Pamphlet zu Blogs und klassischen Medien

02 03 2007

Alex schickte mir gerade einen schönen Link zu einem Artikel zum Verhältnis von Blogs und klassischen Medien und deren Entscheidern. Sehr schön direkt gesagt, wie ich finde. Keine Ahnung, ob es von mir ein Full-ACK dafür gibt, aber die Richtung stimmt.

Klar sind Blogs eine Modererscheinung. Allerdings im Grunde eine Medienrevolution. Also die Medienrevolution ist nicht allein den Blogs zuzuschreiben, sondern dem Internet an sich. Aber die Blogs sind die Manifestation, an der man diese Medienrevolution gegenüber den klassischen Medien gut ablesen kann. Und wenn man SPON ebenfalls als Blog ansieht, dann sowieso. Immerhin hat SPON eine chronologische Abfolge von Artikeln, eine (rudimentäre) Kommentarmöglichkeit, Tags (sehr modern!), einen RSS-Feed, eingebundene Videos etc. Fehlen noch richtige Kommentarmöglichkeiten und echte Meinungsartikel und vielleicht gar Trackbacks, dann hat man alles, was ein Blog ausmacht. Vielleicht mangelt es SPON etwas an Authentizität, das viele Blogs erst zum Blog macht, aber es ist dafür verlässlicher. Da geht jedenfalls die Reise hin, liebe Nachrichtenredaktionen.

Der (damalige?) Chefredakteur vom Handelsblatt sagte vor zwei Jahren zu mir und meinen Kommilitonen auf die Nachfrage nach Blogs, dass die Tageszeitung nicht tot zu kriegen sei oder nicht zu ersetzen sei. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Da stimme ich zu, aber sie wächst sich als Medium einfach raus, kein Nachwuchs mehr. Von meinen Kommilitonen hatte damals nur ein einziger ein Tageszeitungsabo und ein weiterer las täglich in einer Tageszeitung. Alle anderen 25 Leute zucken mit der Schulter. Aber das beste daran sind die Reaktionen von machen Leuten auf dieses Phänomen! Statt anzuerkennen, dass die Zeitung für meine Altersgruppe nicht mehr signifikant relevant ist und die gleichen oder hochwertigere Informationen längst aus anderen Quellen bezogen werden, bekommt man den Vorwurf zu hören, man interessiere sich ja nicht mehr für die Welt im allgemeinen und würde verdummen etc. Nur noch Fernsehen und Internetscheiße und so. Für mich zeugt so eine Einstellung von hochgradiger Medieninkompetenz. Ganz offensichtlich hat der Meinungsinhaber da irgendetwas nicht mitbekommen. Lehrer und starke Professorenpersönlichkeiten sind davon übrigens nach meiner Erfahrung tendenziell besonders stark betroffen.

Bildung ade? Nur weil heute kaum noch einer Zeitung liest? Bildung ade, weil heute kaum jemand über 40 bereit ist, sich der Medienrevolution anzupassen oder auch nur zu lernen, wie man effizient Zugang zu zeitgeistlich akuten Medien erlangt! Bildungsbürger heißt auch, dass man weiß, wo es steht und dass man sich auch neue Bildung erarbeiten kann und will. Das abgehängte Medienpräkariat sollte vielleicht etwas dagegen tun, statt das alles einfach an sich vorbeiziehen zu lassen. Das Problem wird nur schlimmer, wenn man nichts tut. Also liebe Leute: Medienkompetenz ist zentrales Kriterium der Bildung.



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02 03 2007
Blogs als Moderscheinung?
DonAlphonso  schreibt sich seinen in "Blogs als Modeerscheinung" seinen Frust über das Heer der Pseudo-Blogger der Printmedienbranche herunter. Er läßt kein gutes Haar an den von Verlagen kontrollierten und von "Beratern" an selbige verkaufte Blog...
Weblog: outclub blog
Aufgenommen: Mär 02, 22:39

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