Von anderen aufgeladene Emotionen nutzen?

07 07 2008

Ist es verwerflich, von Dritten aufgeladene Emotionen für die eigene Werbung zu nutzen? So wie es die Telekom aktuell mit dem unglaublich unter die Haut gehenden Paul Potts macht? Ganz großes Gefühlskino schreibt off the record zu diesem Telekom-Spot und bemängelt gleichzeitig, dass der Spot zwar große Gefühle weckt, aber eben nicht für die Marke Telekom. Zustimmung meinerseits: Der Funke springt einfach nicht über und es bleibt bei mir der faule Beigeschmack des Missbrauchs eines solch wunderschönen Internet-Märchens für werbliche Zwecke einer Marke, die mit damit nicht wirklich etwas zu tun hat. Das ist (großartige) Werbung für das Internet an sich und die Telekom ist ein Zugangsprovider, nicht mehr (die Inhaltelieferei überlässt man ja inzwischen weitgehend anderen). Aber ist das nun verwerflich oder nicht? Eigentlich nicht, man bringt nur mit einen schönen emotionalen Spot ein großartiges Video ins Gedächnis und versucht (begrenzt erfolgreich) seine Markenbotschaft mitzuliefern, warum sollte das nicht legitim sein? Vor allem, wenn man mit diesem Agenda Setting Leute neu erfreuen kann, denen das Video bisher entgangen war.

Mich zum Beispiel. Irgendwie ist dieses bemerkenswerte Video bisher völlig an meiner Wahrnehmung vorbei gegangen. Gut also, dass die Telekom das jetzt wieder auf den Tisch gelegt hat, denn dieser Paul Potts singt auch ohne die rührselige Story drumrum derart herzerwärmend, dass mir die Rührungstränen auf die gänsegehäuteten Arme rinnen. Noch nie hat Operngesang solch euphorische Ausbrüche bei mir verursacht. Kein Wunder, dass sowohl das Publikum, als auch die Jury bei Britain's Got Talent schon nach zwei Takten total abgehen und dieser dickliche Typ, der so unscheinbar und fast schon bemitleidenswert da antanzt, am Ende die ganze Show gewinnt. Wirklich magisch. So magisch sogar, dass ich wie in Trance direkt mal seine CD gekauft habe. Verzauberungs-Marketing und direkte Bestellmöglichkeiten sind eine gefährliche Kombination.

Schnell noch der Telekom-Spot, der erste Auftritt bei BGT (angucken und Ton laut, es lohnt sich, versprochen) und ein Artikel im Spiegel Online dazu. Ist zwar alles schon in den anderen verlinkten Quellen verlinkt, aber ihr guckt da ja eh nicht rein, gelle?

P.S. Ich habe gerade keinen Laden gefunden, wo ich die CD 1. jetzt, 2. legal und 3. als MP3 kaufen kann. Ist das nicht bescheuert? Muss ich jetzt ernsthaft bis zum Versand der CD am 12. Juli warten und mich in der Zwischenzeit aus illegalen Quellen bedienen (was keine 10 Minuten dauert)? Wo bleiben nur das versprochene DRM-freie Amazon-Downloadangebot und seine dadurch an den Markt gezwungenen NachahmerMitzieher? Und sollte ich ein schlechtes Gewissen beim Download aus illegalen Quellen haben, wenn ich die CD besitze oder bestellt habe?



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