Das 1&1 SmartDrive ist eher enttäuschend
Geschrieben von Gregor Nathanael Meyer um 10:4710 04 2010
Ich bin jetzt bald sechs Monate 1&1-Kunde und wollte die famosen 1000GB Onlinespeicher immer mal ausprobieren. 1TB Onlinespeicher klingt erst mal attraktiv und war sicher auch mitverantwortlich für meine Entscheidung für VDSL von 1&1, obwohl ich von Anfang an skeptisch war: Wie sich das wohl in der Praxis ausnimmt? Um es vorweg zu nehmen: Es ist weitgehend unbrauchbar für den von mir anvisierten Zweck. Hier ein paar Gründe, die mir sofort aufgefallen sind:
- Die maximale Dateigröße beträgt 512 MB. Eigentlich könnte ich jetzt mit dem Schreiben aufhören, denn diese Limitierung disqualifiziert das 1&1 SmartDrive für fast alle Datensicherungszwecke. Schlimmer noch: Über den 1&1 Upload-Manager, der einen Windows-Laufwerksbuchstaben mit dem Onlinespeicher verbindet, bekommt man keine Warnmeldung, wenn man größere Dateien hochladen möchte. Erst, wenn alles hochgeladen ist, bricht der Upload mit einer wenig sagenden Fehlermeldung ab.
- Der Upload ist auf ca. 0,3MB/s limitiert, das macht den Zugang eher träge. Den Speicher vollzumachen dauert bei dieser Uploadrate über einen ganzen Monat. Mein VDSL-Anschluss würde locker mehr als 1MB/s hergeben, es fragt sich also, wieso die Uploadrate derart limitiert ist. Vielleicht liegt es an meiner Fritz!Box, wer weiß, aber die stammt immerhin auch von 1&1.
- Neue Ordner dürfen im Webinterface nur mit maximal 30 Zeichen Länge angelegt werden, über den Upload-Manager werden aber auch längere Ordnernamen angenommen. Solche Inkonsistenzen erschüttern mein Vertrauen in das System zutiefst: Wo lauern weitere überraschende Limitierungen? Werden meine Daten zuverlässig gespeichert oder scheitert es an Späßen wie Umlauten im Dateinamen oder maximalen Ordnertiefen?
- WebDAV ist als Netzwerk-Dateisystem nur mäßig geeignet, scheint aber neben dem Webinterface der einzige Zugang zum Onlinespeicher zu sein. WebDAV kann meines Wissens nach beispielsweise keine Änderungen in Dateien übertragen, so dass veränderte Dateien stets komplett neu hochgeladen werden müssen. In diesem Lichte erscheinen die 512MB Maximalgröße pro Datei noch recht groß.
Mit all diesen Limitierungen – und ich vermute noch mehr davon – stellt sich mir die Frage nach möglichen Einsatzszenarien. Backup fällt schon mal weg. 512MB maximale Dateigröße ist hierfür einfach zu klein, da passt schon ein CD-Image nicht rein. Hinzu kommt die Frage der Privatheit der Daten: Man muss 1&1 vertrauen, dass die Daten vor Zugriffen geschützt sind. Das gilt generell bei Cloud-Computing, aber bei anderen Diensten lassen sich verschlüsselte Containerdateien ablegen, bei denen man sich selbst um die Verschlüsselung kümmert. Legt man aber auf dem Netzlaufwerk des Upload-Managers eine solche Datei ab und bindet sie ein, sorgt jede kleine Änderung dafür, dass die Datei spätestens beim Herunterfahren des Rechners (das Programm speichert Änderungen zwischen) komplett neu hochgeladen werden muss. Das ist schlicht unpraktikabel, so dass die Dateigrößenlimitierung dann auch egal ist.
Und sonst? Man kann ein paar Tage darauf verwenden, seine MP3-Sammlung hochzuladen und diese seinen Bekannten freigeben. Das ist OK. Wenn man eine ausreichend große Festplatte an die Fritz!Box hängt, übernimmt diese den Upload und cached die Dateien solange auf der Platte zwischen; cool an sich, hebt aber die Einschränkungen nicht wirklich auf. Und 1000GB sind reine Augenwischerei angesichts der Einschränkungen. Bei Amazon kostet übrigens jedes GB pro Monat 15US¢, 1TB würde also 150US$ pro Monat kosten und Amazon ist nicht als wirklich teuer bekannt. 1&1 rechnet also scheinbar nicht damit, dass auch nur ein geringer Teil der Kunden den Onlinespeicher auch nur ansatzweise ausreizt.
Sehr enttäuschend das Ganze, ab in die Tonne damit.
Kategorien : Computer-und-Technik
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Aufgenommen: Aug 26, 18:39