE6: Wer der Meinung ist, mit einem Browser aus dem Jahr 2001 im Jahr 2009 alle Funktionen moderner Websites genießen zu können, leidet unter massivem Realitätsverlust. Eine Website sieht komisch aus? Nun gut, da könnte man denken, der Seitenbetreiber wäre ein Idiot. Wenn aber immer mehr Websites komisch und kaputt aussehen und mir einhellig sagen, dass sie meinen veralteten Browser nicht mehr unterstützen, kann ich die alle doof finden oder mich der Realität stellen und ein Update machen. Genau deswegen braucht es Seiten wie YouTube, die die Eier haben, dieses doof gefunden werden einstecken zu können und im Zweifel ein paar Nutzer zu verlieren.

Hier kommt wieder der Geldaspekt ins Spiel. Mal angenommen, die Implementierung einer modernen Funktion ist im IE6 nicht möglich. Dann wird YouTube durchrechnen, was für einen finanziellen Wert die neue Funktion hätte. Dann wird YouTube gegenrechnen, was der Ausfall von einer angenommenen Zahl an IE6-Nutzern, die nicht umsteigen, sondern YouTube den Rücken kehren, kosten würde. Dann wird YouTube einrechnen, wieviel es wert ist, wenn x Prozent der ehemaligen IE6-Nutzer auf den Google-Browser Chrome umsteigt. Dann wird YouTube einen großen Strich unter die Rechnung machen und den IE6-Support sofort einstellen. Die Dimension, dass auch andere Google-Dienste vom Tod des IE6 profitieren, habe ich hier noch gar nicht einbezogen. Eine ähnliche Rechnung tut sich auf, wenn man die Entwicklungskosten für IE6-Zurechtbiegen gegen den Imageverlust durch etwas komisch aussehende Websites gegenrechnet.

Bei einem eigenen Projekt würde ich keinesfalls Geld in die Kompatibilität mit dem IE6 stecken und auf tolle neue Funktionen für alle anderen verzichten. Wer das Geld weiterhin ausgeben möchte, kann das ja weiterhin tun.

P.S. Ich muss dazu sagen, dass ich bei meinem letzten Auftrag einen Pauschalpreis veranschlagt und dabei u.a. die für das IE6/IE7 Debugging nötige Zeit völlig falsch eingeschätzt habe. Insgesamt habe ich nun mehrere Tage komplett unbezahlt (das entspricht meinen Fixkosten für einen ganzen Monat) da rein stecken müssen, was mich ernsthaft ärgert. Merke: Keine Pauschalpreise für so einen Mist und wenn doch, dann nicht so knapp kalkuliert.


Achtung auf der Flip-Flop-Scheibe - neue Zensurrunde

20 06 2009

Wie nicht anders zu erwarten, werden die Forderungen nach Ausweitung der Internetzensur auf andere Bereiche fernab der Kinderpornographie sofort nach Verabschiedung des Gesetzes richtig laut. Aus allen Ecken kommen sie jetzt hervor und melden zu sperrende Inhalte an. Hier Killerspiele, da Urheberrechtsverletzungen und ganz neu: Ausländische Versandhändler, die in Deutschland aus Jugendschutzgründen indizierte oder gar nicht auf dem Markt gekommene (Killer-)Spiele bewerben und nach Deutschland versenden. Statt den Reality-Check zu machen, dass man weltweit den strengsten Jugendschutz hat und offensichtlich kein anderes Land das so streng sieht und dass der Kauf von und die Information über solche Medien im Ausland nun mal ein von Deutschland aus nicht anzugehendes Problem darstellt, wird hier einfach gefordert, den Zugang zu fremdländischen Inhalten zu blockieren.

Bevor wir uns falsch verstehen: Der deutsche Jugendschutz ist nicht unwichtig und auch nicht vollständig übertrieben. Aber es gibt nun mal Unterschiede in der Gesetzgebung zwischen Ländern und es gibt einen freien Binnenhandel innerhalb der EU. Den Informationsfluss über Grenzen hinweg beschränken zu wollen ist nicht nur unglaublich albern, sondern auch unglaublich typisch für totalitäre Systeme. Das Verbot von Westfernsehen, das Abhören von Telefonaten und das Öffnen und Mitlesen von Briefen in der DDR ist gerade mal 20 Jahre her, ein Verbot Feindsender zu hören und Feindzeitungen zu lesen ist in Deutschland gerade mal 64 Jahre vorbei. Und jetzt fordern Leute allen Ernstes, die Kataloge ausländischer Versandhäuser zu zensieren (bzw. den Zugang dazu ganz zu blockieren), weil sie Waren bewerben, die in Deutschland nur Erwachsenen zugänglich sein dürfen, in den betroffenen Ländern (und auch sonst überall) aber völlig legal für jedermann zugänglich sind. Und die geforderten Sperren gelten selbstverständlich nicht nur für die deutsche Jugend, sondern für jeden Deutschen. Dieser Idee folgend müsste eigentlich das halbe Internet gesperrt werden, weil im Ausland andere Gesetze gelten und der Zugang zu in Deutschland als jugendgefährdend geltenden Inhalten (in erster Linie Pornographie) ermöglicht wird. Aber Zensur findet nicht statt in Deutschland.

In nächster Zeit werden wir noch viele solche Forderungen hören von CDU-Politikern auf Stimmenfang. Und das alles gilt es zu verhindern. Das Ekelargument Kindesmissbrauch ist ja jetzt erst mal für eine Weile verbrannt und mancher meint, dafür müssen wir der SPD im Grunde dankbar sein. Die Argumentation ist lesenswert und auch nachvollziehbar. Aber zu einen glaube ich nicht daran, dass die SPD geschlossen derart selbstlos im Sinne der Bürgerrechte denkt und handelt: Wir sind eh raus aus der Kiste und die nächste Regierung beschließt im Falle unserer Ablehnung nur noch schlimmeres, deswegen stutzen wir das Gesetz auf ein ansatzweise erträgliches Maß zusammen und gehen dann erst sterben. Das halte ich für eine sehr unwahrscheinliche Motivation für die SPD, dem Gesetz quasi geschlossen zuzustimmen.

Ebenso wackelig ist die Prämisse, dass die nächste Regierung ohne das jetzt verbrannte Kinderporno-Argument keinen Rückhalt für weitere Sperrungen haben wird. Zum einen wird denen sicher etwas anderes plakatives einfallen (Killerspiele, Jugendschutz, oder der Terror muss eben wieder herhalten), zum anderen haben die schon jetzt bewiesen, dass ihnen Meinungen von Außen scheiß egal sind und sie ihre Gesetze trotzdem wider jede noch so laute und vor allem berechtigte Kritik einfach ohne Rücksicht durchziehen. Urheberrechtsverletzungen, Killerspiele, das böse Ausland mit seinen laschen Gesetzen oder auch Wikileaks, die Forderungen sind ja schon da und die Infrastruktur ebenfalls. Ein kleiner Beschluss der nächsten Regierung (natürlich wieder mit dicker schwarzer Beteiligung) und die Sperren werden auf beliebige Themen ausgeweitet, Schritt für Schritt. Spezialgesetz hin oder her, dann macht man eben ein neues Spezialgesetz dazu auf. Dass der Einstiegspunkt die angebliche Verhinderung von Kindesmissbrauch war, wird in Vergessenheit geraten, die Infrastruktur ist halt nun mal da.

Deswegen werden wir nicht aufhören mit unserem Widerstand. Das Gesetz ist durch, wir haben an dieser Front verloren, wie wir auch schon bei der Vorratsdatenspeicherung kläglich verloren haben. Ach ja: Das Bundesverfassungsgericht wird die nächsten zehn Jahre jede halbe Jahr um ein weiteres halbes Jahr Beobachtung der Vorratsdatenspeicherung verlängern, von der Seite brauchen wir also kein Stopp zu erwarten.

Wenn eine Regierung für Expertenmeinungen und Vernunft und Petitionen und Widerstand nicht zugänglich ist, ist sie unerträglich geworden für eine Gesellschaft. Und zwar völlig unabhängig von deren sonstigen Positionen, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Den Nazi-Vergleich spare ich mir besser, was ich aber sagen will: Die CDU arbeitet mit Vollgas an der gesetzlichen Infrastruktur, die für ein totalitäres System benötigt wird. Ohne der CDU vorwerfen zu wollen, totalitäre Bestrebungen zu haben, muss die Frage gestattet sein, warum man dann massiv an den Voraussetzungen dafür arbeitet? Und eine Partei, die solche Gesetze beschließt darf nicht wieder gewählt werden.

Jede Stimme gegen die CDU/CSU zählt! Machen wir einen Online-Wahlkampf gegen die CDU/CSU, jetzt.


Rainbow Six Vegas

07 05 2009

Rainbow Six Vegas ist ein Shooter nach meinem Geschmack: Simple lineare Story, spannender Spielablauf und vor allem die Funktion, in Deckung zu gehen ist genial gelöst. Nicht zu vergessen auch die Coolness, wenn man kopfüber am Seil hängend durch Fenster schießt. Was aber eine schiere Unverschämtheit ist, ist das Spawnverhalten der Computerspieler. Es gibt unsichtbare Schalter, die neue Gegner erscheinen lassen, was schon lästig genug ist. Die Krone war aber folgender Spawnfehler: Ich habe eine geschlossene und überschaubare Fläche gesäubert und das Team Deckung für Deckung weiter geschickt, während ich das Gelände aus erhöhter Position weiter im Auge behalten habe. Dann bin ich hinterher gegangen und wurde völlig von einem Gegner überrascht, der genau an der Stelle stand, wo mein Team ca. 10 Sekunden zuvor entlang gegangen ist. Das Team löst diese Schalter offenbar nicht aus und an dieser Stelle spwant der Gegner tatsächlich aus dem Nichts mitten ins Gelände. Sonst löst man wenigstens nur durch irgendwelche Türen hereinstürmende Truppen aus. Es trübt des Spielspaß bei einem solchen Shooter doch immens, wenn man wegen solcher Ungereimtheiten kein taktisch kluges Spiel machen kann. Auch dass die Teammitglieder ständig hohl in schweren Beschuss reinlaufen und dann gerettet werden müssen, nervt. Wie oft stirbt man selber, weil man seinen Kollegen aufhelfen muss. Die meiste Zeit weise ich die Teammitglieder an, sich irgendwo hinzustellen und mir im Zweifel den Rücken frei zu halten. Erst wenn ich dann den Raum gesäubert habe, lasse ich sie nachkommen. Überschaubare Räume, in denen sich nur zwei bis vier Gegner befinden, räumen die beiden aber äußerst zuverlässig und effektiv auf. Ein Spaß, das mit der Snake-Cam durch eine andere Tür zu beobachten.

Ebenfalls eher tumb als realistisch sind die Computergegner: Da unterhalten sich zwei und stehen direkt nebeneinander, man tötet einen von ihnen und nur weil der andere einen nicht gesehen hat, passiert nichts weiter. Wenn der andere noch "Ich hab was gehört" ruft, ist das schon gut, reagieren tut er nicht. Schalldämpfer kann man sich sowieso komplett sparen: Es macht keinen Unterschied. Wichtig für die Reaktion der Gegner ist lediglich, ob man sie sehen konnte, während man geschossen hat; selbst wenn man aus hunderten von Metern mit einem schallgedämpften Scharfschützengewehr gearbeitet hat, wissen sie, woher der Schuss kam. Aber nur, solange sie im Sichtfeld waren, sonst interessieren sie sich überhaupt nicht dafür.

Ich hätte also gerne einen Shooter mit dem Movement und dem Setting von Vegas, aber mit halbwegs kluger KI, so dass das eigene Verhalten einen Unterschied ausmacht. Wenn ich schleiche und Schalldämpfer benutze, sollte etwas anderes passieren, als wenn ich mit ratterndem MG durch die Gänge renne. Und vielleicht sollten die Gegner in einem Level gar nicht spawnen, sondern sich bereits beim Betreten alle irgendwo aufhalten und auch bewegen. Momentan ist es jedenfalls recht verlässlich vorauszusagen, wo man mit Gegnern rechnen kann. Teilweise wirft man Granaten um Ecken, weil da immer zwei Typen stehen, die erst loslaufen, wenn man um die Ecke kommt. Oder man geht voll gezoomt an einer Stelle lang, um den genau dann erscheinenden Scharfschützen auf dem Dach zu erwischen, muss dann aber ganz schnell hinter eine Deckung zurücklaufen, um die aus der Tür kommenden drei Gegner zu erwischen, bevor die ihre Deckungen erreicht haben. Dann fünf Sekunden warten und den Lastwagen im Auge behalten, hinter dem gleich zwei weitere Gegner hervorkommen, während man mögliche Treffer von den jetzt erst auf der eigentlich schon kontrollierten Galerie gespawnten Gegner einsteckt. So studiert man an manchen Stellen – besonders wenn man viele Versuche benötigt – eine regelrecht ausgefuchste Choreographie ein.