XDA-Projekt: Erste Praxiserfahrungen nach zwei Wochen
Geschrieben von Gregor Nathanael Meyer um 22:5110 06 2008
So, inzwischen habe ich den XDA Orbit 2 schon zwei Wochen und konnte erste Erfahrungen sammeln.
Erst mal eine Kleinigkeit: Wenn man seine Mailbox anruft, geht nach ca. 15 Sekunden das Display aus. Durchaus gewollt. Leider hat man jetzt keine Wähltasten mehr (sind ja auf dem Touchscreen) und man muss erst herausfinden, dass man das Display durch einen beherzten Druck auf den Einschalter wieder aktivieren kann, ohne damit das Gespräch zu beenden. Dann kann man sich die virtuelle Wähltastatur wieder einblenden. Etwas lästig und ein Witz gegen die lässige Visual-Voicemail des iPhones. Gibts die eigentlich auch in Deutschland?
Apropos iPhone, gestern wurde ja das soooo laaaaaaaaaaaaang!!!11 ersehnte brauchbare iPhone vorgestellt. Wow, jetzt mit GPS und sogar, ganz heiß und brandaktuell, UMTS und vor allem der bahnbrechendsten Neuerung auf dem Smartphone-Sektor: Installierbare Software von Drittanbietern. Also eigentlich bringt das Ding jetzt alles mit, was man schon vom Vorgänger erwartet hatte und was andere Smartphones schon lange haben. Mit dem Unterschied, dass das ganze hier total fluffig bedienbar in einer Oberfläche passiert, die einfach schön ist und Spaß macht. Eine gefährliche Kombination: Alles können, sexy sein und vor allem super bedienbar. Bleiben zwei offene Fragen: Kann man das Ding endlich als Mobilfunk-Modem nutzen und gibt es eine Zwischenablage oder eine andere Möglichkeit, ellenlange WPA-Schlüssel fehlerfrei einzugeben? 63 gemischte alphanumerische Zeichen geben sich auf einer fragwürdigen Softkey-Tastatur nur selten fehlerfrei ein, ganz besonders dann nicht, wenn die Zeichen sofort nach Eingabe mit einem Sternchen maskiert werden. Große Freude.
[Update]Das iPhone kann bald alles, was jedes beliebige andere Telefon auch kann.[/Update]
Letztere beiden Punkte beherrscht der XDA Orbit 2 übrigens ganz hervorragend. Man kopiert sich den WLAN-Schlüssel aus dem (flugs auf dem Gerät installierten) Keepass direkt in den Verbindungsdialog und hat Ruhe. Sobald man jetzt das WLAN einschaltet, wird die Verbindung hergestellt. Super. Leider ist das Gerät allzu häufig der Meinung, dass es trotz unmittelbarer Nachbarschaft zum WLAN-Router lieber mit einem Klingeln drei andere scheinbar zufällig ausgewählte WLANs anbieten soll. Den Dialog schaltet man besser schnellstmöglich ab, denn das Geklingel nervt total. WLANs sind ja heute allgegenwärtig und so klingelt es ständig, wenn man das WLAN anlässt und auch wenn man das Gerät gar nicht bewegt.
Bei meinen Eltern bekomme ich leider keine stabile WLAN-Verbindung mit dem Gerät hin, aber das mag an den 24 anderen Funknetzen liegen, die ich letzten Sonntag dort vorgefunden habe und von denen neun eine höhere Signalstärke haben, als das Netz meiner Eltern. Gut, dass die UMTS-Basisstation direkt 10 Meter Luftlinie entfernt auf dem Dach des Nachbarhauses residiert (siehe Karte der Basisstationen in Düsseldorf). Denn das Gerät schaltet im Zweifel einfach auf UMTS mit HSDPA um und das ist dann in der Tat ebenfalls keine langsame Veranstaltung. Die Vision vom beinahe-überall-Internet trifft da voll zu. Sehr gut.
Aber auch sonst ist der mobile Zugriff auf das Netz ohne Probleme möglich. Übrigens auch mit dem Notebook, wie ich heute ausprobieren konnte: Auf dem Handy das Programm "Internetfreigabe" starten, Notebook per Bluetooth koppeln und schon ist man im Netz. Wow, das ist einfach. Leider gibt es keine Übersicht, wieviel Traffic man in diesem Monat schon verbraucht hat. Ein nächtlicher Anruf bei der gewohnt kompetenten Hotline brachte immerhin die Erkenntnis, dass man das mit dem Connection Manager auf dem Notebook einsehen könnte. Den benutze ich nicht, wozu auch? Naja, mal auf die nächste Rechnung schielen. An O2: Macht das doch bitte irgendwie im Kundenmenü einsehbar. Hätte ich nur das Internet-Pack M würde ich mir nämlich ernsthafte Sorgen über meinen Trafficverbrauch machen. Ein unschönes Gefühl, das man da mit sich herumschleppt.
Zwischenfazit O2: UMTS-Internet ist genial, nach den sechs Monaten bleibe ich dabei, mindestens mit dem Internet-Pack M. Also O2: Weiter so mit dem UMTS/HSDPA-Ausbau.
Was gabs sonst? Ich habe direkt nach zwei Wochen einen tiefen Kratzer im Touchscreen und weiß nicht mal, woher. Doof. Das mitgelieferte Stoffsäckchen sitzt leider nur unzureichend und wird daher von mir geflissentlich ignoriert. Gut, dass fast alle meine Hosen genug Taschen haben, so dass das Handy meistens eine für sich alleine hat. Für den Winter muss ich mir dann was überlegen.
Die Bluetooth-Verbindung zu meinem TomTom klappt nach einem Software-Update endlich, zumindest fürs Freisprechen.
Die O2/HTC-spezifische Software versteckt das Windows Mobile für viele Alltagsanforderungen ganz passabel, ist aber weit von der flüssigen und konsistenten Multitouch-Bedienungs-Offenbarung des iPhones entfernt. Für jeden zweiten Mist muss man nämlich leider doch wieder den Stift zur Hand nehmen, weil die Programme eben Windows-Mobile-Programme sind. Das ganze wirkt einfach stelzig und halbgar, auch wenn das ganze immer noch um Längen besser ist, als das pure Windows Mobile 5, das auf meinem Loox drauf war. HTC ist also auf dem richtigen Weg, ich bin wirklich gespannt auf den ersten Android-XDA. Windows Mobile ist und bleibt einfach in der jetzigen Form keine wirklich runde Sache. Naja, vielleicht bringt ja das angekündigte Update auf Windows Mobile 6.1 schon etwas, wer weiß. Wann das wohl kommt?
Zwischenfazit Gerät: Ich mag das Ding trotz Windows Mobile echt gerne und das ist eine reife Leistung von HTC und O2 (ich weiß nie genau, welche Anpassung von wem ist). Solange also noch keine Android-Geräte am Markt sind, sind der XDA Orbit 2 und sein Nachfolger HTC Touch Diamond wirklich brauchbare Smartphones. Den unerträglichen Symbian S60 Teilen (meistens von Nokia) sind sie meines Erachtens weit überlegen, gegen das iPhone kommen sie aber nicht an. Wäre das iPhone nicht so eine proprietäre Goldener-Apple-Käfig-Scheiße und wäre nicht an diese geisteskranken (und teuren) Exklusivverträge gebunden, wär es nämlich wirklich das absolute Master-Smartphone am Markt. So bleibt eine geräumige Nische für die XDAs dieser Welt, die aktuell eine sehr brauchbare Lösung abgeben.
Demnächst schreibe ich auch was über die mobile Browserlandschaft, da gibt es wirklich viel zu erzählen. Es lebe der 320x240 Pixel große Bildschirm!
Kategorien : Computer-und-Technik
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