Wut über Hausdurchsuchungen aus fragwürdigem Grund

14 08 2009

Hausdurchsuchungen aus fragwürdigem Grund sind ja eh eine latente Angst von mir, aber auffällig hoher Stromverbrauch als Grund geht echt zu weit. Im DHV Newsletter lese ich gerade von einem Fall in Duisburg, wo die Stadtwerke die Polizei benachrichtigt haben, weil jemand einen auffällig angestiegenen Stromverbrauch hatte. Das reicht schon als Grund für eine Hausdurchsuchung. Dabei ist es völlig egal, dass tatsächlich ein paar Hanfpflanzen gefunden wurden. Hausdurchsuchungen aus solchen Gründen gehen einfach zu weit. Der Typ hätte sich auch einen neuen Gaming-Rechner gekauft haben können, die nuckeln ja mit Bildschirm und allem auch an die 400W, die so eine Lampe zur Hanfzucht zieht. Oder völlig überdimensioniertes Flurlicht, wie wir damals in der WG: Da hatten Flur, Küche und Bad insgesamt 17 35W Halogenlampen, was zusammen mit Trafoverlusten bequem 700W aus dem Netz zog. Oder man legt sich eine Freundin zu, die beim regelmäßigen Duschen mit dem 20kW Durchlauferhitzer ordentlich zusätzlichen Strom verbraucht. Oder ein großes Aquarium, wie mein ehemaliger Mitbewohner. Es gibt einfach tausend Gründe für auffällig ansteigenden Stromverbrauch.

Ich weiß echt nicht, was ich tun würde, wenn bei mir die Polizei früh morgens klingeln würde, um mal so auf Verdacht zu gucken, ob ich Gras anbaue. Ein unfassbares Unding. Ich baue kein Gras an, also trifft das berühmte nichts zu befürchten auf mich zu. Aber allein, dass ich im Zweifel auf so einen derart losen Verdacht hin eine Hausdurchsuchung hinnehmen muss, kotzt mich so unfassbar an, das glaubt ihr gar nicht. Und man kann nicht mal im Nachhinein etwas dagegen tun. Selbst wenn sich so eine Hausdurchsuchung später als rechtswidrig herausstellt, passiert nichts weiter. Bin ich der einzige, den der um sich greifende viel zu leichtfertige Eingriff in die Unverletzlichkeit der Wohnung ängstigt?

Ich hätte glatt Lust, eine Growbox aufzustellen, damit sich so ein Besuch wenigstens lohnt. Natürlich ohne Pflanzen drin, dafür mit einer Webcam, um die enttäuschten Gesichter aufzunehmen. Hehe. Wenn man schon nichts gegen überflüssige Hausdurchsuchungen tun kann, kann man ja wenigstens etwas Spaß damit treiben. Später kann man dann auch wie die Typen vom CCC Sätze mit bei meiner letzten Hausdurchsuchung anfangen und kann auch noch eine lustige Story hinterher schieben.

P.S. Darf man eigentlich bei so einer Durchsuchung darauf bestehen, bei allen Handlungen der Beamten anwesend zu sein? Also dass die nicht ausschwärmen, sondern man denen auch alleine über die Schulter gucken kann? Wahrscheinlich ja, aber vor allem: Darf man die ganze Aktion zu Protokollzwecken auf Video aufnehmen? Darf man dann so ein Video mit ggf. geschwärzten Gesichtern der Beamten veröffentlichen? Ich muss echt den Vortrag von Udo Vetter noch mal angucken.

P.S.S. Was bei der ganzen Cannabis-Prohibition für eine Kohle verbrannt wird. Würde man den Cannabisanbau für den Eigenbedarf legalisieren (oder wenigstens mit der Verfolgung aufhören), könnte man die vielen freiwerdenden Kapazitäten entweder einsparen oder der Verfolgung richtiger Straftaten zuführen. Richtige Straftaten sind für mich Sachen, bei denen jemand irgendwie geschädigt wird, was beim Anbau von Cannabis ganz offensichtlich nicht der Fall ist. Die Freiheit des einen findet bekanntlich da ihre Grenzen, wo sie die Freiheit eines anderen beeinträchtigt. Simpler Merksatz eigentlich…



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Kommentare

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13 09 2011
#1 Sören Christian Hesse (Antwort)

Hausdurchsuchungen sollten tatsächlich nur im alleräußersten Fall stattfinden,wenn
bereits so viele Indizien vorliegen,dass das gesunde Rechtsempfinden nicht gestört
wird.Immerhin krempeln unangemeldete Personen in den persönlichsten Habseligkeiten,das ist nicht anders als bei Einbrüchen krimineller Subjekte.
Ich vermute,jedem unbescholtenen Bürger läuft es dabei kalt den Rücken runter,denn:
hinterher wird es sicherlich keine Entschuldigung oder Entschädigung bei zerstörten
Schubladen oder Schränken geben,die "seelische"Wunde heilt sicher nie.
Die DDR,die ein Polizeistaat war,nahm sich dieses Recht willkürlich heraus,ich hoffe,
dies wird nicht in Deutschland per Gesetz Schule machen.
Aber Vorbeugen schadet bekanntlich nie,darum empfehle ich,keinerlei Dinge in
Haus und Hof zu horten,die auch nur im Entferntesten irgendeinen Verdacht rechtfertigen;bzw.bei Handy,PC oder Digicam alles regelmäßig zu löschen und in E-mails und Telefonaten nicht dumm drauflos zu quatschen,wer weiß wer einem Böses will...
Paranoia ist zwar schlecht,aber Berichte über Durchsuchungen und den unendlichen
Ärger noch viel schlechter,trau schau wem!
13 09 2011
#1.1 Gregor Nathanael Meyer (Antwort)

Diese vorauseilende Wachsamkeit verbunden mit Angst und Misstrauen gegenüber Nachbarn und Freunden war es doch, die die DDR dem Hörensagen nach erst so lebens- und liebenswert gemacht haben.

Ne im Ernst, das kann keine Lösung sein.
24 09 2011
#1.1.1 S.Chr.Hesse (Antwort)

Wenn Sie Wachsamkeit ablehnen,müssen Sie eben die Konsequenzen ertragen und nicht anfangen zu lamentieren.
Es ist doch naiv,sich sehenden Auges auf die Hinterbeine zu stellen nach dem Motto:
"Das dürft ihr aber bei mir nicht".
Bei Ihrem (aussichtslosen)Kampf gegen die Realität wünsche ich viel Glück.

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