Ich schreibe in letzter Zeit viel in mein Micrboblog (direkt, im Lifestream oder momentan noch rechts in der Sidebar). Für mich gleicht das einer Befreiung von beschränkenden Formulierungszwängen hier im Blog, wenn ich nur etwas mitteilen möchte und stellt deswegen eine perfekte Ergänzung zum Blog dar. Folgende Gedanken habe ich mir dazu gemacht:
Im Blog schreibe ich, wenn ich Zeit und Muße dafür finde. Thematisch wird sich nicht viel ändern: Ich schreibe auf, was mir gerade wichtig ist und was ich mitteilen möchte. Aber: Wenn sich das ganze auf eine kurze Mitteilung beschränkt, fasse ich sie in ein oder mehrmals 140 Zeichen zusammen und hau sie im Vorbeigehen in mein Microblog. Ihr müsst also im Prinzip beides lesen, wenn ihr zuvor nur meinen Blog gelesen habt. Der Zwang zum Kurzfassen dürfte sich aber insgesamt positiv auf den dafür nötigen Aufwand auswirken, also kein Grund zum ärgern.
Der Vorteil am Microblog ist aber auch die Aktualität. Sprich: Ich kann (u.a. vom Handy aus) ohne nennenswerte Hürden oder Mühen veröffentlichen und habe so endlich die Möglichkeit, Gedankenblitze sofort festzuhalten, die ich früher gerne gebloggt hätte, aber aus verschiedenen Gründen (Faulheut, gerade unterwegs, was auch immer) stets wieder vergessen habe. Daher rührt auch das Mehr an Output, was manche sicher festgestellt haben. Nicht mein Sendungsbewusstsein ist durch das Microblog gestiegen, sondern meine Möglichkeiten, diesem freien Lauf zu lassen.
Neben dem Microblog nutze ich aber auch einen weiteren wichtigen Kanal neben dem "großen" bloggen, nämlich meine Bookmarks bei Mister Wong. Einigen von Euch gehen die am Arsch vorbei, klar. Aber habt keine schlechte Meinung davon, denn ich weiß von einigen Lesern, dass sie diese sehr schätzen. Dort haue ich alles rein, was ich für mich für später abspeichere und vor allem, was ich anderen zeigen möchte. Dabei landen hier die eher langfristigen Hinweise, die man noch mal wiederfinden möchte und im Microblog landen eher Links mit aktuellem Bezug, oder eben gar keine Links. Ich sehe keinen Sinn darin, für Sachverhalte, die sowieso gerade durch die Presse geistern, wertvolle 15-20 von 140 Zeichen zu opfern. Ich weiß, dass dadurch manche Sachen etwas an Bezug verlieren, aber ich versuche einen guten Kompromiss zu finden. 20 Zeichen sind viel Wert, machen sie doch immerhin ca. 15% der Nachricht aus. Manche Sachen brauchen nicht unbedingt Bezug, bei anderen Themen weiß die Zielgruppe sowieso, worum es geht und die anderen würden es nicht interessant finden und den Link sowieso nicht anklicken. Und für den seltenen Fall, dass diese beiden Bedingungen nicht zutreffen und ich auch keinen Link gepostet habe, bin ich immer noch erreichbar, zweckmäßigerweise direkt bei identi.ca.
Ja! Einer der häufig missverstandenen Aspekte beim Microblogging ist, dass das System eine direkte wahlweise öffentliche und nichtöffentliche Kommunikation erlaubt. Die ganzen @benutzernamen und #Tags (und bei identi.ca auch !Gruppen) dienen genau diesem Zweck. Auch der Begriff "followen" ist ein wichtiger Aspekt: Er ist quasi ein Abo der anderen Person, so dass deren Tweets und Dents sich chronologisch in meine Leseliste einordnen, ich also sehr zeitnah mitbekomme, was die anderen aktuell so twittern/microbloggen. Das ganze ist sehr spannend und man gewöhnt sich schnell daran, Hype hin oder her. Probiert es mal aus.
In Zukunft… Ich überlege mir gerade auch eine Lösung für das Problem der sehr unterschiedlichen Relevanz meiner Einträge. Gerade beim Microblog gibt es eher irrelevante, aber persönliche Beiträge wie "Bin grad bei Plus, bemerkenswert lange Schlange" neben quasi kleinen Blogbeiträgen wie "So solls sein: #Musicload bietet inzwischen den kompletten Katalog als MP3 und ohne Wasserzeichen. Kann man ja jetzt mal was kaufen". Diese müssen meines Erachtens dringend voneinander getrennt werden, das gilt auch für die Einträge im Blog; an manchen davon schreibe ich ein bis zwei Stunden und mir ist der Inhalt auch Dauerhaft wichtig und andere Beiträge haue ich so raus und sie haben keinen oder nur aktuellen Bezug und interessieren spätestens ein Jahr später kein Schwein mehr. Diesem Unterschied werde ich demnächst durch eine geeignete technische Lösung beikommen, im Lifestream werdet ihr das wahrscheinlich durch verschiedene Hintergrundfarben visualisiert bekommen. Seid also gespannt.