Schöne Kurzfassung der indirekten DRM-Effekte

15 10 2008
Danke an Randall Munroe für diese schöne Kurzfassung einer eigentlich simplen Problematik:

XKCD-Comic: "Steal This Comic"

Genau, simple Lösung: Kauft einfach DRM-freie Musik (in den USA bei Amazon, demnächst auch hier, solange muss man etwas suchen oder einfach CDs kaufen). Wal-Mart schaltet seine Lizenzierungsserver jetzt übrigens doch noch nicht ab, so dass man seine in den letzten drei Jahren dort bezahlte Musik noch eine Weile auf andere Geräte umlizenzieren kann und noch nicht mit dem Computer, auf dem sie gespeichert ist, ins Grab schicken muss.


Ich werde diese Schallplatte nicht kaufen, sie ist zerkratzt

09 09 2008

Oh ja, irgendwie hat der Widerstand gegen ärgerlichen Kopierschutz bei Spielen ein gutes Forum gefunden: Die Amazon-Bewertungen. Aktuell fluten tausende genervter Spieler die Amazon-Bewertungen zum Spiel Spore mit 1-Stern-Bewertungen, weil sie sich nicht vom eingesetzten SecuRom Kopierschutz gängeln lassen wollen. Recht so! Das Spiel muss aktiviert werden und das geht genau drei Mal, danach muss man telefonieren und sich rechtfertigen. Die drei Mal sind schnell erreicht, denn eine neue Grafikkarte oder die Nutzung auf verschiedensprachigen Windows-Accounts (auf einem Rechner!) lassen den Zähler gnadenlos herunterzählen. Ein Unding, was man sich da als ehrlicher Käufer gefallen lassen muss, während die Nutzer von illegalen Kopien keine derartigen Probleme haben; es trifft also genau die falschen.

Daraus müsste sich doch was machen lassen. Wie wäre es mit einer Petitionsseite, wo sich jeder einträgt, der ein Spiel wegen eines ärgerlichen DRM-Systems nicht gekauft hat? Und dann trägt sich jeder ein, der ein Spiel nicht kopiert hat wegen eines ärgerlichen Kopierschutzes und noch die, die ein Spiel gekauft haben, weil sie es nicht kopieren könnten, was sie sonst getan hätten. Was ich damit sagen will: Ich bezweifle ganz stark, dass sich Spielepublisher mit sowas einen Gefallen tun, sowohl imagemäßig als auch wirtschaftlich. Nach meiner Erfahrung ist es eine ganz kleine Randerscheinung, dass jemand ein Spiel gekauft hat, weil er am Kopierschutz gescheitert ist. Bei Konsolen ist das was anderes, da funktioniert das ganz gut, aber da nervt der Kopierschutz auch nicht und man muss seine Konsole modifizieren, damit Kopien überhaupt funktionieren.

Ich kann gut verstehen, dass Spielepublisher das Kopieren ihrer Produkte unterbinden wollen, aber muss man dafür seine ehrlichen Kunden verprellen? Ich schlage schon eine Ewigkeit eine solche Aktivierung als Lösung vor, allerdings mit einem feinen Unterschied: Man muss seine Seriennummer eingeben, sonst kann man nicht spielen. Aber: Man muss seine Aktivierung auch wieder zurückziehen können. CounterStrike hat das vor vielen Jahren bereits vorgemacht: Online gespielt wird nur mit einer gültigen Seriennummer, kommt eine solche Nummer zweimal gleichzeitig vor, kommt der zweite Spieler nicht ins Spiel. Ganz einfach und für jeden akzeptabel. Geht es um Offline-Single-Player Spiele, müsste man eine Aktivierung und Deaktivierung basteln, aber das Prinzip bleibt das gleiche: Nur eine Kopie des Spiels kann gleichzeitig genutzt werden, man kann aber so oft die Aktivierung wechseln, wie man will. Valve nutzt so ein System mit dem Namen Steam und es ist eine durchaus akzeptable Lösung, auch wenn man neben dem gewünschten Spiel einen extra Steam-Client installieren muss.

Ach ja, eine weitere Sache muss sichergestellt sein: Die Aktivierungsserver müssen auch in 10 oder 20 Jahren noch erreichbar sein und Aktivierungen gestatten. Oder aber für jedes Spiel wird bei Abschaltung der Aktivierungsserver ein Patch herausgebracht, der den Aktivierungszwang aufhebt. Damit wären alle glücklich.

Also: Lasst jedes Spiel mit diesem doofen Aktivierungszwang im Regal liegen und schreibt eine Amazon-Bewertung, dass ihr das Spiel deswegen nicht gekauft habt. EA muss echten Gegenwind spüren und vor allem etwas mehr bieten als 5 statt 3 Aktivierungen bei Command & Conquer: Alermstufe Rot 3. Spore kommt hier jedenfalls schon mal nicht ins Haus.

Nachtrag 10.09.2008: Amazon hat die zahlreichen negativen Beiträge gelöscht. Das ist ja auch mal ne Reaktion. Meiner Meinung nach ist Amazon auch nicht ganz der richtige Ort für solcherlei Aktionen, zumal die 1-Stern-Bewertungen nicht das Kernprodukt bewerten. Aber gleich alle löschen? Ich schlage vor, einfach durch die Bank zwei Sterne von der Spielbewertung abzuziehen wegen des "Kopierschutzes". Das tut genug weh, aber ist nicht so hirnlos aktionistisch am Sinn der Bewertungsfunktion vorbei.

Das Wort Kopierschutz habe ich übrigens in Anführungszeichen gesetzt, weil es EA offenbar gar nicht nur um das Verhindern von Kopien geht, sondern ebenso um die Unterbindung eines Gebrauchtmarktes: Second-hand sales are a "critical situation". Daher weht also der Wind und das kann man nur erst Recht durchfallen lassen. Lasst Euch nicht verarschen, weder von der Musikindustrie, noch der Film- oder Spieleindustrie.


FSF fasst gute Gründe gegen das iPhone zusammen

14 07 2008

Vorbemerkung: Kauft Euch so viele iPhones wie ihr wollt. Macht von mir aus 10 mal einen Vertrag mit der Telekom oder hackt Euch durch die Welt. Werdet glücklich und lasst Euch dieses Glück nicht ausreden.

Ich habe kein iPhone, das hat verschiedene Gründe. Ich will auch kein iPhone, denn die Firmenpolitik dahinter macht mich krank, was ich aber nie wirklich prägnant in Worte fassen konnte. Das hat die FSF jetzt übernommen. 5 reasons to avoid iPhone 3G:

  • iPhone completely blocks free software. Developers must pay a tax to Apple, who becomes the sole authority over what can and can't be on everyone's phones.
  • iPhone endorses and supports Digital Restrictions Management (DRM) technology.
  • iPhone exposes your whereabouts and provides ways for others to track you without your knowledge.
  • iPhone won't play patent- and DRM-free formats like Ogg Vorbis and Theora.
  • iPhone is not the only option. There are better alternatives on the horizon that respect your freedom, don't spy on you, play free media formats, and let you use free software -- like the FreeRunner.

Ja, da sind (vielleicht) bessere Alternativen am Horizont. Aber momentan ist das iPhone immer noch ziemlich alleine auf der slick-bedienen-Bühne. Was für ein Licht wirft das auf die Handyhersteller, dass erst ein branchenfremder Hersteller kommen muss, um im Vorbeigehen fast alles zu beheben, was an Handys bisher genervt hat? Dass Apple im Gegenzug neue Nervigkeiten mitgebracht hat, die vorher ganz selbstverständlich nicht integraler Bestandteil von Handys waren, ist natürlich schade. Aber dennoch sieht man, dass es noch ein Jahr nach Veröffentlichung des ersten iPhones kein etablierter Handyhersteller geschafft hat, etwas auch nur im Ansatz ebenso gut bedienbares an den Start zu bekommen. Dass Handys schlechter waren als nötig hat einem ja schon lange gedämmert, aber dass die Hersteller offenbar durchweg derart in die falsche Richtung gedacht haben, ist ein Armutszeugnis. Ganz besonders Nokia mit ihrem S60-Mist ist hier zu nennen. Beispiel: Schnappt Euch mal ein aktuelles Nokia-Telefon und surft mit dem eingebauten Browser (ohne Touchscreen natürlich, denn Touchscreens findet Nokia doof). Und dann nehmt ein iPhone zur Hand und macht das gleiche noch mal. Beide Browser nutzen WebKit als Rendering Engine, arbeiten also weitgehend korrekt. Nur ist der eine träge, ruckelig und eine Bedienungs-Zumutung und der andere hangelt sich so leichtfüßig, weich und selbstverständlich durch das Web, dass man sich nur freuen kann. Davon abgesehen, dass die WLAN-Verwaltung bei Nokia ständig und immer mit Fragen präsent ist, statt einfach im Hintergrund zu funktionieren. Was soll das?

Zurück zum Thema. Dass Apple so sehr seine Finger auf dem iPhone hält hat zwei Effekte: Zum einen könnte es sein, dass die Programmqualität dadurch auf einem durchschnittlich höheren Niveau liegt. Möglich, aber nicht zwingend. Zum anderen aber kann Apple so missliebige Programme einfach verbieten, so wie das mit TomTom gerade passiert. TomTom hat angeblich eine Portierung seiner Software für das iPhone bereits in der Schublade, kann diese aber gegen Apples Willen nicht an den Markt bringen. Wenn ich sowas höre, kann ich der FSF nur zustimmen: Finger weg von so einem Sektensystem.

Als Ausnahme kann ein gehacktes iPhone gelten, aber ich für meinen Teil möchte meine Geräte erhobenen Hauptes nutzen können und nicht in die Halblegalität gedrängt werden, um sie so zu nutzen, wie ich das will. Von Garantiefragen mal ganz abgesehen und von der ewigen Bastelei bei Firmwareupdates und dem Damoklesschwert, dass Apple einen Weg findet (und finden möchte!), die Jailbreaks zu verhindern. Irgendwie ist ein gehacktes iPhone so wie verschämt irgendwo Gras kaufen müssen.

Und zum Schluss gebetsmühlenartig ein paar mehr Gründe, warum ich kein iPhone will: Kein Bluetooth-Stereo-Audio-Profil, keine Nutzungsmöglichkeit als UMTS-Modem (warum nur?), weltfremde Tarife und die Zwangsehe mit iTunes. Bitte fragt mich also nicht ständig, warum ich kein iPhone habe, wo ich doch der Typ dafür bin.

P.S. Es ist übrigens bemerkenswert wie Tiermama-gleich einige iPhone Besitzer ihr Baby verteidigen. Damit meine ich nicht ihr konkretes Gerät, sondern das Phänomen iPhone an sich. Schön, wenn die Einschränkungen für jemanden nicht relevant oder relevant genug sind. Aber das ist nun mal kein belastbarer Grund, die Einschränkungen allgemein wegdiskutieren zu können.


Hoffentlich ein letztes mal DRM

27 04 2008

Ich hab schon lange keine Lust mehr. Meine aufklärerische Arbeit (sichselbstwichtigmach) und die Arbeit vieler anderer zum Thema DRM hat ja offensichtlich gefruchtet: Das Thema DRM für Musikdownloads ist weitgehend durch. Spätestens wenn demnächst Amazon auch auf dem deutschen Markt am Start ist, wird DRM-Fesselmusik wie Steine in den virtuellen Regalen liegen. Gut so. Lasst Euch nicht verarschen!

Also kleiner Digest zu aktueller Presse: Die Musikindustrie hat einen offenen Brief an die Kanzlerin veröffentlicht, in dem sie rumheult und fordert, dass die Bundesregierung etwas tut. Ich frage mich, was sie denn noch tun sollen? Reicht Euch die aktuelle für die Konsumenten sehr unangenehme Lage noch nicht? René von Nerdcore hat alles, was dazu zu sagen ist, in eine offene Antwort verpackt. Ja genau. Was können die Konsumenten und die Regierung (die diese irgendwie schon noch vertritt) dafür, dass Euch Euer Geschäftsmodell wegbricht? Wollt ihr noch analog zum Kohlepfennig einen Musikpfennig haben? Das wär ja ne geile Idee! Da löst sich die Grundlage einer ganzen Industrie auf (was bei der Musik so einfach nicht stimmt), und der Staat muss Arbeitsplätze mit hohen Subventionen sichern. Kennt man ja.

Allein: Eure Probleme sind Hausgemacht. Die Kunden haben plötzlich das Zepter in der Hand. Und die Kunden wollen durchaus Musik und sie wollen auch durchaus dafür bezahlen, ehrlich! Die Welt ändert sich. Heult der Lebensmittel-Einzelhandel rum, dass der Trend zu Convenience-Produkten geht und kaum noch jemand einfach nur Mehl kauft oder die Brauereibranche, dass der Bierabsatz ins Bodenlose fällt? Nein, denn man kann sich auch als Industrie durchaus an veränderte Situationen anpassen: Kommt man bei Rewe rein, empfängt einen eine Convenience-Kühltruhe und im Bierregal stapeln sich zig verschiedene Biermixgetränke, denn die sind tierisch en vogue und verkaufen sich blendend.

Und was macht ihr? Statt den Konsumenten schon seit zehn Jahren Musik im bevorzugten MP3-Format zu verkaufen zu Preisen, die nicht über denen von CDs liegen (aus denen man sich übrigens ganz einfach und noch immer legal eigene MP3s machen kann), und zu Konditionen, die denen von Tauschbörsenmusik mindestens ebenbürtig sind. Sprich: Ein Album für 10 Euro ohne Fußfesseln. Im Spiegel-Online steht übrigens dieser Tage ein gut zusammengefasster Abgesang auf DRM: Microsoft lässt Playsforsure-Musik, die Kunden im msn Musicstore gekauft haben, einfach auslaufen. Ab Mitte des Jahres kann man diese Musik nicht mehr auf andere Rechner (etwa seinen eigenen neuen PC) umlizenzieren. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Nicht nur, dass man seine bezahlte Musik überhaupt umlizenzieren muss, wenn man sie auf seinen neuen Rechner kopiert. Nein, das reicht noch nicht: Man stellt diese Möglichkeit einfach ab und nimmt seinen Kunden die bezahlte Musik damit praktisch wieder weg. Nach maximal drei Jahren.

Zur Erinnerung: Selbstgerippte Musik zum gleichen Preis (inkl. CD) und kostenlos aus dem Netz kopierte Musik läuft ohne jedes Haltbarkeitsdatum einfach weiter, man ist also der Gefickte, weil man für Download-Musik bezahlt hat, obwohl man die gleiche Musik auch für lau aus dem Netz hätte ziehen können. Verkerhte Welt. Und dann heulen diese Leute unserer Bundesregierung die Ohren voll.

Mir ist das inzwischen gleichgültig: Ich habe schon lange meine Musikkäufe auf ein Minimum reduziert. Einer Branche, die so scheiße ist, gebe ich echt nur ungern irgendwelche Kohle. Gibt genug bessere Alternativen für mein beschränktes Medienbudget. Überhaupt: Wie vermessen ist das ganze eigentlich? Die Leute versenken ihr Medienbudget inzwischen schlicht woanders und die Musikindustrie will Schutz davor? Wie? Meinen die im ernst, die Leute kaufen wieder mehr Musik, wenn man rechtlich gegen sie vorgeht und das mit harten Bandagen? Ganz offensichtlich schmecken den Leuten die aktuellen Konditionen oder die Inhalte nicht mehr. Was macht man als Geschäftsmann: Man dreht genau daran. Naja, ist ja gut jetzt. Schönen Sonntag noch.


DRM ist sowas von raus

11 01 2008

DRM-Maßnahmen gelten als das größte Verkaufshindernis für Musikdownloads.

Das geht bei mir runter wie Öl und stammt aus einem Abgesang auf DRM im SPON, der deutlichere Worte kaum hätte finden können. Lesenswert. Natürlich schadet DRM mehr als es nützt. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass es der Musikindustrie überhaupt nicht genützt hat. Naja zum Erkenntnisgewinn vielleicht…

Man beachte auch meinen Nachtrag zum letzten Artikel zm Thema DRM.

Eigentlich wollte ich meine schon erwähnte Hausarbeit zum Thema DRM hier veröffentlichen, aber bei einer schnellen Lektüre ist mir aufgefallen, wie schlecht sie im Vergleich zu meiner Thesis ist. Sowas kann ich keinesfalls öffentlich zur Verfügung stellen, ohne mich in Grund und Boden zu schämen. Ich habe eine steile These nach der anderen rausgehauen und Dinge behauptet, die ich nicht näher erklärt und auch nicht belegt habe. Das mag in großen Teilen der Kürze der Arbeit geschuldet sein, aber das ist keine Entschuldigung für wissenschaftliche Unzulänglichkeit; auch nicht, dass eigentlich alles (inkl. der Behauptungen) inhaltlich korrekt ist und meine Thesen fast alle inzwischen verifiziert worden sind (was mir eine gewisse Befriedigung bereitet). Auch die Formulierungen sind nach wissenschaftlichen Maßstäben mitunter haarsträubend. Eventuell hätte ich mir für die 15 Seiten mehr als ein Wochenende Zeit nehmen sollen, die 3,3 ist jedenfalls durchaus berechtigt. Andererseits macht Übung den Meister und ein Jahr später hat meine Thesis diese ganzen Fehler Kinderkrankheiten nicht mehr gezeigt.


Dämliche Ideen: Im Plattenladen einen Gutschein für den Erwerb von Downloadmusik kaufen

09 01 2008

Vor ein paar Tagen haben ich ja Sony BMGs Entscheidung pro DRM-freie Musikdownloads gut geheißen. Dabei bleibe ich auch, aber was mir via Rivva.de gerade um die Ohren fliegt stimmt doch nachdenklich: DRM-freie Musik bei Sony BMG: Neuer Dummheitsrekord in der Musikbranche. So ein schöner Titel muss zitiert werden! Der Witz daran ist folgender:

Die Konsumenten werden nämlich die DRM-freie Musik nicht einfach so herunterladen können. Nein, vielmehr müssen sich die Musikfreunde in einen physischen Musikladen begeben und dort einen “Platinum Musicpass” zum Album ihrer Wahl erwerben (Einzelsongs gibt es nicht), und zwar etwa für den Preis einer CD ($12.99 in den USA). Diesen Code gibt man zu Hause am Computer auf der Website musicpass.com dann ein und schon kann man sich die Songs herunterladen, ganz bequem, mit nur wenigen Stunden Verzögerung. Und zum Start nächste Woche wird bereits eine sensationelle Auswahl von 37 Alben zur Verfügung stehen!

Wow! Wenn das mal keine geniale Idee ist… Offensichtlich frisch aus dem HowTo "Wie biete ich etwas an, das wirklich absolut niemand haben will?" Ich bezweifle ja zutiefst, dass das wirklich die einzige Möglichkeit sein soll, an DRM-freie Downloadmusik von Sony BMG zu kommen. Dazu ist das einfach zu bescheuert. Aber alleine davon auszugehen, dass überhaupt jemand auf diese weise Downloadmusik kaufen möchte, zeugt schon von von einer ausgeprägten Fähigkeit zu absurdem Denken.

Die Idee dahinter soll übrigens sein, dass Kunden bekanntlich etwas physisches in die Hand bekommen wollen, wenn sie schon Geld rausrücken. Allein: Wenn man im Plattenladen den vollen Preis einer CD hinlegt, dann würde ich zumindest erwarten, als physischen Gegenstand die CD zu bekommen. Und wenn die Plattenfirma nett ist, erlaubt mir ein Code in der CD den Download der Musik ohne DRM aus dem Netz, weil mir das das Rippen erspart (wenn ich das will). Warum sollte ich also in einen Plattenladen gehen, für volles Geld keine CD mitnehmen und am Ende nur MP3s bekommen, die ich mir von der CD genau so gut hätte rippen können? Ich zahle das gleiche, muss trotzdem in den Laden gehen und bekomme viel weniger (nämlich keine CD und kein Cover). Und jetzt kommt nicht mit dem Argument, dass es so unbequem wäre, eine CD zu rippen. iTunes und Konsorten machen das inzwischen so einfach und komfortabel, dass die Eingabe eines Codes auf einer Website und der Download der Dateien wesentlich komplizierter ist.

Das Jahr hat zwar gerade erst angefangen, aber diese Idee ist ein heißer Kandidat für die dämlichste professionelle Idee des Jahres. Der Monatspreis ist Sony BMG in meinen Augen damit schon ziemlich sicher. Aber mal schauen, vielleicht toppt das ja noch jemand.

Nachtrag 11.01.2008: Also doch: Ich konnte es ja schon von Anfang an nicht glauben und so wundert es mich auch nicht, dass Amazon demnächst auch DRM-freie Musik von Sony BMG (und damit von allen Majors) verkauft, ohne Rubbelkarte wohlgemerkt. Mutig von Sony BMG, so ein abgezocktes PR-Vabanque-Spiel zu spielen. Meinen vollen Respekt dafür, sich freiwillig für ein paar Tage der Lächerlichkeit Preis zu geben, um dem eigentlichen Deal den roten PR-Teppich auszurollen; und herzlich willkommen im man-kann-damit-auch-Geld-verdienen-Internet.


Das Thema DRM ist endlich durch

05 01 2008

Heute habe ich feierlich die Seite Wir haben bezahlt aus meiner Blogroll geworfen. Denn, mit Sony BMG hat sich nun das letzte der vier Major Label zum Verzicht auf DRM entschlossen, was die Verlinkung dieser Seite für mich überflüssig macht. Ausschlaggebend ist wohl Amazons Vorstoß gewesen, in den digitalen Musikmarkt einzugreifen, aber eben nur ohne DRM oder gar nicht. Gut so, auch als Gegengewicht zu iTunes. Ich bin gespannt, wann auch andere Shops davon profitieren werden. Endlich ist Schluss mit diesem DRM-Scheiß. Die Musikindustrie (repräsentiert durch die vier Majors) hat im Übrigen auch keine andere Wahl. Keine Industrie kann gegen seine Kunden etwas durchsetzen, was diese nicht wollen; abgesehen von Monopolen, aber die Musik der Majors hat sich gerade nicht als Monopolgut herausgestellt, zu umkämpft ist das Medien(zeit)budget der Leute.

Jetzt fehlt mir nur noch ein Feature: Wenn ich eine CD bei Amazon kaufe, wäre es der Hammer, wenn ich die Musik im Voraus schon als MP3 herunterladen könnte. Sofort loslegen können, nicht selber rippen müssen und trotzdem die CD bekommen ist ein Killerfeature, liebe Amazon-Strategen, aber nur zum gleichen Preis. Denn der Vorteil zieht nur die zwei Tage, bis die CD da ist, denn dann kann ich sie ja auch selber rippen.

Ohne zu sehr auf meiner mit 3,3 bewerteten Hausarbeit zum Thema DRM vom Sommer 2006 rumreiten zu wollen, muss ich doch noch mal kurz erwähnen, dass da genau das drin stand: DRM lässt sich nicht dauerhaft gegen die Kunden durchsetzen und in spätestens 2 Jahren ist Schluss damit. Dieser Umstand zaubert mir immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht. Die 3,3 kam übrigens dadurch zustande, dass ich meine durchaus schlüssig dargelegte Argumentation nicht beweisen bzw. belegen konnte, zumindest nicht mit gedrucktem Material (Blogs zwitscherten das ja schon von allen Dächern, aber Blogs gelten nicht als Quelle); ergo mangelnde Wissenschaftlichkeit – schlechte Note. Die These "DRM ist nötig, deswegen verkaufen wir nur mit DRM" war allerdings ebenso wenig belegt. Ein Diskurs konnte also meines Erachtens nur auf rein theoretischen Gedankengängen beruhen. Genau dieser (pseudo-)wissenschaftliche Wahnsinn ist übrigens schuld an meinem Entschluss, nicht noch einen Master an meinen Bachelor dran hängen zu wollen. Wie auch immer: Ich hatte recht, was mich im Nachhinein sehr befriedigt.

Nachtrag 05.01.2008 19:14: Eben kam ein Einwand zum Amazon-Bundle-Modell, dass das 14-tägige Rückgaberecht ein Problem sein könnte: Man kauft ne CD, zieht sich die MP3s und schickt die versiegelte CD zurück. Guter Einwand, aber rechtlich sehe ich kein Problem darin, das Rückgaberecht in dem Fall einzuschränken, solange Amazon deutlich genug darauf hinweist. Die DSL-Provider machen das auch so mit dem Haken "Auftrag schnellstmöglich ausführen". Hakt man das an, hat man kein 14-tägiges Widerrufsrecht für den DSL-Vertrag und der Provider legt sofort los. Unschön ist dabei nur, dass die Provider nicht deutlich genug auf die Konsequenzen hingewiesen haben (ist das noch so?).

Wenn der Hinweis bei Amazon also deutlich genug ist(!) und der Haken nicht standardmäßig gesetzt ist(!), wird es zwar trotzdem Kunden geben, die das verpeilen; aber das werden nicht viele sein und die haben halt Pech gehabt, finde ich.


Wieder mal lustiges in der Zusammenfassung

30 11 2007

Irgendwie habe ich momentan nicht die Muße, alle lustigen Fundstücke textlich nennenswert zu verwursten, deswegen wieder einmal ein paar Fundstücke der letzten Tage:

Bei Coffe & TV gibt es einen schönen Rückblick aus der Zukunft auf den Niedergang der Musikindustrie. Köstlich zu lesen, vor allem wenn man etwas im Thema steckt. Das Sahnehäubchen setzt dem ganzen aber Kommentator ckwon auf:

Du hast vergessen, dass durch die Gesetzänderungen die Jugendarbeitslosigkeit massiv gesenkt werden konnte, da ja alle ins Gefängnis wanderten…

IMHO eine sehr passende Zusammenfassung der ganzen Misere.

Für die, die es noch nicht kennen: Tales Of Mere Existence "Procrastination" von Lev Yilmaz, manche kennen es als Getting my stuff done: (via Mario Sixtus)

Auch die anderen Dinger von ihm sind mitunter sehr lustig.


Warum (noch) kein iPhone kaufen?

09 11 2007

Heute ist es so weit, das iPhone ist in Deutschland erhältlich. Auch in meinem Bekanntenkreis gab es den ein oder anderen grundsätzlichen Interessenten, dem ich dringend vom Kauf des iPhone abgeraten habe. Folgende Gründe sind dabei handfest und nicht weg zu diskutieren:

  • Kein UMTS. Ich habe keine Ahnung welcher Teufel Apple geritten hat, als sie sich gegen UMTS zumindest für den Europastart entschieden haben.
  • Kein GPS, aber eine tolle Kartenanwendung. Jetzt kann man mit Google-Maps navigieren (und die Karten – juhu – ohne UMTS im Schneckentempo laden), aber nicht anhand der aktuellen Position. Eine interaktive Karte ist zwar auch schon nicht schlecht, aber das wirkt irgendwie halbfertig.
  • Kein Bluetooth-A2DP-Profil, mit dem man kabellose Kopfhörer anbinden könnte. Sowas ist cool und das kann eigentlich jedes bessere Handy. Stattdessen muss man wegen der engen Kopfhörerbuchse die Apple-Kopfhörer (die mit der abgenutzten Coolness) anschließen oder spezielle kompatible Kopfhörer kaufen.
  • Man bindet sich zwangsweise vertraglich und technisch zwei Jahre lang an einen recht teuren und unflexiblen Tarif, bei dem man Inklusivminuten und Inklusiv-SMS mitkaufen muss und wenn die verbraucht sind, wird es auch noch mal richtig teuer. Und das Ding ist SIM-gelockt. Wo sind wir denn gelandet?

Das alles mag den ein oder anderen nicht abschrecken und vielleicht saugt es auch neue Leute ins Apple-Biotop. Und diese Leute werden glücklich sein, weil sie vom Apfel gekostet haben, der sie leider nicht wieder loslässt. Ein Apfel, mit dem sie sich aus der Welt der Kompatibilität hinein in eine geschlossene Welt der Zwänge gebissen haben. Man muss dies, man muss jenes, man muss alles mögliche in der schönen verführerischen Apple-Welt, wenn man mitspielen will: Man muss seine Musik mit iTunes verwalten und auch dort kaufen, man muss den teuren Tarif (zur Erinnerung: mit SIM-Lock!) buchen, man muss kompatible Kopfhörer und anderes Zubehör benutzen, man muss sich der Bedienphilosophie unterwerfen, man muss sich einfach darauf einlassen. Dafür bekommt man aber auch unerträglich stylische und coole und gut bedienbare (Geschmackssache) Gerätschaften. Apple ist das, was Microsoft früher vorgeworfen wurde: Proprietäre Scheiße mit noch proprietäreren Bestrebungen, nur in verführerisch schön und gut. Irgendwie hat Apple auch einige Charakteristika von Drogen, wenn ich so recht drüber nachdenke: Verführerisch, macht häufig abhängig, ist teuer.

Leute, widersteht dem Reiz des Schönen oder wisst wenigstens um die Schattenseiten. Apple (oder Steve Jobs) ist nicht der Messias, also lasst Eure kritiklose Anhängerschaft bleiben und macht mal die Augen auf. Vielleicht könnt ihr sogar das Apple-Biotop zu einem zwangloseren Ort machen, wenn ihr kritische Kunden werdet und kein Fanclub bleibt. Beim iPhone haben die erwachten unter Euch ja schon einen Teilsieg errungen: Apple öffnet das Ding irgendwann mal für Software von Drittanbietern. Eigentlich schon schlimm genug, dass Apple das erst auf massiven Kundendruck macht. Aber mit einem Fanclub im Rücken kann man ja mal auslooten, was alles möglich ist.

Ach ja: Schaut Euch auch meine anderen Beiträge mit dem Tag Apple an.


Das DRM-Problem mal ganz kompakt

22 08 2007

Gerade lese ich in einem übrigens auch sonst für Musikinteressierte lesenswerten Interview mit Udo Raaf von Tonspion.de im UPLOAD-Magazin zur Frage nach seiner Einstellung zu DRM folgendes:

DRM ist ungefähr so sinnvoll, wie sich ein Loch ins Knie zu bohren und hat seinen Beitrag zum beschleunigten Niedergang der Musikbranche geleistet. Man kann den Leuten, die Musik kaufen nicht vorschreiben wie und mit welchen Geräten sie die Musik anschließend hören sollen.

Dem ist tatsächlich nicht viel hinzuzufügen.


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