Kopftuch-Musliminnen
Geschrieben von Gregor Nathanael Meyer um 12:1515 10 2006
Im SPON sehe ich gerade einen Artikel Deutsch-Türken gegen Kopftuch: "Symbol der Frauenunterdrückung". Von mir ein Full-ACK dazu. Ich sehe vermummte Musliminnen immer erst mal 1. als unterdrückt und 2. als Zeichen aktiv unterlassener Integration an; und zwar so lange, bis ich im Einzelfall vom Gegenteil überzeugt werde. Ist das ungerecht? Gemeine Vorurteile? Keine Ahnung, ich handhabe das so und die Message in diesem Artikel geht in die gleiche Richtung. Ich lasse mir jedenfalls nicht vorhalten, dass ich Vorbehalte und Vorurteile gegen Bevölkerungsgruppen habe (gemein gemein!), wenn diese sich offenbar bewusst der Integration entziehen. Sorry liebe Leute, aber da habe ich keinerlei schlechtes Gewissen bei. Das ganze wäre nur halb so schlimm, wenn da nicht der Aspekt der offenen Frauenunterdrückung wäre, der absolut und ganz und gar nicht in unsere Gesellschaft passt. Schlimm genug, dass frühere Gesellschaften und heute noch Gesellschaften in weiten Teilen der Welt das so praktizieren. Ich möchte das aber in meinem Umfeld nicht sehen. Scheiß auf Religionsfreiheit! Die ist dafür gedacht, dass niemand wegen seiner Religion verfolgt werden kann und sich frei entfalten kann. Sie ist aber keinesfalls dafür gedacht, als Freibrief für Grundgesetz-widriges Verhalten missbraucht zu werden.
Und sorry für meine krasse Meinung: Eine Religion, die so gelebt wird, dass irgendwer unterdrückt oder diskriminiert wird, ist eine Scheiß Religion und braucht nicht geschützt werden. Ganz besonders, weil die hier häufig Anstoß findenden Teile des Islam so weit ich weiß allesamt einer Auslegung entspringen, die nicht zwingend notwendig ist und nach Ansicht anderer Muslime schlicht falsch ist. Also ist der Islam an sich nicht scheiße, wird aber zu häufig zu beschissen ausgelegt. Das Christentum kann auch verschieden ausgelegt werden. In der ehemaligen Gemeinde meines Vaters eben sehr liberal und sozial, insgesamt also sehr schön. In anderen Gemeinden, Konfessionen oder gar Freikirchen und Sekten kann das ganz anders aussehen.
Religion wird immer dann scheiße, wenn sie nicht nur positives bringt. Leider passiert das all zu schnell und in allen Religionen. Wer aus religiösen Gründen Freiheit oder sonst etwas einschränkt, hat den Sinn von Religion missverstanden. Religion kann eine Stütze sein, kann so viel positives bringen und steht jedem frei zur Verfügung. Religion als Metaebene wird dann in sich unsinnig, wenn sie mehr Schaden i.w.S. anrichtet, als sie Nutzen i.w.S. bewirkt, mal abstrakt formuliert. Sehe ich so.
Insofern ist das Signal, das die Deutsch-Türken da geben, absolut begrüßenswert und wichtig für ein gemeinsames Leben. Da muss eine Diskussion im islamischen Teil der deutschen Bevölkerung und auch darüber hinaus folgen. Ein "Ruck"… ihr wisst schon.
Damit will ich übrigens nicht sagen, dass ich manchen gewaschenen Gehirnen die Entscheidung wegnehmen will, sich freiwillig und aus verquerer Überzeugung heraus zu vermummen. Keinesfalls. Aber wer das tut, darf sich über Missverständnis und dadurch auch Ablehnung seiner Mitmenschen nicht wundern und erst recht nicht beschweren. Wer z.B. mit zerrissenen Klamotten und gefärbten Haaren rumläuft tut das auch nicht.
Kategorien : Zeitgeist
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