Windows Mobile ist durchunddurch durch, Symbian auch

12 08 2009

Ich hatte früher einen Palm. Den hatte ich meiner damaligen Freundin für 400DM aufgeschwatzt, als sie mit der Schule fertig war und irgendwie Termine hatte. Sie hat ihn nicht benutzt, also bekam ich das Dingen als Dauerleihgabe (oder habe ich es ihr abgekauft?). Es war ein Palm m100 mit 160x160 Pixel großem Monochrombildschirm, der mit zwei AAA-Batterien etliche Wochen/Monate (je nach Nutzung) lief. Für den Palm gab es, im Rahmen der arg beschränkten Möglichkeiten, eine Menge Apps. 99,5% dieser Apps waren entweder scheiße oder nutzlos oder wissenschaftlichen Spezialzwecken vorbehalten. Die Vorlesung zum Bürgerlichen Recht meines ersten Uni-Semesters im Jahr 2001 habe ich zu großem Anteil mit einem echt brauchbaren Mahjongg auf diesem Palm verbracht. Meine Termine habe ich die folgenden Jahre mit diesem Palm organisiert und sie mit dem dürftigen Palm Desktop über die serielle Schnittstelle synchronisiert. Das funktionierte hervorragend. Die Kontakte allerdings habe ich immer schon im Handy organisiert, denn da brauche ich sie nunmal. Was sollte ich auf dem Palm damit? Und an Synchronisation unter verschiedenen Geräten war damals nicht zu denken.

Parallel gab es irgendwann Windows Mobile, was auch irgendwie Windows CE und PocketPC hier. Wie auch immer es hieß, es war grauenerregend. Sowohl die ersten damit ausgestatteten Geräte waren schlimm (miese Akkulaufzeit, schwer, hässlich), als auch das System selber. Es synchronisierte nur mit Outlook, sah unfassbar scheiße aus, war langsam, lästig zu bedienen und zu allem Überfluss auch noch von Microsoft. Aber alle Geräte hatten eine halbwegs brauchbares Display von mindestens 320x240 Pixeln in Farbe und es war offensichtlich nicht allzu zickig gegenüber selbstgeschriebenen Programmen. Jedenfalls gab es schnell einen großen Haufen Programme für das System, die leider fast alle so hässlich und blöd zu bedienen waren, wie das System selber. Zudem kosteten viele von denen Geld und waren schwer aufzutreiben.

Als 2005 eine undichte Flasche Bionade meinem altgedienten Palm m100 den Gar aus machte, habe ich eine Weile gesucht und einen gebrauchten Palm von Sony gekauft. Der hatte auch einen recht hoch aufgelösten Farbbildschirn, sah wirklich gut aus und hatte ein Navigationsprogramm installiert und eine externe serielle GPS-Maus. Mein erstes Navi, freilich ohne Autohalter, aber immerhin. Die GPS-Maus ging relativ bald kaputt und ich wollte auch kein Palm mehr. Neue Programme wurden nicht entwickelt und alles war so altbacken. Also habe ich ein Windows Mobile Gerät mit integriertem GPS-Empfänger gekauft. Das tat seinen Dienst als Kontakt- und Terminverwalter, sowie als Navi sehr gut. Bis es einmal zwischen mich (ungeschickt) und einen Straßenpoller (aus Stahl) geriet und dabei sein Display einbüßte.

Das war im Frühling 2008 und brachte mich dazu, ein TomTom Standalone-Navi fürs Auto zu kaufen und die Entscheidung über den Neukauf eines Smartphones auf irgendwann zu verschieben, wenn es mal bessere Geräte gäbe. Das iPhone kam aus schon häufiger in diesem Blog erwähnten Gründen nicht in Frage, aber weder mit Palm OS noch mit Windows Mobile war ich je wirklich warm geworden. Symbian kam für mich nie in die Tüte, hier stimmte einfach ganz und gar nichts: Ich mochte Nokia-Telefone noch nie, aber die Bedienung der Symbian Smartphones ohne Touchscreen ist einfach eine Zumutung. Mein Bruder besitzt so ein Gerät und ich kann wirklich nur den Kopf schütteln darüber.

Dann kam O2 auf mich zu und schenkte mir einen XDA Orbit 2 zusammen mit einem satten Flatrate-Vertrag für sechs Monate. Ich muss zugeben, dass ich ernsthaft überrascht war, denn das Gerät gefiel mir auf Anhieb. HTC hatte sich wirklich Mühe gegeben, die Hässlichkeit und miese Bedienbarkeit von Windows Mobile zu übertünchen und wenn das Gerät nicht auf eine fürs Surfen ungeeignete Auflösung von 320x240 beschränkt gewesen wäre, wäre ich fast rundum zufrieden gewesen.

Im Frühling 2009 stand eine Vertragsverlängerung bei O2 an und das damalige Tarifportfolio war für Verlängerungen ohne subventioniertes Gerät leider gänzlich unbrauchbar. Also kündigte ich zähneknirschend und suchte lange nach einem besseren Tarif ohne Handy, denn der XDA war noch kein Jahr alt und ich grundsätzlich zufrieden damit. Kurz vor der Kündigungsdurchführung habe ich dann noch mal mit der Hotline telefoniert, die mir ein attraktives Angebot für einen HTC Touch HD machten. Den habe ich jetzt und bin sehr zufrieden damit.

Lange Vorrede, ich wollte auch etwas ganz anderes hinaus: Nokia hat sich unlängst zu Symbian OS als primärem Betriebssystem für seine Smartphones bekannt, nachdem Gerüchte über einen Wechsel zum Linux-basierten Maemo (auf dem Nokias Internet Tablets basieren) aufkamen. Man liest, Analysten sähen das als Fehler. Ich tue das auch: Meiner Meinung nach betoniert sich Nokia im Smartphone-Markt damit gerade seine Füße vor dem beherzten Sprung ins Hafenbecken. Warum? Blöde Frage. Wer sich Symbian OS mal angeguckt und mit Palm WebOS, iPhone OS und Android verglichen hat, stellt diese Frage nicht. Symbian OS war schon von Anfang an ein unbedienbares Monster und – noch schlimmer – ein Entwicklern gegenüber unglaublich zickiges System. Wo Apple, Palm und Google Entwicklern den Arsch (in Form von reichhaltigen SDKs und einfach zu nutzenden APIs) hinterhertragen, nervt Symbian seit jeher mit dem genauen Gegenteil. Fast scheint es, als wolle Nokia keine Fremdprogramme auf seinen Geräten sehen. Das ist genau der kapitale Fehler, weswegen Symbian OS untergehen wird.

Ähnliches gilt für Windows Mobile. Ich weiß nicht, wie schwer es ist, coole Programme für Windows Mobile zu schreiben, aber die reale Anzahl guter Programme ist derart gering, dass man sich wundert. Windows Mobile Geräte sind seit zehn Jahren auf dem Markt, aber die Softwareauswahl ist einfach nur gruselig. Es gibt eine Hand voll brauchbarer Apps, aber insgesamt hat man es mit gequirlter Scheiße zu tun. Wenn ich mobile Apps schreiben würde, wären Windows Mobile und Symbian wirklich die letzten in meiner Auswahl der zu unterstützenden Plattformen. Da ändert auch der AppStore für Windows Mobile nichts dran. Die beiden Systeme sind (in der jetzigen Form) tot für den Massenmarkt, weil neuere und um längen angenehmere Systeme sie im Vorbeigehen verdrängen. Frage: Warum geht das so einfach? Antwort: Weil sie schon immer faule Kompromisse waren und jeder bisherige Nutzer froh über die neuen Möglichkeiten ist.

Es gab einfach nichts besseres. Die Geschichte mobiler Geräte ist eine Geschichte voller halbgarer Scheißlösungen. Momentan ändert sich das massiv und weder um Windows Mobile noch um Nokia tut es mir leid, wenn sie mit ihren miesen Systemen untergehen. Helfen würde beiden nur ein Neuanfang.



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21 08 2009
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Kommentare

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13 08 2009
#1 David P (Antwort)

schöööner Artikel! Ich selber war ja auch 3 Jahre Windows Mobile (ich glaub 5.5) User. Naja es ging halt. Akkulaufzeit des HTCs war OK und hat einen gute durch die Woche gebracht (bei nicht übermäßigem Bubble Breaken).

Die Abmaße waren eine Frechheit. Man wusste manchmal nicht was die Beule in der Hose zu bedeuten hatte ^^. Die integrierte Tastatur konnte dies auch nur bedingt ausbügeln. Wenn es auf den Sommer zukam und man mal ne Hose mit "schnurbund" ohne Gürtel also trug, musste man regelmäßig checken ob das Handy nich die Hose gen Südpol gezogen hat.

Die Bedinung war wie du auch schon sagtest seeehr eigen. Warum es oben rechts ein X Button gibt, der Programme NICHT schließt sondern im Hintergrund ressourcenfressend weiterbetreibt ist mir bis heute ein Rätsel.

Jetzt bin ich den faulen iPhone kompromiss mit schlechter Akkuzeit und Tmobile Knebel eingegangen. Es hat sich zwar ein Usebilityhimmel aufgetan - aber dafür das tmobile unterstütze wirds die Hölle regnen :D

Worauf wollte ich hinaus: Aus beruflichen Gründen musste ich letztens ein neueres HTC nutzen - und die ganzen iPhoneannehmlichkeiten waren WEG. Kein fingerscrollen, kein lässiges Programm schließen durch knopfdruck. Auf einmal hieß es wieder Taskmanager, die unendlichen Weiten der Settings und keine Bedinung ohne popligen Stift.

UND: Früher war ich absoluter Nokiafan. Das hat sich seit der Milleniumwende geändert. Die sind ja einfach nur unbedienbar geworden und die Appstores von Nokia verhungern.
13 08 2009
#1.1 Gregor Nathanael Meyer (Antwort)

Das mit dem Schließen-Knopf hat HTC inzwischen halbwegs lösen können: Zum einen hat mein Touch HD genug Speicher, dass die Programme ruhig weiter laufen können (auch wenn ich sie als alter Windows User immer schließen will), zum anderen schließt ein längerer Druck auf das X nun das Programm. Und im Heute-Bildschirm gibt es ein komfortables Taskwechsel-Menü an gleicher Stelle. Insgesamt also endlich brauchbar. Aber dank HTC und nicht dank Microsoft.

Aber was anderes: Bei iPhone gibt es gar keinen Schließen-Knopf, da laufen immer alle Programme weiter bzw. werden in einen Sleep-Modus geschickt. Das hatte sich Microsoft vor 10 Jahren auch so gedacht, aber erst Apple hat das zufriedenstellend lösen können.

Also im Vergleich mit dem iPhone sieht Windows Mobile selbst mit allen HTC Annehmlichkeiten derart alt aus. Dafür hat Apple ganz andere Probleme, die es zum neuen Microsoft machen. Vor allem die restriktive Handhabung des AppStores ist ein echtes Ärgernis und dürfte die Gerichte noch eine Weile beschäftigen. Auch die Knebelung an Exklusivpartner mit ihren haarsträubenden 24 Monate bindenden Tarifen, die man sich massiv schönreden muss, ist ein Unding. Die Zwangsbindung an iTunes lässt bei manchem ebenfalls die Wut hochkochen.

Also der Weisheit letzter Schluss sieht anders aus, aber es ist momentan das beste, wo gibt. Mal wieder.
13 08 2009
#2 Alex (Antwort)

so schnell wird nokia auch mit symbian nicht untergehen. http://www.mobile-zeitgeist.com/2009/08/13/nokia-erfindet-sich-wieder-einmal-neu/
13 08 2009
#2.1 Gregor Nathanael Meyer (Antwort)

Schöne Zahlen, aber mir geht es um die Position im Smartphone-Sektor. Und hier hat Nokia ein echtes Problem, weil sie mit Symbian zum einen proprietäre Scheiße am Hacken haben (auch wenn es inzwischen Open-Source ist, ist es ihr veraltetes Eigengewächs) und zum anderen momentan nichts brauchbares auf dem Sektor der gehobenen Smartphones zu bieten hat. Zumindest nichts, was es auch nur ansatzweise mit iPhone, Palm Pre oder Android aufnehmen könnte. Nicht mal mit aktuellen Windows-Mobile Geräten können die Nokia Dingenskirchen-Teile mithalten.

Die können also noch so viele normale Cellphones verticken, im Smartphone-Sektor, wo sie mal Vorreiter waren, wird es gerade ziemlich duster. OVI und Comes with Music hin oder her, es hapert an der Bedienung insbes. von Websites und es hapert an coolen Apps von Drittanbietern. Symbian hat schon immer genervt, aber das wird erst jetzt so richtig deutlich, wo es haufenweise Alternativen gibt.

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