Das größte Problem mit Tablets: Vertraulichkeit

25 08 2011

Seit gestern bin ich stolzer Besitzer eines HP TouchPad, das ich mit etwas Glück für 99€ bekommen habe. Viel kann ich dazu noch nicht sagen, aber eins ist mir wieder schmerzhaft aufgefallen, was alle Tablets gleichermaßen betrifft: Es gibt ein Problem mit der Vertraulichkeit.

Bei Smartphones ist die Sache noch einigermaßen klar: Niemand bei Verstand gibt das Ding unbeobachtet aus der Hand, weil man darauf in allen Apps und Webdiensten permanent eingeloggt ist und damit Missbrauch Tür und Tor geöffnet ist. Mails, Twitter, Facebook, Kalender, Google+ und alle anderen Google-Dienste, wasauchimmer, überall ist man eingeloggt und jeder, der das eigene Gerät entsperrt in die Finger bekommt, hat Zugriff auf ungefähr alles private.

Und bei den Tablets? Ein Tablet ist nicht immer am Mann, liegt wohl meistens unbeobachtet irgendwo in der Wohnung herum und wird wohl so gut wie immer von der Familie und Gästen mitgenutzt. Was also tun? Immer überall ausloggen? Unkomfortabel. Sensible Dienste wie E-Mail gar nicht benutzen? Dafür hat man kein Tablet gekauft. Und was bleibt überhaupt – außer Spielen und sonstiger Unterhaltung – wenn man alle sensiblen Dienste vermeidet?

Es gibt prinzipiell zwei Lösungen, die beide irgendwie unbefriedigend sind. Entweder man kauft für jeden ein eigenes Tablet – darauf wird es mittelfristig hinauslaufen – und sperrt es genau so, wie man sein Smartphone sperren würde, hätte man es nicht sowieso immer dabei. Oder die Tablet-Entwickler bringen das Killerfeature Mehrbenutzermodus an den Start, so dass jeder sich sein Benutzerkonto mit Mails, Favoriten, Login-Cookies, Social-Media-Apps und alledem einrichten kann. Darauf warte ich noch.

Bis dahin bleiben die sensiblen Dienste auf meinem Telefon und das Tablet bekommt nur seichte Kost.

P.S. Ich vertraue meinen Mitmenschen durchaus und gehe davon aus, dass die meisten genug Anstand besitzen, die Finger von persönlichen Daten zu lassen. Aber auch mir ist schon passiert, dass gute Freunde auf Partys an meinem Rechner sitzen und einen Blick in meine Eigenen Dateien und meine eMule-History werfen, auf der Suche nach entlarvenden Porn-Suchbegriffen oder wonach auch immer. Seitdem lasse ich Gäste nicht mehr an meinen Rechner, wenn ich nicht daneben stehe. Die können mein Gäste-WLAN benutzen, meinen HTPC, den Laptop in der Küche oder neuerdings mein TouchPad, auf dem ich nirgends eingeloggt bleibe.


Düsseldorf als Android-Hauptstadt. Ein Messfehler?

01 07 2011

Ich bekam gerade Sexkontakte in Frankfurt am Main angeboten. In Form von als Chatanfrage getarnter Werbung unten rechts im Browser. Und ich habe einen VDSL-Anschluss bei 1&1, die VDSL von der Telekom wiederverkaufen, also bin ich leider mittelbar Telekom Kunde. Leider, weil YouTube deswegen für mich in der Mehrzahl der Fälle so unbrauchbar war, dass ich dort nach 17:00 Uhr nur noch selten versuche, ein Video in 720p anzusehen. Vielleicht ist das inzwischen anders, aber meine Entscheidung, von der Telekom schnellstmöglich weg zu kommen, habe ich bereits getroffen.

Aber was haben die angebotenen Sexkontakte in Frankfurt am Main mit der Telekom zu tun? Nun:

1. Die Sexkontaktwerbung versucht anhand meiner aktuellen IP-Adresse zu erraten, wo ich mich befinde. Das klappt mal mehr, mal weniger gut; in dem Fall wohl weniger. Die IP-Adresse wird vom Provider vergeben. Ist ein bestimmter Adressbereich nicht mit sinnvollen Informationen in der verwendeten Ortsdatenbank verzeichnet, wird ersatzweise der Ort des Providers zurückgeliefert, so gibt es also immer wieder lustige Häufungen in den Städten, in denen die Provider ihre IP-Adressen registriert haben. So ähnlich wie die Nummernschilder von Mietwagen, falls sich mal jemand gefragt hat, wieso in ganz Deutschland so auffällig viele Fahrzeuge aus Hamburg oder Düren unterwegs sind.

2. Vor ein paar Tagen ging die Meldung um, dass auffällig viele Android-Nutzer aus Düsseldorf kommen und auffällig viele iPhone-Nutzer aus Frankfurt am Main, siehe etwa hier. Als Datenbasis dient ein Werbenetzwerk, das Ortsinformationen über die Einblendung mobiler Werbeanzeigen speichert.

3. iPhone-Nutzer sind wegen der jahrelangen Exklusivbindung signifikant häufig auch T-Mobile-Kunden.

4. Mit Vodafone und E-Plus/Base haben gleich zwei der drei anderen Netzbetreiber ihre Zentrale in Düsseldorf.

5. Apps können sich auf Smartphones das Recht einräumen, eine sehr bis mittelgenaue Ortung auf Basis von GPS, WLAN oder Mobilfunkzellen zu benutzen. Websites im Browser haben dieses Recht normalerweise nicht und müssen sich die Ortsinformationen wie beim Desktop-PC über die IP-Adresse herleiten. Hinzu kommt, dass die meisten Mobilfunk-Provider viele UMTS-Kunden hinter wenigen externen IP-Adressen verstecken und überhaupt keine IP-Adressen mit Ortsbezug vergeben. Wer mal eine Klausur bei mir geschrieben hat, sollte wissen: Aha, hier kommt das famose NAT zum Einsatz!

Wenn man nun eins und eins zusammenzählt, könnte man also auf eine naheliegende Erklärung für das Phänomen mit der auffälligen Smartphone-Ungleichverteilung kommen. Das wäre ja mal eine schöne Klausurfrage.

Disclaimer: Ich habe die zugrunde liegende Studie weder gelesen, noch mich überhaupt eingehend damit beschäftigt, also ist mein Einwurf als bloßes Postulat zu werten.


Die Android-Lücke als Chance

18 05 2011

Zur Zeit wird überall über eine Sicherheitslücke in Android-Smartphones berichtet, dazu ein paar Worte. Zuallererst: Wirklich peinlich, dass das sogar Googles Hausapplikationen betrifft, bin von denen mehr Sorgfalt gewohnt. Beschämend. Das grundsätzliche Problem betrifft aber bei weitem nicht nur Android, sondern liegt im allgemein viel zu sorglosen Umgang mit unverschlüsselten Netzzugängen. Wer ein unverschlüsseltes WLAN benutzt, was auf die meisten öffentlichen Hotspots zutrifft, muss sich um eine Verschlüsselung seiner Nutzdaten selber kümmern. Das ist nicht neu, die Firefox-Erweiterung Firesheep hat das vor ein paar Monaten schon eindrucksvoll demonstriert: Man kann es sich in Funkreichweite eines öffentlichen WLANs bequem machen, Firesheep anwerfen und bequem alle eingeloggten (und unverschlüsselten) Facebook-Sessions der Nutzer in Funkreichweite mitlesen und – besonders beeindruckend – übernehmen. Facebook hat, etwas halbherzig, reagiert und den Nutzern die Möglichkeit an die Hand gegeben, sich nur per SSL verschlüsselt bei Facebook zu bewegen, das muss man aber erst (in den Kontoeinstellungen unter KontosicherheitSicheres Durchstöbern (https)) aktivieren und außerdem funktionieren einige Seiten und Apps mit Verschlüsselung schlicht nicht.

Das besonders unangenehme an der aktuellen Android-Situation ist nun, dass die Nachlässigkeit in den zentralen Google-Apps zur Kalender-, Kontakte- und Picasa-Synchronisation stecken. Die meisten Android-Apps lassen sich über den Market aktualisieren, das Problem wäre binnen kürzester Zeit behoben, alles wäre gut. Das passiert übrigens tatsächlich in etlichen Apps auf allen Plattformen und ist ein länger diskutiertes Problem, vor allem, wenn es um Banking-Apps und ähnliche geht. Leider gehören die jetzt betroffenen Apps aber zum Betriebssystem und lassen sich nur durch ein Android-Update auf die ganz aktuelle Version beheben, die für viele ältere Geräte gar nicht kommen wird und für halbwegs aktuelle Geräte vielleicht irgendwann. Wie gesagt, sehr sehr peinlich, dass Google ausgerechnet da so geschlampt hat.

Aber sehen wir es mal positiv und leiten drei Hoffnungen daraus ab:

1. Die Leute gehen nun hoffentlich angemessen kritisch mit offenen WLANs um. Man wird ja noch mal träumen dürfen. Aber im Ernst: Die Sorglosigkeit der Nutzer im Umgang mit öffentlichen WLANs hat mich schon immer gewundert. Wer auf einem Notebook irgendetwas ohne Verschlüsselung benutzt ist irgendwie auch selber schuld. Es sei denn, man kann keine Verschlüsselung aktivieren, dann ist ganz klar der Hersteller schuld. Das ist ähnlich unbedarft, wie seine Passwörter auf irgendwelchen dahergelaufenen Internet-Café-Rechnern einzugeben. Kurz gesagt: Bleiben lassen.

2. Die Gerätehersteller veröffentlichen nun hoffentlich endlich regelmäßig und zeitnah die von Google bereitgestellten Updates. Die Absichtserklärung dazu ist ja unlängst von etlichen Herstellern und Netzbetreibern abgegeben worden, aber Android braucht darüber hinaus eine Möglichkeit, Sicherheitsupdates auch ohne neue Hauptversionen zeitnah einzuspielen, vorzugsweise automatisch. Alles andere führt zur jetzt so unangenehmen Situation. Also ist hier ganz klar Google in der Verantwortung. Aber auch die Kunden: Kauft einfach keine Android-Telefone bei Herstellern, die für nicht mal ein Jahr alte Geräte schon keine Updates mehr liefern.

3. Die App-Entwickler könnten das als Denkanstoß benutzen, endlich nur noch verschlüsselte Kommunikation zu verwenden. Unverschlüsselte Kommunikation auf mobilen Geräten ist ein No-Go, ganz besonders, wenn Session-Tokens oder Zugangsdaten übertragen werden. Das ist nicht neu, aber scheinbar nicht mal bis zu Googles Android-Programmierern vorgestoßen.

Abhilfe in der konkreten Situation schafft übrigens einfach der Verzicht auf unverschlüsselte WLANs. Die sind leicht daran zu erkennen, dass man kein Passwort direkt beim Verbindungsaufbau eingeben muss (unabhängig davon, ob man sich danach im Browser mit irgendeinem Code einloggen muss). Alternativ kann man die Synchronisation von Kontakten, Terminen und Picasa-Bildern erst mal abschalten, bis man ein Update bekommen hat. Vielleicht überdenkt man sowieso mal, ob die Synchronisation von Kontakten und Terminen mit einem Cloud-Anbieter generell eine so gute Idee ist.

P.S. Auch in verschlüsselten WLANs können unverschlüsselte Nutzdaten abgefangen werden. Das ist zwar weniger wahrscheinlich, aber wer weiß, ob der Betreiber eines WLANs nicht allen Datenverkehr aufzeichnet oder die Daten auf dem Weg durch das Internet irgendwo abgefangen werden. Eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sollte also unabhängig von eventueller Verschlüsselung auf einem Teil des Transportweges erfolgen.

So, genug erhobener Zeigefinger. Weitermachen.


5 Monate mit dem Dell Streak - Eine Grabesrede

07 05 2011

Nachdem ich dreieinhalb Monate mit einem hässlichen Sprung im Display meines Dell Streak gelebt habe (mehr dazu hier), habe ich mich doch mal getraut, ein Ersatzdisplay für 60€ inkl. Versand in Hong-Kong zu bestellen. Das kam heute und ich habe mich natürlich sofort an den Einbau gemacht. Im Internet gibt es gute Anleitungen (Streak auseinanderbauen und Streak Display tauschen) und das nötige Werkzeug war beim Ersatzdisplay dabei, sollte also schaffbar sein. Ist es auch, nur leider kommt auf dem Display nun kein Bild, was sich sicher mit einem erneuten Auseinanderbauen beheben ließe. Das spare ich mir aber, denn beim fummeligen lösen der Klebestellen habe ich leider auch die Anbindung der Funktionstasten (Home, Zurück, Menü) abgerissen, was sich nicht ohne weiteres fixen lässt. Mist, ein teures Grab nach nur fünf Monaten.

Ich könnte nun für 340€ inkl. Versand einfach ein neues Streak bestellen, aber ich habe mich für ein HTC Desire HD für 404€ inkl,. Versand entschieden. Warum? Nach meinem sehr positiven Ersteindruck kann ich nun ein paar weitere Eigenschaften des Streak aufzählen, die mitunter durchaus lästig sind.

Mein Gerät war wohl ein Montagsgerät und hatte von Anfang an die Macke, dass es bei leichtester mechanischer Belastung einfach neustartete. Das ließ sich auf ein Minimum reduzieren, indem ich die beiden Kontakte des Akkudeckels mit einem kleinen Draht kurzschloss. Fummelig, aber funktionierte meistens. Trotzdem startete es gelegentlich beim in die Jackentasche stecken einfach neu, was wahrscheinlich daran lag, dass ich das Drähtchen nur um die Kontakte gewickelt und nicht festgelötet hatte. Insgesamt verschmerzbar, aber jedes Mal ein Stich ins Besitzerherz.

Ärgerlicher war da schon, dass das riesige 5"-Display ein unhandlich großes Gerät bedingt. Am wenigsten stört mich das beim Telefonieren, selbst wenn ich nicht, wie unterwegs fast immer, mit dem Headset telefoniere. Das sieht halt doof aus, funktioniert aber prima. Im Winter war das alles auch kein Problem, denn meine Jackentasche ist groß genug. Jetzt bei gutem Wetter aber merke ich, dass ein so großes Gerät in der Hosentasche schon aufträgt. Das wäre auch noch OK, wenn ich mir dabei nicht Sorgen um die mechanische Belastung machen würde, denn ein Bein ist nun mal rund und Hosentaschen eng. Auch verschmerzbar, denn auf 5" surft es sich hervorragend. Auch als Navi in der mit 45€ nicht ganz billigen Autohalterung hat es sich hervorragend gemacht. Leider kann man 5" nicht sinnvoll hochkant betreiben, weil es dann für zwei Hände zu schmal, für eine Hand aber zu breit ist. 5", einen Tacken zu groß.

Mit dem Transport in der Hosentasche kommt aber noch ein lästiger Aspekt meines Geräts ins Spiel: Wenn ich es nah am Körper mit dem Display zum Körper hin transportiert habe, reagierte danach der Touchscreen für ein paar Sekunden bis Minuten nicht oder nur seeehr sporadisch. Entsperren oder Gespräche annehmen ging dann nicht. Auch damit konnte ich leben, indem ich es – riskant, riskant – nur mit dem Display vom Körper weg transportiert habe. Ich glaube, die Körperwärme war hier das Problem.

Das war noch nicht alles: Der Kopfhörerausgang rauscht so laut, dass Musik auf leisestmöglicher Einschlaf-Lautstärke gerne mal vom Rauschen überdeckt wird. Wenigstens ist das ein angenehmes unauffälliges Rauschen, damit konnte ich also auch leben. Ich weiß nicht, ob der letzte Punkt alle Android-Telefone betrifft, aber gelegentlich haben vor allem Google Maps und manchmal auch der Browser das Telefon so ausgelastet, dass die Musik stark stotterte und das Telefon fünf Minuten lang gar nicht mehr reagierte, auch nicht auf das Pause-Kommando für die Musik, die derweil weiterstottert. Das kam zwar nicht so häufig vor (alle zwei bis drei Wochen mal), aber das war der für mich nervigste Aspekt an der ganzen Streak-Experience. Irgendwas lag da im Argen.

Das alles sind neben den im Ersteindruck beschriebenen Lästigkeiten wie dem PDMI-Ladeanschluss gute Gründe, nicht erneut ein Streak zu kaufen. Momentan 340€ inkl. Versand sind zwar überschaubar und mein Car-Kit war auch nicht billig, aber die Gefahr, wieder so ein Montagsgerät zu bekommen, ist gegeben und die anderen Kritikpunkte hinterlassen in der Summe ein lediglich gemischtes Bild. Den endgültigen Todesstoß hat sich Dell aber selber gegeben, denn das Service-Angebot für einen Display-Tausch in Höhe von 350€ ist eine unfassbare Dreistigkeit, ich bin deswegen immer noch nachhaltig sauer auf Dell. Dass ein Display mal kaputt geht passiert, besonders, wenn es mit 5" eine so große Angriffsfläche bietet. Dass aber eine Reperatur fast den Neuwert erreicht bzw. inzwischen sogar darüber liegt, ist schlicht nicht zu rechtfertigen. Keine Ahnung, ob HTC das anders handhabt, aber Dell hat mich diesbezüglich schwer enttäuscht.

Trotzdem mochte ich mein Streak und bin ein wenig traurig, dass es mich nur fünf Monate begleiten durfte. Alles in allem ein tolles Gerät mit dem besonderen Etwas. Ruhe sanft.

Ein Desire HD kaufe ich übrigens deswegen, weil ich nach den Erfahrungen mit einem 5" Gerät ein 4,3" Display für den Sweet-Spot halte. Zudem war ich mit meinen bisherige HTC-Geräten soweit sehr zufrieden, weil sie aus dem miesen Windows Mobile noch einiges herausholen konnten und die Hardware stets sehr robust und gut verarbeitet war. Auch das Desire, das ich neulich gekauft habe, gefällt mir richtig gut, die Sense-Oberfläche macht richtig Spaß. Das Google Nexus S war ein weiterer heißer Kandidat und mit 340€ sogar deutlich günstiger. Vor allem aber kommen da regelmäßig und zeitnah Android-Updates. zudem mag ich das leicht nach innen gebogene Display. Aber das 4,3" Display hat dann doch das Rennen gemacht.

P.S. Die Tage wird das Car-Kit bei eBay auftauchen und auch das defekte Gerät (mit dem nagelneuen Tauschdisplay), wenn ich weiß, ob und wie ich es löschen kann. Wer vorher zuschlagen will, meldet sich, ich mache einen fairen Preis.


350 Euro für einen Sprung in der Schüssel

19 01 2011

Ungeschickt. Man sollte einfach keine nicht ganz leichten metallenen Gegenstände fallen lassen, wenn das fast neue Smartphone in der Nähe liegt. Nun hat mein Dell Streak eine kaputte Frontscheibe, da hilft auch kein bruchfestes Gorilla-Glas. Aber immerhin kein Schaden an Display oder Touchfunktion. Gerärgert habe ich mich also vorerst nur kurz, denn vom Dell-Service hielt ich bisher sehr viel. Was kann der Austausch einer 83cm² kleinen rechteckigen Glasscheibe schon kosten? Ein Anruf bei der Frankfurter Festnetznummer, ein paar Wochen Verzicht auf das Gerät und vielleicht 100, wenn es hoch kommt 200 Euro, das wäre dann aber schon recht happig.

350€! Dreihundertfünfzig Euro! So viel soll der Austausch der Scheibe kosten. Zum Vergleich: Für 430€ inkl. Versand bekomme ich im Handel ein Neugerät. Hat Dell ein Rad ab? Jetzt ärgere ich mich wirklich.

Was also tun? Der erste Impuls ging in Richtung Neugerät, nur aus Prinzip. Aber nach einem Tag schlechter Laune dreht sich meine Einstellung. Das Dell Streak ist etwa so groß wie meine Hand und liegt immer in meiner direkten Nähe, gibt also eine wirklich gute Trefferzone für alles mögliche ab, vom verschütteten Tee bis zu herabfallenden nicht ganz leichten metallenen Gegenständen. Es ist also nicht auszuschließen, dass die Scheibe irgendwann noch mal beschädigt wird. Bei 350€ für einen Scheibentausch ist mir das Risiko eklatanter Folgekosten einfach zu hoch. Vor allem aber bin ich entsetzt von und verärgert über Dell. Das können die doch nicht ernst meinen?

Momentan denke ich also über einen Markenwechsel in Sachen Smartphone nach. Das Dell Streak gefiel mir wirklich ausgesprochen gut. Die einzige wirklich bittere Pille war für mich bisher der unverschämte Preis von fast 35€ für ein zweites Ladekabel. Aber dass Dell seine Kunden im Servicefall derart nackig macht, geht gar nicht. Meine – wegen meiner bisher eigentlich hervorragenden Serviceerfahrungen – sehr Dell-affinen Notebookempfehlungen muss ich dann auch noch mal überdenken. Alles Mist.

Also werde ich wohl vorerst mal mit dem Sprung leben und die Smartphone-Neuerscheinungen der kommenden Wochen abwarten. Schade, denn das Streak habe ich in den paar Wochen wirklich lieb gewonnen.


Mein Dell Streak Ersteindruck

20 12 2010

Ich darf mitspielen! Rückblickend frage ich mich, wie ich es so lange mit Windows Mobile 6 aushalten konnte, aber seit zwei Wochen bin ich endlich stolzer Besitzer eines Dell Streak. Android ist eine Wohltat, man muss nicht mal mehr Minderwertigkeitskomplexe gegenüber iPhone-Nutzern haben, im Gegenteil. Nun mal einige Ersteindrücke vom Gerät.

Die Größe ist genau richtig. Nicht so groß, dass es nicht mehr transportabel wäre oder man damit nicht mehr mit einer Hand telefonieren könnte; aber eben auch groß genug, dass die Bedienung der Apps richtig Spaß macht. Ich bin sogar so weit, dass ich morgens nach dem Aufstehen alle Standardkommunikationstasks (Mails, Twitter, Google Reader, ein paar Newsseiten) noch im Bett erledige und meinen Hauptrechner im Zweifel gar nicht mehr starten muss. Gleiches gilt für das ins Bett gehen, wo ich meinen Rechner auch nicht mehr zwingend noch mal anwerfen muss. Das würde alles auch auf einem iPhone oder einem HTC Desire gehen, aber mit dem Dell auf 5" macht es regelrecht Spaß. Ich empfinde es, von der groben Peinlichkeit mal abgesehen, auch nicht als unpraktisch, damit zu telefonieren. Trotzdem werde ich unterwegs meistens ein Headset benutzen, weil ich ja sowieso außer Haus stets Musik oder Podcasts auf den Ohren habe.

Apropos Headset: Das mitgelieferte Ohrkanal-Headset klingt gar nicht so übel und sitzt auch recht bequem. Überraschung. Trotzdem habe ich mir als allererstes ein Headset gekauft (noch bevor das Gerät da war). Erstes Ärgernis: Das iPhone hat eine andere Belegung am vierpoligen 3,5mm Headsetanschluss, laut Wikipedia belegt das iPhone Masse und AUX falsch herum. Na prima. Gut für mich, dass ich das Headset direkt an einen dankbaren iPhone/MacBook Besitzer weitergeben konnte. Nur findet man aber tatsächlich kein Headset mit der "richtigen" Belegung, weil sich fast alle Hersteller auf das iPhone kaprizieren. Nun habe ich das Creative HS-730i bestellt, das bringt nämlich einen 3,5mm Klinken-Adapter für Nokia-Telefone mit, was mir die leise Hoffnung beschert, dass die "Nokia-Belegung" die "richtige" Belegung ist, die übrigens auch mein altes HTC Touch HD nutzt. Solange muss das Originalheadset aushalten.

Das war es leider noch nicht an Stecker-Inkompatibilitäten. Der Dock-Anschluss vom Dell Streak ist angelblich ein PDMI-Anschluss, eine standardisierte Schnittstelle mit USB 2.0, 3.0, Displayport und allerlei analogen und digitalen Soundausgängen. Das ist sehr cool an sich, aber leider ist das Streak das erste und bisher einzige Gerät mit diesem Anschluss. Herzlichen Glückwunsch, denn dadurch gibt es keine Kabel oder Docks von Drittanbietern und das Original USB- und Ladekabel von Dell kostet inkl. Versand 33€! WTF? Für 15€ mehr bekommt man das Kabel plus KFZ-Halterung, was gar keine so schlechte Idee ist, denn das Display ist größer und besser als das von meinem TomTom Go 720T. Mal überlegen.

Dass ich nur ein Kabel habe, ist aber nicht ganz so schlimm, denn das Streak hält bei geringer Nutzung locker zwei Tage durch und auch bei Vielnutzung komme ich damit gut über den Tag. Gut. Nicht so gut sind die Neustarts bei geringer mechanischer Belastung im Akkubetrieb. Wenn man das Gerät in zwei Händen hält und leicht gegeneinander verdreht, startet es reproduzierbar neu. Man muss es also wie ein rohes Ei behandeln und selbst wenn man es in der Jackentasche hat und sich in der Bahn hinsetzt, löst man solche Neustarts manchmal schon aus. Ein Anruf bei der sehr guten Dell Hotline brachte mich nicht weiter, man bot mir eine Reperatur an, aber einen Monat kann ich nicht auf meinen neuen Liebling verzichten. Also habe ich das gemacht, was mir als erstes in den Sinn gekommen ist: Der Akkudeckel schließt zwei Kontakte kurz, die mir sofort verdächtig waren. Sie etwas heraus zu biegen brachte nichts, aber ein dünnes Drähtchen als Überbrückung stellte die Neustarts sofort ab. Heureka und Glück gehabt. Jetzt bin ich rundum glücklich.

Die genannten Kritikpunkte sind schon alles, was ich auszusetzen habe/hatte. Ich bin wirklich ausgesprochen zufrieden mit dem Gerät, auch der Preis stimmte und lag knapp unter den 410€ netto, bis zu denen man so ein Gerät sofort von der Steuer absetzen kann. Für den Originalpreis von 550-600€ hätte ich es übrigens nicht gekauft, weil ich nicht so viel für ein Telefon ausgeben möchte. So ist es die für seinen Einsatzzweck perfekte Lösung.

P.S. Erste App-Empfehlungen für Android: Die Kontakte-Synchronisation mit Thunderbird klappte auf Anhieb prima mit dem MyPhoneExplorer. Auf dem Gerät sind Google Reader, TweetDeck, K-9 Mail, KeePassDroid und Google Maps ein Muss, aber auch Google Goggles macht riesigen Spaß und mit Google Listen habe ich eine superbe Podcast-Losung gefunden. Listen richtet sich mit einer eigenen Kategorie im Google Reader ein, so dass man seine Podcasts am Desktop abonnieren und verwalten kann. Das Programm beachtet die Gelesen-Markierungen und lädt Dateien in der Warteschlange automatisch im WLAN herunter. Bedienung über Bluetooth im Auto klappt super, übrigens auch mit dem Standard-Musikplayer. Es funktioniert einfach alles bisher, ich fühle mich angekommen, es lebe Android.

Nachtrag 04.01.2010: Ich habe ein Headset gefunden, das brauchbar klingt, sich bequem trägt und von der Steckerbelegung her (sogar ohne einen der mitgelieferten) Adapter ans Streak passt: Das Creative HS-730i. Fehlt nur noch ein bezahlbares Dock oder ein Zweitladekabel, das nicht 33€ kostet. Dieses Billig-Dock wäre die Lösung, ist aber noch immer nicht lieferbar. Sowieso nervt der PDMI-Anschluss. Dass nur Dell den beim Streak einsetzt ist ärgerlich, aber viel nerviger ist, dass er sich nur schlecht blind einstecken lässt und man zum Aufladen immer das eigene Kabel dabei haben muss. Einfach ein Mini- oder Micro-USB-Kabel ausleihen ist also nicht.


Kurztest: Smartbook Surfer

18 08 2010

Man beachte die zahlreichen Updates am Ende des Artikels.

Vor zwei Wochen ging im Netz die Nachricht um, Marktkauf biete für 179€ das 7" Android-Tablet Smartbook Surfer an. Sogar bis in die News von heise.de hat es das Gerät geschafft. Es war im Online-Shop sofort ausverkauft und der nächste Marktkauf von hier ist in Gelsenkirchen, also legte ich den Gedanken erst mal ad acta. So ein Gerät reizt mich grundsätzlich aber schon, vor allem, weil ich mit Android rumspielen und vor allem ausloten möchte, wofür man sowas produktiv einsetzen könnte. Letzten Donnerstag war im Online-Shop von Marktkauf dann eine kleine Charge verfügbar, also habe ich direkt mal so ein Ding bestellt.

Die übergreifende Fragestellung lautet dabei: Was taugt ein Tablett für 180€? Ich vermutete nichts gutes und um das vorweg zu nehmen: Es taugt wirklich nichts. Ein paar lose Punkte:

  • Das Ding ist unglaublich träge. Alles fühlt sich langsam an, sehr unerquicklich. Ein Leistungsstarker Arbeitsprozessor mit 800MHz soll da laut Packung drin stecken, auf der Website steht Telechips TTC8902 720MHz Prozessor. So oder so, das Ding ist quälend langsam.
  • Der resistive Touchscreen ist eine Unverschämtheit. Davon abgesehen, dass man mitunter sehr viel Druck ausüben muss, um eine Reaktion hervorzurufen, schwankt der nötige Druck auch noch ständig. Manchmal reicht ein jovialer Tipper mit der Fingerkuppe (wie bei meinem HTC Touch HD), manchmal muss man aber wirklich mehrmals so kräftig auf das Display eindrücken, dass man Angst bekommt, seinen Finger auf der anderen Seite wieder zu sehen. Wischen (also vor allem scrollen) wird so zum Glücksspiel, selbst mit dem billig wirkenden und sehr fest im Gehäuse steckenden Plastikstift.
  • Lahmer Prozessor plus hakeliger Touchscreen sind eine schlimme Kombination, die sich vor allem bei der virtuellen Tastatur auswirkt: Es ist unmöglich, auf dem Ding auch nur halbwegs flüssig zu tippen. In den Einstellungenm lässt sich ein leiser Tastenquittungsklick einschalten, der aber genau so unzuverlässig abgespielt wird, wie die Tastendrücke angenommen werden. Um eine Twiter-Nachricht in der TweetDeck Beta zu tippen, brauche ich über eine Minute. Die Texteingabe ist also völlig unbrauchbar. Hatte ich erwähnt, dass man trotz ca. 6mm hoher Tasten und spitzem Eingabestift ständig Tasten aus einer Reihe weiter oben auslöst? Setzen, sechs!
  • Aber das reicht noch nicht an Unpraktikabilität: Die Android-Tasten Menü, Suche, Home und Zurück liegen auf der Rückseite. Das ist OK, wenn man das Ding in der Hand hält, aber selbst dann sind die kleinen Tasten fummelig zu bedienen und man muss sich die Reihenfolge merken. Liegt das Ding auf dem Tisch oder hält man es irgendwie anders, muss man für jeden Klick auf eine der Tasten erst mal fummelig suchen gehen. Super lästig, vor allem, weil man diese Tasten bei Android ständig braucht. Aber auch das reicht noch nicht, denn die schwergängigen Tasten wollen mit viel Gefühl gedrückt werden, was aber auch dann nicht immer auf Anhieb angenommen wird. Fast noch schlimmer als der Touchscreen. Und weil das Ding so träge ist, bemerkt man das Ignorieren den deutlich hörbaren Tastendrucks erst eine Bedenksekunde später.
  • Der dämlichste Designfehler kommt aber noch: Das Gerät lädt nicht über USB, sondern nur mit dem beiliegenden Netzteil m(. Was soll man dazu noch sagen?

Das sind meine Hauptkritikpunkte, aber auch sonst glänzt das Ding nicht sonderlich:

  • Die Verarbeitung ist mäßig, aber für den Preis OK.
  • Die Webcam macht grausige Bilder, das Mikrofon funktionierte in Zusammenhang mit der Fritz!App Fon nicht.
  • Das Display zeigt ein immerhin brauchbares Bild.
  • Die vorinstallierte Skype-Betaversion ist ein schlechter Witz und nutzt zudem nur einen Bruchteil des Bildschirms (wahrscheinlich 320x240 im Querformat oben in der Mitte des 800x480er Displays).
  • Der Audio-Ausgang ist eine 2,5mm Klinke, ohne, dass dafür ein Grund ersichtlich wäre.

Alles in allem ist das Tablet-Computing zum abgewöhnen. Man kann nur hoffen, dass es ein offizielles oder zumindest inoffizielles Android 2.2-Update geben wird, damit zumindest die Geschwindigkeit etwas erhöht wird. Ich glaube aber nicht daran. Immerhin kann das Ding angeblich 1080p-Videos dekodieren und sogar über seinen Mini-HDMI-Ausgang ausgeben. Das wär ja was. GPS gibt es übrigens keins, Lagesensor und Kompass scheinbar ebenfalls nicht.

Fazit: Finger weg vom Smartbook Surfer! Und generell von Android-Tablets mit resistivem Touchscreen und fragwürdigen Prozessoren: Es macht keinen Spaß und ist rausgeschmissenes Geld. Mal schauen, ob ich einen sinnvollen Platz dafür finde.

Dass der Android-Market seit ich das Gerät habe nicht funktioniert ist ärgerlich, aber dafür kann das Gerät wahrscheinlich nichts. Angeblich soll der inzwischen wieder laufen, bei mir ist davon noch nichts zu sehen: Ich starre weiterhin auf ein meine lustigen "Download wird gestartet" Meldungen. Möglicherweise funktioniert der Market auch einfach wegen Nichterfüllung der Hardwareanforderungen (kein Lagesensor, kein Kompass, kein GPS, kein Mobilfunk) gar nicht, das wäre aber sehr komisch, denn er ist installiert und liegt als Verknüpfung auf dem Startbildschirm.

Nachtrag 18.08.2010: Der Android-Market funktioniert bei mir weiterhin nicht. Ich wollte mein Google-Konto entfernen und neu eintragen, vielleicht hilft ja da. Aber dazu müsste man das ganze Gerät in den Auslieferungszustand zurücksetzen, was alle installierten Programme (unklar, ob nur über den Market oder auch direkt installierte) und Einstellungen entfernt. Da ich noch nicht viel gemacht habe und man ohne Market keinen Spaß haben wird, habe ich das in den Datenschutzeinstellungen versucht. Und siehe da: Nicht mal das klappt. Sprich: ich kann die Einstellungen und mein verknüpftes Google-Konto nicht mal loswerden, weil diese essentielle Funktion beim Smartbook Surfer schlicht nicht funktioniert. Aaaaah!

Noch ein Nachtrag vom 18.08.2010: Der Zugang zum Android Market funktioniert tatsächlich schlicht nicht, obwohl er vorinstalliert ist. Man kann den Zugang mit Tricks freischalten, aber Spaß ist anders. Eine tolle Quelle für solcherlei Informationen findet sich hier.. Dort steht auch, dass der Prozessor nur mit 600MHz arbeitet.

Nachtrag 08.09.2010: In der aktuellen c't ist ein Kurztest vom Smartbook Surfer, dessen Beobachtungen sich frappierend mit meinen decken. Ich habe also keine Ausnahme mit kaputtem Touchscreen, das ist serienmäßig. In der Zwischenzeit habe ich mal den Support kontakiert, vor allem wegen des nicht zurücksetzen können Problems. Selbstverständlich habe ich nach der Eingangsbestätigung am 18.08.2010 keine weitere Antwort mehr bekommen.

Nachtrag 19.09.2010: Inzwischen gab es mehrere Systemupdates, die man auf der Website von Smartbook herunterladen kann. Mit etwas bastlerischem Geschick lässt sich das leicht flashen. Es gibt nun eine Kalibrierung für den Touchscreen, wodurch man immerhin nicht mehr ständig gnadenlos daneben tippt. Auch gibt es nun Lautstärkeregler in der Statuszeile. Leider habe ich erst nach der langwierigen Freischaltprozedur für den Android Market (hier beschrieben, in Kürze: Man verschafft sich Rootrechte, richtet einen Shell-Autostart ein, installiert das Android SDK, spielt dort ein system.img aus fragwürdiger Quelle ein und generiert darin eine Google-Market-ID, liest diese aus und überträgt sie in das Surfer) bemerkt, dass das aktuelle Image den Android Market gar nicht mehr mitbringt. Sehr witzig, wenn auch nachvollziehbar. Ich habe jetzt die Market-App von Pdassi installiert.

Nachtrag 05.10.2010: Falls sich jemand auch mal von dem Gerät desillusionieren lassen möchte, kann er meins gerne kaufen. Ich habe keine Lust auf größere Verluste und mache lieber einen teuren Bilderrahmen daraus, als es für zu billig wegzugeben. Wer also Lust hat, 150€ inkl. Versand (Originalpreis war 180€ zzgl. Versand, ernsthaft benutzt habe ich es nicht) auf den Tisch zu legen, kann das Smartbook Surfer in der Marktkauf-Edition mit Packung, allem Zubehör und der aktuellen Firmware 1.3 haben. Natürlich ist das Gerät wie hier beschrieben auf den Werkszustand zurückgesetzt, gerootet ist es offensichtlich ebenfalls noch. Also falls jemand Interesse haben sollte und angemessen leidensfähig ist: Meine Kontaktdaten findet ihr auf der Kontaktseite.

Nachtrag 24.10.2011: Nachdem das Ding jetzt seit ca. einem Jahr neben mir auf dem Schreibtisch gelegen und mir schlechte Laune gemacht hat, habe ich es doch noch mal zur Hand genommen und siehe da: Dass es zwei oder drei mal vom Schreibtisch gefallen ist, hat ihm nicht gut getan, denn der Touchscreen funktioniert jetzt nur noch im rechten Drittel. Falls es also jemand geschenkt haben will, um daran rumzubasteln, einfach melden.

Nachtrag 19.11.2011: Es hat sich tatsächlich jemand gemeldet, der in erster Linie am Netzteil interessiert ist. Habe ihm kurzerhand das ganze Scheißding in ein Paket geworfen und zugeschickt. Endlich kann ich das Ding vergessen.


Das Wepad ist vielleicht sogar ein PR-Trick von Apple

13 05 2010

Ganz wilde Verschwörungstheorie zum Wepad (oder Wetab oder wie auch immer): Es wäre durchaus möglich, dass das Wepad eine Erfindung von Apple ist, um von anderen Tabletts in Deutschland abzulenken. Immerhin hat Apple bei den Tabletts nicht annähernd den Technologievorsprung, den sie seinerzeit beim iPhone hatten. Etliche Hersteller haben etwas ähnliches im Anschlag und vor allem unter den vielen Android-Tabletts sind einige vielversprechende Kandidaten zu finden. Nun hat aber das Wepad in Deutschland irgendwie alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen, die das iPad übrig gelassen hat, und wie es zur Zeit aussieht, wird das Wepad aber auf ganzer Linie enttäuschen. Cui bono? Apple natürlich, denn wenn der scheinbar einzige ernst zu nehmende Wettbewerb derart enttäuscht, steht das iPad umso besser da und niemand mag mehr von dessen Einschränkungen reden. Denn der Wettbewerb ohne Einschränkungen fällt ja offenbar aus. Vielleicht hat Apple aber auch einfach nur Glück gehabt.

Oder aber um das Wepad wird so ein Eiertanz veranstaltet, auf dass man hinterher umso überraschter ist, wie gut es letztlich geworden ist. Lowered expectations und so. Wer weiß. Ich bin vor allem auf dieses 100$ Android-Tablett gespannt, dessen Video ich mal verlinkt hatte.


Tischtelefon gesucht

05 03 2010

Ich bin seit 20 Jahren latent auf der Suche nach einem guten Tischtelefon. Alles fing mit dem neuen Diensttelefon in meinem Elternhaus gegen Ende der 80er an: Das Ding war schick und konnte quasi alles, was man sich vorstellen konnte und noch mehr, bediente sich aber derart kryptisch, dass ich mir die Bedienung auch nach mehrmaligem Durchlesen des Handbuchs absolut nicht einprägen konnte. Ja, ich war ein Geek-Kind, das alle Anleitungen gelesen und alles ausprobiert hat, um zu verstehen, wie Geräte funktionieren. Das Ding war angesichts unseres privaten Wählscheibentelefons zwar faszinierend, aber irgendwann verlor ich das Interesse, vor allem, weil es im Arbeitszimmer stand und zudem nicht am Familienanschluss angeschlossen war. Ganz davon abgesehen, dass es im Grunde gar nicht benutzt wurde, weil kaum jemals jemand auf der Dienstnummer anrief. Es muss zu dem Telefon auch irgendwo eine Telefonanlage gegeben haben, weil man interne Kurzwahlen zu den anderen Telefonen in dem Gebäudekomplex hätte benutzen können (Küche, Küster, Kindergarten und Sakristei, wenn ich das recht in Erinnerung habe). Die internen Nummern wurden aber nie benutzt, weil man sowieso selten jemanden am anderen Ende erreicht hätte.

Zurück zum telefon selbst: So erging es mir in des folgenden 20 Jahren leider mit jedem Telefon, das ich in die Finger bekam, anfangs auch mit Handys. Handys haben es mittlerweile geschafft, dass man Grundfunktionen wie Makeln und Konferenzen halbwegs verlässlich über die Bühne bringt und Adressbuchsynchronisation klappte dann auch irgendwann durchaus praxistauglich. Das iPhone schafft im T-Mobile-Netz sogar das Kunststück, die ätzenden Voice-Menüs von Mailboxen mit seiner Visual-Voicemail richtig erfreulich bedienbar zu ersetzen, großartig.

Und was ist mit Tischtelefonen im Jahre 2010? Immerhin hat sich SIP als VoIP-Protokoll auf breiter Front durchgesetzt und es gibt eine erkleckliche Auswahl an hübschen und ausgereiften Telefonen, mit Asterisk steht eine hervorragende VoIP-Telefonanlagensoftware aus dem Open-Source-Lager zur Verfügung, gute Heimrouter wie die Fritz!Box haben für den Hausgebrauch völlig ausreichende und gut bedienbare Telefonanlagenfunktionen und es läuft notfalls auch ein ganzer Asterisk darauf. Und die Telefone dazu? Immer noch so kompliziert, dass der eigens dafür bestehende Beruf Telefonanlagenbauer noch lange nicht überflüssig wird. Wieso gibt es auch gegen viel Geld kein Killer-Telefon für den Hausgebrauch? Wieso wird der SOHO-Bereich mit (bei fehlender Anlagenunterstützung) funktional beschnittenen Scheißtelefonen abgespeist? Ist da so wenig Geld zu verdienen? Ich weiß es nicht, aber ich skizziere jetzt einfach mal ein für mich perfektes Tischtelefon für den Einsatz im Kleinbüro- und Heimbereich, wo üblicherweise eine kleine (etwa eine Fritz!Box) oder gar keine Telefonanlage zur Verfügung steht:

  • Gute SIP-Kompatibilität mindestens mit Fritz!Box und Asterisk, inkl. solcher Stolpersteinchen wie dem Blindtransfer mit der Fritz!Box, wo Siemens teure und in meinen Augen extrem nervigen, weil nur an Siemens HiPath-Anlagen wirklich gut funktionierenden OpenStage-Telefone schon scheitern (wobei mir immer noch nicht klar ist, wer da letztlich die Schuld trägt).
  • Wählen vom PC aus, vorzugsweise ohne Umweg über den SIP-Server (den Fritz!Box TAPI-Treiber gibt es zum Beispiel nicht für 64Bit Windows, immerhin gibt es den überhaupt) und auch am Mac bzw. Linux. Und zwar ohne Fummelei, das kann ja so schwierig nicht sein.
  • HD-Telefonie, in welcher Form auch immer. AVM nennt das HD-Telefonie und mit deren Mobilteil MT-D klingt das wirklich bezaubernd, kein Vergleich zu Standard-Telefonie oder gar einem Handy-Telefonat. Immerhin scheinen alle Hersteller sowas im Angebot zu haben, aber funktioniert das auch?
  • Irgendeine Adressbuchsynchronisation, vorzugsweise möglichst offen, damit man das irgendwie an seine Landschaft anpassen kann. Ich benutze Thunderbird und wäre durchaus bereit, ein paar Euro für einen Connector dafür zu bezahlen. SyncML würde es auch tun oder irgendetwas ähnliches. Nur Outlook reicht nicht. Und LDAP? Im SOHO-Bereich? Solange die Fritz!Box und andere kleinere SIP-Lösungen kein LDAP-Zugriff auf ihr Telefonbuch bieten, bringt einen das nur bedingt nach vorne. Einen Linux-Server dauerlaufen zu lassen, damit man sein Telefonbuch benutzen kann scheint mir dann doch etwas ressourcenhungrig. Mein Windows Home Server legt sich jedenfalls mit den anderen Rechnern aus Stromspargründen schlafen.
  • Bluetooth-Headsets direkt nutzbar. Wie kann es sein, das selbst Topmodelle für etliche hundert Euro kein Bluetooth beherrschen? Jedes dumme Mittelklassehandy für Teenies kann Bluetooth-Headsets anbinden (und einige sogar so Kunststücke, wie Facebook als Telefonbuch zu nutzen), wieso bloß können Tischtelefone das nur in sehr seltenen Ausnahmefällen?
  • Gigabit-Ethernet. Fast alle SIP-Telefone können einen Netzwerkport durchreichen, wieso aber können die wenigsten auch Gigabit-Ethernet durchreichen? So braucht man doch einen extra Port für das Telefon, um den PC nicht seiner schnellen Anbindung zu berauben. Alles eine Preisfrage? Wenn man mehrere hundert Euro verlangt, kann man den Aufpreis für einen Gigabit-Port doch wohl noch unterbringen. Eine ganze Gigabit-Netzwerkkarte für den PCIe-Bus bekommt man einzeln für unter 5€.
  • Einfache Aufzeichnung von laufenden Telefonaten wäre auch toll. Ich zumindest muss gelegentlich Anrufe mitschneiden und nutze dazu immer Skype, wenn ich vorher davon weiß; etwa wenn ich die 1&1-Hotline anrufe, um mir deren unfassbare Dreistigkeiten anzuhören.
  • Intuitive Bedienung. Das Snom 870 macht das auf den Demo-Videos schon ganz gut vor. Warum schaffen andere Telefone sowas nicht? Man will doch nur, dass sich die Funktionen intuitiv bedienen lassen. Da werden dann in den Topmodellen riesige Displays eingebaut, die sich auf dem Chef-Schreibtisch gut machen, ohne dass man einen Vorteil bei der kryptischen Bedienung daraus ziehen würde. Wenn ich Bedienoberflächen wie die des nicht gerade billigen Siemens OpenStage 40 sehe, dreht sich mir der Magen um; man sollte echt mal ein Video von der Bedienung aufnehmen.

Schon an diesen eigentlich naheliegenden Forderungen scheitern meines Wissens nach alle Tischtelefone. Dass die Telefone alle mehr oder weniger ausgefuchste Adressbuchzugriffe über LDAP oder ähnliches unterstützen, bringt einen im Kleinbüro leider nicht weiter.

Aber der entscheidende Part ist für mich die Bedienung: Was nützen einem die fettesten Funktionen, wenn man sie im Alltag wegen Kompliziertheit nicht benutzt? Snom geht beim 870 mit dem relativ großen Touchscreen schon in die richtige Richtung, deswegen hätte ich das heute beinahe kurzentschlossen bestellt, verspricht es doch fast alle genannten Punkte abzudecken. Doch dann habe ich gesehen, dass es kein Bluetooth kann. Warum? Das Telefon kostet über 300€, anfangs sogar fast 500€, aber es kann kein Bluetooth? Immerhin signalisiert Snom im hauseigenen Forum Interesse an dem Vorschlag, wenigstens Bluetooth-Dongles am USB-Port des Telefons zu unterstützen. Bis dahin muss ich wohl weitersuchen.

Wenn man 300€ für ein Telefon bezahlt, bewegt man sich doch eigentlich schon im Bereich von besseren Android-Tabletts. Ich frage mich schon lange, wieso nicht jemand auf die Idee kommt, ein großes Android-Tablett mit einem Netzwerkanschluss, einem Telefonhörer und einem einfach zu bedienenden Telefonieprogramm auszustatten. Das wäre für mich ein Traum, bei dem die proprietäre Flexibilität per XML-Browser der Snom-Telefone im Leben nicht mithalten könnte. Mit Android liegt ein fertiges und leistungsfähiges Betriebssystem für Telefone auf der Straße, dessen Bedienkonzept sehr modern ist, das nichts kostet und durch Apps auch noch beliebig erweiterbar ist. Im Grunde ist doch alles schon da. Ein Hersteller hat im letzten Jahr genau sowas angekündigt, verkauft das Konzept aber nur kundenspezifisch im Projektgeschäft oder als Lizenz für andere Hersteller. Aber exakt so stelle ich mir das vor, man schaue sich mal das Demovideo dazu an, großartig. Wenn sowas gut gemacht und halbwegs bezahlbar wäre, würde ich das sofort kaufen, für ein gutes Smartphone oder ein iPad gibt man ja auch gerne 500€ aus. Ein Cradle mit Hörer und gutem Freisprech-Lautsprecher für ein gutes Android-Smartphone mit SIP-Telefonie-App würde es auch schon tun, dann hätte man sogar noch Mobilfunk-Backup.