Cocktails per Post bestellen

25 01 2008

Die Idee ist witzig, deswegen schnell meiner Leserschaft (hab ich eigentlich eine Leserschaft?) vorgestellt: Die Cocktailbude versendet per Post abgemessene Zutaten für Cocktails. Also z.B. braunen Rum, weißen Rum, Orangensaft, Ananassaft, Zitronensaft und Grenadine in den richtigen Mengen einzeln portioniert für einen Planter's Punch. Nur Crushed Ice wird zweckmäßigerweise nicht mitgliefert und muss beim Mixen zu Hause zugefügt werden. Das ganze kostet in dem Fall 3,49€ plus 3,90€ Versandkosten, ist also weit entfernt von günstig. Dafür halten sich die Zutaten zwei Wochen und man muss nicht 980ml Ananassaft nach zwei Wochen im Kühlschrank wegschmeißen, weil man 2cl davon für einen einzigen Cocktail gebraucht hat. Die beiden Gründer – die übrigens noch BWL in München studieren und auch so aussehen – schreiben über sich:

Wir lieben Cocktails und wollten schon öfters mit Freunden zusammen in privater Runde eine Cocktailparty schmeißen oder einfach in aller Ruhe einen guten Cocktail zu Hause genießen. Da es sich aber im Normalfall nicht lohnt, sämtliche Zutaten einzukaufen, dachten wir uns, selbst einzelne Cocktails zu vertreiben.

Ja das kenne ich zur zu gut: Man hat Lust auf einen oder zwei Cocktails, lässt es aber bleiben, weil man den Kühlschrank nicht voll mit irgendwelchen ablaufenden Säften haben will. Auch steht nicht jeder auf eine gut ausgestattete Spirituosenbar, die für eine möglichst große Vielfalt an Cocktails nötig ist und alleine einige hundert Euro Anschaffungskosten verursacht, Platzbedarf und Wirkung auf Besucher seien mal Nebensächlich. Wir haben sowas über das Jahr in Berlin zusammengekauft und brauchen die meisten Spirituosen quasi nie (Whiskey, Whisky, Brandy, Calvados, Angostura, vier Rumsorten, diverse Liköre und Spezialitäten), deswegen haben wir sie auch nie nachgekauft, wenn sie leer waren. Einzig Wodka, weißer und brauner Rum, Cachaça, Gin, Cointreu, Amaretto, Galliano und Likör 43 sind bei uns in angemessener Qualität stets zwingend im Haus und das sind bei Erstausstattung schon über 100€. Da kommen die portionierten Cocktailsets für manchen sicher gerade recht, wobei man in Berlin für 3,49€ in der Happy-Hour die gleichen Cocktails auch in einer schnuckeligen Bar schlürfen kann; aber München und Düsseldorf sind ja nicht Berlin… Also von mir eine positive Bewertung für diese Idee für Gelegenheits-Cocktail-Trinker, auch wenn aus verständlichen Gründen weder Crushed-Ice mitgeliefert wird noch Sahnecoacktails im Angebot sind. Vor allem aber mag ich den aufgeräumten Style der Website und die sparsamen Infos, die aber alles wichtige abdecken: Zum Beispiel dass die Verpackungen biologisch abbaubar sind. Sehr Zielgruppengerecht, auch wenn man ja heute kaum noch Begriffe wie Zielgruppe im Kontext des Webs verwenden kann. Erinnert mich übrigens insgesamt etwas an mymuesli.com.

via rivva.de > Exciting Commerce


Die Frage ist ja nicht die nach Ausländerkriminalität

24 01 2008

Jetzt schreibe ich doch eben einen Kommentar zum Thema der Ausländerkriminalität, obwohl ich das vermeiden wollte. Denn eine Sache verstehe ich in der ganzen Diskussion nicht, die ich am Rande mitverfolgt habe: Die beiden Typen aus der Münchener U-Bahn waren ein Grieche und ein Türke, soweit passt die Aufregung und die Bild hat ihre Schlagzeile. Es hätten aber genau so gut junge Männer egal welcher Nationalität sein können. Denn auch wenn es Deutsche gewesen wären, bleibt ein gemeinsamer Nenner: Es waren der Polizei bekannte Serientäter. Daraus ergibt sich für eine noch viel brennendere Frage als die nach der Ausländerkriminalität: Warum laufen bekannte Seriengewalttäter frei rum? Warum führen in Serie verübte Gewalttaten nicht dazu, dass solche Leute gestoppt werden? Ob Knast, Bootcamp, Todessatrafe oder was auch immer ist dann eine Frage des gesellschaftlichen Geschmacks bzw. Stils. Ich sehe also einen viel größeren Redebedarf darüber, was man gegen öffentliche Gewaltbereitschaft an sich tun kann, als gegen Gewaltbereitschaft von Ausländern. Womit ich übrigens keinesfalls gewaltbereite Ausländer in Schutz nehmen möchte und ich sehe persönlich auch durchaus unter Ausländern eine anteilig höhere Gewaltbereitschaft (wodurch auch immer begründet) gegenüber deutschen jugendlichen. Trotzdem wehre ich mich gegen die subtile Behauptung in dieser Diskussion, dass die Gewaltbereitschaft ein Ausländer-bedingtes Problem sei.

In meiner Jugendzeit habe ich ein einziges Mal eins auf die Fresse bekommen und das war keine schöne Erfahrung. Schon damals habe ich mich gefragt, wie es sein kann, dass der als Serientäter weithin bekannte Schläger (für die Insider: Ronny mit der dicken Backe) unbehelligt rumlaufen kann und einfach Leuten auf der Straße aufs Maul hauen kann. Der Typ war meines Wissens nach gerade 13 damals, aber auch nachher hat er weiter gemacht mit seiner Gewalt. Wieso wurde der Typ nie angemessen belangt? Warum passiert schlicht gar nichts, wenn ein gewaltbereiter Jugendlicher unbeteiligte Personen angreift und verletzt? Oder passiert doch etwas? Bei mir ist jedenfalls nie etwas angekommen, das wie eine angemessene Bestrafung geklungen hätte.


Horst2

24 01 2008

Am Dienstag habe ich dem Fachbereich die Migration unseres alten Testservers Horst (533MHz Celeron mit 768MB RAM und 20GB Festplatte) auf eine neue Maschine (2GHz P4 mit 512MB RAM und 80GB Festplatte) geschenkt. Dieser neue Rechner wurde uns (wie auch der alte übrigens) freundlicherweise vom Admin userer PC-Pools zur Verfügung gestellt, wofür wir ihm sehr dankbar sind.

Parallel zu dieser sowieso geplanten Migration kam die Anfrage unseres Hosters (ein FH-internes Institut am Standort Golzheim), ob wir für einige Zeit unsere Fachbereichs-Seite selber hosten könnten, während uns eine neue Maschine aufgesetzt wird und die alte leider mit einem schleichenden Hardware-Defekt behaftet ist. Irgendwann hört die Liebe zu meinem alten Job auf und so wurde ich für das Einspielen des Backups unserer Fachbereichs-Seite tatsächlich bezahlt.

Was ich aber eigentlich erzählen wollte: Wie Alex schon schrieb, ist das TYPO3-Backend und auch (weniger auffällig) das Frontend auf dem neuen Server viel flinker, obwohl Maschine und Anbindung deutlich schlechter sind als auf dem alten Server. Der Verdacht liegt da nahe, dass man unserer virtuellen Maschine die ganzen zwei Jahre über die Handbremse angezogen hat. Vielen lieben Dank dafür. Meine bescheidene Meinung dazu: Extern hosten.


Freiberufler-Honorardumping

24 01 2008

Am Montag wurde ich gefragt, ob ich bei einem aus dem Zeitplan zu rutschen drohenden Webprojekt als freier Entwickler aushelfen möchte. Ohne zu persönlich zu werden: Der Mensch, der sich hauptsächlich um dieses Projekt kümmert, steht mir sehr nah und da lasse ich mich nicht lange bitten. Am Dienstag hatte ich aber einen (gut bezahlten) Termin in der FH, so dass ich erst gestern in die Nachbarstadt aufbrechen konnte. Das Gespräch mit dem Auftraggeber hat mich allerdings verstört hinterlassen:

Der Mann hörte sich meine Ausbildung und meinen Werdegang an und schrieb Stichpunkte aus dem Gespräch offen sichtbar auf einen Zettel, natürlich primär die Punkte, die mir eine hervorstechende Qualifikation für diese Aufgabe absprechen (ich hatte btw. auch nie behauptet, für diese Aufgabe besonders geeignet zu sein). Hinterher warf er einen bedächtigen Blick auf den Zettel und nannte mir ein Stundenhonorar, das er mir zahlen könnte. Ich konnte es kaum fassen, aber der Mann hat mir allen Ernstes 12,50€ pro Stunde angeboten. Aus Fairnessgründen könnte er mir nicht mehr geben als seinen Festangestellten und er würde meine Leistung ja nicht kennen und so. Ich war sprachlos und sagte freundlich, aber entschieden ab. Als ich später im Auto war, rief er noch mal an und bot mir als totaaaal superduper Entgegenkommen 20€ pro Stunde an. Netter Versuch, aber:

  • Nach zweieinhalb Jahren in meinem massiv unterbezahlten HiWi-Job habe ich mir geschworen, meine Leistung nie wieder weit unter Wert zu verkaufen.
  • Fairness? Wenn er seinen Angestellten 12,50€ pro Stunde bezahlt ist das schon unverschämt wenig für die geleistete hochwertige Webentwicklungsarbeit. Mit Nebenkosten und allem Pipapo (Löhne auch ohne Aufträge zahlen müssen etc.) muss er für seine Angestellten weit über 20€ pro Stunde kalkulieren und fährt damit noch billig in dem Segment. Einem Freiberufler 12,50€ anzubieten ist also eine pure Unverschämtheit, muss er doch keinerlei Neben- oder sonstige Kosten kalkulieren, ich hätte sogar mein eigenes Notebook mitbringen müssen. Wenn sich der gute Mann das unter Fairness vorstellt, dann möchte ich ganz sicher nicht für ihn arbeiten.
  • Meine vorläufige Honorarkalkulation als Freiberufler lässt Aufträge unter 30€ pro Stunde nicht lohnend zu, und auch nur bei längeren Aufträgen von jeweils mehr als 4 Stunden am Stück. Üblicherweise stelle ich um die 50€ in Rechnung, um gut von meiner Arbeit leben zu können und noch etwas Luft für immer Anfallende Mehrarbeit zu haben (je nach Umständen passe ich den Preis auch mal an). Wenn ich mich zwei Wochen für 20 oder gar 12,50€ pro Stunde binde, muss ich die ganze Woche arbeiten und muss Aufträge zu meinem üblichen Stundensatz dafür ablehnen. Das bedeutet, dass ich auch zwei statt fünf Tage arbeiten könnte für das gleiche Geld und die restlichen drei Tage meinen eigenen Projekten nachgehen, rumhängen, mich weiterbilden oder schlicht mehr verdienen.
  • Auch wenn der Kerl mir nachträglich 30€, für die ich anfangs zugesagt hätte, bieten würde, würde ich absagen. Warum? Wer so dreist und schmierig versucht (unerfahrene) Freiberufler abzukochen, der soll mit seinen Projekten untergehen. Solch eine Bezahlung für freie Mitarbeiter bedeutet netto nämlich ggf. noch weniger, als die 5,58€ pro Stunde, die man als HiWi an einer NRW-FH bekommt.
  • Ach ja, die Fahrt mit dem Auto zu dem Laden und zurück kostet mich etwa zehn Euro allein an Benzin und pro Stunde fallen auch noch 2€ Parkgebühren an, bei Kostenumlage auf 8 Stunden pro Tag rutsche ich so bei 12,50€ weit unter 10€ pro Stunde und habe davon weder Steuern, (Kranken-, Renten-, Sozial- etc.) Versicherungen noch sonst irgendwas bezahlt. Vor dem Hintergrund wird vielleicht klarer, wieso ich so einen langen Beitrag darüber schreibe und so empört über diesen dreisten Versuch von Honorardumping bin. Frisören und Angestellten in all den anderen Billiglohn-Berufsgruppen mag das wie Jammern auf hohem Niveau vorkommen, aber in meiner Branche sind das unvorstellbar kleine Honorare. Und ich reite noch nicht einmal auf meinem abgeschlossenen Studium rum, was sich bei einer Festanstellung in einer größeren Hierarchie meistens deutlich in der Höhe des Monatsgehalts niederschlägt (übrigens in meinen Augen nicht immer zu Recht).

Zur Erinnerung: Es handelt sich bei der Aufgabe um eine kurzfristige (sofort), zeitkritische (Deadlines) und zeitintensive (viel zu tun) Arbeit, für die ich gewöhnlich einen Zeitdruck-Aufschlag kalkuliere. An meiner Honorar-Untergrenze zu arbeiten wäre ein Entgegenkommen meinerseits gewesen. Jetzt bin ich echt froh, dass ich diesen Auftrag abgelehnt habe. Das ist gar nicht so leicht für mich, zumal ich den Projektverantwortlichen jetzt hängen lasse. Aber ich kann ihm nur empfehlen, sich nicht zu diesem Dumpinglohn ausbeuten unterbezahlen zu lassen, sofern er denn wirklich nur diese 12,50€ pro Stunde bekommt und der Typ mich diesbezüglich nicht verarscht hat. Seine hochkomplexe und hochwertige Programmierarbeit (soweit ich das beurteilen kann) ist deutlich mehr wert als so ein lächerliches Taschengeld.


Ein illusteres Etablissement

24 01 2008

Ein illusteres Etablissement, dieses neue 01blog. Die CeBIT leistet sich ein Technologieblog und hat dabei sowas wie ein deutsches engadget im Sinn. Soweit nichts besonderes. Interessant und auch der Grund, warum das Ding sofort in meinen Feedreader gewandert ist, ist aber das illustere Autorenteam, bei dem ich sofort hellhörig werde:

Na wenn das mal nicht Garanten für interessante Einträge sind… Unter dem Vorbehalt, dass sie nicht aus Lustlosigkeit am Kommerzblog an sich langweilige Beiträge verfassen, aber eigentlich sind diese Damen und Herren in meinen Augen solcher Handlungsweisen eher unverdächtig. Real nenne ich solche Leute, integer könnte man sie auch nennen, wenn man Intellektuellen-Sprech dem Hip-Hop-Slang vorzieht.

Da fällt mir ein, dass mich mal ein von mir recht (oberflächlich, da ich ihn kaum kannte) geschätzter Mensch in meiner Schulzeit als besonders integeren Menschen bezeichnet hat; Integrität… ein Begriff, der sich seitdem in meinem aktiven Wortschaft herumtreibt und dessen bedeutungsvollem Wert ich nacheifere. Voll auf Respektökonomie gebürstet, wenn man so will, wo sich auch wieder der Kreis zu Herrn Lobo schließt und sich dieser Eintrag dem Ende zuneigt und schlafen legt. Vielleicht schreibe ich bei Gelegenheit etwas mehr über Integrität, Authentizität, Blogs und die Respektökonomie nieder.


Neuer Kommunikationssport: Underground-Buzzwording

21 01 2008

Der spaßige und irgendwie unverbrauchte Nachfolger des Bullshit-Bingo ist das Underground-Buzzwording, quasi das mentale S-Bahn-Surfen für hippe Webtypen. Es funktioniert folgendermaßen:

Man hat für den Adrenalinkick so viele Buzzwords oder hip klingende Begriffe raus wie geht. Punktabzug gibts dabei für zu verbrauchte, also nicht mehr undergroundige Begriffe; auch wenn man es mit zu abgehobenen Begriffen zu weit treibt, gibts Abzüge. Man surft also knapp stets an der Grenze zwischen Hippness und Spackotum. Wenn das Gegenüber einen für einen total abgehobenen Wichtigtuer hält, hat man verloren. Da das ganze stark vom Kommunikationspartner abhängt, ist hierbei neben Kreativität und Szenekundigkeit (für die wirklich guten Begriffe) vor allem Menschenkenntnis und viel Gefühl für die Situation an sich nötig.

Die Idee zu der Sache kam mir, als ich in einem Chat mit dem Alex über unser gemeinsames Gemeinschaftsbüro-Projekt folgende Zeile rausgehauen habe: quasi eine operationsbasis für ein webmenschen-kollektiv. Alex hat durchaus verstanden was ich meine und einen Spruch habe ich mir nicht gefangen dafür, aber die Begriffs-Konstellation ist in meinen Augen schon grenzwertig und bewegt sich deutlich in Richtung Web 2.0 Bullshit; genau das richtige also für die neueste Kopf-Sportart. Besonders spannend wirds auch am anderen Ende der Skala: Vor den Schwiegereltern (oder vergleichbarem) über seine Projekte erzählen und dabei gerade so viele unverständliche Begriffe verwenden, damit das ganze noch zu verstehen ist und man noch nicht für einen beknackten Vollidioten gehalten wird. Auf Nachfrage kann man sich ja damit rausreden, dass man sein Gegenüber ja nicht für blöd verkaufen will und seine Sprache deswegen nicht im Elterngeneration-Kompatibilitätsmodus fährt. Und wenn man gemein sein will und das Gegenüber nicht blöde ist, dann macht man das ab dann trotzdem und gibt dem anderen so das Gefühl, dass man ihn wegen seiner Intervention doch für blöd hält. Sowas aber nur machen, wenn man auf Krawall gebürstet ist, die Schwiegereltern zum Kotzen findet oder die Schwiegereltern wirklich Spaß verstehen.


Seltsame Anspruchshaltungen

18 01 2008

Ein Kommentar zu einem älteren Beitrag über meinen Postboten, der regelmäßig meine c't verknickt hatte, hat mich etwas nachdenken lassen über meine Einstellung zu verschiedenen Berufsgruppen, Wertschätzung und Anspruchshaltungen. Als Tenor des Kommentars habe ich herausgehört, dass mir der Kommentator Undankbarkeit i.w.S. unterstellt. Sicher, mein verärgerter Nachsatz "Arschloch" hinter meinem Beitrag ist durchaus angreifbar. Aber er ist eine Reaktion auf regelmäßig verknickte c'ts mit teilweise defekten CDs oder gerissenen Seiten. Höhepunkt war mal eine gebrochene Heftbindung, das muss man erst mal schaffen. In meinen Augen ist es jedenfalls durchaus vermeidbar, zumal die im Kommentar erwähnte vorschriftsmäßige 2/3-Versenkung im Briefkasten auch im härtesten Knick-Quetsch-Fall mit einer c't und unserem Briefkastenmodell nicht mal im Ansatz zu erfüllen ist. Zurück zum Kommentar: Ich soll mich nicht wundern, dass meine c't kaputt gequetscht wird, wenn ich meinen Postboten deswegen (indirekt und unpersönlich) als Arschloch bezeichne. Diese Logik erschließt sich mir einfach nicht, da ich dem Postboten zuvor nie was getan hatte. Vorauseilendes Karma? Gewagte These. Besser aber ist allemal die folgende Idee:

Schonmal ein Trinkgeld gegeben ? Denn Postboten haben ein gutes Gedächtnis, halt wie ein Elefant!

Huch? Damit der Postbote seinen Job korrekt erledigt (und dazu gehört nun mal, die Sendungen nicht immer wieder zu beschädigen), soll ich ihm ein Trinkgeld zukommen lassen? Davon abgesehen, dass ich ihn selten persönlich antreffe, was ist denn das für eine Anspruchshaltung? Soll ich etwa auch dem Schaffner ein Trinkgeld geben, damit er mich nicht übertrieben unfreundlich behandelt? Oder der Frau an der Kasse vom Penny, weil sie meine Waren einpiepst und abkassiert? Trinkgeld gebe ich gewöhnlich nach(!) freundlicher Bedienung im Restaurant oder dem Liefermann, obwohl das in meinen Augen zu deren Job dazu gehört. Kein Trinkgeld gibt es dagegen für Bedienungen, die sich wiederholt unfreundlich oder unangemessen verhalten haben. Vielleicht würde sogar der Paketbote ab und an ein Trinkgeld von mir bekommen, wenn er schwere Pakete in den x-ten Stock schleppen würde, statt sie im ersten Stock oder gar nicht abzugeben. Ich wohne aber im ersten Stock und nehme gehäuft Pakete für die Leute im dritten Stock an, die sich stets verwundert zeigen. Also lass ich das mit dem Trinkgeld auch hier.

Als ich also so beim Einschlafen darüber nachgedacht habe, hatte ich das ungute Gefühl, allen Möglichen Berufsgruppen gegenüber durch meine Verweigerung von Trinkgeldern mangelnde Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen. Ein hochnäsiger Akademiker also (bin ja kein Student mehr), der auf den arbeitenden Pöbel herabschaut. Allein, dem ist nicht so: Im Gegenteil wertschätze ich die meisten Dienstleistungsberufe weit mehr als viele andere Leute. Ich bin den Mitarbeitern der Awista beispielsweise sehr dankbar dafür, dass mein Müll regelmäßig entsorgt wird und sogar nachts um halb vier in der Altstadt die Mülltonnen geleert und Scherben weggefegt werden. Allgemein bin ich ein großer Freund derer, die alle möglichen anderen Dinge für mich tun, auf die ich keine Lust habe und ich vertrete auch die für mich im Zweifel teure Auffassung, dass solche Arbeit angemessen zu bezahlen ist. Ich erweise allen diesen Leuten grundsätzlich einen hohen Respekt für ihr Tun. Das hält mich aber nicht davon ab, jemanden (auch öffentlich) zu kritisieren, der mir gegenüber diesen Respekt nicht zeigt. Zum Beispiel, indem er oder sie regelmäßig meine Sendungen beschädigt.

Wie man in den Wald hereinruft? Was für eine Verdrehung der Situation? Mein Nachsatz Arschloch ist ja genau das nicht, sondern vielmehr das, was wieder heraus schallt. Über Monate fast jede c't zu verknicken ist das, was in den Wald hereingerufen wurde. Ist zumindest meine Auffassung. Also versönlich gesagt: All ihr Postboten oder Briefzusteller oder wie auch immer Eure genaue Berufsbezeichnung lautet, ich finds toll, dass ihr bei jedem Wetter durch die Straßen zieht, um mir meine Post zuzustellen. Für das Arschloch entschuldige ich mich dennoch nur teilweise, weil eine Beschimpfung in dieser mickrigen Größenordnung in meinen Augen durchaus angemessen ist für regelmäßige und offenbar mutwillige Schlechterfüllung eines Jobs, unter der ich zu leiden habe. Das ganze ist einfach vermeidbar, indem die c't – wie übrigens alle anderen großen Sendungen auch – auf den Briefkasten oder auf die Treppe gelegt wird. Damit bricht sich niemand einen Zacken aus der Krone und alle sind zufrieden, außer vielleicht den Paragraphenreitern, die sich diese angebliche in meinen Augen gefährliche 2/3-Einstecken-Regelung ausgedacht haben.


Weltrekordversuch im Dauerbloggen

15 01 2008

Ein paar todesmutige Leute, die das gleiche studieren, was ich studiert habe, hauen im Rahmen einer Lehrveranstaltung zu PR- und Pressemanagement ein witziges Blogprojekt raus: Ein Weltrekordversuch im Dauerbloggen. Wer etwas Ahnung von Blogs hat, kann sich darunter garantiert erst mal nichts vorstellen, so auch ich anfangs nicht. Tatsächlich ist das so gedacht, dass 24 Stunden lang 12 Einträge pro Stunde in ein gemeinsames Blog gehackt werden, wobei jeder Gast mitbloggen darf. Also auch Die Besucher des morgigen Tags der offenen Tür an unserer schönen FH. Das ganze ist als Weltrekordversuch beim Guinness Buch der Rekorde angemeldet, hat aber sicher keine Chance auf offizielle Aufnahme. Egal, ist auch so witzig.

Das beste daran ist aber die Einbindung von ein bis zwei Webcams, die Live über Mogulus einen schönen Webstream ins Netz senden, man kann also auch von außen zusehen, was da passiert. Spaßig, wie ich finde.

Ich mache mir allerdings sorgen, dass Horst, unser sehr alter und sehr schwachbrüstiger Testserver total schlapp macht sobald der ein oder andere Besucher die Seite besucht. Einen echten Backup-Server haben wir leider nicht und neue Hardware ist erst gestern gekommen, so dass eine Einrichtung zu knapp war. Mal schauen.

Das richtige Fernsehen ist übrigens gerade da, wie mir ein Vögelchen gezwitschert hat. Also hoch und mal bei center.tv in die Kamera gucken…

Nachtrag 17:01: Ach, ganz vergessen zu erwähnen, dass Google einem als Korrekturvorschlag für Dauerbloggen dauerblasen vorschlägt, auch nicht schlecht.


Schwänzen

13 01 2008

Kurz mal eine spannende Frage in den Raum geworfen: Wie schwänzt man eigentlich, wenn man gar keinen Schwanz hat?


DRM ist sowas von raus

11 01 2008

DRM-Maßnahmen gelten als das größte Verkaufshindernis für Musikdownloads.

Das geht bei mir runter wie Öl und stammt aus einem Abgesang auf DRM im SPON, der deutlichere Worte kaum hätte finden können. Lesenswert. Natürlich schadet DRM mehr als es nützt. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass es der Musikindustrie überhaupt nicht genützt hat. Naja zum Erkenntnisgewinn vielleicht…

Man beachte auch meinen Nachtrag zum letzten Artikel zm Thema DRM.

Eigentlich wollte ich meine schon erwähnte Hausarbeit zum Thema DRM hier veröffentlichen, aber bei einer schnellen Lektüre ist mir aufgefallen, wie schlecht sie im Vergleich zu meiner Thesis ist. Sowas kann ich keinesfalls öffentlich zur Verfügung stellen, ohne mich in Grund und Boden zu schämen. Ich habe eine steile These nach der anderen rausgehauen und Dinge behauptet, die ich nicht näher erklärt und auch nicht belegt habe. Das mag in großen Teilen der Kürze der Arbeit geschuldet sein, aber das ist keine Entschuldigung für wissenschaftliche Unzulänglichkeit; auch nicht, dass eigentlich alles (inkl. der Behauptungen) inhaltlich korrekt ist und meine Thesen fast alle inzwischen verifiziert worden sind (was mir eine gewisse Befriedigung bereitet). Auch die Formulierungen sind nach wissenschaftlichen Maßstäben mitunter haarsträubend. Eventuell hätte ich mir für die 15 Seiten mehr als ein Wochenende Zeit nehmen sollen, die 3,3 ist jedenfalls durchaus berechtigt. Andererseits macht Übung den Meister und ein Jahr später hat meine Thesis diese ganzen Fehler Kinderkrankheiten nicht mehr gezeigt.