Koptuch - kein Job
Geschrieben von Gregor Nathanael Meyer um 11:3302 03 2007
Gerade habe ich im SPON einen Artikel über die Probleme bedeckter Frauen bei der Jobsuche gelesen. Und ich muss leider ganz ehrlich sagen, dass ich als Chef ebenfalls Probleme mit muslimischen Mitarbeiterinnen mit Kopftuch hätte, besonders bei Akademikerinnen. Neben verschiedenen Bauchgefühlen, die mich davon abhielten, ist es vor allem ein Grund: Ein zwanghaft getragenes Kopftuch ist für mich ein starkes Symbol
- einer mangelnden Integrationswilligkeit, die ich dann wiederum auch in anderen beruflichen Bereichen erwarte. Einem Mitarbeiter soll im Job die Firma an erster Stelle stehen. Was die Leute in ihrer Freizeit tun kann mir egal sein, aber an seinen Job muss man sich anpassen. man muss sich aktiv in die Firmenabläufe integrieren und dazu gehört es, je nach Job, auch seine Freizeitkleidung und -einstellung abzulegen. Gleiches gilt für Goths, Punks, Kiffertypen oder wen auch immer und unabhängig davon, ob mir die abweichende Haltung und Kleidung sympathisch ist oder nicht.
- eines religiösen Fanatismus, den ich nicht in meiner Firma haben wollte (das gilt für Fanatismus jeder Religion). In meinen Augen muss jeder klar denkende Mensch irgendwann auf den Trichter kommen, dass Religion der Leistungsfähigkeit des freien Menschen im Zweifel im Wege steht. Religion ist dann gut, wenn sie dem religiösen Menschen weiter hilft. Wenn sie allerdings den religiösen Menschen einschränkt, hat sie ihr Ziel verfehlt wird in dieser Form von mir vehement abgelehnt. Das meine ich mit Fanatismus.
- einer mangelnden Abstraktionsfähigkeit, die ich gerade von Hochschulabsolventen erwarten würde. Ich würde klar denkende Mitarbeiter haben wollen, die im Zweifel völlig open-minded an die Probleme der Arbeit herangehen können. Wer sein Kopftuch oder im Zweifel auch sein Kreuz nicht ablegen möchte, signalisiert mir damit einen Mangel an geistlicher Klarheit und geistiger Trennung von Alltag/Beruf und Spiritualität. Was soll ich also mit einem studierten Mitarbeiter, der sich schon von vornherein als im Zweifel weniger klar denkend und handelnd outet? Schlimm genug, dass sich solche Eigenschaften bei manchen erst nach dem Vorstellungsgespräch zeigen.
Also bevor wir und falsch verstehen: Ich gehe nicht davon aus, dass diese Kriterien auf jede Frau mit Kopftuch zutreffen. Sicherlich kann es sein, dass sich mit der Zeit das genaue Gegenteil herausstellt. Aber das zwanghaft getragene Kopftuch trägt für mich diese Symbolik in sich und daher gehe ich erst einmal von diesen Eigenschaften aus. Wenn ich also einen in etwa gleich qualifizierten anderen Bewerber zur Hand habe oder gleich dutzende davon, fliegt die Frau mit Kopftuch in der ersten Runde des Wettbewerbs raus. Genau wie eine Glatze mit Bomberjacke, ein krasser Goth, ein Freak mit nordischem Fell, jemand mit implantierten Hörnern, jemand mit Gesichtstatoos, jemand der volles Rohr stinkt und so weiter. Ihr wisst, was ich meine: Jemand, der seine abweichende Einstellung offen zur Schau trägt und davon nicht mal bei einer Bewerbung Abstand nimmt.
Noch einmal die Frage: Was soll ich mit so jemandem anfangen, wenn ich andere Leute haben kann? Ist das unfair gegenüber solchen Leuten? Der Artikel im SPON suggeriert jedenfalls eine solche Unfairness. Nichts gegen die angesprochene Diversity, aber nicht auf Kosten der Firma.
Ich halte mich ja schon für sehr offen und liberal, aber mit einer vermummten Zahnärztin hätte ich schon Startschwierigkeiten. Da fällt mir auch die Studentin am Fachbereich Wirtschaft ein, die ein Kopftuch trägt. Sie sieht sehr nett aus, ich finde sie auch figurlich und von der Ausstrahlung her ganz süß und dumm scheint sie auch nicht zu sein. Sie wird Diplom Betriebswirtin sein, wenn sie fertig ist, strebt also wahrscheinlich eine Managementposition an. Aber ich wüsste echt nicht, in welcher angemessenen Position ich so eine Frau in einer Firma einsetzen würde. Den Eindruck der oben erwähnten Symbolik werde ich einfach nicht los. By the way: Angraben würde ich sie auch nicht. Die vorurteilsbedingte Angst vor familiären Nebenwirkungen ist bei mir bei allen muslimischen Frauen sehr groß. "Ey Arsche, Du hast meine Schwester angepackt, Du bist tot!" Wuahh gruselig. Sorry an alle Leute aus dem arabischen Kulturkreis, die nicht so drauf sind, aber Eure Landsleute füttern dieses Klischee sehr plastisch.
Dazu ein schöner kurzer Film zur humoristischen Auflockerung:
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