XDA-Projekt: Blog-Marketing hält auch bei mir Einzug

29 05 2008

Wie kam es dazu?

Vor einiger Zeit bekam ich eine Mail einer auf Blogmonitoring spezialisierten Firma. Man fragte mich, ob ich Interesse an einem Programm hätte, bei dem ein hochwertiges technisches Produkt unverbindlich getestet wird. Als einzige Gegenleistung solle ich Feedback dazu geben. Die Firma klang zwar nach einer kurzen Webrecherche seriös, aber mir schossen natürlich sofort so unschöne Begrifflichkeiten wie "Trigami-Huren" und "Linkstricher" in den Kopf. Positive Meinungsäußerungen einzukaufen halte ich für sehr fragwürdig, daher schrieb ich eine skeptische Mail mit meinen Bedenken zurück:

1. Das Produkt sollte in meine Lebenswelt passen, zu Damenepilierern und Rasenmähern kann ich nun mal nicht viel handfestes sagen.

2. Meine Unabhängigkeit müsste gewahrt bleiben. Ich lebe eine gewissen Authentizität und wenn ein Produkt nervt, dann will ich das auch schreiben dürfen.

Hin und her, ich will Euch jetzt nicht langweilen: Meine Bedingungen sind voll erfüllt, die Leute von dieser Firma haben offenbar verstanden, wie das so funktioniert im Netz mit den Blogs und so. Bei sowas bin ich natürlich sofort dabei! Dieser ganze Mist aus den Marketing-Vorlesungen kommt ja viel zu selten in den Unternehmen an: Das Prinzip "Kenne und nutze Deine Meinungsführer" traut sich kaum ein Unternehmen konsequent durchzuziehen. Und oftmals wird das wegen fehlender Eier dann halbherzig oder ganz falsch umgesetzt. Dieses Prinzip bedeutet nun mal, eine gewisse Kontrolle abzugeben und natürlich kann das gewaltig nach hinten los gehen. Aber aus Angst vor negativen Aussagen werden dann die Meinungsführer auf Kosten der Glaubwürdigkeit bestochen oder gar frei erfunden: Hier ein fingierter Eintrag in Forum X, da ein Blogkommentar unter falschem Namen. Und die Königsdisziplin ist das möglichst unauffällige Bestechen von bekannten Bloggern. Fiese indirekte Beeinflussung und ich möchte gar nicht wissen, wie viele Firmen sich mit sowas die Finger schmutzig machen.

Umso erfreulicher ist die transparente Herangehensweise von O2. Man stellt keine Bedingungen und gibt einer Hand voll Konsumenten einfach mal Geräte und Tarife an die Hand, damit diese ausprobiert werden können und darüber berichtet wird. Ich bin hingerissen. Mal schnell gegengerechnet: Die Geräte kosten ein paar hundert Euro im Einkauf, die Flatrate-Tarife kann O2 schon irgendwie schmerzfrei unterbringen, die Kosten bewegen sich also höchstens im Rahmen einer ganzseitigen Anzeige in einem Publikumsmagazin mittlerer Auflage. Das kann man schon mal riskieren für hoffentlich hohe Google-Positionierungen von hoffentlich positiven und vor allem authentischen Berichten zum Gerät und den Tarifen und der Marke. Also ran, im Feedback-geben bin ich gut.

Bin ich also bestechlich? Ich würde sagen, nein. Natürlich habe ich schon aus reiner Dankbarkeit heraus ein gesenktes Interesse daran, O2 mit schlechtem öffentlichen Feedback zu beschießen. Aber wer mein Blog regelmäßig liest weiß sowieso, dass ich nicht grundlos irgendwen abziehe. Alice ist ein gutes Beispiel: Mein erboster Eintrag zur (inzwischen aufgehobenen) Einstellung der kostenlosen Störungshotline ist immer noch Platz 1 bei Google zur Anfrage "Alice kündigen". In der Zwischenzeit hat Alice auf den Unmut vieler Kunden reagiert und so habe auch ich einige versöhnliche Folgebeiträge geschrieben. Meiner Meinung nach gehört sich das auch so: Blindlings rummeckernde Kunden bringen niemanden weiter, Kritik (und auch Lob) muss angemessen sein, sonst ist es doch nur doof. Wer sagt denn, dass nur Beschwerden und negative Meinungen interessant sind? Ich verspreche also an dieser Stelle eine faire, ehrliche und ausgewogene (subjektive) Berichterstattung zum mir zur Verfügung gestellten Produkt.



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