Adblock Plus, die Whitelist und sich aufdrängende ethische Fragen

18 12 2011

Der Firefox-Werbeblocker Adblock Plus hat neuerdings eine Whitelist, die bestimmte unaufdringliche Werbung passieren lässt. Andere Werbeblocker tun es Adblock Plus bereits gleich. Das provoziert einigen Unmut in meiner Twitter-Timeline, viele Adblock Plus Nutzer fühlen sich betrogen und lamentieren herum. Es war sogar maßlos überzogen von Spyware die Rede. Dabei bewegen sie sich meine Auffassung nach ethisch gesehen auf ziemlich dünnem Eis.

Vor einer ganzen Weile habe ich schon mal etwas zum grundsätzlichen Problem mit Werbeblockern geschrieben: Werbeblocker sind kein guter Stil, aber nötig. Um mich nicht zu sehr zu wiederholen verweise ich vorab auf eine Lektüre dieses Artikels.

Nun aber erst mal zur Whitelist von Adblock Plus. Die funktioniert so, dass der Anbieter von Adblock Plus einen bestimmten und ziemlich strengen Kriterienkatalog für unaufdringliche Werbung definiert hat. Wenn sich Werbetreibende daran halten, können sie per Vertrag einen Platz auf der Whitelist bekommen, was dafür sorgt, dass ihre Werbung nicht mehr herausgefiltert wird. Diese Whitelist ist in der neuen Version standardmäßig aktiv, kann aber abgeschaltet werden. Das Ziel ist klar formuliert: Es soll attraktiv für Werbetreibende werden, ihre Werbung unaufdringlich zu gestalten. Der am weitaus häufigsten genannte Grund für die Verwendung von Werbeblockern ist ja gerade der Selbstschutz vor übergriffiger Werbung, so eine Whitelist ist also eine wirklich hervorragende Idee für einen Interessenausgleich zwischen seriösen werbefinanzierten Websites und von unseriös werbefinanzierten Websites genervten Usern.

Je länger ich darüber nachdenke, desto großartiger finde ich diesen Ansatz. Wie bereits im oben genannten Artikel gesagt, halte ich den Einsatz von Voll-Werbeblockern nur mit dem Argument des Selbstschutze vor übergriffiger Werbung für ethisch zu rechtfertigen. Wer nun die Whitelist ausschaltet, steht in meinen Augen aber ohne moralische Rechtfertigung da. Vielleicht ist das ja auch ein Grund für das Geschrei? Plötzlich muss man als moralisch sauber handelnder Mensch doch wieder die ein oder andere Werbung ertragen, wo man es sich doch hinter dem Pauschalargument der übergriffigen Werbung so gemütlich werbefrei eingerichtet hatte. Das ist eine infame Unterstellung, aber eine andere Erklärung habe ich nicht: Die Whitelist lässt sich problemlos abschalten und wenn sie nicht standardmäßig an wäre, wäre sie reichlich nutzlos, denn dann würde kaum jemand Notiz davon nehmen. Ich halte den faireren Deal für die sinnvollere Default-Einstellung.

Anders herum kommt durch so eine Whitelist-Lösung der Einsatz eines Werbeblockers plötzlich für Leute wie mich erstmals in Frage, die bisher aus Achtung vor den Lieferanten kostenloser Informationen darauf verzichtet hatten. Wenn nun noch mehr Leute als zuvor Werbeblocker (mit Whitelist) einsetzen, wird der Druck auf die Schalter aufdringlicher Werbungen umso größer, der gewünschte Effekt wächst also mit jedem Nutzer. Plötzlich tut man der Gemeinschaft sogar einen Dienst, wenn man einen Werbeblocker mit Whitelist einsetzt. Und nicht zuletzt nimmt man den schwarzen Schafen unter den Werbetreibenden ein Argument aus der Hand, mit dem sie einem bisher die Ohren vollgeheult haben. Wer jetzt noch heult, den kann man auf die Möglichkeit verweisen, seiner Werbung die Aufdringlichkeit zu nehmen und sich einen Platz auf den einschlägigen Whitelists zu sichern. Wer nervige Werbung schaltet, ist halt nicht in der Position, anderen ein schlechtes Gewissen einzureden.

Ernsthaft: Mit dem Adblock-Whitelist-Ansatz halten wir nicht weniger als den Schlüssel zum Frieden im Werbekonflikt im Internet in der Hand! Am Ende können alle zufrieden sein, weil das Web zu einem besseren Ort wird, je weniger überaufdringliche Werbung es gibt. Die Einschnitte auf Nutzerseite sind dabei deutlich kleiner als auf der anderen Seite, das ist schon für sich genommen ein Sieg.

Das einzige Geschmäckle ist, dass Werbetreibende zur Zeit mit jedem Werbeblocker-Betreiber Einzelverträge schließen muss und wahrscheinlich auch dafür bezahlen muss. Wir brauchen hier eine Non-Profit-Organisation, die solche Whitelists unabhängig und zentral pflegt und auch die Einhaltung der strengen Nicht-Nervigkeits-Kriterien überprüft.

P.S. Neulich hatte ich auf einer eigentlich seriösen Nachrichtenseite ein Layer-Ad, dessen Schließen-Knopf nicht funktioniert hat und der somit sehr zuverlässig den Konsum des eigentlichen Seiteninhalts verhindert hat. Wenn sowas öfter passiert, brauchen sich die Betreiber der Seite nicht wundern, wenn die Besucher ohne Werbeblocker ausbleiben und am Ende nur noch diese undankbaren Abschnorchel-Besucher mit Werbeblocker übrigbleiben.


Für große Zahlungen ungeeignet: ClickandBuy

03 11 2011

Hinweis: Man beachte vor allem auch die Updates.

Ich bin sehr genervt. Gestern habe ich bei redcoon.de einen Monitor für 264€ bestellt, dort gibt es alternativ zu den üblichen Bezahlmethoden noch PayPal und ClickandBuy. Da PayPal politisch etwas, sagen wir mal, umstritten ist, war ich froh über eine weitere Sofortbezahlmethode und wählte ClickandBuy aus.

Kleiner Exkurs: Warum es sofortueberweisung.de noch gibt, ist mir ernsthaft ein Rätsel. Die Banken drücken sich bezüglich der Weitergabe von PIN und TANs absolut klar aus und der viel zu kleine Skandal im letzten Mai hatte offenbar keinerlei Folgen. Für mich absolut unverständlich, wenn man sich folgendes vor Augen führt (der Einfachheit halber zitiere ich mal den Artikel auf heise.de vom 30.05.2011):

Neben dem Kontostand würden auch die Umsätze der vergangenen 30 Tage, der Dispokredit, die Stände anderer Konten bei der gleichen Bank oder ausgeführte und vorgemerkte Auslandsüberweisungen abgefragt.

Wer sowas macht, gehört für mich sofort aus dem Geschäftsverkehr gezogen, das ist ein eklatanter Missbrauch des u.a. wegen des TÜV-Siegels entgegengebrachten Vertrauens. Andererseits sind die Kunden auch selbst schuld: Wer Dritten entgegen klarer Anweisungen von ungefähr jedem seine Zugangsdaten zum Online-Banking gibt, hat es echt nicht besser verdient.

Zurück zu ClickandBuy. Nach dem Kauf werde ich also, wie von PayPal gewohnt, auf eine Bezahlseite weitergeleitet. Nach einem Login, das ein Captcha von mir ausgefüllt haben will (nerv…) gelange ich auf die Auswahl der internen Zahlvarianten. Ich habe die Wahl zwischen sofortueberweisung.de, GiroPay und Kreditkarte, alle drei sehr prominent platziert. Spannende Frage: Wozu brauche ich ClickandBuy, die hätte ich auch direkt beim Händler haben können. Verschämt ganz am Ende kann ich noch Lastschrift von einem meiner bereits verifizierten Konten wählen. Ah, die eigentliche Funktion gibt es doch noch, schön zu sehen! Einen Schritt weiter kann ich zwischen meinen beiden Konten wählen, um die Einzahlung des geforderten Betrags vorzunehmen.

Einzahlung? Leider stellt sich heraus, dass es 3-5 Tage dauert, bis die Lastschrift abgebucht und die Zahlung dem Händler gegenüber freigegeben wird. Im Ernst? Ich meine wirklich: Im Ernst? Es wird ein Zahlungsdienstleister zwischengeschaltet, dessen einzige Auswirkung ist, den Versand der Ware um 3-5 Tage zu verzögern? redcoon.de bietet sofortueberweisung.de und Kreditkarte selber an, GiroPay bringt mich nicht nach vorne und Vorkasse wäre in jedem Fall schneller als die 3-5 Tage Bearbeitung bei ClickandBuy. Ich wage zu behaupten, dass ClickandBuy damit für Beträge jenseits des Micropayments reichlich überflüssig ist. Ich hätte mein Konto dort sofort gekündigt, wenn ich nicht gelegentlich kleinere Beträge ohne Wartezeit damit bezahlen würde, zuletzt den neuen Duden-Korrektor für 20€.

Geht aber noch weiter: Heute bekomme ich eine Mail von redcoon.de, die mich auffordert, das Geld innerhalb von 7 Tagen zu überweisen, weil sonst die Bestellung storniert würde. Auf meine verwunderte Nachfrage hin erfahre ich folgendes:

Da die Zahlung nicht erfolgreich abgeschlossen wurde, haben wir diese automatisch auf Vorkasse umgestellt.

Na super, das Geld in von ClickandBuy bereits abgebucht worden und bei denen in Bearbeitung, bei redcoon.de wird es aber wohl eher nicht ankommen, denn auf deren Seite ist die Zahlung nicht erfolgreich abgeschlossen worden. ich könnte nun also auf Vertrauensbasis noch mal 264€ anweisen und dann meiner Kohle bei ClickandBuy hinterherlaufen, aber irgendwie habe ich da nur mäßig Lust zu. Ich warte jetzt noch eine Mail vom Support ab und werde die Bestellung dann wohl sauber stornieren und anderswo bestellen. Das ist hoffentlich die Lösung mit dem geringsten Ärger.

Alles in allem werde ich ClickandBuy in Zukunft noch mehr meiden als PayPal, da funktioniert die Abwicklung wenigstens (auf Kundenseite) prinzipiell sauber. Insgesamt äußerst unbefriedigend.

Nachtrag: Ein 01805er-Anruf bei ClickandBuy brachte etwas Licht ins Dunkel: Ich habe nicht bezahlt, sondern eingezahlt. Warum der normale Bezahlprozess dazu geführt hat, ist wohl nicht mehr zu klären, offenbar ist da etwas schief gelaufen bei der Übergabe vom redcoon-Schopsystem zu ClickandBuy. Sehr vertrauenerweckend… Jedenfalls kann ich mir die Kohle bei ClickandBuy in ein paar Tagen wieder ausbezahlen lassen und alles wird gut.

Nachtrag 09.11.2011: Unfassbar, ClickandBuy hat echt mal den Arsch offen: Nach über einer Woche ist meine falsch gelaufene Lastschrift-Einzahlung endlich verbucht. Das alleine ist schon eine Unverschämtheit. Jetzt wollte ich mir die Kohle wieder auf mein Bankkonto auszahlen und erhalte folgende Info:

Ihr für Auszahlungen verfügbarer Kontostand ist niedriger als Ihr aktueller Kontostand, da Sie auf Ihrem ClickandBuy-Konto kürzlich eine Einzahlung per Lastschrift vorgenommen haben. Wenn Sie diese Methode für eine Einzahlung auf Ihrem Konto nutzen, ist der eingezahlte Geldbetrag erst nach einer gewissen Wartezeit zur Auszahlung verfügbar.

Nicht nur, dass die gewisse Wartezeit für alles andere als gewiss ist, muss ich jetzt noch mal länger auf mein eigenes Geld warten, das überhaupt erst wegen einer Fehlfunktion eingezahlt wurde, statt als Bezahlung an den Händler zu gehen.

Nachtrag 19.11.2011: Ich bin nun noch fassungsloser als zuvor. Fast drei Wochen nach der Einzahlung ist wirklich lang, aber noch immer war der Betrag ganz frech eingefroren. Eine ziemlich wütende Mail an den Kundenservice von ClickandBuy später wurde mir kurzfristig ein Termin genannt, ab dem ich mir mein Geld wieder auszahlen lassen kann. Also logge ich mit zum angegebenen Zeitpunkt ein und tatsächlich ist der Betrag zur Auszahlung freigegeben. Doch ich habe die Rechnung ohne die Frechheit von ClickandBuy gemacht, denn ich muss 1,85€, also 0,7% Transaktionsgebühren bezahlen. Wut kocht in mir hoch. Egal, Lehrgeld. Doch dann: Bitte rufen Sie unter folgender kostenpflichtigen Hotline an, um Ihre Transaktion zu bestätigen… Mir fällt echt nichts mehr ein.

Der Mitarbeiter am Telefon ist wieder sehr freundlich, zeigt ein wenig Verständnis für meine Wut, kann aber nichts an der Sache ändern. Immerhin sagt er mir, an wen ich meine Beschwerde richten kann. Es bleibt dabei: Transaktionsgebühren für eine überflüssige und von mir nicht gewollte Transaktion und für die Dreistheit, mein Geld 16 Tage plus wieder 3-5 Tage bis zur Auszahlung einfach einzubehalten. Er erklärt mir dann noch irgendwas von Geldwäscheregelungen und klärt mich darüber auf, dass die fehlgeschlagene Bezahlung daran liegt, das Redcoon für höhere Beträge keine Lastschrift erlaubt und man deswegen intern erst bei ClickandBuy einzahlen muss. Warum der Prozess dann allerdings Redcoon einfach als abgebrochen gemeldet wird, obwohl man sich genau an die Regeln gehalten hat, konnte er mir nicht sagen.

Am Ende stellt sich also raus, dass bei mir überhaupt nichts schief gelaufen ist, sondern ich tatsächlich in einem von Redcoon und ClickandBuy absichtlich so gestalteten Prozess in eine Sackgasse geleitet wurde. Jede Bestellung bei Redcoon (wahrscheinlich oberhalb eines bestimmten Betrags), die über ClickandBuy bezahlt wird, muss dort entweder aus bereits bestehendem Guthaben oder über sofortueberweisung.de, Giropay oder Kreditkarte bezahlt werden. Bis auf Giropay und zuvor eingezahltes ClickandBuy-Guthaben bietet Redcoon diese Zahlungsweisen allerdings sowieso selber an, was a) die Sinnfrage dringender als zuvor stellt und b) die Frage aufwirft, wieso Redcoon auf diesen Umstand nicht deutlich bei der Wahl der Zahlungsmittel hinweist? Denn Giropay kann man auch selber anbieten und höheres Guthaben bei ClickandBuy halte ich für eine irrelevante Randerscheinung. Wobei, wahrscheinlich ist das gar keine Randerscheinung, denn ich werde nicht der einzige sein, dem sowas passiert und in so einem Fall hat man ja mehrere hundert Euro Guthaben, die man sich ohne Internevtion beim Kundendienst nicht so einfach wieder auszahlen kann, wohl aber ausgeben. Un-fass-bar.

Erinnert mich daran: Nie wieder ClickandBuy für Beträge >20€.


Neuen politischen Terrorismus braucht das Land

14 09 2011

Vor ein paar Jahren habe ich mal in einem Artikel prophezeit, dass irgendwann eine neue RAF oder etwas ähnliches entsteht. Nun mag man das Phänomen Anonymous, LulzSec und Co. bereits so werten, dass meine Aussage erfüllt ist, auf so etwas wollte ich damals unter anderem auch hinaus, aber das ist noch einiges von dem entfernt, was ich eigentlich meinte. Mit einem neuen politischen Terrorismus meinte und meine ich tatsächlich radikalere Ansätze wie den der (frühen) RAF. Dass das nicht mit Bombenanschlägen und Entführungen einhergehen muss sollte durch den Zeitgeist gedeckt sein, das ist oldschool und an Leib und Leben anderer heranzugehen hat sich als die eine Spur zu krass herausgestellt, dass es selbst hartgesottenen Typen zu weit geht. Davon abgesehen, dass damit auch die Grenze überschritten ist, bis zu der man im Volke noch mit Rückhalt rechnen kann. Da will momentan wohl niemand noch mal hin, was gut ist.

Aber die Radikalität als (letztes) legitimes Mittel der politischen Meinungsäußerung anzusehen ist auch heute noch – oder wieder – in der Jugend herauszuhören. Was Anonymous und LulzSec dieses Jahr in die Medien getragen haben war ein auf mehreren Ebenen wichtiges Signal. Offensichtlich ist, dass endlich jemand wirksam in die Medien trägt, was IT-Experten seit Jahren anprangern, nämlich den absolut unzureichenden Umgang mit dem Thema Datenschutz bei fast allen Institutionen. Das wird seit Jahren gepredigt, angeprangert, immer wieder weisen wir "IT-Experten" auf die Problematik hin, aber es hat einfach niemand zugehört. Nun kommt die Quittung und das kann ich im Sinne des Told-You-So-Karmas nur gut heißen. Das nur am Rande, denn auch darauf will ich nicht hinaus, da ist ja keinerlei Terrorimus in Sicht, sondern in vielen Fällen schlicht Erpressung oder Rache oder auch "nur" Lulz (also Spaß am Vandalismus).

Trotzdem ist bei einigen Angriffen ein gewisses politisches Moment auzumachen, mal mehr, mal kaum bemerkbar. Und hier liegt die Keimzelle zum neuen politischen Terrorismus, wie ich ihn postuliere. Nicht mehr lange, da bin ich mir sicher, und wir werden klar politisch motivierte Aktionen aus den gleichen Kreisen zu sehen bekommen. Die Aufmerksamkeitsmaschine läuft ja bereits, das Motiv Rache/Vergeltung haben wir auch bereits (bei Sony, PayPal und MasterCard) gesehen, nun fehlt nur noch die klare politische Forderung und ein bisschen mehr Sprengkraft als DDoS mit der Low Orbit Ion Cannon (was für ein großartiger Name) oder die Veröffentlichung von schlechtest gesicherten 1.000.000 Kundendaten von irgendeiner Firma. Hervorzuheben sind in diesem Sinne klar das Defacement der GEMA-Website (mit der schönen Meldung "Diese Website ist in Deinem Land nicht verfügbar") und die Veröffentlichung von Mailadressen samt Passwörtern einer großen Porno-Website mit einigen sehr peinlich berührten Mitgliedern in politischen Ämtern der USA. Da geht die Reise hin.

Die Sprengkraft muss sich bei den richtigen Leuten entfalten. Als sich kürzlich Sebastian Edathy von der SPD zu Recht über die absurde Urheberrechtslage in Deutschland aufgeregt hatte, bekam er als Antwort einen lesenswerten offenen Brief und viel Häme aus dem Netz ausgeschüttet, weil es nun eben (endlich) jemanden trifft, der für die ganze netzpolitische Misere mitverantwortlich ist, in der wir stecken. Oder das Thema Hausdurchsuchungen auch nichtigsten Verdachtsmomenten heraus. Ich warte tatsächlich täglich auf Aktionen, die dafür sorgen, dass eben diejenigen, die dem absichtlich keinen Riegel vorschieben, diese Keule abbekommen. Es ist zur Zeit geradezu lächerlich leicht, jemanden in irgendeinen Verdacht zu bringen, der eine Hausdurchsuchung rechtfertigt. Es reicht ja mitunter, dass ein Nachbar meint, verbotene Pflanzen auf dem Balkon gesehen zu haben. Oder man kapert den Rechner einer Zielperson und tritt ausgiebig in die zahlreichen Kinderporno-Honeypots, die die Strafverfolgungsbehörden angeblich betreiben, um Kinderporno-Konsumenten zu fangen. Technisch ist das kein Problem, mit etwas sozialem Geschick bekommt man auch durchaus gezielt bestimmte Rechner mit Bots infiziert. Die naheliegende Idee dahinter ist ja, dass (Innen-)Politiker, nur mal selber direkt oder indirekt von vorschnellen Hausdurchsuchungen und ähnlichen Repressalien betroffen sein müssen, damit die Hürden dafür wieder angemessen hoch gehängt werden.

Und ich wage mal zu behaupten, dass auf solche Ideen nicht nur so friedfertige Leute ohne kriminelle Energie wie ich kommen, sondern eben auch diejenigen, die PayPal DDoSen und Millionen Kundendatensätze von Sony erbeuten und veröffentlichen. Der Netzgeneration auf die Füße treten tun nicht nur Sony und PayPal, sondern dank Vorratsdatenspeicherung, ständig steigender Kriminalisierung der Lebensbereiche, Netzsperren etc. eben vor allem die konservative Politik (wozu bei diesem Themenbereich eben leider auch die Grünen und die SPD zählen, nicht nur die CDU/CSU).

Das meine ich mit neuem politischen Terrorismus. Triff die richtigen wo es ihnen weh tut. Neu ist dabei der dritte Faktor: Bleib auf dem Teppich. Wo man früher entführen musste oder mit Bomben Leute töten, um die nötige Krassheit zu erreichen, hat die Jugend heute ja ein viel subtileres und vor allem nicht lethales Instrumentarium an der Hand, es ist nur eine Frage der Zeit, wann es genutzt wird. Nicht ob.

Das soll übrigens kein Aufruf sein, vielmehr zahle ich hiermit schon mal für später auf mein Told-You-So-Karma-Konto ein. Ich behalte nämlich nur all zu gerne Recht.


Produkt-zwischenzeitlich-abverkauft-Wut

21 07 2011

Ich bestelle viel online. Genug jedenfalls, um seit über 10 Jahren in allen Umfragen zum Thema E-Commerce die häufigste Kategorie bei Haben Sie schon mal etwas in diesem Internet bestellt ankreuzen zu können. Mit etwas Umsicht und Achtung der Händlerbewertungen bei gh.de bin ich dabei in 90% der Fälle gut gefahren. Zuletzt habe ich zwei mal für einige hundert Euro bei anobo.de bestellt: Verbuchung der Vorkasse-Überweisung nach zwei Stunden, Ware am nächsten Tag da. Fantastisch. Auch andere Händler wie hardwareversand.de lassen sich von Vorkasse-Überweisungen nicht ausbremsen und liefern fast genau so fix, wie bei Zahlung mit PayPal oder Kreditkarte. Amazon bucht sowieso bequem ab und versendet meistens sofort, mit Prime sogar eigentlich immer und auch noch versandkostenfrei.

Nun begab es sich aber, dass eine bestimmte Produktkonstellation nur bei e-bug.de kurzfristig lieferbar war, ohne gleich 20-30% mehr dafür auszugeben, also habe ich schweren Herzens dort bestellt. Schweren Herzens, weil der Laden auf mich noch nie einen sonderlich seriösen Eindruck gemacht hat. Wenn man die ungefragt hinzugefügte Premium-Abwicklung für 5€ extra wieder aus dem Warenkorb entfernt hat, kann man die Bestellung ohne schwere Komplikationen aufgeben. Übrigens nicht als Gast, man muss also erst mal ein Konto anlegen.

Nach Bestätigungsmail zu meiner Bestellung am Samstag und prompter Überweisung, die meine Sparkasse sofort am Montag gebucht hat, höre ich nichts mehr von e-bug.de. Unbefriedigend. Am Donnerstag schaue ich mal wieder im Kundenportal vorbei und stelle erleichtert fest, dass immerhin schon mal mein Zahlungseingang verbucht wurde und die Ware in Kürze versendet wird. Weiter Funkstille. Am Dienstag unveränderte Lage, also frage ich per Chat in der Bestellabwicklung nach: Die Bezahlung hätte zu lange gedauert, das Produkt hätte man zwischenzeitlich abverkauft, Nachschub sei unterwegs. Puh.

Zwischenzeitlich abverkauft? Ist das deren Ernst? Die nehmen verbindliche Bestellungen an und während deren trödelige Bank die Vorkasse-Überweisung noch mal ein paar Tage einbehält, verscheuern die das Produkt an andere Kunden? Ich würde denen glatt unterstellen, das Produkt zwar als lieferbar markiert zu haben, in Wirklichkeit aber erst bei Bestelleingang zu beschaffen, aber das wäre im Grunde genommen weniger dreist und ärgerlich, als ein verbindlich bestelltes und zugesagtes Produkt einfach zwischenzeitlich abzuverkaufen. Unfassbar. Ich bitte also um Stornierung, denn das Produkt kann an diesem Tag nicht mehr versendet werden. Eine Teillieferung lehne ich ab. Der Chatpartner bestätigt meine Stornierung und schickt mir einen Link zu einem bürokratisch anmutenden Formular für die Beantragung einer Rückerstattung des überwiesenen Geldes. Man überweise nur Dienstags, was sich gut trifft, denn es ist Dienstag.

Vorbei? Nein. Am Dienstag Nachmittag steht im Kundenmenü nichts von Stornierung, eine Bestätigung per Mail habe ich auch nicht bekommen, also noch ein Chat. Dieser Chatpartner eröffnet mir, dass er gar keine Stornierungen vornehmen könne, ich solle mich per Mail an eine sales@e-bug.de wenden. Das tue ich, bekomme eine Eingangbestätigung von einem Ticketsystem und höre in den kommenden Tagen wiederum nichts mehr, auch im Kundenmenü ändert sich der Status nicht. Ich finde mich damit ab, wohl meinem Geld hinterherzulaufen und das irgendwann doch versendete Paket wieder zurück zu schicken.

Doch, oh Wunder, am Donnerstag schon wird meinem Konto der volle Betrag gutgeschrieben. Ich habe zwar immer noch keinerlei Kommunikation erfahren, aber das Geld ist da. Immerhin. Übrigens war die Lieferung von Amazon noch vor dem Geld da, denn bei Amazon ist eine Lieferung erst am übernächsten Tag schon auffällig langsam.

Abschließend lässt sich feststellen: Nicht noch mal e-bug.de, wirklich nicht. Läden, deren Abläufe so gestaltet sind, empfinde ich als äußerst unseriös. Wie sich herausstellt, bin ich damit nicht alleine, die Bewertungen bei gh.de sprechen Bände. Andererseits beruhigend, dass mich mein vorheriges Bauchgefühl nicht getrügt hat. Es gibt ja genug Computerläden.

P.S. Heute ist ein Paket von einem anderen Versender angekommen, das ich vor über einem Monat bestellt, am selben Abend aber noch storniert hatte, weil ein anderer (sehr großer) Fahrradversender sich eine Woche nicht gemeldet hatte, dann meine Stornierung ignorniert und das Paket doch noch versandt hatte. Auch der nächste Versender ignorierte meine Stornierung mit einer wirklich dämlichen Ausrede und dann blieb das Paket erst mal einen Monat beim Paketdienst liegen. Das wäre einen eigenen Blogeintrag wert, aber ich will niemanden mit redundanten Geschichten langweilen. Drei völlig verkackte Bestellungen innerhalb weniger Wochen, ich hab echt einen Lauf.


Kaputte Prügelpolizisten

20 06 2011

Gerade lese ich die Headline Stuttgart 21: Polizist brutal zusammengeschlagen und stelle spontan wenig Mitgefühl bei mir fest. Wieso eigentlich? Halte ich es für zu rechtfertigen, einen Beamten in Zivil mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus zu befördern? Natürlich nicht, aber wieso bleibt dann trotzdem mein Mitleid weitgehend aus? Nun, ich habe die Bilder vom 30.09.2010 noch recht präsent in Erinnerung, obwohl ich nicht mal dabei war. Dass die Polizei sich dadurch nachhaltig als klares Feindbild bei den Demonstranten etabliert hat, sollte nachvollziehbar sein. Wer in solch unangemessener Härte (auch das sollte nicht strittig sein) gegen Kastanien werfende Demonstranten und Schüler vorgeht, braucht sich in der gleichen Sache auch neun Monate später nun wirklich nicht über eine aggressive bis feindselige Grundstimmung gegenüber den Beamten zu beklagen. Oder um mal die übertriebende Rhetorik der damaligen Berichterstattung aufzugreifen: Mit dem Bürgerkrieg haben nicht die Demonstranten angefangen.

Wobei wir damit bei der spannenden Frage angekommen sind, wer wieviel dafür kann. Klar sollte sein, dass die Polizei hier in erster Linie Befehlsempfänger einer Politik war, die ihre Quittung bereits bekommen hat. Andererseits kann man es sich so bequem nun auch nicht machen, denn der Einsatzbefehl wird wahrscheinlich eher nicht Haut den scheiß Hippes und wer da halt sonst so rumsteht mal so richtig auf die Fresse und lasst es ordentlich krachen gelautet haben. Womit wir wieder bei der Eingangsfrage wären: Wundert sich jemand ernsthaft darüber, dass man als einzelner Beamter vor diesem Hintergrund nicht gerade mit offenen Armen empfangen wird? Natürlich entschuldigt das keine schwere Körperverletzung, erst recht nicht durch einen tobenden Mob. Andererseits frage wahrscheinlich nicht nur ich mich, was das für Typen sind, die schwer gepanzert einen derartigen Gewaltexzess gegen ganz normale Schwaben durchziehen. Ist ja nicht so, als wären da hunderte erlebnisorientierte Jugendliche mit Stein und Molli zugegen gewesen.

Die Situation ist jedenfalls scheiße und verfahren, aber die eklatante Zäsur im Verhältnis Schwabe-Polizei haben sich Polizei und CDU zuzuschreiben; beide stehen vor der großen Aufgabe, das in nur wenigen Tagen (und nicht zu vergessen einem längeren, sehr peinlichen Herumlavieren) so gründlich verspielte Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen. Einfach unbeirrt die Abriss- und Bauarbeiten weiter führen zu lassen ist in diesem Sinne jedenfalls sicher nicht die beste Idee. Es geht ja längst nur noch am Rande um den blöden Bahnhof, sondern um die Art, wie Entscheidungen auf herbeigelogener Argumentation herbeigeführt und dann mit beeindruckendem Gewalteinsatz gegen einen erkleckerlichen Teil der eigenen Bürger durchgesetzt werden. Überraschung, dass der Bürger das zur Abwechslung mal nicht mit sich machen lässt.

So oder so, mit schweren Kopfverletzungen sollte dabei niemand im Krankenhaus landen. Auch wenn Innenminister das immer wieder propagieren, Auge um Auge sollte immer noch der Vergangenheit angehören.

Spannender Nachtrag 22.06.2011: Fefe weist auf interessante Umstände hin:

Das wird euch jetzt sicher genau so schockieren wie mich: der "schwerverletzte Polizist" bei S21 war ein Undercover-Provokateur. Es gibt Videos von seinem Handgemenge mit den Demonstranten, und da sieht man von dem angeblichen versuchten Totschlag ... gar nichts. So läuft das also heute, ja? Wenn man die Demonstranten nicht zu Straftaten provoziert kriegt, dann verprügeln sich die Provokateure eben gegenseitig und man schiebt es am Ende den Demonstranten in die Schuhe.


Die Digitale Gesellschaft wider das Rauschen

17 04 2011

Stellvertretend für die fast schon shitstormartige Kritik an der Vereinsgründung der Digitalen Gesellschaft picke ich mal diesen Beitrag auf F!XMBR heraus. Die Kritik ist nachvollziehbar und wird auf Twitter und in anderen Blogs durchaus in ähnlicher Form geteilt. Im Kern der Kritik steht mangelnde Transparenz eines Vereins, der Transparenz fördern will. Aber vor allem die Person Markus Beckedahl (das ist der von netzpolitik.org). Ich wollte einen Kommentar dazu schreiben, werde aber als Spam abgelehnt, also mache ich einen Blogbeitrag daraus.

Vorab: Ich finde die Idee zur Gründung eines reinen Lobbyvereins großartig, genau das hat dem Diskurs um die Themen rund um die digitale Gesellschaft gefehlt. Nicht, dass FoeBud, CCC, AK Zensur, AK Vorrat und andere keine gute und sinnvolle Arbeit leisten würden. Aber: Außer dem CCC, der inzwischen Experten an das Bundesverfassungsgericht sendet (und indirekt dafür mit ähnlicher Kritik konfrontiert wird), findet kaum eine dieser Organisationen so recht Gehör bei Politikern und Offline-Presse. Nach der Denkweise des Vereins Digitale Gesellschaft (nachfolgend Digiges) liegt das daran, dass die alle keine Interessenvertretung im Sinne des Lobbyismus darstellen.

Nun mag man Lobbyismus prinzipell aus ethischen Gründen ablehnen – dafür spricht sehr viel – die Realität sieht aber eben anders aus. Die Dunkle Seite, also diejenigen, die Netzsperren, Vorratsdatenspeicherung, verschärftes Copyright etc. vorantreiben, betreibt massiv Lobbyarbeit. Und man wird gegen die Dunkle Seite nur bestehen, wenn man deren mächtiges Instrumentarium nutzt. Wir müssen also anfangen, ernsthaft Lobbyarbeit zu machen. Hier mal ein Lobo in einer Talkshow, da mal ein pointierter Artikel in der FAZ, das reicht einfach nicht. Ich denke, darüber lässt sich durchaus Konsens herstellen. Es wäre schön, wenn die Vernunft sich gegen Lobbyarbeit durchsetzen würde, aber bis das so weit ist, bleibt Lobbyarbeit das effektivste Werkzeug.

Ich gehe deshalb so sehr auf den Bedarf nach Lobbyarbeit ein, weil ich darin den nicht ausformulierten Kern der meisten Kritik sehe. Was ich auch lese, ich lese, dass man sich aus mannigfaltigen und oft genug albernen Gründen nicht von Beckedahl und Co. vertreten sieht. Not my Lobbyist lese ich da. Wenn man das weiter denkt und die Vergangenheit im Auge behält, sollte einem auffallen, dass es immer die gleichen Leute sind, die einen kleinen Shitstorm entfachen, sobald jemand aufsteht und sich anmaßt für die "Netzgemeinde" zu sprechen. Das ist zwar verständlich, aber leider hat das bisher dazu geführt, dass die Netzgemeinde (was auch immer das heißen soll) keine Stimme hat, sondern in der Sicht von Politikern und Offline-Medien einfach nur rauscht. Zwar mit teils klarer Tendenz, aber mit einem Rauschen lässt sich nun mal kein Diskurs führen. Politiker und Offline-Medien brauchen Ansprechpartner, sonst picken sie sich aus dem Rauschen einfach das heraus, was sie hören (wollen). Damit ist uns nicht gedient.

Zurück zum Artikel auf F!XMBR: Das trifft alles irgendwie zu, aber bei mir bildet sich immer wieder eine Frage:
Gut, aber wie funktioniert denn Lobbyarbeit im Real-Life?
Ein paar Kommentare haben das dort schon aufgegriffen: Ein direkter Ansprechpartner fehlt bisher aus Sicht von Politik und Offline-Medien. Irgendwer muss sich also so weit als großer Zampano aufspielen, dass die überhaupt jemanden als Gesprächspartner anerkennen. Wir können natürlich über jeden, der das versucht, einen Kübel Scheiße auskippen, das ist nachwievor total angesagt. Aber so lange wird es so einen dringend benötigten Ansprechpartner auch nicht geben. Und vor allem: Wie wäre es damit, mal einen brauchbaren konstruktiven Gegenvorschlag zu machen?

Das Netz funktioniert so und so und transparent und Grünes U-Boot und Größenwahn und alle doof. Alles schön und gut. Lobbyarbeit im Real-Life funktioniert so aber gerade nicht. Also die genannten Argumente in allen Ehren, aber mir ist es allemal lieber, Leute wie Beckedahl und Co. bringen die Message ans Ziel, als dass immer wieder aus Sicht von Politik und Offline-Presse aus dem Netz nur Rauschen zu hören ist. Und das ist ja ganz klar unsere Message, darüber besteht wohl auch Konsens:

  • Lobby-Transparenz – Wer spielt welches Spiel? Wir wollen Licht ins Dunkel bringen.
  • OpenData – Öffentliche Daten und Verträge sollen offen sein!
  • Datenschutz – Nicht gegen Deinen Willen. Private Daten schützen!
  • Vorratsdaten – Deine Kommunikation geht niemanden etwas an!
  • Urheberrecht – Nutzerinnen, Nutzer und Kreative statt Konzerne schützen!
  • Netzneutralität – Wer will schon ein Zwei-Klassen-Internet?

Man muss Markus Beckedahl nicht mögen und Sascha Lobo auch nicht (der in dem Kommentaren absurderweise einen Seitenhieb abbekommt, weil er mit dem Verein gerade nichts zu tun hat). Aber wenn man Leute an ihrem Handeln, ihren Inhalten und ihrem Effekt misst, wird man im öffentlichen Diskurs um das Themenfeld "Digitale Gesellschaft" um beide nicht herumkommen. Beide werden gehört und dabei ist es völlig einerlei, ob sie sich nach vorne drängeln oder auf religiös-magische Weise natürliche Instanzen darstellen. Und ich kann mich nicht erinnern, dass einer von beiden mal in einer Talkshow gesessen und "unsere" Positionen nicht nach vorne gebracht hätten. Not my Lobbyist zweifle ich ganz klar an, denn das würde voraussetzen, dass derjenige gegen die Interessen desjenigen agiert, der diese Aussage trifft. Daher komme ich zu dem Schluss, dass diese Kritik sich im Kern dagegen richtet, dass überhaupt Lobbyarbeit gemacht wird. Kann man so sehen, aber dann sollte man nicht irgendwelches Unbehagen als Sekundärkritik formulieren, wenn die versteckte Primärkritik eigentlich eine andere ist.

Ich mag Greenpeace nicht, dafür habe ich verschiedene Gründe, die zumeist auf irgendwelchem Unbehagen fußen. Aber ich sehe, dass Greenpeace viel bewirken konnte, weil sie seit Jahrzehnten neben dem plakativen Aktivismus eben auch unermüdlich Lobbyarbeit gemacht haben. Wenn Digiges so etwas für die oben genannten Themen hinbekommt, wäre viel erreicht. Deswegen halte ich Digiges für unterstützenswert und wünsche mir, dass die "Netzgemeinde" einfach mal mit dem Friendly Fire aufhört. Während die Leute im Netz sich gegenseitig doof finden, aber eigentlich alle die gleichen Interessen haben, haut uns eine Lobby nach der anderen unter freundlicher Mithilfe der Politik ein gefährliches Gesetz nach dem anderen um die Ohren. Manchmal kämpft man halt Seite an Seite mit Leuten, die man scheiße findet, werdet mal erwachsen.


XRumer knackt reCaptcha

07 03 2011

Scheiß SPAM-Arschgeigen, die ihr Geschäft vornehm Blackhat-SEO nennen. Ekelerregendes Pack. Seit einiger Zeit bekomme ich täglich ein bis zwei Spamkommentare hier im Blog, die es offenbar an meinem reCaptcha vorbei schaffen. Die bekommt ihr nicht zu sehen, weil sie allesamt in der Moderierungsfunktion hängen bleiben, wenigstens das funktioniert. Meine erste Befürchtung hat sich aber leider bewahrheitet: SPAM-Tools können reCaptcha knacken. Ein Spamkommentar brachte mich auf die richtige Fährte, ein Tool mit dem Namen XRumer wird in grauen Kanälen verkauft und wirbt ganz unverhohlen mit reCaptcha-Knack-Fähigkeiten:

With XRumer Elite will be possible to pass automatically such popular protections as ReCaptcha and DLE-captcha (ReCaptcha is used on more than 30% of resources; same as DLE-captcha become very popular). XRumer Elite can bypass 7 new most popular graphical protections.

Die Software kostet 570€ und es bedarf einer gewissen Planung, um damit erfolgreich Suchmaschinen-SPAM platzieren zu können. Was aber bedeutet das für mein Blog und seine Kommentarfunktion? reCaptcha als das einzig erfolgversprechende grafische Captcha fällt also aus, noch stärkere, mithin also auch noch schlechter lesbare Captchas kommen keinesfalls in die Tüte. Andererseits regnet es ganz ohne Captcha noch viel mehr Spamkommentare. Dass Kommentare moderiert werden, also nie öffentlich erscheinen, nimmt mich offenbar nicht aus der Opferliste und macht mir nicht ganz wenig Arbeit.

Nun bestünde die Möglichkeit, Kommentare in meinem Blog ganz abzuschalten, was gemessen am Verhältnis von Kommentaren zu Einträgen sogar verschmerzbar wäre (ich habe weniger Kommentare als Beiträge und lege auch keinen Wert auf Kommentare). Aber ein Blog ohne Kommentarfunktion ist irgendwie kein Blog und außerdem wäre das eine Kapitulation vor dem Spammer an sich, dafür bin ich noch zu stolz. Ich werde also vorerst weiter die Moderations-Benachrichtigungsmails ignorieren und abwarten, was sich an der Front tut.

Scheiß SPAM-Arschgeigen, die ihr Geschäft vornehm Blackhat-SEO nennen. Ekelerregendes Pack.


Album-MP3-Tags als Symbol meines Paradigmenwechsels

04 01 2011

Früher habe ich Musikalben mit mehr als einer CD immer so getaggt, dass die CD-Nummer mit im Album-Feld gelandet ist. In Zeiten von Medienbibliotheken werden solche Alben aber als zwei oder noch mehr verschiedene Alben gehandhabt; also stelle ich sukzessive auf ein neues Taggingschema um, bei dem ich die CD-Nummer nur noch im entsprechenden Feld speichere und die Tracknummern linear über alle CDs durchnummeriere. Das wäre im Grunde nicht der Rede wert, wenn es nicht gleichsam Ausdruck eines Paradigmenwechsels im Umgang mit Musik wäre: Weg von der Datenträgerdenke, noch stärker hin zum Album als musikalische Einheit, das sich von jeglicher Medien-determinierten Längenbeschränkung emanzipiert hat.

Musik ist ein Fluss und kein See, oder so. Recht konsequent zeigen dann auch nur wenige Player das entsprechende Feld für die Discnummer überhaupt an. Als die CD uns vom Umdrehen des Musikträgers befreit hat, hat sie zwar als Kollateralschaden die schöne Kultur der B-Seite gleich mit entsorgt, aber das Gesicht von Alben eben auch nicht mehr zwangsweise in der Mitte durchtrennt. Ich bin also gespannt, wie die gänzliche Befreiung vom Datenträger den Charakter von Musikalben verändert, denn entgegen allen Unkenrufen halte ich das Konzept Album auch in Zeiten von iTunes und Musiksammlungs-Shuffle und Last.fm für zentral im Umgang mit Musik abseits der Charts. Überhaupt ist es eigentlich in erster Linie die Charts-Pop-Mainstream-Musik, die von der viel bejammerten Auflösung des Konzepts Album betroffen ist und da ist es irgendwie nicht so recht schade drum. Lang lebe das Album!


Aufregung über den Amazon Cyber Monday

30 11 2010

Gestern war bei Amazon der Cyber Monday, dabei wurden den ganzen Tag über insgesamt 30 Produkte zu unfassbar niedrigen Preisen angeboten. Nun brodelt der Volkeszorn und das ganze scheint Amazon heftig auf die Füße zu fallen. Doch warum eigentlich?

Kommen wir zuerst zu Amazons Fehlverhalten. Ich selbst habe (wie offenbar sehr viele andere) in dem Moment auf den Kaufen-Button geklickt, als er pünktlich zur vollen Stunde erschien und bin trotzdem leer ausgegangen. Dabei fiel auf, dass direkt nach meinem Klick ein AJAX-Request abgeschickt wurde, der anfangs immer mit einer 503er Fehlermeldung beantwortet wurde. Während unter dem Produkt für bis zu einer halben Stunde "Angebotsstatus wird geprüft" stand, wurde dieser AJAX-Request ca. alle 30 Sekunden wiederholt und enthielt (wenn er erfolgreich war) unter anderem jeweils den Verfügbarkeitsstatus des jeweiligen Produktes. Dort habe ich zwischenzeitlich bei mehreren Produkten einen Verkaufsstatus von um die 70% gesehen, bekommen habe das Produkt trotzdem nicht. Scheinbar war gar nicht das schnelle Klicken entscheidend, sondern, dass man einen Klick gemacht hat, der zufällig nicht gerade mit einem Überlastungsfehler beantwortet wurde. Warum nach meinem Klick 70% gemeldet bekommen habe, aber trotzdem leer ausgegangen bin, ist dann natürlich eine spannende Frage. Das ist aber gar das Problem, denn dass bei diesen Preisen Amazon nicht unerheblich draufzahlt, ist offensichtlich. Es ist also durchaus verständlich, dass Amazon da nicht größere Mengen von raus haut.

Was man Amazon aber sehr wohl vorwerfen kann, ist die mangelde Transparenz. Dass es sich hier um ein Lockvogelangebot handelt, hätte klar kommuniziert werden müssen. Hätte Amazon klar gesagt, dass es nur ein Kontingent von 10 oder 50 oder wieviel auch immer vom jeweiligen Produkt gibt, wäre jedem klar gewesen, dass es sich hier um ein reines Glücksspiel handelt. Tatsächlich aber wurde der Eindruck eines zwar bahnbrechend billigen, aber eben doch konventionellen Schnäppchenangebotes erweckt. Und für Schnäppchenangebote gelten in Deutschland strenge wettbewerbsrechtliche Regelungen, was die Verfügbarkeit der Angebote angeht. Media Markt, Saturn und Konsorten haben schon das ein oder andere gerichtliche Scharmützel in eben diesem Problemfeld geführt und eins ist klar: Lockvogelangebote, die nur einen nicht signifikanten Anteil der interessierten Kunden bedienen können, sind einfach nicht drin. Ich bin gespannt, ob jemand Amazon da rechtlich ans Bein pinkeln mag, aber verdient hätten sie es allemal.

Doch nun zu den wütenden Schnäppchenjägern. Es widert mich einfach an, wie mimosenhaft immer herumgeheult wird, wenn man bei einem Superschnäppchen mal leer ausgeht. Die Anspruchsdenke, die dahinter steckt, ist einfach peinlich. Es scheint so, als ob sich jeder Hinz und Kunz bereits in Besitz der günstigen Ware sieht, sobald der Preis bekannt ist. Auch wenn man Amazon mangelnde Transparenz vorwerfen kann und ein ordentlicher Frust durchaus verständlich ist, ist Captain Obvious hier einfach nicht zu übersehen: Bei 222€ für ein Motorola Defy (statt 310€ nächstbilligstem Preis bei Geizhals) und 180€ für eine Playstation 3 (statt sonst 300€) muss jedem sonnenklar sein, dass Amazon da ordentlich draufzahlt und nur sehr geringe Stückzahlen von anbieten kann. Man hätte bei der riesigen medialen Aufmerksamkeit um den Cyber Monday wahrscheinlich auch einfach Lotto spielen können. Man versucht es also mal, rechtet aber sowieso damit, leer auszugehen. Kein Grund, sich riesig aufzuregen, aber diese Schnäppchenjägermentalität schaltet offenbar die Vernunft aus.

Um das zusammenzufassen: Amazon hat sich den Shitstorm zwar redlich verdient (das hätte denen auch vorher klar sein müssen) und sollte durchaus auch angemessenen rechtlichen Ärger bekommen, aber den peinlich übertriebenen Schnäppchenjäger-Volkeszorn legitimiert das einfach nicht. Seinen Frust mitteilen, klar, aber öffentliche Boykottankündigungen sind an Peinlichkeit kaum noch zu toppen. Noch besser sind nur noch die Leute, die den betroffenen Produkten deswegen eine schlechte Bewertung geben. Als ob die Produkte da etwas für könnten.

JMStV, Atommüllprobleme, S21, diesen Wursttypen ist das alles egal. Aber wenn sie mal ein Schnäppchen nicht bekommen oder 1¢/kWh mehr für ihren Strom ausgeben sollen, ist die Aufregung groß. Was mich daran so stört, ist dieser kleingeistige Egoismus. Um mal auf Amazon zurückzukommen: Leute, die sich über entgangene Schnäppchen echauffiert haben, wählten auch CDU. Oder so, ihr wisst hoffentlich, was ich sagen will.


Über das Maskieren von Kontonummern

25 11 2010

Es hat sicher jeder schon mal irgendwo gesehen: Während eines Bestellvorgangs gibt man seine Kontodaten an und bekommt die im späteren Verlauf oder auf Rechnungen noch einmal angezeigt. Dabei wird die Kontonummer fast immer teilweise verschleiert. Ich frage mich schon immer, wieso das gemacht wird. Gibt es da eine Vorschrift? Kontonummern gehören für mich nicht zu den sonderlich sensiblen Informationen, sie gehören zum Beispiel zwingend im Klartext auf meine Rechnungen. Das ist nun aber gar nicht das Problem.

Lästig wird das ganze, wenn man mehrere Konten bei einer Bank hat. Ich würde mal davon ausgehen, dass in dem Fall die meisten Leute Konten haben, die sich nur in den letzten Stellen unterscheiden. Sind nun aber von der Kontonummer nur die ersten paar Stellen zu sehen und der Rest mit Sternchen maskiert, weiß kann man nicht erkennen, von welchem Konto denn nun abgebucht werden soll. Also beim Maskieren von Kontonummern aufpassen und die hinteren drei oder vier Ziffern in Ruhe lassen. Wird leider viel zu häufig anders herum gemacht.

Weiß zufällig jemand, ob es eine zwingende (gesetzliche) Grundlage für das Maskieren von Kontonummern in Verträgen und auf Rechnungen gibt? Falls nicht, warum wird es dann überall gemacht? Weil man das halt so macht ist jedenfalls kein guter Grund. Ich vermute ja, dass das dem Kunden irgendein warmes Gefühl der Sicherheit geben soll, dass der Anbieter nicht leichtfertig mit seinen Kontodaten umgeht. Wie auch immer, mich nervt das jedenfalls sehr.