Online-Backup im Jahr 2010

26 08 2010

Online-Backup ist eine unglaublich naheliegende Idee, wenn es um die aushäusige Datensicherung geht. Als man noch 30MB Webspace hatte und ein analoges Modem, war das nicht so recht praktikabel. Auch die 256kBit/s, die ein Gros der DSL-Anschlüsse in Deutschland als Geschwindigkeit nach außen anbieten, sind nicht so viel, dass man seine Daten darüber gerne sichert. Über den Daumen gerechnet sind das nämlich nur 2,7GB in 24 Stunden oder magere 112,5MB pro Stunde. Damit wird man seine Bildersammlung und die eigenen Dateien nur unter Blut und Schweiß in ein Online-Backup bekommen. Bei 1MBit/s Upload wird es langsam interessant, das ist der übliche Wert bei DSL-Anschlüssen mit 16MBit/s. Das sind schon 450MB pro Stunde und über 10GB pro Tag. Mein VDSL50-Anschluss transportiert 10MBit/s ins Netz und würde 100GB in einem Tag schaffen. Damit erreichen wir recht klar die Zone der Praktikabilität für den Alltag.

Meine Eigenen Dateien (inkl. Fotos) nehmen ca. 12GB ein, nachdem ich dort mal gründlich aufgeräumt habe und die TomTom Kartenbackups mit inzwischen 8GB ausklammere. Meine Musik liegt zur Zeit bei 70GB und wächst gelegentlich. Mit 100GB käme ich also für meine wichtigsten Daten durchaus hin, aber Luft nach oben schadet nicht. Manche Leute haben deutlich mehr Musik, andere weniger, wiederum andere würden auch gerne ihr Videoarchiv sichern und dann sind da noch die, die ihren Rechner nicht aufräumen und deswegen im Terabyte-Bereich unterwegs sind.

Backup muss sein, darüber brauchen wir hoffentlich nicht reden. Leider kenne ich zu viele Leute bei denen ein Ausfall der Festplatte oder der Verlust ihres Laptops sich eher tragisch auswirken würde. Offensichtlich machen sich zu wenige Leute klar, dass da ihre gesamte Fotosammlung der letzten Jahre schlummert, ihre (bezahlte oder wenigstens mühsam zusammengesammelte) Musik, ihre digitale Identität. Eine externe Festplatte ist aber wenigstens einem Großteil als Backup-Medium bekannt und einige Leute machen sogar gelegentlich, vielleicht einmal im Jahr ein Backup ihrer nötigsten Daten. Immerhin.

Doch was wenn es brennt (man denke auch an Löschwasser vom brennenden Dachgeschoss)? Wenn eingebrochen wird? Oder eine Hausdurchsuchung einem die gesamte IT-Infrastruktur aus der Wohnung trägt (ob berechtigt oder nicht)? Es führt kein Weg dran vorbei, man muss ein Backup seiner Daten auch außerhalb der Wohnung bzw. des Büros aufbewahren. Fein raus, wer seine Daten aus dem Büro auf Festplatten mit nach Hause nehmen kann, um sie dort zu archivieren. Dann kann einem wirklich nur noch eine Hausdurchsuchung in die Suppe spucken, die gerne mal in Büro und Privaträumen räubert. Oder eine Atombombe, aber dann hat man ganz andere Probleme am Hals. Aber nicht jeder hat ein Büro oder einen vetrauenswürdigen Lebenspartner in separater Wohnung.

Zudem ist es eine feine Sache, wenn man selbst oder auch andere uf Einladung auch von unterwegs via Notebook an die eigenen Daten herankäme. Auftritt Online-Backup. Das Kernproblem hier ist das Vertrauen in den Betreiber des Cloudspeichers. Mitunter hat man sensible Daten auf der Festplatte, sei es die Privatpornosammlung, Daten von Kunden oder was auch immer man als sensibel einstuft. Ohne eigene Verschlüsselung muss man dem Betreiber des Cloud-Speichers einiges an Vertrauen entgegenbringen. Immerhin arbeiten da Menschen, die 1. naturgemäß Zugriff auf die Daten haben und 2. Menschen sind und somit gelegentlich böse sind oder auch mal Fehler machen. Da kann noch so schön der Transport verschlüsselt laufen, die Daten verschlüsselt abgelegt sein, wenn man sich nicht selbst darum kümmert, wird es Dritte geben, die Zugriff auf die Daten haben. Und sei es ein Einbrecher im Rechenzentrum oder ein geschickter Hacker. Also bleiben einem vier Lösungen:

Man natürlich den großen roten Ignore-Button drücken und dem Anbieter vertrauen. Wenn man jemandem Geld bezahlt, mag das durchaus eine praktikable Lösung sein, für paranoide Menschen wie mich aber nicht. Alternativ kann man Online-Backup ganz bleiben lassen, verzichtet aber auf die Vorteile. Die dritte Lösung ist für Pragmatiker: Geht es um Musik und je nach Privatheitsanspruch um die Fotosammlung, jedenfalls um wenig sensible Daten, spricht nichts gegen irgendeinen dahergelaufenen Cloud-Anbieter. Doch was ist, wenn sensible Daten gesichert werden müssen, etwa Daten von Kundenprojekten? Als vierte Lösung bleibt einem die Verschlüsselung in Eigenregie.

TrueCrypt zum Beispiel ist eine hervorragende Lösung, um einen verschlüsselten Dateicontainer als Laufwerksbuchstaben ins System einzubinden. Leider hat diese Lösung zwei ganz dicke Pferdefüße: Zum einen muss man sich bei der Erstellung des Containers für eine Größe entscheiden, klein anfangen und mitwachsen ist nicht. Die Ersteinrichtung des Online-Backups wird also in jedem Fall ab einer gewissen Menge der zu speichernden Daten zum Problem, für dass es nur halbwegs gute Lösungen gibt. Zum anderen aber braucht man einen Online-Speicher, der sich als Blockdevice einbinden lässt. Das bedeutet, dass man wahlfrei auf einzelne Teile einer Datei zugreifen kann, um nicht bei jedem Zugriff die gesamte Datei übertragen zu müssen. Eine kleine Änderung einer 100GB Containerdatei sollte nicht dazu führen, dass ein VDSL50-Anschluss 24 Stunden beschäftigt ist. Das trifft leider auf die wenigsten Cloud-Speicher zu, so dass die Auswahl deutlich eingeschränkt wird.

Sowieso ist der Zugriff auf den Cloud-Speicher ein Problem. Viele Anbieter (wie 1&1) bieten lediglich über das WebDAV-Protokoll Zugriff auf die Dateien, was unter Windows die praktisch handhabbare Dateigräße auf ca. 50MB beschränkt, mit Tricks oder speziellen Programmen sind auch mehr drin, bei 1&1 ist etwa bei 512MB Schluss. Hier habe ich mich mal ausführlich über die Beschränkungen bei 1&1 ausgelassen. WebDAV, FTP und Konsorten sind kein Blockdevice, also fällt ein großer TrueCrypt-Container als Lösung auf solchen Cloud-Speichern flach.

Die zur Zeit attraktivste Lösung in dieser Hinsicht bietet zur Zeit ausgerechnet Strato, bei deren Namen ich und viele Bekannte noch heute (über 10 Jahre seit dem letzten Kontakt) kurz schaudern. Strato war damals so unglaublich scheiße, das lässt sich kaum in Worte fassen. Im Jahr 2010 könnte man darüber mal hinwegkommen, denn das Produkt HiDrive klingt äußerst attraktiv: 100GB für 3,90€ pro Monat, 500GB für 9,90€, 1TB für 39,90€, bis hin zu 5TB für 149€. Das ist überschaubar, auch im professionellen Kontext. Zum Vergleich: Bei Amazon S3 kostet jedes GB 15 US¢ pro Monat zuzüglich Traffic (150€ für 1TB). Strato bietet dabei Zugriff via Windows-Netzwerkfreigabe (über sicheres OpenVPN) mit voller TrueCrypt Unterstützung. In der c't stand, dass man sogar eine Festplatte per Post ins Rechenzentrum schicken kann, die dann eingespielt wird. Wenn das stimmt, würde das sogar die lästige Ersteinrichtung praktikabel machen. Einen 1TB TrueCrypt-Container übers Netz zu schicken, dauert auch bei VDSL50 10 Tage und würde auch alle 24 Stunden durch die Zwangstrennung unterbrochen. Da ist der Postweg doch irgendwie angemessener.

Ich habe jetzt einen kostenlosen 90-Tage-Testaccoung bei Strato bestellt und werde über meine Erfahrungen berichten. Vielleicht werde ich auch genaueres über Alternativen schreiben.


Kurztest: Smartbook Surfer

18 08 2010

Man beachte die zahlreichen Updates am Ende des Artikels.

Vor zwei Wochen ging im Netz die Nachricht um, Marktkauf biete für 179€ das 7" Android-Tablet Smartbook Surfer an. Sogar bis in die News von heise.de hat es das Gerät geschafft. Es war im Online-Shop sofort ausverkauft und der nächste Marktkauf von hier ist in Gelsenkirchen, also legte ich den Gedanken erst mal ad acta. So ein Gerät reizt mich grundsätzlich aber schon, vor allem, weil ich mit Android rumspielen und vor allem ausloten möchte, wofür man sowas produktiv einsetzen könnte. Letzten Donnerstag war im Online-Shop von Marktkauf dann eine kleine Charge verfügbar, also habe ich direkt mal so ein Ding bestellt.

Die übergreifende Fragestellung lautet dabei: Was taugt ein Tablett für 180€? Ich vermutete nichts gutes und um das vorweg zu nehmen: Es taugt wirklich nichts. Ein paar lose Punkte:

  • Das Ding ist unglaublich träge. Alles fühlt sich langsam an, sehr unerquicklich. Ein Leistungsstarker Arbeitsprozessor mit 800MHz soll da laut Packung drin stecken, auf der Website steht Telechips TTC8902 720MHz Prozessor. So oder so, das Ding ist quälend langsam.
  • Der resistive Touchscreen ist eine Unverschämtheit. Davon abgesehen, dass man mitunter sehr viel Druck ausüben muss, um eine Reaktion hervorzurufen, schwankt der nötige Druck auch noch ständig. Manchmal reicht ein jovialer Tipper mit der Fingerkuppe (wie bei meinem HTC Touch HD), manchmal muss man aber wirklich mehrmals so kräftig auf das Display eindrücken, dass man Angst bekommt, seinen Finger auf der anderen Seite wieder zu sehen. Wischen (also vor allem scrollen) wird so zum Glücksspiel, selbst mit dem billig wirkenden und sehr fest im Gehäuse steckenden Plastikstift.
  • Lahmer Prozessor plus hakeliger Touchscreen sind eine schlimme Kombination, die sich vor allem bei der virtuellen Tastatur auswirkt: Es ist unmöglich, auf dem Ding auch nur halbwegs flüssig zu tippen. In den Einstellungenm lässt sich ein leiser Tastenquittungsklick einschalten, der aber genau so unzuverlässig abgespielt wird, wie die Tastendrücke angenommen werden. Um eine Twiter-Nachricht in der TweetDeck Beta zu tippen, brauche ich über eine Minute. Die Texteingabe ist also völlig unbrauchbar. Hatte ich erwähnt, dass man trotz ca. 6mm hoher Tasten und spitzem Eingabestift ständig Tasten aus einer Reihe weiter oben auslöst? Setzen, sechs!
  • Aber das reicht noch nicht an Unpraktikabilität: Die Android-Tasten Menü, Suche, Home und Zurück liegen auf der Rückseite. Das ist OK, wenn man das Ding in der Hand hält, aber selbst dann sind die kleinen Tasten fummelig zu bedienen und man muss sich die Reihenfolge merken. Liegt das Ding auf dem Tisch oder hält man es irgendwie anders, muss man für jeden Klick auf eine der Tasten erst mal fummelig suchen gehen. Super lästig, vor allem, weil man diese Tasten bei Android ständig braucht. Aber auch das reicht noch nicht, denn die schwergängigen Tasten wollen mit viel Gefühl gedrückt werden, was aber auch dann nicht immer auf Anhieb angenommen wird. Fast noch schlimmer als der Touchscreen. Und weil das Ding so träge ist, bemerkt man das Ignorieren den deutlich hörbaren Tastendrucks erst eine Bedenksekunde später.
  • Der dämlichste Designfehler kommt aber noch: Das Gerät lädt nicht über USB, sondern nur mit dem beiliegenden Netzteil m(. Was soll man dazu noch sagen?

Das sind meine Hauptkritikpunkte, aber auch sonst glänzt das Ding nicht sonderlich:

  • Die Verarbeitung ist mäßig, aber für den Preis OK.
  • Die Webcam macht grausige Bilder, das Mikrofon funktionierte in Zusammenhang mit der Fritz!App Fon nicht.
  • Das Display zeigt ein immerhin brauchbares Bild.
  • Die vorinstallierte Skype-Betaversion ist ein schlechter Witz und nutzt zudem nur einen Bruchteil des Bildschirms (wahrscheinlich 320x240 im Querformat oben in der Mitte des 800x480er Displays).
  • Der Audio-Ausgang ist eine 2,5mm Klinke, ohne, dass dafür ein Grund ersichtlich wäre.

Alles in allem ist das Tablet-Computing zum abgewöhnen. Man kann nur hoffen, dass es ein offizielles oder zumindest inoffizielles Android 2.2-Update geben wird, damit zumindest die Geschwindigkeit etwas erhöht wird. Ich glaube aber nicht daran. Immerhin kann das Ding angeblich 1080p-Videos dekodieren und sogar über seinen Mini-HDMI-Ausgang ausgeben. Das wär ja was. GPS gibt es übrigens keins, Lagesensor und Kompass scheinbar ebenfalls nicht.

Fazit: Finger weg vom Smartbook Surfer! Und generell von Android-Tablets mit resistivem Touchscreen und fragwürdigen Prozessoren: Es macht keinen Spaß und ist rausgeschmissenes Geld. Mal schauen, ob ich einen sinnvollen Platz dafür finde.

Dass der Android-Market seit ich das Gerät habe nicht funktioniert ist ärgerlich, aber dafür kann das Gerät wahrscheinlich nichts. Angeblich soll der inzwischen wieder laufen, bei mir ist davon noch nichts zu sehen: Ich starre weiterhin auf ein meine lustigen "Download wird gestartet" Meldungen. Möglicherweise funktioniert der Market auch einfach wegen Nichterfüllung der Hardwareanforderungen (kein Lagesensor, kein Kompass, kein GPS, kein Mobilfunk) gar nicht, das wäre aber sehr komisch, denn er ist installiert und liegt als Verknüpfung auf dem Startbildschirm.

Nachtrag 18.08.2010: Der Android-Market funktioniert bei mir weiterhin nicht. Ich wollte mein Google-Konto entfernen und neu eintragen, vielleicht hilft ja da. Aber dazu müsste man das ganze Gerät in den Auslieferungszustand zurücksetzen, was alle installierten Programme (unklar, ob nur über den Market oder auch direkt installierte) und Einstellungen entfernt. Da ich noch nicht viel gemacht habe und man ohne Market keinen Spaß haben wird, habe ich das in den Datenschutzeinstellungen versucht. Und siehe da: Nicht mal das klappt. Sprich: ich kann die Einstellungen und mein verknüpftes Google-Konto nicht mal loswerden, weil diese essentielle Funktion beim Smartbook Surfer schlicht nicht funktioniert. Aaaaah!

Noch ein Nachtrag vom 18.08.2010: Der Zugang zum Android Market funktioniert tatsächlich schlicht nicht, obwohl er vorinstalliert ist. Man kann den Zugang mit Tricks freischalten, aber Spaß ist anders. Eine tolle Quelle für solcherlei Informationen findet sich hier.. Dort steht auch, dass der Prozessor nur mit 600MHz arbeitet.

Nachtrag 08.09.2010: In der aktuellen c't ist ein Kurztest vom Smartbook Surfer, dessen Beobachtungen sich frappierend mit meinen decken. Ich habe also keine Ausnahme mit kaputtem Touchscreen, das ist serienmäßig. In der Zwischenzeit habe ich mal den Support kontakiert, vor allem wegen des nicht zurücksetzen können Problems. Selbstverständlich habe ich nach der Eingangsbestätigung am 18.08.2010 keine weitere Antwort mehr bekommen.

Nachtrag 19.09.2010: Inzwischen gab es mehrere Systemupdates, die man auf der Website von Smartbook herunterladen kann. Mit etwas bastlerischem Geschick lässt sich das leicht flashen. Es gibt nun eine Kalibrierung für den Touchscreen, wodurch man immerhin nicht mehr ständig gnadenlos daneben tippt. Auch gibt es nun Lautstärkeregler in der Statuszeile. Leider habe ich erst nach der langwierigen Freischaltprozedur für den Android Market (hier beschrieben, in Kürze: Man verschafft sich Rootrechte, richtet einen Shell-Autostart ein, installiert das Android SDK, spielt dort ein system.img aus fragwürdiger Quelle ein und generiert darin eine Google-Market-ID, liest diese aus und überträgt sie in das Surfer) bemerkt, dass das aktuelle Image den Android Market gar nicht mehr mitbringt. Sehr witzig, wenn auch nachvollziehbar. Ich habe jetzt die Market-App von Pdassi installiert.

Nachtrag 05.10.2010: Falls sich jemand auch mal von dem Gerät desillusionieren lassen möchte, kann er meins gerne kaufen. Ich habe keine Lust auf größere Verluste und mache lieber einen teuren Bilderrahmen daraus, als es für zu billig wegzugeben. Wer also Lust hat, 150€ inkl. Versand (Originalpreis war 180€ zzgl. Versand, ernsthaft benutzt habe ich es nicht) auf den Tisch zu legen, kann das Smartbook Surfer in der Marktkauf-Edition mit Packung, allem Zubehör und der aktuellen Firmware 1.3 haben. Natürlich ist das Gerät wie hier beschrieben auf den Werkszustand zurückgesetzt, gerootet ist es offensichtlich ebenfalls noch. Also falls jemand Interesse haben sollte und angemessen leidensfähig ist: Meine Kontaktdaten findet ihr auf der Kontaktseite.

Nachtrag 24.10.2011: Nachdem das Ding jetzt seit ca. einem Jahr neben mir auf dem Schreibtisch gelegen und mir schlechte Laune gemacht hat, habe ich es doch noch mal zur Hand genommen und siehe da: Dass es zwei oder drei mal vom Schreibtisch gefallen ist, hat ihm nicht gut getan, denn der Touchscreen funktioniert jetzt nur noch im rechten Drittel. Falls es also jemand geschenkt haben will, um daran rumzubasteln, einfach melden.

Nachtrag 19.11.2011: Es hat sich tatsächlich jemand gemeldet, der in erster Linie am Netzteil interessiert ist. Habe ihm kurzerhand das ganze Scheißding in ein Paket geworfen und zugeschickt. Endlich kann ich das Ding vergessen.


Solche Sätze

06 08 2010

Solche Sätze sind es, die mir den Tag versüßen:

Wir wurden älter, wir entdeckten unsere Talente. Die einen konnten gut mit Computern, die anderen gut mit Kindern, wieder andere gut mit Tieren. Manche konnten nicht gut mit sich selbst, weswegen sie sich anschickten, Berufe zu ergreifen, in denen sie ganz viel Geld verdienten, um sich davon abzulenken, dass sie nicht gut mit sich selbst konnten

aus Frédéric Valin - Pepe I (auf Spreeblick)

Online-Banking kompliziert

03 08 2010

Ich nutze nun seit über zehn Jahren Online-Banking und bin bei meiner 11. TAN-Liste angekommen. Nun bekomme ich bei StarMoney bei jeder Überweisung die Meldung, dass ich auf smsTAN umstellen kann. Die Website meiner Sparkasse verrät, dass das 9ct/smsTAN kostet mit einer Ausnahme bei Premium-Konten. Trotz der zweistelligen Kontoführungsgebühren, die ich monatlich für meine verschiedenen Geschäfts- und Privatkonten, sowie meine Kreditkarte entrichte, gilt das auch für mich. Wieder einmal bleibe ich also beim klassischen (i)TAN-Verfahren, das weiterhin das bequemste bleibt.

Zu WG-Zeiten hatten wir ein gemeinsames WG-Konto für Miete und Nebenkosten bei der 1822direkt in Frankfurt, wofür ich extra einen Klasse-3-Kartenleser und eine HBCI-Karte angeschafft habe. Dieses Verfahren klang sicher und bequem, war es aber nicht. Also sicher schon, aber bequem keineswegs: Bei jedem Start von StarMoney mache ich einen automatischen Kontenrundruf und aktualisiere alle meine Konten. Leider muss man bei HBCI auch für das Abholen der Umsätze immer die PIN eingeben; bei allen TAN-Verfahren lässt sich die PIN hinterlegen, was in Kombination mit Programmpasswort und TAN-Liste ausreichend sicher ist. Das treibt einen in den Wahnsinn und so habe ich das WG-Konto nur alle paar Wochen aktualisiert. Das reicht aber noch nicht an Unbequemlichkeit: Hätte ich meine Konten bei der Düsseldorfer Stadtsparkasse ebenfalls auf HBCI mit Karte umgestellt, hätte ich bei jedem Kontorundruf zwei Karten und zwei PINs eingeben müssen. Es gibt bei HBCI mit Karte zwei inkompatible Kartensysteme und meine beiden Banken (obwohl beides Sparkassen) benutzten unterschiedliche Systeme, also nichts mit nur einer Karte. Diskettenwechsel sind seit dem Aufkommen von Festplatten reichlich out und ich werde mich garantiert nicht als Kartenjockey verdingen.

Mein Vater hat inzwischen einige TAN-Verfahren bei seiner (Genossenschafts-)Bank durch, aktuell hat er ein unfassbar kompliziertes chipTAN-Verfahren am Start: Man bekommt vom Bankprogramm zwei Codes angezeigt, die man in einen Kartenleser eintippt, in den man seine Kontokarte steckt. Dann kann man sich eine TAN generieren lassen, die man wiederum vom Winzdisplay des Kartenlesers ablesen und in den Computer eintippen muss. Wow, das bekommt den Preis für das lästigste TAN-Verfahren. Nur meine Mutter treibt mehr Aufwand für Überweisungen, indem sie Überweisungsträger ausfüllt und per Post (und jeweils frankiert) an ihre Bank sendet.

Meine Sparkasse bietet neben dem smsTAN-Verfahren, das sich wohl von selbst erklärt, auch ein chipTAN genanntes Verfahren an. Hierbei kauft man einen Kartenleser für einen geringen zweistelligen Betrag (Ausnahme Premium-Konten, die bekommen das Ding geschenkt), in den man immerhin keine zwei Codes eintippen muss, sondern das Gerät vor ein flackerndes Muster auf dem Bildschirm hält. Bei gesteckter Kontokarte erzeugt das Ding dann eine TAN, die man abtippen muss. Immer noch kompliziert, aber nicht so irre, wie zwei Codes abtippen zu müssen. Trotzdem viel komplizierter als einfach eine TAN von einer Liste abzutippen und durchzustreichen.

Es gibt noch etliche weitere mehr oder weniger komplizierte Verfahren für Menschen, die unachtsam genug sind, ihre TANs auf jeder dahergelaufenen Phishingseite einzugeben. Mein Tipp gegen die Angst vorm Phishing oder sonstigen Angriffen: Einfach kein Webbanking machen, StarMoney kostet zwar immer mal wieder Geld und nervt auch ziemlich, aber wer kein Webbanking macht, braucht sich nicht vor dessen Gefahren zu fürchten. HBCI mit PIN/TAN ist nachwievor das bequemste Online-Banking und wer einmal in StarMoney einen bestimmten Umsatz von vor vier Jahren gesucht und auf Anhieb gefunden oder alle Umsätze eines bestimmten Absenders heraus gefiltert hat, wird schon aus Bequemlichkeit kein Webbanking mehr machen wollen.

P.S. Ich tue deswegen so, als gäbe es neben StarMoney keine anderen Bankprogramme, weil ich mir die kostenlosen davon irgendwann einmal angesehen habe: Gruselig bis sehr gruselig. Und die anderen kommerziellen wirkten bei kurzer Betrachtung auch nicht weniger nervig als StarMoney und waren allesamt teurer. Also benutze ich seit Version 3.0 StarMoney und ärgere mich noch immer über die selben Kleinigkeiten. Beispiel: Auf meinem 24" Bildschirm ist massig Platz für die Umsatzliste, aber die beiden letzten Spalten (Buchungsbetrag und Saldo) stellen sich immer wieder auf eine zu schmale Breite zurück, bei der schon die dritte Stelle vor dem Komma nicht mehr ganz zu sehen ist. Anderes Beispiel: Wenn ich bei den Kreditkartenumsätzen eine Kategorie vergeben will, treffe ich häufiger das Feld dafür nicht genau, was die Liste dazu veranlasst, ganz an den Anfang zu springen. Und die Liste ist lang. Anderes Beispiel: In verschiedenen Listen (u.a. der Kategorienliste) kann man nicht mit dem Mausrad scrollen. Anderes Beispiel: Füllt man bei einer Überweisung nicht zuerst das Nanensfeld aus, werden alle anderen Felder beim ersten Buchstaben, den man in das Namensfeld eintippt automatisch mit den letzten Daten für den betreffenden Namen gefüllt. Man muss also immer zuerst den Namen ausfüllen oder man füllt mehrmals aus. Besonders lästig ist das in Kombination mit der bequemen Übernahmefunktion aus der Zwischenablage, wenn dort kein Name enthalten ist. Letztes Beispiel: Wenn man eine Kontonummer oder Bankleitzahl einfügen möchte, die Leerzeichen enthält, lehnt StarMoney das rundweg ab, statt einfach die Leerzeichen zu entfernen. Ich könnte noch ein paar Absätze lang so weiter machen.