Soda, da fällt doch tatsächlich beinahe das ganze Skype-Netz für mehr als 24 Stunden und mit immensem Medienecho aus. Mich betrifft das nur am Rande, weil ich bereits seit einigen Wochen Skype nur noch anwerfe, wenn ich einen Kontakt erreichen will, der Instant Messaging sonst ablehnt. Aber es wirft vielleicht auch bei anderen die substanzielle Frage auf, warum man sich überhaupt von Skype so abhängig macht. Im Artikel im Spiegel Online steht ein Abatz, der mich doch zum Nachdenken bringt:
Betroffen vom globalen Kommunikations-Crash waren viele Kleinunternehmen, die ihre herkömmlichen Telefonanschlüsse gekündigt haben und ausschließlich über Skype telefonieren. Ihnen war es über Stunden unmöglich, Kunden und Kollegen telefonisch zu kontaktieren.
Ja sind die denn total bescheuert? Wer sich so auf einen Dienst verlässt, der offiziell seit Jahren in der Beta-Phase steckt (sprich: ohne Funktionsgarantie ist), hat es nicht anders verdient. Aber ich lese daraus auch ab, wie manche Leute auf Skype abgehen. Bedenklich.
Telefoniert habe ich über Skype zuletzt vor einigen Wochen: Wozu bekommen wir denn alle Telefonflatrates hinterher geschmissen? Vor allem aber gefällt es mir nicht, dass Skype das einzige verbreitete IM-System ist, das den Einsatz seines inzwischen reichlich überladenen Clients vorschreibt und dies auch durchsetzt. So ein System kann mich mal. Wo ist der schlichte Client geblieben, der simpel einfach chatten und telefonieren kann und mich nicht total nervt? Warum kann ich alle IM-Netze in meinem Multi-Protokoll-Client vereinen, aber der fette Skype-Client muss nebenher laufen? Und der Verschlüsselung (bzw. der nicht offen gelegten Implementierung des an sich sicheren AES Algorithmus) kann ich auch nicht vertrauen. Meine Konsequenz ist daher seit einigen Wochen der weitgehende Verzicht auf Skype, superduper Gruppenkonferenzen hin oder her.
Alternativen? Reichlich. Gute Alternativen? Zum weit verbreiteten IM mit Voice eigentlich keine. Bislang. Google Talk kommt von Google, ist also keine gute Idee, wenn man sich frei machen möchte. Aber die Implementierung der Technik von Google-Talk ist offen und heißt Jingle. Es steht also jedem Jabber-Client frei, diese Funktionalität zu implementieren. Der erste mir bekannte und halbwegs brauchbare ist Spark. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch andere Messenger Jingle implementieren. Und spätestens dann ist es endgültig Zeit, dem proprietären Skype-Netz den Rücken zu kehren. Oder es wird Zeit für Skype, seine Spezifikationen auf den Tisch zu legen und sich zu öffnen. Wir werden sehen.
Weiterlesen:
Mein Manifest pro Jabber, ergänzend: Warum eigentlich Jabber?.